Schicksalsjahr für den Tourismus

Schicksalsjahr für den Tourismus

Der Westen, 9.1.09

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Schauen Sie mal vor die Tür: Die ITB steht davor

Es ist mal wieder soweit. Die ITB steht vor der Tür. Neben harter Arbeit in den täglichen Verhandlungen und noch härterer Arbeit im nächtlichen „get-to-gether“, zählt auch das Verbreiten von Gerüchten und der Austausch von kleinen Bissigkeiten (der Ur-Form der Bissigen Bemerkungen) zum täglichen Allerlei.

Haben Sie schon gemerkt, dass dieses Jahr „der Kalender gefühlt schneller läuft“ und alles kurzfristiger passiert? Die Einladungen zu den Veranstaltungen kamen kurzfristiger und die Gerüchte/Bissigkeiten laufen dieses Jahr auch noch nicht so richtig an.

Helfen wir deshalb ein bisschen nach:

Der Touristik Report (wie lange gibt es den noch?) schrieb über Thomas Cook: „Qualität wird Chefsache“.
Oh weh, das kennen wir doch aus der Politik. Wenn etwas Chefsache wird…… das war`s dann.
Bei dieser Gelegenheit sollte man auch den „Granaten-Spruch“ eines Neckermann-Produktverantwortlichen zu den neuen Produkten für die 50plus in den BBBs verewigen: „Der Tag beginnt mit einem fröhlichen gemeinsamen Blutdruck messen.“ Hätte gerade noch gefehlt, dass es abends auch „kleinere Portionen“ gibt.

Wowereit hat die neue Imagekampagne für Berlin zur Chefsache erklärt. Schade, man hätte es auch mit einem Experten versuchen können. Da das ganze vertraulich ist, weiß man auch schon wie der neue Spruch heißen wird: Be Berlin. Mensch, was soll unserer einer noch alles sein? Wir sind schon Papst, wir sind schon Deutschland, jetzt sollen wir auch noch Berlin sein. Ganz schön stressig!

Apropos Papst und Verleihung der „Touristik Awards“ durch den Travel Industry Club auf der ITB. Es ist sicherlich ein Gerücht, dass der Lifetime-Award posthum an den verstorbenen Papst Johannes Paul II für seine außerordentliche Reiseleistung verliehen werden soll.

Dringend nachtragen müssen wir den Erfolg des sog. „Flirt-Express“ der Bahn am vergangenen Valentinstag. Das war ein echter Imagegewinn für die Bahn. Der Erfolg ruft direkt nach Wiederholung. Schade wäre, wenn es Mehdorn zur Chefsache erklären würde. Flirten und sein bissiger Gesichtsausdruck, das wäre schon eine Art Hardcore-Flirt.

Haben Sie gelesen, die Swiss übernimmt Kuonis Ferienflieger Edelweiss? Komischerweise hat das in den deutschen Fachmedien nur einen geringen Widerhall gefunden. Aber denken Sie mal nach: Edelweiss ist ein Ferienflieger, die Swiss gehört Lufthansa, die Lufthansa verhandelt mit TUI über den Zusammenschluss von germanwings und TUIfly. Klingelt´s wo da noch ein Plätzchen frei sein könnte? Und in der Schweiz erstarkt gerade Air Berlin mit dem Veranstalter Hotelplan, da braucht TUI Suisse auch noch ein bisschen Unterstützung.

Wenn Sie weitere „gewichtige“ Gerüchte erfahren haben, bitten wir um Mitteilung. Schließlich stehen die nächsten Bissigen Bemerkungen auch schon vor der Tür. Und zwar noch vor der ITB. Ein Gedränge ist das vor der Tür.

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Geisterflugzeuge die zu spät kommen und viele verlorene Koffer.

Klingt wie ein bisschen viel auf einmal: Stimmt.
Klingt wie British Airways: Stimmt auch.

Sich einen schön durchgehend schlechten Ruf zu erarbeiten ist auch eine Leistung, insbesondere wenn man im Jahre 2006 im Skytrax Qualitätsranking der Fluggesellschaften noch auf Platz 1 stand. Aber British Airways schafft das.
Kein Grund zum Traurigsein, wenn man im Qualitätsranking nicht mehr erster ist. Man kann ja auf noch vielen anderen Gebieten Europas Bester sein.

Zum Beispiel bei Gepäckverlusten. Angesichts mehr als 35 Mio. Fluggästen bedeuten 3% Kofferverluste (damit ist man Spitze) rund 3.000 Koffer, die jeden Tag bei BA verschwinden.
Gleichzeitig war im 3. Quartal dieses Jahres British Airways auch Europameister bei den Flugverspätungen.
Demzufolge heißt die gute Nachricht, bei BA gehen die Koffer „später“ verloren als bei anderen Airlines.

In der Flugplanung scheinen die Qualitäten der britischen Fluggesellschaft mit denen der britischen Fußballer vergleichbar zu sein: Bei beidem nicht geeignet mit Europas Besten mitzuhalten. Im November soll angeblich täglich mindestens ein Flugzeug leer gen USA geflogen sein. Ok, Piloten waren schon an Bord. Aber mit der Koordination von Flugzeugen und Kabinenpersonal gab es regelmäßig Schwierigkeiten. Um es nochmals zu verdeutlichen: Einmal täglich leer nach USA fliegen um dort wartende Passagiere und Kabinencrew an Bord gen London mitzunehmen; unser Klima lässt schön grüßen.
Und wiederum eine gute Nachricht: Immerhin gingen auf dem Hinflug keine Koffer verloren, das hat wenigstens den statistischen Schnitt verbessert.

Ach ja und ein weiteres Ranking führt die britische Fluggesellschaft auch an. Dieses Jahr wurde die höchste je von der britischen Wettbewerbsbehörde verhängte Strafe British Airways zugestellt: Insgesamt 270 Mio. Pfund für illegale Absprachen mit Virgin Atlantic bezüglich Kerosinzuschläge.
Aber wenigstens die Buchhalter der BA sind klasse. Die hatten vorsorglich für dieses Delikt schon mal 350 Mio. Pfund zurückgestellt. Da bleibt sogar ein nicht geringer Buchgewinn übrig. Daraus kann man locker die Entschädigung für die verlorenen Koffer bezahlen.
So hat alles wiederum sein Gutes bei den Inselfliegern.

Und für echte Streber unter den Airline-Beschäftigten ist British Airways ein begehrter Arbeitgeber! Wieso? Logisch, wo kann man sich sonst noch an einem so hohen Verbesserungspotenzial abarbeiten.

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