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Archiv für 2018

Hilfe, ich will mein Lufthansa-Gelb wieder haben!

Was erlauben Spohr? Nachdem er schon den ganzen Lufthansakonzern durcheinander gewirbelt hat, holte er jetzt zum finalen Schlag aus. Er veränderte das Lufthansa-Logo. „Das sei für ihn, das „i-Tüpfelchen“ beim Umbau der Airline“, wird Spohr zitiert. Diesen Satz hat ihm bestimmt ein Marketing-Fuzzie aufgeschrieben. Was hat das eine mit dem anderen zu tun?

Ich bin immer skeptisch, wenn große Firmen ohne erkennbare Not ihr Logo, ihren Slogan u.ä. ändern. Marketingfirmen, die an einer solchen Sache klotzig Geld verdienen, ködern die jeweiligen Vorstandsvorsitzende in der Regel mit dem Satz: „Das neue Logo oder der neue Slogan werden auf Jahrzehnte mit ihrem Namen verbunden bleiben.“ Wow, ein Denkmal schon zu Lebzeiten.

Jetzt werde ich mal etwas sentimental. Dieses gelb-blaue Logo und Lufthansa gehören zusammen wie Romeo und Julia, wie Angie und Raute. Das Lufthansa Logo ist weltweit so bekannt wie der Mercedes Stern. Und dieses Gelb ist nicht irgendein Gelb, es ist das Lufthansa-Gelb. Bei Millionen Passagieren und Hundertausenden von aktuellen und ehemaligen Mitarbeitern (mich persönlich eingeschlossen) hat sich dieses Logo als Zwilling zum Namen Lufthansa im Gehirn eingeprägt. Wenn man nicht gerade am Großstadt-Flughafen ankam, konnte man schon von weitem als erstes das Logo am Flugzeugheck sehen, bevor man das Flugzeug selbst sah. Das Gefühl, das Flugzeug ist schon da und bringt mich nach Hause ist schon Millionen Mal beschrieben worden.

Ich muss ehrlich gestehen, letzte Woche hatte ich im Kopf eine grässliche Assoziation zu dieser Geschichte. Da wurde berichtet, dass die Billigfluggesellschaft Spirit Airlines in Baltimore einer 21-jährigen Passagierin verboten hatte ihren Zwerghamster Pepples (attestiertes Emotional Support Animal) mit an Bord zu nehmen, nachdem man ihr allerdings vorher das telefonisch genehmigt hatte. Da die junge Dame spontan keine Lösung für das neu aufgetretene Problem wusste, soll man ihr empfohlen haben, den Zwerghamster doch die Toilette runterzuspülen, was sie auch tat (wie bitte?). Ich fürchte, wenn ich künftig das neue LH-Logo sehe, werde ich immer an Pebbles denken, Lufthansa hat das Logo-Gelb die Toilette runtergespült.

Heute schrieb mir ein BBB-Leser die „Markenvielfalt im Auftritt der Lufthansa“ gehe noch wesentlich weiter über die Logoveränderung hinaus. Er hatte auf der LH-Webseite einen Flug gebucht, Flugnummer EW, dann abgeflogen mit Flugzeug-Schriftzug Air Berlin, operated bei TUI. Und das ist kein Einzelfall. Aber das sind nur „kleine Widrigkeiten im LH-Tagesablauf“. Marketingmäßig ist man schon ganz oben mit dem Leitmotiv der neuen Markenkampagne:  „#SayYesToTheWorld“. Inhaltsleerer geht es nicht mehr. Aber Marketingexperten finden das gut, „je leerer der Slogan, desto mehr kann man ihn permanent mit Inhalt füllen“. Muss nicht unbedingt zusammen passen.

Ich hatte schon früher bei einer anderen Firma (Namen schenke ich mir jetzt) gesagt: Wenn der CEO seiner Unternehmenswerbung mehr glaubt als der täglichen Wirklichkeit, dann wird es schwierig.

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Nachtrag: Einige Leser haben mich nach einem Kommentar zum Koalitionsvertrag gefragt. Das ist für Montag/Dienstag geplant unter der Überschrift, die „Aschenputtel-Branche kommt im Koalitionsvertrag fast nicht vor“. Aber die Branchenoberen finden das offensichtlich nicht so schlimm. Muss man nicht verstehen.

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Soviel Aufregung war noch nie….

Was musste die Tourismusbranche schon alles an geringer Wertschätzung durch die Politik ertragen. Sie schafft Arbeitsplätze wie kaum eine andere Branche, aber Automobil-, Pharma- und Bankenbranche sind die großen Superbranchen für die sich die Regierung ins Zeug legt. Die Spitzenvertreter dieser Branche wenden sich mit ihren Wünschen direkt an die Bundeskanzlerin, ohne Umwege. Die von „Angela“ vor ein paar Jahren ausgerichtete Geburtstagsparty für Banker Josef Ackermann und die Bilder von dem ins Kanzleramt mehrfach pro Jahr eingehenden VW-Boss Winterkorn (und heute auch andere) hat fast jeder noch in Erinnerung. Entsprechend hat Frau Merkel auch immer direkt persönlich interveniert wenn von der EU Ungemach drohte. Zum Dank haben diese Branchen ihre Kunden betrogen nach Strich und Faden. Reaktionen von der Regierungsspitze? „Du, Du, Du und leicht erhobener Finger“, das war es dann auch schon.

Die Tourismusbranche ist dagegen das Aschenputtel unter den Wirtschaftsbranchen. Und ich behaupte mal, da ist sie auch selbst schuld. Während auf den Jahrestagungen der Industrieverbände knallharte Forderungen gestellt werden und die anwesenden Spitzenpolitiker richtig „Saures“ bekommen, freuen sich die Verbandsvertreter der Touristikbranche wenn sie jemanden kennen der jemand kennt. Und die Branche ist immer im „wir schaffen das –Sonnenscheinmodus“. Mir ist noch im Ohr, wie ein Minister, der sich wahrlich nicht mit touristischem Ruhm bekleckert hat, nach seinem Vortrag mit dem Satz „Der Minister hat immer ein offenes Ohr für unsere Branche“ verabschiedet wurde. Wobei leider die notwendige Feststellung fehlte, dass er sogar zwei Ohren hatte, in eines gingen die Wünsche rein und im anderen sofort wieder raus.

Und jetzt kommt die ultimative Demütigung für die Touristikbranche. Ein AfD-Mann übernimmt den Vorsitz im Tourismusausschuss. Logischerweise ist der Aufschrei jetzt groß. Um es auch aus meiner Sicht unmissverständlich zu sagen, AfD und Tourismus, passt schon auf den ersten Blick, wie Klitschkos Faust auf das Selbstverständnis aller in der Branche Beschäftigten.

Die AfD hat nun noch „einen draufgesetzt“ in dem sie als Ausschussvorsitzenden ausgerechnet jemand vorgeschlagen hat (Sebastian Münzenmaier) der gerade zu einer sechsmonatigen Haftstrafe auf Bewährung (noch nicht rechtskräftig!) wegen Beihilfe zur Körperverletzung bei einem Hooligan-Überfall verurteilt wurde. Erste Auslandsreise als Vorsitzender zum Ballermann nach Mallorca?

Bemängelt wurde auch, dass Münzenberger in einer Stellungnahme nur den Tourismus nach Deutschland in den Vordergrund gestellt hat. Bissig wie ich nun mal bin, darf ich dezent an frühere Ausschussvorsitzende wie Klaus Brähmig und Ernst Hinsken erinnern, da stand fast noch eingeengter nur der Tourismus im eigenen Bundesland im Vordergrund.

Aber, liebe Tourismuskolleginnen und –kollegen, arbeitet Euch nicht allein an der AfD ab, wie berechtigt auch immer. Die gravierenden Probleme sind und waren die EU-Pauschalreiserichtlinien, die haben SPD und CDU entweder versehentlich oder sogar absichtlich verpennt.  Oder vielleicht sogar noch gravierender der abenteuerliche steuerliche Ansatz der „gewerbesteuerlichen Hinzurechnung“. Die passt noch weniger zum Tourismus wie eine verkorkste Ausschussverteilung. Und was mich wahnsinnig ärgert: Wer kam denn auf die Idee, dies  so verniedlichend „Urlaubssteuer“ zu nennen. Dies ist keine „Urlaubssteuer“ weil hier kein Urlaub besteuert wird, sondern eine vollkommen abstruse Auslegung von Gesetzestext. Mit solch verfehlten Bezeichnungen werden echte Probleme nur verharmlost. Sprache ist so gefährlich im Guten wie im Schlechten. Aber auch bei diesem Thema wirft sich keine der etablierten Parteien ins Getümmel. Auf ein höchstrichterliches Urteil zu warten ist der absolut falsche Weg.

Liebe Kolleginnen und Kollegen, schaut Euch besonders den Entwurf der Koalitionsvereinbarung an, dann werden wir sehen ob Tourismus der kommenden Regierung wichtig ist oder auch die nächsten vier Jahre nur Aschenputtel bleibt. Ich erinnere nur noch einmal beispielhaft an die Verhandlungen vor vier Jahren. Da war die Änderung der Luftverkehrssteuer im Entwurf verankert und wie durch ein (Schäuble?) Wunder, war sie in der Endfassung verschwunden.

Also sehr aufmerksam wach bleiben.

 

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Bedeutung Geheimtipps für Touristen

„Bedeutung Geheimtipps für Touristen“
NDR Info, 6.1.2018

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