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Lauda lässt die Maske fallen, and the winner is: Ryanair

Was war das für ein letztes Vierteljahr in der Fliegerei als es um Niki, dem vermeintlichen Filetstück aus der Air Berlin-Pleite ging. Ein Vierteljahr im Wechselbad von Versprechungen und Schwindeleien. Aber der größte Knaller kam zum Schluss. Zum Glück noch vor dem 1. April, sonst hätte man es für einen Aprilscherz gehalten.

Billigflieger Ryanair steigt bei Niki Laudas Airline Lauda Motion ein. Im ersten Schritt kauft die irische Airline 24,9 Prozent und will so schnell wie möglich mit 75 Prozent die Mehrheit übernehmen. Ryanair will für die 75 Prozent circa 50 Millionen Euro zahlen und weitere 50 Millionen Euro für Betriebskosten zur Verfügung stellen. Ein tolles Geschäft für Lauda.

Airline-Händler Niki Lauda

Ich selbst war im Januar noch der Meinung, dass Niki Lauda gar nicht „seine“ Airline Niki wieder haben will, weil er nie 50 Millionen Euro eigenes Geld für den Wiedergewinn von Niki zahlen würde. Aber was er jetzt gemacht hat, ist natürlich finanziell noch wesentlich ausgekochter.

Kaufe eine Airline und verkaufe sie gleich wieder, noch bevor sie richtig fliegt und mache einen Riesenreibach. Lauda bekommt spätestens wenn der 75-Prozent-Deal durch ist, sein Geld wieder und hat immer noch 25 Prozent. Für diese 25 Prozent wird er später noch mal einen Batzen Geld kassieren. Lauda als Ösi-Wöhrl.

Und von diesem Geld fließt nichts in die Insolvenzmasse, sondern alles in die Tasche von Lauda. Lauda „ich habe noch nie eine Airline im Stich gelassen“, aber zumindest immer teuer verkauft. Mit dem ratenweisen Verkauf von Niki an Air Berlin verlief es ähnlich.

Versprechen gebrochen

Lauda Motion als Full-Service-Airline, Catering vom Edelanbieter Do & Co, 1000 Verträge für Niki-Mitarbeiter, fast alle vollmundigen Zusagen wurden im Laufe von Tagen wieder einkassiert. Lauda will doch auf Leiharbeit zurückgreifen, Leiharbeitsfirmen wurden hierfür gegründet. Natürlich soll das Kabinenpersonal statt Putztrupps die Flugzeuge reinigen.

Lauda im echten Trump-Speech: „Da wir wachsen wollen und müssen, will ich noch attraktivere Arbeitsplätze bieten als andere.“ Er will einen Vorschlag machen, der schon zum 1. April umgesetzt werden könnte. Toll, wenn der 1. April nicht der 1. April wäre.

Lauda ist eben Lauda und bleibt Lauda. Auch das ist Kontinuität.

Ich glaube nicht, dass Niki Lauda als Strohmann für Ryanair tätig war. Er hat auf eigene Rechnung gepokert und war sich sicher, am Ende des Tages die besten Karten zu haben. Am Mittwoch war ein Bild bei airliners.de zu sehen, Michael (O’Leary) küsst Niki (Lauda). Es hätte auch umgekehrt sein können. Zwei kongeniale Partner haben sich gefunden.

Lauda will auch unabhängig von Ryanair weiter für Lufthansa fliegen. Muss man jetzt selbst das Undenkbare denken? Lufthansa und Ryanair in Absprache. Küsst O’Leary demnächst Spohr?

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Dieser Text erschien auch am 29.3.2018 als „Born-Ansage“ in airliners.de

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