Person | Interviews | Vorträge | Veröffentlichungen | Kontakt

Ganz oben Ganz unten

Das war die Buchvorstellung der Woche. Ex-Bundespräsident Christian Wulff präsentierte seine Abrechnung „Ganz oben Ganz unten“. Im Mittelpunkt der Berichterstattung darüber stand seine (offensichtlich „nichts dazu gelernt“) Feststellung: Ich wäre heute noch der Richtige im Amt.

Dieser Satz hat einige Manager dazu verleitet nun mit „ihren“ Büchern auf den Markt zu kommen.

Hartmut Mehdorn: „Tausendmal probiert, nie hat was funktioniert“. Mehdorn beschreibt seine Berufsstationen Heidelberger Druckmaschinen, Deutsche Bahn AG und Air Berlin. Dabei kommt er zur Feststellung: „Ich wäre überall noch der Richtige im Job“. Anmerkung der BBBs: Mehdorn ist wirklich genial. Auf die Frage, bis wann er nun einen Eröffnungstermin nennen würde, verkündete er die „Ankündigung einer Ankündigung“. Konkret, er kündigte an, dass er Ende des Jahres ankündigen wird, wann eröffnet wird. Und diese „Ankündigung einer Ankündigung“ schaffte es in alle Gazetten. Damit weiß Wowereit auch schon, was er von Mehdorn zu Weihnachten geschenkt bekommt: Eine Ankündigung.

Das hat den früheren Flughafenchef Rainer Schwarz nicht ruhen lassen. Er stellte sein Buch „Fast fertig Nie fertig“ vor. Dabei kommt er (nicht) überraschend zum Schluss, dass er immer noch „der Richtige im Job sei“. Immerhin habe er es bereits schon einmal zu einer Ankündigung geschafft. Und so lange nichts auf die Reihe gebracht wie die aktuell Verantwortlichen, das hätte er allemal hinbekommen.

Dass Chefwechsel auch meistens Strategiewechsel sind, zeigt Lufthansa in ihrem neuen Jahresbuch „Ganz Dividende Ganz Gewinnwarnung“. Die BBBs haben keine Ahnung wie man die beiden Begriffe verwechseln kann, aber jetzt ist insbesondere aus Aktionärssicht die Frage offen: wer war/ist der Richtige im Amt?

Sollte Thomas Middelhoff jemals seine Memoiren schreiben, könnte der Titel lauten: „Vom Hubschrauber zum Kuckuck“. Beide können theoretisch fliegen. Während Middelhoff mit dem Hubschrauber morgens auf dem Weg zum Büro die Autobahnstaus überflog (wie genial), ist „sein“ Kuckuck leider nicht flugfähig. Seit einige Gerichtsvollzieher erkannt haben, dass Middelhoff zur Zeit regelmäßig im Gericht in Essen anwesend sein muss, stehen sie dort Schlange um zu pfänden. Just for Info: Die letzte Taschenpfändung bei Middelhoff ergab nur 70 Euro. Da es in Deutschland zur Zeit ca. 5.000 Gerichtsvollzieher gibt, könnten ihm noch viele nicht flugfähige Kuckucke trotzdem „entgegen flattern“.

Auch ein anderer ehemaliger Stammkunde bei den BBBs, Peter Ramsauer, bereitet gerade sein Buch „Anglizismen ja, Anglizismen nein“ vor. Während Ramsauer früher ein erbitterter Gegner von Anglizismen war (in seinem Ministerium wurde aus Laptop Klapprechner und aus Flipchart Tafelschreibblöcke), überraschte er jetzt in einem Interview, in dem er meinte, Deutschland würde bei bestimmten Exportgütern weltweit abgehängt, mit dem Begriff „Defence-Systeme“. Auf die Nachfrage einer Journalistin warum er hierbei nicht von Rüstungsgütern spreche antwortete er: „Ich benutze ungern Anglizismen, aber in diesem Fall ist mir das Wort Rüstungsgüter zu aggressiv“.
Absolut richtig, das ist doch ein ganz anderes Lebensgefühl ob ein Demonstrant in Saudi-Arabien beispielsweise, einem Defence-System oder einem Panzer gegenübersteht.

Zum Abschluss noch eine durchaus freundliche Bucherscheinung: Jürgen Büchy präsentiert seine Memoiren mit „Ganz Präsident (in Berlin) Ganz Weinbauer (in Kroatien)“. Dabei kommt er zu einer (überraschenden?) Feststellung: „Soviel Wein kann ich in Kroatien garnicht anbauen, wie man als DRV-Präsident in Berlin trinken möchte (müsste)“.

Ihr Feedback, Ihre Anregungen, Ihre Meinung ist gern gesehen. (hier klicken)