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Die von der Regierung nicht geliebte Branche

Wieder einmal wird der Tourismusbranche deutlich gezeigt, dass sie in den Augen unserer Regierung ein „Nichts“ im Vergleich zu anderen Branchen ist. 

Zum Beispiel: Unsere Kanzlerin hat die Automobilbranche besonders in ihr Herz geschlossen. Schon vor einigen Jahren intervenierte sie bei der EU-Kommission, um kurz vor Beschluss schärfere Abgaswert-Festlegungen zu verhindern.
Wie dankte es ihr die „hochangesehene“ Branche danach? Mit raffiniertem Betrug.
Wie regiert darauf die Regierung? Mit sehr milden Ermahnungen und einer dicken Belohnung.
Unzweifelhaft hat die Automobilindustrie die Entwicklung von E-Autos nicht genügend vorangetrieben, weil sie ihre Innovationskraft vornehmlich für Manipulationen verschwendet hat, statt für Zukunftsentwicklungen. Unsere Regierung negiert das und steckt künftig richtig viel Geld in die Branche, um eine schnellere Entwicklung von E-Autos zu fördern. Als Krönung gibt es eine Neuauflage der Abwrackprämie, nur jetzt mit Strom.

Jetzt werfen wir zum Vergleich wieder einen Blick auf unsere Tourismusbranche. Es geht ihr nicht besonders gut, weitgehend unverschuldet. Zu viele weltweite Krisen. Hilfe, Erleichterungen? Nicht mal angedacht. Die Regierung verschärft die Situation zusehends: 
Der nicht zu fassende krumme „Deal“ (dieses Schmähwort hört unsere Regierung laut Regierungssprecher nicht gerne) mit Erdogan ist ein 180 Grad-Schwenk in der Flüchtlingspolitik, aber man weigert sich das offiziell zuzugeben. Das verunsichert viele potenzielle deutsche Türkei-Touristen nachhaltig.
Die Steigerung dann durch das Außenministerium, deutsche Touristen sollen in der Türkei auch im „persönlichen Gespräch keine kritischen Bemerkungen machen“. So eine Schwachsinnsäußerung zum Thema Sicherheit hat das Ministerium noch nie abgesondert. Dann hätte man konsequenterweise gleich eine Reisewarnung aussprechen können. 

Aber es kommt noch dicker. Nächste Woche erhält die Türkei (sprich Erdogan), wie es aussieht, die „geforderte“ Visafreiheit, obwohl höchstens die Hälfte der notwendigen Voraussetzungen erfüllt sein werden. So etwas hat es in unserer Außenpolitik bislang noch nie gegeben. 

In den letzten Wochen wurde in einigen Medien mal wieder das Thema „Wie moralisch müssen Urlauber sein?“ ausgebreitet. Da fällt mir wieder der Klassiker von Hans Magnus Enzensberger „Aufstand der Bereisten“ ein, mit der Drohung, eines Tages kommen die „Bereisten“ alle zu uns (um zu bleiben). Aber die Flüchtlinge, die aktuell kommen, kommen nicht, weil wir Reiseweltmeister sind, sondern weil wir auch weltweit führend in Waffengeschäften sind.

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