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Bei Eurowings wüten die Blitze

Eurowings-Chef Thorsten Dirks mag keine Blitze, denn diese seien für die vielen Flugausfälle seiner Airline verantwortlich. Im Schnitt habe der Blitz pro Woche dreimal am Boden bei seinen Flugzeugen eingeschlagen. Nur komisch, dass die anderen deutschen Airlines, damit keine Probleme haben. Kann der Blitz ausgerechnet Eurowings nicht leiden und verschont immer die anderen Airlines?

„Blitze lieben Eurowings“, selten so gelacht.

Nein, da hätte sich Chaos-Manager Dirks schon eine bessere Ausrede einfallen lassen müssen. Zu wenig Flugzeuge zu haben ist eine Sache, aber sich wenig oder überhaupt nicht um seine misshandelten Passagiere zu kümmern, ist eine andere Sache. Oder ist der Blitz auch dafür verantwortlich?

Ich habe eher das Gefühl, dass der Blitz im Eurowings-Management eingeschlagen hat. Nur leider nicht der Geistesblitz. Was im Moment bei Eurowings abgeht, ist die mit Abstand schlechteste Performance einer deutschen Airline seit Jahren. Es muss den verantwortlichen Managern dort wie Hohn vorkommen, wenn Kunden immer öfter schreiben, wie sehr sie Air Berlin nachtrauern. Air Berlin hatte zuletzt zwar große Gepäckprobleme, insbesondere in Tegel – wollen wir mal nicht tiefer einsteigen wer das eventuell mit Vorsatz hingenommen hat -, aber die Flugplan-Performance war bis zuletzt deutlich besser als bei der Kranich-Tochter.

Statt über Blitze zu reden, hätte es Dirks besser angestanden, sich deutlich zu entschuldigen und Vorschläge zur Problemlösung zu unterbreiten. Die Ankündigung (und von LH-Chef Spohr zuletzt ausdrücklich verteidigt) „ich will wachsen um jeden Preis“ und einen irre aufgestockten Flugplan vorzulegen, aber nicht genügend Flugzeugreserven zu haben, um das auch abzufliegen, ist nicht professionell, sondern amateurhaft.

Sind Personalprobleme schuld?

Oder verbergen sich hinter den „fehlenden Flugzeugen“ doch Personalprobleme im Cockpit? Rächt sich jetzt, dass man keine Piloten von AB direkt übernehmen wollte und anfänglich miese Bedingungen für eine Übernahme des fliegenden Personals angeboten hatte? Aber der Markt für Piloten hat sich in den vergangenen Wochen gewandelt. Angeblich wechseln aktuell Piloten von Eurowings zu anderen Airlines wegen besserer Bedingungen. Es wird nicht bestritten, dass bei der Eurowings-Tochter LGW jetzt Kapitäne als Co-Pilot eingesetzt werden, weil schlicht Co-Piloten fehlen. Blitzeinschlag oder hausgemacht?

Aber Herr Dirks, wie gehen Sie bei dieser schlechten Performance mit den betroffenen Kunden um? Kunden einer Fluggesellschaft sind von schlechter Unternehmungsleistung dramatischer betroffen als Ihre früheren Kunden bei E-plus. Im Stich gelassene Flugkunden müssen auf sich alleingestellt übernachten und darum kämpfen, wie sie zum Ziel kommen. Der misshandelte Telefonkunde beißt zuhause nur in die Tischkante. Sie hingegen lassen Ihre Kunden gerade reihenweise abblitzen.

„Kafka-Travel“

In den sozialen Netzwerke machen sich Tausende von Kunden Luft über annullierte und teilweise dramatisch verspätete Flüge. Dresden ist beispielweise eine schöne Stadt, aber 32 Std dort am Airport alleingelassen statt in Korfu Urlaub zu machen, ist keine echte Alternative. Ein Blick in Ihre Social Media Kanäle zeigt Verzweiflung und Wut Ihrer Kunden. Kundenservice? Krisenkommunikation? Fehlanzeige. Anfrage von Medien werden tagelang nicht beantwortet. „Kafka-Travel“ habe ich über Ihre Airline irgendwo gelesen, das ist auch ein Alleinstellungsmerkmal, allerdings kein erstrebenswertes.

Im Prinzip ist es ja schön, dass Sie bei der Schlechtleistung an Ihre Kunden keinen Unterschied machen, zwischen „Normalkunde“ und Promi. Aber letztere sind sog. Multiplikatoren, Weitererzähler. Und wenn Sie Herrn Gysi in einer Woche drei (!) seiner geplanten Flüge streichen, dann glaubt der nicht mehr an Blitzschlag und wird das permanent bei seinen Auftritten erwähnen. Oder die ZDF-Moderatorin, die sich selbst um einen Ersatzflug kümmern muss, freut sich bestimmt auch schon auf die nächste Moderation. Aber den absoluten Vogel haben Sie vor ein paar Tagen in Köln/Bonn abgeschossen, als 140 Passagiere nachts in einem menschenleeren Flughafen sich sitzengelassen fühlten. Dummerweise war auch ein BILD-Reporter dabei und hat Ihnen dann die Headline beschert: „So ließ Eurowings abends 140 Passagier hängen“.

Und wissen Sie was mich dabei besonders erschreckt? Köln/Bonn ist Ihr ursprünglicher Langstrecken-Heimatflughafen. Wenn Sie da nichts gebacken bekommen, muss ich nicht über Dresden, Mallorca, usw. nachdenken.

Herr Dirks, Ihre Taktik „Augen zu und durch“ ist nicht nur unseriös, sondern wird sich langfristig rächen. Wie wollen Sie Eurowings später wieder zu einer sympathischen Marke aufbauen?

 

 

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