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2010 – ein Jubeljahr für die Nacktscanner-Fetischisten?

Alles Gute für 2010! Keine Branche freut sich so sehr auf das neue Jahr wie die Flughafen-Sicherheitsindustrie. Endlich hat man einen „guten“ Grund um noch mehr aufzurüsten. Eine ganze Branche und übereifrige Populisten (einige Voyeure sind nicht auszuschließen) rufen gemeinsam Halleluja, das Jahr fängt ja gut an. Endlich können wir die Diskussions-Klamotten vom letzten Jahr wieder aus der Schublade holen und unsere lieben und teuren Nacktscanner verkaufen. Der große Coup, den die Pharma-Industrie mit ihren Schweinegrippe-Impfstoffen nicht ganz geschafft hat, die Sicherheitsfirmen haben gute Chancen ihn zu realisieren. Vorneweg der sog. „Innenexperte“ der CDU, Wolfgang Bosbach. Von Merkel zum zweiten Mal bei der Kabinettsbildung mit Vorsatz übersehen, hat er wieder als erster gewusst was das Land braucht: Nacktscanner. Wirklich schlimm, wie sich einige Politiker bei diesem Thema voreilig austoben dürfen.

Bevor man über die nächste Sicherheitsstufe diskutiert, könnte man aber auch aus dem Folgenden Konsequenzen ziehen:
— Angeblich wurde der Attentäter in Amsterdam an den Sicherheitskontrollen
vorbeigeleitet („armer Verfolgter aus Sudan, dem man das ersparen sollte“).
— Wenn man es geschickt anstellt, kann man auch in Deutschland alles Mögliche an den Kontrollen vorbeischleusen (siehe BBBs vom 5.4.2009 „Wie man mit 5 Liter Flüssigkeit locker an der Flughafen-Sicherheitskontrollen vorbei kommt“).
— Die Gewerkschaft der Polizei berichtet, dass es Bundespolizisten bei Tests immer wieder gelinge Waffen (die heute schon erkannt werden müssten) an den Kontrollen am Flughafen vorbeizuschmuggeln, und zwar in einem erheblichen Prozentsatz.
— Werden wohl nicht nur in Amsterdam Leiharbeitskräfte beschäftigt, bei denen die persönlichen Sicherheitsstandards nicht mit gleicher Konsequenz überprüft werden (können/sollen?). Wie schlecht die Stimmung „dieses Personals“ zumeist ist, dürfen wir Passagiere immer wieder aufs Neue „erleben“.
— Bekommt man im Duty-free-Shop vieles von den Dingen, die man vorher abgenommen bekommen hat. Aber das Sortiment hier einzuschränken, das schafft niemand. Zu sehr stehen hier handfeste wirtschaftliche Interessen auf dem Spiel. Und im Zweifel schlägt Profit die Sicherheit (alte Lebenserfahrung).
— Und was die ganze Informations-Sammel-Neurose der Amerikaner wert ist, kann man am besagten Attentäter von Detroit präzise verfolgen. Man wusste soviel über diesen Mann, hat es aber im entscheidenden Moment nicht zusammen bekommen. Und jetzt wollen unsere „Freunde“ noch mehr Informationen vorab.

Wir, die lieben Fluggäste, werden diesem Mehr an Sicherheit nicht entgehen können, ob es etwas bringt oder nicht. Das einzig Gute an alledem. Die Mehrzahl der Fluggäste weiß dies, entgegen der politischen Hysterie, richtig einzuschätzen. Sie ärgern sich zwar tierisch bei den Flughafenkontrollen über Unfreundlichkeit und vieles deren Sinn sie nicht nachvollziehen können, aber sie fliegen trotzdem. Und das ist gut so.
Aber irgendwo muss Schluss sein mit dem größten Unsinn. Denn als nächste Diskussionsstufe steht an: Versteck von Sprengstoff in einer „rektalen Körperöffnung“. Was das dann bedeutet kann sich jeder selbst ausmalen. Einige BBB-Leser haben als Kommentar zu den BBBs vom 30.11.2009 sich bereits geäußert (Sicherheitscheck erspart den Gang zum Urologen). Und die Folge danach heißt konsequenterweise „Nackt fliegen“. Das ist nur theoretisch lustig. Denn, liebe Leserinnen und Leser, die Person an die Sie jetzt freudig denken, sitzt garantiert im Flugzeug nicht neben Ihnen.

Dabei könnte man das ganze Thema auch in anderem Licht sehen. Einmarsch in den Irak, Guantanamo, Kunduz, Truppenaufstockung in Afghanistan einerseits und mehr Sicherheit bei uns („Was war zuerst, Henne oder Ei Diskussion“). Aber nur nicht nachdenken. Dabei können wir diesen Wettlauf nur verlieren. Ein einzelner wird immer eine Möglichkeit finden auch das engmaschigste System zu unterlaufen (siehe oben).

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Vielen Dank liebe Leserinnen und Leser der Bissigen Bemerkungen für Ihr Interesse im Jahr 2009. Über 320.000mal wurden die Bissigen Bemerkungen gelesen, entweder von den inzwischen mehr als 3.300 Abonnenten oder auf der Homepage direkt. Die imposante Steigerung gegenüber 2008 lässt vermuten, dass wir mit Themenauswahl und Stil ganz gut liegen. Wir werden uns weiter anstrengen, auch wenn das nach mehr als 437 Ausgaben der BBBs nicht immer ganz einfach ist. Aber vor allem die positiven schriftlichen und mündlichen Kommentare motivieren

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