Wenn der schärfste Gegner einer Branche „Bundesregierung“ heißt…..

Damit hatte die Luftverkehrsbranche nicht gerechnet, dass sie quasi als einzige Branche von den Sparbeschlüssen getroffen wird (die Kernenergieunternehmen werden ja nicht echt belastet, sie müssen nur von evtl. künftigen Gewinnen etwas abgeben). Nicht die Unberechenbarkeit des Marktes ist das größte Problem der Airlines und es ist nicht die harte Konkurrenz. Selbst die Schwankungen auf dem Treibstoffmarkt bekommen die Airlines einigermaßen in den Griff. Der Hauptgegner der deutschen Airlines heißt: Bundesregierung.

Zuerst wurde die Branche durch einen unfähigen (oder unwissenden) Verkehrsminister zu tagelangem Nichtstun verdammt und erlitt dadurch Verluste in dreistelliger Millionenhöhe (schlimmer als die Situation nach dem Attentat vom 11.September 2001). Jetzt schlug die Regierung kalt mit einer Luftverkehrsabgabe zu. Statt ehrlich zu sagen, wir „haben einen Dummen gesucht, dem man noch Geld aus der Tasche ziehen kann und da ist unsere Wahl auf die Flugpassagiere gefallen“ (denn die Fluggesellschaften werden diese Kostenerhöhung weitergeben an Ihre Kunden, zumindest an jene die noch von Deutschland aus fliegen), umgibt sie die böse Tat mit dem Deckmäntelchen „ökologisch“. Was ist daran ökologisch? Hier wird keine bestehende Abgabe nach ökologischen Gesichtspunkten umgebaut, sondern es gibt nur einen „oben drauf“. Die Einführung dieser neuen Abgabe wurde schließlich im Rahmen des „Spar“-Paketes beschlossen. Wobei auch der Begriff „Sparen“ hier Hohn ist, denn die Regierung spart ja nicht, sie versucht nur dreist ihre Einnahmen zu erhöhen.

„Ein schwarzer Tag für den Luftverkehrsstandort Deutschland“ lautete der Kommentar der Lufthansa und Germanwings sprach „von einem Förderprogramm für ausländische Airlines und Flughäfen“. Dass es sich bei der vorgebrachten Kritik nicht um typisches Gejammer von Branchenvertreter handelt, zeigt das Beispiel Amsterdam. Die Regierung der Niederlande war mit einer ähnlichen Abgabe ziemlich auf die Nase gefallen. Statt wie erhofft Mehreinnahmen von 300 Mio. Euro zu generieren, verursachte die folgende Abwanderung von Fluggästen (lustigerweise nach Deutschland) einen wirtschaftlichen Verlust von 1,3 Mrd. Euro, was zu einer baldigen Aufhebung der Gebühr führte.

Wie stolz war Air Berlin, dass zur Feier des 30. Geburtstages dieser Airline, die Kanzlerin ihr „die Ehre ihres Besuches gab“. Vielleicht hätte Air Berlin besser Herrn Westerwelle einladen sollen. Frei nach dem Motto: „Von Hoteliers lernen, heißt Siegen lernen“.

Kein Problem mit dieser Mehrbelastung hatte fast erwartungsgemäß (Nicht-) Verkehrsminister Ramsauer. Sein Kommentar „diese Mehrkosten für die Flugpassagiere sind sowohl für Urlaubs- als auch für Geschäftsreisen vertretbar“. Besser wäre gewesen „diese Kosten fallen für mich persönlich ja nicht an“.
Wenig überraschend war, dass von Wirtschaftsminister Brüderle hierzu nichts zu hören war. Vielleicht sollte ihm endlich mal jemand sagen, dass er für die wirtschaftliche Entwicklung des Standortes Deutschland verantwortlich ist.
Etwas überraschender dagegen die Reaktion von Alltours-Chef Verhuven. Er meinte: „Die durch die Abgabe entstehenden Mehrkosten seien bei einem zweiwöchigen Urlaub zu vernachlässigen“. Wenn dem so wäre, dass dieser Betrag keine Rolle spielen würde, fragt man sich, warum er nicht schon die ganze Zeit seine Preise genau um diesen Betrag erhöht hat. Tatsächlich ist die Anzahl der Zwei-Wochen-Reisen in den letzten Jahren stark gesunken. Warum wohl? Weil die Kunden mit jedem Euro rechnen müssen.

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Im Reiseradio (www.reiseradio.org) sind diese Woche etliche Interviews rund um die Internationale Luftfahrtshow in Berlin zu hören. Der Vorsitzende des Bundesverbandes deutscher Fluggesellschaften, Ralf Teckentrup, äußert sich „zum Strafzoll der Bundesregierung für Fluggäste, die mit deutschen Fluggesellschaften ab deutschen Flughäfen fliegen“. In den akustischen Bissigen Bemerkungen geht es diesmal um die Fußballweltmeisterschaft in Südafrika und warum es normal ist, dass sowenig deutsche Touristen hingeflogen sind.

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Allerlei „Fliegerei“ zur ITB

Die Interviews von Alltours-Chef Verhuven unmittelbar vor jeder ITB sind immer wieder ein Quell reiner Freude. Im Zentrum seiner Kritik steht zumeist sein langjähriger Flugpartner Air Berlin.
Einmal verkündete er „„Die Lockvogel-Angebote der Low-Cost-Carrier sind umweltpolitisch absolut verantwortungslos und obendrein kaufmännisch unseriös“. Ein anderes Mal schimpfte er über die „unseriöse“ Preispolitik von Air Berlin gegenüber den Veranstaltern. Im letzten Jahr forderte er aus ökologischen Gründen sogar „Mindestpreise pro Flugstunde“ und verdammte die Billigfliegerei. „Ausgerechnet Verhuven“ stöhnten da seine Partner, gilt „Willi“ doch als einer der härtesten Preis-Verhandlungspartner.

In diesem Jahr erleben wir wieder den „Preis-Verhuven“. „Wenn Air Berlin vorhaben sollte, an der Preisschraube (nach Übernahme von Condor) zu drehen wird das nicht gelingen“, so seine klare Ansage. Für diesen Fall könne er sich „auch die Gründung einer eigenen Fluggesellschaft vorstellen“. Da haben wir doch unser ITB-Flugthema.
Und zuzutrauen wäre ihm das allemal. Schließlich hat er als einer der letzten Verfechter der reinen Pauschalreise-Lehre vor kurzem das „Dynamic-Packaging“ Angebot byebye auf den Markt gebracht. Warum sollte er nicht auch noch die passenden Flüge dazustellen? Und einen Namen für das entsprechende Internetangebot haben die BBBs auch schon: „fly and byebye“.

Natürlich könnte er für diese Überlegungen auch wieder dezent bei TUIfly anklopfen, die er vor einem Jahr (auch kurz vor der ITB) medienwirksam aus seinem Programm geworfen hatte. Aber in Hannover scheint es neben den Verhandlungen mit Germanwings wohl noch eine andere Alternative zu geben. Wie ist es sonst zu verstehen, dass in einer Stellenanzeige von TUIfly (von diesem Wochenende) ein „Leiter Marketing w/m“ gesucht wird, der neben den Anzeigen üblichen Marketing-Voraussetzungen und den ebenso üblichen Sprachkenntnissen in Englisch auch noch (ausgerechnet) Italienisch mitbringen soll? Haben wir da eine potenzielle Fusionsvariante etwa verpennt?

Die gerade zitierte Germanwings sah sich zuletzt wegen ihrer Werbung (in der eine junge Frau in Hot Pants gezeigt wurde) Sexismus-Vorwürfe ausgesetzt. Angesichts des wirklich dezenten Bildes und in Anbetracht was man sonst an Werbung anderer Branchen präsentiert bekommt, ein direkt lächerlicher Angriff. Trotzdem hat Germanwings sehr clever mit einer weiteren Anzeige reagiert, in der nun ein junger Mann in den gleichen Hot Pants gezeigt wird. Sexismus-Vorwürfe auf diese Anzeige sind unbekannt.
Im Vergleich hierzu ist ein Vorfall in den USA interessant. Eine extrem wenig bekleidete junge Dame (für Experten: Sie hat einen Job als Servierkraft bei „Hooters“ und hatte noch ihre Arbeitskleidung an) stieg an Bord der Airline Southwest. Der Flugbegleiter forderte die junge Dame auf ihre „anstößige Kleidung“ mit einer Decke zu bedecken. Nach der Landung folgte der US-übliche Diskriminierungsterror über einen Anwalt. Worauf der Boss von Virgin-Airlines erklärte, bei ihm sei jede/r an Bord willkommen, egal wie wenig sie/er angezogen sei. Das verleitete Southwest wiederum als Reaktion einen besonderen Spartarif für „Minirockträgerinnen“ einzuführen. Wer traut sich das nun bei uns?

Aber wenig anhaben ist immer noch mehr als nichts anhaben. Nachdem es schon vor einigen Jahren den ersten Nacktflug in den USA gab, von dem Angebot der kanadischen Coastal Mountair Air gar nicht zu reden (siehe BBB vom 7.10.2002), versucht jetzt auch ein Erfurter Reisebüro namens OssiUrlaub.de (!!), mit FKK-Flügen sein Klientel zu finden. Am 5. Juli dieses Jahres soll eine Fokker 100 der Fluggesellschaft OLT von Erfurt nach Usedom abheben. Angeblich ist die Nachfrage so groß, dass bereits über ein größeres Fluggerät nachgedacht wird. Für besonders Wissbegierige sei erläutert: a) die Passagiere entledigen sich ihrer Kleidung erst an Bord und müssen beim Ausstieg auch wieder bekleidet sein und b) das Personal bleibt den ganzen Flug über bekleidet und c) die Sitze haben einen Plastiküberzug.

Die wesentliche Erkenntnis dabei für die BBBs war, dass man offensichtlich auch „Nackten noch in die Tasche greifen kann“. Der Tagesflug nach Usedom (morgens 9.00 Uhr hin und abends 17.00 Uhr zurück) kostet pro Person 499 Euro. Beim gleichen Reisebüro und für den gleichen Abflugtag 5 Juli, kann man für das gleiche Geld, auch 14 Tage Mallorca inkl. Frühstück z.B. im Hotel Miramar buchen.

Ach, fast hätten wir es vergessen: Die BBBs wünschen eine schöne und erfolgreiche ITB 2008.

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