Superlativ der Superlative

Was war das für ein Sonntag! Der amtierende Papst spricht gleich zwei Päpste heilig und der emeritierte Papst ist bei der Feier in Rom dabei. Soviel Papst auf einmal, gab es seit unserer Zeitrechnung noch nie.

Dementsprechend war der Andrang in Rom. Über eine Million Pilger bevölkerten die Stadt an diesem Sonntag. Das ist auch touristisch gesehen ein Superlativ. Da stellt sich doch die Frage, ob man einen solchen Event „Heiligsprechung“ nicht öfters veranstalten sollte. Das Problem dabei dürfte sein, man braucht für jede Heiligsprechung ein Wunder. Also müsste man vor dem Event „Heiligsprechung“ auch einen Event „Wunder“ erfinden. Und Wunder gibt es nicht von der Stange. Im Gegenteil, sie sind in unserem Jahrhundert sehr selten.

Während die BBBs zu später Sonntagnacht-Stunde (wie üblich) mühsam nach denkbaren Wunder suchten, wurden sie selbst und alle die jetzt noch wach und interessiert waren, Zeugen eines aktuellen Wunders. Ehrlich! Die Deutsche Presseagentur teilt soeben (23.01 Uhr) mit, dass Etihad Airways weitere 300 Millionen Euro als Eigenkapital für Air Berlin bereitstellt (jetzt gibt es Eigenkapital „satt“ bei Air Berlin) und der Kapitalmarkt weitere 150 Mio. Euro zur „langfristigen Lösung“ für Air Berlin zur Verfügung stellt.
Halleluja, wenn das kein Wunder ist!

Damit dürfte, wer immer für diese gigantische Transaktion verantwortlich ist, schon jetzt ein potenzieller Kandidat für eine Heiligsprechung sein. Und die Story geht ja weiter. Damit müsste nach landläufiger Meinung der Fortbestand von Air Berlin mehr als gesichert sein. Es gab ja schon Unkenrufe, ob Berlin den neuen Flughafen BER ohne eine solvente Air Berlin überhaupt bräuchte. Jetzt wird alles gut. Das gibt auch Schub für die Fertigstellung des BER. Sollte das noch gelingen, wäre es schon Wunder Nr. 2 auf Berliner Boden. Lustig wird es, wenn sich dann Wowereit und Mehdorn darüber streiten, wer für dieses Wunder heiliggesprochen werden soll.
Berlin, die nächst wichtigste Stadt für Heiligsprechungen nach Rom.

Zu einem anderen Zeitpunkt könnte man darüber nachdenken wer in der deutschen Touristik noch heiliggesprochen werden könnte. TUI-CEO Joussen zum Beispiel (aber sich selbst vorschlagen für Heiligsprechung geht wohl nicht)?

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Man kann sich keine Pause gönnen

Da machen die Bissigen Bemerkungen mal eine Woche Pause und schon fällt „Stoff“ für viele BBBs an. Dies ist nur ein kleiner Ausschnitt davon, was sich auf dem Schreitisch zuletzt gestapelt hat:
1.Tourismus im Bundestag wird weiblicher
2.Mehdorn gegen Mehdorn
3.Gerhard Schröder übernimmt Vorsitz im Aufsichtsrat Flughafen Düsseldorf
4.Pofalla und Bahn (zwar nicht neu, aber die Reklamationen häufen sich, weil die BBBs noch nichts dazu geschrieben haben)
5.Generalstaatsanwalt erhebt Anklage gegen Top-Manager von Unister
6.Ryanair stellt Marketing-Experte ein um das Image aufzupolieren
7.BdL legt nationales Konzept für den Luftverkehr vor
8.Öger und Vaclav Fischer steigen wieder in deutsches Veranstaltergeschäft ein
Alles schaffen wir nicht, aber los geht´s:

1.Tourismus im Bundestag wird weiblicher
Tourismusgurus wie Ron Imelauer predigen das schon seit mehr als 10 Jahren. Die „Entscheider“ für die touristischen Reisen sind die Frauen. Jetzt ist diese Weisheit auch im Bundestag angekommen. Neue Vorsitzende des Bundestagsausschuss für Tourismus ist Heike Brehmer (CDU). Sie löst den bisherigen Vorsitzenden Klaus Brähmig ab (die BBBs werden es verkraften). Ihre praktische touristische Erfahrung tendiert zwar stark gegen Null, aber sie hat Erfahrung in der Ausschussarbeit und ….jetzt wird es wichtig…. sie kommt vom Harz. Adieu Bayern, Adieu Sächsische Schweiz, jetzt ist der Harz mal dran. Wer mehr über Heike Brehmer erfahren will, dem sei das neue Reiseradio (www.Reiseradio.org) empfohlen. Jürgen Drensek führt ein erstes Interview mit Brehmer.

Leider ist immer noch niemand als Beauftragte/r der Bundesregierung für Tourismus ernannt. Für Wirtschaftsminister Gabriel ist Tourismus eben nicht eilbedürftig. Gerüchteweise hat Iris Gleike aus Thüringen, Staatssekretärin im Wirtschaftsministerium und Ostbeauftragte die besten Chancen so „nebenbei auch noch Tourismus zu machen“. Alles klar? Frauen aus dem Osten geben künftig den Ton vor.

Und es bleibt weiter weiblich. Für die CDU/CSU spricht über Tourismus künftig Daniela Ludwig aus Rosenheim. Ihre praktische touristische Erfahrung tendiert ebenfalls gegen Null, sie war bisher auch nicht im Tourismusausschuss. Aber als bayrisches Kind ist man per Definition tourismusaffin.
Für die SPD spricht über Tourismus Frau Gabriele Hiller-Ohm aus Lübeck. Ihre praktische touristische Erfahrung hält sich ebenfalls in Grenzen, aber sie hat langjährige Erfahrung aus dem Tourismusausschuss.

Nur in den Oppositionsfraktionen Grüne und Linke sprechen künftig Männer über Tourismus. Das wirkliche Leben ist jetzt auch im Tourismus angekommen. Frauen geben den Ton vor, den Männern bleibt die Opposition.

2.Mehdorn gegen Mehdorn
Der Prozess Schadenersatzforderung Air Berlin gegen BER beherrschte diese Woche fast einhellig mit der Formulierung „Mehdorn gegen Mehdorn“ die Schlagzeilen. In der BBB-eigenen Bescheidenheit möchten wir auf die Bissigen Bemerkungen vom 10. März letzten Jahres hinweisen. Dort formulierten wir vorausschauend: „Das schafft nur Hartmut Mehdorn – sich selbst zu verklagen“.
Weiter hieß es dort:
„Montagmorgen, 11. März 2013, 7.00 Uhr, Büro des Flughafenchefs Berlin-Brandenburg. Hartmut Mehdorn betritt sein neues Büro. Seine Sekretärin überreicht ihm die wichtigsten seit Wochen gestapelten Unterlagen. Mehdorn fragt: Was liegt da obenauf?. Antwort der Sekretärin: Da hat uns so ein Typ von Air Berlin vor einiger Zeit auf Schadenersatz verklagt, in zweistelliger Millionenhöhe.
Was wird wohl „BER-Chef“ Mehdorn antworten:
a) Verbinden Sie mich mit diesem Mehdorn von Air Berlin oder
b) Machen Sie zwei Löcher in die Klage und heften Sie das Pamphlet ab oder
c) Überweisen Sie sofort das Geld, Air Berlin braucht das nötiger als wir.“

Wie wir inzwischen wissen, hatte sich Mehdorn für c) entschieden, wurde aber vom Aufsichtsrat des BER zurückgepfiffen.

Und die BBBs hatten damals weiter darauf hingewiesen, dass Mehdorn einen 3-Jahresvertrag erhalten hat und deshalb vorhergesagt: „Jetzt ist jetzt klar, mit welchem Eröffnungstermin die BER-Verantwortlichen wirklich rechnen: 2016“. Also, alles im Plan!

Aber einen aktuellen Mehdorn Satz zu diesem Prozess muss hier erwähnt werden. Zitat Mehdorn: „Man trifft sich immer zweimal, diesmal treffe ich mich selbst zweimal“.

3.Gerhard Schröder übernimmt Vorsitz im Aufsichtsrat Flughafen Düsseldorf
Dieser Satz stimmt genauso wie der Satz „Gerd Müller wird neuer Bundes-Entwicklungsminister“. Beide Behauptungen stimmen, nur liebe Leserinnen und Leser, Ihre Assoziationen sind wahrscheinlich falsch.

Alle anderen Punkte verschieben wir auf nächste Woche.

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Schauen Sie mal vor die Tür: Die ITB steht davor

Es ist mal wieder soweit. Die ITB steht vor der Tür. Neben harter Arbeit in den täglichen Verhandlungen und noch härterer Arbeit im nächtlichen „get-to-gether“, zählt auch das Verbreiten von Gerüchten und der Austausch von kleinen Bissigkeiten (der Ur-Form der Bissigen Bemerkungen) zum täglichen Allerlei.

Haben Sie schon gemerkt, dass dieses Jahr „der Kalender gefühlt schneller läuft“ und alles kurzfristiger passiert? Die Einladungen zu den Veranstaltungen kamen kurzfristiger und die Gerüchte/Bissigkeiten laufen dieses Jahr auch noch nicht so richtig an.

Helfen wir deshalb ein bisschen nach:

Der Touristik Report (wie lange gibt es den noch?) schrieb über Thomas Cook: „Qualität wird Chefsache“.
Oh weh, das kennen wir doch aus der Politik. Wenn etwas Chefsache wird…… das war`s dann.
Bei dieser Gelegenheit sollte man auch den „Granaten-Spruch“ eines Neckermann-Produktverantwortlichen zu den neuen Produkten für die 50plus in den BBBs verewigen: „Der Tag beginnt mit einem fröhlichen gemeinsamen Blutdruck messen.“ Hätte gerade noch gefehlt, dass es abends auch „kleinere Portionen“ gibt.

Wowereit hat die neue Imagekampagne für Berlin zur Chefsache erklärt. Schade, man hätte es auch mit einem Experten versuchen können. Da das ganze vertraulich ist, weiß man auch schon wie der neue Spruch heißen wird: Be Berlin. Mensch, was soll unserer einer noch alles sein? Wir sind schon Papst, wir sind schon Deutschland, jetzt sollen wir auch noch Berlin sein. Ganz schön stressig!

Apropos Papst und Verleihung der „Touristik Awards“ durch den Travel Industry Club auf der ITB. Es ist sicherlich ein Gerücht, dass der Lifetime-Award posthum an den verstorbenen Papst Johannes Paul II für seine außerordentliche Reiseleistung verliehen werden soll.

Dringend nachtragen müssen wir den Erfolg des sog. „Flirt-Express“ der Bahn am vergangenen Valentinstag. Das war ein echter Imagegewinn für die Bahn. Der Erfolg ruft direkt nach Wiederholung. Schade wäre, wenn es Mehdorn zur Chefsache erklären würde. Flirten und sein bissiger Gesichtsausdruck, das wäre schon eine Art Hardcore-Flirt.

Haben Sie gelesen, die Swiss übernimmt Kuonis Ferienflieger Edelweiss? Komischerweise hat das in den deutschen Fachmedien nur einen geringen Widerhall gefunden. Aber denken Sie mal nach: Edelweiss ist ein Ferienflieger, die Swiss gehört Lufthansa, die Lufthansa verhandelt mit TUI über den Zusammenschluss von germanwings und TUIfly. Klingelt´s wo da noch ein Plätzchen frei sein könnte? Und in der Schweiz erstarkt gerade Air Berlin mit dem Veranstalter Hotelplan, da braucht TUI Suisse auch noch ein bisschen Unterstützung.

Wenn Sie weitere „gewichtige“ Gerüchte erfahren haben, bitten wir um Mitteilung. Schließlich stehen die nächsten Bissigen Bemerkungen auch schon vor der Tür. Und zwar noch vor der ITB. Ein Gedränge ist das vor der Tür.

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Auf ein Neues

Das war´s liebe Leserinnen und Leser für das Jahr 2007. Aber es gibt keinen Grund zur Sorge, auch in 2008 wird es in der Touristik genug zum Nachforschen geben.
Hier ein kleiner Ausblick:

Wird es quer durch die TUI-Aktionäre einen neuen Eisernen Vorhang geben? Oder wird es bei TUI noch mehr internationale Großaktionäre geben und wird sie Ihren Firmensitz an den Hudson River (UN-Hauptgebäude) verlegen müssen?

Thomas Cook hat in letzter Zeit eigene Aktien aufgekauft. Gleichzeitig wurde eine neue Akquisition in der Touristik angekündigt. Holt Thomas Cook zum großen Coup aus und kauft sich selbst?

Werden in 2008 aus Kümmerer auch Verkäufer?

Wird Ryanair in 2008 freundlich?

Outen in 2008 Mehdorn und Schell ihre bislang heimliche Liebe?

Kann Berlins Regierender Wowereit die Seite wechseln und Tempelhof zu dem machen was es bereits ist? Einen unverzichtbaren Flughafen!

Die neue fvw-Statistik berichtet, dass im vergangenen Jahr die kleinen Veranstalter zu Lasten der großen Veranstalter gewachsen seien. Wird damit ein alter Joke in 2008 zur Realität?
Frage: Wie kommt man in der Touristik am sichersten zu einem kleinen Vermögen? Antwort: In dem man vorher ein großes Vermögen hatte!

Und vieles, vieles mehr.

Zuletzt noch eine typisch BBB-schwierigere Frage um die Ecke gedacht: Will die Deutsche Bank in Berlin einen Jurassic Parc bauen? (Zur Lösung müsste man eine Mitteilung der Deutschen Bank und eine Pressemitteilung des NABU jeweils vom 28.12. zusammenbringen!!). Na, zwischen zwei Silvester-Punsch müsste das doch gelingen.

Zum Abschluss noch eine persönliche Bemerkung:
Vielen Dank liebe Leserinnen und Leser für Ihre Treue im vergangenen Jahr. Stolze 15% plus bei den Abozahlen für den Newsletter auf jetzt 2.325 und ebenfalls mehr als 15% plus bei den Besuchern von karl-born.de bedeuten die Rekordzahl von mehr als insgesamt 230.000 Visitors (nicht Klicks!) in 2007 für die Bissigen Bemerkungen. Das ist neue Motivation auch nach 335 Ausgaben (d.h. bisher an 335 Sonntagabende hintereinander malochen) im nächsten Jahr wieder Gas zu geben und möglichst noch bissiger zu werden.
Vielen Dank auch an dieser Stelle für die vielen Rückmeldungen aus dem Leserkreis, wie beispielsweise zuletzt auf die BBBs vom 17.12., „Weihnachtlicher Wunschzettel der Reisebranche“.

In diesem Sinne, auf ein Neues und Ihnen allen ein glückliches und sehr erfolgreiches Jahr 2008. Möge wenigstens einer unserer Träume in Erfüllung gehen.

Ihr
Karl Born

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