Gesucht wird ein „touristisches Wallonien“

Da hat der DRV eine prima Referentenliste für seine Jahrestagung zusammengestellt. Es fehlt allerdings noch eine Kosmetikberaterin, die die so gepriesenen Änderungen an den EU-Pauschalreiserichtlinien schön schminkt. Der richtige Zeitpunkt wäre nach der Rede von Staatssekretär Gerd Billen (Bundesjustizministerium). Dieser sympathische Staatssekretär weiß genau, dass die angesprochenen Änderungen nur ein klein wenig an der Oberfläche kratzen und nur etwas Kosmetik bedeuten. Warum dann dafür nicht gleich einen Profi hinzuziehen?

An EU-Beschlüssen lässt sich national nur wenig bis hin zu gar nichts ändern. Siehe hierzu auch die Verhandlungen zu CETA (und TTIP). Menschenskind, war das Arbeit für Sandmann Sigmar Gabriel, bis er überall etwas Sand in die Augen gestreut hatte, damit alle besser schlafen können. Und dann kommt Wallonien, lässt sich auf keine Kosmetikänderungen ein, sondern sagt ganz einfach NEIN. Wow! Auf einmal wird EU und Kanada aufgehalten. Asterix wie in seinen besten Zeiten.

Unabhängig wie diese fast zu schöne EU-Geschichte ausgehen wird. Wie hoch evtl. der Preis für die Zustimmung von Wallonien sein wird oder welche Pseudo-Öffnungsklausel jetzt noch eingebaut wird. Es funktioniert offensichtlich nur „alles oder nichts“.

Was daraus ist die Erkenntnis für unsere EU-Pauschalreiserichtlinie? Den „Lauf der Europäischen Union“ hält man entweder schon vor der Gesetzgebung auf, hat die Bundesregierung vorsätzlich nicht gemacht, oder man lernt mit „krummen Gurken“ zu leben. Oder aber, man sucht noch irgendeinen klitzekleinen juristischen Haken, um die ganze Sache in Brüssel platzen zu lassen. Das soll heißen, alle Energien auf ein touristisches (juristisches) Wallonien dransetzen.

Wenn man bei Merkels-Rede auf dem BTW-Gipfel im September genau zugehört hat, konnte man schon da folgendes daraus entnehmen.
Merkels –nicht gespielte- Überraschung, dass es 10.000 Reisebüros in Deutschland geben soll („war neu für mich“, wie seinerseits das Internet). Aber dann kam dieser Satz, „wir müssen abwägen (Handbewegung wie Frau Justitia), die Interessen ihrer Branche gegenüber dem Verbraucherschutz“. Und weiter „wir wollen uns nicht mit der gesamten Reisebranche anlegen, aber wir dürfen uns auch nicht mit den Kunden anlegen“. Aber das ist nicht die gefragte Alternative. Dieser Satz würde besser auf die Automobil- oder Bankenbranche zutreffen. In unserer Branche wurde hinter den Kulissen ein ganz anderes Spiel gespielt. Dass heute irgendein Verbraucherschützer, Name habe ich mir schon gar nicht gemerkt, nochmal auf das Verbraucherthema aufspringt, geschenkt.

Wenn wir schon beim BTW sind. Frau Merkel hatte in ihrer Rede auch das Thema Gewerbesteuerzurechnung erwähnt. Das aber ganz kurz: „Wir warten mal das Oberste Finanzgericht ab“. Auch hier der falsche Ansatz. Das bringt nur Zeit, aber nicht näher an die Lösung. Hilfreich ist nur eine Klarstellung durch den Gesetzgeber.

Viel Arbeit, aber bitte nicht durch die Kosmetikindustrie erledigen.

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Klaus-Heidi

Jetzt fängt Lufthansa an ganz durchzudrehen. Lufthansa, vielleicht erinnern sich die Älteren noch daran, stand früher für Qualität. Später wurde zeitgemäß (?) der Preis dominierender und neuerdings, noch zeitgemäßer (?), ist Nonsens Trumpf in der LH-Werbung. Aktuelles Beispiel ist ein Gewinnspiel (allerdings nur für Schweden), „Wer seinen Namen in Klaus-Heidi (!) ändert, gewinnt einen einjährigen Gratisaufenthalt in Neukölln“. Gegen diese absolut sinnfreie Werbung ist die manchmal provokante SIXT-Werbung eher ein Kandidat für den Grimme-Preis.
Leider neigen viele Marketing-„Strategen“ zum Nachahmen. Leider! Da in Deutschland Vornamens-Änderungen nicht so leicht vorzunehmen sind wie in Schweden, würde eine Kampagne für den deutschen Verbraucher wahrscheinlich lauten: „Nennen Sie Ihr Kind xxxx und Sie gewinnen …..“.

Ein Blick in die nahe Zukunft:

Thomas Cook:
Nennen Sie Ihr Kind „Thomas-Harriet“ und Sie gewinnen ein Logo/Familien Wappen, speziell für Ihre Familie gefertigt. Anmerkung der BBB: Wenn es so pseudo-innovativ aussieht wie das neue Thomas Cook Logo, hängen Sie es im kleinen „Örtchen“ in Ihrer Wohnung auf. Es macht trotzdem (oder gerade) einen sehr „adeligen Eindruck“.

TUI Deutschland:
Nennen Sie Ihr Kind „Christian-Clemens“ und Sie gewinnen ein Jahres-Abo Köttbullar im nächst gelegenen IKEA-Restaurant.

Ryanair
Nennen Sie Ihr Kind „Crazy-Michael“ und Sie gewinnen ein Jahres-Abo Freiflüge für den europäischen Kontinent. Besonderes Bonbon dabei: Sie müssen nicht mit Ryanair fliegen.

Air Berlin
Nennen Sie Ihr Kind „Paul-Gregor“ (nach Air Berlin-Verkaufsvorstand Paul Gregorowitsch) und Sie gewinnen 1 Jahr lang wöchentlich 100 Air Berlin-Schokoherzen plus ein Trikot der holländischen Nationalmannschaft und 10 Freikarten für Spiele der holländischen Nationalmannschaft. Besonderes Bonbon: Für eventuelle Spiele Holland gegen Deutschland müssen Sie das Trikot nicht anziehen.

FTI (TVG)
Nennen Sie Ihr Kind „Dietmar-Birgit“ (Birgit nach TVG-Geschäftsführerin Birgit Aust) und Sie gewinnen für ein Jahr einen Moderatoren-Job bei sonnenklarTV. Anmerkung der BBB: FTI sind eigentlich keine Nachmacher, deshalb wird es dieses Preisrätsel wahrscheinlich nicht geben.

SIXT
Nennen Sie Ihr Kind „Erich-Regine“ und Sie werden Hauptfigur für eine SIXT-Werbung mit dem Titel „für unsere Werbung machen die Deutschen jeden Schwachsinn mit“.

Und außerhalb der Touristik
DFB
Nennen Sie Ihr Kind „Jogi-Jogi“ und Sie gewinnen eine Reise zur Fußball-WM nach Brasilien. Besonderes Bonbon: Für das Halbfinalspiel gegen Italien oder Spanien bekommen Sie einen Platz im Fanblock Italien/Spanien, damit Sie bei einer WM auch mal richtig mitfeiern dürfen.

Und das härteste Gewinnspiel:
Deutsche Bundesregierung
Nennen Sie Ihr Kind „Angela-Sigmar“ und Sie bekommen eine Einladung zu einer Kabinettssitzung der neuen Bundesregierung.
Anmerkung der BBB: Sie sollten sich mit der Einlösung des Preises nicht zu viel Zeit lassen (auf keinen Fall vier Jahre).

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Der Umweltengel mit den schmutzigen Flüge(l)n

Oh je, Sigmar Gabriel, du bist weder Erzengel noch Umweltengel. Dein verbaler Schadstoffausstoß ist schon schlimm genug, aber leider bist Du auch mobilitätsmäßig ein richtiger Umweltbengel. Legendär ist Deine Geschichte als begeisterter Bahnfahrer, bis offenbar wurde, dass Dein Dienstwagen parallel zur Bahn fährt, damit du am Zielort gleich in Deinen Wagen einsteigen kannst.

Du bist auch (und das schon immer) Weltmeister im Geben von Verhaltensregeln für andere. Vor zwei Wochen hast Du im ARD-Morgenmagazin verkündet: „Die Aufnahme des Flugverkehrs in den Emissionshandel würde die Airlines zudem dazu zwingen, unnötige Flüge zu unterlassen und Sprit sparende Lösungen zu finden“.
Und jetzt stehst Du (schon wieder!!) am Pranger, als jener Minister der sehr schnell die Flugbereitschaft ruft um am liebsten alleine in der prächtigen Challenger durch die Gegend zu düsen. So ein Pech auch, dass ausgerechnet die BILD-Zeitung Dir nachweisen kann (mal wieder) locker 44 Tonnen Kohlendioxyd unnötig in die Luft geblasen zu haben, um von Deinem Urlaubsort Mallorca nach Berlin und wieder zurück zu fliegen. Insbesondere für den Rückflug nach Mallorca (die Kabinettssitzung war vormittags!) habe es keine passende andere Flugverbindung gegeben. Oh je, auf dieser Strecke sind bekanntlich die Flugverbindungen ja auch sooo selten.
Liebe Air Berlin, schickt dem Soloflieger Gabriel mal Euren Flugplan, damit er sieht, wie oft allein ihr nach Mallorca fliegt. Und ehrlich, wenn man oft genug das Editorial in Eurem Bordmagazin gelesen hat, dann weiß man, dass es Euch eine große Freude wäre, den Minister so schnell wie möglich „von Berlin wegzuschaffen“.

Die Reaktionen von Gabriel hinsichtlich dieser „unnötigen“ Flüge sind uneinsichtig wie immer.
Erste Schlaumeier-Reaktion: „Hin- und Rückflug wurden klimaneutral gestellt“, d.h. als Ausgleich für die Co2-Emissionen werden entsprechend Umweltprojekte irgendwo gefördert. Ach wie schön, Tetzel lässt grüßen. Ablass zahlen (und das nicht mal aus der eigenen Tasche) und dann fröhlich weiter sündigen.

Zweite Schlaumeier-Reaktion (Original-Deutsch Gabriel): „Meinen Urlaub unterbreche ich nicht noch mal, wenn das Ergebnis hinterher ist, dass ich derartig Ärger habe. Dann müssen sie sich wen anders suchen, der sich den Ärger einhandelt“. Das ist ausgesprochen infantil. So einfach darf es sich kein Minister und schon gar nicht der Umweltminister machen.

Als großer „Ratgeber“ für Fluggesellschaften hat sich Sigmar Gabriel damit (wieder mal) disqualifiziert. Aber es ist zu fürchten, dass der nächste unnötige Schadstoffausstoß bald folgt. Es ist nur die Frage: verbal oder fliegerisch oder beides.

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Eigentlich sollte in diesen Bissigen Bemerkungen etwas zum Weltfrauentag nachgetragen werden. Ganz falsch liegen die obigen BBBs natürlich nicht, denn in der Kunst wird der Erzengel Gabriel zumeist als weiblicher Engel dargestellt.

Aber geplant war, anlässlich des Weltfrauentages, den weiblichen Anteil großer Firmen auf den einzelnen Hierarchiestufen zu untersuchen. Ein Ergebnis kann hier trotzdem vorgestellt werden. Von allen DAX-Firmen hat TUI mit 72% den höchsten Anteil an weiblichen Mitarbeiterinnen, aber keine TUI-Mitarbeiterin ist beispielsweise im TUI-Aufsichtsrat vertreten. Obwohl darüber die Belegschaft höchstpersönlich entscheidet und die Frauen die absolute Mehrheit der Stimmen haben.
Armselig, nicht wahr?

Metro beispielsweise, mit 64% Anteil weiblicher Mitarbeiter, hat immerhin drei Mitarbeiterinnen im Aufsichtsrat. Noch nicht genug, aber immerhin Spitzenreiter im DAX.

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