Ryanair-Chef O’Leary ist der Donald Trump der Lüfte

Als ich das Interview von Ryanair-Chef Michael O’Leary in der „Zeit“ gelesen habe, wusste ich sofort: diesen großmäuligen nervigen Ton kenne ich doch von irgendwo her. Na klar, das ist doch O-Ton Donald Trump, nur nicht aus der Hotel-, sondern aus der Luftfahrtbranche.

Einerseits erfolgreich und bisher viel Geld verdient, andererseits ein ungezogener Rüpel. Immer die gleiche Platte, „ich habe sehr viel Geld verdient“, „ich weiß nicht nur wie mein Geschäft läuft, sondern ich habe auch die Weisheit für alles andere auf der Welt gepachtet“. Dabei ein ganz krummes Frauenbild haben und schnell wütend werden, wenn man sie darauf hinweist, dass sie gestern etwas vollkommen anderes gesagt haben als heute.
Letzteres jedoch nicht in der alten Adenauer’schen Unbekümmertheit – „was geht mich mein Geschwätz von gestern an“ – sondern in Sturheit darauf beharrend, es schon immer (und als Einziger) gewusst zu haben.

Dabei sind beide nur begrenzt Originale. Weder hat der eine die Politik, noch der andere das „Fliegen“ erfunden – auch nicht das Modell „Billigfliegen“ (da würde ich doch eher an Freddy Laker und vor allem an Southwest Airlines denken). Trump und O’Leary profitieren davon, dass die etablierten Modelle (Establishment in USA und traditionelle Hub-Airlines in Europa) sich sehr schwer tun, in die Neuzeit zu kommen.

Insofern basieren die Modelle der beiden Herren nicht auf wirklich Neuem, sondern eher auf Fehlerkorrektur des „bisherigen alten Systems“ und dabei natürlich auf Speed (im Sinne von Geschwindigkeit!). Beide sind zu ihrem Reichtum gekommen, indem sie ihre Mitarbeiter und ihre Geschäftspartner ausbeuten – so funktioniert eben ihr persönliches „neues System“.
Die mögliche lapidare Erklärung, es müsse ja niemand Geschäfte mit Trump beziehunsweise O’Leary machen, verkennt allerdings, dass die aktuellen Verwerfungen als Folge des entstandenen Neo-Liberalismus (unter anderem Lohn- und Sozialabbau sowie die Verwirrung der öffentlichen Hand, sich da zurechtzufinden) einer gewissen geschäftlichen Skrupellosigkeit in die Karten gespielt haben.

Es ist wohl kein Zufall, dass gerade bei Verkündung des „tollen“ Ryanair-Ergebnisses massive Sozialdumping-Vorwürfe wieder laut werden. Da viele Kosten nun mal in der Fliegerei identisch sind, bieten sich insbesondere radikale Kürzungen im Bereich der Personalkosten an. Die Verträge insbesondere mit seinem fliegenden Personal sind Ausbeutung pur. Das „wer nicht will, kann ja auch woanders arbeiten“ geht leider an den tatsächlichen Möglichkeiten vorbei.

Ganz typisch die sarkastische O’Leary-Reaktion auf die Vorwürfe, statt mit echten Argumenten lieber mit einem dümmlichen Spruch zu antworten: „Die (Gegner) behaupten, wir versklaven die Piloten im Alter von sieben Jahren, geben ihnen kein Essen und sperren sie nackt ins Cockpit.“ Das ist das typische Trump-Ablenkungsmanöver. Aber wie sollte er seine „atypischen Beschäftigungsmodelle“, bei denen der Wettbewerb knallhart auf dem Rücken der Belegschaft ausgetragen wird, auch vernünftig verteidigen.
Kritische Beiträge über O´Leary werden zumeist gekontert mit dem Argument, aber der Erfolg gäbe ihm recht. Der Zweck darf aber nicht die Mittel heiligen, sonst können wir auch Fans der FIFA, von Carsten Maschmeyer und anderer Erfolgsmodellen sein.

Typisch O’Leary (in der Trump-Kopie), dass er die von dem „Zeit“-Journalisten vorgelegten Fakten (teilweise aus seinem eigenen Jahresbericht zitiert) abstreitet oder schlichtweg nicht kennt (auch letzteres halte ich für möglich). Natürlich fehlt auch nicht sein Dauerhinweis, wie schnell sich sein Vermögen verdoppeln wird, während die Konkurrenten pleitegehen (Eurowings) oder an Lufthansa verkauft werden (Air Berlin).

Besonders gefährlich waren und sind diese Ryanair-Geschäftspraktiken, weil die konkurrierenden Airlines glaubten und noch glauben (bis hin zu Lufthansa), nur durch Kopieren dieser Methoden erfolgreich sein zu können. Dabei stößt das Ryanair-Modell, wie jedes Billigmodell, irgendwann an Marktkapazitätsgrenzen. Insofern ist der Bezug von O’Leary auf Aldi (wahrscheinlich unfreiwillig) richtig, weil auch der Discounter-Markt heute nicht mehr insgesamt, sondern einzelne Unternehmen nur noch zu Lasten der Konkurrenten wachsen.

Allerdings muss ich zugeben: O’Leary hat hier die Nase wieder im Wind, wenn er neuerdings Kundenfreundlichkeit, mehr Möglichkeiten an Bord, Vielfliegerprogramm oder auch das Anfliegen der zentralen Airports und so weiter herausstellt, während die Konkurrenten hier noch über Verschlechterungen nachdenken.

Früher habe ich immer geglaubt, das sei perfektes Marketing was er so an Sprüchen raushaut, heute denke ich eher O’Leary glaubt das selbst, was er so von sich gibt. Übrigens ein typischer CEO-Fehler, wenn der Zenit überschritten ist.
„Seit wir angefangen haben, netter zu den Kunden zu sein“ – man höre und staune – „laufen auch meine Pferde viel besser. Netten Menschen geschieht Gutes“, so O’Leary. „Solange die Luftverkehrssteuer in Deutschland existiert, werden wir da nicht mehr expandieren.“ Schon vergessen. Ryanair expandiert inzwischen, trotz der immer noch existierenden Steuer.

Aber unverzeihlich ungezogen finde ich den Interview-Abschluss mit dem Bezug auf sein Familienleben. „Meine Kinder denken sowieso, dass ich ein Idiot bin, so ist das auch in Ordnung. Wenn sie das nicht denken würden, dann werden sie sowieso nutzlos sein.“ Und ganz besonders niedriges Niveau finde ich dann seine Folgerung: „Ich würde gerne mehr Zeit mit meiner Frau verbringen – aber nicht, wenn sie vier unter zehnjährige Kinder hat.“
Entweder Frau O’Leary liest diesen Quatsch in seinen Interviews nicht – oder sie denkt wie ihre Kinder über ihren Mann.

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60 Jahre Condor, Teil 2: B747, DC10 und Verkaufsleitung

Vielen Dank für die vielen Zuschriften zu 60 Jahre Condor, Teil 1. Dabei wurde auch darauf hingewiesen, dass bei allem Spaß keine Condor-Chaostruppe am Werk war, sondern jedes Jahr auch Gewinn in die Lufthansakasse abgeliefert wurde. In den letzten Tagen hat auch die Publikums- und die Fachpresse viel über „60 Jahre Condor“ geschrieben. Aber als Zeitzeuge hat man immer noch etwas mehr auf Lager.

Beschaffung B747 – ein Traum wird Realität
Am 26.4.1970 absolvierte Lufthansa als eine der ersten Fluggesellschaften der Welt ihren Erstflug mit der B747. Drei Tage später, am 29.4.1970, kündigte Condor auf einer Pressekonferenz an, als erste Charterfluggesellschaft der Welt die B747, allgemein als Jumbo Jet bezeichnet, für 1971 anzuschaffen. Viele haben damals schnell im Kalender nachgesehen, ob gerade der 1. April sei, so unglaublich war die Nachricht. Gerade 9 Monate vorher war die erste Mondlandung geglückt, genauso abenteuerlich erschien auch dieses Unterfangen.

Insbesondere Geschäftsführer Herbert Wendlik motivierte die Condor-Mannschaft mit dem Spruch „wir schaffen das“, der erst 45 Jahre später in Deutschland populär werden sollte. Der gravierende Unterschied war: es wurde ununterbrochen daran gearbeitet, die erforderlichen Strukturen zu schaffen. Fast alle ausländischen Flughäfen im Condor-Streckennetz hatten keine Erfahrung im Umgang mit Flugzeugen dieser Dimension. Und für die Bereitstellung der entsprechenden Infrastruktur war Condor verantwortlich. Jumbotaugliche Fluggastbrücken und Treibstofftanks, Paletten-Ladesysteme und anderes mehr mussten bereitgestellt werden. Das konnte aber nicht „hin gebeamt“ werden, sondern musste viele Wochen vorher per Schiff transportiert werden. Die to-do-Liste war ellenlang und musste täglich gecheckt werden, denn schon der kleinste Fehler hätte die geplante Operations zum Scheitern bringen können.

Auch das war zu überstehen. In der von Lufthansa übergegebenen B747-Optionsliste stand als nächste freie Lieferposition das Jahr 1971. Erst später stellte sich heraus, das war ein Tippfehler, korrekt wäre 1972 gewesen. Resignation? Never. Mit dem eilig herbeigetrommelten Boeing-Repräsentanten wurde in der legendären Steigenberger Unterschweinstieg am Flughafen bis morgens 4 Uhr verhandelt, bis die Zusage aus Seattle für eine vorgezogene Lieferung in 1971 erreicht werden konnte.

Auch das ist kein Gerücht: Die endgültige Zustimmung der Lufthansa für die B747 holte sich Geschäftsführer Wendlik tatsächlich vom LH-Finanzdirektor in der Toilette, während der Pause einer Aufsichtsratssitzung (wurde mir von ihm ausdrücklich für diese BBB bestätigt).

Im Ergebnis war die störungsfreie Indienststellung der B747, eine Spitzenleistung der gesamten Condor Mannschaft. Auch „typisch Condor“, der allererste Flug von D-ABYF, bei Condor nur „Fritz“ genannt, war ein Danke-Rundflug über Frankfurt mit der Condor-Belegschaft an Bord. Ich weiß das deshalb so genau, weil ich damals Betriebsratsvorsitzender des Condor-Bodenpersonals war und eine Ansprache an Bord an die Belegschaft und den Boeing-Repräsentanten halten durfte.

Bei der ersten öffentlichen Vorstellung der B747 am 2.4.1971 in Düsseldorf spielte der südamerikanische Musiker Facio Santillan mit der Panflöte seinen „top Hit“ „El Condor Pasa“. Jeder „echte Condorianer“ bekommt bei diesem Lied heute noch Gänsehaut.
Vor einem Vorführungsflug für Geschäftspartner in Palma erhielt Flugkapitän Z. ein Glücksschwein in den Arm gedrückt, das ihm vor Aufregung die Uniform bewässerte.

Die beiden Flugzeuge, „Fritz“ und ein Jahr später „Max“, D-ABYH, waren die Sensation im Charterfluggeschäft. Sie flogen am Anfang nur ab Frankfurt und Düsseldorf und Urlauber nahmen auch weite Anreisen in Kauf, um „Jumbo zu fliegen“.

B747-Highlights
Beim Überführungsflug (bekanntlich nie bestuhlt) von „Max“ aus Seattle war ein Radrennen an Bord im Kreis geplant. Leider wurden die Räder kurz vor dem Start geklaut. Auf die Schnelle konnte nur eine Tischtennisplatte besorgt werden um ein sportliches „Highlight“ durchzuführen.
Eine Zeitlang hatte der Flughafenfrisör von Frankfurt eine „Zweigstelle“ im Oberdeck des Jumbos.
Über Lissabon in 11.000 m Höhe wurde ein Kind getauft. Der Pfarrer (mit Weihwasser) war in Frankfurt eingestiegen. Später übernahm Herbert Wendlik die Patenschaft für Boris F.
Das war eine unkonventionelle Lösung: In Palma wurde ein großes Loch in den Zaun geschnitten. Nahe davor parkte dann die B747, manchmal sogar beide B747 gleichzeitig. Da die Passabfertigung durch spanische Zollbeamte während des Fluges stattfand, konnte man so in vertretbarer Zeit die Passagiere vom Flugzeug direkt zu den Transferbussen bringen.

1973 war Condor die umsatzstärkste Chartergesellschaft der Welt. Kein Wunder bei der intensiven Kundenbetreuung. Als bei einem Schiffsausflug auf dem Steinhuder Meer einem TUI-Vorstand seine wertvolle Armbanduhr ins Wasser fiel, warf Wendlik seine eigene Uhr hinterher mit den Worten. „Ich will nicht bessergestellt sein als mein Kunde“. Da war Kundenorientierung noch verinnerlicht.

Tausch B747 in DC10
1978 wechselte die Condor Geschäftsführung. Die neue hatte gleich große Probleme zu bewältigen: zweite Ölkrise und die notwendige Erhebung von Treibstoffzuschläge in 1979. Gleichzeitig war auch der Reiz des Neuen der B747 vorbei. Ergo sollten die beiden B747 in drei DC 10 getauscht werden. Ich musste für die Bestellung nachweisen, dass die Umflottung wirtschaftlich sinnvoll war. Mehrfach riefen verärgerte Piloten und Mitarbeiter bei mir an, ich hätte mich doch sicherlich verrechnet, das könne doch alles nicht stimmen. So sehr schmerzte eine ganze Firma der Abgang der beiden Jumbos. Aber es war die richtige Entscheidung und am 7.12.1979 flog die erste DC10 für Condor.

Wechsel in der Verkaufsleitung
Völlig unerwartet schlug Anfang 1981 die Geschäftsleitung vor, dass ich künftig den Verkauf der Condor übernehmen sollte. Ganz schön mutig, einen Controller zum Verkaufsleiter zu ernennen. Und, ich hatte bis dato noch keinen einzigen Tag in irgendeinem Verkauf gearbeitet. Ein déjá-vu Erlebnis zu meinem Arbeitsbeginn in 1969 (siehe letzte BBB). Meine Frage: „wieviel Zeit habe ich zum Nachdenken?“ wurde beantwortet mit „leider nur eine Stunde, dann haben wir Termin beim AR-Vorsitzenden und müssen Vollzug melden“. Eine Stunde später: „Ok, ich mache das“. Was das hieß, einen Amateur auf die großen Einkaufslöwen der Veranstalter Alfred Merscher/TUI, Heinz Dettmar/Neckermann (beide waren früher auch im Management der Condor) und Peter Landsberger/DER loszulassen, kann man fast vergleichen, wenn Darmstadt 98 nach dem Aufstieg plötzlich gegen Bayern München und Borussia Dortmund spielt.

Man hatte mir zwar als Stellvertreter jemand mitgegeben, der über Verkaufserfahrung verfügte (Willi Meyer, später selbst Verkaufschef), aber es gab trotzdem im ersten Vierteljahr eine Menge Prügel für uns. Dafür prägte Meyer den Spruch: „Was ist das Schönste an den Verkaufsverhandlungen in Hannover? Der Rückflug nach Frankfurt.“

Auch ein mittelgroßer Veranstalter wie Hetzel-Reisen in Stuttgart war nicht ohne. Da wurde stundenlang bis auf den Pfennig der Flugpreis gefeilscht. Terminwünsche oder besser Terminaufforderung pflegte Hetzel mit den Worten einzuleiten: „wie lange brauchen Sie mit dem Auto von Neu Isenburg nach Stuttgart“, das hieß aber „sofort“. Und immer saß sein großer Schäferhund bei den Verhandlungen dabei, der in kritischen Situationen auch in die Verhandlung „eingebunden“ wurde. „Held“, so hieß der Schäferhund, „was sagst Du dazu. Die Condor will uns umbringen“. Zum Glück war „Held“ immer sehr gelassen.

Ein Erlebnis für sich waren auch die türkischen Gastarbeiterveranstalter. War unsereiner gewohnt, erst eine Verhandlung zum Abschluss zu bringen und wenn das Ergebnis stimmte, dann zusammen gut Essen zu gehen, lief es hier genau anders rum. Erst traf man sich zum Essen, zum Trinken und zum fröhlichen Feiern. Wenn man diesen „Test“ bestanden hatte, dann wurde verhandelt. So kam es, dass ich meinen ersten Grundlagenvertrag mit einem türkischen Veranstalter morgens um ½ 4 in einer leeren Kölner-Hotellobby verhandelte und unterschrieb. Ein Glück, wenn man vorher nicht jeden Raki trank, der einem hingestellt wurde.

1984 war Condor wieder die umsatzstärkste Chartergesellschaft Deutschlands.

Abschied
1987 wurde mir von TUI die Aufgabe „Direktor Flugeinkauf“ angetragen. Es gibt „Angebote, die kann man nicht ablehnen“.
Trotzdem war es nicht leicht, nach 18 ½ Jahren Abschied von Condor zu nehmen. Die Abschiedsparty, natürlich rund um Swimmingpool und Bungalow, war dann auch etwas emotional.
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Auch heute nochmal der Hinweis auf „Condor – Ferienflieger mit Tradition“ von (Condor-) Flugkapitän Karl-Peter Ritter (ISBN: 978-3-9814609-0-2).
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Das war reiner Zufall, dass mit „50 Jahre ITB“, „15 Jahre BBB“ und „60 Jahre Condor“ gleich drei Jubiläen hintereinander lagen. Aber jetzt ist Schluss mit Vergangenheit. Ab nächster BBB wird es wieder aktuell.

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Trauer (und Wut)

Angesichts der Trauer über die Opfer des Flugzeugabsturzes von 4U9525 und des Mitgefühls mit den Angehörigen, ist noch nicht die Zeit gekommen um „Bissige Bemerkungen“ zu schreiben.

Mit etwas mehr Abstand werden es auch eher „Wütende Bemerkungen“ werden. Wütend auf einen Großteil der Medien, die auf unerträgliche sensationslüsterne Art und Weise auf Quotenjagd sind. Inzwischen sind alle Tabugrenzen gefallen. Ich dachte nach den Erfahrungen mit der Geiselnahme in Gladbeck würde so etwas nie wieder passieren.

Wütend muss man auch sein, angesichts der Vielzahl „sogenannter Experten“, die erkennbar Unsinn von sich gegeben haben. Hat einer mal ausnahmsweise nicht antworten wollen, weil er zu wenige Informationen zum konkreten Absturz habe, wurde er bequatscht sich doch „allgemein“ zu äußern, was dann natürlich sofort konkret umgedeutet wurde. Unerträglich und besonders eklig war hier der „Urlaubsretter“ Benkö, der plötzlich auch noch zum Flugexperten mutierte, mit haltlosen Verdächtigungen, die schon am Folgetag Makulatur waren.

Wütend muss man auch sein, auf den CDU-MdB Wellmann, der in unglaublicher Weise sofort das Unglück nutzte, um öffentlich sein persönliches Hühnchen mit Germanwings zu rupfen. Unverständlicherweise erfolgte hier keine Rüge der Fraktionsleitung.

Unverständlich bleibt, dass die erste offizielle Reaktion auf das Unglück, die sofortige Einführung der 2-Personen-Regel für das Cockpit war. Man muss nicht Pilot sein, sondern nur logisch denken können, um zu erkennen, dass dieser Schnellschuss nur ein Placebo für die Öffentlichkeit ist.

Erst wenn wesentlich mehr Fakten auf dem Tisch liegen werden, wird man über Konsequenzen nachdenken können. Dabei muss nicht alles auf den Kopf gestellt werden müssen, aber nur ein „weiter wie bisher“ kann es auch nicht geben. Insbesondere Lufthansa wird über sehr vieles neu nachdenken müssen.

Zuletzt möchte ich noch einen Personenkreis ansprechen, der bislang zu wenig erwähnt wurde. Ich möchte auch allen Beschäftigten in der Flugbranche (egal welches Unternehmen, egal welcher Arbeitsplatz) mein Mitgefühl aussprechen. Es tat richtig weh, wenn man mit Airlinern in den letzten Tagen sprach, wie tief hier der Schock und der Schmerz über das Geschehene saß. Auch das hat zusätzlich traurig gemacht. Wie nach 9/11 wird auch diese Märzwoche ein tiefer Einschnitt für immer für die gesamte Branche bleiben. Ich wünsche die notwendige Kraft um das Richtige zu tun.

Wahrscheinlich werden die BBBs auch nächstes Wochenende noch Pause machen.

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Helau, Alaaf, Ahoi

Hier die besten Faschingsmeldungen:

1. Weiberfastnacht bei Germanwings
Der Streik der Germanwings-Piloten begann letzte Woche pünktlich zur Weiberfastnacht. Das kann bei einem Unternehmen mit Sitz in Köln kein Zufall sein. Den „Weibern“ wird es egal gewesen sein, ob der Pilot in ihren Armen kostümiert oder echt gewesen ist. War jedenfalls ein schöner Abgang für die „Germanwings“-Piloten, denn demnächst gibt es die einstmals Vorzeige-Germanwings nicht mehr (heißt dann Eurowings).

2. Die Rheinische Post hat schlecht recherchiert
Die Rheinische Post meldete, der neue Air Berlin Boss Pichler habe das „Duzen“ bei Air Berlin eingeführt. Die gleiche Zeitung hatte vor einiger Zeit den früheren Air Berlin-Boss Hunold als „notorischen Duzer“ bezeichnet. Exakt, von Hunold ist bekannt, dass er jeden duzte, der nicht bei 3 auf den Bäumen war. Notfalls ist er sogar nachgeklettert. Also Rheinische Post, bei Air Berlin wurde die ganze Zeit geduzt (wie übrigens schon immer bei LTU). Etwas hat Pichler aber doch neu eingeführt: Einen Kummerkasten für die Mitarbeiter. Dieser Kummerkasten ist sogar einen Meter groß. Pichler wusste wohl schon bei Dienstantritt, was ihn bei Air Berlin erwartet.

3. Deutsche Welle: Lufthansa laufen die Kosten davon.
Schön wäre es, wenn die Kosten davonlaufen würden, aber leider bleiben sie da. Der Spiegel meldete, LH-Finanzchefin Menne würde laut Firmenzeitschrift „Lufthanseat“ tiefe Einblicke gewähren, z.B.: Allein durch „Zusatzbelastungen wie sinkende Ticketpreise“ … da könnte man noch über sprachliche Genauigkeit streiten. Schlimmer ist, dass beim „Einstimmen der Mitarbeiter“ bei den angegebenen Durchschnittskosten munter Äpfel mit Birnen verglichen werden (dialektisch gut, betriebswirtschaftlich dreht sich einem der Magen um). Aber am meisten ärgern sich die BBBs über den „internationalen/nationalen Zuschlag“ auf den Ticketpreis, die vernebelnde Umschreibung des früheren Kerosinzuschlages. Der ist inzwischen höher als die tatsächlichen Gesamt-Fuel-Kosten pro Pax. Und ob Lufthansa beim Treibstoff „gehatcht“ hat oder nicht, ist mir als Kunde piepegal. Achtung Lufthansa: Demnächst schreibt die Deutsche Welle „bei Lufthansa laufen nicht nur die Kosten, sondern auch die Kunden davon“.

4. “Tagesspiegel Checkpoint” mit „Count up”
Für alle, die die Schwächen bzw. Unzulänglichkeiten oder das tägliche Versagen der Berliner Politik lieben, ist der neue Newsletter des Tagesspiegels ein täglicher Quell der Freude. Neuerdings führt dieser Newsletter einen „count up“ (statt des üblichen count down). Gezählt werden die Tage seit „Nichteröffnung des BER“. Und da steht ein tolles Jubiläum an. Am Freitag, dem 27.2., sind genau 1.000 Tage seit Nichteröffnung vergangen. Schade, dass es nicht 14 Tage vorher war. Freitag der 13. wäre doch ein cooles Datum gewesen. Ob es eine Nicht-Eröffnungs-Party geben wird? Wahrscheinlich nicht, Wowi ist ja nicht mehr da.

5. Der Faschingsgag schlecht hin
Bei der „Meenzer“ Sitzung „Mainz bleibt Mainz“ war auch der GdL-Vorsitzende Weselsky anwesend. Mutig der Mann, er bekam jedenfalls einiges auf die Lokführermütze. Aber der beste Spruch (bezogen auf seine Herkunft Dresden) war: „Nach 25 Jahren Mauerfall schränkt ein Ossi unsere Reisefreiheit ein“.

Tusch und Narrhalla-Marsch !

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„Schwein gehabt“ und andere Glücksmomente zum Jahresabschluss

Kennen Sie diesen Kalauer? Ein ausländischer Student gewinnt ein Stipendium in Deutschland. Zur Feier wird er in die Deutsche Botschaft eingeladen. Dort lernt er die Frau des Botschafters kennen. Sie gratuliert ihm zum Stipendium mit den Worten: „da haben Sie aber Schwein gehabt“. Dieser Satz übersteigt den aktuellen Sprachschatz des Studenten und die Botschafterfrau erklärt ihm, dass dieser Ausdruck in der deutschen Umgangssprache bedeutet: „da haben sie großes Glück gehabt“.
Kurze Zeit später fragt ihn der Botschafter selbst, ob er schon seine Frau kennengelernt habe. Da wollte unser bedauernswerter Student seine neuen Deutschkenntnisse anbringen und antwortet: „ich hatte schon das Schwein“.

Und damit sind wir bei der ersten Story. In Connecticut (wo auch sonst) stieg eine Frau mit einem kleinen Hausschwein im Handgepäck (eine Empfehlung ihres Therapeuten gegen Flugangst!) ins Flugzeug. Die Kabinencrew hielt das Schwein fälschlicherweise für ein Stofftier. Kaum hatte die Frau Platz genommen, zeigte das kleine Schwein seine Lebendigkeit, flitzte durch das Flugzeug, um letztendlich in bester „Depardieu-Manier“ seine Notdurft im Gang zu machen. Da war dann auch Ende des Fluges für Frau und Therapie-Schwein. Somit hatten die Fluggäste „Schwein gehabt“, dass das schweinische Abenteuer schon vor dem Start „aufgeflogen“ war.

Kein „Schwein gehabt“ hatte der Kabinenchef eines Korean Air-Fluges. Während das Flugzeug in New York zum Start rollte, servierte eine Flugbegleiterin einer Dame in der First Class ein paar Macadamia-Nüsse. Leider nicht servicegerecht im Schälchen, sondern noch in der Tüte. Wie schrecklich, denn die First Class-Lady (war sie eine Lady?), war leider Mrs. Cho Hyun Ah, Vizepräsidentin von Korean Air. Sie war über diesen Service-Fauxpas so sauer, dass sie die Maschine zurück zum Terminal rollen ließ, der Kabinenchef musste sich niederknien und entschuldigen (Niederknien! Herzliche Grüße nach Frankfurt, Berlin, Köln, Hannover und andere Airline-Standorte). Trotzdem wurden er und eine Flugbegleiterin sofort vom Dienst suspendiert.
Leider hatte die wütende Managerin bei dieser Aktion selbst „kein Schwein“. Denn zuhause in Südkorea war der shitstorm in den sozialen Netzen so groß, dass sie als Vizepräsidentin zurücktreten musste. Der Boss von Korean Air entschuldigte sich öffentlich (so etwas gibt es auch nur in Südost-Asien?) für diesen Vorgang. Dummerweise ist Cho Hyun Ah auch die Tochter des Airline-Bosses, deshalb fügte er noch –vor laufender TV-Kamera hinzu- „ich entschuldige mich auch dafür, dass ich meine Tochter so schlecht erzogen habe“. Wow!!
Die Story ist noch nicht ganz zu Ende. Schlechtes Benehmen verliert sich ja nicht so von jetzt auch nachher. Da die Crew im Nachhinein unter massiven Druck gesetzt wurde, ihre Aussagen zurückzunehmen, wurde jetzt Haftbefehl gegen Cho Hyun Ah ausgesprochen. Da sitzt sie nun im Knast ganz ohne Nüsschen und „Schwein“ gibt es nur in ganz kleinen Portionen aus der Gefängnisküche.

Irgendwie ein Problem in der Kinderstube muss auch eine andere Dame gehabt haben. Denn auf einer Schulungskonferenz einer Schweizer Unternehmensberatung, erklärte Frau Ursula Schütze-Kreilkamp, seit zwei Jahren bei der Deutschen Bahn !!! für die Rekrutierung von Managern verantwortlich, dass sie für die Bereiche Finanzen, Controlling und Compliance „gerne Zwanghafte“ einstelle, gerne mit „einer schönen Angststörung“. Diese Mitarbeiter seien „superpedantisch“.
Alle Bahnkollegen und –kolleginnen, die in 2014 im Umgang mit diesem Bereich „kein Schwein hatten“, wissen jetzt warum.
„Superpedantisch“ wie die Bissigen Bemerkungen zuweilen sind, sei noch darauf hingewiesen, dass Frau Schütze-Kreilkamp im Nachhinein bemerkte, sie habe bei der genannten Veranstaltung nicht als Bahn-Personalmanagerin gesprochen. Ebenfalls kleine Angststörung bekommen?

Eine massive Angststörung haben die Bissigen Bemerkungen beim Lesen dieser Überschrift in der BILD-Zeitung vom 27.12.2014 bekommen: „Crashkurs bei der Lufthansa. In drei Tagen werden Schreibtischtäter zu Piloten“!
Übertreibt Lufthansa hier nicht in ihrem Sparkurs? Oder sollen diese Schmalspur-Piloten beim nächsten Streik einspringen? Angeblich nichts von alldem. Dieser Crashkurs gilt als „Weiterbildung“, aber nicht im Sinne von Weiterbildung auf künftigen Job, sondern „nur“ als Horizonterweiterung.
Da haben aber alle Lufthansapassagiere nochmals richtig „Schwein gehabt“.

Auf ein gutes Jahr 2015!

Sorry für alle „Schwein gehabt“-Meldungen, die hier aus Platzgründen nicht mehr untergekommen sind, z.B. wie viel „Schwein wir alle gehabt haben“, dass bei den eklatanten Sicherheitsmängeln in Frankfurt und Düsseldorf nichts passiert ist usw. usw.

Wer zum Jahresabschluss auch noch Bissige Bemerkungen „hören will“, dem sei unbedingt der Reiseradio von Jürgen Drensek empfohlen. Da wird das Touristik-Jahr 2014 in bester „Statler und Waldorf“-Manier nochmals von mir abgelästert und zwar ausführlich.
Siehe http://travel-radio.eu/borns-bissiger-jahresrueckblick/
Wer die Sendung insgesamt hören will, dem sei http://travel-radio.eu/tag/collection182/ empfohlen.

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Eine Überschrift, die leicht wütend macht

Am Freitag war wieder Bundespresseball. Eine leicht dekadente Veranstaltung, die normalerweise die BBBs nicht interessiert und jetzt erstmals im Flughafengebäude von Tempelhof stattfand. Über einer an sich nicht aufregenden dpa-Meldung dazu stand die Headline: „Austern auf dem Gepäckband“.
Dummerweise haben die BBBs ein gutes Gedächtnis. Blenden wir zurück in das Jahr 2008. Der Berliner Senat, speziell ein gewisser Herr Wowereit, wollte entgegen aller logischer Argumente unbedingt den funktionierenden Flughafen Tempelhof, gegen den Wunsch der Anwohner (so etwas war einmalig in der Welt, die ein Volksbegehren hierzu durchgesetzt hatten), schließen. Als Wowereit merkte, dass ihm die Felle wegzuschwimmen drohten, griff er tief in die polemische Trickkiste. Da seine Behauptung, ohne Schließung von Tempelhof, sei der Ausbau von BBI (so hieß der Berliner Nicht-Flughafen BER damals) gefährdet, von bedeutenden Rechtsexperten widerlegt war, wurde mit polemisch-primitiven Plakaten (z.B. einer Mutter mit Kind auf dem Arm, die gegen „einen Flughafen für Reiche“ protestiert und einen Bauarbeiter „ich will keinen VIP-Flughafen“) Stimmung gemacht.

Ok, wir wissen das war alles Mumpitz, getrickst und gelogen. Und genau diese Plakate kamen jetzt den BBBs in den Sinn. Kein VIP-Flughafen, aber da bis heute (sechs Jahre danach) jegliche sinnvolle Nachnutzung für Tempelhof fehlt, finden dort Modeschauen („bread and butter“) und ein VIP-Presseball statt. Und auf dem seit Jahren ungenutzten Gepäckband laufen Austern umher. Bitte, das geht überhaupt nicht. Liebe Berliner, lasst Euch doch nicht alles bieten.

Quasi als Krönung des Ganzen, war dann heute in einer Sonntagszeitung ein Bild unseres Bundes-Gaucks zu sehen, wie er in der Flughalle Tempelhof, auf dem Gepäckband steht/fährt und über das ganze Gesicht strahlt wie wenn er die Super-Auster persönlich wäre. Es macht die BBBs wütend, wenn man sieht, wie er immer mehr am Feiern Gefallen findet und gleichzeitig mehr militärische Präsenz unserer Soldaten an den Brennpunkten dieser Welt fordert. „Ruck-Reden“ zu den wirklichen Problemen dieser Welt? Fehlanzeige, höchstens inhaltlich und zeitlich unpassende Bemerkungen über ein absolut zweifelsfrei demokratisch gewähltes Parlament in Erfurt.
Sorry, der letzte Absatz ist heute etwas politisch geworden.
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Es gibt immer wieder mal Fundstücke in der Presse, die für eine eigenständige BBB zu wenig, aber zu schade zum Überblättern sind. Beispiel taz: „Auf Seite 36 des November Bordmagazins der Lufthansa findet sich ein großer weißer Aufkleber, der Text verbergen soll. Wenn man das vorsichtig ablöst, findet man darunter u.a. goldbraun gebackene Kekse in Penisform, aufgereiht in einem silbernem –räusper- Ständer. Eigentlich lustig – und doch zog Lufthansa blitzschnell den Schwanz ein“.
Ist doch nett, oder? Wer übrigens die 265.000 (!) Exemplare des Lufthansa-Magazins überklebt hat, konnte nicht recherchiert werden.

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Europa ist weiter geworden

Erinnern Sie sich noch an das BBB-Adventstürchen Nr. 19 vom 19. Dezember 2013? Da hatten die BBBs über ein Interview berichtet, das der Luftfahrtjournalist Andreas Spaeth mit Stefan Pichler, CEO von Fiji Airways und früher CEO von Thomas Cook, geführt hatte.
Zitat:
Frage Spaeth: „Kam für Sie (also Pichler) der Top-Job bei Air Berlin in Frage?“
Antwort Pichler: „Ja, ich wurde darauf angesprochen. Aber ich glaube nicht, dass ich in diese Welt hineinpasse. Dazu ist mir Europa mittlerweile ein bisschen zu eng.“
Seit heute wissen wir: Stefan Pichler wird CEO von Air Berlin. Demzufolge muss Europa weiter geworden sein. Na, ja, zumindest Berlin wird permanent weiter (weltläufiger). Also wenn doch Europa ist nur Berlin entschuldbar.

An dieser Stelle müssen die BBBs eine sehr persönliche (fast unglaubliche) Geschichte über eine magische (?) Stunde einfügen:
Diesjährige ITB. Ich mache einen Rundgang über die ITB. Am Stand der Lufthansa sehe ich Air Berlin-CEO Wolfgang Prock-Schauer mit einem Mitarbeiter der LH-Kommunikation im Gespräch. Als Prock-Schauer weggeht, frage ich den LH-Kommunikationsmann: „Kommt Prock-Schauer zur Lufthansa?“. Antwort des Lufthanseaten: „Nein. Wir kennen uns von früher und haben nur ein wenig miteinander geplaudert“.
Dieser Mitarbeiter aus der LH-Kommunikation war Aage Dünhaupt, seit sechs Wochen Kommunikations-Direktor bei Air Berlin.
Ich gehe weiter und treffe eine halbe Stunde später, am Stand von L´tur, zufällig Stefan Pichler. Da wir uns noch aus Thomas Cook/TUI-Zeiten kennen, plaudern wir ca. 10 Minuten miteinander. Natürlich habe ich nach dem o.g. Interview gefragt. Er etwas vorsichtiger: „Zurück nach Deutschland ist im Moment nicht geplant, aber man weiß ja nie“.
Stefan Pichler wird jetzt CEO bei Air Berlin.
Das heißt innerhalb einer Stunde habe ich zwei Touristiker getroffen, die künftig überraschend für Air Berlin arbeiten/arbeiten werden.

Und jetzt die Frage: ich erinnere mich schwach, dass ich innerhalb dieser magischen Stunde mit noch zwei anderen Menschen gesprochen habe. Die Namen sind mir entfallen. Bitte dringend bei mir melden, Air Berlin sucht Sie.

Nachtrag: Über die Fiji-Inseln tobt mindestens einmal pro Jahr ein schwerer Wirbelsturm. Wer das übersteht, passt zu Air Berlin.

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Air Berlin hat beim Luftfahrtbundesamt offensichtlich schlechte Karten, warum eigentlich?

Lt. dpa hat das Luftfahrtbundesamt entgegen seiner bisherigen langjährigen Praxis 34 gemeinsame Flugverbindungen (sog. Code-share-Flüge) von Etihad mit Air Berlin untersagt. Der Fluggesellschaft seien außerdem noch andere Verkehrsrechte verweigert worden. Die Behörde nannte aber weder Details noch Gründe für ihre Entscheidung.

Diese Entscheidung, die formal gegen Etihad gerichtet ist, trifft aber in hohem Maße die wirtschaftliche Entwicklung von Air Berlin. Man kann sicherlich über die intensive Zusammenarbeit von Air Berlin mit Etihad (Abu Dhabi) unterschiedlicher Meinung sein, aber zumindest hat dies bei der Sicherung der Arbeitsplätze von Air Berlin geholfen.

Dass die Behörde sich über die Entscheidung ausschweigt, lässt auch Böses vermuten. Schauen wir doch mal hinter die Kulissen. Die vorherige Code-share Genehmigung des Luftfahrtbundesamtes wurde massiv von der Landesregierung Bayern und der Landesregierung Hessen angegangen, angeblich um die Interessen der Flughäfen München und Frankfurt zu schützen.
Pech Nr. 1 für Air Berlin, ihre starken Abflughäfen heißen Düsseldorf und Berlin.

Auch „Lufthansa ist Sturm dagegen gelaufen“ (Zitat Handelsblatt). Wer allerdings denkt, alles was Air Berlin schadet würde Lufthansa nützen, irrt. Lufthansa muss ihre eigenen Hausaufgaben machen, ihre Probleme sind ganz andere. Sollte jedenfalls Air Berlin/Etihad jetzt Passagiere verlieren, werden diese garantiert nicht bei Lufthansa sondern anderswo landen. Aber einen „Watschenmann“ zu haben, um von eigenen Probleme abzulenken, kann nicht schaden

Pech Nr. 2 für Air Berlin: Sie ist eine Fluggesellschaft und kein Rüstungsunternehmen. Da denkt der Bayrische Ministerpräsident nämlich ganz anders. Diese vorwiegend in Bayern liegenden Arbeitsplätze dürfen nicht gefährdet werden, siehe vor kurzem die Diskussion über Rüstungsexporte. Wohin? Interessanterweise u.a. nach Saudi Arabien und Katar. Also Rüstungsgüter in den Orient sind ok, Fluggenehmigungen kann man gerne streichen.
Da könnte man fast auf den schrägen Gedanken kommen, dass wohl oder übel der Scheich von Abu Dhabi demnächst Frau Merkel einen Besuch abstatten muss, wie kürzlich der Emir von Katar (da wäre eine laute Diskussion über das Wort „Unrechtsstaat“ angebracht gewesen), ein paar Panzerchen und anderes schießendes Gerät bestellen, dann könnte es auch mit den Luftfahrtgenehmigungen klappen.

Mit der Luftfahrt hat es unsere Bundesregierung ohnehin nicht besonders. Da wird eine ganze Branche mit der Luftverkehrssteuer „abgemolken“ von der inzwischen jeder weiß, wie schädlich sie für die deutsche Luftfahrt ist. Aber Herr Schäuble, will auf diese Steuer trotzdem nicht verzichten. Punkt.
Ach wie ist es schön, wenn sich unsere Kanzlerin in Brüssel für die Automobilbranche in die Bresche wirft und höhere (eigentlich schon vereinbarte) Abgasnormen verhindert, damit die deutsche Automobilbranche ihre Arbeitsplätze nicht gefährdet.

Angeblich soll sogar Bundesverkehrsminister Dobrindt letztlich die Entscheidung gegen Etihad getroffen haben (lt. Handelsblatt). Der hat es offensichtlich auch nicht so mit dem Luftverkehr. In seiner Haushaltsrede hatte er zum Luftverkehr keinen Satz anzumerken. Da steht er in der Tradition seines Vorgängers Peter Ramsauer. Der hat den Luftverkehr auch keinen einzigen Schritt vorwärts gebracht, sondern nur behindert (siehe unnötigen Flugstopp wegen Aschewolke und fehlendem Engagement gegen die Luftverkehrssteuer). Am Montag, 13.10.2014, ist wieder BTW-Treffen (BTW = Bundesverband der Deutschen Tourismuswirtschaft). Mit Schrecken denken die BBBs noch an das BTW-Treffen in 2010. Hauptredner war damals Ramsauer. Nicht seine Rede war das schreckliche (die BBBs hatten von seinem Auftritt nichts erwartet und wurden demzufolge auch nicht enttäuscht), sondern die Tatsache, dass er anschließend noch vom BTW „gepampert“ wurde: „Herr Ramsauer hat immer ein offenes Ohr für unsere Branche“. Falsch: er hatte „zwei“ offene Ohren, rechts ging die Botschaft hinein und in der gleichen Sekunde wieder links hinaus. Bravo, für so viel „offenes Ohr“.

Jetzt am Montag steht auf der BTW-Tagesordnung eine Podiumsdiskussion von vier Staatsekretäre/-innen (u.a. vom Verkehrsministerium) zum Thema: „Wirtschaftsfaktor Tourismus – in der Politik angekommen?“. Die BBBs erwarten wiederum nichts und werden demzufolge auch nicht enttäuscht sein. Aber wenn danach wieder geschmeichelt wird, wird zumindest eine Person den Saal verlassen.

Merke: Automobilbranche, Rüstungsindustrie, Pharmaindustrie, Agrarwirtschaft u.a. gehen die Politvertreter knallhart an (und haben deshalb Erfolg).
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Keine schöne Offenbarung

Letzten Montag hatten die BBBs noch eine schnelle politische Entscheidung für die Einstellung von Flügen nach Tel Aviv gefordert. Schon einen Tag später gaben Lufthansa und Air Berlin bekannt vorerst nicht nach Tel Aviv zu fliegen. Das war natürlich nicht der Verdienst der BBBs und leider auch nicht grundsätzliche politische Einsicht. Die amerikanische Fluglinie Delta war im Anflug, als 1,6 Km vom Flughafen entfernt, Raketentrümmer niedergingen. Es folgte die Flugumleitung nach Paris und die amerikanische Anweisung Flüge nach Israel zu stoppen. Wie immer, alles was die Amerikaner machen, „dürfen auch die Deutschen machen“.
Egal, über eine richtige Entscheidung (warum auch immer) darf man sich trotzdem freuen.

Aber der politische Druck ließ nicht lange auf sich warten. Volker Beck, ehemals parlamentarischer Geschäftsführer der Grünen-Bundestagsfraktion (aus gutem Grund ist er das nicht mehr) meinte Lufthansa und Co. belehren zu müssen: „Fluggesellschaften trügen nicht nur Verantwortung für die Sicherheit der Passagiere, sondern auch für die Menschen, die auf einen funktionsfähigen Flugverkehr angewiesen sind“. Danke Schlaumeier Beck, das ist allerdings ohnehin Geschäftsprinzip bei Lufthansa. Politisch sei nur daran erinnert, wie wegen einer popeligen Aschewolke der Flugverkehr tagelang ruhen musste. An den legendären Politikerspruch: „Lieber nicht fliegen, als wenn nur ein Passagier auf einem Flug nach Mallorca abstürzt“ darf erinnert werden.

Noch doller argumentierte die CDU Abgeordnete Gitta Connemann (CDU) aus Leer/Unterems, zumindest bekannt aus dem BILD-Gesangsvideo zum 60. Geburtstag für Frau Merkel. Sie sprach von einer „Kapitulation des Westens vor dem Terror“. Lebensgefahr für Fluggäste als politisches Statement? Gitta Connemann (CDU), Mitglied im Bundestagsausschuss für Ernährung und Landwirtschaft, verfügt offensichtlich auch über ausreichende militärische Fachkenntnisse („Israel verfügt über ein funktionierendes Raketenabwehrsystem“), das jegliche Gefahr für den Flugbetrieb ausschließt.
Bevor wir es vergessen, die beiden Politiker sind Vorsitzender und stellv. Vorsitzende der Deutsch-Israelischen Parlamentariergruppe. Welche Interessen zählen mehr? Politische Interessen vor Sicherheitsinteressen? Niemals!
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Mein persönliches Highlight der Woche.
Langjährige BBB-Leser ahnen was jetzt kommt. Thomas Middelhoff auf der Flucht aus dem Gericht. Zitat: „Er kletterte aus einem Fenster an der Rückseite des Justizgebäudes an einem Regenrohr entlang auf ein Garagendach, sprang aus 2,50 Meter Höhe in ein Parkrondell und entkam“.
Middelhoff im feinen Zwirn klettert an einem Regenrohr abwärts. Tiefpunkt eines Lebens oder erst jetzt im Leben angekommen?

Dieser Satz war auch nett: „Middelhoff hatte vorher eine Vermögensauskunft abgegeben“. In der Umgangssprache nennt man dies einen „Offenbarungseid leisten“. Meinung BBB: Seinen fachlichen Offenbarungseid hatte er schon früher bei fast jeder Amtshandlung und jedem Vortrag geleistet.

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Ganz oben Ganz unten

Das war die Buchvorstellung der Woche. Ex-Bundespräsident Christian Wulff präsentierte seine Abrechnung „Ganz oben Ganz unten“. Im Mittelpunkt der Berichterstattung darüber stand seine (offensichtlich „nichts dazu gelernt“) Feststellung: Ich wäre heute noch der Richtige im Amt.

Dieser Satz hat einige Manager dazu verleitet nun mit „ihren“ Büchern auf den Markt zu kommen.

Hartmut Mehdorn: „Tausendmal probiert, nie hat was funktioniert“. Mehdorn beschreibt seine Berufsstationen Heidelberger Druckmaschinen, Deutsche Bahn AG und Air Berlin. Dabei kommt er zur Feststellung: „Ich wäre überall noch der Richtige im Job“. Anmerkung der BBBs: Mehdorn ist wirklich genial. Auf die Frage, bis wann er nun einen Eröffnungstermin nennen würde, verkündete er die „Ankündigung einer Ankündigung“. Konkret, er kündigte an, dass er Ende des Jahres ankündigen wird, wann eröffnet wird. Und diese „Ankündigung einer Ankündigung“ schaffte es in alle Gazetten. Damit weiß Wowereit auch schon, was er von Mehdorn zu Weihnachten geschenkt bekommt: Eine Ankündigung.

Das hat den früheren Flughafenchef Rainer Schwarz nicht ruhen lassen. Er stellte sein Buch „Fast fertig Nie fertig“ vor. Dabei kommt er (nicht) überraschend zum Schluss, dass er immer noch „der Richtige im Job sei“. Immerhin habe er es bereits schon einmal zu einer Ankündigung geschafft. Und so lange nichts auf die Reihe gebracht wie die aktuell Verantwortlichen, das hätte er allemal hinbekommen.

Dass Chefwechsel auch meistens Strategiewechsel sind, zeigt Lufthansa in ihrem neuen Jahresbuch „Ganz Dividende Ganz Gewinnwarnung“. Die BBBs haben keine Ahnung wie man die beiden Begriffe verwechseln kann, aber jetzt ist insbesondere aus Aktionärssicht die Frage offen: wer war/ist der Richtige im Amt?

Sollte Thomas Middelhoff jemals seine Memoiren schreiben, könnte der Titel lauten: „Vom Hubschrauber zum Kuckuck“. Beide können theoretisch fliegen. Während Middelhoff mit dem Hubschrauber morgens auf dem Weg zum Büro die Autobahnstaus überflog (wie genial), ist „sein“ Kuckuck leider nicht flugfähig. Seit einige Gerichtsvollzieher erkannt haben, dass Middelhoff zur Zeit regelmäßig im Gericht in Essen anwesend sein muss, stehen sie dort Schlange um zu pfänden. Just for Info: Die letzte Taschenpfändung bei Middelhoff ergab nur 70 Euro. Da es in Deutschland zur Zeit ca. 5.000 Gerichtsvollzieher gibt, könnten ihm noch viele nicht flugfähige Kuckucke trotzdem „entgegen flattern“.

Auch ein anderer ehemaliger Stammkunde bei den BBBs, Peter Ramsauer, bereitet gerade sein Buch „Anglizismen ja, Anglizismen nein“ vor. Während Ramsauer früher ein erbitterter Gegner von Anglizismen war (in seinem Ministerium wurde aus Laptop Klapprechner und aus Flipchart Tafelschreibblöcke), überraschte er jetzt in einem Interview, in dem er meinte, Deutschland würde bei bestimmten Exportgütern weltweit abgehängt, mit dem Begriff „Defence-Systeme“. Auf die Nachfrage einer Journalistin warum er hierbei nicht von Rüstungsgütern spreche antwortete er: „Ich benutze ungern Anglizismen, aber in diesem Fall ist mir das Wort Rüstungsgüter zu aggressiv“.
Absolut richtig, das ist doch ein ganz anderes Lebensgefühl ob ein Demonstrant in Saudi-Arabien beispielsweise, einem Defence-System oder einem Panzer gegenübersteht.

Zum Abschluss noch eine durchaus freundliche Bucherscheinung: Jürgen Büchy präsentiert seine Memoiren mit „Ganz Präsident (in Berlin) Ganz Weinbauer (in Kroatien)“. Dabei kommt er zu einer (überraschenden?) Feststellung: „Soviel Wein kann ich in Kroatien garnicht anbauen, wie man als DRV-Präsident in Berlin trinken möchte (müsste)“.

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