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Pauschalreise: „Weiter so“ – ist keine Option

Es war die größte und auch makaberste Reisekatastrophe der letzten Jahren: ausgerechnet Thomas Cook, der Erfinder der Pauschalreise, geht pleite. Und diese Pleite verlief extrem ungeordnet. Aus „den schönsten Wochen des Jahres“ wurde leider der alte Neckermann Slogan: „Für die kostbarsten Wochen des Jahres Neckermann buchen.“ Denn das war es für Tausende von Urlaubern, sehr kostbar aber leider futsch. Und zwar im doppelten Sinne, nicht nur der Urlaub als solcher war futsch, auch das Geld für den Urlaub war futsch.

Aber letzteres kann bei einem seriösen Anbieter nicht sein, dafür gibt es den „hochgelobten Sicherungsschein“, ein ganz wesentlicher Bestandteil der Pauschalreise, was sie so sehr von anderen Buchungsformen einer Reise abhebt. Immer wieder und wieder wurde von der Branche, Verbraucherschützern usw. darauf hingewiesen: Achten Sie darauf, dass Sie „den Sicherungsschein“ erhalten. Aber jetzt der GAU: der Sicherungsschein ist so gut wie nichts wert.

Jetzt müsste man annehmen, dass das die Branche in helle Aufregung versetzt. Tagelang wird 24 Stunden durchgearbeitet, bis eine tragfähige Ersatzlösung gefunden ist. Weit gefehlt. Das ist für mich skandalös.

Wie lief das die letzten Wochen eigentlich, wenn man dem Kunden den Sicherungsschein in die Hand gedrückt hat? War das echt ein Entscheidungsargument?

Da beteuert DRV-Präsident Norbert Fiebig in bester „Pilatus“-Manier („ich wasche meine Hände in Unschuld“) wir haben keine Schuld: „Es war nicht damit zu rechnen, dass der zweitgrößte Touristikkonzern aus dem Markt ausscheidet“. Diese Aussage mag juristisch helfen. Aber gegenüber den Kunden? Müsste hier nicht zwingend der Umkehrschluss folgen: „aber wir haben alles getan, dass so etwas nicht nochmal passiert und zwar…….“.

Aber alles, was ich bisher dazu von den Branchenbossen gehört habe, war, wie toll die Pauschalreise ist, dass sie auch in Zukunft noch genauso erfolgreich sein wird und deshalb „weiter so“.

Wo ist der Impuls für „neues“ Vertrauen (Betonung „neues“). Das müsste m.E. als die zentrale Aussage von der DRV-Jahrestagung kommen und zwar nachvollziehbar.

Die großen Veranstalter haben ihren Ansatz schon gefunden. Sie punkten noch mehr mit ihrer starken Marke. Das ist logisch und wird auch erfolgreich sein. Da haben nur die kleineren und mittleren Veranstalter nichts davon. Bleibt offen, wie relevant diese für den Verband sind?

Wobei ich beim DER schon etwas grinsen musste: DER versucht Vertrauen zu schaffen durch ihre starke Mutter. Das glaubte Air Berlin mit Etihad auch.

Ist eine Katastrophe passiert, wird anschließend auch gerne abgelenkt, wie toll man das „Danach“ gemanagt hat. Das hat man schon oft im TV gesehen. Da ist zumeist der Innenminister im Bild, der dann erklärt „zuerst möchte ich der Feuerwehr, den Rettungskräften, der Polizei usw. danken“, dass das Unglück nicht noch größer ausgefallen ist.  Das lenkt davon ab, dass man zu den Ursachen nicht Stellung beziehen will.

Da war der DRV in bester Gesellschaft „die Rückholung der Kunden aus dem Zielgebiet hat aufgrund der Beiträge der Branche und des DRV-Krisenmanagements gut funktioniert“. Bei diesem DRV-Lob hat manche/r im Hinblick auf die eigene Leistung ganz fest in die Tischplatte gebissen.

Ganz auf diesem Trip war natürlich auch der Tourismusbeauftragte der Bundesregierung, Thomas Bareiß, der „sofort“ in das „Krisenzentrum des DRV“ flitzte und sich freute, „dass die derzeit unterwegs befindlichen Kunden ihren wohlverdienten Urlaub noch genießen können“. Wie peinlich. Man sollte nur das machen, was man wirklich kann: schöne Grußworte bei Branchenevents sprechen.

Oder ist er inzwischen aktiv geworden, wie die Regierung jene Urlauber, die auf immensem Schaden sitzen, entschädigen kann? Basis: Regierungsuntätigkeit hinsichtlich Absicherung (siehe auch EU).

Die DRV-Jahrestagung findet dieses Jahr auf einem Schiff statt, da bleibt viel Zeit für offizielle und inoffizielle Gespräche. Und keine Angst auf dem Schiff. Der DRV ist dieses Jahr schon gegen einen großen Eisberg geknallt und analog zu seiner Denkweise, wird das garantiert nicht noch einmal passieren.

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Erhöhung der Luftverkehrssteuer: Bundesregierung behält das meiste für sich

Highlights verschiedener Meldungen der letzten Tage:

  • „Gegenteil von Klimaschutz“: Luftverkehrssteuer fließt in Regionalflughäfen
  • Gelder aus der Erhöhung der Luftverkehrssteuer fließen zurück für Innovationen in den Luftverkehr: Haushaltsausschuss beschließt 100 Millionen Förderung für PTL-Kerosin
  • Und die neueste „Sau, die durchs Dorf getrieben wird“: Verbotspläne für Privatjets

Man mag schon gar nicht mehr in die Tagespresse schauen. Der Unsinn, der hier teilweise als Argumentation gegen das Fliegen verzapft wird, treibt den eigenen Blutdruck in lebensgefährliche Höhen. Aber man sollte auch das „Kleingedruckte“ am Ende dieser Beiträge lesen.

Geld fließt nicht zur Stärkung Regional-Luftverkehr

Da scheibt n-tv, das Geld aus der neuerdings erhöhten Luftverkehrssteuer „fließt nicht etwa in den Klimaschutz, sondern schnurstracks zurück in den Luftverkehr“. Nur zur Erinnerung: Um mehr als 750 Millionen Euro wird die Luftverkehrssteuer erhöht und wieviel davon fließt den Regionalflughäfen zu?

In 2020 sollen es 20 Millionen Euro werden. Aber nicht, damit der Luftverkehr dort „anschwillt“. Das Geld dient vielmehr als teilweise Erstattung der Mehrkosten (Gebühren), weil die Deutsche Flugsicherung die An- und Abflugkontrolle künftig übernehmen soll.

Aber das hindert den Geschäftsführer der „Allianz pro Schiene“, die in ihrem eigenen Geschäftsfeld nichts gebacken bekommt, nicht daran, irreführend von „neuen Subventionen für die Regionalflughäfen“ zu sprechen.

Bahn bekommt kein zusätzliches Geld

Von den 750 Millionen Euro Mehreinnahmen aus der Luftverkehrssteuer sollen circa 500 Millionen Euro die Mehrwertsteuerreduzierung bei der Bahn ausgleichen. Ob es allen Bahnfreaks klar ist, dass dieses Geld der Bahn nicht zusätzlich zur Verfügung steht, sondern quasi unmittelbar zurückfließt, um ein Mehrwertsteuerloch im Bundeshaushalt zu schließen? Nur mal so zum Nachdenken.

Man könnte jetzt nochmal bösartigerweise in Erinnerung bringen, dass die Bahn eben nicht mit 100 Prozent Ökostrom fährt, wie auch die Elektroautos auf unseren Straßen mit einem Strommix fahren, in dem immer noch ein erheblicher Anteil von Kohlekraftwerken stammt.

Viel zu wenig Geld für Entwicklung synthetischer Kraftstoffe

Und welch große Freude, der Haushaltsauschuss des Bundestages hat erstmals Mittel für die Förderung und Entwicklung von synthetischen Kraftstoffen im PTL-Verfahren (Power to Liquid) bereitgestellt. Die Förderung sieht zunächst 100 Millionen Euro für die Jahre 2020 und 2021 vor.

Ganz langsam zum Mitdenken: Von 750 Millionen Euro Mehreinnahmen aus der Luftverkehrsteuer, aus jetzt insgesamt circa 1,8 Milliarden Euro Luftverkehrsteuer in den nächsten Jahren, fließen nur 100 Millionen Euro zurück in die wichtigste Aufgabe, um zum klimaneutralen Fliegen zu kommen?

Der nächste Satz mag etwas populistisch klingen, aber er muss sein um die Relationen klar zu stellen. Zum gleichen Zeitpunkt hat Bundeskanzlerin Merkel bei ihrem Besuch der indische Regierung 1 Mrd. Euro (schreibt sich so: 1.000.000.000 Euro) für den Ausbau „umweltfreundlicher Verkehrsmittel“ (gemeint sind Elektrobusse) zugesagt.

Und jetzt kommt das ganz große Superthema: Verbotspläne für Privatjets.

Da sieht der Aktivist doch „die Reichen“ mit ihrem Jet zum Champagner trinken nach Paris fliegen. Aber wie sieht die Wirklichkeit aus? Linienfluggesellschaften und Bahn zogen sich in den letzten Jahren immer mehr aus der Fläche zurück.

Und genau in der „Fläche“ sitzen Tausend erfolgreiche Firmen mit ihrem weltweiten Business. Sie sind das Rückgrat unserer erfolgreichen Industriegesellschaft. Kanzlerin und Minister lassen sich gerne dort bei ihrem Besuch fotografieren. Aber diese Firmen könnten ohne die kleinen Flughäfen (die 70 Prozent aller Flugbewegungen in Deutschland abwickeln) und die kleinen Businessjets weltweit nicht überleben. Weil eben hier sehr schnell Mitarbeiter und auch Ersatzteile zum Kunden gebracht werden müssen. Dabei wären genau diese kleinen Flugzeuge die idealen Protagonisten, um Vorreiter für emissionsfreies Fliegen zu werden.

Die Diskussion gegen diesen Teil der Fliegerei erinnert mich stark an die faktenfreie Polemik damals gegen den Flughafen Tempelhof in 2008. Da argumentierten die Flughafen-Gegner (der damalige Regierende Wowereit vorneweg) „keine Geschenke für Reiche“ (sprich „Privatjet-Fliegende“). Und so wurde der Flughafen nicht nur geschlossen, sondern „zur Sicherheit“ auch noch entwidmet, obwohl kein Feldhamster sich in seiner Ruhe gestört fühlte und keine Anwohner gegen den Fluglärm protestierten.

Zur Sicherheit wurde dann noch nachgeschoben, die Eröffnung des künftigen Großflughafens „Airport Berlin Brandenburg International“ dürfe nicht gefährdet werden. Über letzteres darf mehr als zehn Jahre später herzlich gelacht werden.

 

Die nächste BBB, noch rechtzeitig vor der DRV-Jahrestagung, wird sich mit der Pleite von Thomas Cook und der Frage „kann es mit der Pauschalreise weitergehen?“ beschäftigen.

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Ein unmoralisches Angebot

Eurowings und PR, das passt irgendwie nicht zusammen. Und dann noch Twitter-Schnellschuss, anstatt vorher kurz zu reflektieren, ob da ein Minimum Sinn in der Nachricht steckt. Das kann nur peinlich enden. Deshalb sollte es Eurowings auch grundsätzlich lassen.

Als Greta Thunberg zwar spektakulär, aber als Vorbild eher arm, in einem Spezial-Segelboot in die USA lossegelte, habe ich mich von Anfang an gefragt, ob sie auch darüber nachgedacht hat, wie sie wieder nach Europa zurückkommen will? Nochmal die gleiche Tour mit dem Segelboot ergäbe ja Null-Aufmerksamkeit. Mit dem Flugzeug zurück? Dann hätte man sich die Tortur hin ersparen können. Im Kreuzfahrtschiff zurück? Das wäre ein totaler Imageschaden. Mit einem Frachtschiff zurück? Umweltmäßig geht es nicht schlimmer.

Es ist zwar unglaublich, aber so richtig hat sich Greta Thunberg und ihr Management-Anhang dazu wohl keine Gedanken gemacht. Plötzlich kommt Entscheidungsdruck auf, weil die nächste Klimakonferenz (Beginn 2. Dezember) sehr kurzfristig von Chile nach Madrid verlegt wurde. Für die Masse der Teilnehmer, die gewohnt im Flugzeug quer über die Kontinente reisen, kein Problem.

Außer für Greta Thunberg. Sie braucht Hilfe und bittet um solche.

Ausgerechnet Eurowings bringt sich ins Spiel

Wenn man mich in diesem Moment gefragt hätte, wer könnte für Hilfe in Frage kommen, ehrlich, ich wäre auch nach tagelangem Nachdenken nicht auf Eurowings gekommen.

Das war die Eurowings Twitter-Nachricht an Greta Thunberg: „Wir können helfen“. Schon bei diesem Satz hatten Tausend Eurowings-Kunden, die in den letzten Monaten nach all dem Chaos vergeblich „auf Hilfe“ von Eurowings gehofft hatten, nur einen Gedanken: „How dare you?“

Und Eurowings schrieb weiter „wir laden Dich auf einen Eurowings-Flug von New York nach Düsseldorf ein“. Mal abgesehen, dass zwischen Düsseldorf und Madrid mal schlappe 1500 Kilometer liegen (oder sollte eine außerplanmäßige Zwischenlandung in Madrid stattfinden?), hat Eurowings ernsthaft eine Sekunde geglaubt, dass die „Anti-Flug-Ikone“ dieses Angebot annehmen würde?

Angenommen, nur mal angenommen, Greta wäre auf das Angebot eingegangen. Und dann käme ein auch auf Eurowings ausgeweiteter Streik von Ufo dazwischen. Eurowings müsste Greta schreiben, „sorry, Eurowings-Flug fällt aus wegen Ufo“. Und dann antwortet Greta: „Oh, Ufo… might be an option“.

Beweggründe bleiben unklar

Also was war der geplante Effekt des vergifteten „Umsonst-Fluges“? War es nur der Wunsch nach den legendären „15 Minuten Ruhm“ wie es Andy Warhol mal formulierte? Oder gnadenlose Selbstüberschätzung? Billige PR?

Von den Twitter-Reaktionen zitiere ich mal nur eine: „Leider wird Greta die Konferenz wegen der Verspätungen, Flugabsagen und Zwischenfälle verpassen“.

Tja, liebe Eurowings, das ist Euer Image.

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Klima und Flugreisen

„Klima und Flugreisen“
SWR-Radio, 4.11.2019

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Flucht nach vorn in den Weltraumbahnhof

Altbewährter Politikertrick, wenn es mit dem Tagesgeschäft nicht so richtig vorangeht, dann entweder größere Flug-Auslandsreise machen oder spektakuläres Zukunftsprojekt ankündigen. Das weiß auch unser Wirtschaftsminister Altmaier oder zumindest seine Berater.

Mit Flug-Auslandsreisen hat Altmaier nicht so gute Erfahrungen. Entweder rückt Merkel ihre Flieger nicht raus, weil sie gerade selbst eine Reise plant oder eine A340 fällt aus, weil Mäuse auf Bali ziemliches Unheil anrichteten. Altmaier machte auch schon gute Miene zum bösen Spiel, als er mit großer Delegation in einer gecharterter Boeing 737-400 nach Ankara flog. Diese Bescheidenheit machte zwar bei seiner Delegation einen guten Eindruck, aber bei Altmaiers Statur, ist Holzklasse nicht das was er sich regelmäßig wünscht.

Also ist „Variante Zwei“ angesagt und da kam auf dem „Weltraumkongress des BDI“, den gab es tatsächlich, die Forderung an die Bundesregierung sich in der Raumfahrt stärker zu engagieren. Das war die Steilvorlage für Peter Altmaier und plötzlich ist er großer Fan eines deutschen Weltraumbahnhofs. Wie bitte?

Keine Frage, bei Zukunftstechnologien sind deutsche Forscher und deutsche Firmen auch in der Raumfahrt sehr weit vorne dabei, verfügen über echte weltweite Kernkompetenz, solange es um die Entwicklung neuer Technik geht.

Deutscher Weltraumbahnhof in Rostock-Laage

Aber bei Umsetzung in kommerzielle Projekte sieht es auf Seiten der Politik nicht so gut aus. Nehmen wir das Wort Weltraumbahnhof mal auseinander, muss man ehrlich sagen ist diese Regierung weder flug- noch bahnaffin. BER und Stuttgart 21 lassen grüßen. Und diese Projekte wurden noch in der „guten alten Zeit“ geplant. Aber heute einen Weltraumbahnhof planen. Da genügt eine Fledermaus und das war`s dann.

Rostock-Laage ist zumindest nach erstem Bekunden der Favorit. Die Landesregierung ist begeistert. Der Landkreis ist an Planungen für Ansiedlungen für Unternehmen aus der Luft- und Raumfahrt beteiligt. Die Flughafenchefin kennt zwei konkrete Projekte, will aber nichts sagen. Nur der größte der jetzigen Gesellschafter, die Hansestadt Rostock, würde gerne was sagen, weiß aber noch von nichts. Die ersten „kleinen“ Irritationen gibt es schon.

Schauen wir mal realistisch. Von den zur Zeit aktiven Politiker/-innen wird niemand den Start der ersten Rakete erleben. Weder in ihrer aktiven noch in ihrer inaktiven Zeit danach. Philipp Amthor von der CDU könnte es als Polit-Rentner vielleicht noch schaffen.

Egal, Altmaier ist vorerst fein raus und hat beim BDI und in der Öffentlichkeit gepunktet. Und Altmaier in einer Mondrakete, wie in einer Fotomontage von BILD, muss man sich ohnehin nicht unbedingt vorstellen.

Was wir aber echt gut können ist „Flug besteuern“. Würde mich nicht wundern, wenn es im Finanzministerium nicht schon eine Arbeitsgruppe „Luftverkehrssteuer für Raumfahrzeuge“ geben würde. Oder über eine richtige Bahnhofsteuer nachgedacht würde, wie früher die Bahnsteigkarte.

Deutschland fliegt per Anhalter durch die Galaxis

Von mir nicht erwartet, zeigte der BDI-Präsident Professor Dieter Kempf bei der Eröffnung des Kongresses besonderen Humor mit einem Handtuch „Keine Panik“. Er spielte damit nicht auf Udo Lindenberg an, sondern auf den Weltraumklassiker von Douglas Adams „Per Anhalter durch die Galaxis“.

Er hat es nicht gesagt, aber ich interpretiere es mal so. Als „Anhalter im Weltraumgeschehen“ dabei zu sein, aber eben nur per Anhalter bei den Amerikanern, Russen oder Franzosen, ist bislang noch unsere Paraderolle und wird es noch lange sein.

Übrigens super Idee, auf dem eintägigen Kongress (an einem Freitag!), morgens ein spezielles Programm für „Kids und Yolos“ (siehe Jugendwort des Jahres 2012) anzubieten. Die „Junge Space-Pioniere bei Kaffee und Croissants“ (so im Programm stehend) konnten sich bei echten Zukunftsfirmen der Raumfahrt schlau machen bzw. gab es einen „Kids-Talk mit Astronaut Matthias Maurer“.

So kann man die FFF-Generation locker überspringen.

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Thomas Cook: Erfinder und Bestatter der Pauschalreise

Seit mehr als 175 Jahren gibt es die Pauschalreise. Vor drei Jahren wurde noch Thomas Cook, als Erfinder der Pauschalreise abgefeiert. Überall war die Geschichte von der legendären ersten Pauschalreise im Juli 1841, mit einem gecharterten Zug zu einer Veranstaltung gegen Alkoholmissbrauch, zu lesen. Gelobt sei der legendäre Thomas Cook.

Am 5.7.2016, schrieb ich eine Jubiläums-BBB (5.Juli 1841 – 5. Juli 2016: 175 Jahre Pauschalreise). Jetzt im Nachhinein mutet es wie ein schlechtes Omen an, was ich im 3. Absatz damals geschrieben habe.

Zitat: Neuere Untersuchungen sind aber der Meinung, dass die erste Pauschalreise schon drei Jahre vor 1841 stattgefunden hätte, nämlich zu einer Hinrichtung nach Boldwin. Aber auf diesen früheren Termin bezieht sich die Branche ungern. Logisch, denn viele Beschwerdebriefe von heute würden dann mit Sätzen wie „ich fühlte mich wie bei der ersten Pauschalreise zur Hinrichtung“ beginnen.

Jetzt ist es bittere Wahrheit geworden. Spätestens jetzt wurde die Pauschalreise hingerichtet und nicht vom Online-Geschäft oder dem Verkauf von Reisebausteinen, wie seit Jahrzehnten geunkt. Die haben „nur“ kräftig am Volumen geknabbert. Nein, makabrer geht es nimmer, ausgerechnet unter dem Namen „Thomas Cook“ erfolgt der größte Schlag gegen die Pauschalreise seit ihrer Einführung.

Warum ist die Situation so schlimm? Das Erfolgsgeheimnis der Pauschalreise gegenüber anderen Formen des Angebots, war ihre unbestreitbare Sicherheit. Das war nicht jedem Tourist wichtig, aber für die Anhänger der Pauschalreise oft entscheidend.

So argumentierten die Veranstalter der Pauschalreise über Jahrzehnte hinweg.

Lieber Tourist, wenn du gebucht hast:

  1. Wir bringen Dich garantiert an Dein Urlaubsziel, egal was passiert ist. Auch wenn die Linien-Airlines ein Schild auf den Counter stellten „Flug gestrichen weil“…. wir Veranstalter bringen Dich trotzdem zum Ziel, schlimmstenfalls einen Tag früher oder später.
  2. Wenn Du Im Zielgebiet bist, sorgen wir unbedingt für Deinen Urlaub. Sollte es irgendwie Schwierigkeiten an einem Ort oder einem Hotel geben, buchen wir Dich um.
  3. Wir bringen Dich garantiert wieder nach dem Urlaub zurück. Wiederum mit maximal einem Tag Differenz oder einer anderen Airline, aber Du kannst Dich auf uns verlassen.

Gegen das alles hat Thomas Cook gravierend verstoßen.

> — Trotz bezahlter Reise, Hinflug ersatzlos gestrichen.

> — Trotz bezahlter Reise, Aufenthalt im Hotel nicht gesichert. Besonders bitter, die Hoteliers versuchten sich an den Urlaubern schadlos zu halten, weil Thomas Cook den Reisepreis nicht überwiesen hatte.

> — Trotz bezahlter Reise, viele Urlauber mussten ihren Rückflug selbst bezahlen.

> — Offensichtlich hat Thomas Cook seit Wochen und Monaten Hotel-Rechnungen nicht ordentlich bezahlt. Demnach kann die Pleite nicht überraschend gekommen sein. Ob das justiziabel ist, mögen letztendlich Gerichte entscheiden, eine Schweinerei ist es allemal.

Aber der allergrößte Skandal ist die Deckelung der Versicherungssumme. Wer dem Sicherungsschein traute, der bekanntlich über Jahre hinweg als „das“ Argument pro Pauschalreise dem Kunden verkündet wurde, merkt jetzt, auch mit diesem Argument hat man ihn beschwindelt.

Wenn man dies alles zusammenträgt, wird deutlich, im Moment findet gerade der GAU für den Pauschalreise-Kunde statt. Die einzigen die sich dagegenstemmen sind die Reisebüros.

Riesenaufschrei in der Branche? Durch die großen Verbände DRV und BTW? In der Politik? Alles Fehlanzeige. Und das ist eigentlich die nächste Schweinerei. Die Veranstalter bekommen ihren Teil des Thomas Cook Klientels fast gratis (Aufteilung Air Berlin lässt grüßen), die Verbände waschen ihre Hände in Unschuld. „Konnte man nicht wissen, dass Thomas Cook mal Pleite geht“. Wirklich nicht? Warnungen gab es schon vorher, von einem kleineren Verband. Aber darüber wurde selbstherrlich hinweggelächelt und im Nachhinein wird versucht jene, die darauf aufmerksam gemacht haben totzuschweigen. Klar, sonst wäre ja das eigene Verhalten bloßgestellt.

Und die Politik ist die Geschichte eines Totalversagens. Deckelung der Versicherungssumme? Da hat man auf die Falschen gehört. Selbst während die Pleite von Thomas Cook schon lief, tagte der Tourismusausschuss des Bundestages  und empfand keinen Handlungsbedarf. Dabei besteht immer noch Handlungsbedarf zugunsten der getäuschten und geschädigten Touristen. Und rechtlich raus ist die Politik noch lange nicht.

Aber das war die Krönung schlechthin, da wurde es selbst mir beim Lesen schlecht.

Zitat: Der Tourismusbeauftragte der Bundesregierung informierte sich am 27. September beim DRV über die aktuelle Lage bezüglich Thomas Cook Insolvenz. „Wichtig ist jetzt“, so der Tourismusbeauftragte, „dass die derzeit unterwegs befindlichen Kunden ihren wohlverdienten Urlaub noch genießen können“.

Wie blind oder ignorant muss man sein, um sich so wie Verband und Politik zu verhalten? Besuch ausgerechnet beim DRV, der nie (entgegen den Warnungen) ein Problem mit der Deckelung der Versicherungssumme hatte. „Und wohlverdienter Urlaub im Zielgebiet?“ Liest der Herr Staatssekretär keine Zeitung, wie es den „Urlaubern im Zielgebiet geht“, wenn sie aus den Hotels fliegen oder nicht abreisen dürfen, wenn sie die Hotelrechnung nicht direkt bezahlen.

Ohne jede Chance übrigens das Geld jemals wieder in voller Höhe zu bekommen.

Als jahrelanger engagierter Kämpfer für die Pauschalreise trifft mich diese Entwicklung persönlich sehr tief. Kann und darf es heute tatsächlich das Ende der klassischen Pauschalreise sein oder gibt es doch noch Möglichkeiten. Es wird wohl zu diesem Thema noch einen „Teil zwei“ zu dieser BBB geben müssen. Soll in Kürze folgen.

Andererseits sehe ich gerade, dass der BTW auf seinem 22. Tourismusgipfel am 4. November eine Podiumsdiskussion mit dem Titel: „Wert der Pauschalreise – ein Geschäftsmodell mit Zukunft?“, mit einer „hochinteressanten Zusammensetzung des Podiums“ mit Thomas Bösl, Geschäftsführer rtk, Norbert Fiebig, Präsident des DRV und Boris Raoul, CEO invia Group, angesetzt hat. Da kann ich mich bis dahin ja völlig entspannt zurücklehnen.

 

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Luftverkehrsteuer: Dauer-Wortbruch der Bundesregierung

Es ist schon dreist, wie die Regierung bei der Luftverkehrsteuer permanent etwas anderes macht, als sie zuvor sagt. Neuester Wortbruch: Die Steuer soll um 40 Prozent erhöht werden, aber nicht zugunsten von Forschung und Entwicklung von regenerativen Kraftstoffen, sondern zugunsten der Deutschen Bahn.

Es war von Anfang an verrückt mit dieser Luftverkehrsteuer beziehungsweise Luftverkehrsabgabe, wie sie ursprünglich hieß. Die Regierung beschloss 2010 ein „Sparpaket“ inklusive erstmals einer Luftverkehrsabgabe (wirksam ab 1. Januar 2011).

Das war schon eine Frechheit diese Abgabe unter dieser Überschrift zu firmieren. Denn wer sparte hier? Niemand. Was mein Nachbar wohl sagen würde, wenn ich ihn um eine kleine Nachbarschaftsabgabe bitten würde und das Ganze noch mit der Begründung „ich muss sparen“. Laut „Sparbeschluss“ sollte diese Steuer nur bis 2012 erhoben werden.

Im Gesetz wurde dann die schöne Überschrift „ökologische Luftverkehrsabgabe“ gewählt, dafür war die Begrenzung bis 2012 verschwunden. Obwohl maßgebliche Verkehrspolitiker, inklusive der damalige Verkehrsminister Ramsauer vor einem nationalen Alleingang gewarnt hatten, setzte sich letztlich der damalige Finanzminister Schäuble durch und alle Kritiker stimmten der Abgabe zu.

Die Kämpfe der Politik und das Überlegen von Möglichkeiten

Von da an gab es immer Gerüchte über die Abschaffung dieser Steuer, so zum Beispiel 2012 als Verkehrsminister Ramsauer zu Protokoll gab, „er kämpfe für eine möglichst umfassende Korrektur der Steuer, die eigentlich weg gehöre“. Aber Ramsauer und „kämpfen“ – das hatte ich schon damals nicht ernst genommen.

2014 erklärten einige Fluggesellschaften und Verbände wie stolz sie seien, dass immer mehr Politiker für die Abschaffung der Luftverkehrsteuer seien. So wurde die damalige Staatssekretärin im Verkehrsministerium Katharina Reiche (CDU) mit der Aussage zitiert: „Ja, wir überlegen ein Phasing out“.

Auf Deutsch heißt das aber, wir faseln kompliziert, machen aber garantiert nichts. Die Airlines glaubten ihr und auch noch anderen Verkehrspolitikern der Regierungsparteien, die von schrittweiser Abschaffung sprachen. Nicht mal Trippelschritte sind daraus geworden. Weil in dieser Sache trotz 631 Bundestagsabgeordneten nur Schäuble etwas zu sagen hatte.

Plötzlich verschwunden: Die Überprüfung der Luftverkehrsteuer

In den Entwürfen zum jetzigen Koalitionsvertrag stand, dass die Luftverkehrsteuer überprüft werden sollte. Große Freude allerorten. In der endgültigen Fassung war dieser Satz verschwunden. Angeblich hat keiner der Unterhändler gemerkt, wie er verschwand, er war nur einfach plötzlich weg. Na, sowas.

 

Ganz wie ursprünglich in der „Sparsitzung“ geplant, verschwinden unverändert zuletzt 1,2 Milliarden Euro im allgemeinen Staatshaushalt, für eine Steuer, die weder gerecht noch wettbewerbsneutral und schon gar nicht auf eine ökologische Steuerung ausgerichtet ist.

Aber in diesem Jahr, auf der Nationalen Luftfahrtkonferenz im August in Leipzig, kam plötzlich Hoffnung auf. Verkehrsminister Andreas Scheuer sprach sich öffentlich für eine Zweckbindung der Luftverkehrsteuer aus.

Das Aufkommen aus der Luftverkehrsteuer soll vergrößert werden (Umschreibung von Erhöhung), um mehr Mittel zur Erforschung und Entwicklung klimafreundlicher Innovationen bereitstellen zu können. Und er fand auf dieser Konferenz fast kein Ende, immer wieder zu betonen „wir setzen uns dafür ein, dass die Einnahmen der Luftverkehrsteuer für Forschung, Innovation und Klimaziele genutzt werden“.

Ergebnis: Plus 40 Prozent

Und Kanzlerin Merkel war auf derselben Konferenz in ihrer Begeisterung für das Thema Flugverkehr kaum zu bremsen. „Deutschland soll Vorreiter für klimaverträgliches Fliegen werden“, „neue Technologien sind auch eine wirtschaftliche Chance“, „die Innovations- und Wettbewerbsfähigkeit des Luftfahrtstandortes Deutschland müsse gestärkt werden“ und besonders schön „wir wollen keine erzwungene Einschränkung unserer Mobilität, wir wollen Fortschritt und Effizienz“.

Ergebnis: Die Luftverkehrsteuer wird um 40 Prozent erhöht, kein Cent der gesamten Luftverkehrssteuer bleibt beim Luftverkehr für Forschungen zu regenerativem Treibstoff.

Worauf kann man sich verlassen? Auf den permanenten Wortbruch der Regierung in Sachen Luftverkehrsteuer. Die oben zitierte Nationale Luftfahrtkonferenz fand am 21.August in Leipzig statt, der zitierte Kabinettsbeschluss am 9. Oktober 2019. Das ist neuer Rekord für einen Wortbruch.

Warum ist die Branche so schwach, um dies alles zu akzeptieren?

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Condor, die letzten Gallier im Thomas Cook-Konzern

Vor mehr als 175 Jahren gründete Thomas Cook in Großbritannien sein touristisches Reich. Die Idee, die seinem Reich zugrunde lag, war größer als sein Reich selbst und machte bald weltweit Schule. Dementsprechend wurde auch nach und nach das TC-Reich größer, Skandinavien und Deutschland kamen beispielsweise hinzu.

Condor wurde vor mehr als 60 Jahren gegründet. Bei allem Spirit, der dieser Gesellschaft schon immer eigen war, mit ihren Gesellschaftern hatte sie selten Glück. Lufthansa liierte sie zwangsweise mit Neckermann. Die zwei passten nie wirklich zusammen. Aber das ist bei Zwangsheiraten leider öfters so.

Abhängige haben wenig Mitspracherecht

Dass Condor irgendwann später in Thomas Cook aufging, war auch keine gewollte Entscheidung. Aber wenn man abhängig ist, wird man nicht gefragt.

Einer der vielen temporären Stammesfürsten von Thomas Cook, Stefan Pichler, nahm dann 2002 Condor auch noch den Namen weg. Das war die höchste Form der Erniedrigung. Da erwachte aber erstmals die voll Widerstandskraft von Condor. Nicht mit uns! Zwei Jahre brauchte Thomas Cook bis „Condor wieder Condor hieß“. Ein teurer Marketing Flop.

2008 ein neuer Anlauf von Thomas Cook, Condor „los zu werden“. „Asset light“ hieß inzwischen eines von vielen Schlagwörtern, die bei den „Cookies“ schnell auf- und genauso schnell wieder verblühten. In Wirklichkeit war man schon damals mit dem Geld klamm und wollte für Condor viel Geld kassieren. Zuviel.

Aber jetzt wurde es wirklich ernst, todernst könnte man sagen. Plötzlich, aber letztlich nicht unerwartet, stand er, der Tod, vor der Tür von Thomas Cook. Ganz Thomas Cook ist vorm Untergang bedroht. Ganz Thomas Cook?

Ganz Thomas Cook? Nein!

Nicht ganz, die alte Story der Gallier, die als Letzte Widerstand leisteten, x-mal im Verlauf der weiteren Geschichte zitiert, lebt auf. Die Gallier heißen jetzt Condorianer und das gallische Dorf liegt in Kelsterbach und sie wollen nicht mit dem Thomas Cook-Reich untergehen.

El Condor pasa? Noch ist das Ende nicht erzählt. Aber es wird ein harter Kampf werden.

Asterix, Obelix, Miraculix, wie immer auch Euer Klarname heißt, ihr habt noch eine Chance.

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Flugbranche „erschreckt“ sich vor der Bahn

Im Bemühen Flugpassagiere auf die Bahn zu ziehen, ist der Bahn ein unglaublicher Paukenschlag gelungen. Alle 280 ICE-Züge bekommen am ersten und letzten Wagen statt einem roten künftig einen grünen Streifen. Da staunt die „böse“ Flugbranche, bei ihrem Bemühen klimafreundlicher zu werden, wie einfach das bei der Bahn geht. Etwas grüne Farbe, „damit man beim Blick auf die Züge erkennt, was aktiver Klimaschutz bei der Bahn bedeutet“, so Bahnchef Richard Lutz.

Auf den Spuren des „grünen Bandes der Sympathie“

Warum es keinen durchgehenden grünen Streifen gibt, wurde nicht erläutert. Vielleicht war in den Köpfen von Bahn und deren Agentur noch zu stark das „grüne Band der Sympathie“ parat. Was aus diesem Unternehmen wurde, ist bekannt. Diesem Spott wollte man aus dem Weg gehen.

Andererseits ist der Teilstreifen auch Sinnbild, dass bei der Bahn nicht durchgehend 100 Prozent Ökostrom verwendet wird. Was durch die Oberleitungen fließt ist zu circa 40 Prozent immer noch der übliche Mix aus Kohle, Gas und Atomstrom. Diese Mischung tanken übrigens auch die so umweltfreundlichen Elektroautos. Immer wenn so ein E-Mobil leise an mir vorbeifährt, muss ich unwillkürlich denken, da wird gerade mit (Teil-)Strom aus Kohlekraftwerken gefahren.

Wie auch immer, zum Großereignis grüner (Teil-)Streifen, ist dann sogar der Bahnbeauftragte der Bundesregierung, Enak Ferlemann, herbeigeeilt um sich zusammen mit Bahnchef Lutz neben dem grünen Streifen fotografieren zu lassen. Dadurch wurde deutlich, was Bundesregierung und Bahn gleichermaßen beherrschen: Symbolpolitik.

Würde mich nicht wundern, wenn demnächst auch einige Automobilfirmen ihre SUVs mit grünem Streifen auf den Markt bringen würden.

Bahn auf Jahre für die Flugbranche keine Konkurrenz

Insofern dürfte sich der Schreck bei Lufthansa und Co. ziemlich schnell wieder gelegt haben. Bis die Bahn ernsthaft zum Konkurrenten wird, werden noch Jahre vergehen. Aber beim Thema Symbolpolitik wird sich Lufthansa Chef Carsten Spohr vielleicht doch ein wenig ärgern. Nicht für alle verständlich wurde vor einiger Zeit die Farbe Gelb im Logo der LH in Blau getauscht. Ich war sogar sehr ärgerlich („Ich will mein Lufthansa Gelb wieder haben“). Was wäre das für ein Öko-Knaller wenn die Lufthansa jetzt das Gelb gegen Grün austauschen würde.

Aber, um der Wahrheit die Ehre zu geben, so ganz unbedarft in Öko-Symbolpolitik ist Lufthansa letztlich doch nicht. Diese Überschrift hätte eigentlich auch ein grünes Band verdient gehabt: „Lufthansa bietet Kunden Öko-Kerosin als CO2-Kompensation an“. Und im Text dann: „Über eine neue Lufthansa-Plattform können Passagiere ihren Kerosin-Verbrauch eins zu eins durch synthetische Kraftstoffe ersetzen“. Wie bitte, habe ich da eine Entwicklung beim Kerosin verpasst?

Da haut Lufthansa Innovation Hub etwas stark auf die Pauke. Gut, dieser Name verpflichtet zu liefern, auch wenn nicht so viel dahinter ist. Über die Plattform „Compensaid“ hat der Passagier die Möglichkeit, die für seinen Flug benötigte (Teil-)Kerosinmenge aus CO2-neutralen synthetischen Kraftstoffen einzukaufen.

Gibt es diesen Treibstoff schon zu kaufen? Gute Nachricht, es gibt ihn schon. Schlechte Nachricht, er kann kaum mehr als in „homöopathischen“ Dosen geliefert werden. Man kompensiert also mit einem Treibstoff, den es kaum gibt.

Immerhin verfliegt Lufthansa dieses Kerosin das ich jetzt „kompensiert“ habe, später auf einem Flug „zusätzlich“. Laut LH-Pressemitteilung passiert das irgendwann (bis zu sechs Monaten). Noch verschwobelter kann man es wohl kaum ausdrücken.

Viel kann das nicht bringen. Für mich riecht das nach Verdummung, höflich ausgedrückt könnte man sagen, da ist viel Dialektik in der Meldung. Es ist letztlich egal ob irgendwann ein „ paar Tropfen“ dieses synthetischen Treibstoff beigemischt  werden oder ob in ferner Zukunft, Flugzeuge komplett damit betankt werden können, wenn es diesen Treibstoff mal in ausreichenden Mengen geben sollte. Was mein aktueller Flug an CO2 aber wirklich verballert hat, wird dadurch nicht ausgeglichen.

Menschen, die auf dieses Zukunftsgeschäft eingehen, denken bestimmt auch darüber nach, sich nach dem Tod einfrieren und später auftauen zu lassen.

 

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Der Spucktüten-Spar-Hammer

Das ist wieder so eine typische Eurowings-Ausrede. Man spart an einem lächerlichen Punkt, begründet das aber mit einer Mega-Ausrede, die „fast immer“ zieht: Umweltschutz.

Jetzt macht mal halblang.

Wie muss man sich eine Management-Sitzung bei Eurowings vorstellen? Da schlägt der Controller als Reaktion auf den Spohrschen-Ergebnisdruck die xte Sparmaßnahme vor: Abschaffung der Spucktüten in den Eurowings-Flugzeugen.

Erstaunlich, dass nicht alle vor Lachen zusammengebrochen sind ob dieses gigantischen Sparvolumens. Einwand eines Sitzungsteilnehmers: „Aber wenn doch mal jemand?“

Neue Entscheidung, schaffen wir nicht alle Tüten ab, für den Notfall genügt eine pro Sitzreihe. Sharing Economy ist das Schlagwort, drei teilen sich eine Tüte.

Die Erfahrung sagt, inkonsequente Entscheidungen sind immer die schlechtesten. Sie haben aber einen Vorteil, das unliebsame Thema ist vom Tisch.

Wie sag ich’s der Presse?

Fast. Dann meldet sich jemand aus der Unternehmenskommunikation: „Wie erkläre ich diese Sparmaßnahme draußen der Presse. Die schreibt doch gleich, jetzt spart Eurowings auch noch an den K…tüten.“

Da legt jemand einen Zeitungsartikel mit der Überschrift „Airlines müssen umweltbewusster werden“ auf den Tisch. Spätestens jetzt hat das Top-Management die Lösung: „Wir sparen nicht, wir werden nur umweltbewusster.“ Genau dafür hat man Topmanager. Sofort läuft die Presseabteilung zur Hochform auf: „Sehr gut, wir machen ’no sickness bags for future!'“

Jemand aus dem High-Potential-Programm, der ausnahmsweise mal als Gast an einer Managementsitzung teilnehmen durfte, schlug vor, die Spucktüte immer dem Mittelsitz zuzuordnen und diesen ab sofort mit einem kleinen Preisaufschlag anzubieten. Dieser Vorschlag, obwohl er der Denkweise eines Billigfliegers perfekt entsprach, wurde nicht weiterverfolgt, weil die Idee nicht aus dem Management kam.

Offensichtlich hatten bei diesem schicksalhaften Meeting Kabinen- und Marketingvertreter Urlaub oder waren zur Konzernabstimmung bei der „Hansa“.

An der Praxis vorbeigedacht

Wäre Marketing in der Sitzung gewesen, hätte es bestimmt gewusst: „Hier geht es immer nur um Kostensparen. Wenn wir die Tüten mit einem Werbeaufdruck versehen, bringt das mehr Geld in die Kasse, als wir Kosten durch diese fragwürdige Entscheidung sparen.“

Wäre die Kabine anwesend gewesen, hätte sie auf die praktischen Probleme aufmerksam gemacht. Es ist richtig, dass in den Tüten auch Kaugummis und anderer Müll entsorgt wird. Wo kommen die Kaugummis jetzt hin? Unter den Sitz?

Und eine Tüte pro Reihe, das wird konkret bedeuten, der erste, der in die Reihe kommt, krallt sich gleich die Tüte, egal ob sie seinem Sitz zugeordnet ist oder nicht. Da haben wir in der Kabine schon Streit zu schlichten, bevor wir überhaupt losfliegen. Weit an der Praxis vorbeigedacht.

Die Sitzung wurde daraufhin beendet, weil „Bild“ von der Sache erfahren hatte und dringend um sofortigen Rückruf bat. Das war dann der Test, ob die Ausrede mit der Umwelt vermittelbar war. War sie nicht. Headline „Bild“ online am 27. August 2019 um 21:49 Uhr: „Jetzt streicht Eurowings sogar die Kotztüten“.

Habe mir gleich einen Merkzettel für den nächsten Eurowings-Flug geschrieben: „Unbedingt Spucktüte mitnehmen.“ Habe keine mehr, um sie ins Auto zu legen.

 

 

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