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Der Abstieg eines Flughafens zum Autoparkplatz

Ist das nicht eine Tragikomödie erster Klasse? Da gibt es einen Flughafen, der aussieht wie ein Flughafen, aber noch keiner ist, weil nicht geflogen werden darf. Da gibt es Autos, die aussehen wie Autos, aber nicht fahren dürfen, weil sie wegen ausstehendem Abgastest nicht zugelassen werden.

Da aber am Flughafen BER wenigstens der Parkplatz (gerüchteweise) funktioniert, kommen an dieser Stelle BER und VW zusammen. Noch ist zwar kein Kontrakt unterschrieben, aber aus Airport-Kreisen ist zu hören, dass wohl schon bald 10.000 Plätze (wahrscheinlich deutlich mehr) von den Wolfsburgern beparkt werden.

Was wird der BER wohl in Rechnung stellen?

Welch ein Abstieg für einen mal angekündigten Weltflughafen und ebenso peinlich für den Weltmarktführer VW. Immerhin werden sich beide, BER und VW, demnächst im Guinness-Buch der Rekorde für den größten Autoparkplatz finden. Ein zweifelhafter Titel, so als wenn der DFB sich des Rekordes „frühestes Ausscheiden bei einer Fußball-WM“ rühmen würde.

Allgemein ist bekannt, dass Parken am Flughafen nicht billig ist. Was wird der BER wohl in Rechnung stellen? Einen Tarif laut Aushang für jedes abgestellte Fahrzeug oder einen Massenrabatt? Und: Ist die Verwaltung am BER überhaupt kaufmännisch schon in der Lage so eine große Rechnung auszustellen? Oder zahlt der BER am Ende sogar Geld dafür, dass sich auf dem Flughafen endlich etwas bewegt – auch wenn es nur PKWs sind, die auf den Parkplatz rollen?

Wo wir gerade bei den Fragen sind: Was wird wohl zuerst passieren – die Eröffnung des BER oder die Zulassung der Autos? Dem BER traut man glatt zu, dass er im Vertrag mit VW keine Ausstiegsklausel eingebaut hat und die achte (!) angepeilte Eröffnung 2020 an folgender Ausrede scheitern wird: „Es stehen noch Autos rum, das gefährdet die Sicherheit am Airport.“

Parallelen zu „Hans im Glück“

Da Flughafengesellschaft und Gesellschafter uns schon seit Jahren Märchen erzählen, müssen sie jetzt auch mal verkraften, mit einem Märchen satirisch konfrontiert zu werden.

Im Märchen „Hans im Glück“ der Gebrüder Grimm erhält Hans für viele Jahre Arbeit einen kopfgroßen Klumpen Gold. Im weiteren Verlauf der Geschichte tauscht er diesen gegen ein Pferd – das Pferd gegen eine Kuh – die Kuh gegen ein Schwein – das Schwein gegen eine Gans – und die Gans gegen einen vermeintlichen Schleifstein. Der fällt ihm dann in einen Brunnen und Hans ist froh, dass er diese Last los ist.

Schauen wir uns dagegen die Geschichte vom „BER im Glück“ an, in einer etwas verkürzten Version. Den medialen Goldklumpen erhielt der BER am 20. März 2012, als sich Air Berlin für das mächtige Zelebrieren seines Eintritts in die Oneworld-Allianz den (noch nicht eröffneten) BER als Kulisse aussuchte.

Die Teilnehmer dieser Feierlichkeiten waren die Ersten, die überhaupt Flugzeuge vor dem neuen Flugterminal sehen konnten: Eine A330-200 in Oneworld-Beklebung und eine Boeing 737-800 im Air-Berlin-Kleid. Schmankerl für Nostalgiker: Chef von Air Berlin war damals ein gewisser Hartmut Mehdorn und Flughafen-Chef Rainer Schwarz.

Bereits wenige Tage später, im Juni 2012, war es mit dem Goldklumpen schon vorbei: Flughafeneröffnung abgesagt.

Flugzeuge sind beim BER zweitrangig

In den Folgejahren passierte außer neuer Terminverschiebungen nicht viel – der mediale Goldklumpen war schon längst durch immer billigere Ausreden getauscht. Es dauerte viele Jahre, bis mal wieder ein Flugzeug einen Hauch von Flughafen entfachte. Zwei putzige kleine Pandabären (Meng Meng und Jiao Qing – zum Glück heißen sie nicht Mehdorn und Schwarz) waren bei ihrer Ankunft allerdings mehr Attraktion, als ihr Flugzeug, in dem sie am BER – immer hin für einen Tag kurz Flughafen – landeten.

Kurze Zeit später, der nächste Tiefpunkt im Leben des gescheiterten BER. Air Berlin stellte die nicht mehr benötigten Flugzeuge dort ab. Traurige Bilder, wie man sie sonst aus der amerikanischen Wüste kannte, jetzt auch im Programm des BER. Aus dem ehemals anvisierten Flughafen war jetzt endgültig ein Stehhafen geworden. Im echten Märchen, wäre das jetzt die Stelle mit dem Tausch in die Gans.

Tschüss für das Flughafen-Image

Und 2018 folgt für den BER der letzte Tausch in den „Schleifstein“. Abgestellte Flugzeuge werden gegen abgestellte Autos getauscht. Die Anmutung eines Flughafens ist endgültig dahin.

Wie könnte unsere Geschichte vom „BER im Glück“ enden? Nach Autos folgen die Fahrräder. Die tausende kreuz und quer abgestellte Mietfahrräder in Berlin sind heute schon ein Übel und ein numerisches Ende ist nicht abzusehen. Irgendwann wird man auch diesen Blechhaufen mal entsorgen müssen – und raten Sie mal, wo? Spätestens jetzt fällt märchenmäßig der Schleifstein ins Wasser und der BER dem Abriss anheim.

Übertragen wir das Ende von „Hans im Glück“ mit nur ganz wenigen Wort-Änderungen in „BER im Glück“, irgendwann in den 20er-Jahren:

„So glücklich wie ich“, rief Engelbert Lütke Daldrup aus, „gibt es keinen Menschen unter der Sonne.“ Mit leichtem Herzen und frei von aller Last ging er nun fort, bis er daheim bei seinen Lieben angekommen war.

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