Danke lieber Touristik Report für einen langen Weg mit der Branche

Vor zwei Wochen fragten die BBBs „wie lange gibt es noch den Touristik Report?“, nicht ahnend, dass das Ende so nahe war.
Schade, denn der Touristik Report war ein Begleiter der Touristikbranche über einen sehr langen Weg. In den Anfangszeiten des Touristik Reports war die Branche noch von Dieter Niedecken, dem Herausgeber des fvw dominiert. Der hatte exzellente Beziehungen zur ersten Branchenebene. Deshalb knüpfte Heiner Berninger, der lange Zeit als Chefredakteur den Touristik Report prägte, Kontakte zur jungen aufstrebenden zweiten Ebene. Als diese dann den Sprung an die Spitze der Unternehmen schafften, konnte Berninger beziehungsmäßig mit der Konkurrenz in Hamburg locker gleichziehen.
Von da an, war es für manchen Manager eine „heiße“ Kiste wie, wann und wo man seine Firmenneuigkeiten zuerst unterbrachte.

Dabei verstand sich Berninger besonders als der „investigative“ Journalist. Man musste dementsprechend immer zuerst sein ausgeprägtes Misstrauen überwinden. Da Stil und Ausdruck des Touristik Reports besonders in jener Zeit sehr scharf waren, hatten alle immer viel Freude am Lesen, sofern sie nicht selbst Zielscheibe der Kritik waren.

Wie kaum eine andere Fachzeitschrift landete deshalb der Touristik Report unmittelbar nach Erscheinen auf dem Tisch des Managers. Da wurde oft die Arbeit unterbrochen und schnell das Heft durchgeblättert.
Dabei gab es vier Erregungsstufen:
1. Stufe: Man wurde schwach gelobt. Das war die beste Variante, da konnte man gleich weiterarbeiten.
2. Stufe: Man wurde schwach kritisiert. Auch damit konnte man notfalls leben. Allerdings musste man dann mit Nachfragen aus dem Aufsichtsrat rechnen (die den TR ja auch gelesen haben), d.h. man musste eine Begründung parat haben.
3. Stufe: Man wurde stark gelobt. Das war weniger gut, das weckte erstens Neid bei den Kollegen („na ist ja etwas übertrieben, Sie können halt gut mit dem TR“) und zweitens musste man damit rechnen, dass die Konkurrenzblätter eine gegenteilige Story brachten. .
4. Stufe: Man stand überhaupt nicht im TR. Das konnte man sich höchstens zweimal hintereinander leisten, dann musste man darüber nachdenken, warum „man nicht mehr wichtig war“.
5. Stufe: Man wurde heftig kritisiert. Da musste sofort recherchiert werden, wer „dem Berninger da etwas gesteckt hatte.““

Natürlich konnte man als Manager ein wenig Vor-Checking machen. Zum Beispiel, wenn man nach dem Hinweis der Sekretärin oder des Pressechefs „Heiner“ ist am Telefon, auch sofort Rede und Antwort stand. Ein Glück, dass viele Aufsichtsräte nicht wussten, dass sie in der Prioritätsstufe hinter dem Chefredakteur des Touristik Reports standen.

Auch in anderer Hinsicht empfahlen sich „Gespräche“ mit dem TR-Chef. Wer so lange in der Branche war, und immer kritisch hinterfragt hatte, hatte auch ein gerüttelt Maß Fachwissen und vor allem auch Einschätzung von Personen angesammelt, dass man auf diese „Hilfe“ nicht verzichten wollte (konnte).

Wie auch immer, dem Touristik Report konnte man schlecht eine Bitte abschlagen. So dachte auch ein ehemaliger Spitzenmanager eines (sehr) großen Touristikkonzerns der ein kleines Problem hatte: Morgens Hochzeit, abends Einladung zum Jahrestreff vom Touristik Report. Der erfolgshungrige Manager wusste was sich gehört. Da begann die Hochzeitsnacht mit dem TR-Presse-Event, der Rest musste eben etwas schneller gehen.

Gerade dieser TR-Event war auch legendär hinsichtlich der Qualität von Speis und Trank. Für manchen war auch die Quantität zuviel. Man erinnert sich gerne da an einen etwas zu laut ausgetragenen veritablen Ehekrach, mit sehr „gehaltvollen Bemerkungen“, zwischen einem Top-Manager und seiner Gattin. Was muss das die TR-Verantwortlichen geärgert haben, darüber nichts schreiben zu dürfen. Da kommt gerade jetzt Trost auf, wenn man sich die eine oder andere Geschichte verkneifen muss.

Berningers Nachfolger als Chefredakteur, Jürgen Scharrer, war und ist mehr der „brave“ Typ. Nicht ohne Grund steht brav in Anführungszeichen. Denn der Begriff „braver Journalist“ ist keine Tautologie, wie er uns sicher weismachen möchte, sondern ein Oxymoron, ein Widerspruch in sich. Kurzbeschreibung: Sieht harmlos jung aus, immer sehr freundlich, höflich und kompromissbereit, immer den Eindruck erweckend „rein zufällig“ die größten Geheimnisse erfahren zu haben, insbesondere wenn er nur einige wenige Details kannte. Beliebte Masche: Sätze anzufangen aber nicht zu beenden, das macht dann versehentlich der Interviewte. Dadurch bekam er dann die Informationsreste die noch fehlten. Dieses Wissen beim nächsten Gesprächspartner wieder in einen Halbsatz gepackt, vom naiven Manager ergänzt und schon stimmt die vermeintliche Ausgangslage: Der „Brave“ hat die Geschichte im Sack.
Siehe hierzu auch die BBBs vom 21.8.2005 anlässlich des 25. Jubiläums des Touristik Reports: Die Tricks der Journalisten.

Wiederum ein anderer Typ war und ist die zuletzt stellvertretende Chefredakteurin Christiane Fischer. Vollkommen unaufgeregt versuchte sie dem Leser primär Fachwissen zu vermitteln. Und dies in einer Sprache, die der Leser auch verstand. Bewundernswert wie hier selbst komplizierte Sachverhalte sehr leserorientiert „übersetzt“ wurden. Insbesondere das „TR-Sonderheft“ wurde somit zu einem richtigen „Fachbüchlein“ in dem man auch mit einigem Zeitabstand noch etwas nachsehen konnte. Christiane Fischer bleibt erfreulicherweise der Branche erhalten (wechselt zur fvw).

Entschuldigung, wenn man an dieser Stelle nicht alle erwähnen kann, die sich beim TR für die Branche mit ihrer Arbeit verdient gemacht hatten. Aber einer davon muss aus ganz persönlichen Motiven hier doch herausgehoben werden: Willi Bremkes, journalistisches Urgestein der allerbesten Art. Danke, lieber Willi Bremkes“, für sehr viele interessante Beiträge und Gespräche.
Und wie erfahren wir künftig was auf dem „Bieberer Berg“ los ist? (Für die „wenigen“ BBB-Leser die dem Fußball fremd gegenüberstehen: Der „Bieberer Berg“ ist eine Fußball-Kultstätte, die niemand versteht, der dort noch nicht in der Fankurve gestanden hat.)

Danke, lieber Touristik Report. Jetzt müssen fvw und andere Eure Arbeit mit übernehmen. Und in der letzten Ausgabe habt Ihr die Konkurrenz zum Abschluss sogar noch gelobt. Wer hätte das jemals gedacht.

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Sorry, dass dieser aktuellen Geschichte die geplanten Bissigen Bemerkungen zum Weltfrauentag (8.3.) zum Opfer gefallen sind. „Typisch“ wird die eine oder andere weibliche Leserin jetzt aufstöhnen. Keine Sorge, die BBBs wissen was sie ihren charmanten Leserinnen schuldig sind. Dafür werden die nächsten Bissigen Bemerkungen besonders „weiblich“.

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