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Flucht nach vorn in den Weltraumbahnhof

Altbewährter Politikertrick, wenn es mit dem Tagesgeschäft nicht so richtig vorangeht, dann entweder größere Flug-Auslandsreise machen oder spektakuläres Zukunftsprojekt ankündigen. Das weiß auch unser Wirtschaftsminister Altmaier oder zumindest seine Berater.

Mit Flug-Auslandsreisen hat Altmaier nicht so gute Erfahrungen. Entweder rückt Merkel ihre Flieger nicht raus, weil sie gerade selbst eine Reise plant oder eine A340 fällt aus, weil Mäuse auf Bali ziemliches Unheil anrichteten. Altmaier machte auch schon gute Miene zum bösen Spiel, als er mit großer Delegation in einer gecharterter Boeing 737-400 nach Ankara flog. Diese Bescheidenheit machte zwar bei seiner Delegation einen guten Eindruck, aber bei Altmaiers Statur, ist Holzklasse nicht das was er sich regelmäßig wünscht.

Also ist „Variante Zwei“ angesagt und da kam auf dem „Weltraumkongress des BDI“, den gab es tatsächlich, die Forderung an die Bundesregierung sich in der Raumfahrt stärker zu engagieren. Das war die Steilvorlage für Peter Altmaier und plötzlich ist er großer Fan eines deutschen Weltraumbahnhofs. Wie bitte?

Keine Frage, bei Zukunftstechnologien sind deutsche Forscher und deutsche Firmen auch in der Raumfahrt sehr weit vorne dabei, verfügen über echte weltweite Kernkompetenz, solange es um die Entwicklung neuer Technik geht.

Deutscher Weltraumbahnhof in Rostock-Laage

Aber bei Umsetzung in kommerzielle Projekte sieht es auf Seiten der Politik nicht so gut aus. Nehmen wir das Wort Weltraumbahnhof mal auseinander, muss man ehrlich sagen ist diese Regierung weder flug- noch bahnaffin. BER und Stuttgart 21 lassen grüßen. Und diese Projekte wurden noch in der „guten alten Zeit“ geplant. Aber heute einen Weltraumbahnhof planen. Da genügt eine Fledermaus und das war`s dann.

Rostock-Laage ist zumindest nach erstem Bekunden der Favorit. Die Landesregierung ist begeistert. Der Landkreis ist an Planungen für Ansiedlungen für Unternehmen aus der Luft- und Raumfahrt beteiligt. Die Flughafenchefin kennt zwei konkrete Projekte, will aber nichts sagen. Nur der größte der jetzigen Gesellschafter, die Hansestadt Rostock, würde gerne was sagen, weiß aber noch von nichts. Die ersten „kleinen“ Irritationen gibt es schon.

Schauen wir mal realistisch. Von den zur Zeit aktiven Politiker/-innen wird niemand den Start der ersten Rakete erleben. Weder in ihrer aktiven noch in ihrer inaktiven Zeit danach. Philipp Amthor von der CDU könnte es als Polit-Rentner vielleicht noch schaffen.

Egal, Altmaier ist vorerst fein raus und hat beim BDI und in der Öffentlichkeit gepunktet. Und Altmaier in einer Mondrakete, wie in einer Fotomontage von BILD, muss man sich ohnehin nicht unbedingt vorstellen.

Was wir aber echt gut können ist „Flug besteuern“. Würde mich nicht wundern, wenn es im Finanzministerium nicht schon eine Arbeitsgruppe „Luftverkehrssteuer für Raumfahrzeuge“ geben würde. Oder über eine richtige Bahnhofsteuer nachgedacht würde, wie früher die Bahnsteigkarte.

Deutschland fliegt per Anhalter durch die Galaxis

Von mir nicht erwartet, zeigte der BDI-Präsident Professor Dieter Kempf bei der Eröffnung des Kongresses besonderen Humor mit einem Handtuch „Keine Panik“. Er spielte damit nicht auf Udo Lindenberg an, sondern auf den Weltraumklassiker von Douglas Adams „Per Anhalter durch die Galaxis“.

Er hat es nicht gesagt, aber ich interpretiere es mal so. Als „Anhalter im Weltraumgeschehen“ dabei zu sein, aber eben nur per Anhalter bei den Amerikanern, Russen oder Franzosen, ist bislang noch unsere Paraderolle und wird es noch lange sein.

Übrigens super Idee, auf dem eintägigen Kongress (an einem Freitag!), morgens ein spezielles Programm für „Kids und Yolos“ (siehe Jugendwort des Jahres 2012) anzubieten. Die „Junge Space-Pioniere bei Kaffee und Croissants“ (so im Programm stehend) konnten sich bei echten Zukunftsfirmen der Raumfahrt schlau machen bzw. gab es einen „Kids-Talk mit Astronaut Matthias Maurer“.

So kann man die FFF-Generation locker überspringen.

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