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Archiv für 2018

Merkel in Not – wo war der „nationale Champion“?

Stell‘ dir vor, du musst zum G20-Gipfel und dein Flieger geht nicht. Peinlich, peinlich. Der normale Arbeitnehmer kennt das, wenn er zu einer wichtigen Besprechung im Büro zu spät kommt und sich entschuldigt, mein Auto sprang nicht an, meine Straßenbahn hatte Verspätung, mein Zug fiel aus, Eurowings ist nicht geflogen oder so ähnlich, und der Chef/Chefin sagt: „Das war das letzte Mal.“

Aber das passierte der Kanzlerin des Luftfahrtstandortes Deutschland. Alle waren pünktlich, nur der als „oberpünktlich“ verschriene Streber Deutschland fehlte, und das vor den Augen der ganzen Welt.

Mit Steinmeier im Biergarten

Es kann bei jedem Flug etwas Unvorhergesehenes passieren. Aber die Pannenliste unserer Flugbereitschaft ist inzwischen ellenlang. Mal rauchte es in der Kabine, mal nagten hungrige Mäuse an Kabeln. Triebwerke ließen sich nicht starten und über Hunderte von Kilometern musste ein Ersatzgerät rangeschafft werden und und und. Legendär, als Steinmeier zusammen mit Journalisten in einem Biergarten in Vilnius wartete, bis er weiterfliegen konnte.

Unsere Langstreckenflugzeuge der Flugbereitschaft heißen Konrad Adenauer und Theodor Heuss. Wie kann man das Ansehen dieser für Deutschland verdienten Politiker so lächerlich machen? Das wird nur noch vom Willy-Brandt-Flughafen BER übertroffen.

Bei zwei Dingen sollte man mal genauer hinsehen. „Ein einziges“ Teil soll die gesamte Stromversorgung lahmgelegt haben? Wer das glaubt, glaubt auch an den Weihnachtsmann.

Frankfurt statt Köln

Oder ist billig-billig auch die Ursache für die vielen Pannen bei der Flugbereitschaft? Auch wenn es einige nicht hören wollen, billig-billig heißt mit Gewalt sparen, beißt sich irgendwann mit zuverlässig.

Wie auch immer, eine Umkehr war unausweichlich, weiterfliegen wäre lebensgefährlich gewesen. Aber wenn man den Kommentaren in entsprechenden Foren Glauben schenkt, soll der absolut lebensgefährliche Teil des Fluges an diesem Abend die Landung des Fliegers In Köln gewesen sein. Noch voll mit Sprit, weil vorher das Ablassventil nicht funktionierte, konnte das Flugzeug wegen Bauarbeiten nur auf einer deutlich kürzeren Bahn landen. „Heldentat“, wie Frau Merkel danach „fachmännisch“ bemerkte, oder unter allen Umständen gewollte Rückkehr zum „Heimatflughafen“? Das führte dazu, dass die Fluggäste (inkl. Kanzlerin) auf Geheiß der Feuerwehr erst nach 70 Minuten (wegen überhitzter Bremsen) das Flugzeug verlassen durften. Wäre ein Ausweichen zum Beispiel nach Frankfurt angesichts der wenigen Minuten Mehrflugzeit nicht die klügere Lösung gewesen?

Kanaren-Umlauf statt staatliche Verantwortung

Aber die größte Peinlichkeit – und dafür gibt es für mich keine Entschuldigung – ist, dass Deutschland, jetzt sage ich es ganz prosaisch, nicht in der Lage war, einen Ersatz für die Bundeskanzlerin bereitzustellen. Das in Berlin an diesem Abend stationierte Ersatzflugzeug konnte nicht eingesetzt werden, weil durch die Zwischenlandung in Köln die Crew aus der zulässigen Einsatzzeit gefallen wäre. Wie bitte, geht es noch? Wir reden hier von einer Flugbereitschaft der Bundeswehr und da gibt es Einsatzprobleme, als sei es ein Kanaren-Umlauf bei einem Ferienflieger? Ein Überziehen der Einsatzzeit wäre bestimmt weniger gefährlich gewesen, als die vorsätzliche Landung in Köln mit dem überladenen Flugzeug.

Wir leisten uns ein Parlament mit über 700 Abgeordneten, das auf die Größe der Bevölkerung bezogen größte Parlament der Welt, planen aber vorsätzlich bei der Anzahl Crews der Flugbereitschaft der Bundeswehr auf Kante?

Jetzt auch ein Subunternehmer beim Flug der Kanzlerin

Wir lassen es zu, dass in größter Not eine spanische Fluggesellschaft unsere Kanzlerin nach Argentinien fliegen muss, weil wir selbst dazu nicht in der Lage sind? Da stelle ich doch bewusst die sehr provokative Frage: Wo war zu diesem Zeitpunkt unser „nationaler Champion“ Lufthansa?

Konnte er nicht, wollte er nicht, durfte er nicht?

Da hätte alles aus dem Weg geräumt werden müssen, damit die Bundeskanzlerin noch pünktlich mit dem „nationalen Champion“ zum G20 Gipfel hätte kommen können. Da lasse ich keine Ausrede gelten (von wegen Nachtflugverbot oder ähnliches). Das wäre „Made in Germany“ als Wirtschaftsleistung gewesen.

Aber die Zeiten des „Siegerfliegers“ sind wohl vorbei.

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Nur Bares ist Wahres

Eine Boeing 787 von LOT hatte in Peking eine Panne. 10 Stunden stand die Maschine am Airport. Angeblich war die Reparatur nur ein kleines Problem.

Aber manchmal verbirgt sich hinter einem kleinen Problem ein richtig großes Problem. Das große Problem in diesem Fall war der zur Hilfe gerufene chinesische Techniker. Der Techniker verlangte cash für seine Arbeit, sonst wird nicht repariert. Bemerkenswerte Sturheit. Oder nur der Wunsch die berühmten „15 Minuten“ im Rampenlicht stehen, von denen Andy Warhol meinte, dass sie für jeden irgendwann kommen würden.

Bei uns in Deutschland kennt man das von Schlüsseldiensten, die im Notfall gerufen werden. Auch da heißt es cash oder die Tür bleibt zu.

Letzte Lösung: Passagiere anpumpen

Die Wahlmöglichkeiten für Lot waren begrenzt, leider auch das vorhandene Bargeld. Letzte Lösung, die Passagiere anpumpen. Wer öffnet da nicht gerne seinen Geldbeutel, um schneller nach Hause zu kommen. Letztlich waren es vier Passagiere, die die notwendigen 320 Euro in den Klingelbeutel geworfen haben. Wobei spätestens jetzt der Vergleich mit einem Schlüsseldienst vorbei ist, für „nur“ 326 Euro bleibt in der Regel die Tür zu.

Keine Ahnung warum LOT zuerst die Story abgestritten hat, ist doch schön solvente Kunden zu haben. Vielleicht wollte LOT auch nicht mit Airlines in „Endzeitstimmung“ in einen Topf geworfen werden. Da ist es bekanntermaßen schon üblich, dass die Piloten Bares im Fliegerkoffer haben.

Ein Billigflieger schuldet 525.000 Euro

Natürlich kann eine solche Sammelaktion schnell ihre Grenzen erreichen, vor allem wenn es nicht um 320 Euro, sondern um 525.000 Euro geht. Genau diesen Betrag schuldete eine irische Airline, und raten Sie mal welche. Und das schon seit 2014, nach einer Entscheidung der EU-Kommission wegen zu Unrecht eingeräumter Konditionen an einem französischen Lokalflughafen. Der französische Justizbeamte wollte aber nicht nur ein bisschen Aufmerksamkeit, sondern gleich das große Kino. Als die Ryanair-Maschine mit Passagieren an Bord startbereit war, kam er mit Polizeieskorte angebraust und schwenke den berühmten Kuckuck um einen kleinen Vogel an den großen Vogel zu kleben. Es sei denn….. er bekäme sofort 525.000 Euro. Für solche Summen sind Ryanair Passagiere nicht unbedingt bekannt, also: alles aussteigen.

Mit einigen Stunden Verspätung und einem Kuckuck freien Flugzeug konnten die Passagier endlich starten. 24 Stunden nach diesem Vorfall zahlte dann auch Ryanair. Die Mühlen der EU mahlen sehr langsam, aber man darf die EU auch nicht unterschätzen.

Mallorca für 1,94 Euro

Ich fand beide Geschichten besonders in dieser Woche interessant, weil diese Woche ja wieder eine Hochzeit für streamline-funktionierende Marketingfuzzies ist:

Vom Cyber Monday direkt zum Black Friday. An der Spitze der Verrückten stand, wer wohl, Ryanair, die den Cyber Monday gleich zur Cyber Week erweiterten. Als Eyecatcher diente ein Flugangebot für den 28.11. von Schönefeld nach Mallorca mit dem unglaublichen Preis von 1,99 Euro. Dieser Preis wurde dann auch am Mittwoch nochmals gekillt. Jetzt gab es Mallorca sogar schon ab 1,94 Euro. So wird es aber verdammt lange dauern bis die 525.000 Euro wieder in der Kasse sein werden.

 

 

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Industrie 4.0 auf Düsseldorfer Art

Über das verlängerte Wochenende mal zur Entspannung in den Kurzurlaub entfliehen? Zumindest am Flughafen Düsseldorf gab es vergangene Woche statt Entspannung erstmal bei der Fluggastkontrolle Stress, Frust und Ärger. Am Ende mussten die Fluggäste am Flugsteig C fast anderthalb Stunden warten bis endlich sie und ihr Handgepäck kontrolliert waren.

Den Spruch „das Taxi zum Flughafen ist teurer als der Flug“ kann jetzt ergänzt werden: „Die Fluggastkontrollen dauern dafür länger als der Flug.“ Weit ist es nicht mehr dahin. Wir geben den Zielgebieten schlaue Ratschläge, wie sie den Overtourismus in Barcelona, Venedig und Rom steuern sollen und produzieren schon vor dem Abflug den ersten „Overtourismus“, allerdings ohne Sehenswürdigkeit und ohne Gelegenheit zum Handyfoto – sonst werden die Damen und Herren Kontrolleure ganz schön sauer.

Eine Geschichte zum Zungenschnalzen

Was war da in Düsseldorf passiert. Eine Geschichte zum Zungenschnalzen. Seit Sommer hat man die Ermittlung der Fluggastzahlen outgesourct. Wenn ich dieses Wort „Outsourcing“ schon höre, steigt mein Blutdruck in dringend behandlungsbedürftige Höhe. Outsourcing bedeutet: Kostensparen um jeden Preis, schlechtere Leistung danach und keiner übernimmt Verantwortung.

Konkret: Die Bundespolizei bekommt die zu erwartenden Passagierzahlen nicht mehr vom Flughafen, sondern eben vom angeheuerten IT-Dienstleister. Der haut mächtig auf die Pauke, dass er eine Software für diese Prognose nutzt, damit seien beim Flughafen keine Mitarbeiter mehr notwendig, die die Meldungen der Airlines bislang händisch auswerteten.

Keine Ahnung wie die Weiterleitung der Daten an die Bundespolizei erfolgte – digital, per Fax oder per Brieftaube – und wie zuverlässig diese Daten waren. Dem Mitarbeiter der Bundespolizei kamen die Zahlen jedenfalls laut Medien zu hoch vor und er änderte sie manuell nach unten. Das ist Industrie 4.0 auf Düsseldorfer Art. Statt händisch wird auf digital umgestellt, um dann wieder händisch zu ändern. Wer alles dabei Fehler gemacht hat? Im Ergebnis sei zuwenig Personal bereitgestellt worden, was zu der inakzeptablen langen Warteschlange an der Kontrolle geführt hat. Nehmen wir es so zur Kenntnis.

Ob sich daraus ein Lerneffekt ergeben hat, ist leider bis heute nicht überliefert.

Kaufen statt Komfort

Fast zeitgleich gibt der neue Chef des Flughafens Köln/Bonn, Johan Vanneste, seine eigenen Überlegungen zu Sicherheitskontrollen am Flughafen zum Besten. Die könnten doch deutlich „effizienter und schneller“ durchgeführt werden. Das kann man ohne Weiteres unterschreiben.

In seiner Begründung liegt der Leckerbissen. Er fordert dies nicht, damit die Fluggäste nicht unnötig an der Kontrolle herum hängen, sondern damit die Fluggäste die so gewonnene Zeit zum Konsum in den am Flughafen angegliederten Geschäften und Lokalen nutzen könnten. Aber auch dies wiederum nicht zur Erbauung der Fluggäste, sondern weil die „Mietzahlungen dieser Geschäfte für den Flughafen eine wichtige Einnahmequelle sind“. Deutlicher kann man es kaum formulieren, wie egal diesem Flughafenchef seine Kunden sind.

Ich erinnere mich an ein Interview des BDL-Hauptgeschäftsführers Matthias von Randow, oberster Flughafen-Lobbyist, der unter anderem neben „Effizienz“ auch eine „kundenfreundliche“ Abwicklung der Kontrollen anmahnte.

„Outsourcing“ führt zu Kuriositäten

Dazu passt ein eigenes, gerade mal sechs Wochen altes Flughafenerlebnis. Schon am Vormittag konnte man auf Abflugseite von Tuifly sehen, dass der für 15.20 Uhr geplante Flug nach Lanzarote eine Stunde Verspätung haben würde. Beim Check in am Flughafen, einige Zeit später, wusste der outgesourte Tuifly-Abfertiger davon nichts, ebensowenig der Flughafen laut Abflugtafel. Erst eine halbe Stunde vor alter Abflugzeit kam am Gate die Durchsage, Flug verspätet mit Bekanntgabe des neuen Gates.

Es sollte noch besser kommen. Als am neuen Gate die aktuelle Abflugzeit erreicht war, war von der Abfertigungsgesellschaft niemand am Gate zu sehen. Passagiere da, Flugzeug da, aber kein Abfertigungsmitarbeiter. Das Telefon am Gate klingelte mehrfach, wie wir später erfuhren, wollte sich der Purser des anstehenden Flugs erkundigen, wo die Passagiere bleiben.

Kurze Zeit später hat man ihn persönlich mit fragendem Gesichtsausdruck an der Gatetür gesehen. Auf der einen Seite der Purser, auf der anderen Seite die Passagiere, dazwischen eine Glastür und kein Abfertiger der diese Tür öffnet. Dass ich das nach Jahrzehnten Flugreisen auch mal erleben „durfte“. Als sich dann endlich eine Mitarbeiterin mit mürrischem Gesichtsausdruck zur Arbeit bequemte, vergaß sie leider die zwingend notwendige Entschuldigung.

Der Vollständigkeit sei aber noch gesagt, dass die Crew des Tuifly-Flugs, sowohl Cockpit wie auch Kabine, an diesem 30.9. nach Lanzarote zeigte, wie man trotz Verspätung sehr positiv mit seinen Kunden umgehen kann. Eine Kolumne kann auch mal mit „Danke“ enden.

 

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Rasantes Tempo Richtung billig und absurd

Economy Light auf der Fernstrecke, also Flugtarif ohne Gepäck, so das neue Angebot einer deutschen Feriengesellschaft. Was ein Verkaufsclou sein soll, ist in Wahrheit ein weiterer Schritt abwärts als Billig-Airline. „Preis Light“ ist auch immer ein Beweis für „Marketing Light“, denn außer Preis hat man kein Argument. Ebenso schwach ist das Argument „wir müssen uns der Konkurrenz anpassen“. Auch das ist „Marketing light“.

Dabei ist nichts so leicht zu kopieren wie ein „billiger“ Preis und nichts bindet Kunden weniger an ein Unternehmen als der Preis. Die interessierten Kunden fühlen sich nur an den Preis gebunden, nicht an das anbietende Unternehmen, dies ist eine alte Weisheit.

Der Preis ist heiß

Menschenskind, fällt Euch wirklich nichts anderes mehr ein als Preis, Preis, Preis? Sich mal gegen den Mainstream bewegen und etwas Zusätzliches kreieren?

So ein Preis Light ist irgendwo zwischen Superbillig und Minuspreis positioniert. Und letzten Endes dient er ausschließlich dazu, in den Suchmaschinen vorne platziert zu werden. Leider sind diese Rankings in den Suchmaschinen qualitativ wenig bis überhaupt nicht vergleichbar.

Zugegeben, vergleichbare Angebote hat diese Fluggesellschaft bereits im Angebot, aber bislang nur auf der Kurz- und Mittelstrecke. Neu sind in der benannten „Flugzone 3 – 5“ unter anderem typische Fernstrecken-Urlauberziele enthalten. Fernstreckenurlaub ohne Gepäck? Geht natürlich, für manche Zeitgenossen gilt „Wäschewechsel im Urlaub ohnehin als überschätzt“.

Handgepäck-Probleme machen fliegen nicht leichter

Ein Fluggast fällt mir gerade ein, für den der „Ohne-Gepäck-Langstreckentarif“ maßgeschneidert ist: Der BILD-Reporter, der für die laufende Reportage „Eine Woche nackt auf der Nacktinsel“ auf die Philippinen flog.

Andere werden dadurch die Handgepäck-Problematik verschärfen, wenn jetzt alle die Handgepäck-Möglichkeiten genau ausreizen und erfahrungsgemäß auch überreizen. Laut Tarif darf der Light-Reisende nur ein Handgepäckstück und einen persönlichen Gegenstand (beides zusammen maximal sechs Kilogramm) mitnehmen. Sorry, selten so gelacht über diese angeblich einengende Vorgabe.

Habe gerade vor wenigen Tagen mal wieder meine eigene Erfahrung vor allem mit Rucksackreisenden an Bord gemacht. Eine Umdrehung im Gang oder beim Gepäckverstauen und man bekommt „vom Rucksack eine geklatscht“, die jedem Boxer Ehre machen würde. Dazu dann noch dieser Blick: „Du Idiot hast Geld für Deinen aufgegebenen Koffer bezahlt, aber ich bin schlau und nehme alles mit an Bord“.

Zwiebelprinzip kann nicht Teil der Lösung sein

Natürlich kann man auch Kleidung übereinander tragen. Am isländischen Airport Keflavik wurde Anfang des Jahres ein Mann „erwischt“, der acht Hosen und zehn T-Shirts übereinander trug. Das war dann auch British Airways zu viel.

Es wird heute schon Werbung für spezielle Gepäckkleidung gemacht, die extrem viele Taschen hat. Man kann darin bis zu 10 Kilogramm verstauen. Man sieht dann zwar aus wie ein Michelin-Männchen, kann aber an Bord das Kleidungsstück in eine Tasche verwandeln. Und dann ab mit der auch nicht kleinen Tasche in das Hatrack, in das der Sitznachbar gerade vorher seinen „ausgereizten“ Rucksack verstaut hat. Dumm für evtuell einen anderen Passagier, der seine Jacke vorher dort abgelegt hatte. Sie wird nach dem Flug einen leichten Ziehharmonika-Look zeigen.

Auch der Durchfluss an der Sicherheitsschleuse vorm Abflug dürfte, sollte der neue Tarif einschlagen, wesentlicher problematischer werden und entsprechender länger dauern.

Logisch, dass so ein Billigtarif natürlich auch den in der letzten Zeit beklagten Overtourismus zu bestimmten Zielgebieten fördern wird. Nur weiter so!

Bei diesem rasanten Tempo Richtung noch billiger und gleichzeitig noch absurder, stellt sich schnell die Frage, was kommt danach (kann überhaupt noch eine Steigerung möglich sein)? Ein Sondertarif „Super-Light“, wenn man selbst nicht mitreist? Der Passagier, dieser „lästige Typ“, erschwert die ganze Fliegerei doch ohnehin.

 

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Ohrfeige des Jahres für den Flugverkehr

Die Lage bei der Deutschen Bahn ist so verheerend, dass Konzernchef Richard Lutz einen Brandbrief an seine Führungskräfte schickte. Mehr unpünktliche Züge, höhere Schulden und womöglich bald die nächste Gewinnwarnung, so hart geht selten ein CEO mit seinen Führungskräften öffentlich ins Gericht. Das ganze Ausmaß der Bahnkatastrophe ist der Öffentlichkeit über den Sommer weitgehend verborgen geblieben.

Da stellt sich die Frage „warum eigentlich?“. Bahnchef Lutz hat darauf eine verblüffende Antwort. Die schlechte Performance der Airlines in diesem Sommer hat die schlechte Performance der Bahn überlagert. Frei übersetzt: „Danke liebe Airlines, dass ihr soviel Mist gebaut habt“.

Das muss man sich auf der Zunge zergehen lassen, die Deutsche Bahn, üblicherweise der Inbegriff in Deutschland für schlechten Service, lästert über die Schlechtleistung des Luftverkehrs. Klatsch, eine schöne Ohrfeige. Eine solche Bemerkung wäre noch vor wenigen Jahren absurd gewesen.

Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer, dem man eine zu große Autonähe nachsagt, hat inzwischen gemerkt, dass auch der Flugverkehr zu seinem Ressort zählt. Und er macht jetzt das, was Politiker immer gerne machen, wenn sie merken, man kann das Problem nicht mehr kleinreden, er lädt zu einem Spitzentreffen ein, man könnte es auch Fluggipfel nennen. Gipfel klingt immer toll, schafft schöne TV-Bilder für den einladenden Politiker/in, Gipfel-Versprechungen zeigen, man hat sich gekümmert, konkrete Ergebnisse werden erfahrungsgemäß nicht folgen (erwartet man üblicherweise auch nicht).

Der eingeladene Kreis ist jetzt schon so groß, dass der Fotograf für das obligatorische Teilnehmerbild Mühe mit einem vollständigen Bild haben wird. Eingeladen sind Vertreter von Airlines, Flughäfen, Deutsche Flugsicherung, Verkehrsministerium von Bund und Länder. Das soll aber noch nicht alles sein. Der Bundesverband der Verbraucherzentralen fordert vehement die Teilnahme der Verbraucherverbände, die Fluglotsengewerkschaft hat ebenfalls ihre Teilnahme gefordert. Mein Vorschlag: Bitte dringend Vertreter der Bodendienstleister und der Flughafensicherheit einladen, dann hat man weitere Vertreter des Chaos am Tisch (nur der Vollständigkeit halber).

Auch führende CDU-Politiker wollen jetzt noch das Thema entern. Der CDU-Fraktionsvorsitzende Volker Kauder hat inzwischen festgestellt und teilte publikumswirksam per BILD am Sonntag mit: „Nicht wenige Fluggesellschaften behandeln ihre Kunden leider allzu oft schlicht unwürdig, daher gehöre eine Verschärfung der Fluggastrechte auf die Tagesordnung“. „Schlicht unwürdig“, das ist schon hart, wenn man es wörtlich nimmt.

Sind „nicht wenige Fluggesellschaften“ in diesem Sommer so tief gesunken? Wird der Hamburger-Gipfel zu einer Anklagebank? Bangt Bahnchef Lutz schon um sein Feigenblatt für 2019?

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Bundesregierung wirbt für Urlaub in der Türkei (FAZ, 16.8.2018)

Immer wenn man denkt, irrer geht es nicht mehr, überrascht uns unsere Bundesregierung aufs Neue. Jetzt setzt die Regierung noch einen drauf und wirbt in der Person des Tourismusbeauftragten der Bundesregierung (man achte auf die offizielle Bezeichnung), Thomas Bareiß, für mehr Urlaub in der Türkei. Ein Kniefall mehr unserer Regierung vor Erdogan.

„Es gibt für mich keinen Grund, nicht in die Türkei zu reisen und dort Urlaub zu machen“, sagte Bareiß. Er selbst habe gerade dort erst seine Ferien verbracht. Da fragt man sich doch, ob es zu seinen Aufgaben gehört, für ein bestimmtes Reiseziel Werbung zu machen? Und gibt es diese Werbung durch den Tourismusbeauftragten künftig immer für jene Länder, in denen er seinen privaten Urlaub verbringen wird?

Oder ist diese Türkeiwerbung doch eine politische Werbung? Dann möchte man aber schon wissen

  • ob sein Urlaub regulär zum vollen Preis privat gebucht war oder
  • er von irgendeiner türkischen Stelle oder
  • von einem im Türkei-Tourismus engagierten Unternehmen eingeladen war.

Werbung soll ja bekanntlich immer als solche gekennzeichnet werden.

Und man fragt sich natürlich auch, warum es gerade jetzt so wichtig sei, in der Türkei Urlaub zu machen. „Tourismus baue persönliche Brücken zwischen Ländern“, diese touristische Binsenweisheit hat Herr Bareiß auch schon erkannt. Aber das muss dann doch für alle touristischen Ziele gelten.

Oder hat, wie zu vermuten, die Werbung des Regierungsvertreters etwas mit dem Verfall der türkischen Lira zu tun. Das ist, um es deutlich zu sagen, kein unvermeidbares Naturereignis, sondern allein der aktuellen wirtschaftspolitischen Geisterfahrt des türkischen Präsidenten geschuldet.

Und für den Tourismus hat Erdogan dadurch, zumindest kurzfristig, einiges bewirkt. Urlaub in der Türkei ist in den sog. Nebenkosten so preiswert wie noch nie.

Der kritische Betrachter möge jedoch auch das Gegenteil sehen. Dass die Türkei generell so preiswert ist, geht zu Lasten des Verdienstes der im Hotelgewerbe Beschäftigten. Unter dem Lira-Verfall leiden generell die Menschen vor Ort am meisten, das würden auch 10% mehr deutsche Touristen nicht ausgleichen. Abgesehen davon, in welche Taschen dieser Mehrumsatz landen wird. Bei den Hotelangestellten?

Eigentlich wollte ich ohnehin mal eine BBB über „unseren Tourismusbeauftragten“ schreiben, unabhängig von seinem Türkei-Marketing. Er war einer der letzten Staatssekretäre, die ernannt wurden. Ok, das ist bei unserer Regierung üblich, Tourismus als Resterampe.

Aber, man fragt sich, welches touristische Projekt, hat er bisher „konkret“ innerhalb der Bundesregierung angestoßen? Es ist im Prinzip ja schön, dass Herr Bareiß erstmal zuhören wollte, wobei sein Prinzip schnell klar war, zuerst zu den topshots, wenn dann noch Zeit ist, vielleicht auch zu den andern. Der BTW hat ihm freundlicherweise, mit der Veranstaltung des BTW Mini-Gipfels, eine hochrangige Schulungsveranstaltung zukommen lassen.

Als Beispiel für anstehende konkrete Aufgaben sei „die gewerbesteuerrechtliche Hinzurechnung von Hotelleistungen“ genannt. Die Lösung hier liegt eindeutig und allein bei der Bundesregierung und nicht bei anstehenden Gerichtsentscheidungen. Aber wenn die Branche das selbst nicht so herausarbeitet und durch den Begriff „Urlaubssteuer“ sogar noch verniedlicht?

Hoffentlich arbeitet er sich auch rechtzeitig in das Thema EU-Pauschalreiserichtlinie ein. Bei diesem Thema hat sich die Bundesregierung und eigentlich auch Teile der „traditionellen“ Branche nicht mit Ruhm bekleckert. Für das anstehende Review wäre der Tourismusbeauftragte die ideale Adresse, dass notwendige Änderungen in den EU-Ablauf (und zwar rechtzeitig) eingebracht werden.

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Air Berlin – Tod einer Airline

Am 15.8.2017 ist Air Berlin gestorben. Sie ist 38 Jahre alt geworden. Zu jung, um eines natürlichen Todes gestorben zu sein. Was war die Todesursache, wer waren die Täter?

Mord war es nicht, Juristen würden sagen, da fehlen die typischen Mordmerkmale. Tod durch unterlassene Hilfeleistung trifft es auch nicht. Es wurde eher zuviel geholfen, allerdings mit falschen Mitteln. Bleibt nur fahrlässige Tötung.

Täter? Es war weniger die böse Konkurrenz, Politik war nicht immer hilfreich, es waren nicht die Kunden. Es waren auch nicht die Mitarbeiter, die ihrer Airline fast sektenhaft verbunden waren und selbst gegen Ende noch vollen Einsatz zeigten.

Also wer bleibt im Ausschlussverfahren übrig? Täter müssen im wesentlichen die eigenen Vorstände gewesen sein, insbesondere die zuletzt im Turbotempo wechselnden CEOs.

Hoch-Zeit oder Anfang vom Ende?

Die Stunde des größten Erfolgs ist oft der Beginn des Niedergangs. Diese große Stunde war bei Air Berlin der 11. Mai 2006 als (im zweiten Anlauf) der Gang an die Börse klappte. Der enorme Kapitalzufluss des erfolgreichen Börsengangs und danach einige relativ einfach gelaufenen Geldaufnahmen am Kapitalmarkt haben bei den damalig Verantwortlichen das falsche Gefühl aufkommen lassen, „Geld würde auf den Bäumen wachsen, man müsse es nur pflücken“.

Das führte letztlich dazu, mal richtig shoppen zu gehen. Für dba, LTU, Belair u.a. wurde zu viel und damit mehr Geld als nötig rausgefeuert. Vollkommenes Unverständnis herrschte in der Branche, als Einzelheiten aus dem in 2009 geschlossenen „TUI-Deal“ bekannt wurden. Die TUI hatte bei den (Nicht-) Kündigunsfristen eindeutig den Air Berlin Vorstand über den Tisch gezogen (dazu gehören eigentlich immer Zwei). Zu diesem Zeitpunkt muss man rückblickend Air Berlin als nicht mehr rettbar bezeichnen.

Hunold und die „Titanic“-Parallelen

2009 sprach Bundeskanzlerin Merkel etwas überraschend auf der 30-Jahrfeier von Air Berlin. Hunold wies in seiner Dankesrede an sie darauf hin, wie selten es doch sei, dass sie bei einem solchen Auftritt nicht mit Geldhilfen für die veranstaltende Firma belästigt worden sei. Als er die Kanzlerin danach umarmte, hat sie wohl ihren Auftritt bereut.

Vieles erinnerte bei Air Berlin damals an die Titanic. „Ich bin unsinkbar, volle Kraft voraus, Eisberg gehe aus dem Weg“. Und die Musik bei Air Berlin spielte wie auf der Titanic, bis zum Schluss das Lied „Flugzeuge im Bauch, im Blut Kerosin, kein Sturm hält sie auf“.

Mehdorn

Im November 2011 trat Hartmut Mehdorn die Nachfolge von Achim Hunold an. Als der „Eisberg“ direkt vor Air Berlin wirklich nicht mehr zu übersehen war, präsentierte er noch im selben Jahr den Retter-Vertrag mit Etihad. Für Air Berlin fühlte sich das an wie Börsengang reloaded. In Wirklichkeit sollte sich im Laufe der Zeit zeigen wie hochgradig vergiftet auch dieser Vertrag war.

Mehdorn machte bei Air Berlin da weiter, wo er bei der Bahn aufgehört hatte. Ein Sparprogamm jagte das nächste, wobei deren Namen immer sensationeller wurden, was im Gegensatz zum realen Erfolg stand. Seine Amtszeit war mit 14 Monaten deutlich unspektakulärer.

Fast hätte ich vergessen seinen Nachfolger Prock-Schauer zu erwähnen, bei dem man bis heute nicht ganz sicher ist, ob er als CEO oder als 1. Buchhalter beschäftigt war. Den Mitarbeitern wird er mit einer temporären 5%igen Gehaltskürzung in Erinnerung bleiben.

In dieser Zeit verkaufte Finanzvorstand Hüttmeyer, ein echter „Dealmaker“, auch die letzten Flugzeuge und leaste sie zurück. Jeder einzelne Deal rettete kurzfristig, verbaute jedoch auch die letzte kleine Hoffnung auf langfristige Rettung. Ein Hauch von Thomas Middelhoff und dessen Verkauf der Karstadt-Häuser lag nahe.

Das „enge“ Europa

Anfang 2015 wurde Stefan Pichler, bis dato CEO von Fuji Airways, CEO von Air Berlin. Das war insofern überraschend, als er dies in einem Interview ein Jahr vorher noch mit den Worten „Ich glaube nicht, dass ich in diese Welt hineinpasse. Dazu ist mir Europa mittlerweile ein bisschen eng“ ausschloss.

Keine Ahnung, ob Europa in der Zwischenzeit weiter geworden war oder ob James Hogan, CEO von Etihad, ihm alle Freiheiten versprochen hatte. Leider trifft beides nicht zu. Pichler musste sehr schnell erfahren, wie vergiftet in Wirklichkeit die Geldspritzen von Etihad waren. Es ging Etihad nie um eine echte Rettung von Air Berlin, sondern nur um die Durchsetzung der eigenen Strategie. James Hogan zeigte jeden Tag mehr, wer der „wahre CEO“ für Air Berlin war. Nach 23 Monaten war auch für Pichler von jetzt auf nachher Schluss.

Der bestbezahlte Bestatter

Anfang 2017 trat Ex-Lufthanseat Thomas Winkelmann, den Job bei Air Berlin an – ohne echte Zukunftsperspektive. Eigentlich konnte es nur noch darum gehen, den Sargdeckel für Air Berlin zuzumachen. Durch die weit in die Zukunft reichende sonderbare Gehaltsabsicherung durch Etihad, dürfte er der zur Zeit bestbezahlte Bestatter dieser Republik sein.

Klar, was sollte der arme Mann auch machen, wenn seine Zeit erkennbar bei Air Berlin schnell vorbei sein sollte? Wer nimmt noch so jemand? Ich erinnere mich an den ehemaligen Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler. Er sagte damals (höchst umstritten) den Schlecker Frauen eine problemlose „Anschlussverwendung“ voraus. Winkelmann hat „überraschenderweise“ auch eine solche „Anschlussverwendung“ bei der Logistikfirma Zeitfracht bekommen, nur ein paar Hundert Meter von Air Berlin entfernt. Dafür hat er auf einen Teil seiner „Etihad Absicherung“ verzichtet. Ich möchte ehrlich gesagt, gar nicht wissen, wie klein dieser Teil war.

„Potenzielle“ Mittäter

Aus Platzgründen kann hier keine vollzählige Aufzählung der „potenziellen Täter“ stehen, um im bildhaften Vergleich zu bleiben. So könnte man auch über Dr. Hans-Joachim Körber nachdenken, der sechs Jahre als Vorsitzender im Board der plc viel mehr Einwirkungsmöglichkeiten gehabt hatte als ein normaler Aufsichtsratsvorsitzender in Deutschland.

Ein sehr bekanntes wöchentliches Nachrichtenmagazin hat vor kurzem mit einem „investigativen“ Bericht dargestellt, wie sehr sich Lufthansa-Chef Carsten Spohr um die Rettung der Air Berlin bemühte. Als er dann zum Schluss noch zitiert wurde, dass er auch Bürger dieses Landes sei, und er als solcher begrüße, dass die Bundesregierung den Flugbetrieb der Air Berlin eine Zeitlang weiterfinanzierte und dass deshalb die Interessen der Lufthansa zurückstehen mussten, sind mir die Tränen der Rührung über das Gesicht gelaufen.

Es wäre schön gewesen, wenn die Redaktion ähnlich investigativ recherchiert hätte, wie Lufthansa (sicherlich mit politischer Rückendeckung) alles tat, um einen Betriebsübergang (mit Personal) zu vermeiden.

Epilog

Wie immer trifft eine solche Insolvenz die Mitarbeiter, die von jetzt auf nachher arbeitslos wurden, am härtesten. Es war mehr als erstaunlich, was sie für einen Arbeitseinsatz zeigten, selbst als die Kündigungen nach der Insolvenz bereits ausgesprochen waren und sie sich vom Management verlassen fühlten. Air Berlin Mitarbeiter gelten als sehr qualifiziert und bei den verschiedenen Jobmessen bewunderten Fremdfirmen die noch immer vorhandene hohe Leistungsbereitschaft.

Quer durch die Massenmedien wird nun gehandelt, dass 85% von den Ex-Mitarbeitern inzwischen einen neuen Job gefunden hätten. Keiner Redaktion war es wert mal zu überprüfen, wo und mit welchen nachprüfbaren Fakten diese Zahl entstanden ist, die ich schlichtweg extrem bezweifle. Aber die Medien (vielleicht auch politisch gewollt), haben ihr (vermeintliches) Happy End, als wäre alles nur halb so schlimm.

Aber der Tod der Air Berlin kennt kein Happy End.

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Dieser Beitrag erschien auch am 13.8.2018 bei airliners.de als Gastbeitrag im Rahmen der Themenwoche: Ein Jahr Insolvenz Air Berlin

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Fliegerei buchstabiert man neuerdings so: C-H-A-O-S

Ach, wie war es doch vordem mit dem Fliegen so bequem. Ein Werbespruch von Hapag-Lloyd-Flug, die damals für Qualität standen, lautete (meiner Erinnerung nach) „Ihr Urlaub beginnt mit unserem Flug“.

Wer diesen Satz heute laut am Flughafen sagen würde, liefe Gefahr, lustvoll gemeuchelt zu werden. Der Berliner Tagesspiegel sammelt seit langem alle Ausreden der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) über die alltäglichen Unregelmäßigkeiten bei U-Bahn, S-Bahn und Bus in Berlin, ergänzt diese täglich und nennt das ganze „BVG Bullshit-Bingo“.

Ich greife mal den Gedanken auf und mache daraus ein „Flug Bullshit-Bingo“, warum der Urlaub nicht mit dem gebuchten Flug beginnt:

Flugzeitenänderung im Vorfeld des Fluges

Flugzeitenänderung der bereits erfolgten Flugzeitenänderung

verspätete Anzeige der Flugverspätung

geänderte Flugverspätungsanzeige

keine Info über Flugverspätung

Übernachtung am Flughafen wegen Verspätung

Übernachtung sitzend/liegend in Sitzmöbeln

Übernachtung auf Feldbetten

Übernachtung für wenige im Hotel

Fahrt im Bus zum geänderten Abflughafen

Einstieg in ein Flugzeug einer selbst für Fluginteressierten vollkommen unbekannten Fluggesellschaft

Stundelanges Sitzen im Flugzeug ohne Info

Kurzfristiger Wechsel des Flugzeuges (inklusive folgend jedes der obengenannten Bullshit-Bingo Punkte).

Flug ohne aufgegebenes Gepäck

Doppelte Sitzplatzvergabe (inkl. Herausholen bereits im Flugzeug sitzender Fluggäste).

Flugannulierung ohne Ersatzbeförderung anzubieten

 

Das ist nur der Anfang, die Liste lässt sich noch um einiges fortsetzen. Vor allem müssten noch die Unregelmäßigkeiten bei der Sicherheitskontrolle am Flughafen hinzugefügt werden.

Jetzt könnte der geneigte Leser sagen, jeder der genannten Unregelmäßigkeiten gab es schon immer. Aber das ist der springende Punkt in 2018:

„Ja, in Teilen gab es das schon immer,

ABER NICHT TÄGLICH ÜBER EINEN SO LANGEN ZEITRAUM UND VOR ALLEM NICHT KUMULATIV VIELER PUNKTE BEI EINEM FLUG WIE IN 2018.“

Wenn Sie demnächst einen Fluggast (oder viele) am Flughafen „BINGO“ rufen hören, dann wissen Sie Bescheid, wieder so ein armer Tropf, den es getroffen hat und der Flug mit C-H-A-O-S buchstabiert.

Vor allem die Schwierigkeiten der Eurowings bei Übernahme von Air Berlin überraschen schon, denn Lufthansa Chef Carsten Spohr hatte ja mehrfach betont, dass sich eine Hundertschaft bei Lufthansa schon seit Monaten (Jahre) Gedanken über die „optimale“ Übernahme von Air Berlin gemacht hatte. Warum macht dann die Eingliederung bei Eurowings solche Probleme?

Ganz einfach: „LUFTHANSA HAT NUR ANS FRESSEN GEDACHT, NICHT AN DIE VERDAUUNG“:

Man hat sich nur Gedanken gemacht, wie „fresse“ ich ziemlich viel Kapazität der Air Berlin (Kapazität = Flugzeuge und Slots, aber ohne Personal). Aber man hat offensichtlich nicht parallel über ein Projektmanagement „Verdauung“, sprich Integration der zu übernehmenden Flugzeuge, nachgedacht. Ein exzellentes Projektmanagement, wie es die Betriebswirtschaft schon seit Jahrzehnten kennt, berücksichtigt nämlich schon im Vorfeld alle denkbaren Abweichungen (Murphy: „Alles was schiefgehen kann, geht auch schief“). Der Gegensatz sind Manager, die erst nachdem es schiefging, darüber nachdenken, warum es schiefgegangen ist und wie man sich am besten „zu Lasten der Kunden und der Reisebüros“ möglichst wenig darum kümmert.

 

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Götterdämmerung

Eurowings gesteht Überforderung ein, Ryanair storniert wegen Streik 600 Flüge, weil Piloten streiken, Lauda Motion geht anscheinend das Geld aus, Air Berlin-CEO Winkelmann will freiwillig auf Geld verzichten. Was ist da los? Götterdämmerung in der Luftfahrtbranche oder bewahrheiten sich nur Klischees?

Eurowings

Eurowings sieht langsam, dass Wachstum um jeden Preis und Kundenzufriedenheit zum Widerspruch wird. Wenn der CEO sich schriftlich entschuldigt und der COO erklärt, dass man die Integration der neuen Flieger unterschätzt habe, dann ist es mit den „Blitz-Entschuldigungen“ endgültig vorbei. Aber der Imageschaden ist schon gewaltig. Wenn selbst die zumeist seriöse „DIE ZEIT“ einen aktuellen Beitrag mit „Die verfressene Airline“ überschreibt, ist die öffentliche Meinung eindeutig. Sogar der DRV hat inzwischen Eurowings zum Rapport gebeten, oh, oh.

Aber fast unabhängig davon, bleibt die von den BBBs schon angesprochene Kundenmissachtung. Wenn Flüge zu spät ankommen, ist in der Regel zwischen Abflug und Ankunft immer genügend Zeit, um am Zielflughafen Vorbereitungen für anständiges Kundenhandling zu treffen. Wenn man will und man es für wichtig hält, vorausgesetzt natürlich. Diese Botschaft hat im Moment keine Airline verinnerlicht, eine unglaubliche Kundenmissachtung. Da schlage doch glatt der Blitz ein.

Aber Eurowings sieht auch unverändert kein Problem, seine Kunden in ein Flugzeug mit immer noch kompletter original Air Berlin-Bemalung einsteigen zu lassen. Kundenverwirrung: Air Berlin, sind die nicht pleite? Und an Bord, wird man von Tuifly Mitarbeitern betreut. Leistung Eurowings: das Reservierungssystem?

Ryanair

Die Götterdämmerung bei Ryanair ist mehr als überfällig. Große Klappe des CEO, aber die Kunden sind ihm egal und das Personal ist ihm egal. Zum zweiten Mal innerhalb eines Jahres muss er in gigantischem Umfang Flüge ersatzlos streichen, weil sein Personal nicht länger bereit ist, sich auszubeuten lassen. Was die EU nicht geschafft hat, ordentliche gesetzliche Mindestanforderungen durchzusetzen, nimmt die Belegschaft jetzt selbst in die Hand. Skandalös auch seine Nonchalance den Kunden gegenüber, die wegen eines Druckabfalls in der Kabine (Grund noch unklar) unplanmäßig in Hahn zwischenlanden mussten. Übernachtung für Kunden? Pech gehabt. Hotelzimmer, gibt es nicht genügend in Hahn. Dabei hat er doch jahrelang Hahn als Frankfurt verkauft, da gibt es genügend Hotelzimmer. Einige Kunden brauchten kein Hotelzimmer, die mussten mit Nasen- und/oder Ohrbluten ins Krankenhaus gebracht werden. Als Hohn werden sie empfunden haben, am nächsten Tag auf den Ryanair Social Media Kanälen nach der Abhandlung der Unregelmäßigkeiten zu lesen: „Have a Great Day“.

Lauda Motion

Hat er nun oder hat er nicht, die Rechnungen bei Lufthansa bezahlt? Gemeint ist Niki Lauda und die Gebühren für die von Lufthansa geleasten Flugzeuge. Dass er nicht sehr großzügig ist beim Geld ausgeben, das ist bekannt. Vertrag ist eigentlich Vertrag, aber vielleicht ist wieder wichtig, in welchem Land Gerichtsstand ist. Mit dem so wichtigen Heimvorteil für Lauda oder nicht? Von Euphorie, dass die EU den 75% Einstieg von Ryanair endgültig genehmigt hat ist nichts zu spüren. Verpokert?

Thomas Winkelmann

Seine göttliche Stellung schien für Jahre hinaus unangreifbar gesichert. Die bankmäßige Absicherung seines Millionengehaltes fand Air Berlin-CEO Thomas Winkelmann immer als absolut gerechtfertigt. Spätestens nach der Insolvenz von Air Berlin wurde er für die auf der Straße stehenden arbeitslosen Air Berlin Mitarbeiter zum Feindobjekt und für die Medien zum Inbegriff von Gier. Hätte er damals „aus Solidarität“ auf einen Teil seines Gehaltes verzichtet, hätte er Manager des Jahres werden können. Nur schwer verständlich, dass er es jetzt tun will. Ist ihm Nichtstun im Saatwinkler Damm so auf die Nerven gegangen? Oder winkt ein noch größerer Gehaltsbrocken? Götter kommen ja manchmal auch aus der Asche empor. Gerecht?

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Der Abstieg eines Flughafens zum Autoparkplatz

Ist das nicht eine Tragikomödie erster Klasse? Da gibt es einen Flughafen, der aussieht wie ein Flughafen, aber noch keiner ist, weil nicht geflogen werden darf. Da gibt es Autos, die aussehen wie Autos, aber nicht fahren dürfen, weil sie wegen ausstehendem Abgastest nicht zugelassen werden.

Da aber am Flughafen BER wenigstens der Parkplatz (gerüchteweise) funktioniert, kommen an dieser Stelle BER und VW zusammen. Noch ist zwar kein Kontrakt unterschrieben, aber aus Airport-Kreisen ist zu hören, dass wohl schon bald 10.000 Plätze (wahrscheinlich deutlich mehr) von den Wolfsburgern beparkt werden.

Was wird der BER wohl in Rechnung stellen?

Welch ein Abstieg für einen mal angekündigten Weltflughafen und ebenso peinlich für den Weltmarktführer VW. Immerhin werden sich beide, BER und VW, demnächst im Guinness-Buch der Rekorde für den größten Autoparkplatz finden. Ein zweifelhafter Titel, so als wenn der DFB sich des Rekordes „frühestes Ausscheiden bei einer Fußball-WM“ rühmen würde.

Allgemein ist bekannt, dass Parken am Flughafen nicht billig ist. Was wird der BER wohl in Rechnung stellen? Einen Tarif laut Aushang für jedes abgestellte Fahrzeug oder einen Massenrabatt? Und: Ist die Verwaltung am BER überhaupt kaufmännisch schon in der Lage so eine große Rechnung auszustellen? Oder zahlt der BER am Ende sogar Geld dafür, dass sich auf dem Flughafen endlich etwas bewegt – auch wenn es nur PKWs sind, die auf den Parkplatz rollen?

Wo wir gerade bei den Fragen sind: Was wird wohl zuerst passieren – die Eröffnung des BER oder die Zulassung der Autos? Dem BER traut man glatt zu, dass er im Vertrag mit VW keine Ausstiegsklausel eingebaut hat und die achte (!) angepeilte Eröffnung 2020 an folgender Ausrede scheitern wird: „Es stehen noch Autos rum, das gefährdet die Sicherheit am Airport.“

Parallelen zu „Hans im Glück“

Da Flughafengesellschaft und Gesellschafter uns schon seit Jahren Märchen erzählen, müssen sie jetzt auch mal verkraften, mit einem Märchen satirisch konfrontiert zu werden.

Im Märchen „Hans im Glück“ der Gebrüder Grimm erhält Hans für viele Jahre Arbeit einen kopfgroßen Klumpen Gold. Im weiteren Verlauf der Geschichte tauscht er diesen gegen ein Pferd – das Pferd gegen eine Kuh – die Kuh gegen ein Schwein – das Schwein gegen eine Gans – und die Gans gegen einen vermeintlichen Schleifstein. Der fällt ihm dann in einen Brunnen und Hans ist froh, dass er diese Last los ist.

Schauen wir uns dagegen die Geschichte vom „BER im Glück“ an, in einer etwas verkürzten Version. Den medialen Goldklumpen erhielt der BER am 20. März 2012, als sich Air Berlin für das mächtige Zelebrieren seines Eintritts in die Oneworld-Allianz den (noch nicht eröffneten) BER als Kulisse aussuchte.

Die Teilnehmer dieser Feierlichkeiten waren die Ersten, die überhaupt Flugzeuge vor dem neuen Flugterminal sehen konnten: Eine A330-200 in Oneworld-Beklebung und eine Boeing 737-800 im Air-Berlin-Kleid. Schmankerl für Nostalgiker: Chef von Air Berlin war damals ein gewisser Hartmut Mehdorn und Flughafen-Chef Rainer Schwarz.

Bereits wenige Tage später, im Juni 2012, war es mit dem Goldklumpen schon vorbei: Flughafeneröffnung abgesagt.

Flugzeuge sind beim BER zweitrangig

In den Folgejahren passierte außer neuer Terminverschiebungen nicht viel – der mediale Goldklumpen war schon längst durch immer billigere Ausreden getauscht. Es dauerte viele Jahre, bis mal wieder ein Flugzeug einen Hauch von Flughafen entfachte. Zwei putzige kleine Pandabären (Meng Meng und Jiao Qing – zum Glück heißen sie nicht Mehdorn und Schwarz) waren bei ihrer Ankunft allerdings mehr Attraktion, als ihr Flugzeug, in dem sie am BER – immer hin für einen Tag kurz Flughafen – landeten.

Kurze Zeit später, der nächste Tiefpunkt im Leben des gescheiterten BER. Air Berlin stellte die nicht mehr benötigten Flugzeuge dort ab. Traurige Bilder, wie man sie sonst aus der amerikanischen Wüste kannte, jetzt auch im Programm des BER. Aus dem ehemals anvisierten Flughafen war jetzt endgültig ein Stehhafen geworden. Im echten Märchen, wäre das jetzt die Stelle mit dem Tausch in die Gans.

Tschüss für das Flughafen-Image

Und 2018 folgt für den BER der letzte Tausch in den „Schleifstein“. Abgestellte Flugzeuge werden gegen abgestellte Autos getauscht. Die Anmutung eines Flughafens ist endgültig dahin.

Wie könnte unsere Geschichte vom „BER im Glück“ enden? Nach Autos folgen die Fahrräder. Die tausende kreuz und quer abgestellte Mietfahrräder in Berlin sind heute schon ein Übel und ein numerisches Ende ist nicht abzusehen. Irgendwann wird man auch diesen Blechhaufen mal entsorgen müssen – und raten Sie mal, wo? Spätestens jetzt fällt märchenmäßig der Schleifstein ins Wasser und der BER dem Abriss anheim.

Übertragen wir das Ende von „Hans im Glück“ mit nur ganz wenigen Wort-Änderungen in „BER im Glück“, irgendwann in den 20er-Jahren:

„So glücklich wie ich“, rief Engelbert Lütke Daldrup aus, „gibt es keinen Menschen unter der Sonne.“ Mit leichtem Herzen und frei von aller Last ging er nun fort, bis er daheim bei seinen Lieben angekommen war.

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