Der Unterschied zwischen Energiebranche und Reisebranche

Es war einmal eine Regierung, die wollte auf einer Klausurtagung sparen. Irgendeine böse Fee, flüsterte den Regierenden ins Ohr: „Am einfachsten geht sparen, indem man seinen Bürgern in die Tasche greift“. Entgegen jeder ökonomischen Vernunft (wegen der zusätzlichen Kostenbelastungen für den Standort Deutschland – der ansonsten doch immer so hoch und heilig gepriesen wird), beschlossen die Regierenden daraufhin zwei neue Steuerarten einzuführen: eine Luftverkehrsabgabe und eine Brennelementesteuer. Da wunderten sich aber die Manager dieser Branchen, denn keiner hatte mit einem solchen Unsinn gerechnet.

Die Manager der Luftfahrtindustrie klagten gleich laut. Dummerweise aber jeder für sich alleine. Zwar waren alle gegen die neue Abgabe, aber leider nur halbherzig in der Argumentation. Denn relativ schnell, clever gedacht, wurde ersatzweise etwas St. Florians – Gedanke in die Argumentation eingebaut. So rieben sich Air Berlin und Lufthansa aneinander mit dem Thema: wie sollte, wenn schon überhaupt, die Belastung für Kurz- und Fernstrecke sein. Condor rieb sich mit LH-Cargo mit dem Thema: Wenn schon, dann doch auch Belastung für die Fracht. Und besonders clever überraschte der Flughafen Frankfurt die restlichen deutschen Flughäfen mit der Argumentation wie relativ wenig umweltschädlich doch eigentlich Langstreckenflüge seien. Die danach angedachte eventuelle Zusammenlegung zweier Verbände (von Flughäfen und Fluggesellschaften) dürfte von der Verschärfung der Schlagkraft her allerdings überschaubar bleiben. Zuletzt wurde noch eine Unterschriftenaktion gestartet. Ein “bewährtes klassisches Kampfmittel“ mit in der Regel guten Erfolgen bei Mobilisierung von Eltern gegen Schulstress. Der erwünschte überregionale „virale Effekt“ dieser Aktion ist leider noch nicht erkennbar eingetreten.

Aber wie man professionell, besser gesagt brutal, mit einer „nicht folgsamen“ Regierung umzugehen hat, zeigten die Manager der Energiebranche. Sich gegenseitig austricksen? Doch nicht wir! Da zeigte sich sehr schnell die jahrelange Erfahrung aus vielen „Preisgestaltungsrunden“. Da wurde der Regierung zuerst mal in einem unverschämten Ton gedroht, evtl. Teile des Betriebes gleich einzustellen. (Wäre ja interessant geworden mal „Streik von oben“ zu erleben.) Aber nicht genug, in ganzseitigen Anzeigen in allen relevanten Tageszeitungen wurde der Regierung danach mächtig der Marsch geblasen. Sprachlich und inhaltlich zwar nicht immer ganz verständlich, aber dafür umso deutlicher im scharfen drohenden Ton. Und die Energie-Manager legten sicherheitshalber noch eine Schwarte drauf. Da unterschrieben nicht nur die vier Energiebosse, sie sammelten gleich noch die Unterschriften all´ jener ein, die für Lärm machen in unserer Republik bekannt sind. Nicht zuletzt solche „begabten“ Manager wie Herr Josef Ackermann (vergessen die kleine süße Geburtstagsfeier, die letztes Jahr Frau Merkel für ihn im Kanzleramt ausrichtete) oder Herr Oliver Bierhoff (der schon in den Verhandlungen mit dem DFB bewies, wie man richtig frech werden kann) oder Herr Wolfgang Clement (bewährter Atom-Scharfsschütze gegen Ypsilanti im Hessenwahlkampf) oder Herr Otto Schily (als Mini-Kohl verweigert er beharrlich die gesetzlich vorgeschriebene Offenlegung seiner Abgeordneten-Nebeneinkünfte) unterstützten die Energiebosse. Flugs waren 40 „sehr wichtige“ Unterschriften beisammen. Ein bunter Haufen, den nur eines verbindet, nicht zimperlich zu sein, wenn es um die Durchsetzung eigener Interessen geht. Bemerkenswerterweise haben 40 Männer unterschrieben, es ist keine einzige Frau dabei. In der Wirtschaft so richtig Druck machen ist offensichtlich noch immer Männersache.

Und jetzt die große Quizfrage für die Leser der Bissigen Bemerkungen. Welche Branche wird sich gegen die Regierung durchsetzen?
Schreiben Sie bitte nur, wenn Sie auf die Reisebranche tippen, dann muss ich nicht so viele Emails lesen.
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Im Reiseradio (www.reiseradio.org) erfahren Sie diese Woche sehr viel über das Thema Flusskreuzfahrten. TUI Deutschland Chef Dr. Böttcher erklärt warum TUI sich jetzt auch hier ganz besonders engagiert und der Chef der Arosa Flotte, Lars Clasen schildert, warum er glaubt, dass immer noch genügend Luft für seine Flotte sein wird. Außerdem wird auch noch getauft und gefeiert, aber hören Sie selbst.
In den akustischen Bissigen Bemerkung geht es um das neue deutsche Aufregerthema „Google Street View“ und wie wichtig das neue Angebot für die Tourismusindustrie werden könnte (für einige –windigen- Anbieter allerdings auch mit eher negativem Ausblick).

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Die Touristikkonzerne streiten sich um Krake Paul

Da investieren die touristischen Planer der Touristikkonzerne viel Zeit und Geld um vorherzusagen, welche Zielgebiete in der nächsten Saison die Renner sein werden. Leider oft vergeblich. Aber jetzt naht die Rettung in Person eines Tintenfisches aus dem Oberhausener Aquarium Sealife, salopp „Krake Paul“ genannt. Achtmal hintereinander das richtige Siegerland zu nennen, das kann kein Zufall sein.
TUI, Thomas Cook und REWE wollen sich die Dienste des seherischen Tintenfisches sichern, die Entlassungspapiere der Mitarbeiter in den jeweiligen Planungsabteilungen sind angeblich bereits vorbereitet. Die Gehaltsgebote für Paul (in Kilogramm Muschelfleisch) werden stündlich gesteigert. Um Wettbewerbsverzerrungen zu vermeiden, wird bereits überlegt, Paul neutral beim DRV einzusetzen.
Übrigens hat so ein Riesenkrake kein Rückgrat im klassischen Sinne, die Gehirnmasse ist extrem klein und die „Tintenmasse“ die ausgestoßen wird, dient eigentlich nur der Nebelbildung um Konkurrenten/Angreifer zu bluffen. Kurzum er besitzt neben seinen seherischen Fähigkeiten auch das klassische Bürorepertoire.
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Im Reiseradio (www.reiseradio.org) finden Sie diese Woche u.a. Interviews mit Sören Hartmann (REWE), Peter Wennel (Aldiana) und Boris Raoul (FTI), die alle in ihrem „früheren Leben“ auch mal für TUI oder Thomas Cook gearbeitet haben. Bei den akustischen Bissigen Bemerkungen werden einige Zahlen für den Deutschland-Tourismus gerade gerückt und die DZT bedauert. Außerdem wird gerätselt warum ausgerechnet der Tourismus in die Hauptstadt sich so gut entwickelt hat.

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Politiker in die Touristik? Das gäbe ein Chaos!

Wären Politiker Veranstalter-Chefs, dann ginge es beim Veranstalter wohl so zu:
Aufregung in der TUI-Hauptverwaltung. Bei der Programmpräsentation fehlen überraschend 44 Produkte. Und es kommt noch schöner, diese 44 Produkte
tauchen zeitgleich in den Katalogen der Konkurrenz auf. Ist doch kein Problem, sagt der Polit-Veranstalter-Boss, dann wiederholen wir einfach die Präsentation. Große Spannung bei den Journalisten und tatsächlich überraschender Weise finden sich 15 Produkte in den Katalogen der TUI wieder, aber Thomas Cook verliert nur 9 Produkte. Wo mögen die anderen 6 Produkte gewesen sein? 2 Produkte hatten vorübergehend bei Alltours Asyl gesucht und 4 andere Produkte konnten sich überhaupt nicht entscheiden und haben erst mal abgewartet. Da wird der Polit-Veranstalter-Chef etwas böse (aber nur etwas) und sagt über die anderen 29 verschwundenen Produkten „eine Chance habt ihr noch, überlegt Euch wo ihr hingehört, sonst ist es bald aus, mit unseren Katalogen“.
Dummerweise kamen zeitgleich Thomas Cook und Alltours auf den verwegenen Gedanken ihre Produkte mal schnell zusammenzulegen um die TUI richtig vorzuführen. Das sprach sich schnell herum (obwohl Alltours nie im Leben daran dachte, etwas Gemeinsames mit Thomas Cook zu machen und schon gar nicht unter deren Führung). Da bekamen die abtrünnigen TUI Produkte aber ziemlich kalte Füße und sprangen schnell in die TUI-Kataloge zurück. Und der TUI-Chef war auch gar nicht mehr böse und meinte nur „so etwas darf aber nicht wieder vorkommen“. Das bejahten die TUI Produkte artig und überlegten zugleich, wie und wann sie wieder ausbüchsen könnten.

Wären Politiker Airline-Chefs, dann ginge es wohl so zu:
Aufregung in der Condor-Hauptverwaltung. Der neue Polit-Airline-Boss hat als Umsatzerhöhungsmaßnahme beschlossen, die Preise durchgehend um 20 bis 50 Euro zu erhöhen. Und damit das schön aussieht, nennt er diesen Zuschlag Öko-Zuschlag. Seine Kollegen protestieren heftig, denn da die anderen Airlines das nicht machen, würden die Kunden zu diesen abwandern und am Ende wäre noch weniger Geld in der Kasse. Schließlich kenne man Beispiele von holländischen Airlines wo diese Nummer total in die Hose ging. Ja wenn das so ist, sagte der Polit-Airline-Boss, dann lasse ich das Öko-Label einfach weg, aber den Zuschlag verlange ich trotzdem. Jetzt mache ich es abhängig vom Flugtarif und als soziale Komponente müssen jene, die den höchsten Preis zahlen, keinen Zuschlag berappen! Das wäre doch mehr als gerecht. (zur Erläuterung für Nicht-Airliner: Die Höhe der geplanten Luftverkehrsabgabe soll sich danach richten ob man First, Business oder Eco fliegt. Millionäre die mit ihrem eigenen Flugzeug fliegen, sollen keine Luftverkehrsabgabe zahlen. Ist doch sozial ausgewogen, oder?)

Wären Politiker Chefs von Hotelketten, dann ginge es wohl so zu:
Aufregung in der Steigenberger-Hauptverwaltung. Der neue Polit-Hotel-Boss ändert täglich seine Meinung, wie und wieso und warum und wie hoch man die Mehrwertsteuer auf die Preise berechnen soll. Zuerst beschloss er in einer Nacht- und Nebel-Aktion, den Mehrwertsteuersatz zu halbieren, schließlich mache das die Konkurrenz im Ausland ebenso. Als endlich alle im Unternehmen kapiert hatten, welche Chancen darin liegen würden und entsprechende Investitionen starteten, konnte sich der Polit-Hotel-Boss plötzlich nicht mehr erinnern, warum und ob überhaupt er diese Anweisung gegeben hatte. Seine Claqueure im Planungsstab des Unternehmens schrieen noch lauter „die Mehrwertsteuer muss wieder hoch“. Die Manager der einzelnen Hotels waren fassungslos und fragten und „woher bekommen wir nun das Geld, das wir in Investitionen gesteckt haben“. Da lacht der Polit-Hotel-Boss nur kurz und sagt „selbst schuld, warum habt ihr mir auch vertraut“.

Und wo ist die Moral von der Geschichte? Die gibt es zwar nicht, aber die BBBs haben da so eine Idee.

Da haben doch zwei „Starpolitiker“, namens Peter Trapp, innerpolitischer Sprecher der Berliner CDU, und Markus Ferber, Chef der CSU-Europagruppe, doch tatsächlich gefordert, einen IQ-Test für Zuwanderer einzuführen. Die Bissigen Bemerkungen werden jetzt eine Initiative starten „Ja zum IQ-Test für Zuwanderer, wenn es den gleichen Test auch als IQ-Test für Abgeordnete gibt“. Letzteres natürlich nicht nur für neue Abgeordnete, sondern auch für die aktuellen Abgeordneten. Klasse Doppel-Effekt: Die größten Pfeifen wären weg und das Parlament nur noch halb so groß.

Ach ist das schön.
Dass ich das für möglich halte, muss wohl mit der Hitze zusammen hängen.
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Im Reiseradio (unter www.reiseradio.org ) äußert sich diese Woche u.a. Griechenlands Vizeminister Georgios Nikitiadis selbstkritisch über die Zukunft des Griechenland-Tourismus. Des Weiteren geht es auch um die richtige Reiseapotheke. Zwischen beiden Themen besteht aber kein Zusammenhang.
In den akustischen Bissigen Bemerkungen wird abgelästert über den Werbespot der russischen Fluggesellschaft Avianova und warum dieser eher sexistische Werbespot von der Branche so oft geklickt wurde. Neben den üblichen Aufregern gibt es noch tiefsinnige Betrachtungen zur Nachricht “Krokodil frisst Hai” und darf man Hai überhaupt essen. Merke, nicht jeder Hai steht unter Naturschutz (siehe Finanzhai).
Kleiner Hinweis für jene, die gefragt hatten, ob man auch zuerst die BBBs und dann die anderen Beiträge hören könne. Antwort: Das ist jedem selbst überlassen.

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4:1. Klasse!

Die Engländer haben zwei wichtige Dinge erfunden: den preiswerten Massentourismus und den Fußball. Während beim Tourismus die Deutschen (unverständlicherweise) den Engländern noch das Gefühl geben sie hätten in London mehr Ahnung vom Tourismus als in Deutschland, ist im Fußball die neue Ordnung hergestellt.
Beweis:
Am 29.6.2009 wurde Deutschlands U21 Fußball-Europameister mit 4:0 gegen England.
Fast auf den Tag genau ein Jahr später gewinnt Deutschland das WM-Achtelfinale gegen England mit 4:1.
Dazwischen, am 10.9.2009, wurden Deutschlands Fußballfrauen Europameister gegen England mit 6.2.

Liebe BBB-Leser, denkt Ihr der Deutsche Fußballbund käme nun auf die Idee seine Zentrale von Frankfurt nach London zu verlegen? (zum Verstehen dieser Frage siehe die Bissigen Bemerkungen vom 8.1.2007 „Endlich aufgedeckt: Die Geschichte vom Trojanischen Pferd beim Kauf britischer Touristikfirmen“).

Und wenn wir gerade bei Fußball und Tourismus sind: Die „Onliner“ wollen immer so kreativ sein, aber die Werbung von „Ab-in-den-Urlaub-de“ mit Michael Ballack ist wohl die langweiligste Werbung seit langem. Dagegen wirken Jogi Löw und früher Rudi Völler direkt spritzig.

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Der Reiseradio www.reiseradio.org ist diese Woche sehr TUI geprägt. Dr. Böttcher lobt die Pauschalreise (haben die Veranstalter lange vernachlässigt) und erklärt die Sonnengarantie. Karl Pojer erläutert die Erfolgsstory von Fleesensee und Airtours-Chefin Feld-Türkis stellt vor was sie unter neuem Luxus versteht.
In den akustischen Bissigen Bemerkungen geht es darum wie man sich ein besseres Zimmer im Hotel herbei „tweeten“ kann und wird über den Niedergang eines Luxushotels gelästert. Außerdem geht es um den Mut (oder Selbstbewusstsein?) von Frau Feld-Türkis, ihre persönliche Email-Adresse allen Airtours-Kunden bekannt zu geben.

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Die Mitarbeiter in den Servicecentern schuften sich kaputt, aber in den Amtsstuben liegt Asche auf den Schreibtischen

Leider kam schon in 2008 Unangenehmes aus Island. Der Zusammenbruch der drei größten isländischen Banken Kaupthing, Landsbanki und Glitnir stürzte das internationale Finanzwesen in zusätzlichen Trouble. Der Schuldenberg dieser drei Banken betrug das Zehnfache der isländischen Wirtschaftsleistung.
Jetzt brachte die Aschewolke des isländischen Vulkans mit dem unaussprechlichen Namen Eyjafjallajökull europaweit den Luftverkehr zum Erliegen.
Aber über den Gag der letzten Tage „erst verbrennen sie unser Geld, dann schicken sie uns frecherweise auch noch die Asche zurück“ kann man inzwischen nicht mehr lachen. Zu ernst ist die wirtschaftliche Situation für Fluggesellschaften, Reiseveranstalter, sogar für die gesamte Wirtschaft geworden.

Jetzt würde man naiverweise denken, alle bemühten sich mit äußersten Anstrengungen um Problemlösung bzw. Problemminderung. Weit gefehlt. Während die Mitarbeiter der ServiceCenter von Fluggesellschaften und Reiseveranstalter das ganze Wochenende bis fast zum Umfallen einen tollen Job für Ihre Gesellschaften und ihre Kunden machten, wofür man nur ein ganz großes Kompliment aussprechen kann (gleiches gilt für die Operationszentralen, Flughafenstationen, Presseabteilungen, Reisebüros und die Mitarbeiter in den Zielgebieten und von anderen Transportgesellschaften), war in verschiedenen Amtstuben für Vulkanasche kein Platz mehr, weil da ohnehin schon der Mehltau von Jahrzehnten die Schreibtische überdeckt. Man versteckt sich hinter einer britischen Computersimulation ohne eigene originäre Messdaten zu erheben. Gründe hierfür:
1. Das Forschungsflugzeug des Deutschen Luft- und Raumfahrtzentrums ist bislang nicht einsatzbereit, da die entsprechenden Messgeräte erst eingebaut werden müssen. Dafür braucht das Zentrum mehrere Tage!! Gestartet werden soll nun am Montag, wahrscheinlich mit Beginn der regulären Arbeitszeit..
2. Von den sechs Lasermessgeräten des deutschen Wetterdienstes ist zur Zeit nur eines in München einsatzbereit, fünf andere Geräte befinden sich gleichzeitig in Wartung. Dies ist kein Scherz, sondern bittere Wahrheit.

Die Luftfahrtgesellschaften haben auf dieses behördliche Nichtstun selbst reagiert. Lufthansa berichtet von insgesamt 10 Überführungsflügen in unterschiedlichen Flughöhen ohne jegliche Probleme. Teilweise wurden an den Triebwerken vor dem Start neue Metallteile angebracht um schon geringste Aschebestandteile feststellen zu können. Alles ohne jeden Befund.
Auch die zweitgrößte Fluggesellschaft Air Berlin hat entsprechende Erfahrungen mit gleichem negativem Ergebnis gesammelt. Auf einem der Flüge war sogar Air Berlin-Chef Achim Hunold persönlich an Bord um das Engagement der Airline und die Zuverlässigkeit in besonderer Weise zu demonstrieren.
Auch KLM, AUA und andere Airlines haben Flüge durchgeführt, mit exakt dem gleichen Ergebnis.
Ebenso flog Niki Lauda, ein anerkannter Luftfahrtexperte, am Sonntag demonstrativ selbst. Im Interview danach verwies er auf den von offizieller Seite zitierten Vorfall in Indonesien, der über 20 Jahre zurück liege. Die Triebwerke von damals seien aber mit der heutigen Generation nicht vergleichbar. Mit den Triebwerksherstellern habe aber keine Luftfahrtbehörde gesprochen.
Dies alles interessiert die Entscheidungsträger offensichtlich nicht.

Am unerträglichsten war bisher das Interview mit Verkehrsminister Ramsauer nach der sonntäglichen Tagesschau. Die Arroganz dieses Menschen war schlicht zum Kotzen. Entschuldigung für diesen Ausdruck, alles andere wäre eine Verniedlichung des Erlebten. Auf den Vorhalt des Pressedirektors der Lufthansa an Ramsauer, warum das Ministerium bislang keine eigenen Messdaten erhoben habe, reagierte Ramsauer mit einer unglaublichen Polemik. Er warf Lufthansa vor, dass dort Profitstreben vor Sicherheit ginge und im Übrigen sei er gewohnt nur mit Lufthansa-Chef Mayrhuber zu sprechen.
Angesichts der unmittelbaren Gefahr nicht nur für die Luftfahrt- und Tourismusunternehmen, sondern für die gesamt Wirtschaft, hätte man sich zudem auch ein Engagement von Wirtschaftsminister Brüderle gewünscht. Pech gehabt, auch abgetaucht, wie zumeist.

Deshalb wollen die Bissigen Bemerkungen an dieser Stelle auch mal so richtig polemisch werden: Ein Land das sich einen Verkehrsminister wie Ramsauer und einen Wirtschaftsminister wie Brüderle glaubt leisten zu können (man könnte getrost noch die Bundesbildungsministerin hinzufügen), braucht eigentlich keine Naturkatastrophen mehr.

Den letzten Gag leistete sich am Sonntagabend die deutsche Flugsicherung, die für einige Flughäfen für wenige Stunden den Luftraum öffnete (wahrscheinlich als kleines Goodie unter dem medialen Druck der Fluggesellschaften). Abenteuerlich aber die offizielle Begründung „es habe sich ein Schlupfloch in der Asche-Wolke aufgetan“. Wie sie das festgestellt hat, wird wohl auch ein Geheimnis der Behörde bleiben.

Zum Abschluss und Aufmunterung für die leidgeprüften Mitarbeiter in der Touristik noch zwei kleine Geschichten:
Ein Freund von mir, der eine Reise bei Neckermann gebucht hatte (solche Freunde habe ich auch), rief mich fassungslos am Samstagnachmittag an. Sein Reisebüro in Mönchengladbach (ein sog. unabhängiges Reisebüro, d.h. keiner Kooperation oder Kette angehörend) habe ihm auf seinen Umbuchungswunsch die Auskunft gegeben, das könne er nur am Flughafen direkt machen und er müsse dort mit Gepäck erscheinen um seine Reiseabsicht zu demonstrieren. Echt kein Scherz! Und Frank Elstner bzw. Guido Cantz standen auch nicht als Erklärung zur Verfügung. Mein Freund rief dann direkt beim Neckermann ServiceCenter an. Nach minutelanger Wartezeit (absolut angemessen für diesen Tag), bestätigte man ihm, dass das Reisebüro in der Tat um 11.00 Uhr angerufen hätte, aber den Inhalt des Gespräches konnte man nicht bestätigen. Natürlich wurde mein Freund sofort telefonisch wie gewünscht auf einen späteren Termin umgebucht.

Und noch den zweiten Schmunzler in diesen harten Zeiten. Am Flughafen Köln/Bonn waren alle Geschäfte geschlossen, bis auf zwei: ein Lebensmittelmarkt und ein Sex-Shop hatten geöffnet. Damit konnten wenigstens die letzten Grundbedürfnisse der verhinderten Touristen gestillt werden.

Und eines konnte man auch noch machen. Am Samstag den Halbmarathon rund um den Airport Hannover laufen. Und hier die Erfolgsmeldung: ich habe meinen ersten Halbmarathon mit Erfolg und in der anvisierten Zeit absolviert. Ich hatte ja bis zuletzt mit einer Absage gerechnet, „wegen zuviel Asche auf der Laufstrecke“. Aber das einzige was meine Schuhe aufwirbelten, war ganz ordinärer Straßenstaub.

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Weihnachtlicher Wunschzettel

Die Vorweihnachtszeit ist auch die Zeit der weihnachtlichen Wunschzettel. Da sind unsere Tourismus-Manager nicht ausgenommen. Einer soll es mit seinem Wunschzettel so sehr übertrieben haben, dass er Zoff mit dem Weihnachtsmann bekommen habe: Manny Fontenla-Novoa, Oberboss von Thomas Cook. Zuerst wünschte er sich einige Firmen in Russland, dann auch noch einige Firmen in China. Dann wünschte er sich REWE, danach sollte es Öger sein, oder sonst eine schnucklige Firma in Deutschland oder in Europa oder sonst wo. „Stopp“, soll da der Weihnachtsmann gerufen haben, „überlege Dir mal was Du wirklich willst, sonst überstrapazierst Du meine Nerven“. Angeblich soll der Weihnachtsmann noch gegrummelt haben „der Typ ist gerade selbst einem Notverkauf entronnen und haut jetzt so auf die Pauke“.

Wünsche bleiben in dieser Brache ja nicht geheim. Kaum hatte Manny seine Wunschliste hinausposaunt, kamen auch schon die Absagen en masse angeflattert: REWE: „Nicht mit uns“, Öger „auf keinen Fall, ein Lebedew-Erlebnis reicht mir“. Selbst FTI, die gar nichts auf Mannys Wunschliste standen, sagte vorsorglich mal ab. Allein Verhuven soll sauer gewesen sein, weil er nicht gewünscht war.

REWE und Thomas Cook sind ohnehin eine besondere Story. Denn vor längerer Zeit wollte (angeblich) Rewe schon Thomas Cook kaufen, jetzt will Thomas Cook Rewe kaufen. Wäre das nicht eine echte Weihnachtsstory wenn die beiden, wie auch immer über Strohfirmen oder so, sich gleichzeitig gegenseitig kaufen würden? Das Management-Liebesgeflüster unter dem Weihnachtsbaum „Ich habe mich Dir geschenkt und Du hast Dich mir geschenkt“, das hätte doch was. Nur kann man sich Liebesgeflüster zwischen Fiebig und Fontenla-Novoa nicht so richtig vorstellen.

Und dann ist da noch das Geschenk Aldiana. Na ja, ob das ein Geschenk ist, wollen wir dahingestellt lassen. Aldiana künftig mehrheitlich bei REWE? Und der neue REWE-Chef heißt Sören Hartmann, ex-Boss von Robinson. Das kann er sich nicht gewünscht haben.

Die TUI ist diese Weihnachten etwas bescheidener. So eine kleine süße Reisebüro-Kette wie Reiseland, das wäre ihr großer Wunsch. Ja, man ist bescheiden geworden bei TUI. Man will sich schließlich keinen Malus vom Weihnachtsmann einhandeln, wegen nicht erfüllbarer Wünsche. Allerdings soll TUI-Chef Frenzel an den Rand des Wunschzettels geschrieben haben: „Lieber Weihnachtsmann, danke für die vielen Großaktionäre, die du mir jedes Jahr, trotz miesem Aktienkurs, aufs Neue schenkst. Ich wünsche mir diesmal keinen zusätzlichen Aktionär, ich möchte nur einen umtauschen. Dieser Wikinger geht mir auf den Geist. Tausche ihn bitte um. In meiner Bescheidenheit wäre ich als Ersatz auch mit Kleinaktionären zufrieden, muss kein neuer Großaktionär sein“.

Manche Wunschzettel rufen beim Weihnachtsmann auch großes Gelächter hervor. So schrieb der Landrat des Landkreises Altenburg-Land, dort liegt der Flughafen Altenburg, einen besonders lustigen Text auf seinen Wunschzettel. Übrigens, falls Sie liebe BBB-Leserinnen und Leser diesen Flughafen nicht kennen sollten, ist das keine Schande, geht vielen so. Also, besagter Landrat schrieb auf seinen Wunschzettel (kein Scherz, leider): „Ich wünsche mir für meinen Flughafen Altenburg viele internationale Investoren. Ich denke, dass ein Airport Made in Germany, der eine mittelfristig gute Geldanlage sein wird, international auf Interesse stoßen wird“. Nachdem der Weihnachtsmann wieder zu lachen aufgehört hatte schrieb er zurück: „Landrat und Flughafen, die so bescheuert sind, einer irischen Fluggesellschaft 670.000 Euro Marketingzuschuss zu zahlen, nur damit diese ein bisschen von Altenburg nach Alicante fliegt, haben bei mir keine Wünsche frei. Lest mal nach was ein Kasseler Stadtverordneter zu diesem Thema gesagt hat“.
Da haben die BBBs doch gleich mal gegoogelt. Dieser Stadtverordneter sagte, bei einer ähnlichen Diskussion über den Flughafen Kassel Calden: „Ein Flughafen an jeder Mülltonne ist nicht nur ökologischer, sondern vor allem ökonomischer Unfug“. „Es kann ja auch mal einer von den Linken recht haben“, meinte dazu der Weihnachtsmann.

Übrigens ist ein Wunsch schon in Erfüllung gegangen. Der neue Berliner Großflughafen soll „Willy-Brandt-Airport“ heißen. Ratet mal, wer sich das gewünscht hat.

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“Lufthansa wird airberliniger” und andere Überraschungen

Manchmal gibt es Wochen, da weiß man mangels echtem Knaller wirklich nicht, worüber die Bissigen Bemerkungen berichten sollen (siehe BBB vom 9.2.09 „Albträume in einer Vollmondnacht“). Dann gibt es glücklicherweise wieder Wochen wie diese, da könnte man vor Freude gleich mehrfach zubeißen.

Eine kleine Auswahl gefällig?
1. Fusion von British Airways und Iberia: „Wenn zu einer Behinderung noch eine zweite dazu kommt, wird man nicht gesünder“ oder noch besser „Zwei Flügellahme wollen Jumbo werden“.
2. Angeblich kippt die Steuerermäßigung für Hotels: Das wäre fast Höchststrafe für einen Branchen-Doppelfehler. Zum einen hat sie extrem übertrieben ein nur zur Hälfte gehaltenes Wahlversprechen bejubelt (versprochen waren Steuerermäßigungen für Hotels „und“ Gastronomie). Zum anderen hat sie lauthals einen eigenen Wortbruch verkündet, nämlich die Steuerermäßigung nicht als „dringend notwendige Preisermäßigung“ weitergeben zu wollen, sondern „dringend notwendig für sich zu behalten“ (wofür auch immer).
3. Die Bundesregierung will mal wieder Streber sein und als erstes Land eine neue EU-Richtlinie umsetzen: Steuer auf das Essen im Flugzeug. Bei dem mageren derzeitigen Angebot an Bord kann da nicht viel Steuer anfallen.
4. TUI bietet Schönheits-OPs auf Reisen an und hat erfreulicherweise damit bei sich selbst angefangen: Malus verbessert, mehr Kapazitäten versprochen, Preise gesenkt, mehr „Extrawürste“ eingeführt und das ganze auch noch emotionaler verpackt. Wenn jetzt die Buchungstechnik noch stimmen sollte, wäre das alles eine „schlechte Nachricht“ für einige Reisebüros: Sie bräuchten ein neues Feindbild.

Aber der wirkliche Hammer der Woche war die Überschrift „Lufthansa wird airberliniger“ in Spiegel online. Da wird die Lufthansa-Presseabteilung beim Lesen ziemlich geschluckt haben, das war schon ein kleiner Kommunikationsgau. Aber auch inhaltlich kann dieser Ansatz, zumindest wenn er auch so gemeint sein sollte, nicht aufgehen. Alte BWL-Weisheit: „Wenn man die Konkurrenz kopieren will, macht dies nur Sinn, wenn die Kopie besser wird als das Original“. Wenn man das nicht kann, dann sollte man sich auf seine Stärken besinnen und diese intensivieren.
Kommentar eines Militär erfahrenen BBB-Lesers: „Nie auf das Schlachtfeld begeben, das der Gegner gewählt hat“. Und ein anderer BBB-Freund, mehr Fußball erfahren und offensichtlich auch sonst noch bewandert, gab den Hinweis: „Vermeide Auswärtsspiele (außer in der Liebe)“.

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Wird Sonja Christ Tourismusbeauftragte der Bundesregierung?

Was, Sie kennen Sonja Christ nicht? Das ist aber schade. Frau Christ ist eine sehr attraktive und sympathische junge Dame. Was Sie für den Job „Tourismusbeauftragte der Bundesregierung“ qualifizieren könnte? Dann bringen wir mal 1 + 1 zusammen:

1. Sonja Christ ist die aktuelle deutsche Weinkönigin und sie stammt aus Rheinland-Pfalz. Diese Tatsache ist immerhin so bedeutend, dass sie gerade aktuell auf der offiziellen Homepage der Landesregierung Rheinland-Pfalz veröffentlicht wurde.

2. Neuer Bundeswirtschaftsminister wird Rainer Brüderle (nicht stöhnen, ist halt so beschlossen worden). Und der Bundeswirtschaftsminister bestimmt den oder die Tourismusbeauftragte/n der Bundesregierung.

Jetzt zählen wir zusammen:
Brüderle hat einen irren Faible für Weinköniginnen. Als er noch Wirtschaftsminister von Rheinland-Pfalz war, hatte er mehr als deutlich gemacht, wofür er in erster Linie Wirtschaftsminister sei: für Weinbau und die Weinköniginnen. Aus dieser Zeit hält er noch immer einen Weltrekord (siehe Guinness Buch der Rekorde): Im Februar 1996 lies er sich mit 1.368 amtierenden und ehemaligen Weinköniginnen fotografieren. Er mietete dafür extra die Rheingoldhalle in Mainz an. Angeblich hat er jede der Weinköniginnen geküsst. Kostenpunkt für den Steuerzahler schlappe 80.000 Euro.
Ok, es gibt Schlimmeres. Zum Beispiel seine Rede im Rahmen der Ordensverleihung wider den tierischen Ernst im Jahr 2007. Legendär seine Bitte zu seiner Rede, nachdem er mit viel Mühe, langweilig und stets falscher Betonung alles aus dem Manuskript abgelesen hatte und niemand im Saal mehr zuhörte, „Hat etwas Beifall verdient, war nämlich gut“.

Aber wenn du denkst es geht nicht mehr, kommt von irgendwo ein Lichtlein her. Neuer Staatssekretär im Bundeswirtschaftsministerium, mit Zuständigkeit u.a. für Tourismus, soll Ernst Burgbacher (FDP) werden. Und der hat Ahnung. Da können sich die Touristiker wenigstens mal freuen.

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Insbesondere der „Aufstand“ der Reisebürovertreter auf der RTK-Tagung in Dresden hat wohl Wirkung gezeigt. TUI bessert die Malus-Regelung nach. Prima, geht doch, so kann sie (für dieses Jahr) bleiben, jetzt ist sie ausgewogen. Man muss es der TUI nur richtig erklären. Oder müssen öfters mal „Nicht-Verkäufer“ zu einem Reisebüro-Tag kommen?
Bei dieser Gelegenheit Kompliment für den neuen Airtours-Auftritt. „Neben der eigentlichen Information für generelle Reiselust sorgen“, eine stete generelle Forderung der Bissigen Bemerkungen an die Branche. Hier erfüllt. Danke.

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Vormarsch der Flatrates fast nicht mehr zu bremsen

All-You-Can-Eat war wohl die erste Flatrate und wurde später zu All-Inclusive. Wie ernst letzteres zu nehmen ist, variiert von Anbieter zu Anbieter nicht unbeträchtlich. Dann wirbelten die Mobiltelefon-Anbieter mit verschiedenen Flatrates den Markt auf, Allerdings hatten fast alle irgendwo im „Kleingedruckten“ eine Einschränkung, die ein zu intensives Nutzen der Flatrate einschränkten. In jüngerer Zeit machten zwei andere Flatrates von sich reden. Zum einen die berüchtigte Flatrate All-You-Can-Drink, bei Jugendlichen bekannter unter der Bezeichnung Koma-Saufen. Ein Preis und rein mit Alkohol was geht. Die Beschränkung setzt hier allerdings nicht der Anbieter (was in diesem Falle sinnvoll wäre), sondern der eigene Körper. Vor zwei Wochen wurde die Flatrate im Bordell zur Schlagzeile in den Gazetten. Das All-You-Can-…. (sie wissen schon) führte zu lauten Protesten der Politik. Die Einschränkungen sind hier wohl ähnlich wie beim All-You-Can-Drink zu sehen.
Und jetzt, man glaubt es kaum, gibt es die erste All-You.Can-Fly-Aktion. Einmal zahlen und man darf in einem Monat so oft fliegen wie man will (kann). Anbieter ist Jet Blue, ein amerikanischer Billigflieger, an dem u.a. Lufthansa beteiligt ist. Schau mal an, unsere Lufthansa, nach Schönwettergarantie jetzt auch noch All-You-Can-Fly. Da geht ja richtig die Post ab.

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Nachtrag 1: Vielen Dank für die vielen persönlichen Emails zu den Bissigen Bemerkungen von letzter Woche. Wenn ich alle angebotenen Läufe annehmen würde, wäre die Begrenzung nur All-You-Can-Run.

Nachtrag 2: Ein anderer Leser meinte, ob immer nur „Beißen“ nicht langweilig würde, man könnte doch auch mal etwas loben. Antwort: a) Beißen ist mir überhaupt nicht langweilig und b) Loben könnte man tatsächlich das überraschende TUI-Angebot „100 Reisen für Schnellbucher nach Jamaika zum Preis von 958 Euro“, angelehnt an den 100m-Weltrekord von Usain Bolt in 9,58 Sekunden. Tja, unsere „Großen“ werden plötzlich kreativ.
TUI hat ja auch die kultige “Olivias Safari Tour” mit Drag Queen Olivia Jones über die schärfsten Ecken von St. Pauli im Programm. Übliche Begrüßung der Touristen durch Olivia Jones “So, Ihr Mäuse und Hasen, jetzt lade ich Euch mal zu einem Schnäpschen ein, damit Ihr untenrum lockerer werdet”. Von Zeit zu Zeit muss man auch seine Vorurteile neu justieren.

Nachtrag 3: Eigentlich wollten wir hier einen bestimmten Namen nicht mehr erwähnen (tun wir auch nicht), aber die Kritik des Arcandor-Insolvenzverwalters an der Leistung des früheren Arcandor-Vorstandes (Sie kennen den Namen) ist so außergewöhnlich vernichtend, dass sie quasi als Warnung für andere hier präsentiert werden soll. Zitat: „Wir haben mit der Lupe nach Substanz in diesem Unternehmen gesucht, aber wir haben nichts Nennenswertes gefunden. In diesem Hause gibt es wirklich nichts, was nicht anderen Leuten gehört. Es ist dem Vorstand erstaunlich lange gelungen, den Staub aus den Ecken zu kehren und auch den noch zu Liquidität zu machen.“. Wenn es aber um die persönliche Eitelkeit ging, war kein Staubkehren angesagt. Nochmals Zitat des Insolvenzverwalters: „Der dienstliche Aufwand des Vorstandsvorsitzenden war sehr hoch, Jedenfalls sehr hoch für ein Unternehmen in der wirtschaftlichen Verfassung wie Arcandor.“.
In einem solchen Fall, da möchten die BBB soviel beißen, das geht nur mit einer Flatrate zum Beißen (All-You-Can-Bite).

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Nackt hilft?

Werden die wirtschaftlichen Zeiten härter, muss man zu außergewöhnlichen Mitteln greifen. Das dachte sich auch die Fluggesellschaft Air New Zealand und präsentiert ihre Flugbegleiter nackt. Halt, halt, nicht gleich zum Buchen eilen. Vorerst gibt es das ganze nur im Film.

Wobei nicht nur der Film, sondern auch die damit verbundene Marketing-Botschaft ein Volltreffer ist. „Nothing to hide“ – „nichts zu verbergen“, soll signalisieren, dass es bei Air New Zealand keine versteckten Gebühren gibt. Um zu zeigen, dass sie wirklich nichts zu verbergen haben, legten Rob Fye, CEO von Air New Zealand, und neun Mitarbeiter ihre Kleider ab. Allerdings sollte man die Bezeichnung „Nackt“ etwas präzisieren. Sie sind zwar nackt, aber in Body-paint-Uniformen (wer es genau wissen will, kann sich über YouTube informieren).
Da können sich einige Billig-Airlines, die gerade wieder Abmahnungen wegen allerlei Gebühren-Tricks kassiert haben, ein Beispiel nehmen (gerne in jeder Hinsicht).

Und da die ganze Geschichte ein Riesen-Marketingerfolg war, nutze die Airline den Rückenwind und drehte gleich noch ein ähnliches Video. Hier tauscht das Bordpersonal wiederum ihre Kleider gegen Body-Paint-Uniformen, um auf die sicherheitsrelevanten Verhaltensweisen aufmerksam zu machen. Dieses Video gibt es glücklicherweise nicht nur bei YouTube, sondern auch an Bord der Airline zu sehen.

Es ist durchaus denkbar, dass man zum Thema Nacktsein künftig eine, sagen wir mal modifizierte Einstellung brauchen könnte. Krise und Nacktsein haben ja beide mit „wenig haben“ zu tun. Im englischen Newcastle war in einer Marketingagentur die Stimmung wegen Wirtschaftskrise allgemein und dadurch erfolgten ersten Entlassungen im Besonderen ziemlich mies. Da hatte der von der Firma engagierte Arbeitspsychologe die Idee einen „Nackten Freitag“ einzuführen, bei dem die Belegschaft freiwillig mehr oder weniger hüllenlos arbeitet, um so Moral (?) und Teamgeist (!) zu stärken. Im Prinzip eine Steigerung des in einigen Firmen bereits praktizierten „Casual Friday“.
Dem folgte in der Tat fast die gesamte Belegschaft und damit „seien Barrieren beseitig“ worden. Leider wurde nicht mitgeteilt, ob sich auch die Wirtschaftskrise von diesem Experiment beeindrucken ließ.

Kleine Empfehlung für arbeitende Leser/-innen der BBB. Bevor Sie dieses Experiment zur Nachahmung vorschlagen, versuchen Sie doch zuerst durch „dezentes“ Umsehen mal abzuklären, wie erfolgreich eine solche Aktion im eigenen Büro sein könnte. Inwieweit bestimmte Personen motivierend oder genau entgegengesetzt auf Sie wirken könnten. Sicherheitshalber sollten Sie aber auch darüber nachdenken, wem Sie Ihre Erkenntnisse mitteilen möchten.

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Nachtrag zu letzter Woche:
Die Geschichte „United Breaks Guitar“ ist von vielen BBB-Freunden direkt an die jeweilige Firmen-Beschwerdeabteilung zwecks Lernerfolg weitergeleitet worden. Das war auch so beabsichtigt. Bleibt nachzutragen, dass die Band „sons of maxwell“ in bayrischen Reisebüros ziemlich bekannt sein müsste. In den Jahren 1999, 2002 und 2005 hatte TUI diese damals noch weniger bekannte Band im Rahmen von Katalogpräsentationen engagiert. Inwiefern sich daraus besondere Auswirkungen auf das Beschwerdemanagement der TUI ergeben haben, ist im Moment leider nicht überliefert.

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