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Klima und Flugreisen

„Klima und Flugreisen“
SWR-Radio, 4.11.2019

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Flucht nach vorn in den Weltraumbahnhof

Altbewährter Politikertrick, wenn es mit dem Tagesgeschäft nicht so richtig vorangeht, dann entweder größere Flug-Auslandsreise machen oder spektakuläres Zukunftsprojekt ankündigen. Das weiß auch unser Wirtschaftsminister Altmaier oder zumindest seine Berater.

Mit Flug-Auslandsreisen hat Altmaier nicht so gute Erfahrungen. Entweder rückt Merkel ihre Flieger nicht raus, weil sie gerade selbst eine Reise plant oder eine A340 fällt aus, weil Mäuse auf Bali ziemliches Unheil anrichteten. Altmaier machte auch schon gute Miene zum bösen Spiel, als er mit großer Delegation in einer gecharterter Boeing 737-400 nach Ankara flog. Diese Bescheidenheit machte zwar bei seiner Delegation einen guten Eindruck, aber bei Altmaiers Statur, ist Holzklasse nicht das was er sich regelmäßig wünscht.

Also ist „Variante Zwei“ angesagt und da kam auf dem „Weltraumkongress des BDI“, den gab es tatsächlich, die Forderung an die Bundesregierung sich in der Raumfahrt stärker zu engagieren. Das war die Steilvorlage für Peter Altmaier und plötzlich ist er großer Fan eines deutschen Weltraumbahnhofs. Wie bitte?

Keine Frage, bei Zukunftstechnologien sind deutsche Forscher und deutsche Firmen auch in der Raumfahrt sehr weit vorne dabei, verfügen über echte weltweite Kernkompetenz, solange es um die Entwicklung neuer Technik geht.

Deutscher Weltraumbahnhof in Rostock-Laage

Aber bei Umsetzung in kommerzielle Projekte sieht es auf Seiten der Politik nicht so gut aus. Nehmen wir das Wort Weltraumbahnhof mal auseinander, muss man ehrlich sagen ist diese Regierung weder flug- noch bahnaffin. BER und Stuttgart 21 lassen grüßen. Und diese Projekte wurden noch in der „guten alten Zeit“ geplant. Aber heute einen Weltraumbahnhof planen. Da genügt eine Fledermaus und das war`s dann.

Rostock-Laage ist zumindest nach erstem Bekunden der Favorit. Die Landesregierung ist begeistert. Der Landkreis ist an Planungen für Ansiedlungen für Unternehmen aus der Luft- und Raumfahrt beteiligt. Die Flughafenchefin kennt zwei konkrete Projekte, will aber nichts sagen. Nur der größte der jetzigen Gesellschafter, die Hansestadt Rostock, würde gerne was sagen, weiß aber noch von nichts. Die ersten „kleinen“ Irritationen gibt es schon.

Schauen wir mal realistisch. Von den zur Zeit aktiven Politiker/-innen wird niemand den Start der ersten Rakete erleben. Weder in ihrer aktiven noch in ihrer inaktiven Zeit danach. Philipp Amthor von der CDU könnte es als Polit-Rentner vielleicht noch schaffen.

Egal, Altmaier ist vorerst fein raus und hat beim BDI und in der Öffentlichkeit gepunktet. Und Altmaier in einer Mondrakete, wie in einer Fotomontage von BILD, muss man sich ohnehin nicht unbedingt vorstellen.

Was wir aber echt gut können ist „Flug besteuern“. Würde mich nicht wundern, wenn es im Finanzministerium nicht schon eine Arbeitsgruppe „Luftverkehrssteuer für Raumfahrzeuge“ geben würde. Oder über eine richtige Bahnhofsteuer nachgedacht würde, wie früher die Bahnsteigkarte.

Deutschland fliegt per Anhalter durch die Galaxis

Von mir nicht erwartet, zeigte der BDI-Präsident Professor Dieter Kempf bei der Eröffnung des Kongresses besonderen Humor mit einem Handtuch „Keine Panik“. Er spielte damit nicht auf Udo Lindenberg an, sondern auf den Weltraumklassiker von Douglas Adams „Per Anhalter durch die Galaxis“.

Er hat es nicht gesagt, aber ich interpretiere es mal so. Als „Anhalter im Weltraumgeschehen“ dabei zu sein, aber eben nur per Anhalter bei den Amerikanern, Russen oder Franzosen, ist bislang noch unsere Paraderolle und wird es noch lange sein.

Übrigens super Idee, auf dem eintägigen Kongress (an einem Freitag!), morgens ein spezielles Programm für „Kids und Yolos“ (siehe Jugendwort des Jahres 2012) anzubieten. Die „Junge Space-Pioniere bei Kaffee und Croissants“ (so im Programm stehend) konnten sich bei echten Zukunftsfirmen der Raumfahrt schlau machen bzw. gab es einen „Kids-Talk mit Astronaut Matthias Maurer“.

So kann man die FFF-Generation locker überspringen.

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Thomas Cook: Erfinder und Bestatter der Pauschalreise

Seit mehr als 175 Jahren gibt es die Pauschalreise. Vor drei Jahren wurde noch Thomas Cook, als Erfinder der Pauschalreise abgefeiert. Überall war die Geschichte von der legendären ersten Pauschalreise im Juli 1841, mit einem gecharterten Zug zu einer Veranstaltung gegen Alkoholmissbrauch, zu lesen. Gelobt sei der legendäre Thomas Cook.

Am 5.7.2016, schrieb ich eine Jubiläums-BBB (5.Juli 1841 – 5. Juli 2016: 175 Jahre Pauschalreise). Jetzt im Nachhinein mutet es wie ein schlechtes Omen an, was ich im 3. Absatz damals geschrieben habe.

Zitat: Neuere Untersuchungen sind aber der Meinung, dass die erste Pauschalreise schon drei Jahre vor 1841 stattgefunden hätte, nämlich zu einer Hinrichtung nach Boldwin. Aber auf diesen früheren Termin bezieht sich die Branche ungern. Logisch, denn viele Beschwerdebriefe von heute würden dann mit Sätzen wie „ich fühlte mich wie bei der ersten Pauschalreise zur Hinrichtung“ beginnen.

Jetzt ist es bittere Wahrheit geworden. Spätestens jetzt wurde die Pauschalreise hingerichtet und nicht vom Online-Geschäft oder dem Verkauf von Reisebausteinen, wie seit Jahrzehnten geunkt. Die haben „nur“ kräftig am Volumen geknabbert. Nein, makabrer geht es nimmer, ausgerechnet unter dem Namen „Thomas Cook“ erfolgt der größte Schlag gegen die Pauschalreise seit ihrer Einführung.

Warum ist die Situation so schlimm? Das Erfolgsgeheimnis der Pauschalreise gegenüber anderen Formen des Angebots, war ihre unbestreitbare Sicherheit. Das war nicht jedem Tourist wichtig, aber für die Anhänger der Pauschalreise oft entscheidend.

So argumentierten die Veranstalter der Pauschalreise über Jahrzehnte hinweg.

Lieber Tourist, wenn du gebucht hast:

  1. Wir bringen Dich garantiert an Dein Urlaubsziel, egal was passiert ist. Auch wenn die Linien-Airlines ein Schild auf den Counter stellten „Flug gestrichen weil“…. wir Veranstalter bringen Dich trotzdem zum Ziel, schlimmstenfalls einen Tag früher oder später.
  2. Wenn Du Im Zielgebiet bist, sorgen wir unbedingt für Deinen Urlaub. Sollte es irgendwie Schwierigkeiten an einem Ort oder einem Hotel geben, buchen wir Dich um.
  3. Wir bringen Dich garantiert wieder nach dem Urlaub zurück. Wiederum mit maximal einem Tag Differenz oder einer anderen Airline, aber Du kannst Dich auf uns verlassen.

Gegen das alles hat Thomas Cook gravierend verstoßen.

> — Trotz bezahlter Reise, Hinflug ersatzlos gestrichen.

> — Trotz bezahlter Reise, Aufenthalt im Hotel nicht gesichert. Besonders bitter, die Hoteliers versuchten sich an den Urlaubern schadlos zu halten, weil Thomas Cook den Reisepreis nicht überwiesen hatte.

> — Trotz bezahlter Reise, viele Urlauber mussten ihren Rückflug selbst bezahlen.

> — Offensichtlich hat Thomas Cook seit Wochen und Monaten Hotel-Rechnungen nicht ordentlich bezahlt. Demnach kann die Pleite nicht überraschend gekommen sein. Ob das justiziabel ist, mögen letztendlich Gerichte entscheiden, eine Schweinerei ist es allemal.

Aber der allergrößte Skandal ist die Deckelung der Versicherungssumme. Wer dem Sicherungsschein traute, der bekanntlich über Jahre hinweg als „das“ Argument pro Pauschalreise dem Kunden verkündet wurde, merkt jetzt, auch mit diesem Argument hat man ihn beschwindelt.

Wenn man dies alles zusammenträgt, wird deutlich, im Moment findet gerade der GAU für den Pauschalreise-Kunde statt. Die einzigen die sich dagegenstemmen sind die Reisebüros.

Riesenaufschrei in der Branche? Durch die großen Verbände DRV und BTW? In der Politik? Alles Fehlanzeige. Und das ist eigentlich die nächste Schweinerei. Die Veranstalter bekommen ihren Teil des Thomas Cook Klientels fast gratis (Aufteilung Air Berlin lässt grüßen), die Verbände waschen ihre Hände in Unschuld. „Konnte man nicht wissen, dass Thomas Cook mal Pleite geht“. Wirklich nicht? Warnungen gab es schon vorher, von einem kleineren Verband. Aber darüber wurde selbstherrlich hinweggelächelt und im Nachhinein wird versucht jene, die darauf aufmerksam gemacht haben totzuschweigen. Klar, sonst wäre ja das eigene Verhalten bloßgestellt.

Und die Politik ist die Geschichte eines Totalversagens. Deckelung der Versicherungssumme? Da hat man auf die Falschen gehört. Selbst während die Pleite von Thomas Cook schon lief, tagte der Tourismusausschuss des Bundestages  und empfand keinen Handlungsbedarf. Dabei besteht immer noch Handlungsbedarf zugunsten der getäuschten und geschädigten Touristen. Und rechtlich raus ist die Politik noch lange nicht.

Aber das war die Krönung schlechthin, da wurde es selbst mir beim Lesen schlecht.

Zitat: Der Tourismusbeauftragte der Bundesregierung informierte sich am 27. September beim DRV über die aktuelle Lage bezüglich Thomas Cook Insolvenz. „Wichtig ist jetzt“, so der Tourismusbeauftragte, „dass die derzeit unterwegs befindlichen Kunden ihren wohlverdienten Urlaub noch genießen können“.

Wie blind oder ignorant muss man sein, um sich so wie Verband und Politik zu verhalten? Besuch ausgerechnet beim DRV, der nie (entgegen den Warnungen) ein Problem mit der Deckelung der Versicherungssumme hatte. „Und wohlverdienter Urlaub im Zielgebiet?“ Liest der Herr Staatssekretär keine Zeitung, wie es den „Urlaubern im Zielgebiet geht“, wenn sie aus den Hotels fliegen oder nicht abreisen dürfen, wenn sie die Hotelrechnung nicht direkt bezahlen.

Ohne jede Chance übrigens das Geld jemals wieder in voller Höhe zu bekommen.

Als jahrelanger engagierter Kämpfer für die Pauschalreise trifft mich diese Entwicklung persönlich sehr tief. Kann und darf es heute tatsächlich das Ende der klassischen Pauschalreise sein oder gibt es doch noch Möglichkeiten. Es wird wohl zu diesem Thema noch einen „Teil zwei“ zu dieser BBB geben müssen. Soll in Kürze folgen.

Andererseits sehe ich gerade, dass der BTW auf seinem 22. Tourismusgipfel am 4. November eine Podiumsdiskussion mit dem Titel: „Wert der Pauschalreise – ein Geschäftsmodell mit Zukunft?“, mit einer „hochinteressanten Zusammensetzung des Podiums“ mit Thomas Bösl, Geschäftsführer rtk, Norbert Fiebig, Präsident des DRV und Boris Raoul, CEO invia Group, angesetzt hat. Da kann ich mich bis dahin ja völlig entspannt zurücklehnen.

 

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Luftverkehrsteuer: Dauer-Wortbruch der Bundesregierung

Es ist schon dreist, wie die Regierung bei der Luftverkehrsteuer permanent etwas anderes macht, als sie zuvor sagt. Neuester Wortbruch: Die Steuer soll um 40 Prozent erhöht werden, aber nicht zugunsten von Forschung und Entwicklung von regenerativen Kraftstoffen, sondern zugunsten der Deutschen Bahn.

Es war von Anfang an verrückt mit dieser Luftverkehrsteuer beziehungsweise Luftverkehrsabgabe, wie sie ursprünglich hieß. Die Regierung beschloss 2010 ein „Sparpaket“ inklusive erstmals einer Luftverkehrsabgabe (wirksam ab 1. Januar 2011).

Das war schon eine Frechheit diese Abgabe unter dieser Überschrift zu firmieren. Denn wer sparte hier? Niemand. Was mein Nachbar wohl sagen würde, wenn ich ihn um eine kleine Nachbarschaftsabgabe bitten würde und das Ganze noch mit der Begründung „ich muss sparen“. Laut „Sparbeschluss“ sollte diese Steuer nur bis 2012 erhoben werden.

Im Gesetz wurde dann die schöne Überschrift „ökologische Luftverkehrsabgabe“ gewählt, dafür war die Begrenzung bis 2012 verschwunden. Obwohl maßgebliche Verkehrspolitiker, inklusive der damalige Verkehrsminister Ramsauer vor einem nationalen Alleingang gewarnt hatten, setzte sich letztlich der damalige Finanzminister Schäuble durch und alle Kritiker stimmten der Abgabe zu.

Die Kämpfe der Politik und das Überlegen von Möglichkeiten

Von da an gab es immer Gerüchte über die Abschaffung dieser Steuer, so zum Beispiel 2012 als Verkehrsminister Ramsauer zu Protokoll gab, „er kämpfe für eine möglichst umfassende Korrektur der Steuer, die eigentlich weg gehöre“. Aber Ramsauer und „kämpfen“ – das hatte ich schon damals nicht ernst genommen.

2014 erklärten einige Fluggesellschaften und Verbände wie stolz sie seien, dass immer mehr Politiker für die Abschaffung der Luftverkehrsteuer seien. So wurde die damalige Staatssekretärin im Verkehrsministerium Katharina Reiche (CDU) mit der Aussage zitiert: „Ja, wir überlegen ein Phasing out“.

Auf Deutsch heißt das aber, wir faseln kompliziert, machen aber garantiert nichts. Die Airlines glaubten ihr und auch noch anderen Verkehrspolitikern der Regierungsparteien, die von schrittweiser Abschaffung sprachen. Nicht mal Trippelschritte sind daraus geworden. Weil in dieser Sache trotz 631 Bundestagsabgeordneten nur Schäuble etwas zu sagen hatte.

Plötzlich verschwunden: Die Überprüfung der Luftverkehrsteuer

In den Entwürfen zum jetzigen Koalitionsvertrag stand, dass die Luftverkehrsteuer überprüft werden sollte. Große Freude allerorten. In der endgültigen Fassung war dieser Satz verschwunden. Angeblich hat keiner der Unterhändler gemerkt, wie er verschwand, er war nur einfach plötzlich weg. Na, sowas.

 

Ganz wie ursprünglich in der „Sparsitzung“ geplant, verschwinden unverändert zuletzt 1,2 Milliarden Euro im allgemeinen Staatshaushalt, für eine Steuer, die weder gerecht noch wettbewerbsneutral und schon gar nicht auf eine ökologische Steuerung ausgerichtet ist.

Aber in diesem Jahr, auf der Nationalen Luftfahrtkonferenz im August in Leipzig, kam plötzlich Hoffnung auf. Verkehrsminister Andreas Scheuer sprach sich öffentlich für eine Zweckbindung der Luftverkehrsteuer aus.

Das Aufkommen aus der Luftverkehrsteuer soll vergrößert werden (Umschreibung von Erhöhung), um mehr Mittel zur Erforschung und Entwicklung klimafreundlicher Innovationen bereitstellen zu können. Und er fand auf dieser Konferenz fast kein Ende, immer wieder zu betonen „wir setzen uns dafür ein, dass die Einnahmen der Luftverkehrsteuer für Forschung, Innovation und Klimaziele genutzt werden“.

Ergebnis: Plus 40 Prozent

Und Kanzlerin Merkel war auf derselben Konferenz in ihrer Begeisterung für das Thema Flugverkehr kaum zu bremsen. „Deutschland soll Vorreiter für klimaverträgliches Fliegen werden“, „neue Technologien sind auch eine wirtschaftliche Chance“, „die Innovations- und Wettbewerbsfähigkeit des Luftfahrtstandortes Deutschland müsse gestärkt werden“ und besonders schön „wir wollen keine erzwungene Einschränkung unserer Mobilität, wir wollen Fortschritt und Effizienz“.

Ergebnis: Die Luftverkehrsteuer wird um 40 Prozent erhöht, kein Cent der gesamten Luftverkehrssteuer bleibt beim Luftverkehr für Forschungen zu regenerativem Treibstoff.

Worauf kann man sich verlassen? Auf den permanenten Wortbruch der Regierung in Sachen Luftverkehrsteuer. Die oben zitierte Nationale Luftfahrtkonferenz fand am 21.August in Leipzig statt, der zitierte Kabinettsbeschluss am 9. Oktober 2019. Das ist neuer Rekord für einen Wortbruch.

Warum ist die Branche so schwach, um dies alles zu akzeptieren?

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Condor, die letzten Gallier im Thomas Cook-Konzern

Vor mehr als 175 Jahren gründete Thomas Cook in Großbritannien sein touristisches Reich. Die Idee, die seinem Reich zugrunde lag, war größer als sein Reich selbst und machte bald weltweit Schule. Dementsprechend wurde auch nach und nach das TC-Reich größer, Skandinavien und Deutschland kamen beispielsweise hinzu.

Condor wurde vor mehr als 60 Jahren gegründet. Bei allem Spirit, der dieser Gesellschaft schon immer eigen war, mit ihren Gesellschaftern hatte sie selten Glück. Lufthansa liierte sie zwangsweise mit Neckermann. Die zwei passten nie wirklich zusammen. Aber das ist bei Zwangsheiraten leider öfters so.

Abhängige haben wenig Mitspracherecht

Dass Condor irgendwann später in Thomas Cook aufging, war auch keine gewollte Entscheidung. Aber wenn man abhängig ist, wird man nicht gefragt.

Einer der vielen temporären Stammesfürsten von Thomas Cook, Stefan Pichler, nahm dann 2002 Condor auch noch den Namen weg. Das war die höchste Form der Erniedrigung. Da erwachte aber erstmals die voll Widerstandskraft von Condor. Nicht mit uns! Zwei Jahre brauchte Thomas Cook bis „Condor wieder Condor hieß“. Ein teurer Marketing Flop.

2008 ein neuer Anlauf von Thomas Cook, Condor „los zu werden“. „Asset light“ hieß inzwischen eines von vielen Schlagwörtern, die bei den „Cookies“ schnell auf- und genauso schnell wieder verblühten. In Wirklichkeit war man schon damals mit dem Geld klamm und wollte für Condor viel Geld kassieren. Zuviel.

Aber jetzt wurde es wirklich ernst, todernst könnte man sagen. Plötzlich, aber letztlich nicht unerwartet, stand er, der Tod, vor der Tür von Thomas Cook. Ganz Thomas Cook ist vorm Untergang bedroht. Ganz Thomas Cook?

Ganz Thomas Cook? Nein!

Nicht ganz, die alte Story der Gallier, die als Letzte Widerstand leisteten, x-mal im Verlauf der weiteren Geschichte zitiert, lebt auf. Die Gallier heißen jetzt Condorianer und das gallische Dorf liegt in Kelsterbach und sie wollen nicht mit dem Thomas Cook-Reich untergehen.

El Condor pasa? Noch ist das Ende nicht erzählt. Aber es wird ein harter Kampf werden.

Asterix, Obelix, Miraculix, wie immer auch Euer Klarname heißt, ihr habt noch eine Chance.

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Flugbranche „erschreckt“ sich vor der Bahn

Im Bemühen Flugpassagiere auf die Bahn zu ziehen, ist der Bahn ein unglaublicher Paukenschlag gelungen. Alle 280 ICE-Züge bekommen am ersten und letzten Wagen statt einem roten künftig einen grünen Streifen. Da staunt die „böse“ Flugbranche, bei ihrem Bemühen klimafreundlicher zu werden, wie einfach das bei der Bahn geht. Etwas grüne Farbe, „damit man beim Blick auf die Züge erkennt, was aktiver Klimaschutz bei der Bahn bedeutet“, so Bahnchef Richard Lutz.

Auf den Spuren des „grünen Bandes der Sympathie“

Warum es keinen durchgehenden grünen Streifen gibt, wurde nicht erläutert. Vielleicht war in den Köpfen von Bahn und deren Agentur noch zu stark das „grüne Band der Sympathie“ parat. Was aus diesem Unternehmen wurde, ist bekannt. Diesem Spott wollte man aus dem Weg gehen.

Andererseits ist der Teilstreifen auch Sinnbild, dass bei der Bahn nicht durchgehend 100 Prozent Ökostrom verwendet wird. Was durch die Oberleitungen fließt ist zu circa 40 Prozent immer noch der übliche Mix aus Kohle, Gas und Atomstrom. Diese Mischung tanken übrigens auch die so umweltfreundlichen Elektroautos. Immer wenn so ein E-Mobil leise an mir vorbeifährt, muss ich unwillkürlich denken, da wird gerade mit (Teil-)Strom aus Kohlekraftwerken gefahren.

Wie auch immer, zum Großereignis grüner (Teil-)Streifen, ist dann sogar der Bahnbeauftragte der Bundesregierung, Enak Ferlemann, herbeigeeilt um sich zusammen mit Bahnchef Lutz neben dem grünen Streifen fotografieren zu lassen. Dadurch wurde deutlich, was Bundesregierung und Bahn gleichermaßen beherrschen: Symbolpolitik.

Würde mich nicht wundern, wenn demnächst auch einige Automobilfirmen ihre SUVs mit grünem Streifen auf den Markt bringen würden.

Bahn auf Jahre für die Flugbranche keine Konkurrenz

Insofern dürfte sich der Schreck bei Lufthansa und Co. ziemlich schnell wieder gelegt haben. Bis die Bahn ernsthaft zum Konkurrenten wird, werden noch Jahre vergehen. Aber beim Thema Symbolpolitik wird sich Lufthansa Chef Carsten Spohr vielleicht doch ein wenig ärgern. Nicht für alle verständlich wurde vor einiger Zeit die Farbe Gelb im Logo der LH in Blau getauscht. Ich war sogar sehr ärgerlich („Ich will mein Lufthansa Gelb wieder haben“). Was wäre das für ein Öko-Knaller wenn die Lufthansa jetzt das Gelb gegen Grün austauschen würde.

Aber, um der Wahrheit die Ehre zu geben, so ganz unbedarft in Öko-Symbolpolitik ist Lufthansa letztlich doch nicht. Diese Überschrift hätte eigentlich auch ein grünes Band verdient gehabt: „Lufthansa bietet Kunden Öko-Kerosin als CO2-Kompensation an“. Und im Text dann: „Über eine neue Lufthansa-Plattform können Passagiere ihren Kerosin-Verbrauch eins zu eins durch synthetische Kraftstoffe ersetzen“. Wie bitte, habe ich da eine Entwicklung beim Kerosin verpasst?

Da haut Lufthansa Innovation Hub etwas stark auf die Pauke. Gut, dieser Name verpflichtet zu liefern, auch wenn nicht so viel dahinter ist. Über die Plattform „Compensaid“ hat der Passagier die Möglichkeit, die für seinen Flug benötigte (Teil-)Kerosinmenge aus CO2-neutralen synthetischen Kraftstoffen einzukaufen.

Gibt es diesen Treibstoff schon zu kaufen? Gute Nachricht, es gibt ihn schon. Schlechte Nachricht, er kann kaum mehr als in „homöopathischen“ Dosen geliefert werden. Man kompensiert also mit einem Treibstoff, den es kaum gibt.

Immerhin verfliegt Lufthansa dieses Kerosin das ich jetzt „kompensiert“ habe, später auf einem Flug „zusätzlich“. Laut LH-Pressemitteilung passiert das irgendwann (bis zu sechs Monaten). Noch verschwobelter kann man es wohl kaum ausdrücken.

Viel kann das nicht bringen. Für mich riecht das nach Verdummung, höflich ausgedrückt könnte man sagen, da ist viel Dialektik in der Meldung. Es ist letztlich egal ob irgendwann ein „ paar Tropfen“ dieses synthetischen Treibstoff beigemischt  werden oder ob in ferner Zukunft, Flugzeuge komplett damit betankt werden können, wenn es diesen Treibstoff mal in ausreichenden Mengen geben sollte. Was mein aktueller Flug an CO2 aber wirklich verballert hat, wird dadurch nicht ausgeglichen.

Menschen, die auf dieses Zukunftsgeschäft eingehen, denken bestimmt auch darüber nach, sich nach dem Tod einfrieren und später auftauen zu lassen.

 

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Der Spucktüten-Spar-Hammer

Das ist wieder so eine typische Eurowings-Ausrede. Man spart an einem lächerlichen Punkt, begründet das aber mit einer Mega-Ausrede, die „fast immer“ zieht: Umweltschutz.

Jetzt macht mal halblang.

Wie muss man sich eine Management-Sitzung bei Eurowings vorstellen? Da schlägt der Controller als Reaktion auf den Spohrschen-Ergebnisdruck die xte Sparmaßnahme vor: Abschaffung der Spucktüten in den Eurowings-Flugzeugen.

Erstaunlich, dass nicht alle vor Lachen zusammengebrochen sind ob dieses gigantischen Sparvolumens. Einwand eines Sitzungsteilnehmers: „Aber wenn doch mal jemand?“

Neue Entscheidung, schaffen wir nicht alle Tüten ab, für den Notfall genügt eine pro Sitzreihe. Sharing Economy ist das Schlagwort, drei teilen sich eine Tüte.

Die Erfahrung sagt, inkonsequente Entscheidungen sind immer die schlechtesten. Sie haben aber einen Vorteil, das unliebsame Thema ist vom Tisch.

Wie sag ich’s der Presse?

Fast. Dann meldet sich jemand aus der Unternehmenskommunikation: „Wie erkläre ich diese Sparmaßnahme draußen der Presse. Die schreibt doch gleich, jetzt spart Eurowings auch noch an den K…tüten.“

Da legt jemand einen Zeitungsartikel mit der Überschrift „Airlines müssen umweltbewusster werden“ auf den Tisch. Spätestens jetzt hat das Top-Management die Lösung: „Wir sparen nicht, wir werden nur umweltbewusster.“ Genau dafür hat man Topmanager. Sofort läuft die Presseabteilung zur Hochform auf: „Sehr gut, wir machen ’no sickness bags for future!'“

Jemand aus dem High-Potential-Programm, der ausnahmsweise mal als Gast an einer Managementsitzung teilnehmen durfte, schlug vor, die Spucktüte immer dem Mittelsitz zuzuordnen und diesen ab sofort mit einem kleinen Preisaufschlag anzubieten. Dieser Vorschlag, obwohl er der Denkweise eines Billigfliegers perfekt entsprach, wurde nicht weiterverfolgt, weil die Idee nicht aus dem Management kam.

Offensichtlich hatten bei diesem schicksalhaften Meeting Kabinen- und Marketingvertreter Urlaub oder waren zur Konzernabstimmung bei der „Hansa“.

An der Praxis vorbeigedacht

Wäre Marketing in der Sitzung gewesen, hätte es bestimmt gewusst: „Hier geht es immer nur um Kostensparen. Wenn wir die Tüten mit einem Werbeaufdruck versehen, bringt das mehr Geld in die Kasse, als wir Kosten durch diese fragwürdige Entscheidung sparen.“

Wäre die Kabine anwesend gewesen, hätte sie auf die praktischen Probleme aufmerksam gemacht. Es ist richtig, dass in den Tüten auch Kaugummis und anderer Müll entsorgt wird. Wo kommen die Kaugummis jetzt hin? Unter den Sitz?

Und eine Tüte pro Reihe, das wird konkret bedeuten, der erste, der in die Reihe kommt, krallt sich gleich die Tüte, egal ob sie seinem Sitz zugeordnet ist oder nicht. Da haben wir in der Kabine schon Streit zu schlichten, bevor wir überhaupt losfliegen. Weit an der Praxis vorbeigedacht.

Die Sitzung wurde daraufhin beendet, weil „Bild“ von der Sache erfahren hatte und dringend um sofortigen Rückruf bat. Das war dann der Test, ob die Ausrede mit der Umwelt vermittelbar war. War sie nicht. Headline „Bild“ online am 27. August 2019 um 21:49 Uhr: „Jetzt streicht Eurowings sogar die Kotztüten“.

Habe mir gleich einen Merkzettel für den nächsten Eurowings-Flug geschrieben: „Unbedingt Spucktüte mitnehmen.“ Habe keine mehr, um sie ins Auto zu legen.

 

 

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(K)ein Grund zum Schämen

„(K)ein Grund zum Schämen“
Mallorca-Magazin, 34/2019

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Overtourismus = nur quantitativ denkende Tourismusmanager gepaart mit Behördeninkompetenz

Von den angekündigten vierteiligen Bissigen Bemerkungen zur aktuellen Politik hier nun Teil 4, speziell zum Thema Overtourismus.

Vor vielen Jahren waren „die Pauschaltouristen“ die bösen Massentouristen, „die Individualtouristen“ dagegen die tollen, die echten Touristen. Pauschaltourist wollte keiner sein. Die Individualtouristen waren die Guten, von den Medien gehypt, von den Tourismuskritikern geliebt. Zu dieser Zeit gab es auch eine elitäre Spezies: Kreuzfahrttouristen. Das waren die ganz edlen Reisenden, die mit viel Geld überall gerne gesehen waren.

Die mir während meiner TUI-Zeit meist gestellte Frage war: „Haben Sie einen Geheimtipp mit nur wenigen Touristen?“ Und mancher Tourist hat seinen Urlaub in einem Massenziel entschuldigt mit, „ich kenne da einen Strand oder Kneipe ohne jeden Touristen, nur Locals.“ Wenngleich das in der Regel geschwindelt war.

Haben sich die Touristen so verändert? Jetzt plötzlich soll es dahin gehen, mit voller Absicht und ohne schlechtes Gewissen, wo alle hingehen? Aus „Place to see, before you die“ wird zumindest für die Städte-Party-Gäste, der Wunsch dort gewesen zu sein, bevor alle anderen dort waren.

Wie die Zeiten sich geändert haben. Overtourismus ist jetzt das Böse. Und nun die Überraschung. Wer sind denn diese bösen städtischen Infrastrukturfresser der Neuzeit? Es sind Individualtouristen und Kreuzfahrttouristen. Ich, der große Verteidiger der Pauschaltouristen, kann mir jedes Mal nur mühsam ein Grinsen verkneifen, wenn die Sprache darauf kommt.

Die gemeinsame Headline für diese Veränderungen lautet: „Zeitgeist“.

Haben früher die Erfahrungen der Touristen den Zeitgeist beeinflusst, ist es jetzt umgekehrt. Der Zeitgeist ist es, der das Verhalten der Touristen beeinflusst.

Dirk Schümer, Europakorrespondent von „Die Welt“ und „Vorzeige-Venezianer“ in jeder Talkshow, beklagt sich, er können morgens auf dem Markt nicht mehr in Ruhe seinen Fisch kaufen, weil immer irgendein Tourist sich mit seiner Kamera vordrängt. Typisches Problem von Overtourismus? Erleben Sanitäter und andere Rettungskräfte das nicht tagtäglich bei ihrem Einsatz, teils sogar unter Lebensgefahr? Selfies über alles. „Da muss man sich schon anstrengen“, wenn das eigene Selfie viral gehen soll.

Zeitgeist „Sharing Economy“ als Nährboden für Airbnb

Die eigene Wohnung oder Teile davon zeitweise an Touristen vermieten, mag noch positiv klingen und scheint win-win für Vermieter und Tourist zu sein. Wenn aber die „eigene Wohnung“ ganzjährig angeboten wird oder plötzlich ganze Wohnhäuser bei Airbnb erscheinen, hat das mit Sharing Economy nichts mehr zu tun. Hier geht es um skrupellose Geschäftemacher, getarnt unter der Überschrift „Live like a local“. Aber nur weil ich in einer Stadt irgendwo local übernachte, habe ich nicht das Lebensgefühl der ganzen Stadt eingeatmet. Und wenn den Behörden der Zustand in diesen Wohnhäusern egal ist, aber gleichzeitig ein zweiter Notausgang für Hotelküchen gefordert wird, dann kann leicht gelästert werden wie vergleichsweise teuer Hotelbetten sind.

Die touristischen Hotspots der Welt sind nun mal begrenzt, das ist die gute und schlechte Nachricht gleichermaßen. Es kann im Übrigen auch anders gehen. Steuerung ist das Schlagwort, aber nicht primär über Geld, sondern quantitativ. Steuerung ist kein Griff in die sozialistische Mottenkiste, sondern notwendige Gegenwehr der Tourismusverantwortlichen.

Kreuzfahrtschiffe fallen nicht vom Himmel in die Häfen, sondern legen dort mit behördlicher Genehmigung an. Diese Genehmigungen kann man begrenzen. Venedig denkt jetzt darüber nach, aber erst nachdem ein Riesenschiff fast auf dem Markusplatz parkte. Dubrovnik steuert jetzt auch, aber nicht mit dem richtigen Ansatz. Nicht die Anzahl der Schiffe muss begrenzt werden, sondern die Anzahl der Schiffspassagiere.

Verkehrslenkung und Besuchersteuerung, gehören zum Instrumentarium der Verantwortlichen von heute. Aber nicht nur Monate im voraus Kontingente festlegen, sondern steuern gepaart mit aktuellen Informationen, die über eine App in real-time bereitgestellt werden können. Wenn das Gedränge auf dem Markusplatz zu beängstigend wird, kann eine alternative Zeitangabe als Hinweis, wann ein besserer Zeitpunkt ist, helfen.

Immer mehr Städte begrenzen die Höchstdauer für Airbnb-Vermietungen oder verlangen Einsicht in die Daten der Vermieter. Missbrauch durch skrupellose Vermieter, die ganze Wohnhäuser anbieten, muss konsequent verfolgt werden. Nicht nur auf dem Papier, sondern notfalls auch unter genügend Einsatz von entsprechender Manpower durch die Behörden. Das größte Problem des Tourismus ist sein Erfolg und leider auch der Missbrauch des Erfolges.

Auch die Anzahl Flughafenslots kann gesteuert werden. Der Erfolg der Billigflieger basierte u.a. auf nicht immer rechtmäßiger Anlockung durch „Marketingunterstützung“ einiger Flughäfen. Amsterdam wäre in seinem Jammern über Overtourismus glaubwürdiger, wenn nicht sdie Anzahl der Flugbewegungen am Flughafen Schipol gleichzeitig von jährlich 500.000 auf 540.000 erhöht worden wäre.

Was nicht funktionieren wird ist die Abschiebung der Touristen in Vororte. Gut gemeint, wird aber nicht machbar. Der Tourist, der das erste Mal in Berlin ist, will das Brandenburger Tor sehen u.ä. und wird sich nicht alternativ mit Prenzlauer Berg zufrieden geben. Wer erstmals in Paris ist, will den Eiffelturm sehen (Selfie!) und in London den Buckingham Palace usw. In die Vororte bringe ich die Touristen nicht mit „da ist es auch schön“, sondern nur, wenn dort neue außergewöhnliche Attraktionen angeboten werden.

Overtourismus darf nicht zum Schimpfwort für den ganzen Tourismus werden. Es betrifft nur einen sehr kleinen Teil und der Mainstream wird ohnehin bald wieder ein neues Thema haben. Aber ungeachtet dessen müssen Tourismusmanager kreativer und Behörden konsequenter werden.

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Demoscham statt Flugscham

Von den angekündigten vierteiligen Bissigen Bemerkungen zur aktuellen Politik hier nun, speziell zum Thema „Fridays for future“,

Teil 3.

Diesen hier etwas aktualisierten Beitrag findet man auch in der interessanten aktuellen Jubiläumsausgabe von touristik aktuell.

Fridays for future, CO2-Steuer, Overtourism, jedes dieser aktuellen Themen ist eine Auseinandersetzung wert. Besonders bei Fridays for Future klaffen Anspruch, medialer Hype und Wirklichkeit besonders auseinander.

Den Klimawandel heute noch zu leugnen ist dumm oder ignorant. Aber Fridays for Future trägt nicht wesentlich zur Lösung bei. Was mich daran besonders stört: Fridays for Future agiert eindimensional und hat sich mit der feindseligen Einstellung zum Flugverkehr einen sehr kleinen Hebel zur Rettung des Klimas ausgesucht, spätestens hier ist auch der Tourismus betroffen.

Eindimensionaler Ansatz

Fridays for future hat als Ziel die Einhaltung (inhaltlich und zeitlich) der Klimaziele. Dass dies ganz oben auf der Agenda steht, ist ok. Falsch ist, dass alle anderen Themen explizit als unwichtig bis unnötig betrachtet werden. Der Politikwissenschaftler Straßner sieht bei Fridays for future in der kompromisslosen Haltung eine Vorstufe extremistischen Denkens. Man müsse aber Streitgespräch als Lebenselixier der offenen Gesellschaft pflegen, statt anderslautende Meinungen diskussionsunwillig unter Generalanklage stellen.

Genauso wird der Flugverkehr mit weniger als 3%-Anteil am weltweiten CO2-Ausstoß als „Feind“ und nicht als ein Teilthema gesehen. Sich den Flug als Hauptthema aussuchen, weil es am einfachsten ist? Das macht Fridays for Future unglaubwürdig.

Wir können die Lösung anderer Zukunftsproblemen nicht einstellen. Genauso wie wir weiter nach intelligenten Lösungen statt Verbote suchen müssen. Zukunft und Fortschritt sind sehr selten aus dem Mainstream entstanden, sonst würde es auf vielen Gebieten keine Start-ups geben.

Und wenn die Regierung in hektischer Reaktion auf Fridays für future weitere völlig undifferenzierte Belastungen für die Bevölkerung „draufsattelt“, statt eine große Umstellung des Steuersystems mit echter Steuerungsfunktion auf den Weg zu bringen, dann wird das „politische Klima“ schnell umschlagen.

Nach der Demo im Flughafen Stuttgart „Attacke, Attacke – fliegen ist kacke“ sehe ich Fridays for future nicht mehr als seriös an. Spätestens jetzt denke ich, wird es Zeit für den Begriff „Demoscham“.

Direkt entsetzt war ich, aktuell Bilder zu sehen, wie sich Greta Thunberg von Vermummten geführt, den Hambacher Forst anschaut. Das geht gar nicht. Bei der hohen Hintergrundprofessionalität von Fridays for Future sind solche Bilder nicht unabsichtlich. Sehen wir demnächst freitags auch den Schwarzen Block bei den Demonstrationen? Demoscham.

Der echte globale Ansatz fehlt

Dass es die Fridays for Future in vielen Ländern gibt ist noch kein echter globaler Ansatz. Unter einem globalen Ansatz würde ich verstehen, dass man neben den kleineren Hebeln für die Erreichung der Klimaziele (3% Anteil CO2 Ausstoß der Fliegerei) besonders nach den ganz großen Hebeln greift.

Der Weltklimarat (IPCC) hat in seinem 2019-Bericht u.a. auf die Brandrodung im brasilianischen Regenwald hingewiesen. 11% des Co2-Ausstoßes sind darauf zurückzuführen. Vor allem für riesigen Soja- und Palmölplantagen wird der Regenwald abgeholzt. Bundesentwicklungsminister Müller war jetzt gerade in Brasilien. Er musste eine Viertelstunde auf ein Gespräch mit dem brasilianischen Umweltminister warten und gestand dann ein, dass er außer „interessantes Gespräch“ nichts erreichen konnte. Jetzt ist es sicherlich schwer, den brasilianischen Präsidenten und Mini-Trump Bolsonaro von diesem Problem zu überzeugen. Aber es kann nicht sein, dass wir dem auf diesen gerodeten Flächen gepflanzte und geerntete Soja durch ein neues Abkommen der EU mit den Mercosur-Staaten bessere Handelschancen in Europa bieten. Kompensationsgeschäfte des Flug-Ablasshandels wirken lächerlich, wenn täglich ein Vielfaches davon in Brasilien abgeholzt wird. Wenn man es wirklich ernst mit der Demo meint und sich nicht nur den plakativen Flug heraussuchen will, müsste dieses offensichtliche Thema mit einer ungleich höheren Hebelwirkung ganz vorne auf der Agenda von Fridays for future in Deutschland und Europa stehen. Und das ist nur ein Beispiel.

Bei globalem Ansatz, denke ich in etwa ähnliches wie die KSZE-Konferenz und deren Schlussakte in 1975. Im kältesten kalten Krieg hatten sich 35 höchste Repräsentanten aus 35 Nationen getroffen und unterzeichneten ein Schlussdokument mit der Absicht, konkrete (auf „konkret“ lag der Fokus) Maßnahmen für Menschenrechte, Wirtschaft, Wissenschaft, Umwelt umzusetzen. Das war keine Show-Veranstaltung wie G20, sondern echtes Wollen (und Können) um die Welt besser zu machen. Dafür könnte Fridays for Future weltweit kämpfen. Sonst ist alles andere nur ungenügendes Stückwerk.

Schlussbemerkung

Den Schuh „Klimafeind“ sollten wir uns als Touristikbranche nicht anziehen. Die emotionale Sprache der Fridays for Future kann man nicht nur mit den vorzeigbaren Fakten der Touristik bekämpfen, Emotionen kann man nur mit Emotionen besiegen. Die Branche darf und muss sich wesentlich offensiver und aggressiver in die gesellschaftliche Debatte einbringen und für das begeistern wofür Touristik und Fliegerei steht: Menschen zusammenbringen.

In ca. 10 Tagen erscheint der vierte Teil über Overtourismus.

 

 

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