Die Selfie-ITB

Die Jubiläums-ITB ist Geschichte. In den Geschichtsbüchern wird später stehen, es war die erste richtige Selfie-ITB. Zwar gibt es den Begriff Selfie schon seit über 10 Jahren, aber so richtig durchgesetzt hat er sich erst in 2012. Im November 2013 ernannte das Oxford English Dictionary „Selfie“ zum „Wort des Jahres 2013“.

In diesem Jahr haben die ITB-Selfies und die Angaben „wo bin ich“ über facebook einen Rekordstand erreicht. Es ging los mit der Standort-Nennung von Flughäfen und Bahnhöfen und dem Vermerk „es geht los“ oder mit kleinem Hinweis für nicht Touristiker „ab nach Berlin“. Auch zum ersten Mal gesehen, der Post (von jemanden der/die gerade für Kreativität ausgezeichnet wurde) von einer Bahn-Sitzplatzreservierung, „Hallo, hier bin ich, wer will kann vorbeikommen“ (letzteres geht leider „noch“ nicht aus dem Flugzeug).

Dann in Berlin ging es richtig los. Selfie: „ich bin am Bahnhof“, „ich bin in Tegel“, „ich bin in meinem Hotel“. Was man früher maximal dem Partner/in mitteilte, ist jetzt eine wichtige Info für die ganze facebook-Gemeinde. Erster Selfie Höhepunkt: die Veranstaltung des Travel Industry Clubs. Zuerst ein normales Selfie, später dann nur noch Ussies (Selfies der Gruppe) und später in der Nacht die Drelfies (Selfies im an- oder betrunkenem Zustand). Dann wissen wir Zuhausegebliebenen auch Bescheid.

Am Mittwochmorgen dann das Selfie vor dem eigenen ITB-Stand und der Frage „wann kommt ihr vorbei“. Danach wieder ein Ussie, „wir haben uns schon ewig nicht mehr gesehen“ (im Zweifel bei der letzten ITB – ewig?). Aber eines ist mir aufgefallen, es gab erstaunlich wenig Selfies mit „echten“ Prominenten auf der Messe. Entweder waren kaum welche da oder man hatte vergessen (selbst als Profi) ein Selfie zu machen.

Die Abende dann wieder richtige Selfie-Highlights: Selfie auf dem roten/pinken/oder keinem Teppich, fließender Übergang zum Ussie („wen ich auch seit einer Ewigkeit nicht mehr gesehen habe“) und dann wieder der fließende (im wahrsten Sinne des Wortes) Übergang zum Drelfie. Erstaunlich wie auch Manager (mehr als Managerinnen) vergessen, dass das „Glück des Augenblicks“ dabei nicht so sehr rüberkommt und auch mancher Personal-Vorstand das vielleicht nicht lustig findet.

Ein Glück, dass es beim Selfie aus der nächtlichen Bar auf der Tanzfläche in der Regel so dunkel war, dass man weder Gesichter der „nahen Begleiter“ und noch „kaum das eigene“ erkennen konnte. Schade für den Betrachter, gut für den fleißigen „Selfer“ (eigene Wortschöpfung).

Dass der Abschied von Berlin auch breit gepostet wurde, geschenkt.
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Sorry, liebe Leserinnen und Leser, letzten Montag ist mir der Newsletter mit einem Foto (genauer genau wegen des Fotos) misslungen. Noch genauer, er hat sich nicht versendet. Dabei wollte ich Ihnen gerade dieses Foto von der ITB 1995, quasi ein Urahn des Selfies, präsentieren. Wenn Sie Interesse daran haben, gehen Sie doch bitte auf meine Homepage www.karl-born.de und amüsieren Sie sich.

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Stopp – Falsche Richtung!

Als alle Staatssekretäre/innen und Bundesbeauftragte der neuen Bundesregierung ernannt waren, fehlte noch lange immer „eine“ Position: Wer sollte und in welcher Form für Tourismus verantwortlich sein? Anfang Februar war es dann endlich soweit, Iris Gleicke wurde “in Ämterhäufung“ vom Wirtschaftsminister nominiert. In den BBBs vom 3.2.2014 „Die neue Tourismusbeauftragte“, wurde dieses Verfahren ausreichend kritisiert. Aber von den BBBs auch mit dem Zusatz versehen: „Wohlgemerkt, damit soll nichts Negatives über die Person Iris Gleicke gesagt werden, dafür wissen wir zu wenig „Touristisches“ über sie. Aber irgendwie komisch ist es doch, dass es niemand mit so richtig touristischer Vergangenheit schafft, den Tourismus in der Regierungsspitze zu vertreten.“

Beim Parlamentarischen Abend der DZT auf der ITB konnte man nun die neue Tourismusbeauftragte erstmals öffentlich und vor geballter „Tourismusprominenz“ live in Aktion erleben. Über ihre Ansprache wollen wir aus Höflichkeit den Mantel des Schweigens legen, auch wenn es schwerfällt.

Worüber man allerdings auf keinen Fall schweigen kann, sind ihre Äußerungen in einem Interview zum Thema: „Gewerbesteuerliche Hinzurechnung bei der Anmietung von Hotelunterkünften durch Reiseveranstalter“. Eine nicht nachzuvollziehende Auslegung des Gesetzestextes durch einige Finanzämter, lässt hier eine riesige Steuerlast auf die Veranstalter zurollen, die zumindest für die mittelständigen Veranstalter existenzbedrohend werden wird.

Und was sagt die neue Tourismusbeauftragte dazu? Im besten Politiker „Leersprech“ kommen Sätze wie z.B.
– wir haben Verständnis für die Sorgen der Veranstalter
– wir werden die weitere Entwicklung aufmerksam im Auge behalten
– vor allem mit Blick auf mögliche Belastungen für mittelständische Reiseveranstalter
und zuletzt die vollkommen falsche Schlussfolgerung: „Es scheint mir sinnvoll, zunächst die Entscheidungen der Finanzgerichte in dieser Angelegenheit abzuwarten“.

NEIN – STOPP – das ist die falsche Richtung.

Der Gesetzgeber hatte bei der Neuformulierung des Gesetzes im Jahre 2008 keinesfalls die gewerbesteuerliche Zurechnung von angemieteten Hotelzimmern im Fokus (das gilt als unbestritten). Deshalb ist nichts anderes als eine klarstellende Anordnung des Finanzministeriums das Gebot der Stunde. So einfach könnte es sein. Aber wahrscheinlich sehen Schäuble und im Gefolge die Länderfinanzminister inzwischen nur die Euro-Zeichen vor Augen, nach dem Motto: „Eigentlich haben wir bei Gesetzeserstellung dies nicht gewollt, aber wenn es jetzt kommt, nehmen wir es gerne mit“. Jetzt muss genau an dieser Stelle der Riegel vorgeschoben werden. Aber gegen Schäuble kneifen die anderen Ministerien: Die Luftverkehrssteuer lässt grüßen.

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ITB: Die Fortsetzung des Faschings mit anderen Mitteln

Das wird dieses Jahr richtig hart für die Faschings-Jecken. Nahtloser Übergang vom Faschings-Trubel zum ITB-Trubel.

Ein paar Gemeinsamkeiten sind dabei schon zu erkennen.
– Man ist dabei aus Tradition, ohne nachzudenken warum
– Viele Pressekonferenzen auf der ITB haben Ähnlichkeit mit Büttenreden: Wenig Konkretes, abstrakt im Umgang zur Wahrheit (nur leider weniger lustig)
– Bei einigen Veranstaltungen präsentieren sich die „Wichtigen“ auch als „sehr wichtig“. Der Vergleich mit Elferräten „könnte“ einem da schon in den Sinn kommen.
– die Preisverleihung durch den Travel Industry Club hat in ihrer „staatstragenden“ Form schon Ähnlichkeit mit der Ordensverleihung in Aachen (Orden wider den tierischen Ernst).
– bei den meisten Managern, in ihren schwarzen Anzügen, könnte man meinen, sie seien immer noch maskiert (als Pinguine)
– Was sich an Menschenmassen so durch die Hallen schiebt, muss sich auch hinter einem Karnevalsumzug nicht verstecken.
Helau und Alaaf!

Dabei präsentiert sich Berlin immer mehr als Hochburg des Humors (wenn auch unfreiwillig).
Jetzt ist bekanntgeworden (kein Scherz), dass die Berliner Bettensteuer auch für Hunde gilt. Ein Glück, dass mein Hund nicht lesen kann, sonst möchte er auch bei mir im Bett schlafen.

Einige Teile der Gesetzesformulierung hierzu müssen sich hinter keiner Büttenrede verstecken, z.B. zum Thema Blindenhund:
„Die Mitnahme eines Blindenhundes durch einen blinden Übernachtungsgast ist kein Ausdruck eines über den normalen Lebensbedarf hinausgehenden Aufwandes und damit nicht übernachtungssteuerbar“. In Deutsch: der Blindenhund muss keine Bettensteuer zahlen.

Ach und dann noch. „Auch ein Wachhund, löst keine Übernachtungssteuer aus, wenn sein Aufenthalt beruflichen Gründen dient.“

Jetzt wissen Sie, liebe Leserinnen und Leser, warum diese BBBs erst so spät erscheinen. Wer kann da vor Lachen noch einen Text schreiben.

Und neben Wowereit ist ohnehin jeder Büttenredner ein einfacher Amateur.
Neuestes Bonmot: „Herr Mehdorn hat unser Vertrauen. Und er ackert mit allen Kräften.“ In einem normalen Dienstzeugnis ist „er bemühte sich“ eigentlich negativ besetzt.
Am Flughafen Tempelhof soll eine riesengroße Wasserlandschaft eingerichtet werden. Besser kann man eigentlich nicht dokumentieren, dass der Senat mit der Schließung von Tempelhof „Baden gegangen ist“. Leider hat das Verwaltungsgericht diesen Plan gestoppt. Warum: Einen rechtsgültigen Bebauungsplatz erstellen kann der Senat auch nicht.

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Das schafft nur Hartmut Mehdorn – sich selbst zu verklagen

Montagmorgen, 11. März 2013, 7.00 Uhr, Büro des Flughafenchefs Berlin-Brandenburg. Hartmut Mehdorn betritt sein neues Büro. Seine Sekretärin überreicht ihm die wichtigsten seit Wochen gestapelten Unterlagen. Mehdorn fragt: „Was liegt da obenauf?“. Antwort der Sekretärin: „Da hat uns so ein Typ von Air Berlin vor einiger Zeit auf Schadenersatz verklagt, in zweistelliger Millionenhöhe“.
Was wird wohl „BER-Chef“ Mehdorn antworten:
a) Verbinden Sie mich mit diesem Mehdorn von Air Berlin oder
b) Machen Sie zwei Löcher in die Klage und heften Sie das Pamphlet ab oder
c) Überweisen Sie sofort das Geld, Air Berlin braucht das nötiger als wir.

Das war wohl d i e Sensationsnachricht seit langem. Die eigentlich „zerstrittenen“ BER-Gesellschafter einigten sich auf Hartmut Mehdorn, über den alle dachten, er würde inzwischen in Frankreich gemütlich seinen Roséwein anbauen. Angeblich war man sich schon am Mittwoch einig, aber man hat „dicht gehalten“, sonst wäre die ITB von Anfang an pressemäßig ins Nichts verschwunden. Ausgerechnet Ramsauer, unser unschuldiger Verkehrsminister, konnte dann aber doch das Wasser nicht mehr halten (das ist jetzt nicht medizinisch gemeint) und quasselte es noch vor Messeschluss heraus. Es ist für ihn immer wieder ein Erlebnis in der Presse zu stehen, auch wenn (oder insbesondere „wenn“) sein eigener Anteil an der Sache gering ist.

Allerdings hatten sicherlich weder er, noch Platzeck und Wowereit, mit dem folgenden shitstorm im Netz gerechnet. Einige Bemerkungen waren ja sehr witzig, da konnte man herzhaft darüber lachen. Aber da waren auch einige dabei, die waren so niveaulos daneben und zeigten ein Grundübel von twitter auf. Da tummeln sich auch einige Schwachköpfe im Kurznachrichtendienst, weil sie a) einen längeren Satz nicht unfallfrei formulieren könnten und b) unter der Anonymität ungehindert jede Beleidigung rauslassen können. (Diese Bemerkung lag den BBBs grundsätzlich schon länger auf der Seele).

Nach intensivem Nachdenken ist die Wahl auf Mehdorn aber nicht so abwegig wie überwiegend kolportiert. Er findet manchmal schon unkonventionelle Lösungen, siehe Hauptbahnhof Berlin. Um den Bahnhof pünktlich zur Fußball-WM 2006 fertig stellen zu können, ordnete Mehdorn damals an, das Dach über dem Hauptbahnhof Berlin, trotz Klageandrohung von verschiedenen Seiten, um ca. 100 Meter zu kürzen. Zugegeben, man wird jetzt bei Regen nass, wenn man in den vorderen Zugteil eines ICE einsteigen muss, aber so oft regnet es ja auch nicht in Berlin. Exakt diese unkonventionelle Mehdorn-Entscheidung brachte damals den zeitlichen Durchbruch. Auf einen so „genialen“ Gedanken, wäre außer ihm wohl niemand anders gekommen.
Deshalb auch jetzt auf der Pressekonferenz bei der Ernennung von Mehdorn, die „kleine Spitze“ von Wowereit „ein Glück, dass das Dach schon auf dem Flughafengebäude ist“. Es würde die BBBs nicht wundern, wenn dieser Dialog noch für den Grimme-Preis vorgeschlagen würde. Es würde die BBBs allerdings noch weniger wundern, wenn Wowereit sich zu früh gefreut hätte.

Für die BBBs ist noch ein letzter Punkt von besonderem Interesse. Mehdorn hat einen 3-Jahresvertrag erhalten. Das wird kein Zufall sein. Vielmehr ist jetzt klar, mit welchem Eröffnungstermin die BER-Verantwortlichen wirklich rechnen: 2016. Das sind „nur noch“ drei Jahre, ein „super ambitioniertes“ Ziel. Jetzt ist das Wettrennen (ok, „Rennen“ ist in diesem Zusammenhang ein unglückliches Wort) wieder offen, was erster fertig sein wird: Der BER oder die Elbphilharmonie.
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Heute mal wieder Hinweis auf den Reiseradio mit den ITB-Ergebnissen. Diesmal mit Interviews mit Clemens/TUI, Meyer/DTV, Büchy/DRV und Lohmann/Reiseanalyse. Und wie immer nach der ITB auch die akustischen Bissigen Bemerkungen, natürlich mit neuesten Mutmaßmungen über den erneuten re-Start BER.

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Und täglich grüßt das Murmeltier BER…..

„Ja wo fliegen sie denn? Wo fliegen sie denn?“, würde sicherlich Loriot angesichts des „Unvollendeten“ (BER) fragen.
Es wird wieder verschoben! Ok, so eine richtige Überraschung ist das nicht. Die Quizfrage lautet nur: „Wie heißt die diesmalige Begründung?“
Probleme mit Brandschutz, mit der Entrauchung, mit der Tankanlage, mit der Kühlung der Steuerungsanlagen, zu wenig Kapazität bei den Abfertigungs-Countern und bei der zu klein dimensionierten Gepäckanlage, einige Begründungen sind schon verbraucht. Was fehlt noch? Anscheinend ist außer dem Schriftzug mit dem Namen des Flughafens am Gebäude wohl nichts in Ordnung.
Das Motto in Berlin lautet offensichtlich: „Der Weg ist das Ziel“ (Zitat angeblich von Konfuzius und der lebte schon vor Christi Geburt) und nicht die Fertigstellung.

Dass Wowereit die „aktuelle“ Verschiebungsentscheidung schon seit Weihnachten wusste, aber es „für sich behalten“ hat, war doch nett von ihm. Er wollte allen Berliner Flughafen Optimisten noch ein frohes Weihnachtsfest gönnen. Er weiß wahrscheinlich auch, dass der BER, sollte er jemals fertig gestellt werden (kleiner optimistischer Scherz) zu klein sein wird.
Schon am 14.1.2008, da war von den diversen Verschiebungen noch nicht die Rede, schrieben die BBBs anlässlich der Schließung von Tempelhof (BBBs: „Mein Knut heißt Tempelhof“): „Der künftige Hauptstadtflughafen ist zu klein dimensioniert“. Aber eine solche Aussage war damals im Umfeld von Wowereit strengstens verboten!

Es bleibt dabei, der Berliner Senat kann nur „Flughafen-Schließung“. Und jetzt am Sonntag (6.1.13) wurde schon mal kurz „Licht aus“ in Tegel geübt. Der ganz große Crash in Tegel steht noch aus, aber er wird kommen. Und zwar bevor BER fertig ist.
Übrigens, die versprochene Nachnutzung Tempelhof gibt es auch 5 Jahre nach der Schließung nicht. Unfassbar, dass der Senat mit einer solchen Schlechtleistung „durchkommt“.

Genauso unfassbar ist, dass der „spezielle BBB-Freund“ Peter Ramsauer (Gerüchten zufolge soll er Bundesverkehrsminister sein), sich ebenso unschuldig an der BER-Misere gibt. Dabei ist der Bund genauso Gesellschafter des BER wie Berlin und Brandenburg.
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Ein anderes Thema hat leider noch keinen Platz in den BBBs gefunden: Die ITB will zum größten Reisebüro der Welt werden. Typisch Berlin, ´ne Nummer kleiner geht nicht. Aber diese Freigabe des Reiseverkaufs auf der Messe wird kein gutes Ende nehmen, sondern zu einem großen Verkauf zu Ramschpreisen mutieren. In der einen Halle „große schöne Reisewelt“ und ein paar Schritte weiter, die Verramschung des Ganzen zu Discount-Preisen. Diese Aktion wird das Gesicht der ITB nachhaltig verändern und nicht zum Besseren.
Ebenso „lustig“ ist die Mathematik der Umfrageinterpretation „Die Hälfte der Aussteller wollen angeblich diesen Reiseverkauf“. Sorry, das heißt aber auch, die andere Hälfte will es nicht. Und warum wird das so interpretiert, als ob die eine Hälfte die Mehrheit wäre?

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Wie Brähmig und Co. wirklich über die Touristik denken

Eigentlich dachte ich mit der ITB sei auch das Thema Brähmig, Vorsitzender des Tourismusausschusses des Bundestages, und seine mehr als abwegige Äußerung zum Thema „keine Urlaubsreisen nach Ägypten“ erledigt. Denkste.
Am 13.3., Absendeuhrzeit 3.44 Uhr, erreicht mich eine ellenlange Email mit dem Absender klaus.braehmig@bundestag.de. Wohlgemerkt, ich habe kein Problem mit Kritik. Der Unternehmer Hans Rudolf Wöhrl hat mir schon zweimal sehr lange Emails geschickt, die nicht „sympathisch“ waren, aber man konnte sich damit auseinandersetzen. Und zuletzt habe ich auch Auszüge daraus in der folgenden BBB dargestellt. Aber die Email von klaus.braehmig@bundestag.de ist so wirr, dass man das nicht unkommentiert lassen darf. Unterzeichnet ist diese Email zwar von einem gewissen Gregor Strabel, Büroleiter/wissenschaftlicher Mitarbeiter, aber da der offizielle Absender nun mal auf Brähmig lautet, muss er sich wohl den Text auch anrechnen lassen.

Ich möchte die Leserinnen und Leser der Bissigen Bemerkungen zumindest mit einem Zitat erfreuen, die ganze Email wäre wohl auch für hartgesottene Leser zuviel.

Im Zitat werde zwar ich beschimpft, aber die darin enthaltene Bezeichnung für die ganze Touristik-Branche ist unglaublich (Achtung anschnallen, was jetzt kommt):
Zitat: „Sind Sie ein willen- und kritikloses Sprachrohr der sonnengebräunten Drückerkolonne im Einreiher, die auf der ITB nur Reisen verkaufen will und dabei jede Nachfrage zum Thema Ethik scheut, da das ja nur die Gewinne drückt?“
Wow, das ist gewaltig und da weder vorher noch nachher nur die geringste Einschränkung steht, kann mit der Bezeichnung „sonnengebräunte Drückerkolonne“ nur das Touristikpersonal auf der ITB in Gänze gemeint sein. Denkt man im Büro Brähmig (Absender wohlgemerkt Klaus.braehmig@bundestag.de) so über die Tourismusbranche? Da ist zumindest eine ordentliche Entschuldigung von Herrn Brähmig fällig.

Eine Bemerkung sollte man auch hierzu machen.
Weiteres Zitat:
„Herr Brähmig ist in den letzten Jahrzehnten nicht dafür bekannt gewesen, dem schnöden Populismus zu dienen“.
Gerade an dieser Stelle bleibe ich dabei, dass Brähmig hier das Thema Menschenrechte populistisch mit Tourismus verbindet, wohl wissend, dass der einfache Tourist sich hier nicht wehren wird. Wenn es Brähmig tatsächlich inhaltlich um Menschenrechte ginge, dann frage ich ihn:
– Wo war seine Wortmeldung als noch vor kurzem Angela Merkel Mubarak als Freund Deutschlands bezeichnete?
– Wo war seine Wortmeldung, als Frau Merkel, allein aus wirtschaftlichen Gründen mehrere Diktaturen in Afrika besuchte?
– Wo war seine Wortmeldung als Frau Merkel vor kurzem nach China reiste?
– Wo war seine Wortmeldung als der Staatspräsident von Kasachstan, ein übler Diktator, sowohl von Frau Merkel wie auch von Herrn Wulff mit allen Ehren empfangen wurde?
Da schwieg Brähmig, weil er sich wahrscheinlich „keine freundliche Bemerkung von Herrn Pofalla“ einhandeln wollte.

Auf die 1.135 Wörter lange Email aus dem Büro Brähmig, habe ich in bester BBB-Manier mit einem 50-Wörter-Shorty geantwortet, wie armselig Inhalt und der Schreiber der erhaltenen Email seien und habe kurz ein Sprichwort zitiert „wenn ein Punkt sich aufbläst, wird er zur Null“.

Da hat mir das Büro Brähmig aber auf meine Mailbox „gewulfft“. Kein Scherz, stimmt tatsächlich. Von einem „selbstgerechten älteren Herrn ist hier die Rede, der meint aufgrund seiner altbackener Erfolge, noch im großen Willi weitermachen zu müssen“. Das geht ja noch, so hat vielleicht schon der eine oder andere gedacht, der in den BBBs zitiert wurde. Nur zum Schluss wird es wieder richtig „interessant“. Angeblich „hätten sich ernsthafte Professoren gemeldet, die im Endeffekt Klaus Brähmig recht gegeben hätten. Und zwar Leute, die wissenschaftliches Renommee haben und nicht nur irgendwelche Reisen verkauft haben wie Sie“.
Das könnte, wenn ich den Absender ernst nehmen würde, schon gegen meine wissenschaftliche Ehre gehen. Zum Glück sprechen unzählige wissenschaftliche Veröffentlichungen in Fach- und Lehrbücher eine andere Sprache.

Und bevor ich es vergesse. Von wegen Brähmig wäre vom Hamburger Abendblatt falsch zitiert worden. Inzwischen liegt mir die Bestätigungsemail von Brähmig zu diesem Interview vor. Dabei habe ich dann auch gelesen, was Brähmig zum Malediven-Tourismus gesagt und autorisiert hat. Da ist das Ägypten-Interview harmlos dagegen.
Wer sich für dieses Interview interessiert, kann näheres im Reiseradio (www.reiseradio.org) dieser Woche erfahren.

Herr Brähmig, ich glaube Sie haben ein großes Problem, leider die deutsche Touristik auch eines mit Ihnen.
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Mehr zu diesem Thema und noch einigen anderen interessanten Aspekten finden Sie auch diese Woche in www.reiseradio.org.

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So wird das nie was mit der Tourismusbranche

Hier drei Beispiele für diese Behauptung:

1. Die Sonnenscheinbranche, warum eigentlich?
Eigentlich hat die Branche Probleme ohne Ende. Luftverkehrsabgabe, Zwangs-Emissionshandel für unsere Airlines, Steigende Ölpreise, Nachfragedesaster durch den arabischen Frühling und in Griechenland, seit Jahren sinkendes frei verfügbares Einkommen (außer für Spitzenverdiener), neue Hotelsteuern in vielen Städten, steigende Mehrwertsteuer für Flussschiffe, Nachtlandeverbote, permanent steigende Kosten durch die Zersplitterung der Flugsicherung in Europa bewirken eine Umsatzrendite die zum „Totlachen“ ist und das darf wörtlich genommen werden. Reisebüros überleben entweder durch „sehr niedrige Gehälter“ oder durch Selbstausbeutung der Inhaber. Jede andere Branche hätte inzwischen im Wirtschaftsministerium und im Kanzleramt „die Tische umgeworfen“. Automobilbranche, Pharmaindustrie, Bauernverband seien nur als herausragende Beispiele genannt.
Doch was macht die Tourismusbranche? Sie lächelt. „Es geht uns gut“ als Dauer-Mantra. Ob ITB, DRV-Jahrestag oder BTW-Gipfel: „es geht uns gut“. Und dann wundert man sich, dass „die Politik nichts für uns tut“. Warum auch, es geht „uns doch gut“.
Lache Bajazzo, verwandle in Witze die Schmerzen und die Tränen.

2. Personen und ihre Aussagen stehen für Respekt für eine Branche
Zum „Nicht-Ernstnehmen“ passt kaum eine Person so gut wie der Vorsitzende des Tourismusausschusses im Bundestag, Klaus Brähmig. Seine Aussage unmittelbar vor der ITB, Touristen sollen nicht nach Ägypten reisen, war ein Schlag ins Gesicht des ITB-Partnerlandes Ägypten. So wurde noch nie ein Partnerland brüskiert. Jetzt mag man bei uns in Deutschland sagen, „war doch nur der Brähmig, den nimmt doch eh niemand für ernst“. Richtig! Aber unsere Partner denken, der Vorsitzende eines Bundestagsausschusses müsste doch eine wichtige politische Person sein. Und von wegen „Missverständnis“. Dieses Thema ist bekanntermaßen seine Spielwiese. Die BBBs haben schon mehrfach darauf hingewiesen, dass diese Denkweise auch inhaltlich falsch ist (zuletzt in den BBBs vom 25.7.2011 „Warum sollen Urlauber moralischer sein als die Bundeskanzlerin“).
Seine, sagen wir mal „etwas komische“ Ansicht über Tourismus, zeigte sich auch in seiner Ansprache beim Parlamentarischen Abend der DZT. Originalton Brähmig zur Bezahlung im Tourismus: „Dienen am Menschen muss besser bezahlt werden als Dienen an einer Maschine“. Hallo, ist Tourismus „Dienen“? Im Wort „Dienstleistung“ geht es um einen „Dienst leisten“. Von Dienen ist da überhaupt nicht die Rede. Hier von „Dienen“ zu sprechen, sorry, das ist finsteres Mittelalter. Wenn solche Politiker im politischen Betrieb Tourismus repräsentieren, dann darf man sich nicht wundern dass „Tourismus“ im Berliner Betrieb nicht ernst genommen wird. Hier ist dringend eine Veränderung erforderlich!

3. Nur wenig Innovation im ITB-Betrieb.
Wenn vor einigen Jahren ein ITB-Besucher ins Koma gefallen wäre und man hätte ihn jetzt ohne Zusatzinformation durch die Hallen schlendern lassen, er würde garantiert nicht merken, dass Jahre vergangen seien. „The same procedure as every year“, man hörte es an allen Ecken und niemand störte es. Fast niemand. Selbst bei den abendlichen Parties grüßte das „Murmeltier“ sehr herzlich.
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Nach längerer Abstinenz gibt es diese Woche wieder akustische Bissige Bemerkungen im Reiseradio (www.reiseradio.org), diesmal live aufgenommen auf der ITB. Außerdem im Reiseradio Dr. Michael Frenzel, Dr. Adrian von Dörnberg, Reinhold Messner und, unvermeidlich, ein „paar Töne“ zum Tourismus-Schreck Klaus Brähmig.

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The same procedure as every year

„The same procedure as every year“, dann muss entweder Silvester oder Internationale Tourismus-Börse (ITB) sein. Außerdem sind der Sketch von Freddie Frinton und die ITB fast gleich alt. Der „90. Geburtstag“ wurde zum ersten Mal 1963 im deutschen TV gezeigt, die ITB ist im Jahre 1966 gestartet. Beiden ist gemein, dass bei Frinton alles und bei der ITB fast alles berechenbar ist.

Wurde früher die ITB auch mit „Internationale Trinker Börse“ übersetzt, hat sich in letzter Zeit eher der Begriff „Internationales Tourismus Bla-Bla“ eingebürgert. Trotz aller Lästerei hat die Messe zumindest international gesehen schon ihre Bedeutung. So wünscht man z.B. dieses Jahr insbesondere dem Partnerland Ägypten von Herzen alles Gute, viel internationales Interesse und im Ergebnis viel Erfolg. Dieses fantastische Tourismusziel hat es mehr als verdient. Zumal, das dürfte in Vergessenheit geraten sein, Ägypten eines von fünf Länder auf der ersten ITB war. Just for Info, die fünf „Gründungsländer“ waren Deutschland, Ägypten, Brasilien, Guinea und Irak.

Etwas differenzierter kann man die Messe unter nationalem Gesichtspunkt sehen. Da wird aus der ITB (Internationale Tourismus-Börse) schnell die NEB (Nationale Eitelkeiten-Börse). Letzteres soll keinesfalls die Bedeutung Deutschlands als touristisches Ziel schmälern (wie könnte man das auch, es ist unverändert touristisches Ziel Nummer EINS), aber was sich da teilweise an den Ausstellungsständen von Kommunen, Städten, Verbandsgebieten oder sogar Bundesländern abspielt, stellt mitunter sogar die Komik von Freddie Frinton in den Schatten. Insbesondere wenn (arme) kommunale Angestellte in nichts sagenden Kostümen auf irgendwelche regionale Helden hinweisen sollen/müssen. Ob das dann zu „mehr Kunden“ für diese Region führt, darf mehr als bezweifelt werden.
Aber jede auch nur minimal vorhandene Kundenorientierung wird ins Gegenteil umgekehrt, wenn die aktuellen kommunalen Heroes, sprich Bürgermeister, Landräte, Dezernenten oder die für Tourismus zuständigen Minister eintreffen. Dann wird der Stand „dichtgemacht“, weil man sich um die VIPs kümmern muss. Diese finden das auch selbstverständlich, denn wenn man schon die „beschwerliche“ Anreise auf sich genommen hat, um sich in Berlin für die eigene Kommune in die touristische Bresche zu werfen, dann hat man das „im Mittelpunkt stehen“ verdient und eventuelle Kunden würden dabei doch sehr stören. Und wenn der heimische „Touri-Verantwortliche“ Glück hat, dann liegt sein Heimatdorf so weit entfernt, dass eine abendliche Rückfahrt unzumutbar ist. Na dann, wird der Polit-VIP auch keine Mühe scheuen um sich noch in das nächtliche Berliner Getümmel zu stürzen. Immerhin weiß er (wahrscheinlich) wie touristisch erfolgreich Berlin ist und da kann eine kleine Nachtstudie des Angebots nichts schaden.

Kommt dann der so Gestresste wieder zurück, dann hat er sicherlich nicht nur sehr viele Eindrücke, sondern auch eine große Müdigkeit mitgebracht. Jetzt ist Erholung angesagt. Aber bei der nächsten parlamentarischen Tourismusdiskussion wird er umso überzeugender die echten Tourismusprofis in den kommunalen Tourismusverbänden mit seinem weltmännischen Wissen aus Berlin belehren können.

Auf nach Berlin, die ITB ist ja so schlecht gar nicht. Aber die vielen aufgeblasenen VIPs (da sind die oben genannten noch nicht einmal die übelsten) stören schon sehr.

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Die „Schock-Information“ der ITB

Die Ereignisse in Japan sind kein Antrieb um bissig zu sein. Stellen wir deshalb, fast „neutral“, einige Zahlen zum Thema „Urlaub und Internet“ in den Mittelpunkt der heutigen Betrachtung.

Die ITB ist eine fantastische Hochzeit der Onliner um jährlich aufs Neue Internet-Rekordzahlen zu präsentieren. Die Auslegung dieser Zahlen entspricht allerdings nicht immer wissenschaftlichen Ansprüchen. Aber das ganze genügt um meinungsbildend die Medien zu füllen. Die Reisebüros haben dem bislang (zumindest in der statistischen Darstellung) wenig entgegenzusetzen.

Sehr beliebt ist z.B. die immer wiederkehrende Feststellung “Immer mehr Menschen nutzen das Internet zur Urlaubsinformation“. Dabei wird gefragt: Haben sie in ihrem Leben schon einmal das Internet zur Urlaubsinformation genutzt? Logischerweise, und das kann aus der Natur der Sache überhaupt nicht anders sein, muss diese Zahl Jahr für Jahr steigen. Es kommt ja immer nur etwas dazu und es fällt nie wieder etwas weg. Klar??
Etwas anders wäre es, und das wäre ein echter Gradmesser, wenn man fragen würde, „Haben sie im letzten Jahr, das Internet zur Information genutzt“.
Dabei ist mir nie so ganz klar, ob die entsprechend falsche Präsentation vorsätzlich oder fahrlässig oder schlicht unwissend erfolgt.

Aber dieses Jahr wurde (u.a. natürlich) eine Internetzahl im Rahmen der Reiseanalyse präsentiert, zu der ist selbst mir als Statistik-Skeptiker (vor Schreck) nichts mehr eingefallen. Thema: „Zahl der genutzten Websites und im Internet verbrachte Zeit bei der Planung von Urlaubsreisen“.
Demzufolge verbrachten im Schnitt die Onliner-Informierer 2010 für eine Urlaubsreise 9 Stunden auf 13 verschiedenen Websites im Netz. In der Spitze, und das ist unfassbar, surfte ein Viertel dieser Freaks sogar bis zu 25 Stunden auf 50 verschiedenen Websites.
Hallo, bis zu 25 Stunden?? Machen diese Leute auch noch etwas anderes? Machen die zwischendurch wenigstens etwas Gymnastik für den verspannten Rücken?
Jetzt sagt aber eine andere Studie, dass wieder zunehmend online informiert und im Reisebüro gebucht würde. Reichen 50 Stunden Info immer noch nicht? Oder ist jemand der solange surft, auch generell entscheidungsschwach? Steht da am Ende nur die Erkenntnis des Surfers „I`m still confused, but now on a higher level“? Daneben haben diese Menschen doch auch noch den Drang ihre gewonnenen Erkenntnisse über twitter und facebook mitzuteilen. Die müssen doch danach so erschöpft im Urlaub ankommen, dass sich der gewünschte Urlaubserfolg nicht einstellen kann. Bedeutet dann diese „überraschende“ Urlaubsunzufriedenheit, dass man sich im nächsten Jahr noch ausführlicher vorher informiert, was dann zur Konsequenz hätte, dass…..usw.
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Polen, Dublin und die Guiness-Brauerei sind nur einige Themen der aktuellen Ausgabe des Reiseradios (www.reiseradio.org). In den akustischen Bissigen Bemerkungen geht es entsprechend zur aktuellen Weltlage etwas gedämpfter zu als sonst. Aber für einige deutliche Worte reicht es trotzdem.

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Ein prominentes Gesicht für den Bundesverband der Deutschen Luftverkehrswirtschaft (BDL)

Jetzt hat der BDL seinen neuen hauptamtlichen Präsidenten gefunden: Klaus-Peter Siegloch, einen der großen TV-Journalisten, bekannt vom „Heute-Journal“ und von „Was nun, ..“. Zur Begrüßung gab es gleich ein bisschen Gegenwind vom Branchenfachblatt fvw. Dirk Rogl meinte in seinem Blog: Ein klarer Sieg der medialen Präsenz über die fachliche Kompetenz.

Na klar, kann man darauf nur antworten. Dass die Luftverkehrsbranche über hervorragende fachliche Kompetenz verfügt, ist wohl unbestritten. Aber hat es ihr etwas genützt? Leider nein. Zu der von der Politik zu verantwortenden Aschewolke-Krise kam dann noch die Luftverkehrsabgabe. Eine dreiste Belastung einer schon gebeutelten Branche mit ohnehin knapper Marge (viele spotten ja schon von fliegenden Non-Profit-Organisationen).
Also, was braucht die Branche? Sie braucht einen Lobbyisten, der an den richtigen Stellen, mit der richtigen Sprache, die wichtigsten Themen anspricht. Und, er muss das nicht nur mit Überzeugung, sondern mit sehr viel Power machen. So einen Macher zu finden ist nicht so einfach.

Die BBBs hatten ja schon befürchtet, die fvw würde ihren Liebling aus vergangenen Tagen, Thomas Middelhoff, vorschlagen. Als „Windmacher“ wäre er schon eine große Nummer, nur mit der Nachhaltigkeit sieht es nicht so gut aus.
Ex-Verteidigungsminister zu Guttenberg hätte auch für große Auftritte gesorgt. Seine Reden hätte er sich ganz offiziell schreiben lassen können. Und auch Flugerfahrung ist reichlich vorhanden.
Matthias Wissmann, ehemals gelobter Bundesminister, heute Präsident des Automobilverbandes VDA, wird stets als Vorbild genannt. Dem ist nicht zu widersprechen. Er galt schon in der Politik als hoch qualifiziert.
Wie sieht es da aktuell im Bundesparlament mit sich anbietenden Kandidaten aus? Leider schlecht.
Dirk Fischer (CDU), Vorsitzender des Verkehrsausschusses: „Die Ticketabgabe bringt für die hiesigen Flughäfen und unsere deutschen Airlines Nachteile im Wettbewerb. Anders kann man das nicht sehen.“ Trotzdem hat er für die Luftverkehrsabgabe gestimmt, logisch?
Patrick Döring, verkehrspolitischer Sprecher der FDP: „Niemand von uns hat sich die Ticketabgabe gewünscht. Ein nationaler Alleingang verzerrt immer den Wettbewerb, das ist unstrittig.“ Trotzdem hat er für die Luftverkehrsabgabe gestimmt, logisch?
Soviel Unsinn wird Siegloch nicht reden können.

Und was die fachliche Kompetenz betrifft, so muss man sehen, dass einer der Gegenspieler von Siegloch, Peter Ramsauer heißt. Ganz kurzfristig war dessen Name als neuer Verteidigungsminister im Gespräch. Das hätten die Bissigen Bemerkungen gut gefunden. Damit wäre der Afghanistan-Krieg schnell zu Ende gewesen, denn die Taliban hätten sich totgelacht. Auch so kann man einen Krieg gewinnen. Aber was sagten die berühmten „Insider“ zu Ramsauer? Es liege ihm nicht so, sich zu sehr in Details einzuarbeiten. Deshalb hält er sich auch das wichtigste Branchenthema „Single European Sky“ vom Halse. Also, da kann Síegloch aus dem Stand mithalten.

Lieber Klaus-Peter Siegloch, lesen Sie bitte nicht nur das von Dirk Rogl empfohlene fvw-Abo, dort gibt es „nur“ Informationen. Schauen Sie lieber öfters bei den BBBs rein, da finden Sie die richtige verbale Power für Ihren künftigen Job. Viel Erfolg!
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In eigener Sache.
Herzlichen Dank für die vielen Glückwünsche zum 10jährigen Jubiläum der Bissigen Bemerkungen. Das war toll und hat gut getan. Natürlich muss man dann auch manches Geschenk ertragen, wie dieses Buch: „Je mehr Zähne mir ausfallen, umso bissiger werde ich…!“

Im Reiseradio (www.reiseradio.org) kommen diesmal Jugendverbände mit einem brisanten Thema zu Jugendreisen zu Wort. Prof. Feige spricht über noch immer dringend notwendige Investionen in der Hotelbranche und der oberste Sparkassenchef ermuntert zum Kreditaufnehmen. Bei den akustischen Bissigen Bemerkungen geht es um Terminnöte vor und auf der ITB, um ein zweijähriges Kind, das alleine Bahn fahren muss und auch sonst noch um allerlei Aufreger.

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