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Archiv für Kundenbeziehung

Rückspiegel

Gibt es für geschriebene Bissige Bemerkungen auch Fortsetzungen? Klar, aber meistens ist keine Zeit um darüber zu berichten. Die letzte Woche war „ziemlich ruhig“, Zeit um in den Rückspiegel zu schauen.

Verkehrsminister Ramsauer, unermüdlicher Kämpfer für deutsche Bahnhofstoiletten (siehe BBB vom 11.10.2010 Der Gipfel, der eine Grube war) kann sich vor Folgeaufträgen kaum noch retten. Jetzt hat sich auch der Stadtrat von Lichtenfels in einer gemeinsamen Aktion von CSU und SPD an den Minister gewandt. Er möge sich doch bitte um die „zum Himmel stinkende Toilettensituation“ am örtlichen Bahnhof kümmern. Echt schlimm wenn man langsam aber sicher zum Toilettenbeauftragten der Regierung degradiert wird.

Die Bayer AG hat ihre Mitarbeiter per Email aufgefordert bei künftigen Dienstreisen die Stadt Köln möglichst zu meiden und dafür lieber in Düsseldorf zu übernachten. Ausgerechnet Düsseldorf, das ist fast eine Höchststrafe für das Kölner Ego. Grund: Der „Kulturzuschlag“ der Stadt Köln auf die Kölner Hotelbetten (siehe BBB vom 4.10.2010 Deutsche Kultur auf der Hotelrechnung).
Wenn das Schule macht, wird die Kölner Gier ziemlich brutal bestraft und Nachahmer von diesem Unsinn hoffentlich abgehalten.

Die Supermacher des Flughafens Magdeburg-Cochstedt (siehe BBB vom 30.8.2010 Wer möchte einen eigenen Flughafen haben?), haben zwar die versprochenen Flugketten ab Oktober noch nicht realisieren können (Pardon, der Oktober ist ja noch nicht vorbei), aber ihrer Kreativität freien Lauf gelassen. Der Flughafen soll künftig „Airport Magdeburg-Berlin International“ heißen! Dafür kann es nur einen Flugpartner geben: Ryanair, der Experte für stadtnahe Flughäfen.

Ryanair wiederum könnte Probleme am Flughafen Leipzig-Altenburg bekommen. Diesen Flughafen halten die irischen Billigflieger dank entsprechender staatlicher Unterstützung mühsam am Leben. Während der dortige Landrat zuletzt seinen „Airport Made in Germany, der eine mittelfristig gute Geldanlage sein wird“ anpries (siehe BBB vom 14.12.2009 “Weihnachtlicher Wunschzettel“) , hat der Verkehrsminister von Thüringen durch eine Studie feststellen lassen, dass selbst bei einer Verdreifachung der Fluggastzahlen der „Weltairport“ nicht aus den roten Zahlen käme. Eine für Fachleute sicherlich nicht überraschende Erkenntnis.
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Im Reiseradio (www.reiseradio.org) steht diese Woche Marokko im Mittelpunkt. In den akustischen Bissigen Bemerkungen geht es diesmal quer durch die Reisebranche, damit viele etwas “abbekommen”.

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Deutsche Kultur auf der Hotelrechnung

Wie sagte schon Murphy, der Freund der in Büros arbeitenden Menschen: „Wenn eine Sache schief geht, geht sie von Anfang bis Ende schief“.

Schauen wir uns doch einmal die Geschichte mit der Senkung der Mehrwertsteuer für Hotels an. Bewusst wird hier der Begriff „für Hotels“ verwendet und nicht die übliche Bezeichnung „für Hoteliers“, denn auf Hoteliers wird bislang noch keine Mehrwertsteuer erhoben – bislang jedenfalls. Andererseits ist Senkung „für Hotels“ auch wieder nicht richtig, denn die Mehrwertsteuer wird nur für bestimmte Leistungen gesenkt. Kurzum, das umzusetzen war schon schwierig genug, politisch und praktisch.

Jetzt kommen die gierigen Haushälter vieler Stadtverwaltungen ins Spiel. Die wollen von der Mehrwertsteuersenkung etwas abhaben, zumindest 5%-Punkte. In vielen Städten soll deshalb jetzt eine entsprechende Steuer erhoben werden, manchmal Bettensteuer genannt (wiederum falscher Begriff, es wird ja nicht das Bett, sondern die Übernachtung besteuert), manchmal auch Kulturtaxe genannt. Hier hat die Stadt Hamburg eine schöne Verwendungsregelung gefunden, nur 75% sollen in die Kultur fließen und 25% in das Hamburg-Marketing. Jetzt soll der Gast noch Geld dafür zahlen, damit man andere zum Besuch der Stadt werben kann. Natürlich wird auf die Kulturabgabe auch wiederum Mehrwertsteuer erhoben. Logo.

Und jetzt kommt der Clou. Das ganze muss wiederum getrennt auf der Rechnung ausgewiesen werden, denn so heißt es beispielsweise in Köln: „Der Geschäftsreisende kann sich die Kulturförderabgabe von der Stadt Köln auf Antrag erstatten lassen. Den dazu notwendigen Antrag gibt es an der Rezeption des Hotels“. Also erst zahlen, dann per Antrag erstatten lassen. Das sichert Arbeitsplätze in der Verwaltung, aber leider nicht in der Hotellerie.
Jetzt haben Hotels in der Großstadt auch viele fremdsprachliche Geschäftsreisende. Für die gilt natürlich die gleiche Erstattungs-Regelung. Aber, die Provinz lässt grüßen, als nun ein Hotelier darum bat, dieses Erstattungsformular bitte in mehreren Sprachen zur Verfügung zu stellen, am Anfang zumindest in Englisch, wurde solches Ansinnen von der Stadt Köln abschlägig beschieden. Man habe dafür keine Kapazität (vielleicht auch keine Sprachkenntnisse) diese Arbeit zu leisten. Die Hoteliers mögen doch die Übersetzungsarbeit für ihre fremdsprachlichen Kunden selbst leisten.

Das wird den zumeist zeitkritischen morgendlichen Check out in den Hotels aber beflügeln. Also erklärt der Hotelangestellte morgens seinen ausländischen Gästen die Hotelrechnung:
„Übernachtungspreis und alle anderen Kosten (wie Frühstück, Parken, WLAN usw.) müssen wir getrennt ausweisen, dann kommt der jeweils richtige Steuersatz hinzu. Dann addieren wir eine Kulturabgabe plus erneut Mehrwertsteuer hinzu. Letzteres mein lieber Gast, falls Sie geschäftlich unterwegs sind, müssen Sie nicht so ernst nehmen, Sie können sich nämlich diese Kosten wieder erstatten lassen. Dazu müssen Sie nur dieses kleine Formular ausfüllen. Ach, Sie können das nicht lesen. Nein, in Englisch gibt es dieses Formular nicht. Aber alles kein Problem, wir übersetzen Ihnen das, die hinter Ihnen stehende Gäste warten gerne so lange. Wieso wir Kultursteuern erheben, um sie anschließend wieder zu erstatten? Ja, so ist halt deutsche Kultur, zumindest in der Bürokratie“.

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Im Reiseradio (www.reiseradio.org) erklärt diese Woche TUI-Hotelboss Karl Pojer wie heute „Robinson-Urlaub“ funktioniert. Anschließend wird ein Club vorgestellt der Robinson-Feeling durch und durch vermittelt: Robinsonclub Malediven! Und wie immer noch einiges mehr.

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Wer möchte einen eigenen Flughafen haben?

Nicht jede Nachricht, die man so während des Sommerlochs liest, darf man ernst nehmen. Früher war es das Ungeheuer von Loch Ness, das regelmäßig in den Sommermonaten die Zeitungsspalten füllte. Dann entdeckten die parlamentarischen Hinterbänkler die Chance im Sommerloch mit manchem Quatsch in die Medien zu kommen, wie beispielsweise „die Deutschen sollen weniger ins Ausland reisen“ oder sogar „überhaupt weniger Urlaub“ machen. Wer jetzt die Supermeldung über die Eröffnung eines „internationalen Flughafens in der Nähe von Magdeburg“ in die gleiche Schublade gesteckt haben sollte, hätte zwar einerseits intelligentes kritisches Denken bewiesen, aber andererseits gewaltig unterschätzt für welchen Unsinn Politiker bereit sind Geld auszugeben.

Magdeburg-Cochstedt so nennt sich der Flughafen, der sich (Zitat) „national und international etablieren will“. Die Pressemeldung der Betreibergesellschaft Airport Development A/S beweist auch die entsprechende Fachkunde. So sollen „ab Oktober von Cochstedt aus mehrmals wöchentlich Flugziele in Richtung Süden abheben und zunächst sollen drei Urlaubsorte angeflogen werden“. ???
Na, ja, die Urlaubssaison ist zwar schon so gut wie zu Ende, aber vielleicht hat man in der Gegend von Cochstedt eine ganz eigene zeitliche Präferenz in Urlaub zu gehen.
Fragt man bescheiden nach, wohin die Flüge gehen sollen, erhält man die lustige Antwort, die „genauen Flugziele würden in Kürze bekannt gegeben“. Ist auch nicht so schlimm. Es sind ja noch ein paar Tage Zeit bis dahin und ein gewisser Überraschungseffekt kann marketingmäßig nicht schaden. Vorschlag der BBBs: Keine Ziele bekannt geben, sondern die Passagiere erst nach Abheben des Flugzeuges damit überraschen.

2011 sollen dann „mehrere europäische und internationale Ziele“ hinzukommen. Leider konnten die BBBs in der Kürze der Zeit den konkreten Unterschied zwischen europäischen und internationalen Zielen nicht herausfinden.

Eines könnte man aber sofort feststellen, wie viel Geld die bisherigen Bemühungen gekostet haben, einen Flughafen zu eröffnen, den urlaubsmäßig garantiert niemand braucht. Eine Pleite gab es schon in 2000, angeblich sollen bis dahin 60 Mio. Euro versenkt worden sein. Im Zweifel waren es eher deutlich mehr.

Das erinnert an einen anderen in der Nähe liegenden „Weltflughafen“: Leipzig-Altenburg. Wie hatte der Landrat des Landkreises Altenburg-Land in 2009 so putzig formuliert: „Ich wünsche mir für meinen Flughafen Altenburg viele internationale Investoren. Ich denke, dass ein Airport Made in Germany, der eine mittelfristig gute Geldanlage sein wird, international auf Interesse stoßen wird“. Und da wurden auch schnell 650.000 Euro Marketingzuschuss locker gemacht, damit Ryanair von dort aus ein wenig umherfliegen kann. Mit diesem Geld könnten alle Passagiere per Taxi zu einem richtigen Flughafen anreisen.
Und die Problematik eines „Großflughafens“ wurde vor kurzem deutlich, als einer der seltenen Anflüge umgeleitet werden musste, weil kein Fluglotse im Tower war. Schuld: „Unklare Dienstplanung“. Bei diesem Riesenbetrieb kann man schon mal die Übersicht verlieren.

Dabei müsste man nur bei den seit Jahren kämpfenden kleineren Flughäfen in
Deutschland (z.B. Memmingen) mal anrufen, um sich ein klein wenig Fachkenntnisse über die Beschäftigungsproblematik dieser Mini-Flughäfen zu beschaffen.
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Die Bissigen Bemerkungen haben zwar eine erfreulich große Leserschar, jedenfalls mehr Leser als o.g. Flughafen Passagiere, aber noch viel Potenzial im Vergleich mit den ganz großen Blogs dieser Republik. So wurden die BBBs der vorletzten Woche („offener Brief an die BILD-Zeitung“) zwar schon zu Wochenbeginn gut nachgefragt, aber als ein Leser freundlicherweise diese Bissigen Bemerkungen in den BILD-Blog einstellte, ging es richtig rund. Innerhalb von zwei Tagen wurden 160.000 Klicks registriert, über 10.000 Leser waren tatsächlich auf den Seiten der Bissigen Bemerkungen und schauten sich insgesamt 35.000 Seiten „Bissiges“ an. Für eine solche Marketinghilfe sei hier Danke gesagt.

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Wie immer sei noch auf das Reiseradio (www.reiseradio.org) verwiesen. Nach den Interviews letzter Woche zur Flusskreuzfahrt geht es diesmal zur Hochsee mit allerlei Nachrichten rund um die AIDA.

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Offener Brief an BILD: Betrifft Urlaubs-Mängel

Liebe BILD-Zeitung,
ihr fangt an zu schwächeln. Beweis: Eure halbe Seite „Urlaubs-Mängel“ in der Ausgabe vom 11.August. Ich habe dabei folgende Mängel zu vermelden:

1. Ihr seid langsam geworden. Zum 11.8. hat meines Erachtens bereits die Hälfte aller Deutschen Urlaub gehabt. Über solch grundlegende Erkenntnisse über die Möglichkeiten sich zu beschweren sollte man schon Anfang Juli informieren. Was sollen die armen Urlauber denken, die in den letzten Wochen ohne Eure Hilfe nichtwissend den Urlaubsmängel ausgeliefert waren.

2. Ihr habt Geld verschenkt. Was soll der Hinweis „zuerst ohne Anwalt“ sein Glück beim Reiseveranstalter zu suchen. Hier wäre Cross-Marketing mit der Anwaltskammer angebracht gewesen. Der gegenteilige Hinweis, nämlich immer und sofort einen Anwalt einzuschalten, hätte nicht nur einigen unterbeschäftigten Anwälten Arbeit gegeben, zusätzlich wäre die Anwaltskammer bestimmt bereit gewesen dafür Honorar zu zahlen. Dieses Geld hätten natürlich nicht die Autoren des Artikels einstreichen sollen, sondern dafür hätte man ein Hilfswerk für „nicht entschädigte Urlauber“ gründen können.

3. Eure Beschwerdehinweise sind nicht perfekt. Es ist zwar richtig, dass man die Mängel fotografieren soll. Aber zum Beispiel bei Kakerlaken ist dies wenig hilfreich. Eine fotografierte Kakerlake wirkt überhaupt nicht ekelerregend. Da muss man schon härtere Geschütze auffahren. Ein Dutzend lebende Kakerlaken in einen Schuhkarton, mit Luftlöchern und Futter versehen –damit es keinen Ärger mit Tierschützern gibt- und ab an den Reiseveranstalter. Wenn diese Tierchen über den Schreibtisch des Sachbearbeiters klettern ist schnelle Bearbeitung des Vorgangs sichergestellt.

4. Ihr weckt falsche Hoffnungen. Da steht in Eurer Tabelle „Kein Gepäck an 5 bis 12 Reisetagen = 30% pro Fehltag“. Der normale, gutgläubige BILD-Leser rechnet doch dann bei 10 Fehltagen mit 30% x 10 Tagen = 300% vom Reisepreis. Ich vermute mal, dass diese Summe auch mit Anwalt nur schwer durchzusetzen sein wird.

5. Bestimmte schwerwiegende Mängel fehlen in Eurer Liste. Ich bin seit wenigen Tagen selbst in Urlaub auf einer Kanarischen Insel. An den ersten Tagen schwamm ich morgens zu einer ca. 150 m vom Strand entfernten kleinen Insel und wieder zurück. Am 3. Urlaubstag war die Insel morgens verschwunden. Fotografieren war hier sinnlos, denn wie soll man etwas im Bild festhalten was nicht mehr da ist. Also beschwerte ich mich bei der Reiseleitung. Die faselte etwas von Ebbe und Flut. Ich habe nachgesehen, im Katalog steht kein Wort von Ebbe und Flut und schon gar nichts davon, dass dieses Phänomen in der Lage sei, ganze Inseln verschwinden zu lassen. Wieviel Prozent Minderung werde ich da verlangen können?

6. Es gibt auch noch härtere Urlaubsmängel. Ich habe gehört, dass ein Urlauber an seinen Veranstalter geschrieben hätte: „Ich hatte eine Woche Urlaub gebucht. Die ersten sechs Tage hat es geregnet. Zu meinem Entsetzen herrschte am Abreisetag schönes Wetter“. Was bekommt man für „Entsetzen“? Werden sich da die Veranstalter mit höherer Gewalt herausreden?

7. Ihr bereitet Eure Leser falsch auf den Urlaub vor. Meines Wissens ist Vorfreude ein wesentlicher Punkt für ein gelungenes Urlaubserlebnis. Außerdem gilt auch im Urlaub der Spruch „Wie man sich selbst verhält, kommt es zumeist auch zurück“. Keines von beiden kann gelingen, wenn ich den ganzen Tag mit Eurer Reklamationstabelle rumlaufe und mich dann noch ärgere, weil ich nicht auf 100% komme. Warum wird jedes Jahr immer aus Neue auf diesem Thema „herumgeritten“? Warum habe ich z.B. noch nie bei Euch eine gleichgroße Story gelesen „Lieber Leser: Dein Recht beim Kühlschrankkauf“ oder ähnliches.

8. Und außerdem sollte man berücksichtigen, dass übertriebene Beschwerden Panikreaktionen beim Personal hervorrufen können. Nach der Landung eines JetBlue-Flugzeuges in New York wies der Flugbegleiter eine Passagierin darauf hin, dass sie noch sitzenbleiben müsse „bis das Flugzeug die Endposition erreicht habe“. Der Flugbegleiter wurde danach von der Passagierin auf das übelste beschimpft und bekam einen Koffer an den Kopf. Daraufhin drehte der „arme“ Flugbegleiter durch, löste die Notrutsche aus, schnappte sich noch schnell ein Dosenbier und verließ mit den Worten „Das war`s“ das Flugzeug über die Rutsche.
Liebe BILD-Zeitung, seid Euch Eurer Verantwortung bewusst. Wenn wir ähnliche Geschichten demnächst aus Urlaubshotels hören sollten, dann könnte sein, dass Euer Mängelartikel irgendwie schuld daran sein könnte.

Nächstens ruft Ihr mich vorher an, bevor Ihr so ein Zeug schreibt.

Karl Born
der zur Zeit gutgelaunt und ohne Frankfurter Tabelle seinen Urlaub genießt.

Diese Bissigen Bemerkungen wurden vorab am 11.8. an die BILD-Zeitung geschickt, mit der Bitte zur Weitergabe an Kai Diekmann

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Statistiken die niemand braucht und die dann auch noch falsch interpretiert werden

Angeblich von Churchill stammt der schlaue Spruch „Traue keiner Statistik, die du nicht selbst gefälscht hast“. Unter dieser Prämisse sollte man auch die Flut von Statistiken betrachten, die täglich in diversen Medien verbreitet werden. Braucht diese jemand? Nein, es geht nur darum den eigenen Namen in die Medien zu bringen. Wissenschaftlich erstellt? Denkste. Richtig interpretiert? Von wegen, bei manchen Zahlen könnte man auch exakt das Gegenteil behaupten. Und ganz schlimm wird es zumeist, wenn sich die Autoren auch noch in %-Rechnung versuchen. Das geht zumeist total in die Hose (wie untenstehend beim online-Portal Unister).

Fangen wir bei der DAK an. Sie versucht uns schlau zu machen mit der Aussage „Nicht wenige Deutsche erkranken im Urlaub: 35 Prozent haben schon an Schnupfen oder einer Erkältung gelitten.“ Zuerst mal die Tendenzaussage, „krank in Urlaub“. „Urlaub und negativ“, ein beliebtes Thema zur Reisezeit. Hätte gerade noch gefehlt, eine Werbeaussage, DAK zahlt auch bei Krankheit im Urlaub.
Dabei, was heißt schon 35 % hatten irgendwann mal im Urlaub eine Erkältung. Man hätte auch schreiben können, 2/3 aller Urlauber hatten noch nie im Urlaub eine Erkältung gehabt. Aber eigentlich möchte ich mich zu einer noch radikaleren Aussage durchringen: Fast 100% aller Deutschen hatten schon mal außerhalb des Urlaubs eine Erkältung.
Laut dieser Statistik plagten 14% der Deutschen schon mal eine Allergie im Urlaub. Oh, wie schlimm! Gerade habe ich in einem Buch über Allergien gelesen, dass inzwischen über 30 Mio. Deutsche unter Allergien leiden (das wären demnach ca. 35% aller Deutschen). Rechnerisches Fazit: Mehr als die Hälfte aller deutschen Allergiker hatten im Urlaub noch nie eine Allergie gehabt. Das ist doch mal eine gute Nachricht. (DAK-Zahlen laut Bericht in travel tribune)

Das Online-Reisebüro „ab-in-den-urlaub.de“ von Unister GmbH, beglückt die Menschheit ja öfters mit Informationen auf die niemand gewartet hat. Nach der alten PR-Masche „ist doch egal was in der Zeitung über uns steht, Hauptsache unser Name ist richtig geschrieben“. Jetzt hat man sich sehr ausführlich zum Thema „Diebstahl an den Flughäfen“ geäußert (Info gefunden bei Touristik-news.com). Auch dazu könnte inhaltlich manch Kritisches beitragen. Die BBBs möchten aber hier nur etwas Nachhilfe in %-Rechnung geben. In der Unister-Meldung wird besonders der Flughafen Düsseldorf angeprangert, denn da wird angeblich am meisten geklaut. Zwar gesteht Unister ein, dass die Anzahl der Diebstähle im Flughafen Düsseldorf von 1.900 im Jahre 2008 auf 1.321 im Jahre 2009 zurückgegangen seien. Diese an für sich positive Meldung wird dann etwas konterkariert durch den Zusatz, aber in der gleichen Zeit sei das Passagieraufkommen in Düsseldorf um rund 370.000 zurückgegangen. Und jetzt kommt die von wenig Mathematik getrübte Feststellung: Demnach seien die Diebstähle pro Gast nur um 0,003 Prozent zurückgegangen. Kurzum, die Diebe in Düsseldorf klauten erstaunlicherweise proportional zur Passagierzahl (wie die das so hinbekommen haben?). Die etwas mehr Mathematik bewussten Bissigen Bemerkungen merkten natürlich sofort, dass diese Rechnung nie und nimmer stimmen kann. Also rechnen wir mal nach und besorgen uns die Passagierzahlen vom Flughafen Düsseldorf. Demnach betrug die Diebstahlsrate pro Gast in 2008 0,0105%, in 2009 lautete die Diebstahlsrate 0,0074%. Das sind zwar nur 0,003 Prozent-Punkte (Achtung, die Betonung liegt auf Prozent-„Punkte“) weniger, aber bei so kleinen Zahlen bedeutet das einen Rückgang um fast 30%! und genau das wäre die richtige Information gewesen (Die Diebstahlsrate pro Gast ist um 30% zurückgegangen. Statt angegeben 0,003%). Bewusste Manipulation oder nur Mathe-Schwäche?

Deshalb immer mein Hinweis an die Studenten „Aufpassen bei Aussagen mit %-Zahlen, da wird zumeist manipuliert. Es sei denn, ihr wollt selbst manipulieren, dann nehmt %-Zahlen“.

Ach noch etwas, die DAK hatte auch festgestellt, dass 14% aller Deutschen im Urlaub schon mal einen Sonnenstich hatten. Wie man weiß, kann so etwas lange im Alltag nachwirken (siehe oben).
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Im Reiseradio www.reiseradio.org geht es diese Woche u.a. um zwei Journalisten, die den Meridian-Nachwuchspreis gewonnen haben und ihr Verständnis über Reisejournalismus. Außerdem gibt es Hintergrund-Informationen über Sri Lanka. In den akustischen Bissigen Bemerkungen geht es u.a. um den Verlust eines Männertraumes. Eine Stewardess der Air France, die sich nicht „liebevoll“ um schlafende Fluggäste kümmerte, sondern diese „lieblos“ beklaute. Wie schrecklich, wieder eine Ikone gefallen. Übrigens soll es demnächst auch zu diesem Thema neue internationale Statistiken geben.

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Wie menschlich – aus dem Eyjafjallajökull kommt nur noch heiße Luft

Das ist doch mal eine gute Nachricht: Der Eyjafjallajökull spuckt keine Asche mehr, es kommt nur noch heiße Luft. Damit kommt er uns direkt menschlich einher.
Im Management nennt man so etwas „management by helicopter“ (Einfliegen, Staub aufwirbeln, wieder verschwinden und alles geht weiter wie zuvor).

Das ist genau der richtige Zeitpunkt um eine Reiseempfehlung nach Island auszusprechen. Also auf nach Island und schauen wir uns das „heiße Kerlchen“ mal aus der Nähe an und mit ihm noch weitere 29 Vulkane auf dieser Insel. Ein einmaliges Feuer spuckendes Angebot, ein echtes USP (Alleinstellungsmerkmal) dieser Insel.
Ansonsten ist Island ziemlich grün, entspricht also einem aktuellen Reisetrend (von mehreren). Außerdem gilt Whale Watching als große Attraktion. Angeblich leben über 200.000 Wale (verschiedener Arten) im Meer in Sichtweise.

Was sollte man noch wissen?
Falls Sie es vergessen haben sollten, fast hätten sich nächstes Wochenende ohnehin alle Augen nach Reykjavik gerichtet, denn beim letzten Eurovision Song Contest belegte Island den 2. Platz hinter Norwegen. Ok, die Isländer haben uns damals keinen Punkt gegeben. Aber keine bösen Gefühle deshalb, denn fast der gesamte Rest von Europa hat das auch nicht getan.
Näher zusammen als beim Song Contest lagen wir bei der letzten PISA-Studie. Da lagen wir nur knapp hinter Island (allerdings nur im Mittelfeld). Und weil die Isländer intellektuell so gut zu uns passen, wird Island 2011 unter dem Motto „Sagenhaftes Island“ auch Ehrengast auf der Frankfurter Buchmesse sein.

Kurzum, der deutsche Tourist ist mal wieder gefordert, ein Zielgebiet aktiv zu unterstützen. Ganz nach dem Motto:
Gehen wir doch hin nach Island, bevor sie uns wieder eine Botschaft schicken.

Bleibt noch nachzutragen und auch das wird dem deutschen Touristen bekannt vorkommen. Island wird von einer Regierungschefin geführt. Die isländische Angela Merkel heißt Jóhanna Sigurðardóttir. Dann ist es aber schon mit den Gemeinsamkeiten vorbei. Frau Sigurðardóttir führt eine Allianz von Sozialdemokraten und Grünen. Privat lebt sie in einer eingetragenen Partnerschaft mit der Autorin und Schauspielerin Jónína Leósdóttir.
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Und wie immer an dieser Stelle der Hinweis auf das Reiseradio. In der neuen Ausgabe steht das Thema Flusskreuzfahrt und ein Hotel mit viel Gegend drumherum im Mittelpunkt. Außerdem wird über eine Kuh-Safari berichtet. Im Interview verplaudert Konsul Horst Rahe versehentlich (?) seine neueste Innovation. Auch in den akustischen bissigen Bemerkungen „menschelt“ es diesmal. Unter anderem geht es um eine Lufthansa-Innovation (das Pissoir in der First Class im neuen A380 !?) und um ein neues Marktforschungsergebnis (Mit wem würden die Deutschen am liebsten das Schlafabteil im City Night Line der Bundesbahn teilen). Hören Sie mal rein, bei www.reiseradio.org.

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Frechheit oder Dummheit? Ein Toter soll nach Berlin fliegen und die Werbung von HRS

Zwischen beiden Meldungen besteht kein unmittelbarer Zusammenhang. Höchstens die übereinstimmende Frechheit (Dummheit?).
Da schieben zwei Frauen in Liverpool einen alten Mann im Rollstuhl zum Check-in-Schalter von Easyjet zum Flug nach Berlin. Eigentlich nichts besonderes, aber der Mann im Rollstuhl ist seit 24 Stunden tot. Die beiden Frauen wollten so die Überführungskosten für den Toten sparen. Ihr wahrscheinlicher Gedankengang: An Bord von Easyjet sind die Sitze so eng, da kann sogar ein Toter nicht mehr umfallen.
Aber eine Flugbegleiterin fragte den schweigsamen Passagier nach seinem Wohlbefinden (wer hätte gedacht, dass es so etwas an Bord von Easyjet noch gibt).
Der blieb jedoch jede Antwort schuldig. Der herbeigerufene Arzt fand schnell die Lösung der konsequenten Schweigsamkeit.
Merke: Wer die Flugsitze zu eng macht, bekommt die schweigsamsten Passagiere.

Die neue Werbung des Hotelportals HRS ist ziemlich dümmlich. Schon der Claim „Ich reservieHRS“ lässt ein zweifelhaftes Verhältnis zur deutschen Sprache durchblicken. Aber noch schlimmer ist der Werbespruch mit TV-Sternchen Sonya Kraus: „Die schmutzigsten Fantasien hat man in den saubersten Betten“.
Da möchte man eher sagen: „Die dümmsten Fantasien hat die Werbeagentur von HRS“. Weitere Testimonials in dieser Werbereihe sind Rudi Assauer und Bill Kaulitz. Schlimmer geht’s wirklich nimmer!
Wenn dann HRS-Geschäftsführer Tobias Ragge meint, damit „die Marke emotional stärker aufladen“ zu können, dann möchte man über seine „eigene emotionale Aufladung“ nicht länger nachdenken. Hier scheint professionelle Hilfe notwendig, aber nicht von einer Marketingagentur.
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Im Übrigen bin ich der Meinung …. „Wer vom Lesen der Bissigen Bemerkungen nicht genug hat, der kann zusätzlich noch welche hören“.
Im Reiseradio (www.reiseradio.org) geht es diese Woche um die Beschwerde von Ostseekommunen, dass der offizielle Wetterbericht fast immer zu schlecht sei. Wir machen uns hierzu Gedanken ob da wirklich System dahinter steckt oder ob das an der Abwesenheit eines berühmten Meteorologen liegen könnte. Natürlich gibt es auch Vorschläge zur Lösung.
Außerdem machen wir etwas Werbung für den airport run vom Flughafen Hannover am 17.4.2010. Warum? Auch das erfahren Sie im Reiseradio.

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Wann ist man glücklicher?

Was Wissenschaftler alles herausfinden können ist schon toll. Ohne viele dieser Erkenntnisse würde uns auch richtig etwas fehlen. Man fragt sich dann „wie konnten wir ohne dieses Wissen bislang leben?“.
Auf diesem hohen Niveau bewegt sich auch, was die Universität Rochester vor wenigen Tagen tief schürfend festgestellt hat. Und jetzt halten Sie sich fest, die bewegende Nachricht lautet:
Menschen sind am Wochenende glücklicher als unter der Woche!

Mag sein, dass der eine oder andere unter den verehrten Lesern und Leserinnen so etwas Ähnliches seit geraumer Zeit geahnt hat. Aber jetzt wissen wir es genau.

Der guten Ordnung halber sollten wir auch die dazu gelieferte Begründung nicht verschweigen: Menschen seien deshalb am Wochenende glücklicher, „weil sie vorwiegend mit Leuten zusammen sind, die sie gern haben und wertschätzen“. Was dies im Umkehrschluss hinsichtlich der Wertschätzung von Kollegen und Vorgesetzten bedeutet, soll hier nicht näher erörtert werden. Ebenso soll nicht erörtert werden, was von den häuslichen Verhältnissen jener zu halten ist, die bis spät in den Büros sitzen.

Allerdings soll es in dieser Republik gerüchteweise wesentlich „schlimmere“ Arbeitssituationen als in der Reiseindustrie geben. Als „abschreckendes“ Beispiel sei die HRE Bank genannt. Sie erinnern sich, die Hypo Real Estate, wie sie in Langversion heißt, war jene Pleitebank, die nur durch Milliardeneinsatz des Staates (vorläufig) gerettet werden konnte. Und noch schlimmer, nach der Verstaatlichung, gehört diese Bank dem Steuerzahler, also uns allen. Ein tolles Geschäft haben wir da gemacht.
Von alledem unbeeindruckt, sollen aktuell die Führungskräfte und Mitarbeiter dieser Bank wieder mit Boni-Zahlungen in Millionenhöhe belohnt werden. Als dies von den Aufsichtsorganen hinterfragt wurde, meinte ein HRE-Topmanager so können man mit den Mitarbeitern der Bank nicht umgehen. Vielmehr meinte er hinsichtlich der Arbeitssituation „mit Ben Hur und Galeerensklaven“ vergleichen zu müssen.
Nachdem ich kurz in mich hineingeweint hatte, wollte ich dann doch fröhlich feststellen, so schlimm ist es mit der Ausbeutung in der Reiseindustrie (noch) nicht.
Aber dann musste ich lesen, dass UFO (gemeint sind nicht die Außerirdischen, sondern die „Organisation Unabhängiger Flugbegleiter“) den Umgang der Lufthansa mit Mitarbeitern „teilweise menschenverachtend“ nennt.
Was werden da erst die Kunden sagen, wenn nächste Woche wieder gestreikt wird?
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Im Übrigen bin ich der Meinung …. „Wer vom Lesen der Bissigen Bemerkungen nicht genug hat, der kann zusätzlich noch welche hören“.
Im Reiseradio (www.reiseradio.org) erfahren Sie diese Woche einiges über April-Scherze und wie hoch die Gefahr ist, dass diese Scherze in der touristischen Wirklichkeit wahr werden.
Ansonsten können Sie dort, im nicht bissigen Teil, auch einiges über Glück erfahren, womit wir wieder beim Eingangsthema wären.

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Kaum zu glauben

Mag ja sein, dass sich Piloten nur ungern mit Lokomotivführern vergleichen lassen wollen. Aber ein Blick über den Tellerrand hin zur Bahn würde sowohl den Piloten wie auch der Lufthansa nicht schaden.
Erinnern Sie sich an Mitte bis Ende 2007? Erinnern Sie sich an das permanente „Gewürge“ von Lokomotivführern und Bahn mit Streikankündigung, dann doch kein Streik, dann doch Streik, dann Handschlageinigung, die aber keine war (Urmodell des DFB/Joggi Löw–Konfliktes), neue Streiks und so weiter? Ergebnis: Dramatischer Imageverlust für beide Seiten und nachhaltiger wirtschaftlicher Schaden (auch für beide Seiten).

Und das gleiche Spiel, man glaubt es kaum, spielen jetzt Lufthansa und Piloten-Gewerkschaft. Erst große Streikankündigung, dann einen Tag Streik, dann überraschend Friede, Freude, Eierkuchen und jetzt ab 13.4. soll das ganze wieder von vorne losgehen. Lufthansa wird nicht nur „airberlineriger“, sondern auch noch „bahnerischer“. Halleluja, das ganze ist nicht nur ein Lehrstück für „wie beschädige ich das Image eines angesehenen Unternehmens“, sondern zeigt auch die Hilflosigkeit mit der neuen Marktsituation umzugehen.
Das hätten sich Air Berlin und Co. auch nicht träumen lassen, dass sie von Lufthansa solche wirtschaftliche Hilfestellung bekommen.

Wenn wir schon bei „kaum zu glauben sind“. Wie postulieren die harten Gleichberechtigungsvertreter(innen)? Die Gleichberechtigung für die Frauen im Wirtschaftsleben ist nicht erreicht, wenn es genügend Frauen in Führungspositionen gibt, sondern erst wenn genügend Frauen ohne Ahnung vom Geschäft in Führungspositionen aufgestiegen sind. Sind wir nun soweit? Könnte sein. Easyjet hat eine neue Chefin. Demnächst übernimmt Carolyn McCall. Sie kommt aus der Medienbranche und hat Null-Ahnung von der Luftfahrtbranche.

Noch „weniger zu glauben“, ist die Panne am Flughafen Leipzig-Altenburg. Erinnern Sie sich, der Landrat des Landkreise Altenburg-Land, war so fest überzeugt, dass sein Weltflughafen Altenburg Interesse bei internationalen Investoren finden könnte (siehe BBBs vom 14.12.2009). Jetzt musste einer der wenigen Anflüge umgeleitet werden, weil kein Fluglotse im Tower war. Schuld: „Unklare Dienstplanung“. Bei einer Handvoll Flüge am Tag, kann man schon mal die Übersicht verlieren.

Und schon „überhaupt nicht zu glauben“ ist, dass ein Hobby-Pilot jetzt zu einer saftigen Geldstrafe verurteilt wurde. Er hatte mit seinem einmotorigen Flugzeug die Rollbahn des Flughafens Bitburg angesteuert und auf Funkkontakt zum Tower „verzichtet“. Dummerweise fand dort gerade eine Veranstaltung des Porsche-Clubs Luxemburg statt. Da blieb kaum eine Wahl. Der Pilot landete „auf“ einem fahrenden Porsche 911. Merke: Sollte Ihr Auto mal kräftig wackeln, muss es nicht an schlecht montierten Reifen liegen. Schauen Sie auch mal auf dem Dach Ihres Fahrzeuges nach.

Außerdem „glauben wir nicht“, dass „Manny“ noch etwas Vorzeigbares zum Kaufen für Thomas Cook findet. Darf man Ankündigungen übrigens schon bilanzieren?

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Im Ãœbrigen bin ich der Meinung …. „Wer vom Lesen nicht genug hat, der kann zusätzlich noch hören. “Faszination Stützstrümpfe“ – ab heute der neue Renner auf www.reiseradio.org (jetzt auch mit Direkt-Button auf die BBB). Und nicht verzweifeln: wenn die Sendung sich nicht sofort lädt, dann tummeln sich gerade andere 100 BBB-Fans in der Leitung. Ein paar Minuten später, und „Ihnen wird sicher geholfen“ (vom Server).
Sorry für letzte Woche. Zwischenzeitlich gab es Probleme mit dem Link und dann war der Server echt überlastet. Es geht dem Reiseradio speziell wie dem Tourismus allgemein: Das größte Problem ist der Erfolg.

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Die ITB der Breitmaulfrösche und eine verpatzte Award Feier

Wie unterschiedlich reagieren Banker und Touristiker wenn sie „glauben“ das Ende der Krise sei gekommen? Die Banker zocken wieder und die Touristiker feiern wieder.
Ach war das (endlich) wieder schön dieses Jahr auf der ITB. Alle liefen herum und grinsten freudig, dass man meinten konnte, man wäre auf dem Jahresausflug der Breitmaulfrösche. Die Anzahl der Partys war deutlich erhöht, die Stimmung unvergleichlich besser als im letzten Jahr und jedes kleine Pluszeichen wurde als Indikation „verehrt“, dass es dem Patient wieder besser ginge. Wobei man ja weiß, wie Touristiker solche Pluszeichen „erstellen“. Da wird der Tageseingang oder Wocheneingang von Minizielen gegenüber Vorjahr oder Vorwoche oder auch mal Kreuz oder Quer verglichen. Irgendwie gibt es immer etwas Positives zu erkennen und mit Prozent-Rechnen kann man schließlich alles so erklären, wie man es gerade mal brauchen kann. Hauptsache die Presse greift es auf und das tat sie dieses Jahr zur Genüge.

Insofern war es in diesem Jahr nicht so einfach etwas zum Beißen zu finden. Und der berichtenswerteste Flop fand streng genommen sogar vor Beginn der ITB statt: Die „Award Night“ des Travel Industry Clubs. Eigentlich waren und sind die BBBs überzeugt, dass die Idee des Travel Industry Clubs eine gute und unterstützenswerte Ist. Aber bekanntlich ist „gut gemeint“ nicht immer identisch mit „gut gemacht“. Oder noch schlimmer, langsam muss man nachhaltig daran zweifeln, ob Touristik-Manager das richtige Publikum für eine solche Veranstaltung sind. Für Networking sind die Touristiker sehr gut geeignet, sogar ausgesprochen prädestiniert dafür. Für eine Preisverleihung aber fehlt überwiegend das Interesse und bei einigen muss man auch Defizite an richtigem Benehmen anmelden.

Hinsichtlich der eigentlichen Preisverleihung kann man höflich anmerken, dass noch viel Verbesserungspotenzial vorhanden ist. Im Mittelpunkt einer solchen Veranstaltung sollten die zu Ehrenden stehen und nicht die Sponsoren (das war noch schlimmer als Werbeunterbrechungen beim Privatfernsehen). Man könnte noch etliche andere Wegfall-Punkte nennen um die Veranstaltung abzukürzen. Merke: Touristiker sind offensichtlich nicht in der Lage sich länger als eine Stunde ruhig zu verhalten!
Besonders peinlich und unverzeihlich war, einem Auszuzeichnenden das falsche Unternehmen zuzuordnen (Mario Kubsch „von Traveltainment“).

Aber wirklich schlechtes Benehmen muss man wiederum dem anwesenden Manager-Publikum attestieren. Die Ankündigung „jetzt kommt ein dreiminütiges Musikstück“ wurde von fast der Hälfte des Publikums zum Anlass genommen, unwiederbringlich den Saal zu verlassen. Das war eigentlich eine Ohrfeige für den Veranstalter. Der danach von außen immer stärker anschwellende Lärmpegel erinnerte stark an die Veranstaltung vor zwei Jahren, als der damalige Keynote-Speaker Schirrmacher (FAZ) deswegen seine Rede abkürzte (siehe BBB „Peinlich, peinlich, peinlich“ vom 22.9.2008). Einen ähnlich schlechten Eindruck dürfte in diesem Jahr die Referentin des Abends, die Fraktionsvorsitzende der Grünen-Bundestagsfraktion Renate Künast, mitgenommen haben. Während sie tapfer in der ersten Reihe ausharrte, leerten sich hinter ihr die Reihen und der Lärm von draußen war bis in die erste Reihe zu hören.

Die Verleihung des wertvollsten Preises, des „Lifetime Awards“ zur späten Stunde war dann sowohl hinsichtlich der beabsichtigten Bedeutung des Preises wie auch des zu Ehrenden nicht mehr angemessen. Ein Glück, dass Laudator Robert Salzl seine ganze persönliche Klasse in eine hervorragende Rede einbrachte und man damit wenigstens zum Schluss sehen konnte, wie man „so etwas“ auf hohem Niveau machen kann.

Nachtrag: Wirklich überraschend und ausgesprochen sensationell war aber die SMS, die der Travel Industry Club am nächsten Morgen an die Teilnehmer des Abends verschickte. Darin entschuldigte er sich für die Überlänge des Abends (und für ein bisschen mehr). Damit konnte der Veranstalter das „Ergebnis“ zwar nicht mehr auf Sieg, aber zumindest noch auf „Unentschieden“ verbessern. Dafür gebührt ein großes Kompliment.

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