21. Sep 2008
Der Preis „Travel Industry Manager des Jahres“ soll sich zum Oscar der Reisebranche entwickeln. Damit sollen nicht nur individuelle Spitzenleistungen ausgezeichnet werden, sondern der Branche selbst noch mehr Aufmerksamkeit in der Öffentlichkeit gegeben werden.
Dieser Schuss ging bei der diesjährigen Verleihung allerdings kräftig nach hinten los.
Die Hauptschuld lag an den teilnehmenden 350 Spitzenmanager und –managerinnen der Branche. Der Auftritt der Branche kann an diesem Abend nur als peinlich bezeichnet werden. Als Keynote Speaker war mit FAZ-Herausgeber Frank Schirrmacher, ein Spitzenredner verpflichtet worden, der in unzähligen Auftritten bei Events verschiedener Branchen begeistert hat. Sein Thema „Demografischer Wandel“ ist nicht nur allgemein von besonderem Interesse, für die Reiseindustrie ist es eines der bedeutendsten Themen hinsichtlich künftiger Strategien. So wenig Aufmerksamkeit wie an diesem Abend dürfte ihm allerdings noch nie ein Publikum entgegengebracht haben. Die Hälfte der Anwesenden quatschte nämlich während der Rede von Schirrmacher munter weiter. Es war offensichtlich, dass der Redner angesichts dieses Lärmpegels seine Rede abkürzte.
Während fvw.de im Bericht über die Veranstaltung noch höflich formulierte „Schade, dass es ein Großteil der Gäste wenig interessierte. Sie beschäftigten sich während der Veranstaltung mit sich selbst. Es ist eben eine kommunikative Branche“, leisten sich die Bissigen Bemerkungen eine treffendere Bezeichnung: Es war eine absolute Ungezogenheit, was sich hier ein großer Teil der Anwesenden herausnahm. Jede Schulklasse wäre für ein solches Verhalten von ihren Lehrern zusammengefaltet worden. Und man möge sich vorstellen, wie diese Spitzenmanager bei einer eigenen Rede vor ihren Mitarbeiter reagieren würden, wenn diese das gleiche Verhalten zeigen würden.
Ebenso uninteressiert zeigte sich das Publikum bei der Verleihung der Preise an ihre Besten, nach dem Motto „wenn ich den Preis nicht bekomme, interessiert es mich auch nicht wenn ihn andere bekommen“. Da sollte man sich mal die Verleihungen diverser Filmpreise ansehen, wie hier das Publikum den siegenden Kollegen eine außergewöhnliche positive Referenz erweist.
Was kann man daraus für das nächste Mal lernen? Die Veranstaltung darf nicht vor stehendem, sondern muss vor sitzendem Publikum stattfinden. Die Zeitdauer der Verleihung war in Ordnung. Danach kann man dann an einen anderen Ort „zur Kommunikation“ wechseln. Im Zweifel kann man sich bei Karlheinz Kögel erkundigen, wie er genau so seinen Medienpreis organisiert.
Auch die Moderation der Preisverleihung hatte noch deutlichen Spielraum nach oben.
Bleiben noch die Gewinner nachzutragen:
Lufthansa Chef Mayrhuber wurde zum besten „Travel Industry Manager“ gewählt. Wybcke Meier von Öger gewann in der Kategorie „Vertrieb und Marketing“. In der Kategorie „Business Travel Manager“ kam Lutz Stammnitz auf Platz 1. Und zur „Best Campaign“ wurde die TUIfly-Kampagne “Willkommen an Bord” gewählt. Zumindest in diesen Punkten konnte man feststellen: Alles bestens.
Bleibt der übliche Trost:Die Idee ist unverändert richtig. Am 14. September 2009 kann es nur besser werden. Muss es aber auch. Ein „bisschen Benehmen“ kann auch Spitzen-Touristiker nicht schaden.
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2. Mrz 2008
Die Interviews von Alltours-Chef Verhuven unmittelbar vor jeder ITB sind immer wieder ein Quell reiner Freude. Im Zentrum seiner Kritik steht zumeist sein langjähriger Flugpartner Air Berlin.
Einmal verkündete er „„Die Lockvogel-Angebote der Low-Cost-Carrier sind umweltpolitisch absolut verantwortungslos und obendrein kaufmännisch unseriös“. Ein anderes Mal schimpfte er über die „unseriöse“ Preispolitik von Air Berlin gegenüber den Veranstaltern. Im letzten Jahr forderte er aus ökologischen Gründen sogar „Mindestpreise pro Flugstunde“ und verdammte die Billigfliegerei. “Ausgerechnet Verhuven“ stöhnten da seine Partner, gilt „Willi“ doch als einer der härtesten Preis-Verhandlungspartner.
In diesem Jahr erleben wir wieder den „Preis-Verhuven“. „Wenn Air Berlin vorhaben sollte, an der Preisschraube (nach Übernahme von Condor) zu drehen wird das nicht gelingen“, so seine klare Ansage. Für diesen Fall könne er sich „auch die Gründung einer eigenen Fluggesellschaft vorstellen“. Da haben wir doch unser ITB-Flugthema.
Und zuzutrauen wäre ihm das allemal. Schließlich hat er als einer der letzten Verfechter der reinen Pauschalreise-Lehre vor kurzem das „Dynamic-Packaging“ Angebot byebye auf den Markt gebracht. Warum sollte er nicht auch noch die passenden Flüge dazustellen? Und einen Namen für das entsprechende Internetangebot haben die BBBs auch schon: „fly and byebye“.
Natürlich könnte er für diese Überlegungen auch wieder dezent bei TUIfly anklopfen, die er vor einem Jahr (auch kurz vor der ITB) medienwirksam aus seinem Programm geworfen hatte. Aber in Hannover scheint es neben den Verhandlungen mit Germanwings wohl noch eine andere Alternative zu geben. Wie ist es sonst zu verstehen, dass in einer Stellenanzeige von TUIfly (von diesem Wochenende) ein „Leiter Marketing w/m“ gesucht wird, der neben den Anzeigen üblichen Marketing-Voraussetzungen und den ebenso üblichen Sprachkenntnissen in Englisch auch noch (ausgerechnet) Italienisch mitbringen soll? Haben wir da eine potenzielle Fusionsvariante etwa verpennt?
Die gerade zitierte Germanwings sah sich zuletzt wegen ihrer Werbung (in der eine junge Frau in Hot Pants gezeigt wurde) Sexismus-Vorwürfe ausgesetzt. Angesichts des wirklich dezenten Bildes und in Anbetracht was man sonst an Werbung anderer Branchen präsentiert bekommt, ein direkt lächerlicher Angriff. Trotzdem hat Germanwings sehr clever mit einer weiteren Anzeige reagiert, in der nun ein junger Mann in den gleichen Hot Pants gezeigt wird. Sexismus-Vorwürfe auf diese Anzeige sind unbekannt.
Im Vergleich hierzu ist ein Vorfall in den USA interessant. Eine extrem wenig bekleidete junge Dame (für Experten: Sie hat einen Job als Servierkraft bei „Hooters“ und hatte noch ihre Arbeitskleidung an) stieg an Bord der Airline Southwest. Der Flugbegleiter forderte die junge Dame auf ihre „anstößige Kleidung“ mit einer Decke zu bedecken. Nach der Landung folgte der US-übliche Diskriminierungsterror über einen Anwalt. Worauf der Boss von Virgin-Airlines erklärte, bei ihm sei jede/r an Bord willkommen, egal wie wenig sie/er angezogen sei. Das verleitete Southwest wiederum als Reaktion einen besonderen Spartarif für „Minirockträgerinnen“ einzuführen. Wer traut sich das nun bei uns?
Aber wenig anhaben ist immer noch mehr als nichts anhaben. Nachdem es schon vor einigen Jahren den ersten Nacktflug in den USA gab, von dem Angebot der kanadischen Coastal Mountair Air gar nicht zu reden (siehe BBB vom 7.10.2002), versucht jetzt auch ein Erfurter Reisebüro namens OssiUrlaub.de (!!), mit FKK-Flügen sein Klientel zu finden. Am 5. Juli dieses Jahres soll eine Fokker 100 der Fluggesellschaft OLT von Erfurt nach Usedom abheben. Angeblich ist die Nachfrage so groß, dass bereits über ein größeres Fluggerät nachgedacht wird. Für besonders Wissbegierige sei erläutert: a) die Passagiere entledigen sich ihrer Kleidung erst an Bord und müssen beim Ausstieg auch wieder bekleidet sein und b) das Personal bleibt den ganzen Flug über bekleidet und c) die Sitze haben einen Plastiküberzug.
Die wesentliche Erkenntnis dabei für die BBBs war, dass man offensichtlich auch „Nackten noch in die Tasche greifen kann“. Der Tagesflug nach Usedom (morgens 9.00 Uhr hin und abends 17.00 Uhr zurück) kostet pro Person 499 Euro. Beim gleichen Reisebüro und für den gleichen Abflugtag 5 Juli, kann man für das gleiche Geld, auch 14 Tage Mallorca inkl. Frühstück z.B. im Hotel Miramar buchen.
Ach, fast hätten wir es vergessen: Die BBBs wünschen eine schöne und erfolgreiche ITB 2008.
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