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Flugbranche „erschreckt“ sich vor der Bahn

Im Bemühen Flugpassagiere auf die Bahn zu ziehen, ist der Bahn ein unglaublicher Paukenschlag gelungen. Alle 280 ICE-Züge bekommen am ersten und letzten Wagen statt einem roten künftig einen grünen Streifen. Da staunt die „böse“ Flugbranche, bei ihrem Bemühen klimafreundlicher zu werden, wie einfach das bei der Bahn geht. Etwas grüne Farbe, „damit man beim Blick auf die Züge erkennt, was aktiver Klimaschutz bei der Bahn bedeutet“, so Bahnchef Richard Lutz.

Auf den Spuren des „grünen Bandes der Sympathie“

Warum es keinen durchgehenden grünen Streifen gibt, wurde nicht erläutert. Vielleicht war in den Köpfen von Bahn und deren Agentur noch zu stark das „grüne Band der Sympathie“ parat. Was aus diesem Unternehmen wurde, ist bekannt. Diesem Spott wollte man aus dem Weg gehen.

Andererseits ist der Teilstreifen auch Sinnbild, dass bei der Bahn nicht durchgehend 100 Prozent Ökostrom verwendet wird. Was durch die Oberleitungen fließt ist zu circa 40 Prozent immer noch der übliche Mix aus Kohle, Gas und Atomstrom. Diese Mischung tanken übrigens auch die so umweltfreundlichen Elektroautos. Immer wenn so ein E-Mobil leise an mir vorbeifährt, muss ich unwillkürlich denken, da wird gerade mit (Teil-)Strom aus Kohlekraftwerken gefahren.

Wie auch immer, zum Großereignis grüner (Teil-)Streifen, ist dann sogar der Bahnbeauftragte der Bundesregierung, Enak Ferlemann, herbeigeeilt um sich zusammen mit Bahnchef Lutz neben dem grünen Streifen fotografieren zu lassen. Dadurch wurde deutlich, was Bundesregierung und Bahn gleichermaßen beherrschen: Symbolpolitik.

Würde mich nicht wundern, wenn demnächst auch einige Automobilfirmen ihre SUVs mit grünem Streifen auf den Markt bringen würden.

Bahn auf Jahre für die Flugbranche keine Konkurrenz

Insofern dürfte sich der Schreck bei Lufthansa und Co. ziemlich schnell wieder gelegt haben. Bis die Bahn ernsthaft zum Konkurrenten wird, werden noch Jahre vergehen. Aber beim Thema Symbolpolitik wird sich Lufthansa Chef Carsten Spohr vielleicht doch ein wenig ärgern. Nicht für alle verständlich wurde vor einiger Zeit die Farbe Gelb im Logo der LH in Blau getauscht. Ich war sogar sehr ärgerlich („Ich will mein Lufthansa Gelb wieder haben“). Was wäre das für ein Öko-Knaller wenn die Lufthansa jetzt das Gelb gegen Grün austauschen würde.

Aber, um der Wahrheit die Ehre zu geben, so ganz unbedarft in Öko-Symbolpolitik ist Lufthansa letztlich doch nicht. Diese Überschrift hätte eigentlich auch ein grünes Band verdient gehabt: „Lufthansa bietet Kunden Öko-Kerosin als CO2-Kompensation an“. Und im Text dann: „Über eine neue Lufthansa-Plattform können Passagiere ihren Kerosin-Verbrauch eins zu eins durch synthetische Kraftstoffe ersetzen“. Wie bitte, habe ich da eine Entwicklung beim Kerosin verpasst?

Da haut Lufthansa Innovation Hub etwas stark auf die Pauke. Gut, dieser Name verpflichtet zu liefern, auch wenn nicht so viel dahinter ist. Über die Plattform „Compensaid“ hat der Passagier die Möglichkeit, die für seinen Flug benötigte (Teil-)Kerosinmenge aus CO2-neutralen synthetischen Kraftstoffen einzukaufen.

Gibt es diesen Treibstoff schon zu kaufen? Gute Nachricht, es gibt ihn schon. Schlechte Nachricht, er kann kaum mehr als in „homöopathischen“ Dosen geliefert werden. Man kompensiert also mit einem Treibstoff, den es kaum gibt.

Immerhin verfliegt Lufthansa dieses Kerosin das ich jetzt „kompensiert“ habe, später auf einem Flug „zusätzlich“. Laut LH-Pressemitteilung passiert das irgendwann (bis zu sechs Monaten). Noch verschwobelter kann man es wohl kaum ausdrücken.

Viel kann das nicht bringen. Für mich riecht das nach Verdummung, höflich ausgedrückt könnte man sagen, da ist viel Dialektik in der Meldung. Es ist letztlich egal ob irgendwann ein „ paar Tropfen“ dieses synthetischen Treibstoff beigemischt  werden oder ob in ferner Zukunft, Flugzeuge komplett damit betankt werden können, wenn es diesen Treibstoff mal in ausreichenden Mengen geben sollte. Was mein aktueller Flug an CO2 aber wirklich verballert hat, wird dadurch nicht ausgeglichen.

Menschen, die auf dieses Zukunftsgeschäft eingehen, denken bestimmt auch darüber nach, sich nach dem Tod einfrieren und später auftauen zu lassen.

 

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