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Systemrelevant für Urlaubsländer

Das Klatschen ist in Corona Zeiten zum Symbol der Anerkennung für die „Helden des Alltags“ geworden, für jene die systemrelevant sind. Wie passt das mit den Bildern aus Mallorca zusammen, wo die ersten deutschen Touristen mit Klatschen begrüßt wurden? Kaum dem Shutdown entronnen haben diese ungeduldigen und undankbaren Deutschen nichts wichtigeres im Sinn, als so schnell wie möglich wieder zum Urlaub in alle Welt zu fliegen? Das ist oft die deutsche Sicht. Doch sehen wir es mal von der spanischen Seite. Bundeskanzlerin Merkel und der französische Präsident Macron erklärten vor kurzem in selten gewordener Einigkeit, dass mit 500 Mrd. Euro insbesondere den südlichen Mitgliedsländern geholfen werden soll. Unsere Kanzlerin will ihre Ratspräsidentschaft unter die Headline „Zusammenarbeit und Solidarität in der EU“ stellen. Wenn die Ankurbelung der Wirtschaft in den südlichen Ländern funktionieren soll, können jene nicht auf das verzichten, was mit ihr größtes Erfolgsmodell ist: Tourismus. Und vor allem funktioniert dies schneller als in jeder anderen Branche.

Die 11.000 Testpersonen, die jetzt auf Mallorca sind, sollen nicht testen, ob die Abfertigung an unseren Flughäfen noch funktioniert oder ob Tuifly nach wochenlanger Abstinenz noch den Flughafen Palma findet. Vielmehr geht es darum, dass die spanische Seite testen will, wie Tourismus auch in Corona-Zeiten funktionieren kann. Denn eine Welt „nach Corona“ wird es nicht geben. Es wird künftig nur eine Welt „mit Corona“ geben, wie es auch seit 2001 leider eine Welt mit Terrorismus gibt. Deshalb können diese Länder auch nicht warten, bis alles vorbei ist.

Aus diesem Grund haben auf Mallorca die Angestellten mit Mundschutz auf der Straße vor einem ausgewählten Hotel über eine ½ Stunde auf den ersten Bus mit deutschen Touristen gewartet, um diese dann mit sehr ernst gemeintem Beifall zu begrüßen. „Wir brauchen diese Einnahmen, sonst schaffen wir es nicht mehr.“ Bilder wie diese können komplexe Vorgänge manchmal besser abbilden.

Test heißt auch einen anderen Tourismus zu propagieren. Vor allem Massen zu entzerren, Mundschutz, Buffet-Essen anders zu gestalten, Hände desinfizieren, immer Abstand halten und Exzesse jeder Art zu vermeiden. Unser persönlicher Beitrag ist gefordert, dass wir unser Verhalten in Deutschland, dann auch wie selbstverständlich auf das Zielgebiet übertragen.

Mallorca soll zur Blaupause werden, damit Kanaren, Italien, Griechenland folgen können. Auch dort wird man die deutschen Touristen mit Beifall begrüßen. Auch die Türkei wartet auf deutsche Touristen, jetzt sogar mit TÜV-Garantie (leider gilt diese nicht für Erdogan). Erwähnen wir auch Tunesien, wie positiv waren wir auf dieses Land zu Beginn des arabischen Frühlings eingestimmt, Ägypten und viele mehr.

Das kann auch dazu führen, dass sich die Pauschalreise wieder neu erfinden muss. Sicherheit als umfassender Begriff. Sicherheit vor Ort und Sicherheit im Transport, hin und zurück. Auch wenn Außenminister Heiko Maas bis zuletzt versuchte Urlauber zu erschrecken mit dem Satz „wir holen nicht noch ein zweites mal Urlauber zurück“. Schon bei der letzten Rückholaktion war sein Anteil wesentlich geringer, als er uns in seiner Märchenstunde immer wieder erzählte. Deshalb ist auch die Rückholgarantie der Lufthansa gut, sie darf sie nur nicht auf bestimmte Buchungswege beschränken, damit würde der generelle Anspruch „wir holen zurück“ wertlos.

Ich hätte nicht gedacht, dass jemand in Sachen „Urlaub vermiesen“ Heiko Maas noch mal Konkurrenz macht. Doch dann habe ich „Hart aber fair“ in der letzten Woche gesehen mit Karl Lauterbach, dem leider irgendjemand ein Talkshow-Jahresabo für ARD und  ZDF geschenkt hat. Er sieht alles negativ, wobei konkrete Begründungen oft fehlen und wie „dynamisch“ die Wissensentwicklung bei den Virologen ist, haben wir zur Genüge erfahren. Und wagt er sich mal aus seinem Negativ-Häuschen heraus, wird es ganz schlimm. Seine Aussage: „Wir haben nach kontroverser Diskussion TUI gerettet“ und dann mit Blick auf DRV-Präsident Fiebig: „Da wäre es schön, jetzt auch mal Danke zu sagen“. Das zeigte deutlich, wo der Tourismus für ihn seinen Platz hat. Er offenbarte ein beschämendes Politikverständnis nach Gutsherrenart „Schön artig danke sagen“. Verteilen die Geschenke, statt notwendige Hilfen?

Was habe ich in diesem Moment bedauert, nicht in der Sendung gewesen zu sein. Ich hätte ihm geantwortet, „Sie sollten sich lieber entschuldigen dafür, dass Sie und Ihre Regierungs- und Parlamentskolleginnen und –kollegen Tausende von Mitarbeiter von Restaurants, Hotels, Reisebüros, Busunternehmer und Kleinveranstalter haben hängen lassen, dass Sie sich für diese Menschen wenig interessiert haben. Betriebe oft seit Generationen im Familienbesitz sausen jetzt in die Pleite und es wird hier Tausende von Arbeitslosen geben. Tourismus in Deutschland ist mehr als TUI. Die Tourismusbranche ging als erste in den Lockdown und hat keine Chance im Vergleich zu anderen Branchen, die ausgefallenen Umsätze auch nur einigermaßen zurückzuholen.

Als ich den Einspieler in der Sendung zum 1. Mallorca Flug gesehen habe, ist mir sofort aufgefallen, dass TUI-Vorstand Sebastian Ebel an Bord war. Ob DRV-Präsident Fiebich Herrn Ebel nicht kennt? Welche eine Chance wurde da vertan in der Diskussion, wie sicher es ist, im vollbesetzten Ferienflieger zu fliegen, darauf hinzuweisen, dass ein TUI-Vorstand „selbstverständlich“ vorbildlich persönlich mitfliegt. So eine Chance kommt so schnell nicht wieder.

Aber schauen wir mal aktuell auf die Vielzahl von Hotspots hierzulande, Schlachthof in Gütersloh mit inzwischen über 1.300 Infizierten, UPS-Unternehmen in Hannover-Langenhagen, Iduna Hochhaus und angrenzende Hochhäuser in Göttingen und leider andere mehr. Wann kommen die Reisewarnungen anderer Länder vor Reisen nach Deutschland? Oder was passiert, wenn deshalb die Urlaubsländer vor deutschen Touristen warnen. Dann ist Schluss mit Beifall.

 

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Haltung statt Scherze

Am Mittwoch tagen sie wieder, die Kanzlerin und die Ministerpräsidenten/innen, um das weitere Vorgehen in der Corona Krise zu besprechen. Abgesehen davon, dass die Mehrzahl der Länderfürsten am Ende ohnehin macht, was sie will, sollten jetzt endlich, auch für die folgenden Branchen eindeutige und sofortige Lockerungen beschlossen werden.

Gastronomie und Hotellerie

Warum sind ausgerechnet Gastronomie und Hotellerie so negativ im Fokus der Regierenden? Hygiene ist quasi Teil der DNA dieser Branche. Auf diesem hohen Standard (insbesondere im Vergleich mit der Hygiene in den Schulen) haben die meisten Restaurants und Hotels im Hinblick auf die Pandemie nochmals aufgerüstet. Es könnte sofort wieder losgehen.

Warum tut sich die Politik so schwer, endlich den Startschuss zu geben? Ein unglaubliches Argument kam nach der letzten Sitzung von der Kanzlerin: Problem ist, dass man nicht wisse, ob an einem Tisch eine Familie sitze oder Personen aus verschiedenen Hausständen. Wie bitte? Wo ist da das Problem? Das kann man regeln.

Wirklich unfassbar war jedoch der bayrische MP Söder: volle Freigabe auf absehbare Zeit nicht möglich, weil – Achtung – dort wird Alkohol getrunken und danach die Abstandsregel missachtet. Ich möchte lieber nicht wissen, welches Verständnis von Restaurants Herr Söder hat. Am 7.3. (da war Corona aber wirklich schon bekannt) fand im Landkreis Tirschenreuth (Teil von Bayern) das traditionelle Starkbierfest statt. Ergebnis: Im Corona-Hotspot Tirschenreuth gab es danach bis heute 1.114 Infizierte und 119 Todesfälle. Aber kann ein Starkbierfest der Maßstab für Alkoholgenuss in Restaurants sein? Ein ähnlicher Hotspot war in NRW der Landkreis Heinsberg. Ursache wohl zweifelsfrei eine Karnevalsitzung. Aber Karnevalstimmung ist den potenziellen Restaurant- und Hotelbesuchern angesichts der sich abzeichnenden wirtschaftlichen Lage schon lange vergangen.

Ungeachtet der Problematik waren Merkel und Söder in bester Stimmung und haben Scherze gemacht, wo man demnächst Urlaub machen könnte, in Bayern oder im Norden. Zur gleichen Zeit kämpfen viele Restaurants und Hotels, teilweise seit Generationen im Familienbesitz, um ihre Existenz oder haben sie schon verloren. Scherze sind da völlig unangebracht. Empathie kann man wahrscheinlich nicht erwarten, Anstand schon.

Die Aussage des Tourismusbeauftragten der Bundesregierung Thomas Bareiß „die Senkung des Mehrwertsteuersatzes ist für die Restaurants der Rettungsanker“ zeigt erneut mangelnde Kompetenz. Erstens: Das ist keine Soforthilfe, da kann ich einem Ertrinkenden auch zurufen „nächste Woche finden wieder Schwimmkurse statt“. Zweitens: Der verminderte MWSt-Satz soll die Nachfrage stimulieren, aber was nützt ein ermäßigter MWSt-Satz, wenn das Restaurant geschlossen ist.

Reisebüros

Ich habe es nicht für möglich gehalten, aber sie haben es getan. Die Reisebüros demonstrierten am 29.4. tatsächlich auf Straßen und Plätzen. Und noch überraschender, die Medien haben auch darüber prominent berichtet. Ob das aber die Politik beeindruckt?

Es gibt einen entscheidende Unterschied zu alle Branchen, die unter Corona leiden, weil sie keine Einnahmen haben. Die Reisebüros haben ausgerechnet jetzt Minus-Einnahmen, weil sie bereits erhaltene Provisionen auf Reisen, die jetzt alle storniert wurden, zurückzahlen müssen. Deshalb kann es hier nur eine Lösung geben: nicht rückzahlbare Zuschüsse, jetzt sofort. Da zählt ähnlich wie bei den Restaurants jeder Tag.

Für all jene, die meinen man können Reisebüros eins zu eins online ersetzen. Sprechen sie mal mit Reisenden, die in den letzten Wochen von „abgeschaltenen“ Hotlines Hilfe erhofften.

Tourismus

Außenminister Maas sprach zum ersten Mal für Deutschland eine „weltweite“ Reisewarnung aus. Die Warnung betraf im Unterschied zu sonst, nicht Probleme in einem oder mehreren Zielgebieten, sondern das Problem sind diesmal „wir selbst“. Die Reisewarnung ist ein generelles „Ausreiseverbot“. Und das macht es nun schwierig, bilaterale Möglichkeiten für Urlaubsreisen anzudenken.

In den Tagen danach hörte man von Maas nur das Wort „Luftbrücke“. Der Begriff „Luftbrücke“ ist seit der Versorgung West-Berlin in der Nachkriegszeit belegt, aber er wollte wohl dadurch die historische Bedeutung seines Tuns deutlich machen, Urlauber aus den Zielgebieten zurückzuholen. Die großartige Leistung der Krisenstäbe von Airlines und Reiseveranstalter an dieser Aktion ging dabei völlig unter. Abgesehen davon, es wurden nicht nur Urlauber zurückgeholt, sondern auch sehr viele Deutsche, die aus anderen Gründen im Ausland waren (Geschäftsleute, Mitarbeiter von Hilfsorganisationen).

Der Außenminister hat es sich jetzt einfach gemacht und besonders vorschnell das „Ausreiseverbot“ bis 14.6. verlängert. Wenn der Außenminister bei der „Luftbrücke“ die Geschichtsbücher bemüht, sollt er noch mal weiterlesen: Die Macht der „Reisefreiheit“ war immer größer als die der „Ausreiseverbote“.

 

Die Verbandsvertreter müssen öffentlich jetzt deutlich werden: Wir wollen keine Scherze, keine unseriösen Vergleiche und keinen Fahrplan der Mini-Schritte. Nein, wir wollen am Mittwoch Haltung, Handeln und echte Soforthilfe.

 

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Der Tourismus der Zukunft?

Der Tourismus wird nie mehr werden, wie er war? Alles ändert sich, natürlich auch hier. Dazu meinte Bertolt Brecht: Ein Mann, der Herrn K. lange nicht gesehen hatte, begrüßte ihn mit den Worten „Sie haben sich gar nicht verändert“. „Oh!“ sagte Herr K. und erbleichte.

Erinnern Sie sich noch an das touristische Schreckenswort des Sommers 2019: „Overtourismus“. Das Thema schlechthin in der gesellschaftlichen Debatte und in den Medien rauf und runter. Die Richtung der Diskussion war immer: So kann es auf keinen Fall mit dem Tourismus weitergehen. Einer der Top-Manager der Branche prägte da den Satz: „Schlimmer als Overtourismus ist kein Tourismus zu haben“. Damals in anderem Kontext gemeint, hat sich dieser Satz ein 3/4-Jahr später brutal erfüllt.

Man muss mit Analogien immer vorsichtig sein, weil so 100% vergleichbar ist selten. Wir erinnern uns alle an 9/11, der bis dato schlimmste Moment in der Fliegerei. Auch damals: „Fliegen und Tourismus wird nie wieder so sein, wie es war. Geschäftsreisen werden künftig auf ein absolutes Minimum reduziert, Urlaubsreisen werden primär nicht mit dem Flugzeug stattfinden“. So groß war die Angst vor neuen terroristischen Anschlägen. Aber nicht jene, die vor Pessimismus die Segel streichen wollten haben obsiegt, sondern jene, die sofort in Angriff nahmen, was müssen wir „ändern“, um wieder reisen zu können.

Es wurden vorher undenkbare Sicherheitsmaßnahmen in der Fliegerei eingeführt. Jeder Fluggast wurde per Hand abgetastet, Urlauber mussten ihre Nagelschere abgeben, manchmal auch die Schuhe ausziehen, Mitnahme von Flüssigkeiten wurde auf ein absolutes Minimum reduziert.

Als ich im Oktober 2002 in einem Focus-Interview über die denkbare Zukunft des Urlaubs spekulierte und dies unter der Überschrift „Hotels mit Stacheldraht“ erschien, schrie die Branche auf. „Besonders gesicherte Hotels, mit bewaffnetem Personal am Hoteleingang“ – so will niemand Urlaub machen.

Jetzt, fast 20 Jahre später, ist das noch immer unser Alltag: Strenge Securitychecks, besonders gesicherte Hotels und Transfers im Zielgebiet, die von Militär begleitet werden. Das Erstaunliche ist: Wir haben uns daran gewöhnt. Fliegen hat sich verändert, insofern war die Prophezeiung richtig, aber wir flogen bis Corona mehr denn je. Unser Überlebenswille im Allgemeinen und unsere unstillbare Lust auf Reisen und Freiheit im Besonderen haben gesiegt.

Die jetzige Corona-Krise ist nochmals gravierender als 9/11. Keine Frage. Der Tourismus wird nie wieder werden, wie er war. Richtig, er wird anders werden und das muss nicht schlechter sein. Overtourismus soll nicht wieder ein Problem werden. Die alte Form von Strandurlaub, ist aus Klimagründen ohnehin umstritten. Und wie schön Urlaub in Deutschland sein kann, wurde immer mehr ins Bewusstsein gerückt.

Aber ungelöst und schlimmer denn je waren zum Schluss die Probleme, die aus dem Preiswettbewerb und dem daraus folgenden Kostendruck resultierten. Es wurden neue „Massen“ geschaffen, die mit dem alten Thema Massentourismus ursächlich nichts zu tun haben. Immer engere Sitzabstände in immer größeren Flugzeugen, lange Warteschlangen bei den Sicherheitskontrollen, mehr Urlauber in den Transferbussen und Kreuzfahrtschiffe mit 5.000 Betten. In diesen Punkten helfen keine kleinen Korrekturen, da muss man grundsätzlich ran. Wie das Thema terroristische Gefahr auch 20 Jahre nach 9/11 immer noch auf der aktuellen To-do-Liste der Fliegerei steht, wird uns auch dieser Virus (und vielleicht noch weitere) ebenfalls noch in 20 Jahren beschäftigen. Abstand halten, Social Distancing, wird bleiben und die vorher genannten „Massen“ können nicht mehr Teil künftiger Geschäftsmodellen sein.

Was mich aktuell stinksauer macht, sind die fast ausschließlich negativen Kommentare, die jetzt die politische und die mediale Diskussion bestimmen, wie lange jetzt Reisen nicht mehr gehen wird. Von Sommer 2020 bis 2021 und 2022 haben wir alles im Angebot. Und so richtig erst 2023, wenn überhaupt. Natürlich wie immer völlig undifferenziert.

Vorneweg Außenminister Maas, der sich zunehmend darin gefällt, ein vereinfachtes Negativszenario nach dem anderen hinsichtlich künftiger Reisen aufzuzeigen. Vollkommen daneben äußerte er sich jetzt in der Tagesschau, wenn er mal wieder jegliche Hoffnung auf eine Tourismus-Rückkehr glaubte dämpfen zu müssen. Wenn er dabei formulierte „eine normale Urlaubssaison mit vollen Strandbars und vollen Berghütten wird es diesen Sommer nicht geben können“, ist doch jetzt total an dem vorbei, was uns interessiert. Kein halbwegs vernünftiger Mensch träumt von „vollen Strandbars“ (für Herrn Maas ist das vielleicht sein Urlaub schlechthin), sondern nur von der Frage, wann werden Urlaubsreisen, natürlich mit gewissen Einschränkungen wieder möglich werden? Wenn er dann meint, „dies sei schwer zu prognostizieren“, kann ich nur sagen „so schlau sind wir auch“. Es verlangt niemand die 100% sichere Prognose, sondern denkbare Perspektiven mit irgendwo dem Licht am Ende des Tunnels.

Seine österreichische Kollegin hat sich beispielsweise schon an der Idee versucht, ob nicht Österreich und Deutschland für grenzüberschreitende Reisen eine bilaterale Vereinbarung treffen könnten. Das würde zwar der Fliegerei nicht helfen, aber zeigt, dass man auch grundsätzlich positiver an das Thema rangehen kann. Kroatien, Griechenland, jetzt auch Malta sind schon gesprächsbereit, wollen Perspektiven aufzeigen und etwas Hoffnung machen.

Ich plane weitere, mehr bissigere BBBs, in den nächsten Tagen folgen zu lassen. Im Fokus jene, über die sich jeder Touristiker gerade besonders ärgert. Unser  „Negativ-Tourismusminister Maas“, nichts sagen wäre gehaltvoller, der Tourismusbeauftragte Bareiß der die Mehrwertsteuersenkung für Gaststätten als „Rettungsanker“ bezeichnet oder auch Daniel Günther stellvertretend für seine Ministerpräsidentenkollegen/kolleginnen, die meinen ausgerechnet jetzt Förderalismus spielen zu müssen, in  Wirklichkeit aber persönliche Eitelkeiten ausleben .

Aber auch über die Tourismusbranche selbst wird zu reden sein, so ganz unschuldig ist sie an der öffentlichen Verunsicherung auch nicht und was sie spätestens jetzt ändern muss. Die Reisebüros wollen am 29.4. endlich laut werden und nicht weiter alles „erdulden“ wollen. Und zuletzt die Frage, werden Restaurants und Hotels wirklich als Letzte wieder öffnen dürfen? Eventuell sogar nach gewissen Etablissements?

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ITB hinter Mundschutz

Ich sehe jetzt schon die Headline „ITB hinter Mundschutz“ vor mir. Wohlmeinende setzen vielleicht noch ein Fragezeichen dahinter. Journalisten erzählen mir, wie sie derzeit noch von Verbands- und großen Touristikplayern mit allgemeinen Floskeln abgespeist werden.

Spätestens jetzt, nach dem sensationellen Sinneswandel unseres Gesundheitsministers innerhalb von 48 Stunden, hilft Abwiegeln nicht. Immer wenn Herr Spahn sich positiv äußert, aber versehen mit dem Wörtchen „derzeit“, weiß man, das vorhergesagte hilft uns nicht weiter.

Jetzt gilt es festzuhalten, der Coronavirus ist nicht nur in Deutschland, sondern spätestens seit Teneriffa, auch in der Touristik angekommen. Beide, Touristik und Flugbranche, sitzen wieder im gleichen Leidensboot. Es wird höchste Zeit, dass die Branche die aktive Hoheit über die Kommunikation zum Thema Coronavirus übernimmt.

Wiederum gilt „Emotionen kann man nicht mit Fakten bekämpfen, sondern wiederum nur mit Emotionen“. Hinweise auf die heftigste Grippewelle in Deutschland 2017/18 mit 25.100 Toten (lt. Robert-Koch-Institut) und trotzdem keine Absage der ITB sind jetzt in der Diskussion leider wenig hilfreich. Diese Todeszahl gilt zwar als ziemlich genau, aber es wurde damals nicht erfasst (mangels Interesse), wie viele der Opfer sich auf einer Messe angesteckt haben. Ebenso wenig hilfreich ist der Verweis auf 74.000 Tote in einem Jahr durch Alkohol (bzw. in Verbindung mit Tabak). Wobei ein Zusammenhang von ITB und Alkohol noch als unerforscht gilt.

Die WHO hat für das Jahr 2016 eine Zahl von weltweit 3 Mio. Tote durch Alkohol genannt, ohne einen internationalen Notstand auszurufen. Noch habe ich deshalb keinen Polizist vor einem Alkohol- oder Tabakladen gesehen.

Zurück zur ITB. Jetzt haben wir die Situation, dass Spahn offiziell darauf hinweist, dass wir am Beginn einer Epedemie stehen und Seehofer ihn auf der Pressekonferenz etwas süffisant ergänzt, „Beginn bedeutet, dass noch mehr kommen wird“.

Man muss sich gar nicht den Worst Case eines extremen Ausbruchs auf der Messe primär vorstellen, es genügt, wenn der erste Corona Verdacht während der Messe auftritt (die Bestätigung der Infektion wird erst später festgestellt werden können). Zuständig für die erste Entscheidung wird die Amtsärztin des Berliner Bezirks Charlottenburg-Wilmerdorf sein. Ihr Spielraum hinsichtlich Stilllegung der Messe oder Teile der Messe dürfte angesichts des bisherigen üblichen Verfahrens in Deutschland sehr gering sein. Da kommt mir gerade in den Sinn, wie sich damals Hartmut Mehdorn darüber aufgeregt hat, dass die Entscheidung über die Genehmigung der Brandanlage des BER bei „einem Landrat im Spreewald liege“.

Wie auch immer die Entscheidung zur ITB ausfällt, die Branche muss ganz schnell insbesondere hinsichtlich des weiteren Buchungsverlaufs einen Masterplan Kommunikation vorlegen. Wie kann es sein, dass eine Branche die hinsichtlich Management in Krisensituationen Hervorragendes leistet, im Vorfeld bzw. Aufkommen von Problemen so lange kommunikativ den Kopf in den Sand steckt und kritische Fragen einfach negiert.

Auch ich habe da so meine Erfahrungen: Im Oktober 2002 hatte ich mir eine Menge Branchenärger eingehandelt, weil ich im Focus ein Interview gab, mit Ausblick auf die Zukunft, unter dem Titel: „Urlaub in Hotels hinter Stacheldraht“. Es hat nicht lange gedauert, dann waren die beschriebenen Sicherheitsmaßnahmen für Urlaubsflüge und -hotels Standard. Der Fatalismus der Urlauber hat das leichter weggesteckt, als die Kommunikationsabteilungen der Reisebranche.

Im Mai letzten Jahres habe ich hier an dieser Stelle geschrieben „Flugbranche bitte laut melden“ und um dann im August hier an dieser Stelle feststellen zu müssen „Flugbranche als Staatsfeind #1“.

Danach ist die Branche so langsam kommunikativ erwacht und in die Kommunikationsoffensive gegangen. Bis zu diesem Zeitpunkt hatten allerdings andere schon die Kommunikationshoheit übernommen.

Coronavirus ist nicht das Ende des Tourismus, also bringt „für das morgen“ zu arbeiten und bei potenziellen Kunden Vertrauen zu erwerben mehr, als „für das heute“ nur Placebo zu verteilen. Dazu wird auch zählen, das Thema Sicherungsschein endlich positiv kurzfristig zu erledigen und keine „Spielchen“ zu treiben.

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Condor hat ihren Lewandowski gefunden

Mit ihren Eltern hatte die Condor in der Vergangenheit wenig Glück. Die letzten Eltern der Condor zeichneten sich dadurch aus, dass sie fast immer finanziell ziemlich klamm waren. Trotzdem hat sich die Condor erstaunlich gut gehalten. Aber noch nie war die Lage so ernst wie in den letzten Monaten. Der Traum vom „weißen Ritter“, den alle großen Firmen kurz vor der endgültigen Pleite haben, ging zum Glück bei Condor in Erfüllung. Condor wurde mal wieder „adoptiert“.

„LOT übernimmt Condor“ lautete die überraschende Schlagzeile, die nun wirklich niemand auf dem Vorhersage-Zettel hatte. Es wäre zu wünschen, dass diese verwandtschaftliche Beziehung richtig erfolgreich wird. In Anlehnung an die Slogans von Air Berlin aus ihrer erfolgreichen Zeit (beispielsweise „Fliegen ohne Air Berlin ist wie Auf ohne Atmen“), wird es jetzt bei Condor heißen: „Condor ohne LOT ist wie Bayern München ohne Lewandowski“.

Genau genommen heißen die neuen Eltern „Polska Grupa Lotnicza (PGL)“ (Muttergesellschaft von LOT). Aber erstens ist das etwas schwieriger auszusprechen und zweitens waren die korrekten Eltern- bzw. Großelternnamen in der Geschichte der Condor immer etwas komplizierter als gesprochen

Eigentlich gibt es bei Condor zwei Vorfahrenstämme. Einmal die 1955 von Norddeutscher Lloyd, Hamburg-Amerika-Linie, Deutsche Lufthansa und Deutsche Bundesbahn geborene Deutsche Flugdienst GmbH und fast parallel die 1957 von Dr. Oetker geborene Condor Flugdienst GmbH (also auch etwas Backpulver in der DNA). 1961 packte die Deutsche Lufthansa beides zusammen als Condor Flugdienst. Es begann die einzige eindeutige und auch schönste Lebensphase der Condor.

Der Verkauf von Condor in verschiedenen Phasen brachte wenig Glück. In der neuen Muttergesellschaft mit Neckermann, die sich ausgesprochen fantasielos C&N nannte, passte wenig zusammen. Die Veränderungen bei verschiedenen Muttergesellschaften wie KarstadtQuelle, Arcandor oder Thomas Cook waren für Condor in Folge immer ein Kampf ums Überleben. Bei den vielen Gerüchten über Notverkauf der Condor ging es nie darum die Condor, sondernd deren jeweilige Mutter zu retten.

Gemessen an den Geschäftsführern bzw. Aufsichtsräte vergangener Jahre, wie der spätere Fernsehshowmaster Wim Thoelke oder Eberhard von Brauchitsch, der später durch den Flick-Spendenskandal zweifelhafte Berühmtheit erlangte oder Thomas Middelhoff, der erst durch die touristischen Gazetten hochgelobt und später durch die „Gelben Seiten der Boulevard-Presse“ niedergeschrieben wurde oder Stefan Pichler, der es sogar wagte, den Namen Condor zu eliminieren, wofür man ihn noch heute eine „how dare you“ zurufen möchten, aber was ihm letztlich auch nicht gut bekam, ist die heutige Condor-Geschäftsführung „ziemlich normal“. Was an dieser Stelle als Kompliment und als Hoffnung auf gute Zeiten betrachtet werden sollte.

Vielleicht läutet das neue Dream-Team Condor/LOT ähnlich wie Bayern München/Lewandowski jetzt eine Saison für die Geschichtsbücher ein.

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Nächste Woche muss ich „leider“ eine BBB zum Thema Kundengeldabsicherung schreiben. Was sich hier Teile der Branche und die Politik leisten muss dringen „gebissen“ werden. „Wird schon gut gehen“ ist keine Alternative

 

 

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In 2020 wird alles besser. Wirklich?

2019 war für Tourismus und Fliegerei wahrlich kein Glanzjahr. Insofern könnte man annehmen, dass es nur besser werden könne. Da bin ich mir nicht so sicher. Schlechtleistung scheint zum System geworden zu sein und eine Trendwende ist nicht erkennbar.

178 Jahre nach der ersten Pauschalreise durch Thomas Cook, fahren die aktuellen Manager das Unternehmen gegen die Wand. Nicht nur, dass ein ehemals glorreiches Unternehmen sein unrühmliches Ende gefunden hat, es stürzt sowohl seine Kunden als auch die gesamte Branche in eine tiefe Krise.

Vor 103 Jahren wurde die Firma Boeing gegründet. Eine stolze Flugzeugfabrik, der Erstflug der B 747 im Februar 1969 (im gleichen Jahr wie die erste Mondlandung) zählt zu den Sternstunden der Fliegereigeschichte. Das Boeing-Arbeitspferd B 737 ist über mehrere Generationen hinweg gefertigt der weltweit meistgebaute Flugzeugtyp und wurde inzwischen über 10.000 mal verkauft. Aber mit der neuesten Version 737max gelingt es Boeing nicht, ein zuverlässiges Flugzeug zu fertigen. Nachdem alle Parkmöglichkeiten der gefertigten aber nicht einsatzfähigen Flugzeuge erschöpft sind, mehr als 400 Exemplare stehen inzwischen sinnlos auf irgendwelchen Parkplätzen rum, wird die weitere Fertigung jetzt endlich eingestellt. Aber die 737max ist nicht nur ein Boeing-Problem. Weltweit geraten dadurch Kunden und Zulieferer ohne eigenes Verschulden in tiefe wirtschaftliche Probleme.

Beiden Skandalen ist eines gemeinsam und das ist für mich die erschreckende Bilanz aus 2019, das bislang fast blinde Vertrauen der Kunden „in Sicherheit“, ein wesentlicher Erfolgsgarant für beide Industrien, ist zumindest fahrlässig, wenn nicht sogar mehr als fahrlässig, zerstört worden.

Laut Information des Konkursverwalters stand Thomas Cook zuletzt mit 10,8 Mrd. Euro im Minus. Auch ein sehr unfähiges Management schafft diese Anhäufung nicht in kurzer Zeit. Irgendwann muss es auch dort deutlich geworden sein, als immer noch Gelder buchender Kunden eingesammelt wurden, das dieses Konstrukt schief geht. Irgendwann muss auch der Politik und den Verbänden (in Deutschland) klar geworden sein, dass die Deckelung der Haftungs-Versicherungssumme in Höhe von 110 Mio. Euro nicht ausreichend sein wird. Fast alle haben aber zugesehen und gewartet bis es zum Crash kam.

Bei Boeing kommen laufend neue Einzelheiten ans Licht, wie die Firmenphilosophie nicht sachgerecht auf Mängelanzeigen aus dem Betrieb reagierte. Auch hier negierte man kritische Meldungen und bot Lösungen an, die im Verhältnis zum Problem eigentlich als außerordentliche Chuzpe bezeichnet werden muss. Auch hier haben Politik und FAA viel zu lange weggesehen (oder nicht begriffen), wie von Seiten des Managements getrickst wurde. Wird schon gutgehen. Ging aber nicht. So langsam wagen sich einige Whistleblower ans Licht der Öffentlichkeit und machen auch auf Probleme bei anderen Boeing-Typen aufmerksam.

Aber Vertrauen in Sicherheit wieder zu gewinnen, ist keine Sache, die sich mit dem Abriss des Kalenderblattes 31. Dezember 2019, automatisch einstellt.

Zumal verwunderlich ist, wie nonchalant die Verantwortlichen noch immer mit dem Thema Sicherungsschein für die Pauschalreise umgehen. Ihn zu beerdigen wäre ehrlicher, als ihn weiter auszugeben, in der schon einmal getrogenen Meinung, er wäre in „jedem Fall sicher“. Das gleiche gilt für die unverändert fehlende Absicherung für voraus gezahlte Flugtickets. Das sehr gelassene Lobby-Motto lautet: wenn es wieder mal schiefgeht, halten wir das schon aus. Offensichtlich halten Branche und Politik „Vertrauen“ nicht für eine harte Währung. „Gesagt“ und „Getan“ – selten war der Unterschied größer.

Ähnlich könnte man auf das Thema Schlechtleistung in der deutschen Fliegerei eingehen. Wobei der Fokus hier auf dem Gesamtpaket Flug liegen sollte. Ewig lange Schlangen an der Sicherheitskontrolle, zwei Stunden Wartezeit ist nicht mehr die Ausnahme, sie „versauen“ das Erlebnis Flug, bevor es angefangen hat. Aber dies wird inzwischen als „normal“ angesehen und es gibt keine ernsthaften Bemühungen, außer „staatstragenden Sonntagsworten“, dass sich dies in 2020 ändern sollte. In DUS darf die schon lange negativ beleumundete Sicherheitsfirma Kötter so einfach aus einem laufenden Vertrag aussteigen, weil sie keinen „Bock mehr“ auf eine ordentliche Leistungserfüllung hat.

Wenn es insgesamt nicht besser (seriöser) wird, könnte man leicht abgewandelt Christian Lindner (FDP) zitieren: Lieber nicht reisen, als schlecht reisen.

1989 war „Reisefreiheit“ das Wort des Jahres. Reisefreiheit heute kann man so definieren: „Jeder darf so schlecht reisen, wie ihm der ‚billige Preis‘ noch Spaß macht“, aber leider leiden auch jene darunter, die einen anderen Anspruch inklusive entsprechender Zahlungsbereitschaft haben.

Noch eine letzte „bissige Bemerkung“ zum Jahreswechsel. Gerüchteweise wird im Hintergrund nach einem neuen Bundes-Verkehrsminister gesucht. Ein Merkmal, angesichts der Vorgänger Scheuer, Dobrindt, Ramsauer, sollte angeblich absolutes Desinteresse für das Thema Flug sein. So jemand wird sich doch in Bayern finden lassen.

 

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Pauschalreise: „Weiter so“ – ist keine Option

Es war die größte und auch makaberste Reisekatastrophe der letzten Jahren: ausgerechnet Thomas Cook, der Erfinder der Pauschalreise, geht pleite. Und diese Pleite verlief extrem ungeordnet. Aus „den schönsten Wochen des Jahres“ wurde leider der alte Neckermann Slogan: „Für die kostbarsten Wochen des Jahres Neckermann buchen.“ Denn das war es für Tausende von Urlaubern, sehr kostbar aber leider futsch. Und zwar im doppelten Sinne, nicht nur der Urlaub als solcher war futsch, auch das Geld für den Urlaub war futsch.

Aber letzteres kann bei einem seriösen Anbieter nicht sein, dafür gibt es den „hochgelobten Sicherungsschein“, ein ganz wesentlicher Bestandteil der Pauschalreise, was sie so sehr von anderen Buchungsformen einer Reise abhebt. Immer wieder und wieder wurde von der Branche, Verbraucherschützern usw. darauf hingewiesen: Achten Sie darauf, dass Sie „den Sicherungsschein“ erhalten. Aber jetzt der GAU: der Sicherungsschein ist so gut wie nichts wert.

Jetzt müsste man annehmen, dass das die Branche in helle Aufregung versetzt. Tagelang wird 24 Stunden durchgearbeitet, bis eine tragfähige Ersatzlösung gefunden ist. Weit gefehlt. Das ist für mich skandalös.

Wie lief das die letzten Wochen eigentlich, wenn man dem Kunden den Sicherungsschein in die Hand gedrückt hat? War das echt ein Entscheidungsargument?

Da beteuert DRV-Präsident Norbert Fiebig in bester „Pilatus“-Manier („ich wasche meine Hände in Unschuld“) wir haben keine Schuld: „Es war nicht damit zu rechnen, dass der zweitgrößte Touristikkonzern aus dem Markt ausscheidet“. Diese Aussage mag juristisch helfen. Aber gegenüber den Kunden? Müsste hier nicht zwingend der Umkehrschluss folgen: „aber wir haben alles getan, dass so etwas nicht nochmal passiert und zwar…….“.

Aber alles, was ich bisher dazu von den Branchenbossen gehört habe, war, wie toll die Pauschalreise ist, dass sie auch in Zukunft noch genauso erfolgreich sein wird und deshalb „weiter so“.

Wo ist der Impuls für „neues“ Vertrauen (Betonung „neues“). Das müsste m.E. als die zentrale Aussage von der DRV-Jahrestagung kommen und zwar nachvollziehbar.

Die großen Veranstalter haben ihren Ansatz schon gefunden. Sie punkten noch mehr mit ihrer starken Marke. Das ist logisch und wird auch erfolgreich sein. Da haben nur die kleineren und mittleren Veranstalter nichts davon. Bleibt offen, wie relevant diese für den Verband sind?

Wobei ich beim DER schon etwas grinsen musste: DER versucht Vertrauen zu schaffen durch ihre starke Mutter. Das glaubte Air Berlin mit Etihad auch.

Ist eine Katastrophe passiert, wird anschließend auch gerne abgelenkt, wie toll man das „Danach“ gemanagt hat. Das hat man schon oft im TV gesehen. Da ist zumeist der Innenminister im Bild, der dann erklärt „zuerst möchte ich der Feuerwehr, den Rettungskräften, der Polizei usw. danken“, dass das Unglück nicht noch größer ausgefallen ist.  Das lenkt davon ab, dass man zu den Ursachen nicht Stellung beziehen will.

Da war der DRV in bester Gesellschaft „die Rückholung der Kunden aus dem Zielgebiet hat aufgrund der Beiträge der Branche und des DRV-Krisenmanagements gut funktioniert“. Bei diesem DRV-Lob hat manche/r im Hinblick auf die eigene Leistung ganz fest in die Tischplatte gebissen.

Ganz auf diesem Trip war natürlich auch der Tourismusbeauftragte der Bundesregierung, Thomas Bareiß, der „sofort“ in das „Krisenzentrum des DRV“ flitzte und sich freute, „dass die derzeit unterwegs befindlichen Kunden ihren wohlverdienten Urlaub noch genießen können“. Wie peinlich. Man sollte nur das machen, was man wirklich kann: schöne Grußworte bei Branchenevents sprechen.

Oder ist er inzwischen aktiv geworden, wie die Regierung jene Urlauber, die auf immensem Schaden sitzen, entschädigen kann? Basis: Regierungsuntätigkeit hinsichtlich Absicherung (siehe auch EU).

Die DRV-Jahrestagung findet dieses Jahr auf einem Schiff statt, da bleibt viel Zeit für offizielle und inoffizielle Gespräche. Und keine Angst auf dem Schiff. Der DRV ist dieses Jahr schon gegen einen großen Eisberg geknallt und analog zu seiner Denkweise, wird das garantiert nicht noch einmal passieren.

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Erhöhung der Luftverkehrssteuer: Bundesregierung behält das meiste für sich

Highlights verschiedener Meldungen der letzten Tage:

  • „Gegenteil von Klimaschutz“: Luftverkehrssteuer fließt in Regionalflughäfen
  • Gelder aus der Erhöhung der Luftverkehrssteuer fließen zurück für Innovationen in den Luftverkehr: Haushaltsausschuss beschließt 100 Millionen Förderung für PTL-Kerosin
  • Und die neueste „Sau, die durchs Dorf getrieben wird“: Verbotspläne für Privatjets

Man mag schon gar nicht mehr in die Tagespresse schauen. Der Unsinn, der hier teilweise als Argumentation gegen das Fliegen verzapft wird, treibt den eigenen Blutdruck in lebensgefährliche Höhen. Aber man sollte auch das „Kleingedruckte“ am Ende dieser Beiträge lesen.

Geld fließt nicht zur Stärkung Regional-Luftverkehr

Da scheibt n-tv, das Geld aus der neuerdings erhöhten Luftverkehrssteuer „fließt nicht etwa in den Klimaschutz, sondern schnurstracks zurück in den Luftverkehr“. Nur zur Erinnerung: Um mehr als 750 Millionen Euro wird die Luftverkehrssteuer erhöht und wieviel davon fließt den Regionalflughäfen zu?

In 2020 sollen es 20 Millionen Euro werden. Aber nicht, damit der Luftverkehr dort „anschwillt“. Das Geld dient vielmehr als teilweise Erstattung der Mehrkosten (Gebühren), weil die Deutsche Flugsicherung die An- und Abflugkontrolle künftig übernehmen soll.

Aber das hindert den Geschäftsführer der „Allianz pro Schiene“, die in ihrem eigenen Geschäftsfeld nichts gebacken bekommt, nicht daran, irreführend von „neuen Subventionen für die Regionalflughäfen“ zu sprechen.

Bahn bekommt kein zusätzliches Geld

Von den 750 Millionen Euro Mehreinnahmen aus der Luftverkehrssteuer sollen circa 500 Millionen Euro die Mehrwertsteuerreduzierung bei der Bahn ausgleichen. Ob es allen Bahnfreaks klar ist, dass dieses Geld der Bahn nicht zusätzlich zur Verfügung steht, sondern quasi unmittelbar zurückfließt, um ein Mehrwertsteuerloch im Bundeshaushalt zu schließen? Nur mal so zum Nachdenken.

Man könnte jetzt nochmal bösartigerweise in Erinnerung bringen, dass die Bahn eben nicht mit 100 Prozent Ökostrom fährt, wie auch die Elektroautos auf unseren Straßen mit einem Strommix fahren, in dem immer noch ein erheblicher Anteil von Kohlekraftwerken stammt.

Viel zu wenig Geld für Entwicklung synthetischer Kraftstoffe

Und welch große Freude, der Haushaltsauschuss des Bundestages hat erstmals Mittel für die Förderung und Entwicklung von synthetischen Kraftstoffen im PTL-Verfahren (Power to Liquid) bereitgestellt. Die Förderung sieht zunächst 100 Millionen Euro für die Jahre 2020 und 2021 vor.

Ganz langsam zum Mitdenken: Von 750 Millionen Euro Mehreinnahmen aus der Luftverkehrsteuer, aus jetzt insgesamt circa 1,8 Milliarden Euro Luftverkehrsteuer in den nächsten Jahren, fließen nur 100 Millionen Euro zurück in die wichtigste Aufgabe, um zum klimaneutralen Fliegen zu kommen?

Der nächste Satz mag etwas populistisch klingen, aber er muss sein um die Relationen klar zu stellen. Zum gleichen Zeitpunkt hat Bundeskanzlerin Merkel bei ihrem Besuch der indische Regierung 1 Mrd. Euro (schreibt sich so: 1.000.000.000 Euro) für den Ausbau „umweltfreundlicher Verkehrsmittel“ (gemeint sind Elektrobusse) zugesagt.

Und jetzt kommt das ganz große Superthema: Verbotspläne für Privatjets.

Da sieht der Aktivist doch „die Reichen“ mit ihrem Jet zum Champagner trinken nach Paris fliegen. Aber wie sieht die Wirklichkeit aus? Linienfluggesellschaften und Bahn zogen sich in den letzten Jahren immer mehr aus der Fläche zurück.

Und genau in der „Fläche“ sitzen Tausend erfolgreiche Firmen mit ihrem weltweiten Business. Sie sind das Rückgrat unserer erfolgreichen Industriegesellschaft. Kanzlerin und Minister lassen sich gerne dort bei ihrem Besuch fotografieren. Aber diese Firmen könnten ohne die kleinen Flughäfen (die 70 Prozent aller Flugbewegungen in Deutschland abwickeln) und die kleinen Businessjets weltweit nicht überleben. Weil eben hier sehr schnell Mitarbeiter und auch Ersatzteile zum Kunden gebracht werden müssen. Dabei wären genau diese kleinen Flugzeuge die idealen Protagonisten, um Vorreiter für emissionsfreies Fliegen zu werden.

Die Diskussion gegen diesen Teil der Fliegerei erinnert mich stark an die faktenfreie Polemik damals gegen den Flughafen Tempelhof in 2008. Da argumentierten die Flughafen-Gegner (der damalige Regierende Wowereit vorneweg) „keine Geschenke für Reiche“ (sprich „Privatjet-Fliegende“). Und so wurde der Flughafen nicht nur geschlossen, sondern „zur Sicherheit“ auch noch entwidmet, obwohl kein Feldhamster sich in seiner Ruhe gestört fühlte und keine Anwohner gegen den Fluglärm protestierten.

Zur Sicherheit wurde dann noch nachgeschoben, die Eröffnung des künftigen Großflughafens „Airport Berlin Brandenburg International“ dürfe nicht gefährdet werden. Über letzteres darf mehr als zehn Jahre später herzlich gelacht werden.

 

Die nächste BBB, noch rechtzeitig vor der DRV-Jahrestagung, wird sich mit der Pleite von Thomas Cook und der Frage „kann es mit der Pauschalreise weitergehen?“ beschäftigen.

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Ein unmoralisches Angebot

Eurowings und PR, das passt irgendwie nicht zusammen. Und dann noch Twitter-Schnellschuss, anstatt vorher kurz zu reflektieren, ob da ein Minimum Sinn in der Nachricht steckt. Das kann nur peinlich enden. Deshalb sollte es Eurowings auch grundsätzlich lassen.

Als Greta Thunberg zwar spektakulär, aber als Vorbild eher arm, in einem Spezial-Segelboot in die USA lossegelte, habe ich mich von Anfang an gefragt, ob sie auch darüber nachgedacht hat, wie sie wieder nach Europa zurückkommen will? Nochmal die gleiche Tour mit dem Segelboot ergäbe ja Null-Aufmerksamkeit. Mit dem Flugzeug zurück? Dann hätte man sich die Tortur hin ersparen können. Im Kreuzfahrtschiff zurück? Das wäre ein totaler Imageschaden. Mit einem Frachtschiff zurück? Umweltmäßig geht es nicht schlimmer.

Es ist zwar unglaublich, aber so richtig hat sich Greta Thunberg und ihr Management-Anhang dazu wohl keine Gedanken gemacht. Plötzlich kommt Entscheidungsdruck auf, weil die nächste Klimakonferenz (Beginn 2. Dezember) sehr kurzfristig von Chile nach Madrid verlegt wurde. Für die Masse der Teilnehmer, die gewohnt im Flugzeug quer über die Kontinente reisen, kein Problem.

Außer für Greta Thunberg. Sie braucht Hilfe und bittet um solche.

Ausgerechnet Eurowings bringt sich ins Spiel

Wenn man mich in diesem Moment gefragt hätte, wer könnte für Hilfe in Frage kommen, ehrlich, ich wäre auch nach tagelangem Nachdenken nicht auf Eurowings gekommen.

Das war die Eurowings Twitter-Nachricht an Greta Thunberg: „Wir können helfen“. Schon bei diesem Satz hatten Tausend Eurowings-Kunden, die in den letzten Monaten nach all dem Chaos vergeblich „auf Hilfe“ von Eurowings gehofft hatten, nur einen Gedanken: „How dare you?“

Und Eurowings schrieb weiter „wir laden Dich auf einen Eurowings-Flug von New York nach Düsseldorf ein“. Mal abgesehen, dass zwischen Düsseldorf und Madrid mal schlappe 1500 Kilometer liegen (oder sollte eine außerplanmäßige Zwischenlandung in Madrid stattfinden?), hat Eurowings ernsthaft eine Sekunde geglaubt, dass die „Anti-Flug-Ikone“ dieses Angebot annehmen würde?

Angenommen, nur mal angenommen, Greta wäre auf das Angebot eingegangen. Und dann käme ein auch auf Eurowings ausgeweiteter Streik von Ufo dazwischen. Eurowings müsste Greta schreiben, „sorry, Eurowings-Flug fällt aus wegen Ufo“. Und dann antwortet Greta: „Oh, Ufo… might be an option“.

Beweggründe bleiben unklar

Also was war der geplante Effekt des vergifteten „Umsonst-Fluges“? War es nur der Wunsch nach den legendären „15 Minuten Ruhm“ wie es Andy Warhol mal formulierte? Oder gnadenlose Selbstüberschätzung? Billige PR?

Von den Twitter-Reaktionen zitiere ich mal nur eine: „Leider wird Greta die Konferenz wegen der Verspätungen, Flugabsagen und Zwischenfälle verpassen“.

Tja, liebe Eurowings, das ist Euer Image.

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Klima und Flugreisen

„Klima und Flugreisen“
SWR-Radio, 4.11.2019

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