Wunder gibt es immer wieder: Die Stewardess, die abends das Flugzeug aufhielt

Wenn man in Hannover wohnt und nach Linz will, dann ist man relativ lange unterwegs. Wenn es dann noch aktuelle Winterprobleme gibt, kann man mit der Fliegerei schon „viel Spaß“ haben.
Ein Glück, wenn man spät abends noch die richtige Lufthansa-Mitarbeiterin trifft.

So kann ein „normaler“ Flugtag im Winter aussehen.
Abflug Hannover
Eisregen. Das bedeutet locker 1 ½ Stunden Verspätung, davon eine Dreiviertelstunde im Flugzeug.

Ankunft Frankfurt, Terminal A
Jetzt heißt es durch den unterirdischen Verbindungsgang nach Terminal B joggen, um den Flug nach Linz noch zu erreichen.
Puh, gerade noch geschafft. Da springt die Abflugzeit um 20 min nach oben und dann nochmals um weitere 20 min nach oben. Bis es losgeht, ist mehr als eine Stunde vergangen. Jetzt wird es ziemlich knapp für den Vortrag in Linz.

Ankunft Linz
Zum Glück scheint der österreichische Taxifahrer ein direkter Verwandter von Niki Lauda zu sein. Über Feldwege und quer durch die City schafft er es in Rekordzeit zum Veranstaltungsort.

Innenstadt Linz
Ohne nur zu verschnaufen wird der 90min Vortrag gehalten und dann geht es sofort wieder ins Taxi und zurück zum Flughafen.

Abflug Linz
Draußen ist es schon verdammt neblig. Zur Überraschung ist der Flug nach Frankfurt als pünktlich angeschrieben. Leider haben die Linzer Flughafenverantwortlichen einen sonderbaren Humor. Exakt zur planmäßigen Abflugzeit erscheint „Nächste Info in einer Stunde“. Nach dieser Stunde wird bekannt gegeben, dass es noch eine weitere Stunde bis zum Abflug dauert.
Damit ist klar, dass auch der Anschlussflug von Frankfurt nach Hannover zumindest nicht planmäßig zu erreichen sein wird.
Aber wenn heute schon alle Flugzeuge Verspätung haben, dann besteht doch eine berechtigte Hoffnung, dass auch der letzte Flieger eine außerordentliche Verspätung haben wird. Das wäre schließlich mehr als gerecht, oder?

Ankunft Frankfurt
Unser Flugzeug bekommt eine Außenposition, es rollt und rollt, ich fürchte schon, dass wir bald die Autobahn überqueren müssen. Bei Ankunft in Terminal B, die besorgte Frage an die erste erreichbare Bodenstewardess, ob man den Flug nach Hannover noch erreichen könne. Die Dame ist so freundlich und ruft am Abflugschalter A 22 an. „Ja, den Flug können sie noch erreichen, wenn sie sich sehr beeilen!“. Der Kundige ahnt was das bedeutet: Den unterirdischen Verbindungsgang zwischen B und A zum zweiten Mal für heute im Laufschritt zu durcheilen, nur jetzt in umgekehrter Richtung. Ein weiterer Passagier, der eigentlich nach Bremen wollte und jetzt froh ist, eventuell wenigstens den Flug nach Hannover zu erreichen, joggt in einem Höllentempo los, ich habe große Mühe mitzuhalten. Bei A dann wieder Treppe hoch, die Lunge pfeift jetzt schon mächtig, und dann noch ein ganzes Stück weiter bis A 22. Als wir in Sichtweite sind, verschwindet der letzte Passagier hinter der Tür abwärts zum Flughafenbus.

Und nun?
Die verantwortliche Counterstewardess fragt uns leicht irritiert wo wir herkämen. Mein Einwand wir kamen von der verspäteten Linz-Maschine und ich hätte doch anrufen lassen, entgegnet sie „dieser Passagier ist eben durch die Tür“. Zum Glück bleibe ich ruhig, vielleicht hatte ich auch keine Luft mehr zum Aufregen. Das Problem ist schnell geklärt, der soeben entschwundene Passagier war in der Tat mit in der Linzmaschine und auch auf diesen Hannover-Flug gebucht. Meine auf den Tisch gelegte Sitzplatzkarte hatte für den vorhergehenden Flug nach Hannover gegolten, der fast pünktlich gen Hannover enteilt war. Logisch, dass ich auf diesem Flug nun nicht gebucht war, ebenso wie mein „Mitläufer“, der ja nach Bremen wollte und für den der Hannover-Flug nur die zweitbeste Lösung war. Klar, wir waren nicht im Computer und so hat die Dame guten Glaubens „dicht gemacht“.
Einen ganzen Tag unterwegs und wegen einer Minute den letzten Flug nach Hannover verpasst, das darf nicht wahr sein!

Das Wunder
Aber der „Satz des Tages“ sollte erst noch folgen. „Ich rufe mal den Kapitän auf dem Handy an, ob er noch auf sie warten kann!“ Ja, will uns die Lufthansa-Mitarbeiterin zum Abend noch veralbern? Auf diese Art von Humor habe ich jetzt überhaupt keinen Bock. .
„Alles prima“, höre ich noch, „der Kapitän wartet auf sie, wir rufen jetzt den Bus“.
Liebe verantwortliche Lufthansa-Mitarbeiterin am Gate A 22, vom 3.2. abends, ich habe vergessen dich zu küssen. Hiermit hole ich es nach.

Die Erklärung
Auf dem Flug nach Hannover habe ich dann gelesen, dass die Leser des Geschäftsreisemagazins Business Traveller, die Lufthansa in sechs Kategorien auf den ersten Platz gewählt haben. Unter anderem in der Kategorie „Bester Service am Boden innerdeutsch und Europa“. Stimmt!

Nachtrag:
Liebe „lächelnde“ Stewardess aus den BBBs vom 14.10.2002 („Die Lufthansa-Stewardess hat gelächelt“) war das Deine Schwester?

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