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Wyser-Pratte: Böser Wolf oder braves Rotkäppchen?

Der 67-jährige US-Investor Guy Wyser-Pratte ist nach eigenen Angaben mit ca. 1% bei TUI eingestiegen. Dieses eine (!) Prozent genügte um ein gewaltiges Rauschen im Blätterwald zu verursachen. Wenn man eine erste nüchterne Zwischenbilanz zieht, stellt sich aber die Frage, ob er wirklich ein „böser Wolf“ ist. Mit seinem Auftritt hat er eigentlich bislang nur Geschenke verteilt.

Guy Wyser-Pratte, zwei Meter groß, ehemaliger Marine, ein begnadeter Selbstdarsteller und richtiges Großmaul (FAZ: Geschäftsmodell Hamburger Fischverkäufer), ist so etwas wie die Hardcore-Ausgabe von Ryanair-Chef O`Leary. Er gefällt sich in der Rolle des „bad guy“ und das gefällt wiederum den Medien. Und letztere sind wichtig, denn nur durch den Verstärker der Medien funktioniert seine Strategie.

Sein Engagement bei IWKA (heutiger Namen Kuka) war erfolgreich und hat seinen krawalligen Stil auch in Deutschland bekannt gemacht. Auch bei Cewe Color in Oldenburg gab es die berühmte bad guy-Schlammschlacht, aber auch eine (bislang) blutige Nase. Gegen TUI spielt Wyser-Pratte jetzt erstmals in der 1. Liga und jeder Sportfan weiß, da spielen auch die Gegner notfalls etwas härter. Und Frenzel hat Erfahrung im Umgang mit Hedge-Fonds. So konnte man noch im Oktober letzten Jahres über den ebenfalls krawalligen Einstieg des Hermes Fonds bei TUI lesen: „Wenn Hermes eingreift, müssen Manager zittern“. Inzwischen steht die Abwehrmauer bei TUI mindestens so gut wie beim gesponserten Fußballclub Hannover 96 und Hermes hat sich wieder frustriert verabschiedet.

Also was können wir heute als Zwischenbilanz der Aktivitäten von Wyser-Pratte feststellen: Der Kurs der TUI-Aktie ging raketenmäßig bis zu 8% nach oben.
Das bedeutet:
1. Wysser-Pratte hat nach eigenen Angaben 40 Mio. Euro investiert, also virtuell in wenigen Tagen einige Milliönchen Euro verdient.
2. Alle TUI-Aktionäre sind virtuell reicher geworden. Jene die direkt nach dem Einstieg verkauft haben, sind sogar real reicher geworden.
3. Die TUI ist innerhalb weniger Tagen um einige Hundert Millionen Euro wertvoller geworden.
4. Auch die Aktienoptionen des TUI-Vorstands sind wertvoller geworden.

Ist er nicht doch ein good guy der liebe Guy Wyser-Pratte? Er ist gar kein böser Wolf, sondern wie ein besonders gutes Rotkäppchen hat er Kuchen und Wein nicht nur für die Großmutter sondern für alle dabei.

Das Spielchen wird noch ein paar Wochen (Monate) dauern, dann wird Wyser-Pratte wieder verschwinden (mit einigen Millionen Kursgewinn in der Tasche). Für die anderen Aktionäre geht es jetzt nur noch darum, den richtigen Zeitpunkt nicht zu verpassen. Und der TUI-Vorstand muss „den Geruch von Napalm“ (Zitat Wyser-Pratte) wieder aus der Nase bekommen.

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