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Verkehrsminister Scheuers Drucksache

So langsam dämmert es den meisten Bundesministern: Die Groko geht dem Ende zu. So hat auch Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) mal in seiner unteren Schublade nachgesehen, was da eventuell noch so zu erledigen wäre. Dabei hat sich ihm ein großes Geheimnis aufgetan, was ihm bis dato offensichtlich nicht so bewusst war: Hoppla, der Bund ist ja auch am BER beteiligt. Und er dachte immer, das sei nur so eine typische Berliner „Nichts-auf-die Reihe-bekommen“-Angelegenheit.

Da schwante ihm, dieser BER könnte vielleicht nicht so unbedingt ein Erfolgspunkt in seiner Bilanz sein. Also fragte er seine beiden Staatssekretäre, die angeblich schon hin und wieder etwas mit dem Thema zu tun gehabt haben sollen, ob es denn richtig sei, dass das Gewürge am BER schon seit der geplatzten Eröffnungsfeier in 2012 andauert, also seit sieben Jahren? „Perfekt! Dann waren meine beiden Vorgänger Dobrindt und Ramsauer also auch schon zuständig. Und was haben die denn während ihrer Zeit gemacht?“ Antwort: das gleiche wie Sie Herr Minister, nämlich NICHTS.

Die Ramsauer-Drucksache

Wobei Ramsauer schon etwas zum Thema BER beigesteuert hatte. Er ließ ein Gutachten erstellen, das beweisen sollte (und es auch tat), dass die Bundesregierung an dem ganzen BER-Schlamassel nicht schuld sei. Da kommt im Ministerium eine gute Idee auf. Das, lieber Herr Minister, könnten wir doch einfach nochmal ausdrucken, tauschen den Namen Ramsauer auf Scheuer, dann wären Sie auch fein raus.

Da kannten die Staatssekretäre unseren Andy, den großen Druckmacher auf die Verkehrsindustrie, aber schlecht. Denn Druck macht man am besten persönlich. „Da haue ich jetzt dem Flughafenchef Lütke Daldrup mal einen richtigen hinter die Ohren“, sagt der Minister und schreibt am 24.5.2019 einen Brief: „Die Entwicklung gibt mir Anlass zu Sorge“. Grandios, dieser Satz zeigt die brutale Entschlossenheit! Spätestens in einer Sonderaufsichtsratssitzung im August, wolle er jetzt wissen, ob es klappt mit der Eröffnung im Oktober 2020.

Ja, so baut der Minister richtig Druck auf, genau wie man es von ihm schon gegenüber der Autoindustrie gewohnt ist. Zusätzlich wurde noch die Presse über diesen Brief informiert, damit die Republik insgesamt weiß, ab jetzt ist Schluss mit lustig. So lässt Andy Scheuer nicht mit sich umspringen.

Die Scheuer-Drucksache

Bei dieser Aktion sind Scheuer leider einige Flüchtigkeitsfehler unterlaufen:

1. Schon der frühere AR-Vorsitzende Michael Müller (oder war es sogar früher schon Klaus Wowereit, oder eventuell beide) sagte, „Druck bringe am BER nichts, das mache den Flughafen nicht früher fertig“.

2. Mitte August ist ein ganz schlechter Termin für Entscheidungen im Aufsichtsrat, denn am 1. September ist Landtagswahl in Brandenburg und mehr oder weniger deutlich hatte Flughafenchef Daldrup im Landtag versprochen, vorher gebe es keine Terminverschiebung.

3. Aktueller denn je, der BER verbessert die durchschnittliche Klimabilanz der deutschen Flughäfen erheblich. Beim aktuellen Klimahype, bringt ein geschlossener BER also nur politische Vorteile.

4. Die nächste wichtige BER-Party ist nicht die Eröffnung, sondern am 19.8.2020 die 3000-Tage-Nicht-Eröffnung-Party.

5. Wer jetzt noch behauptet, der BER würde im Oktober 2020 eröffnet, ist auch sonst unglaubwürdig. Das gilt auch für einen Minister.

 

Übrigens, Bundeskanzlerin Merkel kann ihr Konzept von der nicht gehaltenen 2012er-Rede wegwerfen. Sie wird keine Gelegenheit mehr haben, den BER einzuweihen.

 

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Hallo Flugbranche, bitte laut melden

Eisiger Wind aus Schweden weht der Flugbranche ins Gesicht. „Flygskam“ also „Flugscham“ macht seit einem Jahr eine nicht für möglich gehaltene Medienkarriere. „Zeit online“ schrieb vor ein paar Tagen „Wer noch ins Flugzeug steigt ist ein Klimasünder“. Punkt aus, schämt Euch.

Aber das neue Schlagwort „Smygflyga“, also „heimlich fliegen“, ist für die Branche noch viel gefährlicher. Der zuerst als tröstend scheinende Botschaft, Menschen fliegen trotzdem, fehlt der Weiterempfehlungscharakter. Voller Freuden über seine Reisen zu berichten, hatte immer auch eine Multiplikatorenwirkung. Wer „heimlich“ fliegt, ist als Werbender für die Flugbranche verloren.

Gegen den sich aufbauenden völlig undifferenzierten Verteufelungswahn von Flugreisen durch polemische Klimaaktivisten tut sich die Branche bislang schwer. Offensichtlich unterschätzt sie sogar noch, wie heftig die Klimadebatte die Diskussion in den nächsten Jahren bestimmen wird.

Emotionen statt Fakten

Die Flugbranche versucht mit Fakten dagegen zu halten. Das kann nicht gelingen.

Wie hoch die CO2-Belastung durch den Flugverkehr wirklich ist, dass es weltweit Tausende von viel schlimmeren CO2-Umweltsündern gibt, die viel mehr im Fokus stehen müssten, dass das Methan-Gas durch rülpsende Kühe für das Klima sogar um ein Vielfaches schädlicher ist als CO2, interessiert doch keinen Klimaaktivisten. Und die allgemeine Bevölkerung sieht sich hilflos dem medialen Mainstream ausgeliefert, wird fast erschlagen.

Die Flugbranche muss sich eine alte Kommunikationsweisheit stärker zu eigen machen: „Emotionen kann man nicht mit Fakten bekämpfen, Emotionen kann man nur mit Emotionen besiegen“. Es wird höchste Zeit, dass sich die Branche wesentlich offensiver und aggressiver in die gesellschaftliche Debatte einbringt.

Reisen verbindet. Punkt. Geschäftlich wie auch privat. Mehr Videokonferenzen statt persönlicher Meetings? Der Gedanke hat sich nach dem 11. September, nur Monate danach, als nicht akzeptabel erwiesen. Der Tourismus als Völkerverbindung? Wen sollten die Touristen mit ihrem Urlaub schon alles in den letzten Jahren retten: Phuket, Ägypten, Griechenland, Türkei, Afrika.

Politiker vergaloppieren sich

Aber reden wir nicht nur über puristische Klimaaktivisten. Auch eigentlich, zumindest der Papierform nach, honorige Politiker vergaloppieren sich in der hitzigen Klimadiskussion. Manfred Weber, konservativer Spitzenkandidat für die Europawahl, forderte TV-öffentlich, dass neben der Großindustrie, endlich auch die Flugbranche in den Emissionshandel einbezogen werden muss. Das hörte sich im Fernsehen gut an. Ganz leise sarkastisch machten Branchenvertreter darauf aufmerksam: „Das gibt es doch schon und Du Weber hast das im europäischen Parlament auch mit beschlossen“.

Verdammt nochmal, da muss man auch mal die höfliche Grundhaltung ablegen und „laut und vernehmlich“ auf den Tisch hauen. Man kann sich gut vorstellen, wie ein vergleichbar umgekehrter Satz aus der Branche, einen tagelangen Shitstorm hervorgerufen hätte.

Die Branchenbosse dürfen nicht ignorieren, dass aus dem „Traum zu fliegen“ (oder auch beruflich „Zwang zu fliegen“) ein „ich schäme mich zu fliegen“ wird. Alles halb so schlimm heißt es dann. Thomas Cook und Tui konnten sich vor kurzem auch nicht vorstellen, dass es mal so schnell heftigen Gegenwind geben könnte.

Die Branche muss auch ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter jetzt darauf einstimmen, stolz offensiv zu argumentieren und sich zu ihrem Arbeitgeber zu bekennen.

Flugscham kann nicht die Lösung sein. Obwohl, ich muss zugeben, manchmal habe ich auch schon Flugscham empfunden, aber mehr im Sinne von Fremdschämen. Wenn Ryanair mal wieder einen Kampfpreis knapp über Null propagiert, wenn sich gleichzeitig Tausende von Klimarettern per Flugzeug irgendwo in einem Land treffen, um ein Kommunique zu beschließen, das schon vor der Abreise ausgehandelt wurde oder wenn die Bundestagsvizepräsidentin um die halbe Welt fliegt, nur um nachzusehen, ob es die Fidschi-Inseln noch gibt.

Etwas Tröstliches habe ich noch für die Branche. Dass das neue schwedische Schlagwort „tagskypt“, also „Zugstolz“, auch in Deutschland Kunden vom Fliegen abhält, kann ich mir bei unserer Bahn zur Zeit nur schwerlich vorstellen.

 

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Der Kranich will seine verlorene Tochter zurück

Die Brüder Grimm waren grausam: Im Märchen Hänsel und Gretel schicken die in finanzielle Not geratenen Eltern ihre lieben Kinder weg, geben noch etwas Wegzehrung mit und ab geht es in den dunklen Wald. Dort fallen sie einer bösen Hexe in die Hände.

Thomas Cook kann mit den Brüder Grimm durchaus mithalten. Sie haben in den letzten Jahren ziemlich über ihre Verhältnisse gelebt und schicken jetzt, um ihr eigenes Leben zu retten, ihre Kinder fort. Aber anders als im Märchen, werden die Kinder nicht in den dunklen Wald geschickt, sondern im Dschungel  der  „kleinere Airlines fressenden Monster“ öffentlich zum Verkauf angeboten.

Eines dieser Kinder heißt Condor und hat ohnehin ein wechselvolles Schicksal hinter sich. Es wurde vor 20 Jahren schon mal von einer gewissen Lufthansa ausgerechnet an die jetzigen Eltern Thomas Cook verkauft. Diese versuchten vor ca. 17 Jahren überhaupt nicht zimperlich ihr ihre Identität zu nehmen und einen anderen Namen zu verpassen. Da hat allerdings das Amt (sprich Öffentlichkeit) nicht mitgespielt.

Für den Fortgang dieser Geschichte stellt sich nun die Frage „wer wird die böse Hexe sein, in deren Hände Condor fällt“. Und da sieht es jetzt gar nicht gut aus. Die böse Hexe, hat den kurzen Namen „EU“, sitzt in Brüssel in ihrem Pfefferkuchenhäuschen und hat seltsame Vorstellungen über Adoptionen von elternlosen Kindern. Dabei spielt das Kindesschicksal zumeist eine untergeordnete Rolle.

Zurück zur Realität. Condor hat sich in letzter Zeit schon abstrampeln müssen, um sich über Wasser zu halten. Die vielen Subcharter im Auftrag der Condor, verniedlichend Partner Airlines genannt, wie Air Tanker, Avion Express, Blue Air, Smartlynx haben bei vielen Kunden nicht zu Identität und Vertrauen in den Namen Condor beigetragen.

Aktuell scheint so, als sei die Lösung Condor komplett zu Lufthansa, die einfachste und zukunftsfreundlichste für Condor zu sein. Ist es aber wirklich so?

Ich habe ja selbst 18 ½ Jahre bei Condor gearbeitet, als Condor noch 100% Tochter der Lufthansa war. Diese Muttergesellschaft gab uns Gelassenheit und Zuversicht, zur größten Chartergesellschaft (später nannte man es Ferienfluggesellschaft) Europas zu werden. Der „gelbe“ Mitarbeiterausweis, den auch wir hatten, machte uns stolz. Die exzellente Weiterbildung innerhalb des Konzerns machte uns alle (einschließlich mich) permanent besser.

Aber diese starke Identität Condor-Lufthansa wird es nicht wieder geben. Sorry.

Eine eigenständige Weiterführung der Condor innerhalb des Lufthansa Konzerns ist nicht vorstellbar. Teile der Condor werden sich irgendwo innerhalb des LH-Gefüges wiederfinden. Damit wird auch das Thema Arbeitsplätze, zumindest die Verwaltungsjobs, nicht sonderlich optimistisch zu sehen sein.

Aber es kann auch ganz anders kommen. Natürlich, Zukunft ist immer ungewiss. So  könnte Condor wieder britische Eltern bekommen und wäre mit den jetzigen Geschwistern wieder zusammen.

Aber das wird die zweite Hexe in dieser Geschichte, die Brexit-Hexe, wahrscheinlich verhindern. .

 

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Tango im Airline-Hospiz

„Hospiz Etihad“ – unter dieser leicht sarkastischen Headline berichtete das Luftfahrt-Onlineportal airliners über das Ende der letzten großen Etihad Beteiligung Jet Airways. Die letzten Stunden von Jet Airways verliefen wie üblich in einer solchen Situation: Bis zuletzt hatte das Management versucht, beim Staat zumindest eine vorübergehende Finanzierung zu erhalten.

Von Etihad war schon lange nichts mehr zu erwarten. Von den hochtrabenden Plänen eines Etihad-CEO James Hogan war inzwischen nur ein Trümmerhaufen übrig geblieben. Aus seinem Versprechen, die Fluggesellschaft Air Berlin inklusive Tochter Niki, Alitalia, Air Seychelles, Darwin Airline, Jet Airways und Air Serbia in eine glanzvolle Zukunft zu führen, wurde eher eine Begleitung in den Tod.

Wobei man bei diesem Vergleich einem echten Hospiz natürlich Unrecht tut. Etihad hat diese Unternehmen ja nicht selbstlos begleitet, sondern war, wenn man es genau nimmt, ursächlich mit verantwortlich für das Ende und machte sich, als es dann ernst wurde, eher verantwortungslos vom Acker.

Irgendwann merkte auch die „Wüste“ (salopper Berliner Ton über Etihad) wie gefährlich das wurde und schickte Hogan in die selbige. Jetzt muss sich Etihad selbst sehr mühsam aus den roten Zahlen heraus kämpfen. Plötzlich ist in Abu Dhabi „Gesundschrumpfen“ angesagt, was Etihad-Ex-CEO Hogan dem Ex-Ex-Air-Berlin-CEO Pichler noch „streng verwehrte“.

Die Kanzlerin hat Air Berlin überdauert

Übrigens wäre Air Berlin Ende April 40 Jahre alt geworden. Ich erinnere mich noch an die 30-Jahr-Feier, als Achim Hunold zu der Festrednerin Angela Merkel sagte: „Es muss für Sie doch eine Freude sein, heute eine Firmenveranstaltung zu besuchen, auf der Sie weder um Bürgschaften noch um Subventionen gebeten werden. Ich lade Sie herzlich für unsere 40-Jahr-Feier in 2019 ein, merken Sie sich jetzt schon diesen Termin vor“. Prima Gag, wobei einige im Publikum anmerkten, da sei Merkel bestimmt keine Kanzlerin mehr. Nunja, es kam genau andersrum. So hat Merkel nun an diesem Wochenende einen freien Termin.

Airliner lieben für immer

Unabhängig davon bin ich fest davon überzeugt, dass an diesem Wochenende irgendwo in Berlin Ex-Air-Berlin Mitarbeiter in erheblicher Anzahl einen krachenden Vierzigsten feiern werden, mit „Flugzeuge im Bauch, im Blut Kerosin…“. Kaum zu glauben – nach den letzten schweren Monaten und wohl nur durch eine Unterart des sogenannten „Stockholm-Syndroms“ zu erklären.

Aber es gibt noch Außergewöhnlicheres. Vor einiger Zeit ging ein Bericht über „Objektophilie“, sexuelle Anziehung von Menschen auf Gegenstände durch die Medien. Eine 26-jährige Berlinerin (letzteres ist wohl Zufall?) hat eine sexuelle Beziehung mit einer Boeing 737 – genauer gesagt zu einem Flugzeugmodell dieses Types – und kuschelt mit ihm im Bett.

Das Modell ist übrigens ein Großmodell mit erheblicher Spannweite. Auf den Bildern ist der Schriftzug Hapag Lloyd zu lesen. Und Hapag-Lloyd-Flug (zumindest den Namen) gibt es bekanntlich seit über zehn Jahren nicht mehr. Airliner lieben für immer.

Apropos… zu Air Berlin sei vielleicht noch zu bemerken, dass vor kurzem die Staatsanwaltschaft Berlin in das leerstehende ehemalige Air-Berlin-Gebäude eingezogen ist. Wer weiß, was das für Auswirkungen haben kann, wenn die zu stark dort herumschnüffeln. Falls sich in Bezug auf das Ex-Management etwas ergeben sollte, könnte die Staatsanwaltschaft auf kurzem Wege (das ist wörtlich gemeint) zum letzten CEO Kontakt aufnehmen. Er ist ja nur wenige hundert Meter entfernt beim Berliner Unternehmen Zeitfracht anzutreffen.

 

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Wenn die „Beste Airline Frankfurts“ im Ranking fehlt

Wie strahlte Carsten Spohr Ende 2017 als die „super unabhängige Prüfungsgesellschaft Skytrax“ mit der „Five-Star-Plakette“ für Lufthansa um die Ecke kam. Die Kriterien von Skytrax sind etwas undurchschaubar, aber wer ist schon vor der Lust auf eine Auszeichnung gefeit. Interessant war bei der Preisverleihung, dass der Skytrax CEO die neue Bussiness Class der Lufthansa lobte. Dass es diese zu diesem Zeitpunkt noch nicht gab… geschenkt. Wenn jemand zur Auszeichnung dran sein soll, ist jede Begründung recht. Kein Wunder, dass der Ruf von Skytrax etwas gelitten hat und immer wieder spekuliert wurde („natürlich zu Unrecht“), ob man sich so etwas kaufen kann.

Jetzt kommt mit großem Trara Tripadvisor um die Ecke und präsentiert ihre „Travellers´Choice Gewinner“ auch für Airlines. Sieht super demokratisch aus (Schwarmergebnis), aber wie tauglich das System ist, aus einer Vielzahl von subjektiven Bewertungen eine objektive zu machen, darf bezweifelt werden. Tripadvisor fügt den Bewertungen fast immer noch ein Zitat „eines Users“ bei. Das schreckt dann doch etwas und macht die Sache nicht durchschaubarer als bei Skytrax.

Aber wie dem auch sei. Die Travellers´Choice Gewinner sind Platz 1 Singapore Airlines und Platz 2 Qatar Airways. Auch Eva Air, All Nippon Airlines und Emirates finden sich in den Top-10-Listen von Tripadvisor und übrigens auch bei Skytrax. Soweit, so nachvollziehbar. Nur wo ist eigentlich der aktuelle Skytrax-Platz-7 im Travellers´Choice Ranking? Wo ist Lufthansa ? Nirgends zu sehen, eindeutig unter ferner liefen.

Ein gutes Hilfsmittel, um die eigene Plattform im Ranking gegen andere Preisverleiher nach oben zu bringen, ist einfach sehr viele Preisträger auszuzeichnen. So hat Tripadvidor insgesamt 57 Fluglinien mit 91 Auszeichnungen gewürdigt – einfach indem man die Kategorien und Regionen immer mehr unterteilt. Klar, dass diese 57 Fluglinien (wie z.B, Aegan, Air Astana, Cayman Airlines, Hawaiin) jetzt per Pressemeldung das hohe Lied des Verleihers singen.

Zu wenig Kategorien für Lufthansa

Nur leider gibt es bei Tripadvisor keine Kategorie „Beste Airline Frankfurts“, sonst hätten wir eventuell doch noch eine bekannte deutsche Skytrax-5-Sterne-Airline im Besten-Ranking auf Tripadvisor gefunden.

Das mit den vielen Adwards macht auch Skytrax bis zur Ermüdung bei den Preisverleihungen. Gerade gab es mal wieder Auszeichnungen für Flughäfen. Da auch der Flughafen München im Ranking zurückfiel (aber noch Platz 7) und Fraport nicht unter den Top Ten ist, fiel das Echo der Branche diesmal extrem leise aus. Wir erinnern uns: Bei der Übergabe der Five-Star-Plakette an Lufthansa, gratulierte der Flughafen München schon fast während der Verleihung sehr plakativ.

Aber was ist von diesen Rankings schon zu halten? 2017 schaffte es ein Restaurant namens „The Shed of Dulwich“, auf Tripadvisor zum besten Restaurant Londons aufzusteigen. Super peinlich: „The Shed of Dulwich“ war in Wirklichkeit eine Gartenlaube. Kein Scherz. Ein Experte namens Oobah Butler, der schon öfters „Restaurantbewertungen“ geschrieben hatte, überlistete das System. Fake Internetseite, Bilder von Fake-Gerichten und jede Menge „Super-Bewertungen“, so wurde das Restaurant zur Nr. 1 in London. Die Geschichte ist von so einem hohen Unterhaltungswert, dass man sie echt gelesen haben sollte [https://www.derstandard.de/story/2000069779500/tripadvisor-mit-fake-blamiert-gartenhuette-wird-top-restaurant].

Es gilt, was für jede Statistik gilt, man kann sie beliebig interpretieren. Und wenn ich Oobah Butler engagiere, bin ich vielleicht auch mal irgendwo mit meiner Kolumne auf Platz 1, selbst wenn ich gar keine schreibe (oder vielleicht auch deshalb).

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„Mal wieder“ in eigener Sache

In letzter Zeit habe ich die „Bissigen Bemerkungen“ aus privaten Gründen etwas vernachlässigt. Dabei stapeln sich bei mir auf dem Schreibtisch die Themen, die es mehr als wert sind gebissen zu werden (ITB/Malaysia, der aktuelle Hype Overtourismus, aktuelle Situation Türkei und vor allem mein neues Lieblingsthema: Das Roboter-Hotel das die Hälfte seiner Roboter entlassen hat. Nach unserem Tourismusbeauftragten der Bundesregierung wollte ich auch mal nachforschen). .

Ab jetzt wird wieder etwas „mehr Gas“ gegeben, es ist genug zu tun.

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Der traurige zweite Tod des Germania-Gründers

Es ist so einfach, immer die Vergangenheit zu preisen – gar rückblickend vieles zu verklären. Doch die Insolvenz der Germania zeigt, wie genial Gründer Hinrich Bischoff war. Jede Diskussion zur jüngsten Airline-Pleite endet zwangsläufig bei ihm, der mit der kleinsten deutschen Airline immer wieder aufs Neue die gesamte Luftfahrtwelt aufwirbelte. Dabei war das Handeln für seine Fluggesellschaft immer davon geprägt, ihr trotz aller Schwierigkeiten das Überleben zu garantieren.

Daher bin ich überzeugt: Unter der Führung von Hinrich Bischoff wäre Germania auch angesichts der heutigen schwierigen Gegebenheiten nie pleite gegangen. Er hat immer früher als andere gesehen, wo sich neue Möglichkeiten auftaten – oder er hat selbst gezielt die nötigen Wege geschaffen.

Er perfektionierte das Modell Wet-Lease

Er erkannte wie kein zweiter die Hebel des Geschäfts. Bewundernswert ist seine Kreativität, wenn es darum ging für die Zukunft sowohl für seine erste Firma SAT mit drei Flugzeugen („Mein kleines SAT.chen“) wie auch für Germania (in der Spitze bis zu 40 Flugzeuge, Reisebüros, Reiseveranstalter, Hotels und mehr) zu kämpfen.

Selbst ernannte Experten meinten schon immer, man könne in der Airline-Branche nur im Leasing-Geschäft mit den Flugzeugen Geld verdienen. Bischoff hat dies perfektioniert; 2005, kurz vor seinem Tod, gab es eine Zeit, da flog kein einziges Flugzeug mehr unter Germania-Code.

Sein wahrscheinlich größter Erfolgsfaktor war aber wohl sein phänomenales Gedächtnis – die reinste Datenbank. Und die Qualität lag nicht nur im Abspeichern von Zahlen und Fakten, sondern vor allem im richtigen Verknüpfen dieser Informationen miteinander – und zwar genau dann, wenn es darauf ankam.

Wer außer ihm konnte schon auf einem kleinen Zettel spontan Ergebniszahlen pro Flug/pro Flugzeug aufschreiben? Nicht überschlägig, sondern präzise und das ohne jedes Hilfsmittel. Er war Generalist und Spezialist gleichermaßen. Deswegen waren Verhandlungen mit ihm so ungemein schwierig.

Der Mensch Hinrich Bischoff

Hinrich Bischoff war nicht nur ein exzellenter Unternehmer, sondern gleichermaßen Kunstliebhaber und auch Kunstexperte. Legendär sind Geschichten wie jene, als er als einziger Experte das echte Bild eines flämischen Meisters erkannte und daraus einen exorbitanten finanziellen Gewinn erzielen konnte.

Mich hat er mal im Auto mitgenommen und beim Einsteigen darauf aufmerksam gemacht, nicht auf die am Boden liegende Einkaufstüte zu treten, weil sich darin ein zehn Millonen Mark teures Gemälde befand.

Ein anderes Luxuslaster von ihm war es, Skat zu spielen – stundenlang, nächtelang. Auch morgens um fünf wusste er noch genau, welche Karten bereits gespielt und welche sich im Spiel befinden müssten. Nachteil: Er wollte immer solange spielen, bis er gewonnen hatte. Als der Wirt einer Berliner Kneipe ihn im Morgengrauen rauswerfen wollte, kaufte er ihm die Kneipe ab.

Besucher-Ausweis 007

Legendär war sein Besucher-Ausweis bei Tui. Er, der wirklich keinen gebraucht hätte, weil ihn jeder kannte, trug den Ausweis wie ein Abzeichen. Natürlich mit der Nummer 007 – speziell reserviert für ihn -, dieser Ausweis wurde nie für irgendjemand sonst ausgegeben. Ausgehandelt hatte er diesen Deal „direkt“ mit dem Pförtner der Tui.

Im November 2005 starb Bischoff nach kurzer schwerer Krankheit. Noch auf dem Sterbebett lag ihm die Zukunft „seiner“ Germania am Herzen. Völlig überraschend für die gesamte Branche übertrug er in einer Blitzaktion einen Teil der Germania, insbesondere die Fokker-Flotte, an seinen Konkurrenten Achim Hunold. Eine der unglaublichsten Geschichten, die es in unserer Welt bisher gab. Bischoff wusste halt stets, alle zu überraschen.

Bertolt Brecht hat einmal geschrieben: „Der Mensch ist erst wirklich tot, wenn niemand mehr an ihn denkt.“  Bei der Nachricht vom Ende „seiner“ Germania hatte ich das Gefühl als wäre Hinrich Bischoff ein zweites Mal gestorben. Aber er bleibt unvergessen.

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Täuschen und Tricksen

Als das Fluggastrechteportal „Fairplane“ vollkommen „selbstlos“ quasi über Nacht beim Berliner Landgericht erwirkte, dass das eigentlich schon abgeschlossene (und Vueling zugeteilte) Niki-Insolvenzverfahren, jetzt nach Österreich verlegt und neu ausgeschrieben werden müsse, herrschte großes Unverständnis.

Aber als dann im Januar 2018 in einem beispiellosen Übernahme Coup Niki Lauda, im Unterschied zur ersten Entscheidung, den Zuschlag bekam, feierte man in der Alpenrepublik die gefundene „nationale österreichische“ Lösung. Wie schön das klingt, wenn man fest daran glaubt, dass der Schein mit dem Inhalt identisch sei.

Der „lange gemeinsame Weg“ war recht kurz

Es dauerte gerade mal zwei Monate, dann ließ Lauda die Maske fallen und der Gewinner war (Überraschung?) O’Leary. „Ryanair steigt bei Lauda Motion ein und hat ein Vorkaufsrecht auf mehr“ – da schäumten Markteilnehmer und -beobachter gleichermaßen. Vieles, was in den zwei Monaten zuvor von Lauda und seinem Management versprochen wurde, war nur noch Makulatur. Ebenso ist es nun um den „langen gemeinsamen Weg“ geschehen.

Jetzt wurde bekanntgegeben, dass Ryanair schon im Dezember 2018 Lauda Motion komplett übernommen hat. Das kann dann auch nicht mehr darüber hinwegtäuschen, was in der Realität ohnehin zu sehen ist: Ryanair hat das Sagen.

Damit landet das angeblich „letzte Filetstück“ von Air Berlin ausgerechnet im Rachen der Iren. Eine Riesenenttäuschung – auch für die Mitarbeiter.

Karsten Mühlenfeld plädiert für Offenhaltung von Tegel

Noch so eine seltsam anmutende Story: Der ehemalige BER-Chef und Ex-Verwalter von Deutschlands längster Dauerbaustelle, Karsten Mühlenfeld, hat sich nun für die Offenhaltung von Tegel ausgesprochen. Hat er uns nicht jahrelang erzählt, warum das aus rechtlichen Gründen überhaupt nicht geht? Jeder der anderer Meinung war, hat von ihm auch gleich eine abbekommen.

Die Lösung ist ganz einfach. Mühlenfeld ist seit August letzten Jahres in Diensten von … Na, raten Sie mal? Genau: in Diensten von Ryanair. Und Ryanair fordert schon viel länger den Weiterbetrieb von Tegel. Zufälle gibt es.

Entscheidung über BER-Fertigstellung erst nach der Brandenburg-Wahl

Jetzt wollen wir doch mal unter der Überschrift „Täuschen und Tricksen“ einen Blick in die Zukunft werfen: „Wird er oder wird er nicht“, als Steigerung von Shakespeares „Sein oder nicht sein – das ist hier die Frage“. Noch bevor man dem aktuellen BER Chef Lütke Daldrup eine Frage stellt, antwortet er schon, wie sicher der Eröffnungstermin im Oktober 2020 sei.

Als ich im November 2017 in den Bissigen Bemerkungen schrieb, „freuen Sie sich auf den 19. August 2020, 3000 Tage Nichteröffnung BER (seit 2012)“, ließ ich schon durchblicken, dass dies nicht das letzte Jubiläum sein könnte.

Jetzt war Lütke Daltrup gefordert, vor dem Landtag in Brandenburg, sein Wissen preis zu geben. Der Satz, der mich aufhorchen ließ, lautete: „Die Abnahme des BER-Hauptterminals wird erst nach der Wahl des Landtags Brandenburg stattfinden. Die Wahl ist für den 1. September 2019 angesetzt.“

Er hätte auch sagen können: „Liebe Abgeordnete, ich werde Euch im Wahlkampf nicht mit schlechten Nachrichten zum BER stören.“ Wie nett von ihm.

Spätestens jetzt ist mir endgültig klar: BER Eröffnung 2020 wird die Luftnummer des Jahres. Aber wie die anderen Beispiele zeigen, gehören Luftnummern ja zur DNA der Branche.

 

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Hinter dem Mond zu Hause

3.000 Passagiere verpassten am Wochenende vor Weihnachten ihren Flug in Frankfurt. Obwohl sie unbestritten frühzeitig zum Frankfurter Flughafen angereist waren, erreichten sie ihre Flüge nicht rechtzeitig. An den Sicherheitskontrollen hätten Fluggäste bis zu 90 Minuten anstehen müssen.

Erstaunlich wie nonchalant sich die Verantwortlichen immer dazu äußern. 3.000 Passagiere haben ihren Fug verpasst, „so what“? 3.000 Passagiere sind nicht irgendeine Kennzahl, das sind 3.000 Einzelschicksale, deren Urlaub schon bei Beginn „verhauen“ war, die ihre Weihnachtsplanung ändern mussten, Anschlussflüge verpasst haben und vor allem zum Jahresende wieder irgendwo genervt anstehen mussten, um zu erfahren wie es weiter zum Ziel gehen soll.

Dem Präsidenten des Bundesverbandes der Deutschen Luftverkehrswirtschaft (BDL), Klaus-Dieter Scheurle wurde in einem Interview die Frage gestellt, „wann und wie werden die Sicherheitskontrollen an den Airports schneller?“. Hier seine „gehaltvolle“ Antwort: „Aus gemeinsamen Pilotprojekten des BDL mit Innenministerium und Bundespolizei, aber auch aus der Praxis im Ausland wissen wir, dass es erhebliche Verbesserungspotenziale bei den Sicherheitskontrollen gibt. Die Koalition im Bund hat sich vorgenommen, die Organisation der Kontrollen zu verbessern“. Und zum Schluss als Zuckerle noch: „Das begrüßen wir sehr. Unsere großen Flughäfen sind ausdrücklich bereit, mehr Verantwortung zu übernehmen“.

Geht es noch? Das übertrifft im „Floskelgehalt“ ja noch unseren Regierungssprecher Seibert und das will etwas heißen.

Auch der neue Lufthansa-Vorstand Kayser hat schon festgestellt, „das System der Sicherheitskontrollen sei zu Spitzenzeiten offenkundig überlastet“. Das Problem müsse im kommenden Jahr (2019 gemeint) dringend gelöst werden. Das kann sich an Originalität mit vielen ähnlichen Aussagen vor ihm gut messen.

Ich weiß nicht, ob man das als Steigerung bezeichnen kann, wenn ein Sprecher des Flughafens meint, dass dieser Samstag ein „Ballungstag“ gewesen sei. Solche Zahlen habe man normalerweise nur im Sommer. Vergleichbare Probleme hatten wir im Laufe des Jahres auch an anderen Flughäfen, ich erinnere mich unter anderem an Düsseldorf und Köln. Das muss ja richtig schlimm sein, dass die Ferien- und Feiertage auch jedes Jahr immer so überraschend kommen, dass man nicht planen kann.

Da hätte ich eine Idee. Die chinesische Raumfahrt hat gerade eine Sonde auf der Rückseite des Mondes gelandet. Vielleicht können die sich dort mal etwas umsehen, denn irgendwo „hinter dem Mond“ muss wohl die Zentrale sein, in der die Einsatzplanung für das Sicherheitspersonal an den Flughäfen zu Hause ist.

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Merkel in Not – wo war der „nationale Champion“?

Stell‘ dir vor, du musst zum G20-Gipfel und dein Flieger geht nicht. Peinlich, peinlich. Der normale Arbeitnehmer kennt das, wenn er zu einer wichtigen Besprechung im Büro zu spät kommt und sich entschuldigt, mein Auto sprang nicht an, meine Straßenbahn hatte Verspätung, mein Zug fiel aus, Eurowings ist nicht geflogen oder so ähnlich, und der Chef/Chefin sagt: „Das war das letzte Mal.“

Aber das passierte der Kanzlerin des Luftfahrtstandortes Deutschland. Alle waren pünktlich, nur der als „oberpünktlich“ verschriene Streber Deutschland fehlte, und das vor den Augen der ganzen Welt.

Mit Steinmeier im Biergarten

Es kann bei jedem Flug etwas Unvorhergesehenes passieren. Aber die Pannenliste unserer Flugbereitschaft ist inzwischen ellenlang. Mal rauchte es in der Kabine, mal nagten hungrige Mäuse an Kabeln. Triebwerke ließen sich nicht starten und über Hunderte von Kilometern musste ein Ersatzgerät rangeschafft werden und und und. Legendär, als Steinmeier zusammen mit Journalisten in einem Biergarten in Vilnius wartete, bis er weiterfliegen konnte.

Unsere Langstreckenflugzeuge der Flugbereitschaft heißen Konrad Adenauer und Theodor Heuss. Wie kann man das Ansehen dieser für Deutschland verdienten Politiker so lächerlich machen? Das wird nur noch vom Willy-Brandt-Flughafen BER übertroffen.

Bei zwei Dingen sollte man mal genauer hinsehen. „Ein einziges“ Teil soll die gesamte Stromversorgung lahmgelegt haben? Wer das glaubt, glaubt auch an den Weihnachtsmann.

Frankfurt statt Köln

Oder ist billig-billig auch die Ursache für die vielen Pannen bei der Flugbereitschaft? Auch wenn es einige nicht hören wollen, billig-billig heißt mit Gewalt sparen, beißt sich irgendwann mit zuverlässig.

Wie auch immer, eine Umkehr war unausweichlich, weiterfliegen wäre lebensgefährlich gewesen. Aber wenn man den Kommentaren in entsprechenden Foren Glauben schenkt, soll der absolut lebensgefährliche Teil des Fluges an diesem Abend die Landung des Fliegers In Köln gewesen sein. Noch voll mit Sprit, weil vorher das Ablassventil nicht funktionierte, konnte das Flugzeug wegen Bauarbeiten nur auf einer deutlich kürzeren Bahn landen. „Heldentat“, wie Frau Merkel danach „fachmännisch“ bemerkte, oder unter allen Umständen gewollte Rückkehr zum „Heimatflughafen“? Das führte dazu, dass die Fluggäste (inkl. Kanzlerin) auf Geheiß der Feuerwehr erst nach 70 Minuten (wegen überhitzter Bremsen) das Flugzeug verlassen durften. Wäre ein Ausweichen zum Beispiel nach Frankfurt angesichts der wenigen Minuten Mehrflugzeit nicht die klügere Lösung gewesen?

Kanaren-Umlauf statt staatliche Verantwortung

Aber die größte Peinlichkeit – und dafür gibt es für mich keine Entschuldigung – ist, dass Deutschland, jetzt sage ich es ganz prosaisch, nicht in der Lage war, einen Ersatz für die Bundeskanzlerin bereitzustellen. Das in Berlin an diesem Abend stationierte Ersatzflugzeug konnte nicht eingesetzt werden, weil durch die Zwischenlandung in Köln die Crew aus der zulässigen Einsatzzeit gefallen wäre. Wie bitte, geht es noch? Wir reden hier von einer Flugbereitschaft der Bundeswehr und da gibt es Einsatzprobleme, als sei es ein Kanaren-Umlauf bei einem Ferienflieger? Ein Überziehen der Einsatzzeit wäre bestimmt weniger gefährlich gewesen, als die vorsätzliche Landung in Köln mit dem überladenen Flugzeug.

Wir leisten uns ein Parlament mit über 700 Abgeordneten, das auf die Größe der Bevölkerung bezogen größte Parlament der Welt, planen aber vorsätzlich bei der Anzahl Crews der Flugbereitschaft der Bundeswehr auf Kante?

Jetzt auch ein Subunternehmer beim Flug der Kanzlerin

Wir lassen es zu, dass in größter Not eine spanische Fluggesellschaft unsere Kanzlerin nach Argentinien fliegen muss, weil wir selbst dazu nicht in der Lage sind? Da stelle ich doch bewusst die sehr provokative Frage: Wo war zu diesem Zeitpunkt unser „nationaler Champion“ Lufthansa?

Konnte er nicht, wollte er nicht, durfte er nicht?

Da hätte alles aus dem Weg geräumt werden müssen, damit die Bundeskanzlerin noch pünktlich mit dem „nationalen Champion“ zum G20 Gipfel hätte kommen können. Da lasse ich keine Ausrede gelten (von wegen Nachtflugverbot oder ähnliches). Das wäre „Made in Germany“ als Wirtschaftsleistung gewesen.

Aber die Zeiten des „Siegerfliegers“ sind wohl vorbei.

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Nur Bares ist Wahres

Eine Boeing 787 von LOT hatte in Peking eine Panne. 10 Stunden stand die Maschine am Airport. Angeblich war die Reparatur nur ein kleines Problem.

Aber manchmal verbirgt sich hinter einem kleinen Problem ein richtig großes Problem. Das große Problem in diesem Fall war der zur Hilfe gerufene chinesische Techniker. Der Techniker verlangte cash für seine Arbeit, sonst wird nicht repariert. Bemerkenswerte Sturheit. Oder nur der Wunsch die berühmten „15 Minuten“ im Rampenlicht stehen, von denen Andy Warhol meinte, dass sie für jeden irgendwann kommen würden.

Bei uns in Deutschland kennt man das von Schlüsseldiensten, die im Notfall gerufen werden. Auch da heißt es cash oder die Tür bleibt zu.

Letzte Lösung: Passagiere anpumpen

Die Wahlmöglichkeiten für Lot waren begrenzt, leider auch das vorhandene Bargeld. Letzte Lösung, die Passagiere anpumpen. Wer öffnet da nicht gerne seinen Geldbeutel, um schneller nach Hause zu kommen. Letztlich waren es vier Passagiere, die die notwendigen 320 Euro in den Klingelbeutel geworfen haben. Wobei spätestens jetzt der Vergleich mit einem Schlüsseldienst vorbei ist, für „nur“ 326 Euro bleibt in der Regel die Tür zu.

Keine Ahnung warum LOT zuerst die Story abgestritten hat, ist doch schön solvente Kunden zu haben. Vielleicht wollte LOT auch nicht mit Airlines in „Endzeitstimmung“ in einen Topf geworfen werden. Da ist es bekanntermaßen schon üblich, dass die Piloten Bares im Fliegerkoffer haben.

Ein Billigflieger schuldet 525.000 Euro

Natürlich kann eine solche Sammelaktion schnell ihre Grenzen erreichen, vor allem wenn es nicht um 320 Euro, sondern um 525.000 Euro geht. Genau diesen Betrag schuldete eine irische Airline, und raten Sie mal welche. Und das schon seit 2014, nach einer Entscheidung der EU-Kommission wegen zu Unrecht eingeräumter Konditionen an einem französischen Lokalflughafen. Der französische Justizbeamte wollte aber nicht nur ein bisschen Aufmerksamkeit, sondern gleich das große Kino. Als die Ryanair-Maschine mit Passagieren an Bord startbereit war, kam er mit Polizeieskorte angebraust und schwenke den berühmten Kuckuck um einen kleinen Vogel an den großen Vogel zu kleben. Es sei denn….. er bekäme sofort 525.000 Euro. Für solche Summen sind Ryanair Passagiere nicht unbedingt bekannt, also: alles aussteigen.

Mit einigen Stunden Verspätung und einem Kuckuck freien Flugzeug konnten die Passagier endlich starten. 24 Stunden nach diesem Vorfall zahlte dann auch Ryanair. Die Mühlen der EU mahlen sehr langsam, aber man darf die EU auch nicht unterschätzen.

Mallorca für 1,94 Euro

Ich fand beide Geschichten besonders in dieser Woche interessant, weil diese Woche ja wieder eine Hochzeit für streamline-funktionierende Marketingfuzzies ist:

Vom Cyber Monday direkt zum Black Friday. An der Spitze der Verrückten stand, wer wohl, Ryanair, die den Cyber Monday gleich zur Cyber Week erweiterten. Als Eyecatcher diente ein Flugangebot für den 28.11. von Schönefeld nach Mallorca mit dem unglaublichen Preis von 1,99 Euro. Dieser Preis wurde dann auch am Mittwoch nochmals gekillt. Jetzt gab es Mallorca sogar schon ab 1,94 Euro. So wird es aber verdammt lange dauern bis die 525.000 Euro wieder in der Kasse sein werden.

 

 

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