Ryanair-Chef O’Leary ist der Donald Trump der Lüfte

Als ich das Interview von Ryanair-Chef Michael O’Leary in der „Zeit“ gelesen habe, wusste ich sofort: diesen großmäuligen nervigen Ton kenne ich doch von irgendwo her. Na klar, das ist doch O-Ton Donald Trump, nur nicht aus der Hotel-, sondern aus der Luftfahrtbranche.

Einerseits erfolgreich und bisher viel Geld verdient, andererseits ein ungezogener Rüpel. Immer die gleiche Platte, „ich habe sehr viel Geld verdient“, „ich weiß nicht nur wie mein Geschäft läuft, sondern ich habe auch die Weisheit für alles andere auf der Welt gepachtet“. Dabei ein ganz krummes Frauenbild haben und schnell wütend werden, wenn man sie darauf hinweist, dass sie gestern etwas vollkommen anderes gesagt haben als heute.
Letzteres jedoch nicht in der alten Adenauer’schen Unbekümmertheit – „was geht mich mein Geschwätz von gestern an“ – sondern in Sturheit darauf beharrend, es schon immer (und als Einziger) gewusst zu haben.

Dabei sind beide nur begrenzt Originale. Weder hat der eine die Politik, noch der andere das „Fliegen“ erfunden – auch nicht das Modell „Billigfliegen“ (da würde ich doch eher an Freddy Laker und vor allem an Southwest Airlines denken). Trump und O’Leary profitieren davon, dass die etablierten Modelle (Establishment in USA und traditionelle Hub-Airlines in Europa) sich sehr schwer tun, in die Neuzeit zu kommen.

Insofern basieren die Modelle der beiden Herren nicht auf wirklich Neuem, sondern eher auf Fehlerkorrektur des „bisherigen alten Systems“ und dabei natürlich auf Speed (im Sinne von Geschwindigkeit!). Beide sind zu ihrem Reichtum gekommen, indem sie ihre Mitarbeiter und ihre Geschäftspartner ausbeuten – so funktioniert eben ihr persönliches „neues System“.
Die mögliche lapidare Erklärung, es müsse ja niemand Geschäfte mit Trump beziehunsweise O’Leary machen, verkennt allerdings, dass die aktuellen Verwerfungen als Folge des entstandenen Neo-Liberalismus (unter anderem Lohn- und Sozialabbau sowie die Verwirrung der öffentlichen Hand, sich da zurechtzufinden) einer gewissen geschäftlichen Skrupellosigkeit in die Karten gespielt haben.

Es ist wohl kein Zufall, dass gerade bei Verkündung des „tollen“ Ryanair-Ergebnisses massive Sozialdumping-Vorwürfe wieder laut werden. Da viele Kosten nun mal in der Fliegerei identisch sind, bieten sich insbesondere radikale Kürzungen im Bereich der Personalkosten an. Die Verträge insbesondere mit seinem fliegenden Personal sind Ausbeutung pur. Das „wer nicht will, kann ja auch woanders arbeiten“ geht leider an den tatsächlichen Möglichkeiten vorbei.

Ganz typisch die sarkastische O’Leary-Reaktion auf die Vorwürfe, statt mit echten Argumenten lieber mit einem dümmlichen Spruch zu antworten: „Die (Gegner) behaupten, wir versklaven die Piloten im Alter von sieben Jahren, geben ihnen kein Essen und sperren sie nackt ins Cockpit.“ Das ist das typische Trump-Ablenkungsmanöver. Aber wie sollte er seine „atypischen Beschäftigungsmodelle“, bei denen der Wettbewerb knallhart auf dem Rücken der Belegschaft ausgetragen wird, auch vernünftig verteidigen.
Kritische Beiträge über O´Leary werden zumeist gekontert mit dem Argument, aber der Erfolg gäbe ihm recht. Der Zweck darf aber nicht die Mittel heiligen, sonst können wir auch Fans der FIFA, von Carsten Maschmeyer und anderer Erfolgsmodellen sein.

Typisch O’Leary (in der Trump-Kopie), dass er die von dem „Zeit“-Journalisten vorgelegten Fakten (teilweise aus seinem eigenen Jahresbericht zitiert) abstreitet oder schlichtweg nicht kennt (auch letzteres halte ich für möglich). Natürlich fehlt auch nicht sein Dauerhinweis, wie schnell sich sein Vermögen verdoppeln wird, während die Konkurrenten pleitegehen (Eurowings) oder an Lufthansa verkauft werden (Air Berlin).

Besonders gefährlich waren und sind diese Ryanair-Geschäftspraktiken, weil die konkurrierenden Airlines glaubten und noch glauben (bis hin zu Lufthansa), nur durch Kopieren dieser Methoden erfolgreich sein zu können. Dabei stößt das Ryanair-Modell, wie jedes Billigmodell, irgendwann an Marktkapazitätsgrenzen. Insofern ist der Bezug von O’Leary auf Aldi (wahrscheinlich unfreiwillig) richtig, weil auch der Discounter-Markt heute nicht mehr insgesamt, sondern einzelne Unternehmen nur noch zu Lasten der Konkurrenten wachsen.

Allerdings muss ich zugeben: O’Leary hat hier die Nase wieder im Wind, wenn er neuerdings Kundenfreundlichkeit, mehr Möglichkeiten an Bord, Vielfliegerprogramm oder auch das Anfliegen der zentralen Airports und so weiter herausstellt, während die Konkurrenten hier noch über Verschlechterungen nachdenken.

Früher habe ich immer geglaubt, das sei perfektes Marketing was er so an Sprüchen raushaut, heute denke ich eher O’Leary glaubt das selbst, was er so von sich gibt. Übrigens ein typischer CEO-Fehler, wenn der Zenit überschritten ist.
„Seit wir angefangen haben, netter zu den Kunden zu sein“ – man höre und staune – „laufen auch meine Pferde viel besser. Netten Menschen geschieht Gutes“, so O’Leary. „Solange die Luftverkehrssteuer in Deutschland existiert, werden wir da nicht mehr expandieren.“ Schon vergessen. Ryanair expandiert inzwischen, trotz der immer noch existierenden Steuer.

Aber unverzeihlich ungezogen finde ich den Interview-Abschluss mit dem Bezug auf sein Familienleben. „Meine Kinder denken sowieso, dass ich ein Idiot bin, so ist das auch in Ordnung. Wenn sie das nicht denken würden, dann werden sie sowieso nutzlos sein.“ Und ganz besonders niedriges Niveau finde ich dann seine Folgerung: „Ich würde gerne mehr Zeit mit meiner Frau verbringen – aber nicht, wenn sie vier unter zehnjährige Kinder hat.“
Entweder Frau O’Leary liest diesen Quatsch in seinen Interviews nicht – oder sie denkt wie ihre Kinder über ihren Mann.

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Noch einmal soft, bevor es wieder richtig bissig wird

Zuerst einmal herzlichen Dank für die unglaublich vielen lieben Rückmeldungen zu BBB Nr. 700, die über alle denkbaren Infokanäle eingetroffen sind. Einige Leserinnen und Leser haben sich sogar als „Fan“ der ersten Stunde geoutet. Respekt!

Das Fußball-affine Umfeld der BBBs ist durch den engen Abstiegskampf bzw. vergebenen Aufstiegskampf emotional stark belastet. Trotz Lufthansa, TUI, Air Berlin, Sunexpress und GDL-Streikandrohungen, alles Storys für einen guten Biss, lassen wir es heute nochmals soft angehen und räumen nur den Schreibtisch von bislang übersehenen Meldungen auf.

Was haben wir in den letzten Wochen übersehen?

Kein Toilettenpapier auf einem Ryanair-Flug von London nach Murcia und der dauerte immerhin drei Stunden. Ryanair-Boss O`Leary hatte ja schon mal über Toilettenreduzierung nachgedacht. Jetzt hat er es probeweise mal nur mit fehlendem Toilettenpapier versucht. „Konsequenterweise“ gab es dann auf diesem Flug auch keine „Milch“ für Kaffee und Tee. Warum? Ist Milch besonders treibend oder war das auch nur eine weitere Sparmaßnahme.

Jetzt wollen wir unsere britischen Freunde nicht übermäßig in die Pfanne hauen. Aber es war ebenfalls ein britischer Flug nach Dubai, der 30 Minuten nach dem Start zurück nach London flog. Grund: Es stank unzumutbar fürchterlich aus der Toilette. Angeblich war nicht fehlendes Toilettenpapier schuld. Das Problem soll übermäßig „flüssig“ gewesen sein. Verspätung: 15 Stunden.

Beim Nachdenken glauben die BBBs ein potenziell neues Problem erkannt zu haben. Immer mehr Airlines forcieren jetzt einen Tarif ohne Gepäck, nur noch leichtes Handgepäck ist dabei akzeptiert. Könnte das zum Ergebnis haben, dass die vielen typischen Sparfüchse an Bord, diesen Tarif auch bei Reisen über Nacht buchen? Konsequenz: Reduzierung der Wäsche zum Wechseln? Glückwunsch an alle mit reduziertem Geruchssinn.

Nochmals Thema Fliegerei. Welche Feinde haben Cockpitarmatur und ein Büro-PC gemeinsam? Kaffee! Da verschüttete der Co-Pilot auf dem Flug von Belgrad nach Rom seinen Kaffee auf das Armaturenbrett und löste dadurch einen Kurzschluss aus. Das Flugzeug musste mit einem stotternden Motor (von drei) zurückfliegen. Besonderes Pech war, dass es sich um die serbische Regierungsmaschine handelte und der Staatspräsident selbst an Bord war.
Dadurch musste der Besuch des serbischen Staatspräsidenten bei Papst Franziskus in Rom abgesagt werden. Ein Karrierebeschleuniger für den Piloten wird das nicht gewesen sein. Und noch schlimmer, der serbische Staatspräsident musste auf Segen und Heiligen Geist verzichten. Das erinnert stark an die Geschichte von Aloisius, der bis heute noch nicht die göttlichen Ratschläge an die bayrische Staatsregierung überbringen konnte. Allerdings war bei ihm nicht Kaffee, sondern das gute Bier vom Hofbräuhaus schuld.

Die BBBs haben gerade soeben Kenntnis davon erhalten, dass sie beauftragt wurden, am nächsten Pfingstwochenende eine Extraportion Heiligen Geist der Tourismusbranche zu überbringen. Bei dem bekannten Pflichteifer werden weder Kaffee noch Bier dies verhindern. (Höchstens besonders schönes Ausflugswetter.)

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Was will uns Ryanair damit sagen?

Große Überraschung an Bord eines Ryanair-Fluges von Manchester nach Teneriffa: Die Crew veranstaltete Kinderspiele.

Spiele mit Klopapierrollen sind immer wieder ein Renner bei Kindergeburtstagen, insbesondere im Kindergarten- oder Grundschulalter. Solche Spiele an Bord eines Urlaubsfluges sind dagegen selten, zumindest bislang. Da hat eine Ryanair-Kabinencrew (die Cockpitcrew war hoffentlich nicht beteiligt) während des Fluges einen sehr kreativen „Wettbewerb“ gestartet. Die Passagiere in der ersten Reihe bekamen jeweils eine Klopapierrolle und mussten diese so schnell wie möglich nach hinten durchreichen lassen. Für die Sieger soll es Freibier gegeben haben, berichtete ein verärgerter Passagier. Warum er verärgert war ist nicht überliefert (vielleicht saß er auf der Bordtoilette und wartete „sehr nervös“ bis die erste Klorolle zurückkam?).

Ryanair bestätigt dieses Spiel an Bord („sollte witzige Atmosphäre schaffen“), bestreitet aber, dass es Freibier für die Sieger gegeben habe. Letzteres glauben wir Ryanair auf jeden Fall. Wir hätten uns darüber noch mehr gewundert als über das Spiel.

Bleibt die Frage: Was will uns Ryanair damit sagen? Will Ryanair tatsächlich nur witziger werden oder bahnt sich eine neue „Geldverdien-Masche“ an. Muss man demnächst Geld zahlen, damit man mitmachen darf? Sicherlich muss man dann alternativ auch Geld zahlen, wenn man „nicht“ mitmachen will (Spielverderber-Charge oder so ähnlich). Muss man bei Toilettenbenutzung eine „ungespielte“ Rolle kaufen? Wir wollen nicht an den umgekehrten Fall denken!

Die Bissigen Bemerkungen werden Ryanair und den speziellen Klopapierrollen-Einsatz weiter beobachten.

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Man kann sich keine Pause gönnen

Da machen die Bissigen Bemerkungen mal eine Woche Pause und schon fällt „Stoff“ für viele BBBs an. Dies ist nur ein kleiner Ausschnitt davon, was sich auf dem Schreitisch zuletzt gestapelt hat:
1.Tourismus im Bundestag wird weiblicher
2.Mehdorn gegen Mehdorn
3.Gerhard Schröder übernimmt Vorsitz im Aufsichtsrat Flughafen Düsseldorf
4.Pofalla und Bahn (zwar nicht neu, aber die Reklamationen häufen sich, weil die BBBs noch nichts dazu geschrieben haben)
5.Generalstaatsanwalt erhebt Anklage gegen Top-Manager von Unister
6.Ryanair stellt Marketing-Experte ein um das Image aufzupolieren
7.BdL legt nationales Konzept für den Luftverkehr vor
8.Öger und Vaclav Fischer steigen wieder in deutsches Veranstaltergeschäft ein
Alles schaffen wir nicht, aber los geht´s:

1.Tourismus im Bundestag wird weiblicher
Tourismusgurus wie Ron Imelauer predigen das schon seit mehr als 10 Jahren. Die „Entscheider“ für die touristischen Reisen sind die Frauen. Jetzt ist diese Weisheit auch im Bundestag angekommen. Neue Vorsitzende des Bundestagsausschuss für Tourismus ist Heike Brehmer (CDU). Sie löst den bisherigen Vorsitzenden Klaus Brähmig ab (die BBBs werden es verkraften). Ihre praktische touristische Erfahrung tendiert zwar stark gegen Null, aber sie hat Erfahrung in der Ausschussarbeit und ….jetzt wird es wichtig…. sie kommt vom Harz. Adieu Bayern, Adieu Sächsische Schweiz, jetzt ist der Harz mal dran. Wer mehr über Heike Brehmer erfahren will, dem sei das neue Reiseradio (www.Reiseradio.org) empfohlen. Jürgen Drensek führt ein erstes Interview mit Brehmer.

Leider ist immer noch niemand als Beauftragte/r der Bundesregierung für Tourismus ernannt. Für Wirtschaftsminister Gabriel ist Tourismus eben nicht eilbedürftig. Gerüchteweise hat Iris Gleike aus Thüringen, Staatssekretärin im Wirtschaftsministerium und Ostbeauftragte die besten Chancen so „nebenbei auch noch Tourismus zu machen“. Alles klar? Frauen aus dem Osten geben künftig den Ton vor.

Und es bleibt weiter weiblich. Für die CDU/CSU spricht über Tourismus künftig Daniela Ludwig aus Rosenheim. Ihre praktische touristische Erfahrung tendiert ebenfalls gegen Null, sie war bisher auch nicht im Tourismusausschuss. Aber als bayrisches Kind ist man per Definition tourismusaffin.
Für die SPD spricht über Tourismus Frau Gabriele Hiller-Ohm aus Lübeck. Ihre praktische touristische Erfahrung hält sich ebenfalls in Grenzen, aber sie hat langjährige Erfahrung aus dem Tourismusausschuss.

Nur in den Oppositionsfraktionen Grüne und Linke sprechen künftig Männer über Tourismus. Das wirkliche Leben ist jetzt auch im Tourismus angekommen. Frauen geben den Ton vor, den Männern bleibt die Opposition.

2.Mehdorn gegen Mehdorn
Der Prozess Schadenersatzforderung Air Berlin gegen BER beherrschte diese Woche fast einhellig mit der Formulierung „Mehdorn gegen Mehdorn“ die Schlagzeilen. In der BBB-eigenen Bescheidenheit möchten wir auf die Bissigen Bemerkungen vom 10. März letzten Jahres hinweisen. Dort formulierten wir vorausschauend: „Das schafft nur Hartmut Mehdorn – sich selbst zu verklagen“.
Weiter hieß es dort:
„Montagmorgen, 11. März 2013, 7.00 Uhr, Büro des Flughafenchefs Berlin-Brandenburg. Hartmut Mehdorn betritt sein neues Büro. Seine Sekretärin überreicht ihm die wichtigsten seit Wochen gestapelten Unterlagen. Mehdorn fragt: Was liegt da obenauf?. Antwort der Sekretärin: Da hat uns so ein Typ von Air Berlin vor einiger Zeit auf Schadenersatz verklagt, in zweistelliger Millionenhöhe.
Was wird wohl „BER-Chef“ Mehdorn antworten:
a) Verbinden Sie mich mit diesem Mehdorn von Air Berlin oder
b) Machen Sie zwei Löcher in die Klage und heften Sie das Pamphlet ab oder
c) Überweisen Sie sofort das Geld, Air Berlin braucht das nötiger als wir.“

Wie wir inzwischen wissen, hatte sich Mehdorn für c) entschieden, wurde aber vom Aufsichtsrat des BER zurückgepfiffen.

Und die BBBs hatten damals weiter darauf hingewiesen, dass Mehdorn einen 3-Jahresvertrag erhalten hat und deshalb vorhergesagt: „Jetzt ist jetzt klar, mit welchem Eröffnungstermin die BER-Verantwortlichen wirklich rechnen: 2016“. Also, alles im Plan!

Aber einen aktuellen Mehdorn Satz zu diesem Prozess muss hier erwähnt werden. Zitat Mehdorn: „Man trifft sich immer zweimal, diesmal treffe ich mich selbst zweimal“.

3.Gerhard Schröder übernimmt Vorsitz im Aufsichtsrat Flughafen Düsseldorf
Dieser Satz stimmt genauso wie der Satz „Gerd Müller wird neuer Bundes-Entwicklungsminister“. Beide Behauptungen stimmen, nur liebe Leserinnen und Leser, Ihre Assoziationen sind wahrscheinlich falsch.

Alle anderen Punkte verschieben wir auf nächste Woche.

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Klaus-Heidi

Jetzt fängt Lufthansa an ganz durchzudrehen. Lufthansa, vielleicht erinnern sich die Älteren noch daran, stand früher für Qualität. Später wurde zeitgemäß (?) der Preis dominierender und neuerdings, noch zeitgemäßer (?), ist Nonsens Trumpf in der LH-Werbung. Aktuelles Beispiel ist ein Gewinnspiel (allerdings nur für Schweden), „Wer seinen Namen in Klaus-Heidi (!) ändert, gewinnt einen einjährigen Gratisaufenthalt in Neukölln“. Gegen diese absolut sinnfreie Werbung ist die manchmal provokante SIXT-Werbung eher ein Kandidat für den Grimme-Preis.
Leider neigen viele Marketing-„Strategen“ zum Nachahmen. Leider! Da in Deutschland Vornamens-Änderungen nicht so leicht vorzunehmen sind wie in Schweden, würde eine Kampagne für den deutschen Verbraucher wahrscheinlich lauten: „Nennen Sie Ihr Kind xxxx und Sie gewinnen …..“.

Ein Blick in die nahe Zukunft:

Thomas Cook:
Nennen Sie Ihr Kind „Thomas-Harriet“ und Sie gewinnen ein Logo/Familien Wappen, speziell für Ihre Familie gefertigt. Anmerkung der BBB: Wenn es so pseudo-innovativ aussieht wie das neue Thomas Cook Logo, hängen Sie es im kleinen „Örtchen“ in Ihrer Wohnung auf. Es macht trotzdem (oder gerade) einen sehr „adeligen Eindruck“.

TUI Deutschland:
Nennen Sie Ihr Kind „Christian-Clemens“ und Sie gewinnen ein Jahres-Abo Köttbullar im nächst gelegenen IKEA-Restaurant.

Ryanair
Nennen Sie Ihr Kind „Crazy-Michael“ und Sie gewinnen ein Jahres-Abo Freiflüge für den europäischen Kontinent. Besonderes Bonbon dabei: Sie müssen nicht mit Ryanair fliegen.

Air Berlin
Nennen Sie Ihr Kind „Paul-Gregor“ (nach Air Berlin-Verkaufsvorstand Paul Gregorowitsch) und Sie gewinnen 1 Jahr lang wöchentlich 100 Air Berlin-Schokoherzen plus ein Trikot der holländischen Nationalmannschaft und 10 Freikarten für Spiele der holländischen Nationalmannschaft. Besonderes Bonbon: Für eventuelle Spiele Holland gegen Deutschland müssen Sie das Trikot nicht anziehen.

FTI (TVG)
Nennen Sie Ihr Kind „Dietmar-Birgit“ (Birgit nach TVG-Geschäftsführerin Birgit Aust) und Sie gewinnen für ein Jahr einen Moderatoren-Job bei sonnenklarTV. Anmerkung der BBB: FTI sind eigentlich keine Nachmacher, deshalb wird es dieses Preisrätsel wahrscheinlich nicht geben.

SIXT
Nennen Sie Ihr Kind „Erich-Regine“ und Sie werden Hauptfigur für eine SIXT-Werbung mit dem Titel „für unsere Werbung machen die Deutschen jeden Schwachsinn mit“.

Und außerhalb der Touristik
DFB
Nennen Sie Ihr Kind „Jogi-Jogi“ und Sie gewinnen eine Reise zur Fußball-WM nach Brasilien. Besonderes Bonbon: Für das Halbfinalspiel gegen Italien oder Spanien bekommen Sie einen Platz im Fanblock Italien/Spanien, damit Sie bei einer WM auch mal richtig mitfeiern dürfen.

Und das härteste Gewinnspiel:
Deutsche Bundesregierung
Nennen Sie Ihr Kind „Angela-Sigmar“ und Sie bekommen eine Einladung zu einer Kabinettssitzung der neuen Bundesregierung.
Anmerkung der BBB: Sie sollten sich mit der Einlösung des Preises nicht zu viel Zeit lassen (auf keinen Fall vier Jahre).

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Sunny Heart oder die „gebogene Schuh-Einlegesohle“

Mit einem Logo ist es so eine Sache. TUI hat den Smiley (was manche Kunden bei einer Reklamation nicht sehr zum Lächeln bringt), DER hat neuerdings den Koffer (wobei in der verkürzten Ansteckversion, nur mit Kofferhenkel, es auch das Logo von einem Telefonanbieter sein könnte) und jetzt hat Thomas Cook Sunny Heart. Neu ist im Prinzip immer gut, wenngleich das vorherige Logo, die Weltkugel, eigentlich schon sehr perfekt zu Thomas Cook passte.

Gut, Sunny Heart ist eigentlich nicht schlecht, weil Sonne und Herz gut zu einem Reiseveranstalter passen. Die Frage sei höchstens, warum sieht „nur“ die Anstecknadel wie ein Herz aus und das Logo selbst eher wie eine gebogene gelbe Schuh-Einlegesohle (auf dem Flugzeug dann eher wie eine fliegende Einlegesohle).

Aber auch das könnte man noch verkraften. Der eigentliche „Schwachsinn“ in dieser Angelegenheit ist der Inhalt der Pressemeldung. Sie ist in einer so verquasten Sprache verfasst (Wer den Begriff verquast nicht kennt = nicht recht begreiflich, schwer verdaulich, unverständlich, unentwirrbar), dass Peter Hinze in THE RECEPTION INSIDER schon vermutete, dass evtl. das Google Translate-Programm oder ein längerer Pub-Besuch daran schuld seien. Die BBBs sind sich sicher, das hat garantiert nicht die deutsche Kommunikationsdirektion geschrieben. Wir verzichten hier auf den kompletten Text der Pressemitteilung, Marketing-Masochisten können ihn leicht im Internet finden. Würden wir an dieser Stelle den vollen Text bringen, würden wir garantiert gleich 90% unserer Leser sofort verlieren.

Beschränken wir uns auf die Kurzform dessen was CEO und CFO der Thomas Cook Group, dazu gesagt haben soll.
„Die Essenz der neuen Marke zeigt, wer die Thomas Cook Group ist und was sie verspricht. Das ist ein bedeutender Meilenstein in unserer High Tech, High Touch Transformation.

Das ist nicht nur die Einführung eines neuen Logos, es ist ein Versprechen. Was wir heute bekanntgeben, ist das erneuerte Versprechen an unsere Kunden, Mitarbeiter und Partner, dass wir sie in den Mittelpunkt unserer Transformation stellen. Es ist die Essenz dessen, was wir sind.

Unsere neue Markenessenz zeigt Breite und Tiefe der Thomas Cook Group. Sie wird unsere Kunden inspirieren…….“

Da lässt sich auch inhaltlich etwas dazu sagen, z.B. zum „erneuerten“ Versprechen. Das erinnert doch stark an „Ich gebe Ihnen mein Ehrenwort“. Und das wissen wir aus unserer Lebenserfahrung, dass so viel Pathos fast immer schief geht.
Erstaunlicherweise ist auch High Tech und High Touch durch ein Komma getrennt. Soll das nebeneinander stehen?
Der Verfasser dieser Zeilen verwendet diese Begriffe schon seit vielen Jahren im Zusammenhang „von High Tech zu High Touch“. Soll heißen, die perfekte Technik ist inzwischen selbstverständlich, deshalb erwartet der Kunde jetzt „High Touch“. Wobei letzteres nicht eine Kommunikationsform an der abendlichen Bar sein soll, sondern mehr Empathie zum Kunden hin. Nicht die harten Themen machen künftig das Rennen, sondern die „weichen“ Themen. Hervorragend beschrieben hat das der Zukunftsforscher Matthias Horx in seiner Studie „Sensual Society“, erschienen im Jahr 2002 in Wien.
Sollte diese Botschaft elf Jahre von Wien bis nach London gebraucht haben?
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Wir wollen hier nicht das Thema „Bischof von Limburg“ vertiefen, nur einen schönen Aspekt erwähnen. Statt First Class wie nach Indien ist er jetzt mit Ryanair nach Rom geflogen. Die Selbstkasteiung hat anscheinend schon angefangen oder wie es Florian Schröder auf seiner Homepage formuliert: „Schon vor seiner Abberufung ist Limburgs Bischoff Tebarzt-van Elst in der Hölle angekommen“.
Sollte er allerdings viel Gepäck dabei gehabt haben (was man bei ihm erwarten könnte), dann war Ryanair garantiert teurer als Lufthansa.

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Man mag es kaum glauben…….

Laut Financial Times Deutschland werden bei Lufthansa bestimmte Kunden auf der Passagierliste gekennzeichnet. So bedeute ein Pluszeichen neben dem Namen, dass der Kunde besonders umsatzstark sei. So weit so gut. Aber ein Kunde will auch das Kürzel „RAL“ neben dem Namen entdeckt haben. Angeblich sei das ein Kennzeichen für „besonders nervige“ Kunden. Ausgeschrieben würde das Wort mit „Riesen..“ beginnen, dazwischen etwas mit „A..“ und mit „..loch“ enden. Aber das ist sicherlich nur eine Zeitungsente, oder doch nicht?

Vor dem Einsteigen in ein Flugzeug sollte man auch sicherheitshalber fragen, ob das Flugzeug vorher im chinesischen Xiamen zur Überholung war. Ein A340 der Air France wurde in Boston gegroundet, weil drei Dutzend (für nicht Mathematiker = 36) Schrauben an einem Teil der Außenverkleidung an der rechten Tragfläche fehlten. Immerhin hat es der Airbus trotzdem bis nach Amerika geschafft. Ein Glück, dass unsere „amerikanischen Freunde“ nicht nur bei der Kontrolle der einreisenden Menschen so rigide sind, sondern auch bei den „einreisenden“ Flugzeugen.

Von Ryanair-Boss O`Leary kennen wir den Spruch „Die Fluggäste mögen doch schon im Flughafen auf die Toilette gehen“, damit seine Airline Toiletten an Bord einsparen könne. Jetzt wurde O`Leary auf fast tragische Weise bestätigt. Ein 81-jähriger Passagier mit Blasendruck versuchte auf einem Flug nach Vietnam den Notausgang zu öffnen. In seiner „großen Not“ und offensichtlich „unter Druck“ verwechselte er die Türen zum Notausgang und zur Toilette. Gerade noch mal gut gegangen und auch ohne, dass der Fluggast „den Depardieu“ machen musste.

Aber nicht nur ältere Mitflieger sollten Sie im Auge behalten, sondern auch Flug-Neulinge. Ein 22-jähriger Student (was der wohl studiert?) wollte nach dem Start in Ho-Chi-Minh-Stadt den Notausgang öffnen um „die Aussicht besser genießen zu können“.

Und Sie sollten in Frankfurt keinen Flug nach 22 Uhr buchen, denn ab 23 Uhr gehen am Frankfurter Flughafen neuerdings die Lichter aus. Zumindest was Start und Landung betrifft. Und wenn es dann aus welchen Gründen auch immer etwas knapp wird mit dem Abfliegen vor 23 Uhr, dann heißt es „nichts wie weg“, notfalls auch ohne Koffer. So erging es 256 Passagieren der Condor auf dem Weg in die Dom.Rep. Also liebe Fluggäste, wenn Sie schon so spät fliegen, dann etwas mehr ins Handgepäck packen.

Dabei ist das grundsätzliche Schicksal der Condor ungewisser als die Zukunft des Nachtflugverbotes in Frankfurt. Die gute alte Condor hatte schon immer etwas Pech, entweder mit eventuellen Partnern (siehe BBB vom 14.7.2008 „Condor: die Braut, die keiner traut“) oder mit ihrer Muttergesellschaft Thomas Cook. Schon vor zwei Jahren suchten die Bissigen Bemerkungen verzweifelt „jemand“ der sich künftig um Thomas Cook kümmern würde (siehe BBB vom 7.9.2009 „Eltern gesucht“).
Und so wird neuerdings zum xten mal jemand gesucht, der die inzwischen 56-jährige Condor in eine sichere Zukunft führen könnte. Und da die Fantasie der Presse irgendwie auch begrenzt ist, fällt dann sofort der Name Hans Rudolf Wöhrl (so zuletzt in der Börsen-Zeitung). Würde gerade noch fehlen in Zusammenarbeit mit Achim Hunold.

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Der Letzte macht das Licht aus, nicht so bei Ryanair

„Der Letzte macht das Licht aus“, so hieß 2007 eine Tragikomödie von Clemens Schönborn. Als „liebenswerte Loser“ beschrieb er damals die Figuren in seinem Fernsehspiel.

Zumindest als Loser dürften sich auch die Passagiere in einer Ryanair-Maschine auf dem Weg vom marrokanischen Fez nach dem „in der Nähe von Paris“ liegenden Flughafen Beauvais gefühlt haben. Als das Flugzeug mit dreistündiger Verspätung landete, verkündete die Crew die Überraschung „wir sind soeben in Lüttich gelandet“. Abgesehen davon, dass grundsätzlich niemand freiwillig nach Lüttich will (sagen zumindest jene die das einstige belgische Kohlezentrum kennen), hat selbst Ryanair wohl Schwierigkeiten bei fast 400 Km Entfernung noch von „in der Nähe von Paris“ zu sprechen. So sahen es auch die Passagiere. Wahrscheinlich hatten sie im französischen Fernsehen Berichte über Gorleben gesehen und probierten mal aus, wie ein Sitzstreik im Flugzeug funktionieren könnte. Zumal selbst die engen Sitze der Ryanair noch bequemer sind als eine Sitzblockade auf Schienen.

Aber eine Ryanair Crew ist im Unterschied zu deutschen Polizisten vollkommen humorlos. Da wird nicht lange debattiert und weggetragen wird da auch niemand. Sie formulierten schlichtweg das Thema „Der Letzte macht das Licht aus“ um in „Der Erste der von Bord geht macht das Licht aus“. Eine ganz neue Theorie über das Verhalten eines Kapitäns und seiner Crew. Da wohl alle Angestellten bei Ryanair analog zu ihrem Boss O`Leary eine Toilettenphobie haben, machten sie nicht nur das Licht aus, sondern schlossen auch die Toiletten ab. Und Tschüss, „ich bin mal weg“ liebe Paxe.

Da saßen nun die Ryanair-Fluggast-Loser im Dunkeln und bei verschlossenen Toiletten. Überraschenderweise, so wird zumindest berichtet, ließ die Crew beim Verlassen des Flugzeugs die Cockpit-Tür offen. Angeblich hätten die Passagiere „diese Chance“ nicht genutzt.

Wer nun denkt die Bissigen Bemerkungen würden sich jetzt darüber richtig aufregen, den müssen wir leider enttäuschen. Unser Kommentar dazu: Liebe Passagiere, das geschieht euch recht. In „Die Welt“ vom 18.11. fand sich unter der Überschrift „Wer wird denn gleich in die Luft gehen…“ eine bemerkenswerte Zusammenfassung von Erlebnissen auf Flugzeugen von Ryanair und Easyjet. Wer danach immer noch, wegen ein paar Euros weniger, diese Airlines bucht, dem können wir nur zurufen: „Nur die dümmsten Kälber wählen ihren Schlachter selber“.
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Haben Sie, liebe Leser und Leserinnen, gelesen: am Freitag, dem 19.11. war Welt-Toiletten-Tag. Leider haben wir nicht darauf geachtet auf welchem Bahnhof an diesem Tag „unser Freund“ Peter Ramsauer war. Sachdienliche Hinweise werden von der Redaktion gerne entgegengenommen. (Um diesen Gag zu verstehen sollte man die BBBs vom 10.10. und 18.10. gelesen haben.)
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Im Reiseradio (www.reiseradio.org) geht es u.a. um das Thema Modernes Tourismusmarketing (also etwas ernsthafter als von uns vor einer Woche abgelästert). In den akustischen Bissigen Bemerkungen geht es vor allem um den ominösen Kofferalarm in Namibia und mit ganz eigenen Theorien dazu.

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Wenn Unvermögen zur Routine wird …

Man weiß schon fast nicht mehr, worüber man sich am meisten aufregen soll.
So schnell häufen sich unverständliche Meldungen über fehlerhafte Regierungsarbeit, dass man irgendwann fast resigniert. So betrachtet, steckt wahrscheinlich doch Methode dahinter.

Beispiel Luftverkehrssteuer!
Die Erhebung einer neuen Steuer durch eine Regierung, die vorher Steuersenkung versprochen hat, ist ein eklatanter Wortbruch (siehe BBB vom 19.7.2010 „Luftverkehrsabgabe – ein weiterer Wortbruch der Regierung“).
Sie beschädigt die wirtschaftliche Entwicklung, die in den Bla-Bla-Reden hoch gepriesen wird (siehe BBB vom 14. 6.2010 „Wenn der schärfste Gegner einer Branche „Bundesregierung“ heißt“).
Sie ist auch kein echter Sparbeschluss, denn die Regierung spart nicht, sondern im Gegenteil, sie erhebt eine neue zusätzliche Steuer. .
Diese Steuer ist auch keine „ökologische Steuer“, wie zuerst beschönigend bezeichnet, denn sie gibt keinerlei Anreize sich ökologisch zu verhalten um Steuer zu sparen.
Einige Staatsrechtler haben auf Ansatzpunkte aufmerksam gemacht, dass das geplante Gesetz einer juristischen Überprüfung nicht standhalten wird, weil…
– es gegen die Steuergerechtigkeit verstößt, kürzere Flüge proportional höher zu belasten, als längere Flüge. Abgesehen davon, gibt es nach der veröffentlichten Tabelle Ziele bei den 8-Euro-Flügen, die länger sind als manche Ziele bei den 25-Euro-Zielen (siehe Kanarische Inseln).
– eine Privilegierung des Frachtverkehrs gegen eine systemgerechte Steuer verstößt. Außerdem ist die Ausnahme von Frachtflügen nach EU-Recht eine verbotene Beihilfe.

Aber das kümmert die Regierung alles nicht. Im Gegenteil! Bei der Durchführung des Gesetzesvorhabens übertrifft das dilettantische Vorgehen die bisher gezeigte Ignoranz juristischer Fakten. Das Kabinett beschließt doch tatsächlich, dass die Erhebung der Steuer auf Flügen nach Buchungsdatum 1.9.2010 beginnen soll (für Flüge nach dem 1.1.2011), obwohl zu diesem Datum kein rechtsgültiges Gesetz beschlossen ist. Damit bringt sie die Fluggesellschaften in ein nicht auflösbares Dilemma. Entweder die Fluggesellschaften erheben die Steuer ab 1.9., wie es Lufthansa plant, dann fehlt die gesetzliche Grundlage. Dieses Vorgehen wird wohl einer Klage nicht standhalten. Oder die Airlines stellen die Erhebung der Steuer zurück, wie es Air Berlin und Condor angekündigt haben, dann erscheint zumindest fraglich ob die Steuer nachträglich kassiert werden kann. Der DRV kann nach eigenem Rundschreiben, hierzu keine gesicherte Empfehlung geben.

Überraschenderweise verhalten sich die Airlines, gemessen an diesem Unsinn, noch erstaunlich zurückhaltend. Eigentlich müsste Lufthansa-Chef Mayrhuber schon längst im Finanzministerium den Schreibtisch von Schäuble umgeworfen haben (und sicherheitshalber auch noch den Schreibtisch von Ramsauer und Brüderle dazu).
Aber die Rettung in dieser Sache könnte ausgerechnet von Ryanair kommen. Verwirrender Gedanke, aber realistisch. Ryanair hat nach bewährter Methode „angedroht“ sich aus ihren „Spezial-Flughäfen“ in Deutschland zurückzuziehen. Die Landesregierung von Rheinland-Pfalz, schon einmal erfolgreich wegen des Flughafens Hahn von Ryanair erpresst, hat schon reagiert und will gegen die Flugsteuer klagen. Die Erfolgsaussicht dieser Klage dürfte ziemlich hoch sein.
Aber es kann doch nicht sein, dass die Gerichte ununterbrochen die Arbeit der Regierung korrigieren müssen.

Ach ja, wie erwartet, ist die Brennelementesteuer nicht im Kabinettsbeschluss enthalten (siehe BBB vom 23.8.2010 „Der Unterschied zwischen Energiebranche und Reisebranche“).

Viele BBB-Leser und Leserinnen haben in dieser Woche geschrieben, dass sie eine scharfe Stellungnahme der BBBs zur „Empörung der Regierenden“ über Thilo Sarrazin erwarten. Das heben wir uns für die nächste Ausgabe der BBBs auf.
Dabei haben wir noch soviel auf der Warteliste: Umbau Ballermann, wird TUI russisch oder rein touristisch oder sogar beides, und noch einiges mehr.

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Natürlich geht es neben vielen anderen Themen in den akustischen Bissigen Bemerkungen auch um die Luftverkehrssteuer.
Bei diesem Thema gibt es soviel zu beißen, dass die schriftlichen BBBs nicht reichen. Man muss seinem Ärger auch mal verbal freien Lauf lassen.

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Wer möchte einen eigenen Flughafen haben?

Nicht jede Nachricht, die man so während des Sommerlochs liest, darf man ernst nehmen. Früher war es das Ungeheuer von Loch Ness, das regelmäßig in den Sommermonaten die Zeitungsspalten füllte. Dann entdeckten die parlamentarischen Hinterbänkler die Chance im Sommerloch mit manchem Quatsch in die Medien zu kommen, wie beispielsweise „die Deutschen sollen weniger ins Ausland reisen“ oder sogar „überhaupt weniger Urlaub“ machen. Wer jetzt die Supermeldung über die Eröffnung eines „internationalen Flughafens in der Nähe von Magdeburg“ in die gleiche Schublade gesteckt haben sollte, hätte zwar einerseits intelligentes kritisches Denken bewiesen, aber andererseits gewaltig unterschätzt für welchen Unsinn Politiker bereit sind Geld auszugeben.

Magdeburg-Cochstedt so nennt sich der Flughafen, der sich (Zitat) „national und international etablieren will“. Die Pressemeldung der Betreibergesellschaft Airport Development A/S beweist auch die entsprechende Fachkunde. So sollen „ab Oktober von Cochstedt aus mehrmals wöchentlich Flugziele in Richtung Süden abheben und zunächst sollen drei Urlaubsorte angeflogen werden“. ???
Na, ja, die Urlaubssaison ist zwar schon so gut wie zu Ende, aber vielleicht hat man in der Gegend von Cochstedt eine ganz eigene zeitliche Präferenz in Urlaub zu gehen.
Fragt man bescheiden nach, wohin die Flüge gehen sollen, erhält man die lustige Antwort, die „genauen Flugziele würden in Kürze bekannt gegeben“. Ist auch nicht so schlimm. Es sind ja noch ein paar Tage Zeit bis dahin und ein gewisser Überraschungseffekt kann marketingmäßig nicht schaden. Vorschlag der BBBs: Keine Ziele bekannt geben, sondern die Passagiere erst nach Abheben des Flugzeuges damit überraschen.

2011 sollen dann „mehrere europäische und internationale Ziele“ hinzukommen. Leider konnten die BBBs in der Kürze der Zeit den konkreten Unterschied zwischen europäischen und internationalen Zielen nicht herausfinden.

Eines könnte man aber sofort feststellen, wie viel Geld die bisherigen Bemühungen gekostet haben, einen Flughafen zu eröffnen, den urlaubsmäßig garantiert niemand braucht. Eine Pleite gab es schon in 2000, angeblich sollen bis dahin 60 Mio. Euro versenkt worden sein. Im Zweifel waren es eher deutlich mehr.

Das erinnert an einen anderen in der Nähe liegenden „Weltflughafen“: Leipzig-Altenburg. Wie hatte der Landrat des Landkreises Altenburg-Land in 2009 so putzig formuliert: „Ich wünsche mir für meinen Flughafen Altenburg viele internationale Investoren. Ich denke, dass ein Airport Made in Germany, der eine mittelfristig gute Geldanlage sein wird, international auf Interesse stoßen wird“. Und da wurden auch schnell 650.000 Euro Marketingzuschuss locker gemacht, damit Ryanair von dort aus ein wenig umherfliegen kann. Mit diesem Geld könnten alle Passagiere per Taxi zu einem richtigen Flughafen anreisen.
Und die Problematik eines „Großflughafens“ wurde vor kurzem deutlich, als einer der seltenen Anflüge umgeleitet werden musste, weil kein Fluglotse im Tower war. Schuld: „Unklare Dienstplanung“. Bei diesem Riesenbetrieb kann man schon mal die Übersicht verlieren.

Dabei müsste man nur bei den seit Jahren kämpfenden kleineren Flughäfen in
Deutschland (z.B. Memmingen) mal anrufen, um sich ein klein wenig Fachkenntnisse über die Beschäftigungsproblematik dieser Mini-Flughäfen zu beschaffen.
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Die Bissigen Bemerkungen haben zwar eine erfreulich große Leserschar, jedenfalls mehr Leser als o.g. Flughafen Passagiere, aber noch viel Potenzial im Vergleich mit den ganz großen Blogs dieser Republik. So wurden die BBBs der vorletzten Woche („offener Brief an die BILD-Zeitung“) zwar schon zu Wochenbeginn gut nachgefragt, aber als ein Leser freundlicherweise diese Bissigen Bemerkungen in den BILD-Blog einstellte, ging es richtig rund. Innerhalb von zwei Tagen wurden 160.000 Klicks registriert, über 10.000 Leser waren tatsächlich auf den Seiten der Bissigen Bemerkungen und schauten sich insgesamt 35.000 Seiten „Bissiges“ an. Für eine solche Marketinghilfe sei hier Danke gesagt.

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Wie immer sei noch auf das Reiseradio (www.reiseradio.org) verwiesen. Nach den Interviews letzter Woche zur Flusskreuzfahrt geht es diesmal zur Hochsee mit allerlei Nachrichten rund um die AIDA.

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