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Können Flüsse rückwärts fließen?

Liebe Leserinnen und Leser der Bissigen Bemerkungen, um diese Überschrift zu verstehen, muss hier leider auf die Bissigen Bemerkungen vom 4.9.2006 („Endlich das Richtige tun, nachdem man zulange das Falsche probiert hat“) verwiesen werden. In diesen Bissigen Bemerkungen wurde berichtet, dass der bisherige Chefcontroller der TUI, Sebastian E., das Unternehmen verlässt. Gegen Ende dieser BBB wurde dann (mit der Entschuldigung, „eigentlich ist es nicht die Art der BBB zu personalisieren“) einige Un-Freundlichkeiten im Nachklappern zu dieser Entscheidung angeführt. Und dann stand dort, jetzt kommen wir zur Sache:
Zitat:
„Vor 6 Jahren erzählte ein Freund dem Autor der BBBs folgende Parabel:
Einem alten Indianer war von einigen Feinden Böses widerfahren und so saß er tagtäglich am Fluss. Auf die Frage was er da mache, antwortete er: „Ich warte bis auch die Leiche meines letzten Feindes hier am Fluss an mir vorüber treibt“.
Eines Tages stand er auf und ging zufrieden nach Hause.“

Und jetzt die dazu passende neue Meldung. Der künftige CEO der TUI AG, Friedrich Joussen, hat seinen bisherigen Vodafone-Mitarbeiter Sebastian E. als „Operating Performance Director“ zur TUI nachgeholt. Und so sieht man den alten Indianer wieder am Fluss sitzen und er wundert sich, wieso Flüsse rückwärts fließen können.

Bleiben wir beim Thema TUI (wir haben schon lange nicht mehr über TUI geschrieben). Bei TUI Deutschland sollen künftig öfters Führungskräfte „auf echte Kunden losgelassen“ werden. Das liest sich auf den ersten Augenblick ganz gut. Aber die Bissigen Bemerkungen, als „ewiger Anwalt der Kunden“, stellen sich folgende Frage: Wenn man seine Kunden wirklich liebt, darf man sie dann mit „Amateuren in der Dienstleistung“ konfrontieren?
Damit erscheint der Markencheck der TUI plötzlich in einem überraschenden Licht. Vielleicht standen ausgerechnet am Testtag den Testern der ARD „Führungskräfte im Front-Test“ gegenüber.

Aber ernsthaft, egal wie fair der Test (nach Meinung der TUI) war, man kann auch wesentlich souveräner auf eine solche Sendung reagieren. So mag zum Beispiel der Hinweis, dass die Baustellen-Information erst kurz vor Buchungsabschluss obligatorisch erfolgt, zwar sachlich richtig sein. „Positiv lernend“ wäre gewesen, wenn man erklärt hätte, dass künftig dieser Hinweis früher im Beratungsgespräch erfolgen wird. Was unzweifelhaft auch sinnvoller wäre. Warum erst das ganze Beratungsgespräch führen lassen, wenn zum Schluss der Baustellen-Hinweis für den Kunden zum K.O.-Kriterium werden kann. Dann war das ganze Gespräch vergebens.

Dazu passt dann auch eine Bemerkung, die u.a. in den oben zitierten Bissigen Bemerkungen vom 4.9.2006 über den damaligen Chefcontroller, gemacht wurde: „Wenn man glaubt durch Senkung des Leistungsniveaus auf das der Konkurrenten Kosten sparen zu können, aber trotzdem weiterhin von einem Premiumzuschlag träumt, dann ist man auch ein Träumer“.

Bleibt noch die nächste Hauptversammlung der TUI AG. Es soll eine kräftige Aufbesserung der Aufsichtsratsbezüge geben, aber wiederum keine Tantieme für die Aktionäre. Das muss doch einen Aufstand in der Sitzung geben. Dabei waren sich die BBBs sicher, dass es zum Abschluss der „Frenzel-Zeit“ mal wieder Tantieme geben sollte. Stimmt das Gerücht, das habe man sich für die erste Hauptversammlung des „neuen CEO“ aufgehoben? Politik statt Tantieme?

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