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Hurra, die Flugpreise steigen.

Hurra, die Flugpreise steigen!

Air Berlin ist vom Markt verschwunden, die Preise steigen. Auch das Kartellamt interessiert sich inzwischen dafür. Aber ich habe die wahren Schuldigen bereits ausgemacht: Es sind die bösen Algorithmen.

Ich freue mich über jede aktuelle Preiserhöhung bei Lufthansa. Zugegeben, dieses Postulat ist etwas von Häme geprägt. Häme all jenen gegenüber, denen die Zerschlagung der ehemals zweitgrößten deutschen Fluggesellschaft Air Berlin nicht schnell genug gehen konnte.

Häme auch jenen Politikern gegenüber, die voller Vorfreude den nationalen Champion Lufthansa ausriefen – allen voran der damalige Bundesverkehrsonkel Alexander Dobrindt (CSU). Überhaupt sind Politiker schnell dabei, nicht unnötig über solche Probleme nachzudenken. Getreu dem Motto: „Der Markt wird es doch ohnehin regeln.“

Und genau das macht er jetzt, der Markt, er regelt die Engpässe über einen höheren Preis. Toll, unsere Marktwirtschaft funktioniert.

Einige hoffen auf die EU

Ich wundere mich auch über einen Großteil der Mainstream-Medien, die jetzt die höheren Flugpreise anprangern. Eine bekannte Münchner Tageszeitung jammerte schon in der Überschrift: „Selten war Fliegen vor Weihnachten so teuer.“ Fehlte nur noch der Zusatz: „Die Weihnachtsgeschenke werden auch kleiner.“

Ein paar ganz Schlaue hoffen jetzt auf die europäische Kartellaufsicht. „Die sollen jetzt ganz genau prüfen, auch wenn es länger dauern sollte“, hört man hoffnungsvoll immer wieder. Leider steht ein Großteil der von Lufthansa zu übernehmenden Air-Berlin-Flugzeuge auf dem Rollfeld des BER, der damit zumindest jetzt den Anschein erweckt, er sei ein Flughafen (doch Vorsicht: Er ist nur ein Flugzeug-Abstellhafen).

Staatsfeind Algorithmus

Aber liebe Kartellfreunde, je länger diese Prüfung dauert, desto länger fehlen die Air-Berlin-Flugzeuge im Kranich-Netz. Die Preiserhöhungen resultieren ja nicht nur aus der Erhöhung der Nachfrage, weil ein Anbieter fehlt, sondern auch, weil schlicht die entsprechende Flugkapazität fehlt.

„Natürlich sind nicht Herr Spohr und seine Verkaufsmitarbeiter“ an der aktuellen „Abzocke“ der Fluggäste schuld, es sind vielmehr „die Algorithmen, die dem Buchungssystem zugrunde liegen“. Denn diese Algorithmen reagieren ganz einfach: „Ein Flug läuft schnell voll, also sofort die Preise erhöhen“.

Da haben wir den Täter – willkommen in der schönen Welt 4.0 (oder welche Zahl wir dahinter schreiben wollen). Aber auch für das dritte Ärgernis ist der Computer verantwortlich. Es müssen zur Zeit mehr Passagiere am Gate wegen Überbuchung zurückbleiben.

Verwunderte Stammkunden

Warum? Der Algorithmus ist von den No-Show-Raten der Vergangenheit bestimmt. Aber auf Grund der bekannten Kapazitätsengpässe stimmt diese Quote aktuell nicht. Der Algorithmus wird sich natürlich selbst lernend auf die neue Situation einstellen; die Frage ist, nur wie lange er dazu braucht …

Natürlich trifft das nicht nur ehemalige Air-Berlin-Fluggäste, die jetzt teurer fliegen müssen, sondern auch Lufthansa-Stammkunden. Die wundern sich plötzlich, dass bei ihrem Stammflug, bei gleichbleibender Buchungsgewohnheit, der Flug teurer ist. Vor dem Algorithmus sind eben alle gleich.

Das trifft natürlich nicht nur bei Lufthansa zu, sondern auch bei Easyjet und allen anderen. Apropos. Sehr interessant zu beobachten, wie Easyjet in Berlin mit der Anwerbung von neuer Crew seriös umgeht. Also Eurowings, da Ihr immer drastisch die Kosten senken wollt, um auf das Niveau eurer Billigflug-Konkurrenten zu kommen, ihr dürft euch gern mal auch in die andere Richtung anpassen.

Dieser Beitrag erschien auch am 23.11. als „die Born-Ansage“ bei airliners.de

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