Reisebranche erklärt 2009 für schön

„Reisebranche erklärt 2009 für schön“
Financial Times Deutschland, 14.11.2008

Verband erwartet auch im nächsten Jahr gute Geschäfte TUI und Thomas Cook stützen Erträge durch geringere Kapazität.

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Seid gegrüßt, meine lieben Prostituierten

Eine ungewöhnliche Überschrift für die Bissigen Bemerkungen. Klingt fast nach einem Outing. Ist aber nur ein abgewandeltes königliches Zitat.

Voller Stolz erläuterte nämlich die slowenische Tourismusexpertin Maja Uran wie ihr Heimatland gerade ein lokales Netzwerk für Touristen aufbauen will. Weiß der Geier, an was in diesem Moment ihr Zuhörer, der englische Prinzgemahl Philip, gedacht hat. Seiner Meinung nach, so meinte er sich äußern zu müssen, sei Tourismus nichts anderes als „nationale Prostitution“. „Wir brauchen nicht mehr Touristen, sie ruinieren die Städte“, so dozierte das königliche Geblüt weiter.
In Australien hatte er schon mal ähnliches Feingefühl gezeigt, als er in einem Gespräch mit Aborigines fragte „werft ihr immer noch mit Speere aufeinander?“

Tja, liebe Londoner Touristiker von TUI Travel und Thomas Cook, könnt ihr den alten Herrn mal aufklären. Ist ja nicht gerade eine gute Visitenkarte, die er für die (englische?) Tourismusindustrie abgibt.

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Wenn bei einem Vordenker der Lack abblättert

Er war der Starredner auf dem diesjährigen fvw-Kongress. Während er einem aufmerksamen Publikum, wie bei anderen Gelegenheiten schon vorher, seine grandiosen Gedanken über eine glorreiche Zukunft verkündete, sank der ohnehin schon gebeutelte Aktienkurs seines Unternehmens um satte 20%. Ein teurer Vortrag. Für ihn. Die Rede ist von Thomas Middelhoff, CEO von Arcandor (früher ganz einfach KarstadtQuelle genannt- als der Aktienkurs noch stimmte).

Dies veranlasst die bissigen Bemerkungen mal wieder generell über das Thema „Vordenker“ nachzudenken. Vorausgesetzt, dass man Vordenken und Nachdenken in einen Zusammenhang bringen darf.

Was bedeutet eigentlich „Vordenken“? Ist Vordenken die Embryonalform von Denken? Dann wäre Vordenken eine noch nicht ausgereifte Form von Denken. Warum sind schon so viele Vordenker in ihrem Job nach einiger Zeit abgestürzt? Weil sie das Nachdenken vergessen haben? Schließt Vordenken und Nachdenken sich eventuell sogar aus? Braucht demzufolge jeder Vordenker noch einen Nachdenker?

Ist Vordenker ein Wort ähnlicher (reziproker) Qualität wie Gewinnwarnung? Gewinnwarnung warnt ja auch nicht vor Gewinn, sondern vor dem Gegenteil:

Leid kann einem dabei nur Thomas Cook tun. Die armen Cookies hatten schon immer Elternprobleme. Schon 2005 konnte man in den Bissigen Bemerkungen lesen: „Eigentlich könnte es ein tolles Gefühl sein für Thomas Cook zu arbeiten. Wenn diese lieblosen Eltern nicht wären“. Siehe BBB vom 18.4.2005 „Tochter verpfändet und zum Kauf angeboten“.
Drei Jahre später hat sich nicht viel verändert. Darüber muss man echt mal nachdenken!

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Tiefster Aktienkurs von Arcandor am 26.9.2008: 1,61 Euro.
Während Arcandor Anfang Januar noch 1,7 Mrd. Euro wert war, lag der Wert Ende letzter Woche bei ca. 234 Mio. Euro!

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Condor: Die Braut, die keiner traut

Es ist nicht so, dass sich die Braut nicht traut, ängstlich war sie schließlich noch nie. Es ist der etatmäßige Standesbeamte (Kartellamt) der sich nicht traut zu trauen.

Arme Braut! Erst wurde in aller Öffentlichkeit um sie gefeilscht ob, wer, wann und warum. Dann die Gerüchte, der Bräutigam hätte etwas Schwierigkeiten die ausgehandelte Mitgift zu zahlen. Schadet alles der Braut, zumal sie in vorauseilender Treue (etwas naiv), sich in den letzten Monaten auch nicht nach einem alternativen Bräutigam umgesehen hat.

Jetzt haben alle den Salat, Entschuldigung, etwas Probleme. Und mit fast 53 Jahren, ist die Braut nun mal auch nicht mehr so taufrisch (Entschuldigung bei allen toll aussehenden Frauen des Jahrgangs 1955, wie Marianne Rosenberg, Susanne Uhlen, Petra Gerster und viele, viele andere). Aber bei einer Fluggesellschaft, da fragt man schon mal etwas härter nach dem Alter einiger Teile. Außerdem hat sie schon mal geheiratet (und ist immer noch nicht offiziell geschieden), hängt noch etwas zuviel an ihrem Vater (Lufthansa hat noch 25% Anteil) und hat ein etwas unübliches Hobby (sie liebt Fliegen). So etwas verheiratet man nicht so von heute auf morgen

Dabei, und das wird oft vergessen, war die Condor mit 18 Jahren sogar Miss Universum (1973 war Condor die umsatzstärkste Ferienfluggesellschaft weltweit). Aber dann mit 42 Jahren, die nie so glückliche Ehe mit einem gewissen Neckermann! Von dem unnötigen Desaster mit der Namensänderung für die schöne Frau ganz zu schweigen (siehe BBB vom 3.6.2002 „El Condor pasa“).

Und nun? Von den Cookies kann Condor nicht viel erwarten. Die wollen nur möglichst viel Mitgift kassieren und Tschüss. „Asset light“, heißt dort das Schlagwort und das bedeutet auf Deutsch „ich will dich loswerden“.
Kann man noch mal das Herz des Vaters LH erweichen?
Eine Hochzeit mit Hannover? Wäre nicht schlecht, aber soviel Mitgift wie von Berlin versprochen, gibt es dort garantiert nicht.

Schwierige Zeiten. Das Wasser steht hoch, da darf man den Kopf nicht hängen lassen. Im Gegenteil, jetzt nicht an der Attraktivität nachlassen.
Aber vielleicht passiert etwas ganz außergewöhnliches. Ein Scheich? Mit richtig Kohle. Der weiß, welche Kostbarkeiten eine 53jährige noch zu bieten hat. Der scharf auf ihre Slots ist (Slots bezeichnen im Flugverkehr, „wann man darf“, also nichts Unanständiges, die Red.). Da würden sich einige dann aber so richtig ärgern.

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Nur der guten Ordnung halber: Die grünen Oberfrauen Claudia Roth und Renate Künast sind auch Jahrgang 1955. Das haben die BBB oben mit Vorsatz verschwiegen

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Schauen Sie mal vor die Tür: Die ITB steht davor

Es ist mal wieder soweit. Die ITB steht vor der Tür. Neben harter Arbeit in den täglichen Verhandlungen und noch härterer Arbeit im nächtlichen „get-to-gether“, zählt auch das Verbreiten von Gerüchten und der Austausch von kleinen Bissigkeiten (der Ur-Form der Bissigen Bemerkungen) zum täglichen Allerlei.

Haben Sie schon gemerkt, dass dieses Jahr „der Kalender gefühlt schneller läuft“ und alles kurzfristiger passiert? Die Einladungen zu den Veranstaltungen kamen kurzfristiger und die Gerüchte/Bissigkeiten laufen dieses Jahr auch noch nicht so richtig an.

Helfen wir deshalb ein bisschen nach:

Der Touristik Report (wie lange gibt es den noch?) schrieb über Thomas Cook: „Qualität wird Chefsache“.
Oh weh, das kennen wir doch aus der Politik. Wenn etwas Chefsache wird…… das war`s dann.
Bei dieser Gelegenheit sollte man auch den „Granaten-Spruch“ eines Neckermann-Produktverantwortlichen zu den neuen Produkten für die 50plus in den BBBs verewigen: „Der Tag beginnt mit einem fröhlichen gemeinsamen Blutdruck messen.“ Hätte gerade noch gefehlt, dass es abends auch „kleinere Portionen“ gibt.

Wowereit hat die neue Imagekampagne für Berlin zur Chefsache erklärt. Schade, man hätte es auch mit einem Experten versuchen können. Da das ganze vertraulich ist, weiß man auch schon wie der neue Spruch heißen wird: Be Berlin. Mensch, was soll unserer einer noch alles sein? Wir sind schon Papst, wir sind schon Deutschland, jetzt sollen wir auch noch Berlin sein. Ganz schön stressig!

Apropos Papst und Verleihung der „Touristik Awards“ durch den Travel Industry Club auf der ITB. Es ist sicherlich ein Gerücht, dass der Lifetime-Award posthum an den verstorbenen Papst Johannes Paul II für seine außerordentliche Reiseleistung verliehen werden soll.

Dringend nachtragen müssen wir den Erfolg des sog. „Flirt-Express“ der Bahn am vergangenen Valentinstag. Das war ein echter Imagegewinn für die Bahn. Der Erfolg ruft direkt nach Wiederholung. Schade wäre, wenn es Mehdorn zur Chefsache erklären würde. Flirten und sein bissiger Gesichtsausdruck, das wäre schon eine Art Hardcore-Flirt.

Haben Sie gelesen, die Swiss übernimmt Kuonis Ferienflieger Edelweiss? Komischerweise hat das in den deutschen Fachmedien nur einen geringen Widerhall gefunden. Aber denken Sie mal nach: Edelweiss ist ein Ferienflieger, die Swiss gehört Lufthansa, die Lufthansa verhandelt mit TUI über den Zusammenschluss von germanwings und TUIfly. Klingelt´s wo da noch ein Plätzchen frei sein könnte? Und in der Schweiz erstarkt gerade Air Berlin mit dem Veranstalter Hotelplan, da braucht TUI Suisse auch noch ein bisschen Unterstützung.

Wenn Sie weitere „gewichtige“ Gerüchte erfahren haben, bitten wir um Mitteilung. Schließlich stehen die nächsten Bissigen Bemerkungen auch schon vor der Tür. Und zwar noch vor der ITB. Ein Gedränge ist das vor der Tür.

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Auf ein Neues

Das war´s liebe Leserinnen und Leser für das Jahr 2007. Aber es gibt keinen Grund zur Sorge, auch in 2008 wird es in der Touristik genug zum Nachforschen geben.
Hier ein kleiner Ausblick:

Wird es quer durch die TUI-Aktionäre einen neuen Eisernen Vorhang geben? Oder wird es bei TUI noch mehr internationale Großaktionäre geben und wird sie Ihren Firmensitz an den Hudson River (UN-Hauptgebäude) verlegen müssen?

Thomas Cook hat in letzter Zeit eigene Aktien aufgekauft. Gleichzeitig wurde eine neue Akquisition in der Touristik angekündigt. Holt Thomas Cook zum großen Coup aus und kauft sich selbst?

Werden in 2008 aus Kümmerer auch Verkäufer?

Wird Ryanair in 2008 freundlich?

Outen in 2008 Mehdorn und Schell ihre bislang heimliche Liebe?

Kann Berlins Regierender Wowereit die Seite wechseln und Tempelhof zu dem machen was es bereits ist? Einen unverzichtbaren Flughafen!

Die neue fvw-Statistik berichtet, dass im vergangenen Jahr die kleinen Veranstalter zu Lasten der großen Veranstalter gewachsen seien. Wird damit ein alter Joke in 2008 zur Realität?
Frage: Wie kommt man in der Touristik am sichersten zu einem kleinen Vermögen? Antwort: In dem man vorher ein großes Vermögen hatte!

Und vieles, vieles mehr.

Zuletzt noch eine typisch BBB-schwierigere Frage um die Ecke gedacht: Will die Deutsche Bank in Berlin einen Jurassic Parc bauen? (Zur Lösung müsste man eine Mitteilung der Deutschen Bank und eine Pressemitteilung des NABU jeweils vom 28.12. zusammenbringen!!). Na, zwischen zwei Silvester-Punsch müsste das doch gelingen.

Zum Abschluss noch eine persönliche Bemerkung:
Vielen Dank liebe Leserinnen und Leser für Ihre Treue im vergangenen Jahr. Stolze 15% plus bei den Abozahlen für den Newsletter auf jetzt 2.325 und ebenfalls mehr als 15% plus bei den Besuchern von karl-born.de bedeuten die Rekordzahl von mehr als insgesamt 230.000 Visitors (nicht Klicks!) in 2007 für die Bissigen Bemerkungen. Das ist neue Motivation auch nach 335 Ausgaben (d.h. bisher an 335 Sonntagabende hintereinander malochen) im nächsten Jahr wieder Gas zu geben und möglichst noch bissiger zu werden.
Vielen Dank auch an dieser Stelle für die vielen Rückmeldungen aus dem Leserkreis, wie beispielsweise zuletzt auf die BBBs vom 17.12., „Weihnachtlicher Wunschzettel der Reisebranche“.

In diesem Sinne, auf ein Neues und Ihnen allen ein glückliches und sehr erfolgreiches Jahr 2008. Möge wenigstens einer unserer Träume in Erfüllung gehen.

Ihr
Karl Born

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Weihnachtlicher Wunschzettel der Reisebranche

Wieder einmal ist den Bissigen Bemerkungen ein investigativer Coup gelungen. Sie konnten Einblick in die weihnachtlichen Wunschzettel der Reisebranche nehmen.
Eines kann man schon vorab sagen, die Wünsche sind wesentlich bescheidener geworden als in den Vorjahren. Aus Platzgründen können hier leider nur Auszüge veröffentlicht werden.

TUIfly wünscht sich das Große Controller Handbuch, speziell Band 4 „Wie ermittelt man das richtige Jahresergebnis“. Vorsorglich wünschen sie sich für das kommende Jahr auch noch „deutsche Flügel“.

Dr. Frenzel wünscht sich bescheidener Weise nur die „Forbes Liste der Milliardäre“. Einen möchte er sich noch daraus aussuchen, dann hätte er ein ruhiges Jahr vor sich. Er war der übrigens der einzige, der in seinem Wunschzettel auch andere bedacht hat. Für Wysser-Pratte wünschte er beispielsweise eines der ersten verfügbaren Tickets für einen Mondflug (allerdings one way).

TUI Deutschland hat seinen Wunschzettel in Deutsch und in Englisch geschrieben, damit ihn nicht nur das Christkind, sondern auch Peter Long lesen kann.

Der Wunschzettel von TUI Cruises sah übrigens etwas abgegriffen aus. Kein Wunder, seit Jahren wird immer der gleiche Wunschzettel vorgelegt „bitte ein konkurrenzfähiges Kreuzfahrtschiff“.

Der Thomas Cook-Vertrieb hat sich „mehr Liebe von den Reisebüros“ gewünscht. Interessanterweise haben sich die Reisebüros auch „mehr Liebe von Thomas Cook“ gewünscht. Ein (erfolgreiches) Reisebüro in Iserlohn und noch einige andere haben sich sogar beim Nikolaus die Rute für Geske und Loidl gewünscht. Das überrascht nicht. Wenn Holiday Land schon auf dem Nockherberg seine Tagung abhält, dann wissen sie ja, dass „Zerblecken“ angesagt ist.

Alltours hat sich gewünscht, dass der Andrang von Führungskräften anderer Veranstalter nachlässt, so viele freie Führungspositionen hätte man schließlich nicht mehr.

Ähnlich bescheiden ist auch der Wunsch von Lufthansa- Chef Wolfgang Mayrhuber. Er leitete seinen Wunschzettel mit den Worten ein, er neide Emirates keinesfalls das viele Geld, das hinter der Airline stehe. Aber so einen schönen Namen wie der des Emirates CEO, Scheich Ahmed bin Saeed Al-Maktoum, das wäre die Erfüllung. So eine kleine Namensänderung in „Scheich Ahmed Wolf bin Mayr Al-Huberoum“ könnte als Geschenk schon drin sein.

Etwas unverständlich wirkt auf den ersten Blick der Wunsch von Germanwings-Chef Thomas Winkelmann. Er schrieb etwas kryptisch, er möge Ende 2008 gerne sagen können „I can fly“.
Aber Vorsicht, für einige in der Branche ging dieser Wunsch schon in diesem Jahr in Erfüllung. Leider im wahrsten Sinne des Wortes.

Ungewohnt bescheiden zeigte sich Air Berlin im Wunschzettel. Sie wünsche sich nur den Namen des Auftraggebers für den (mindestens) 14% Anteil der Deutschen Bank. Von Hand war noch darunter gekritzelt „ein schnelleres Kartellamt würde auch nicht schaden“.

Einen ganz ausgefallenen Wunsch hat QTA-Chef Bösl. Er wünsche sich kein Geschenk, sondern ein „Nicht-Geschenk“. Auf keinen Fall dürfe einer seiner Kooperations-Mitglieder das Video des Films „Ratatouille“ geschenkt bekommen. Der Slogan des Films „Jeder kann kochen“, wäre schließlich absolut ungeeignet für eine Kooperation.

Erstmals wurde auch ein Gemeinschafts-Wunschzettel abgegeben und zwar von der „Kooperation der Spezialisten“.
Hierin schrieb Olimar: „Hilfe, wir haben einen Zahn verloren, wir brauchen dringend Ersatz. Aber bitte kein Implantat“.
Ameropa schrieb: „Liebes Christkind verschone uns von weiteren Bahnstreiks. Gegen einen kleinen Fluglotsen-Streik hätten wir allerdings keine Einwände“.
Studiosus bat dringend um Intervention in das deutsche Bildungswesen. „Wenn es mit PISA und IGLU weiter bergab geht, dann geht uns das Klientel für Studienreisen aus“. Darunter war noch gekritzelt: „Gebeco sieht das übrigens genauso“.
Öger-Tours wünschte sich nur: „Einmal bitte ein Türkei-Jahr ohne politische Probleme“. Aber, so ist es leider. Die am einfachsten aussehenden Wünsche sind am schwierigsten zu erfüllen.

Als einziger in der Reisebranche hat übrigens Bahnchef Mehdorn keinen Wunschzettel abgegeben. Auf Rückfrage der BBBs erklärte er: „Er wisse, dass Tausende von Bahnkunden und vor allem GDL-Boss Schell ihm „etwas“ wünschen, da müsse er keinen eigenen Wunschzettel mehr schreiben“. Dass diese Wünsche alle nicht in Erfüllung gingen, würde ihm schon genügen.

Für alle in der Branche, die hier namentlich nicht genannt wurden gilt: Die BBBs wissen natürlich, was Sie sich gewünscht haben. Aber zu Ihren Gunsten wurden diese Wünsche hier nicht zitiert. Aber wenn Sie darauf bestehen, holen wir das gerne in der nächsten Ausgabe nach.

Ein Branchenfremder hat übrigens direkt beim Branchen-Weihnachtsmann angerufen. Marcel Reich-Ranicki schimpfte in seinem unvergleichlichen Tonfall: „Ich habe gehört REWE wünscht sich Schiller, womöglich wünscht sich demnächst die TUI dann Goethe. Seid Ihr verrückt geworden. Wenn schon, dann kommen nur die Gebrüder Grimm, Hans Christian Andersen oder andere Märchenerzähler für diese Branche infrage“.
Recht hat er!

Na dann, eine fröhliche Bescherung!

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„Gehaltene Versprechen“, was ist denn das?

Im Zusammenhang mit der Ankündigung von Thomas Cook plc den Gewinn in den kommenden drei Jahren verdoppeln zu wollen, schrieb Hans-Christoph Noack in der FAZ in seinem Kommentar (mindestens) zwei Sätze zum Merken:
1. Es ist gut, ambitionierte Ziele zu haben.
2. Eine Prognose wirkt aber glaubhafter, wenn es eine Historie gehaltener Versprechen gibt.

Da musste bestimmt mancher CEO im Duden nachschlagen was eigentlich “gehaltene Versprechen” bedeutet.

Da fällt einem doch glatt ein schönes Weihnachtsgeschenk ein, das die jeweiligen Pressesprecher ihren CEOs schenken könnten:
Diese Sätze schön gerahmt für „über den Schreibtisch“.

Das wäre ein „ambitioniertes“ Geschenk und die Pressesprecher hätte es künftig in ihrer Arbeit auch leichter.

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Wie das kleine Reisebüroverkäuferlein sein Verkaufs-Einmaleins lernt. Heute: Die neue Provisionsregelung

Es ist eine Besonderheit beim Verkauf von Urlaubsreisen, dass der Verkäufer für diese Leistung kein Geld vom Kunden bekommt, sondern vom Lieferanten. Das ist ungefähr so, wie wenn der Frisör kein Geld für das Haarschneiden bekäme, sondern Provisionen vom Shampoohersteller, vom Fönproduzenten und von den Stadtwerken (für mehr Wasser und Strom). Also gilt es nicht nur auf die Zufriedenheit der Kunden zu achten, sondern auch auf eine möglichst hohe Provision.
Auf dieser Basis erklärt heute der Reisebüro-Chef (der auch eine Chefin sein kann) dem Azubi (was auch eine Azubine sein kann, aber sprachlich nicht so gut klingt) was es mit der neuen Provisionsregelung so auf sich hat. Vorher wiederholt der Azubi aber noch die Lektion von letzter Woche.

Azubi: Lieber Chef, besten Dank, was ich letzte Woche alles über den Kunden lernen durfte. Ich weiß jetzt, dass unsere Kunden multioptional und hybrid paradox sind. Man Vater hat deshalb aber etwas die Augenbraue hochgezogen und gesagt, er hoffe, dass dies alles hoffentlich keine Perversitäten seien. Ich weiß auch, dass wir unter unseren Kunden vor allem die Alten wollen, weil es davon so viele gibt, aber auch die Familien mit Kindern, weil es davon bald wieder mehr geben soll. Wir lieben auch den Verkauf von All Inclusive, weil wir dann im Prinzip auch Provisionen auf Mittag- und Abendessen bekommen. Wir wollen mehr Wellness verkaufen, damit unsere Kunden gesünder leben und dann länger bei uns einkaufen können. Kreuzfahrten zu verkaufen sei einfacher als man denkt, weil alles ist wie sonst auch, nur auf dem Wasser und Deutschland-Urlaub sei wie Mallorca-Urlaub, nur nicht so weit weg und in diesem Sommer sogar noch heißer. Wir freuen uns über Frühbucher, weil sie früher kommen (da hat mein Vater ein zweites mal die Augenbrauen hochgezogen), während die Last Minutes später kommen. Für letztere kleben wir die Schaufenster mit entsprechenden Angeboten zu, damit diese nicht vergessen doch noch zu kommen.
Heute, lieber Chef, wollten Sie mir das neue Provisionsangebot erklären.

Reisebüro-Chef: Fangen wir bei der TUI an. Da ist es wie im richtigen Leben. Beziehung ist alles. Je mehr du mit denen verwandt bist, desto mehr Provision gibt es. Nächstes Jahr gibt es dort sieben Partnerstufen.

Azubi: Das gibt garantiert wieder Ärger zuhause mit meinem Vater, wenn ich das mit den sieben verschiedenen Partnerstufen hier im Büro erzähle.

Reisebüro-Chef: Dann solltest Du das mit den sechs Wachstumsstufen, bei deiner undeutlichen Aussprache, lieber auch für dich behalten. Und das Thema Umsatzklassen erkläre ich dir lieber aus dem Motorsport. Das ist so ähnlich wie ein Rennen mit verschiedenen Hubraumklassen.

Azubi: Bis jetzt war es nicht so schwer. Man muss mit denen verwandt sein, ein dickes Auto fahren und alles soll schnell wachsen.

Reisebüro-Chef: Das alleine reicht nicht. Das was wir verkaufen, soll möglichst ein Spiegelbild dessen sein, was die produzieren. Die sagen dazu „Produkt-Incentives“. Umgekehrt wäre es besser, wenn die das produzieren würden, was wir verkaufen.

Azubi: Wäre es nicht einfacher, wenn die uns jeden Tag eine Liste schicken würden was wir verkaufen sollen?

Reisebüro-Chef: Du sollst nicht immer um ein Jahr vorgreifen.

Azubi: Und wie ist das mit Thomas Cook?

Reisebüro-Chef: Die machen etwas ganz neues. Bleiben wir bei dem unverfänglichen Motorsport. Alle Reisebüro-Autos starten gleichzeitig ohne irgendeinen Vorsprung bei Null und können sich über 15 Runden steigern. Wie bei der Formel I-Qualifikation fallen hier nach einiger Zeit immer einige weg und so geht das das ganze Jahr über.

Azubi: Und was soll da schwierig daran sein?

Reisebüro-Chef: Anders als bei der Formel I müssen wir gleichzeitig auf zwei verschiedenen Rennstrecken fahren. Auf der Rennstrecke A fahren wir für Neckermann und Thomas Cook-Reisen und auf der Rennstrecke B fahren wir für Preisknüller und Last Minute. Da kommt es auf eine hohe Anfangsgeschwindigkeit an. Da müssen wir voll die Frühbucher-Nummer machen. Frühbucher aber nur aus dem Normalkatalog, denn mit den Frühbuchern aus dem Vorab-Katalog (obwohl das eigentlich die Super-Frühbucher sind) müssen wir auf Rennstrecke B. Und wenn Kunden nach Alltours fragen, sagen wir einfach die heißen jetzt Preisknüller oder Bucher. Damit dürfen wir zwar auch nur auf der Rennstrecke B fahren, aber das ist immer noch besser als überhaupt nicht.
Außerdem wollen wir Thomas Cook richtig verkaufen dieses Jahr, denn die haben den Malus abgeschafft.

Azubi: So wie wir letztes Jahr richtig REWE verkauft haben, weil die keinen Malus hatten?

Reisebüro-Chef: Es ist wie in der Politik. Wichtig ist doch nur, dass man eine Absichtserklärung abgibt.

Azubi: Und was lerne ich nächste Woche?

Reisebüro-Chef: Nächste Woche erkläre ich dir die Fluggesellschaften, eine Geschichte voller Widersprüche. Zum Beispiel: Bei der Condor heißt es „Fliegenpreise“, sind aber in Wirklichkeit Flugpreise, wie man auch bei den „Probierwochen“ der LTU keine Woche probieren kann. Andere haben manchmal „Null-Preise“, aber es kostet trotzdem was; zwar nur Nebenkosten, aber die sind manchmal höher als bei anderen die Flugpreisen. Eine andere Fluggesellschaft heißt so ähnlich wie Chicken Wings, ist aber trotzdem deutsch. Da kostet der Flug auch etwas, dafür ist der Reiseführer umsonst. Bei einer Berliner Fluggesellschaft besteht jeder Satz aus einem Wort, zumindest kommt nach jedem Wort ein Punkt. Drei Wörter gleich drei Sätze, das alles ist zumindest kein sprachlicher „Full-Service“, aber angeblich zahlt man dafür auch weniger. Die Iren-Airline (mit einem R wohlgemerkt) gibt „50% Rabatt auf die billigsten Flüge“, was ziemlich raffiniert ist, da muss sie nicht soviel Rabatt geben, weil es ja die billigen Flüge sind. Und bei easyJet, deren Jets natürlich nicht easy sind, glaubt man nicht bei einer Fluggesellschaft zu sein, wenn man auf deren Homepage schaut. Da sind nur viele Flaggen drauf, wie wenn noch Fußball-WM wäre und die Frau oben auf der Homepage sieht nicht aus wie eine Flugbegleiterin, sondern eher wie Kate Winslet in Titanic.

Azubi: Das behauptet mein Vater für die ganze Branche. Das wäre wie auf der Titanic. Immer noch viel Party und Musik, obwohl das Schiff langsam untergeht.

Reisebüro-Chef: Und deshalb darfst du ab übernächste Woche schon verkaufen, damit wir nicht untergehen. Und dass bei uns im Reisebüro alles so einfach ist, hast du inzwischen verstanden. Aber vorher erkläre ich dir noch was Marketing ist.

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