NATO-Gipfel in Baden-Baden und der unglaubliche Einsatz der deutschen Touristik

Am 3.4 und 4.4. findet der nächsten NATO-Gipfel gleichzeitig in Straßburg, Kehl und Baden-Baden statt. NATO-Gipfel und Baden-Baden? Das passt nicht zusammen.
NATO-Gipfel, das sind Drohungen gegen den Rest der Welt, das sind Geheimagenten und hochdekorierte Militärs, das sind vermummte Demonstranten, brennende Barrikaden, Tausende von Polizisten und Einwohner die ihre eigene Stadt kaum noch betreten können.
Baden-Baden dagegen ist Liebe, bezaubernde Boutiquen, Hotels in denen der Gast noch König ist, Restaurants mit exquisiten Speisen und Getränken, Frauen mit sexy russischem Akzent. Baden-Baden ist auch L´tur, wo man den Urlaub noch so spät buchen kann, dass es fast noch rückwirkend geht.

NATO-Gipfel in Baden-Baden ist wie Luzifer im Garten Eden, wie Boris Becker im Nonnenkloster oder wie Angela Merkel in der Sesamstraße (über letzteres könnte man noch diskutieren).

Ich sehe vor meinen Augen wie der berüchtigte Zaun vom letzten G8-Gipfel von Heiligendamm nach Baden-Baden gebracht und mitten durch die Stadt montiert wird. Familien die es nicht rechtzeitig geschafft haben gemeinsam auf einer Seite zu sein, werden tagelang voneinander getrennt. Der legendäre 8-sitzige Strandkorb von Heiligendamm muss für die 26 NATO-Mitglieder verlängert werden und zieht sich jetzt durch die komplette Fußgängerzone von Baden-Baden. Das berühmte Casino ist durch Militärstrategen belegt, die die Kugel rollen lassen um damit ihre Chaos-Theorie empirisch beweisen zu können. Versehentlich werden alle Leitungen zur L´tur-Hauptverwaltung gekappt. Deutschland ist ohne Last Minute-Angebote und das ausgerechnet in diesem Jahr. Das Management in Deutschlands Hotel Nr. 1, dem Brenners Parkhotel, zittert. Es erinnert sich welcher Aufschwung dem Kempinski In Heiligendamm vor dem Gipfel versprochen wurde und wie das Hotel kurz danach abstürzte.

Am letzten Tag des NATO-Gipfels kommt es zum GAU. Die Wahl des neuen Generalsekretärs platzt. Die deutsche Touristik bietet Hilfe an. Karlheinz Kögel, ex L´tur Vorstandsvorsitzender und Veranstalter des Medienpreises, der Erfahrung im Umgang mit „großen Tieren“ hat, wird vorgeschlagen. Abgelehnt. Wer nachweislich Menschen wie Mandela und den Dalai Lama auszeichnet ist zu friedvoll für die NATO. Die Touristik schlägt Air Berlin-Boss Achim Hunold vor, den Donald Rumsfeld der Fliegerei. Er hat Erfahrung widerspenstige Interessen unter einen Hut zu bringen, zumindest ansatzweise. Abgelehnt. Seine Hybrid-Strategie lässt sich nicht auf die NATO übertragen. Die Touristik legt nach mit Michael Frenzel von der TUI. Gerüchte laufen um, er hätte die berühmte Militärstrategie „flexible response“ erfunden, zumindest wendet er sie fast täglich an. Die NATO ist zufrieden, aber TUI gibt Frenzel nicht frei.
Als letzten Joker schlägt eine touristische Fachzeitschrift ex Arcandor-Boss Thomas Middelhoff vor. Der hat jetzt Zeit. Er präsentiert der NATO-Versammlung eine fantastische Vision für eine überaus erfolgreiche Zukunft der NATO und das in so faszinierenden Worten, dass niemand nach den Realisierungschancen fragt.
So bleibt auf viele Jahre hinaus die NATO mit der sog. „Baden-Badener Vision“ verbunden.

5. April 2009. Der NATO-Gipfel ist zu Ende. 15.000 Polizisten und 25.000 Demonstranten ziehen sich aus der Stadt zurück. Die 50.000 Einwohner von Baden-Baden, in den letzten Tagen zumindest numerisch entweder mit einem Polizisten oder einem Demonstranten verbunden, bauen ihre Stadt wieder auf. Sie werden sie wieder schön machen. Und danach wird Baden-Baden wieder Liebe sein, bezaubernde Boutiquen haben, in den Hotels wird der Gast wieder König sein, in den Restaurants werden wieder exquisite Speisen und Getränke angeboten werden und einige Damen werden wieder ihren sexy russischen Akzent hören lassen. L`tur wird noch mehr Last Minute verkaufen denn je und das Brenners wird wieder Deutschlands Hotel Nr. 1 sein.
Haben Sie es bemerkt? Ich liebe dieses Baden-Baden.

(Speziell zum NATO-Gipfel siehe auch den Blog: L`tur bloggt den Gipfel

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Ein NATO-Gipfel ist schon eine gigantische Sache. Aber innerhalb weniger Stunden zwei neue Großaktionäre für Air Berlin (TUI Travel plc und ESAS Holding) ist auch eine hochinteressante Geschichte. „Ja ist denn schon Ostern?“ würde „der Kaiser“ sagen, angesichts dieser zwei Ostereier im Nest. Dazu mehr in der nächsten Ausgabe der BBBs.

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Neuester Plan bei RTL: Dschungelcamp für Touristikbosse

Kaum ist die vierte Staffel des Dschungelcamps mit Rekord-Einschaltquoten zu Ende, planen die RTL-Bosse schon einen neuen Coup: Dschungelcamp für Touristikbosse.

Es war fast zu erwarten, dass die Fernsehmacher auf die Touristikbranche stoßen würden. Die Überlegung war schließlich einfach und zwingend. Wer leidet im Moment etwas an Publicity und könnte dringend zusätzliches Einkommen brauchen?

Da die Bissigen Bemerkungen als Berater für die neue Show angeworben wurden, bitten wir Sie liebe Leserinnen und Leser um Vorschläge: Wen möchten Sie im Dschungelcamp sehen? Und bitte mit Begründung warum?

Sollen insbesondere touristische Altstars ausgesucht werden? Sie bräuchten schließlich neue Publicity besonders und Altstars scheinen ja beim Publikum „in“ zu sein.

Oder denken Sie mehr an aktuelle Touristikmanager?

Wie wäre es zum Beispiel mit Michael O`Leary? Den würden die Zuschauer (und mancher Flughafenboss) bestimmt zu jeder Dschungelprüfung schicken und bis zuletzt im Dschungel lassen, damit er lernt wie man sich als Ryanair-Passagier fühlt.

Wie wäre es zum Beispiel mit Hans Rudolf Wöhrl? Seinem Publicity-Drang würde es sicherlich gut tun. Wenngleich hier die Gefahr wäre, dass er RTL anschließend das Camp für 1 Euro abkaufen würde um es dann für viel Geld weiter zu verscheuern. Auch nicht schlimm, nach dieser Staffel könnte es ohnehin keine bessere mehr geben.

Wie wäre es mit Willy Verhuven? Seine Senkung des Treibstoffkostenzuschlages finden die Kunden toll. Aber die Konkurrenten wünschen ihn dafür in den Dschungel.

Oder wie wäre es mit den Firmenbossen, denen gerade ein russischer Investor abhanden gekommen ist? Frisches Geld wäre ja nicht schlecht. Aber da gibt es auch Bedenken.
Achim Hunold von Air Berlin würde schon nach der ersten Folge rufen: „Hilfe holt mich raus, ich bin ein Star“. Schließlich wird er noch in Hannover als Knecht Ruprecht gebraucht um die Mitarbeiter von TUIfly von einer (eigentlich ohnehin sinnvollen) neuen Strategie zu überzeugen.
Vural Öger hat auch seinen Russen verloren. Aber wenn man Öger fragen wird, was im Moment schlimmer sei: russischer Investor weg oder Dschungelcamp oder SPD-Abgeordneter sein? Die Antwort kennen wir wahrscheinlich.

Oder können Sie sich Ernst Hinsken, den Tourismusbeauftragten der Bundesrepublik im Dschungel vorstellen? Warum nicht, bringt er doch eine Menge Erfahrung aus dem Berliner Polit-Dschungel mit.

Oder denken wir an Prof. Gerd Stöwer vom Flughafen Münster/Osnabrück. Sorry, dass wir seinen Namen hier erwähnen, weil er von der Person her nun wirklich nicht in das Dschungelcamp passen würde. Aber bei seiner Erfahrung mit Bachneunaugen und Fledermäusen hat er wahrscheinlich mehr Fachkenntnisse als alle anderen zusammen.

Für jemanden aus der Hotelbranche könnte es auch interessant sein. So schnell wie man hier zu 5 Sternen kommen kann!

Aber bitte niemanden von Condor vorschlagen. Beim nächsten Aschermittwochs-Fischessen würde ich mir nicht trauen etwas vom Fisch-Buffet zu nehmen.

Und zuletzt noch die aller heikelste Frage. Wer soll das Luder im Camp sein?

Auch da haben die Bissigen Bemerkungen schon eine Idee, denn unabhängig von Ihren Leser-Vorschlägen hat der Autor dieser Zeilen sich schon mal zehn Namen notiert und denkbare Gespräche und Diskussionen zwischen den Kontrahenten aufgeschrieben. Eine echte Hammer-BBB. Beim nochmaligen Lesen dieser Bissigen Bemerkungen wurde die inhaltliche Brisanz deutlich und damit die Gefahr als realistisch gesehen, danach zehn (allerdings evtl. ohnehin nicht vorhandene) Freundschaften zu verlieren. Deshalb wurde das Manuskript in einen Tresor gelegt und darf erst nach dem Tode des Verfassers (zusammen mit anderen aus den gleichen Gründen dort liegenden bislang unveröffentlichten Kracher-BBBs) der Leserschaft zur Kenntnis gebracht werden.
Aber vielleicht kommen Sie verehrte Leser und Leserinnen zu ähnlichen Erkenntnissen, die würden wir dann vollkommen skrupellos veröffentlichen und die eigenen Gemeinheiten dabei unterschmuggeln.

Die Bissigen Bemerkungen freuen sich auf Ihre Post.

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Wechselt Andrea Ypsilanti jetzt in die Flugbranche?

Die hessische SPD-Frontfrau Ypsilanti hat aufgegeben und auf eine erneute Spitzenkandidatur für die nächste Wahl verzichtet. Da Ypsilanti früher Flugbegleiterin bei Lufthansa war (was auf ihrer Homepage diskret verschwiegen wird, warum eigentlich?), hat Stern Autor Wolfgang Röhl in einer Gastkolumne bei achgut.com eventuelle Einstiegschancen bei verschiedenen Fluggesellschaften analysiert. Die Bissigen Bemerkungen greifen diese Kolumne auf und setzen noch einige Aspekte in BBB-Manier drauf.

Fluggesellschaften, bei denen Ypsilanti wenig Chancen hat:
Air Berlin: Allein der Gedanke Ypsilanti und Air Berlin ist schon der Brüller des Jahres. Mit Sicherheit würde schon der Praktikant in der Personalabteilung diese Bewerbung aussortieren. Mit ihrer ausgeprägten Sozivergangenheit und als anerkannte Gewerkschaftsfreundin passt sie in das Firmenprofil von Air Berlin wie der Fuchs in den Hühnerstall. Spätestens den obligatorischen höchstpersönlichen Blicktest durch Air Berlin-Boss Achim Hunold würde sie nicht überstehen. Passt auch nicht in die selbst erlebte Fröhlichkeit von Air Berlin-Flugbegleiterinnen im Umgang mit Passagieren („Sie möchten auf die Toilette? Unsere Toilette ist heute geschlossen. Sie können nicht bis zur Landung warten? Dann machen wir bei Ihnen mal eine Ausnahme).

Lufthansa: Rückkehr unwahrscheinlich. Entspricht eher dem Zerrbild einiger früherer Flugbegleiterinnen (egozentrisch, frechforsch). Mit dem heutigen Anforderungsprofil „auf die Wünsche des Kunden hören“, hätte sie wahrscheinlich Probleme. Und wenn sie im Service nicht immer bringt was sie vorher dem Fluggast versprochen hat, ist Ärger schon vorprogrammiert. Außerdem könnte Ypsilanti bei ihrer bekannten Fraport-Allergie nicht auf Frankfurt-Flügen der LH eingesetzt werden.

Germanwings: Eher nicht. Ypsilanti kennt nicht die Bedeutung des Buchstabens s im Firmennamen. Germanwings-Boss Winkelmann müsste ihr beibringen, dass man zum Abheben neben einem linken Flügel auch einen rechten Flügel benötigt. Sehr fraglich ob sie das begreift.

TUIfly: Auf den ersten Blick mit Chancen. Mit den Irrungen und Wirrungen die diese Fluggesellschaft hinter sich hat, passt Ypsilanti eigentlich gut ins Profil.
Aber im Unterschied zu Ypsilanti gilt bei der TUI-Fluggesellschaft der strategische Ansatz „da wir immer zuerst die falschen Lösungen ausprobieren, finden wir im Ausschluss-Verfahren im Endergebnis dann doch noch die richtige Lösung“. Letztere Erfahrung fehlt Ypsilanti.
Dabei könnte Ypsilanti von TUI-Oberboss Frenzel eine Menge lernen. Im Unterschied zu ihr, weiß Frenzel wie man auch in eigentlich aussichtslosen Situationen noch erfolgreiche Last Minute-Koalitionen schmieden kann. Und gegenüber Wysser-Pratte und Frederiksen spielt sogar ein Roland Koch noch eine Liga tiefer. Außerdem könnte Frenzel Ypsilanti als einziger das Erfolgserlebnis schildern, wie es ist, mit dem Kopf zweimal auf die gleiche Stelle der Mauer zu rennen….und die Mauer gibt nach.
Ergebnis: Keine Chance als Flugbegleiterin, aber ein Job als TUI-Trainee in der TUI-Hauptverwaltung würde zumindest Ypsilanti weiterbringen.

Ryanair. Eigentlich Traumarbeitgeber für Ypsilanti. Täuschen, Tricksen, Verschleiern gehört auch zur Kernkompetenz dieser Airline. Ypsilanti könnte ins Management wechseln. Noch mehr Mogeln in die Webseite von Ryanair bringen („es kommt immer ein anderes Ergebnis raus, als in der Überschrift versprochen“). Obwohl die zwei so gut zusammenpassen, wird Ypsilanti trotzdem nicht bei Ryanair landen können. Warum?
O`Leary braucht Ypsilanti nicht. Das Verbreiten von heißer Luft, Täuschen, Tricksen und Versprechen nicht einhalten: Das alles kann O`Leary eben noch besser.

Hier könnte Ypsilanti eventuell landen:
Condor: Beide haben die gleiche Kernkompetenz: Hartes Verhandeln über Koalitionen, präzises Beschreiben was man danach zusammen machen wird und das ganze 5 vor 12 in die Luft fliegen lassen. Danach mit gleichem Optimismus (und gleichem Ergebnis) neue Koalition in Angriff nehmen. Am Scheitern sind immer die anderen schuld. Leider können sich beide nicht auf ihre Oberaufseher verlassen; Condor-Chef Teckentrup genauso wenig auf Middelhoff wie Ypsilanti auf Müntefering. Im Gegenteil. Beide Oberbosse fragen jeden Morgen „sind Condor bzw. Ypsilanti immer noch bei uns?“.
Nur der Condor-Werbespruch „mit uns fliegen sie richtig“ könnte Ypsilanti zu sehr an ihr letztes Politikerlebnis erinnern.

LTU: Na endlich, da ist Ypsilanti zuhause. Eine fliegende Belegschaft die noch im Zeitalter der Sozialromantiker verharrt und den „Schuss noch nicht gehört hat“. „Wir leben unsere Sozialverträge aus den goldenen Zeiten, wie wenn sich nichts geändert hätte. Hauptsache wir sind uns innerhalb des fliegenden Personals einig. Und im Zweifel kommt immer einer, der die Hand über uns hält.“
Und so fliegen beide glücklich durch die Lüfte (und merken nicht, dass sie rückwärts fliegen).

Die Bissigen Bemerkungen wurden von dieser Kolumne inspiriert:
Ypse in die Produktion! Eine Jobberatung“. Gastautor Wolfgang Röhl in www.achgut.com, 5.11.2008

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