Person | Interviews | Vorträge | Veröffentlichungen | Kontakt

Archiv für Allgemein

Demoscham statt Flugscham

Von den angekündigten vierteiligen Bissigen Bemerkungen zur aktuellen Politik hier nun, speziell zum Thema „Fridays for future“,

Teil 3.

Diesen hier etwas aktualisierten Beitrag findet man auch in der interessanten aktuellen Jubiläumsausgabe von touristik aktuell.

Fridays for future, CO2-Steuer, Overtourism, jedes dieser aktuellen Themen ist eine Auseinandersetzung wert. Besonders bei Fridays for Future klaffen Anspruch, medialer Hype und Wirklichkeit besonders auseinander.

Den Klimawandel heute noch zu leugnen ist dumm oder ignorant. Aber Fridays for Future trägt nicht wesentlich zur Lösung bei. Was mich daran besonders stört: Fridays for Future agiert eindimensional und hat sich mit der feindseligen Einstellung zum Flugverkehr einen sehr kleinen Hebel zur Rettung des Klimas ausgesucht, spätestens hier ist auch der Tourismus betroffen.

Eindimensionaler Ansatz

Fridays for future hat als Ziel die Einhaltung (inhaltlich und zeitlich) der Klimaziele. Dass dies ganz oben auf der Agenda steht, ist ok. Falsch ist, dass alle anderen Themen explizit als unwichtig bis unnötig betrachtet werden. Der Politikwissenschaftler Straßner sieht bei Fridays for future in der kompromisslosen Haltung eine Vorstufe extremistischen Denkens. Man müsse aber Streitgespräch als Lebenselixier der offenen Gesellschaft pflegen, statt anderslautende Meinungen diskussionsunwillig unter Generalanklage stellen.

Genauso wird der Flugverkehr mit weniger als 3%-Anteil am weltweiten CO2-Ausstoß als „Feind“ und nicht als ein Teilthema gesehen. Sich den Flug als Hauptthema aussuchen, weil es am einfachsten ist? Das macht Fridays for Future unglaubwürdig.

Wir können die Lösung anderer Zukunftsproblemen nicht einstellen. Genauso wie wir weiter nach intelligenten Lösungen statt Verbote suchen müssen. Zukunft und Fortschritt sind sehr selten aus dem Mainstream entstanden, sonst würde es auf vielen Gebieten keine Start-ups geben.

Und wenn die Regierung in hektischer Reaktion auf Fridays für future weitere völlig undifferenzierte Belastungen für die Bevölkerung „draufsattelt“, statt eine große Umstellung des Steuersystems mit echter Steuerungsfunktion auf den Weg zu bringen, dann wird das „politische Klima“ schnell umschlagen.

Nach der Demo im Flughafen Stuttgart „Attacke, Attacke – fliegen ist kacke“ sehe ich Fridays for future nicht mehr als seriös an. Spätestens jetzt denke ich, wird es Zeit für den Begriff „Demoscham“.

Direkt entsetzt war ich, aktuell Bilder zu sehen, wie sich Greta Thunberg von Vermummten geführt, den Hambacher Forst anschaut. Das geht gar nicht. Bei der hohen Hintergrundprofessionalität von Fridays for Future sind solche Bilder nicht unabsichtlich. Sehen wir demnächst freitags auch den Schwarzen Block bei den Demonstrationen? Demoscham.

Der echte globale Ansatz fehlt

Dass es die Fridays for Future in vielen Ländern gibt ist noch kein echter globaler Ansatz. Unter einem globalen Ansatz würde ich verstehen, dass man neben den kleineren Hebeln für die Erreichung der Klimaziele (3% Anteil CO2 Ausstoß der Fliegerei) besonders nach den ganz großen Hebeln greift.

Der Weltklimarat (IPCC) hat in seinem 2019-Bericht u.a. auf die Brandrodung im brasilianischen Regenwald hingewiesen. 11% des Co2-Ausstoßes sind darauf zurückzuführen. Vor allem für riesigen Soja- und Palmölplantagen wird der Regenwald abgeholzt. Bundesentwicklungsminister Müller war jetzt gerade in Brasilien. Er musste eine Viertelstunde auf ein Gespräch mit dem brasilianischen Umweltminister warten und gestand dann ein, dass er außer „interessantes Gespräch“ nichts erreichen konnte. Jetzt ist es sicherlich schwer, den brasilianischen Präsidenten und Mini-Trump Bolsonaro von diesem Problem zu überzeugen. Aber es kann nicht sein, dass wir dem auf diesen gerodeten Flächen gepflanzte und geerntete Soja durch ein neues Abkommen der EU mit den Mercosur-Staaten bessere Handelschancen in Europa bieten. Kompensationsgeschäfte des Flug-Ablasshandels wirken lächerlich, wenn täglich ein Vielfaches davon in Brasilien abgeholzt wird. Wenn man es wirklich ernst mit der Demo meint und sich nicht nur den plakativen Flug heraussuchen will, müsste dieses offensichtliche Thema mit einer ungleich höheren Hebelwirkung ganz vorne auf der Agenda von Fridays for future in Deutschland und Europa stehen. Und das ist nur ein Beispiel.

Bei globalem Ansatz, denke ich in etwa ähnliches wie die KSZE-Konferenz und deren Schlussakte in 1975. Im kältesten kalten Krieg hatten sich 35 höchste Repräsentanten aus 35 Nationen getroffen und unterzeichneten ein Schlussdokument mit der Absicht, konkrete (auf „konkret“ lag der Fokus) Maßnahmen für Menschenrechte, Wirtschaft, Wissenschaft, Umwelt umzusetzen. Das war keine Show-Veranstaltung wie G20, sondern echtes Wollen (und Können) um die Welt besser zu machen. Dafür könnte Fridays for Future weltweit kämpfen. Sonst ist alles andere nur ungenügendes Stückwerk.

Schlussbemerkung

Den Schuh „Klimafeind“ sollten wir uns als Touristikbranche nicht anziehen. Die emotionale Sprache der Fridays for Future kann man nicht nur mit den vorzeigbaren Fakten der Touristik bekämpfen, Emotionen kann man nur mit Emotionen besiegen. Die Branche darf und muss sich wesentlich offensiver und aggressiver in die gesellschaftliche Debatte einbringen und für das begeistern wofür Touristik und Fliegerei steht: Menschen zusammenbringen.

In ca. 10 Tagen erscheint der vierte Teil über Overtourismus.

 

 

Ihr Feedback, Ihre Anregungen, Ihre Meinung ist gern gesehen. (hier klicken)

Luftverkehr als Staatsfeind Nummer 1

Von den angekündigten vierteiligen Bissigen Bemerkungen zur aktuellen Politik hier nun, speziell zum Thema Luftverkehr, Teil 2 (erschien am 1.8. auch als Born-Ansage bei airliners).

BBB Teil 2

In den Bissigen Bemerkungen vom 23. Mai hatte ich noch gewarnt: Die Flugbranche muss sich lauter zu Wort melden. Zu offensichtlich war der völlig undifferenzierte Verteufelungswahn von Flugreisen durch polemische Klimaaktivisten geworden. Damit war es nur noch eine Frage der Zeit, bis die Politik ähnlich undifferenziert auf diesen Zug aufspringen würde, um sich wählermäßig zu positionieren.

Seit kurzem ist bei mir auch der letzte Respekt vor „Fridays for Future“ in Frage gestellt worden. Wer am Flughafen Stuttgart protestiert mit „Attacke, Attacke – Fliegen ist kacke“, hat jegliche Seriosität verloren. Hier geht es nur noch um dagegen sein. Demoscham statt Flugscham.

Um es deutlich vorweg zu sagen, den Klimawandel heute noch zu leugnen ist dumm oder ignorant. Genauso wenig kann auch bestritten werden, dass die Fliegerei mit ca. drei Prozent am CO2-Ausstoß beteiligt ist. Weltweit wohlgemerkt. Wir reden also von einem Klima-Teilproblem und nicht vom Teufel persönlich. Aber der „grüne Teil“ dieser Republik hat sich darauf eingeschossen, dass es schon beim Fliegen um Alles oder Nichts geht. Die Emotionen sind im Höhenflug, deshalb kann nur schwer mit Fakten dagegen angekämpft werden. Dabei sind die erhobenen Forderungen zum großen Teil weltfremd und der Bürger bekommt Sand in die Augen gestreut, dass es jedem Sandmännchen zur Ehre gereichen wird.

Jetzt will das sogenannte Klimakabinett der Bundesregierung die CO2-Bepreisung beschließen. Die hyperaktive, zumindest quantitativ, Umweltministerin Schulze meldete sich streberhaft noch vor der Sitzung auf Twitter („Mini-Trump“?) „es kann nicht sein, dass auf bestimmten Strecken Fliegen weniger kostet als Bahnfahren“. Es brauche mehr Klimaschutz-Anreize beim Fliegen. Ein europaweites Vorgehen sei der beste Weg, aber darauf könne Deutschland nicht warten. „Ich bin deshalb dafür, dass wir die Luftverkehrsabgabe in einem ersten Schritt erhöhen.“

Frankreich führt ab dem kommenden Jahr eine Ökosteuer auf Flugtickets ein. Die Abgabe soll zwischen 1,50 Euro und 18 Euro pro Ticket betragen. Sofort Medienbegeisterung bei uns: „Eine Idee auch für Deutschland?“ Herzlich gerne, wenn dafür die Luftverkehrsabgabe entfällt. Sie bringt in 2019 mehr als eine Milliarde Euro in den Staatshaushalt ein, allerdings nicht zweckgebunden, sondern verschwindet im Topf. Steuerung? Denkste.

Deutschland hat mit die höchste Abgabenlast weltweit. Noch eine neue Steuer obendrauf ist nicht zu akzeptieren. Da hat Bundeswirtschaftsminister Altmaier recht, dass es unterm Strich nicht zu weiteren Belastungen kommen darf. Das könne man nur vermeiden, indem man „die Umlage für erneuerbare Energien senkt oder die Stromsteuer oder beides“. Wenn man in diesen Topf noch die Mineralölsteuer wirft und die Luftverkehrsabgabe und dann aus dem Gesamtpaket eine Steuer festsetzt, die den Namen CO2-Steuer trägt und dem Begriff Steuer im Sinne von „steuern“ gerecht wird, wäre das eine tolle Lösung. Aber im Ernst, wer traut diesen großen Wurf der nur noch verwaltenden Regierung zu?

 

Innerdeutsche Flüge verteuern oder ganz verbieten, auf die Bahn wechseln

Der innerdeutsche Flug zwischen Köln und Berlin ist wohl die Paradestrecke, wo es zu einem relativ kurzen Flug auch eine relativ einfache alternative Bahn oder Straße gibt. Aber ausgerechnet hier sind Minister, Staatsekretäre, Beamte und Angestellte von Januar bis Juli 1.740 mal hin und hergeflogen. Und noch schlimmer, das Ganze mit steigender Tendenz zum Vorjahr. Alle Ministerien zusammengerechnet, sofern sie bereit waren Zahlen zu nennen, haben in 2018 knapp 230.000 dienstliche Inlandsflüge. Alle Begründungen, warum sich die „Staatsdiener“ so verhalten, sind identisch mit denen des „gemeinen“ Volkes. Aber: „Quod licet lovi, non licet bovi“, was dem Jupiter erlaubt ist, ist dem Ochsen nicht erlaubt.

Engpass und damit echter Klimaschädling: Europäische Flugsicherung

Seit Jahren wird es beklagt, dass der Flickenteppich Flugsicherung in Europa zu Mehrbelastungen in sehr beträchtlicher Höhe führt. Dazu kommt ein steter Personalmangel, der auch auf absehbare Zeit nicht behoben werden wird. Schon 2009 habe ich von Bundeskanzlerin Merkel bei einer Feierstunde den Begriff „Single European Sky“ gehört und dass sich ihre Regierung darum kümmern werde. Zehn Jahre sind verloren, dabei sind Europäische Lösungen überlebenswichtig. Da fehlt bei „Fridays for Future“ der multinationale Ansatz. Aber wer will schon so ins Detail gehen, wenn er öffentliche Beachtung auch für weniger bekommen kann.

Verstaatlichung von Fluggesellschaften

Das ist natürlich der heißeste Vorschlag. Was soll sich dadurch zum Besseren ändern? Ryanair soll auch einbezogen werden, mit dem Verbot, Sonderpreise anzubieten. Wenn Sie mit dem Lachen fertig sind, dann lesen Sie die nächsten Sätze. Mein Vorschlag für die Besetzung zum Beispiel des Lufthansa-Aufsichtsrates wäre, den Aufsichtsrat des BER hier einzusetzen. Der hat seine wirtschaftliche Kompetenz in den letzten Jahren eindrucksvoll unter Beweis gestellt und wer versteht mehr von Null-Emissionen als dieses Fachgremium.

 

Ihr Feedback, Ihre Anregungen, Ihre Meinung ist gern gesehen. (hier klicken)

BBBs for future

Ich bin Airliner und Touristiker aus Leidenschaft. Zukunftsideen und Weltoffenheit faszinieren mich seit jeher. Beides ist für mich verbunden mit Reisen. Gerade bin ich wieder auf Hannah Arendt aufmerksam geworden worden: „Denken ohne Geländer“. Genauso entstehen besondere Zukunftslösungen. Zukunftsideen und Fortschritt sind sehr selten aus dem „medialen Mainstream“ entstanden. Normalerweise bemühe ich mich, mit meinen Bissigen Bemerkungen nicht zu politisch zu werden. Es ist schließlich ein Tourismusblog und das seit 18 Jahren, dieses hier ist die 799. Ausgabe der BBB.

Aber irgendwann ist auch bei mir „Schluss mit Lustig“. Seit langem kann man erkennen, wie unterproportional die Bedeutung von Tourismus und Flugverkehr auf der politischen Agenda ist. Und die Betroffenen haben das zu lange einfach so hingenommen. Wenn ich sehe, wie die Politik beim Klimaschutz, erst viel zu wenig tut und dann alles überstürzt, ist das für mich das Gegenteil einer langfristig angelegten Politik.

In einer vierteiligen Serie werde ich mich jetzt in den BBBs den aktuellen Themen widmen und bissig sein und das ausnahmsweise mal nicht in Richtung Branche, sondern für diese Branche und für Zukunftslösungen, die diesen Namen verdienen. Als Ergänzung zu dieser Bissigen Bemerkung erscheint in wenigen Tagen eine BBB speziell zum Thema Flug und Umwelt. In ca. 10 Tagen sollen weitere Bissige Bemerkungen zu Fridays for future folgen. Und noch kurze Zeit später Bissige Bemerkungen zu Overtourism.

Teil 1:

Immer stärker wird der völlig undifferenzierte Verteufelungswahn von Flugreisen durch polemische Klimaaktivisten. Den Klimawandel heute noch zu leugnen ist dumm oder ignorant. Aber bei Fridays for Future klaffen Anspruch, medialer Hype und Wirklichkeit besonders auseinander. Die Einhaltung der Klimaziele wird als einziges Ziel gesehen, alle anderen Zukunftsthemen werden explizit als unwichtig bis unnötig bezeichnet. Aber wir können die Lösung anderer Zukunftsproblemen nicht aufschieben oder gar einstellen.

Der Politikwissenschaftler Alexander Straßner sieht bei Fridays for future in der kompromisslosen Haltung eine Vorstufe extremistischen Denkens. Man müsse aber Streitgespräch als Lebenselixier der offenen Gesellschaft pflegen, statt anderslautende Meinungen diskussionsunwillig unter Generalverdacht zu stellen. Schon bei unserer Kanzlerin hat mich immer geärgert, wenn ihre Beschlüsse“alternativlos“ waren. Jetzt dachte ich das ist bald vorbei, plötzlich will man auch an anderer Stelle wissen, was alternativlos ist. Sorry, nichts ist alternativlos. Es gibt immer eine Alternative. Frage ist nur, ob sie besser oder schlechter ist.

Unsere Regierung will jetzt „wir haben verstanden“ zeigen. Die CO2-Bepreisung steht an. Im Prinzip der langfristig richtige Weg. Aber wie es aussieht, soll eine zusätzliche Steuer draufgesattelt werden. Das kann nicht sein, wir haben ohnehin mit die höchste Abgabenlast der Welt. Denn was jetzt kommt wird für immer bleiben, das lehrt nicht zuletzt Erfahrungen aus der uralten Sektsteuer und neuerdings dem Soli.

Da wird ein bisschen CO2-Steuer hingeworfen und alles ist wieder gut. Ist es leider nicht. Unsere Umweltministerin twittert, dass die CO2 eigentlich europaweit eingeführt werden müsste, aber solange könne Deutschland nicht warten. Wir fangen schon mal an. Den Glauben hören wir auch von Klimaaktivisten: was Deutschland vormacht, können andere kopieren. Pustekuchen, nichts gelernt aus der Energiewende? Da wurde genauso argumentiert, aber unsere Nachbarn bleiben unverändert bei ihren Atomkraftwerken und Polen z.B. hat nicht die Absicht den Braunkohleabbau einzustellen. Aber alle freuen sich, wenn sie uns in Engpasszeiten Strom zu ordentlichen Preisen zuliefern können.

Dann gibt es noch die vielgepriesenen Kompensationsangebote, um das evtl. schlechte Gewissen nach Flügen zu beruhigen. Dieser Ablasshandel bringt nur den atmosfair, myclimate und anderen Geld in die Kasse. Global gesehen ist der Effekt z.B. angesichts der Brandrodungen des Regenwaldes lächerlich. An die ganz großen Stellschrauben für die Erreichung der Klimaziele gehen die Aktivisten nicht ran.

Spätestens nach der Demo am Stuttgarter Flughafen „Attacke, Attacke – Fliegen ist kacke“, sehe ich „Fridays for Future nicht mehr als seriös an. Hier geht es nur darum, gegen etwas zu sein.

Wir können nur unter Einsatz aller hellen Köpfe die Ziele 2050 erreichen. Dafür muss aber auch an den ganz großen Stellschrauben bei der Industrie und absolut global gearbeitet werden. Es muss eine Bewusstseinsänderung auf allen Ebenen erfolgen, nur dann kann es funktionieren. Das ist verdammt schwer. Aber machbar.

 

 

Ihr Feedback, Ihre Anregungen, Ihre Meinung ist gern gesehen. (hier klicken)

Vertrauen

Lufthansa stand beim letzten Investorengespräch besonders unter Druck. Zwar sind nicht alle Kennzahlen schlecht, aber eine wiederholte Gewinnwarnung sagt dem Markt auch, dass vieles noch weit entfernt von einer befriedigen Lösung steht.

Dabei hat die Luftfahrt zunehmend ein Problem mit einer Währung, die in keiner Bilanz steht: Vertrauen. Bei Branchenproblemen steht der Marktführer, in diesem Fall Lufthansa, immer besonders im Fokus beziehungsweise man erwartet von ihm besonders, dass er sich dagegenstemmt. Dumm nur, wenn hausgemachte Probleme das Geschäft zusätzlich erschweren.

Es ist leider ein bisschen viel, was das generelle Vertrauen in die Fliegerei belastet. Nach den Abstürzen der zwei 737-Max-Flugzeuge, wird jetzt nicht nur über (ohnehin schlimme) Softwareprobleme gesprochen, es scheint vielmehr, dass die Messlatte, wann ist ein neues Flugzeug „fertig“ und kann dem Markt zur Verfügung gestellt werden, nach unten versetzt wurde.

Dazu noch ein bisschen mehr Arbeitsverlagerung an Subunternehmen, eventuell sogar etwas Mauschelei hier und dort. Im Ergebnis bedeutet das stärkeren Druck als bisher gewohnt auf alle Beteiligten im Unternehmen, die dann irgendwann glauben, sich dem nicht mehr entziehen zu können. So ähnlich wird sich wohl der Dieselskandal entwickelt haben, aber bei Boeing dachten wir, dass die Luftfahrt-DNA solche Denkweisen generell ausschließt.

Vertrauensbeweis oder Marketing?

Sind die zuletzt abgegebenen Vertrauensbeweise gegenüber Boeing im Allgemeinen und 737 Max im Besonderen (siehe O`Leary, aber auch Spohr) nur clevere Marketingaussagen, um den künftigen Kaufpreis zu drücken oder notwendige Bekundungen, um dem Markt Vertrauen zu signalisieren? Für Letzteres ist es noch zu früh, solange nicht ausgeschlossen ist, dass Boeing noch die eine oder andere Unzuverlässigkeit eingestehen muss.

Und das alles vor dem Hintergrund einer in dieser Härte noch nie dagewesenen Debatte, wie stark die Luftfahrt das Klima belastet, Stichwort „Flugscham“. Selten ist in irgendeiner Branche das Image von Traum in Albtraum so schnell gekippt wie hier. Und auch hier geht es wieder um Vertrauen und darum wie glaubhaft die Bemühungen der Branche zum Besseren sind.

Lufthansa hat jetzt acht klimapolitische Kernbotschaften auf ihrer Homepage veröffentlicht. Es wird gemunkelt, dass Lufthansa auf die Frage, warum nur auf der Homepage veröffentlicht wird und nicht prominenter in den Medien, geantwortet hat: „wen es interessiert, weiß auch wo, man es finden kann“. Da bin ich allerdings zwingend der Meinung, dass man um hier Vertrauen zu gewinnen, extrem offensiv vorgehen muss und nicht abwarten kann, bis man „gefunden wird“.

Eurowings-Chef mit sehr eigener Wahrnehmung

Um Vertrauen kämpfen muss Lufthansa auch für ihre Tochter Eurowings. Der an dieser Stelle schon letztes Jahr kritisierte bedingungslose Wachstumskurs, auch zu Lasten der Kundenzufriedenheit (Motto: „Augen zu und durch“), rächt sich jetzt in katastrophalen Ergebniszahlen.

Lufthansa musste jetzt auf „Schubumkehr“ schalten und kassierte die Expansionspläne der Eurowings wieder ein. Natürlich soll auch auf die Kostenbremse getreten werden. Wie schon bei früherer Gelegenheit hat auch hier der Eurowings-Chef ihm eigene Umschreibungen parat. Zur gestrichenen Gratis-Verpflegung meint er: „Die Zukaufangebote machen Kunden zufriedener“. Hoffentlich wissen das auch die Kunden, dass sie jetzt zufriedener sind.

Merke: Je chaotischer das wirtschaftliche und politische Umfeld, desto wichtiger wird Vertrauen. Ein Marktführer wie Lufthansa ist hier besonders gefordert. Vertrauen schaffen und erhalten bekommt man nicht durch gelegentliche Marketingaussagen, man muss es täglich beweisen, das kann im Einzelfall auch Kosten verursachen. So wird Vertrauen zur Überlebenswährung, auch wenn es nicht in der klassischen Bilanz steht.

Viele Unternehmen legen heute zusätzlich ihre eigene Umweltbilanz vor. Wie wäre es mit einer Vertrauensbilanz?

 

Ihr Feedback, Ihre Anregungen, Ihre Meinung ist gern gesehen. (hier klicken)

Verkehrsminister Scheuers Drucksache

So langsam dämmert es den meisten Bundesministern: Die Groko geht dem Ende zu. So hat auch Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) mal in seiner unteren Schublade nachgesehen, was da eventuell noch so zu erledigen wäre. Dabei hat sich ihm ein großes Geheimnis aufgetan, was ihm bis dato offensichtlich nicht so bewusst war: Hoppla, der Bund ist ja auch am BER beteiligt. Und er dachte immer, das sei nur so eine typische Berliner „Nichts-auf-die Reihe-bekommen“-Angelegenheit.

Da schwante ihm, dieser BER könnte vielleicht nicht so unbedingt ein Erfolgspunkt in seiner Bilanz sein. Also fragte er seine beiden Staatssekretäre, die angeblich schon hin und wieder etwas mit dem Thema zu tun gehabt haben sollen, ob es denn richtig sei, dass das Gewürge am BER schon seit der geplatzten Eröffnungsfeier in 2012 andauert, also seit sieben Jahren? „Perfekt! Dann waren meine beiden Vorgänger Dobrindt und Ramsauer also auch schon zuständig. Und was haben die denn während ihrer Zeit gemacht?“ Antwort: das gleiche wie Sie Herr Minister, nämlich NICHTS.

Die Ramsauer-Drucksache

Wobei Ramsauer schon etwas zum Thema BER beigesteuert hatte. Er ließ ein Gutachten erstellen, das beweisen sollte (und es auch tat), dass die Bundesregierung an dem ganzen BER-Schlamassel nicht schuld sei. Da kommt im Ministerium eine gute Idee auf. Das, lieber Herr Minister, könnten wir doch einfach nochmal ausdrucken, tauschen den Namen Ramsauer auf Scheuer, dann wären Sie auch fein raus.

Da kannten die Staatssekretäre unseren Andy, den großen Druckmacher auf die Verkehrsindustrie, aber schlecht. Denn Druck macht man am besten persönlich. „Da haue ich jetzt dem Flughafenchef Lütke Daldrup mal einen richtigen hinter die Ohren“, sagt der Minister und schreibt am 24.5.2019 einen Brief: „Die Entwicklung gibt mir Anlass zu Sorge“. Grandios, dieser Satz zeigt die brutale Entschlossenheit! Spätestens in einer Sonderaufsichtsratssitzung im August, wolle er jetzt wissen, ob es klappt mit der Eröffnung im Oktober 2020.

Ja, so baut der Minister richtig Druck auf, genau wie man es von ihm schon gegenüber der Autoindustrie gewohnt ist. Zusätzlich wurde noch die Presse über diesen Brief informiert, damit die Republik insgesamt weiß, ab jetzt ist Schluss mit lustig. So lässt Andy Scheuer nicht mit sich umspringen.

Die Scheuer-Drucksache

Bei dieser Aktion sind Scheuer leider einige Flüchtigkeitsfehler unterlaufen:

1. Schon der frühere AR-Vorsitzende Michael Müller (oder war es sogar früher schon Klaus Wowereit, oder eventuell beide) sagte, „Druck bringe am BER nichts, das mache den Flughafen nicht früher fertig“.

2. Mitte August ist ein ganz schlechter Termin für Entscheidungen im Aufsichtsrat, denn am 1. September ist Landtagswahl in Brandenburg und mehr oder weniger deutlich hatte Flughafenchef Daldrup im Landtag versprochen, vorher gebe es keine Terminverschiebung.

3. Aktueller denn je, der BER verbessert die durchschnittliche Klimabilanz der deutschen Flughäfen erheblich. Beim aktuellen Klimahype, bringt ein geschlossener BER also nur politische Vorteile.

4. Die nächste wichtige BER-Party ist nicht die Eröffnung, sondern am 19.8.2020 die 3000-Tage-Nicht-Eröffnung-Party.

5. Wer jetzt noch behauptet, der BER würde im Oktober 2020 eröffnet, ist auch sonst unglaubwürdig. Das gilt auch für einen Minister.

 

Übrigens, Bundeskanzlerin Merkel kann ihr Konzept von der nicht gehaltenen 2012er-Rede wegwerfen. Sie wird keine Gelegenheit mehr haben, den BER einzuweihen.

 

Ihr Feedback, Ihre Anregungen, Ihre Meinung ist gern gesehen. (hier klicken)

Hallo Flugbranche, bitte laut melden

Eisiger Wind aus Schweden weht der Flugbranche ins Gesicht. „Flygskam“ also „Flugscham“ macht seit einem Jahr eine nicht für möglich gehaltene Medienkarriere. „Zeit online“ schrieb vor ein paar Tagen „Wer noch ins Flugzeug steigt ist ein Klimasünder“. Punkt aus, schämt Euch.

Aber das neue Schlagwort „Smygflyga“, also „heimlich fliegen“, ist für die Branche noch viel gefährlicher. Der zuerst als tröstend scheinende Botschaft, Menschen fliegen trotzdem, fehlt der Weiterempfehlungscharakter. Voller Freuden über seine Reisen zu berichten, hatte immer auch eine Multiplikatorenwirkung. Wer „heimlich“ fliegt, ist als Werbender für die Flugbranche verloren.

Gegen den sich aufbauenden völlig undifferenzierten Verteufelungswahn von Flugreisen durch polemische Klimaaktivisten tut sich die Branche bislang schwer. Offensichtlich unterschätzt sie sogar noch, wie heftig die Klimadebatte die Diskussion in den nächsten Jahren bestimmen wird.

Emotionen statt Fakten

Die Flugbranche versucht mit Fakten dagegen zu halten. Das kann nicht gelingen.

Wie hoch die CO2-Belastung durch den Flugverkehr wirklich ist, dass es weltweit Tausende von viel schlimmeren CO2-Umweltsündern gibt, die viel mehr im Fokus stehen müssten, dass das Methan-Gas durch rülpsende Kühe für das Klima sogar um ein Vielfaches schädlicher ist als CO2, interessiert doch keinen Klimaaktivisten. Und die allgemeine Bevölkerung sieht sich hilflos dem medialen Mainstream ausgeliefert, wird fast erschlagen.

Die Flugbranche muss sich eine alte Kommunikationsweisheit stärker zu eigen machen: „Emotionen kann man nicht mit Fakten bekämpfen, Emotionen kann man nur mit Emotionen besiegen“. Es wird höchste Zeit, dass sich die Branche wesentlich offensiver und aggressiver in die gesellschaftliche Debatte einbringt.

Reisen verbindet. Punkt. Geschäftlich wie auch privat. Mehr Videokonferenzen statt persönlicher Meetings? Der Gedanke hat sich nach dem 11. September, nur Monate danach, als nicht akzeptabel erwiesen. Der Tourismus als Völkerverbindung? Wen sollten die Touristen mit ihrem Urlaub schon alles in den letzten Jahren retten: Phuket, Ägypten, Griechenland, Türkei, Afrika.

Politiker vergaloppieren sich

Aber reden wir nicht nur über puristische Klimaaktivisten. Auch eigentlich, zumindest der Papierform nach, honorige Politiker vergaloppieren sich in der hitzigen Klimadiskussion. Manfred Weber, konservativer Spitzenkandidat für die Europawahl, forderte TV-öffentlich, dass neben der Großindustrie, endlich auch die Flugbranche in den Emissionshandel einbezogen werden muss. Das hörte sich im Fernsehen gut an. Ganz leise sarkastisch machten Branchenvertreter darauf aufmerksam: „Das gibt es doch schon und Du Weber hast das im europäischen Parlament auch mit beschlossen“.

Verdammt nochmal, da muss man auch mal die höfliche Grundhaltung ablegen und „laut und vernehmlich“ auf den Tisch hauen. Man kann sich gut vorstellen, wie ein vergleichbar umgekehrter Satz aus der Branche, einen tagelangen Shitstorm hervorgerufen hätte.

Die Branchenbosse dürfen nicht ignorieren, dass aus dem „Traum zu fliegen“ (oder auch beruflich „Zwang zu fliegen“) ein „ich schäme mich zu fliegen“ wird. Alles halb so schlimm heißt es dann. Thomas Cook und Tui konnten sich vor kurzem auch nicht vorstellen, dass es mal so schnell heftigen Gegenwind geben könnte.

Die Branche muss auch ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter jetzt darauf einstimmen, stolz offensiv zu argumentieren und sich zu ihrem Arbeitgeber zu bekennen.

Flugscham kann nicht die Lösung sein. Obwohl, ich muss zugeben, manchmal habe ich auch schon Flugscham empfunden, aber mehr im Sinne von Fremdschämen. Wenn Ryanair mal wieder einen Kampfpreis knapp über Null propagiert, wenn sich gleichzeitig Tausende von Klimarettern per Flugzeug irgendwo in einem Land treffen, um ein Kommunique zu beschließen, das schon vor der Abreise ausgehandelt wurde oder wenn die Bundestagsvizepräsidentin um die halbe Welt fliegt, nur um nachzusehen, ob es die Fidschi-Inseln noch gibt.

Etwas Tröstliches habe ich noch für die Branche. Dass das neue schwedische Schlagwort „tagskypt“, also „Zugstolz“, auch in Deutschland Kunden vom Fliegen abhält, kann ich mir bei unserer Bahn zur Zeit nur schwerlich vorstellen.

 

Ihr Feedback, Ihre Anregungen, Ihre Meinung ist gern gesehen. (hier klicken)

Der Kranich will seine verlorene Tochter zurück

Die Brüder Grimm waren grausam: Im Märchen Hänsel und Gretel schicken die in finanzielle Not geratenen Eltern ihre lieben Kinder weg, geben noch etwas Wegzehrung mit und ab geht es in den dunklen Wald. Dort fallen sie einer bösen Hexe in die Hände.

Thomas Cook kann mit den Brüder Grimm durchaus mithalten. Sie haben in den letzten Jahren ziemlich über ihre Verhältnisse gelebt und schicken jetzt, um ihr eigenes Leben zu retten, ihre Kinder fort. Aber anders als im Märchen, werden die Kinder nicht in den dunklen Wald geschickt, sondern im Dschungel  der  „kleinere Airlines fressenden Monster“ öffentlich zum Verkauf angeboten.

Eines dieser Kinder heißt Condor und hat ohnehin ein wechselvolles Schicksal hinter sich. Es wurde vor 20 Jahren schon mal von einer gewissen Lufthansa ausgerechnet an die jetzigen Eltern Thomas Cook verkauft. Diese versuchten vor ca. 17 Jahren überhaupt nicht zimperlich ihr ihre Identität zu nehmen und einen anderen Namen zu verpassen. Da hat allerdings das Amt (sprich Öffentlichkeit) nicht mitgespielt.

Für den Fortgang dieser Geschichte stellt sich nun die Frage „wer wird die böse Hexe sein, in deren Hände Condor fällt“. Und da sieht es jetzt gar nicht gut aus. Die böse Hexe, hat den kurzen Namen „EU“, sitzt in Brüssel in ihrem Pfefferkuchenhäuschen und hat seltsame Vorstellungen über Adoptionen von elternlosen Kindern. Dabei spielt das Kindesschicksal zumeist eine untergeordnete Rolle.

Zurück zur Realität. Condor hat sich in letzter Zeit schon abstrampeln müssen, um sich über Wasser zu halten. Die vielen Subcharter im Auftrag der Condor, verniedlichend Partner Airlines genannt, wie Air Tanker, Avion Express, Blue Air, Smartlynx haben bei vielen Kunden nicht zu Identität und Vertrauen in den Namen Condor beigetragen.

Aktuell scheint so, als sei die Lösung Condor komplett zu Lufthansa, die einfachste und zukunftsfreundlichste für Condor zu sein. Ist es aber wirklich so?

Ich habe ja selbst 18 ½ Jahre bei Condor gearbeitet, als Condor noch 100% Tochter der Lufthansa war. Diese Muttergesellschaft gab uns Gelassenheit und Zuversicht, zur größten Chartergesellschaft (später nannte man es Ferienfluggesellschaft) Europas zu werden. Der „gelbe“ Mitarbeiterausweis, den auch wir hatten, machte uns stolz. Die exzellente Weiterbildung innerhalb des Konzerns machte uns alle (einschließlich mich) permanent besser.

Aber diese starke Identität Condor-Lufthansa wird es nicht wieder geben. Sorry.

Eine eigenständige Weiterführung der Condor innerhalb des Lufthansa Konzerns ist nicht vorstellbar. Teile der Condor werden sich irgendwo innerhalb des LH-Gefüges wiederfinden. Damit wird auch das Thema Arbeitsplätze, zumindest die Verwaltungsjobs, nicht sonderlich optimistisch zu sehen sein.

Aber es kann auch ganz anders kommen. Natürlich, Zukunft ist immer ungewiss. So  könnte Condor wieder britische Eltern bekommen und wäre mit den jetzigen Geschwistern wieder zusammen.

Aber das wird die zweite Hexe in dieser Geschichte, die Brexit-Hexe, wahrscheinlich verhindern. .

 

Ihr Feedback, Ihre Anregungen, Ihre Meinung ist gern gesehen. (hier klicken)

Tango im Airline-Hospiz

„Hospiz Etihad“ – unter dieser leicht sarkastischen Headline berichtete das Luftfahrt-Onlineportal airliners über das Ende der letzten großen Etihad Beteiligung Jet Airways. Die letzten Stunden von Jet Airways verliefen wie üblich in einer solchen Situation: Bis zuletzt hatte das Management versucht, beim Staat zumindest eine vorübergehende Finanzierung zu erhalten.

Von Etihad war schon lange nichts mehr zu erwarten. Von den hochtrabenden Plänen eines Etihad-CEO James Hogan war inzwischen nur ein Trümmerhaufen übrig geblieben. Aus seinem Versprechen, die Fluggesellschaft Air Berlin inklusive Tochter Niki, Alitalia, Air Seychelles, Darwin Airline, Jet Airways und Air Serbia in eine glanzvolle Zukunft zu führen, wurde eher eine Begleitung in den Tod.

Wobei man bei diesem Vergleich einem echten Hospiz natürlich Unrecht tut. Etihad hat diese Unternehmen ja nicht selbstlos begleitet, sondern war, wenn man es genau nimmt, ursächlich mit verantwortlich für das Ende und machte sich, als es dann ernst wurde, eher verantwortungslos vom Acker.

Irgendwann merkte auch die „Wüste“ (salopper Berliner Ton über Etihad) wie gefährlich das wurde und schickte Hogan in die selbige. Jetzt muss sich Etihad selbst sehr mühsam aus den roten Zahlen heraus kämpfen. Plötzlich ist in Abu Dhabi „Gesundschrumpfen“ angesagt, was Etihad-Ex-CEO Hogan dem Ex-Ex-Air-Berlin-CEO Pichler noch „streng verwehrte“.

Die Kanzlerin hat Air Berlin überdauert

Übrigens wäre Air Berlin Ende April 40 Jahre alt geworden. Ich erinnere mich noch an die 30-Jahr-Feier, als Achim Hunold zu der Festrednerin Angela Merkel sagte: „Es muss für Sie doch eine Freude sein, heute eine Firmenveranstaltung zu besuchen, auf der Sie weder um Bürgschaften noch um Subventionen gebeten werden. Ich lade Sie herzlich für unsere 40-Jahr-Feier in 2019 ein, merken Sie sich jetzt schon diesen Termin vor“. Prima Gag, wobei einige im Publikum anmerkten, da sei Merkel bestimmt keine Kanzlerin mehr. Nunja, es kam genau andersrum. So hat Merkel nun an diesem Wochenende einen freien Termin.

Airliner lieben für immer

Unabhängig davon bin ich fest davon überzeugt, dass an diesem Wochenende irgendwo in Berlin Ex-Air-Berlin Mitarbeiter in erheblicher Anzahl einen krachenden Vierzigsten feiern werden, mit „Flugzeuge im Bauch, im Blut Kerosin…“. Kaum zu glauben – nach den letzten schweren Monaten und wohl nur durch eine Unterart des sogenannten „Stockholm-Syndroms“ zu erklären.

Aber es gibt noch Außergewöhnlicheres. Vor einiger Zeit ging ein Bericht über „Objektophilie“, sexuelle Anziehung von Menschen auf Gegenstände durch die Medien. Eine 26-jährige Berlinerin (letzteres ist wohl Zufall?) hat eine sexuelle Beziehung mit einer Boeing 737 – genauer gesagt zu einem Flugzeugmodell dieses Types – und kuschelt mit ihm im Bett.

Das Modell ist übrigens ein Großmodell mit erheblicher Spannweite. Auf den Bildern ist der Schriftzug Hapag Lloyd zu lesen. Und Hapag-Lloyd-Flug (zumindest den Namen) gibt es bekanntlich seit über zehn Jahren nicht mehr. Airliner lieben für immer.

Apropos… zu Air Berlin sei vielleicht noch zu bemerken, dass vor kurzem die Staatsanwaltschaft Berlin in das leerstehende ehemalige Air-Berlin-Gebäude eingezogen ist. Wer weiß, was das für Auswirkungen haben kann, wenn die zu stark dort herumschnüffeln. Falls sich in Bezug auf das Ex-Management etwas ergeben sollte, könnte die Staatsanwaltschaft auf kurzem Wege (das ist wörtlich gemeint) zum letzten CEO Kontakt aufnehmen. Er ist ja nur wenige hundert Meter entfernt beim Berliner Unternehmen Zeitfracht anzutreffen.

 

Ihr Feedback, Ihre Anregungen, Ihre Meinung ist gern gesehen. (hier klicken)

Wenn die „Beste Airline Frankfurts“ im Ranking fehlt

Wie strahlte Carsten Spohr Ende 2017 als die „super unabhängige Prüfungsgesellschaft Skytrax“ mit der „Five-Star-Plakette“ für Lufthansa um die Ecke kam. Die Kriterien von Skytrax sind etwas undurchschaubar, aber wer ist schon vor der Lust auf eine Auszeichnung gefeit. Interessant war bei der Preisverleihung, dass der Skytrax CEO die neue Bussiness Class der Lufthansa lobte. Dass es diese zu diesem Zeitpunkt noch nicht gab… geschenkt. Wenn jemand zur Auszeichnung dran sein soll, ist jede Begründung recht. Kein Wunder, dass der Ruf von Skytrax etwas gelitten hat und immer wieder spekuliert wurde („natürlich zu Unrecht“), ob man sich so etwas kaufen kann.

Jetzt kommt mit großem Trara Tripadvisor um die Ecke und präsentiert ihre „Travellers´Choice Gewinner“ auch für Airlines. Sieht super demokratisch aus (Schwarmergebnis), aber wie tauglich das System ist, aus einer Vielzahl von subjektiven Bewertungen eine objektive zu machen, darf bezweifelt werden. Tripadvisor fügt den Bewertungen fast immer noch ein Zitat „eines Users“ bei. Das schreckt dann doch etwas und macht die Sache nicht durchschaubarer als bei Skytrax.

Aber wie dem auch sei. Die Travellers´Choice Gewinner sind Platz 1 Singapore Airlines und Platz 2 Qatar Airways. Auch Eva Air, All Nippon Airlines und Emirates finden sich in den Top-10-Listen von Tripadvisor und übrigens auch bei Skytrax. Soweit, so nachvollziehbar. Nur wo ist eigentlich der aktuelle Skytrax-Platz-7 im Travellers´Choice Ranking? Wo ist Lufthansa ? Nirgends zu sehen, eindeutig unter ferner liefen.

Ein gutes Hilfsmittel, um die eigene Plattform im Ranking gegen andere Preisverleiher nach oben zu bringen, ist einfach sehr viele Preisträger auszuzeichnen. So hat Tripadvidor insgesamt 57 Fluglinien mit 91 Auszeichnungen gewürdigt – einfach indem man die Kategorien und Regionen immer mehr unterteilt. Klar, dass diese 57 Fluglinien (wie z.B, Aegan, Air Astana, Cayman Airlines, Hawaiin) jetzt per Pressemeldung das hohe Lied des Verleihers singen.

Zu wenig Kategorien für Lufthansa

Nur leider gibt es bei Tripadvisor keine Kategorie „Beste Airline Frankfurts“, sonst hätten wir eventuell doch noch eine bekannte deutsche Skytrax-5-Sterne-Airline im Besten-Ranking auf Tripadvisor gefunden.

Das mit den vielen Adwards macht auch Skytrax bis zur Ermüdung bei den Preisverleihungen. Gerade gab es mal wieder Auszeichnungen für Flughäfen. Da auch der Flughafen München im Ranking zurückfiel (aber noch Platz 7) und Fraport nicht unter den Top Ten ist, fiel das Echo der Branche diesmal extrem leise aus. Wir erinnern uns: Bei der Übergabe der Five-Star-Plakette an Lufthansa, gratulierte der Flughafen München schon fast während der Verleihung sehr plakativ.

Aber was ist von diesen Rankings schon zu halten? 2017 schaffte es ein Restaurant namens „The Shed of Dulwich“, auf Tripadvisor zum besten Restaurant Londons aufzusteigen. Super peinlich: „The Shed of Dulwich“ war in Wirklichkeit eine Gartenlaube. Kein Scherz. Ein Experte namens Oobah Butler, der schon öfters „Restaurantbewertungen“ geschrieben hatte, überlistete das System. Fake Internetseite, Bilder von Fake-Gerichten und jede Menge „Super-Bewertungen“, so wurde das Restaurant zur Nr. 1 in London. Die Geschichte ist von so einem hohen Unterhaltungswert, dass man sie echt gelesen haben sollte [https://www.derstandard.de/story/2000069779500/tripadvisor-mit-fake-blamiert-gartenhuette-wird-top-restaurant].

Es gilt, was für jede Statistik gilt, man kann sie beliebig interpretieren. Und wenn ich Oobah Butler engagiere, bin ich vielleicht auch mal irgendwo mit meiner Kolumne auf Platz 1, selbst wenn ich gar keine schreibe (oder vielleicht auch deshalb).

———————————————————————————————

„Mal wieder“ in eigener Sache

In letzter Zeit habe ich die „Bissigen Bemerkungen“ aus privaten Gründen etwas vernachlässigt. Dabei stapeln sich bei mir auf dem Schreibtisch die Themen, die es mehr als wert sind gebissen zu werden (ITB/Malaysia, der aktuelle Hype Overtourismus, aktuelle Situation Türkei und vor allem mein neues Lieblingsthema: Das Roboter-Hotel das die Hälfte seiner Roboter entlassen hat. Nach unserem Tourismusbeauftragten der Bundesregierung wollte ich auch mal nachforschen). .

Ab jetzt wird wieder etwas „mehr Gas“ gegeben, es ist genug zu tun.

Ihr Feedback, Ihre Anregungen, Ihre Meinung ist gern gesehen. (hier klicken)

Der traurige zweite Tod des Germania-Gründers

Es ist so einfach, immer die Vergangenheit zu preisen – gar rückblickend vieles zu verklären. Doch die Insolvenz der Germania zeigt, wie genial Gründer Hinrich Bischoff war. Jede Diskussion zur jüngsten Airline-Pleite endet zwangsläufig bei ihm, der mit der kleinsten deutschen Airline immer wieder aufs Neue die gesamte Luftfahrtwelt aufwirbelte. Dabei war das Handeln für seine Fluggesellschaft immer davon geprägt, ihr trotz aller Schwierigkeiten das Überleben zu garantieren.

Daher bin ich überzeugt: Unter der Führung von Hinrich Bischoff wäre Germania auch angesichts der heutigen schwierigen Gegebenheiten nie pleite gegangen. Er hat immer früher als andere gesehen, wo sich neue Möglichkeiten auftaten – oder er hat selbst gezielt die nötigen Wege geschaffen.

Er perfektionierte das Modell Wet-Lease

Er erkannte wie kein zweiter die Hebel des Geschäfts. Bewundernswert ist seine Kreativität, wenn es darum ging für die Zukunft sowohl für seine erste Firma SAT mit drei Flugzeugen („Mein kleines SAT.chen“) wie auch für Germania (in der Spitze bis zu 40 Flugzeuge, Reisebüros, Reiseveranstalter, Hotels und mehr) zu kämpfen.

Selbst ernannte Experten meinten schon immer, man könne in der Airline-Branche nur im Leasing-Geschäft mit den Flugzeugen Geld verdienen. Bischoff hat dies perfektioniert; 2005, kurz vor seinem Tod, gab es eine Zeit, da flog kein einziges Flugzeug mehr unter Germania-Code.

Sein wahrscheinlich größter Erfolgsfaktor war aber wohl sein phänomenales Gedächtnis – die reinste Datenbank. Und die Qualität lag nicht nur im Abspeichern von Zahlen und Fakten, sondern vor allem im richtigen Verknüpfen dieser Informationen miteinander – und zwar genau dann, wenn es darauf ankam.

Wer außer ihm konnte schon auf einem kleinen Zettel spontan Ergebniszahlen pro Flug/pro Flugzeug aufschreiben? Nicht überschlägig, sondern präzise und das ohne jedes Hilfsmittel. Er war Generalist und Spezialist gleichermaßen. Deswegen waren Verhandlungen mit ihm so ungemein schwierig.

Der Mensch Hinrich Bischoff

Hinrich Bischoff war nicht nur ein exzellenter Unternehmer, sondern gleichermaßen Kunstliebhaber und auch Kunstexperte. Legendär sind Geschichten wie jene, als er als einziger Experte das echte Bild eines flämischen Meisters erkannte und daraus einen exorbitanten finanziellen Gewinn erzielen konnte.

Mich hat er mal im Auto mitgenommen und beim Einsteigen darauf aufmerksam gemacht, nicht auf die am Boden liegende Einkaufstüte zu treten, weil sich darin ein zehn Millonen Mark teures Gemälde befand.

Ein anderes Luxuslaster von ihm war es, Skat zu spielen – stundenlang, nächtelang. Auch morgens um fünf wusste er noch genau, welche Karten bereits gespielt und welche sich im Spiel befinden müssten. Nachteil: Er wollte immer solange spielen, bis er gewonnen hatte. Als der Wirt einer Berliner Kneipe ihn im Morgengrauen rauswerfen wollte, kaufte er ihm die Kneipe ab.

Besucher-Ausweis 007

Legendär war sein Besucher-Ausweis bei Tui. Er, der wirklich keinen gebraucht hätte, weil ihn jeder kannte, trug den Ausweis wie ein Abzeichen. Natürlich mit der Nummer 007 – speziell reserviert für ihn -, dieser Ausweis wurde nie für irgendjemand sonst ausgegeben. Ausgehandelt hatte er diesen Deal „direkt“ mit dem Pförtner der Tui.

Im November 2005 starb Bischoff nach kurzer schwerer Krankheit. Noch auf dem Sterbebett lag ihm die Zukunft „seiner“ Germania am Herzen. Völlig überraschend für die gesamte Branche übertrug er in einer Blitzaktion einen Teil der Germania, insbesondere die Fokker-Flotte, an seinen Konkurrenten Achim Hunold. Eine der unglaublichsten Geschichten, die es in unserer Welt bisher gab. Bischoff wusste halt stets, alle zu überraschen.

Bertolt Brecht hat einmal geschrieben: „Der Mensch ist erst wirklich tot, wenn niemand mehr an ihn denkt.“  Bei der Nachricht vom Ende „seiner“ Germania hatte ich das Gefühl als wäre Hinrich Bischoff ein zweites Mal gestorben. Aber er bleibt unvergessen.

Ihr Feedback, Ihre Anregungen, Ihre Meinung ist gern gesehen. (hier klicken)