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Himmelfahrt

Da sind dann auch die letzten kleinen Hoffnungen der Meilenbesitzer bei Topbonus gen Himmel gefahren. Aus Topbonus ist endgültig Nullbonus geworden. Zu lange haben sich Management und offensichtlich auch Insolvenzverwalter Christian Otto an einen seidenen Faden „Goldener Investor mit Traumlösung fünf vor zwölf“ geklammert. Leider gilt auch hier die Regel, je schöner desto unwahrscheinlicher. Der Flughafen Hahn bzw. der Flughafen Lübeck können ein Lied von solchen dubiosen Investoren singen. In den Verhandlungen ist „Geld kein Thema“ (man hat genug) und wenn es dann ums Zahlen der vertraglichen Summen geht, ist leider „Geld auch kein Thema“ mehr.

Dubioser Investor

Bei topbonus soll es sich beim Investor gerüchteweise um die „Airlogix Loyalty Group“ handeln, anscheinend mit zypriotischen Wurzeln. Die von ihm vorgelegte Finanzierungsbestätigung einer Bank in zweistelliger Millionenhöhe ist anscheinend tatsächlich nicht viel mehr wert als die alten Topbonus Karten, die man im Februar noch mit dem Logo Oneworld im Keller gefunden hatte. Unter dem Zwang der letzten Hoffnung gab es dann noch einen nutzlosen Zahlungsaufschub bis sich die alte Indianerregel durchsetzt: „wenn du auf einem toten Pferd sitzt, steige ab“. Jetzt ist der Insolvenzverwalter „abgestiegen“ und hat in die „Regelinsolvenz“ übergeleitet.

Zusagen von Investoren sind nicht immer das, was sie scheinen, insbesondere wenn sie nicht deutscher Rechtsprechung unterliegen. Schmerzhaft erinnert man sich an die noch größere „Scheinzusage“ von Etihad im Geschäftsbericht der Air Berlin zur Weiterführung der Geschäftstätigkeit. Von angeblich heute auf morgen war diese nicht mal mehr das Papier des Geschäftsberichtes wert. Klar, dass jetzt der Insolvenzverwalter der Air Berlin, sich zuerst auf diesen großen Brocken stürzen will. Aber ohne Regierungsunterstützung wird da nichts zu holen sein. Ich schätze mal, das wird letzten Endes auf einen Kompromiss hinauslaufen. Auf eine im Vergleich zur Forderung kleine Summe, gerade noch groß genug, um den Kredit der Bundesregierung vollständig zurückzuzahlen.

Grand Cru Airlines statt Germania

Auf ein Geschenk des Himmels dagegen hofften kurzzeitig Passagiere von Germania, die am Wochenende nach Fuerteventura fliegen wollten. Da stand plötzlich ein Subcharter mit dem traumhaften Namen „Grand Cru Airlines“ am Flughafen. Zwar kannte niemand diese Airline, aber einige Optimisten wetteten schon darauf, ob sie in Burgund oder Bordeaux beheimatet sein könnte. Und vor allem, ob es dem Namen entsprechend vielleicht auch ein kostenloses Schnuppergetränk aus dieser Gegend geben könnte.

Aber, Wahrheit kann bitter sein, siehe oben! Der Ersatzflieger hatte noch nie eines der beiden französischen Weinbaugebiete gesehen, weil sein Heimatflughafen Vilnius leider mehr als 2.500 Km nordöstlich vom guten Wein entfernt liegt. Ob es ersatzweise den typischen „litauischen Met“ gab, ist leider nicht überliefert. Garantiert gab es aber nichts umsonst. Leider auch keine topbonus Meilen mehr.

 

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Digitalisierung – das Botox der Lufthansa

Der Lufthansa Vorstand will 3.200 ältere Lufthansa- Mitarbeiter, die angeblich innovationsfeindlich sind, nach Hause schicken und durch jüngere Arbeitskräfte mit Digitalisierungs-Kompetenz ersetzen, die aus anderen Branchen geholt werden sollen. Welch ein grässliches Armutszeugnis, dass man bei LH die Zukunft schlicht verschlafen hat. Was insgesamt nicht viel Neues wäre.

Ob der Lufthansa-Vorstand sein Handeln noch selbst versteht? Es darf bezweifelt werden. Da verkündete Carsten Spohr vor kurzem noch „das neue Logo sei für ihn, das „i-Tüpfelchen“ beim Umbau der Airline“. Inzwischen wissen wir, dass ihm das i-Tüpfelchen farblich etwas verrutscht ist und nachgebessert werden musste. Aber was Spohr jetzt aktuell raus haute, ist mehr als ein i-Tüpfelchen, da wird ein großer Teil Lufthansa DNA abgeschoben.

Personalaustausch statt Personalentwicklung

Merken die LH-Verantwortlichen nicht, was der Satz „innovative Mitarbeiter aus anderen Branchen holen“ über Lufthansa aussagt? Personalaustausch statt offensichtlich über Jahre nicht erfolgte Personalweiterentwicklung. Die „Digitalisierung“ die von Spohr nicht zu Unrecht gefordert wird, ist doch nicht innerhalb der letzten Monaten vom Himmel gefallen bzw. als der Heilige Geist dies Wissen in den letzten Jahren regnen ließ, warum wurden nur andere Branchen davon nass und nicht die Lufthansa?

Betriebswirtschaftliche Untersuchungen, und die sind noch nicht mal brandneu, haben ergeben, dass weniger die Frage großes oder kleines Unternehmen, traditionsreich oder start up entscheidend für Neuerungen sind, sondern allein, ob Führungskräfte ihren Mitarbeitern motivierenden kreativen Freiraum lassen. Wenn jetzt die geforderten „agil denkende Neulinge“ eingestellt werden und auf die alte Führungsstruktur (bis oben) der LH treffen, wird das nichts werden, außer dass die Neuen schnell wieder resignierend abhauen werden.

Wenn es so einfach wäre

Digitalisierung in ein Unternehmen einbringen ist etwas anderes als Botox spritzen, weil man ein paar Gesichtsfalten entdeckt hat. Changemanagement wäre jetzt das angebrachte Schlagwort, was wohl in den letzten Jahren versagt hat. Spätestens jetzt muss es funktionieren.

Aber Achtung, kaum ein anderes Schlagwort wie Digitalisierung wird heute so von jedermann und inflationär durch die Gegend geschleudert. Falls der interne Anstoß von der gleichen Agentur erfolgt sein sollte, die auch den „genialen“ Image Film „SayYesToTheWorld“ erarbeitet hat, hätte ich einen kostensparenden Vorschlag. Lasst euch in der Verwaltung doch ein Heißluftgebläse einbauen. Ist billiger und erzeugt noch schneller heiße Luft.

 

 

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Lauda lässt die Maske fallen, and the winner is: Ryanair

Was war das für ein letztes Vierteljahr in der Fliegerei als es um Niki, dem vermeintlichen Filetstück aus der Air Berlin-Pleite ging. Ein Vierteljahr im Wechselbad von Versprechungen und Schwindeleien. Aber der größte Knaller kam zum Schluss. Zum Glück noch vor dem 1. April, sonst hätte man es für einen Aprilscherz gehalten.

Billigflieger Ryanair steigt bei Niki Laudas Airline Lauda Motion ein. Im ersten Schritt kauft die irische Airline 24,9 Prozent und will so schnell wie möglich mit 75 Prozent die Mehrheit übernehmen. Ryanair will für die 75 Prozent circa 50 Millionen Euro zahlen und weitere 50 Millionen Euro für Betriebskosten zur Verfügung stellen. Ein tolles Geschäft für Lauda.

Airline-Händler Niki Lauda

Ich selbst war im Januar noch der Meinung, dass Niki Lauda gar nicht „seine“ Airline Niki wieder haben will, weil er nie 50 Millionen Euro eigenes Geld für den Wiedergewinn von Niki zahlen würde. Aber was er jetzt gemacht hat, ist natürlich finanziell noch wesentlich ausgekochter.

Kaufe eine Airline und verkaufe sie gleich wieder, noch bevor sie richtig fliegt und mache einen Riesenreibach. Lauda bekommt spätestens wenn der 75-Prozent-Deal durch ist, sein Geld wieder und hat immer noch 25 Prozent. Für diese 25 Prozent wird er später noch mal einen Batzen Geld kassieren. Lauda als Ösi-Wöhrl.

Und von diesem Geld fließt nichts in die Insolvenzmasse, sondern alles in die Tasche von Lauda. Lauda „ich habe noch nie eine Airline im Stich gelassen“, aber zumindest immer teuer verkauft. Mit dem ratenweisen Verkauf von Niki an Air Berlin verlief es ähnlich.

Versprechen gebrochen

Lauda Motion als Full-Service-Airline, Catering vom Edelanbieter Do & Co, 1000 Verträge für Niki-Mitarbeiter, fast alle vollmundigen Zusagen wurden im Laufe von Tagen wieder einkassiert. Lauda will doch auf Leiharbeit zurückgreifen, Leiharbeitsfirmen wurden hierfür gegründet. Natürlich soll das Kabinenpersonal statt Putztrupps die Flugzeuge reinigen.

Lauda im echten Trump-Speech: „Da wir wachsen wollen und müssen, will ich noch attraktivere Arbeitsplätze bieten als andere.“ Er will einen Vorschlag machen, der schon zum 1. April umgesetzt werden könnte. Toll, wenn der 1. April nicht der 1. April wäre.

Lauda ist eben Lauda und bleibt Lauda. Auch das ist Kontinuität.

Ich glaube nicht, dass Niki Lauda als Strohmann für Ryanair tätig war. Er hat auf eigene Rechnung gepokert und war sich sicher, am Ende des Tages die besten Karten zu haben. Am Mittwoch war ein Bild bei airliners.de zu sehen, Michael (O’Leary) küsst Niki (Lauda). Es hätte auch umgekehrt sein können. Zwei kongeniale Partner haben sich gefunden.

Lauda will auch unabhängig von Ryanair weiter für Lufthansa fliegen. Muss man jetzt selbst das Undenkbare denken? Lufthansa und Ryanair in Absprache. Küsst O’Leary demnächst Spohr?

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Dieser Text erschien auch am 29.3.2018 als „Born-Ansage“ in airliners.de

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Tourismusbranche wird von der Regierung weiterhin für dumm verkauft

„Wer wird neue/r Tourismusbeauftragte/r?

Alle Minister, Staatssekretäre und sonst. Beauftragte sind ernannt? Alle? Mindestens einer fehlt noch. Wer wird neue/r Tourismusbeauftragte/r der Bundesregierung?“

So sieht es leider aus. Alle Staatsekretäre sind ernannt, nur keiner für Tourismus. Wissen Sie, liebe BBB Freunde, wann ich obigen Text in den BBBs geschrieben hatte? Am 17.12.2013 !! Richtig gelesen, 2013, vor vier Jahren. Einen Tag vorher waren alle Staatssekretäre ernannt. Aber Tourismus war leider nicht dabei.

Mehrere Wochen später, am 3.2.2014 schrieb ich dann in den BBBs:

„Na endlich, könnte man sagen, wenn die späte Ernennung zur Tourismusbeauftragten nicht auch schon selbst ein (schlechtes) Signal wäre. Mit der Ernennung von Staatssekretären und Bundesbeauftragten ist die neue Bundesregierung nicht zimperlich gewesen. Die Anzahl insgesamt ist stark rekordverdächtig. Aber trotz dieser Ämterinflation hat es für eine/n eigenständige/n Tourismusbeauftragte/r „nicht gereicht“. Erst war mal Ernennungspause, als man danach wohl erst merkte, dass man „vielleicht oder eventuell“ auch noch etwas für den Tourismus tun müsste. Also hat Minister Gabriel schnell überlegt, wo man den Tourismus „anhängen könnte“. Irgendwie muss dann die Idee entstanden sein, das kann „die Iris doch so nebenbei mitmachen“. Bravo, der deutsche Tourismus bekommt mal wieder seinen (Nicht-) Stellenwert aufgezeigt.“

 

Und wo stehen wir heute, vier Jahre später?

Die Kanzlerin sagte bei der Eröffnung der diesjährigen ITB: „Herr Frenzel, ich kann Sie beruhigen…es wird auch wieder einen Tourismusbeauftragten oder eine Tourismusbeauftragte geben. Ansonsten würden wir uns gar nicht in Ihre Nähe trauen“. Letzteres sollte wohl ein kleines Scherzchen à la Merkel sein. Ich war bei dieser Veranstaltung nicht dabei, aber ich bin sicher, die Anwesenden haben sich wieder wie toll gefreut.

Aber im Moment stehen wir leider wieder am gleichen Punkt wie vor vier Jahren. Alle Staatssekretäre/Staatsminister wurden ernannt. Und wieder eine höhere Anzahl denn je. Beauftragte für was weiß ich noch alles, sind auch ernannt. Was fehlt, zumindest eine Woche danach? Tourismus!

Vier Jahren später die gleiche Blamage für die Branche wie bei der letzten Regierungsbildung. Na ja, irgendjemand wird es schon „mitmachen“.

Arme Branche, die sich schon freut, wenn die Kanzlerin das Wort „Tourismus“ erwähnt.

 

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ITB 2018: Tourismus zwischen „Digital und Analog“

Das war sie also, die ITB 2018. Es kam wie befürchtet, technische Begriffe verdrängten zumindest in der medialen Betrachtung das eigentliche Urlaubserlebnis. Schade. Wieder mal eine Chance vertan.

„Der Urlauber wird immer digitaler.“ Das ist schon sprachlich Unsinn. Ich bin gleich zum Spiegel gerannt um zu schauen, ob ich noch ein Mensch oder schon ein Binärcode bin.

Oder: „Der Tourismus wird immer digitaler“. Das ist genauso unpräzise. Nicht der Tourismus wird digitaler, sondern die „Touristik“, also das Business vom Tourismus wird digitaler. Digitalisierung ist nur ein Werkzeug und kein moderner Urlaub. Das eigentliche Urlaubserlebnis ist überwiegend „analog“ (um etwas ironisch den gegenteiligen Begriff zu digital zu verwenden).

Mein Urlaubshotel, egal ob vorgebucht oder online ausgesucht und virtuell angeschaut, ist sehr „körperlich“. Auch mein Hotelbett, eines der häufigsten Beschwerdethemen, in das ich hoffentlich abends glücklich sinke, ist sehr „analog“. Das Essen im Urlaubshotel, die Aussicht auf das Meer oder in die Berge, auch die Urlaubsflirts, die Luft in der Südsee, das sind die Erlebnisse, die primär entscheidend sind, ob der Urlauber zufrieden war und diese Zufriedenheit anderen erzählt und daraus dann neue Buchungen resultieren können.

Letztens wurde ich gefragt: „Ist Freundlichkeit in Zeiten der Digitalisierung noch zeitgemäß?“ Nicht nur, dass das zwei unterschiedliche Dinge sind, auch der Gedankengang, der sich dahinter verbirgt, ist erschreckend. Früher habe ich meinem Vortrag über Kundenorientierung „Sie sind heute so freundlich, geht es Ihnen nicht gut?“ in den Zeiten von permanenten Umstrukturierungsmaßnahmen damit begonnen „die Kosten sind jetzt in Ordnung, leider sind die Kunden weg“. Wahrscheinlich werde ich demnächst das Wort Umstrukturierungsmaßnahmen durch das Wort Digitalisierung ersetzen.

Wenn Digitalisierung Abläufe schneller macht, ist das vollkommen in Ordnung. Und viele Informationen in Echtzeit bringen dem Urlauber zusätzliche nützliche Urlaubsfreude. Das ist ein Urlaubs-Mehrwert. Aber der Urlauber wird dadurch nicht generell digitaler, er nutzt nur digitale Möglichkeiten.

Wenn aber der „Costcutter“ in der Firma der Treiber der Digitalisierung ist, dann wird es gefährlich, nicht nur für die Mitarbeiter, sondern auch für die Urlauber. Das „Aber“ hat letzte Woche Prof. von Dörnberg (Hochschule Heilbronn) so formuliert: „Digitaler Wandel heißt auch, der Kunde übernimmt mehr Arbeiten vom Anbieter ohne Gegenleistung.“ Das ärgert auch mich schon lange.

Es gibt fast jedes Jahr ein beherrschendes Thema, das in den Medien für die jeweils aktuelle ITB steht. Wobei nicht immer klar ist, ob die Unternehmen die Medien treiben oder umgekehrt.

Besonders lustig wird es, wenn sich dann auch Politiker in die Diskussion einmischen und dabei unfreiwillig ihr Nichtwissen offenlegen. So meinte der NRW-Wirtschaftsminister von NRW, Andreas Pinkwart, auf der ITB, dass die Digitalisierung in der Tourismus-Branche noch nicht angekommen sei. „Wenn man unterwegs ist, ob in New York oder NRW“, so der Kosmopolit weiter, „erlebt man, dass sich viele lieber hinter der Rezeption oder noch lieber in dem Raum dahinter verschanzen statt die Zeit für den Kunden zu nutzen“. Tourismus-Bashing vom Feinsten und das als der für Tourismus zuständige Minister. Aber Pinkwart legte noch nach: „Die Unternehmen müssten ihre Mitarbeiter digital aufrüsten. Er sei überzeugt, dass die Digitalisierung insgesamt zu einer weiteren Zunahme von Reisen führen werde. Diese Reisen hätte dann deutlicheren Event-Charakter“.

Das muss man alles nicht verstehen, es sei denn, man ist überzeugt, dass der Minister „Digitalisierung im Tourismus“ überhaupt nicht verstanden hat. Kleiner Trost, zumindest sein Auftritt hatte deutlichen Event-Charakter.

Natürlich durfte auch das Thema Türkei-Buchungen auf der ITB nicht fehlen. Interpretation von Statistiken ist bekanntlich nicht jedermanns Sache. So sollen die Türkei-Buchungen per Februar im Vergleich zum Vorjahr um 50% gestiegen sein. Alles prima? Wenn sie in den Vorjahren aber um 70% gesunken waren, bedeutet das, dass sie immer noch um 55% unter den Ausgangswerten lagen. Alles klar? Wenn dann der DRV-Vorsitzende Fiebig für 2018 voller Freude vom Comeback der Türkei spricht, klingt das super. Doof nur, dass der DRV nur wenige Tage vorher, Ende Februar, seine Jahrestagung in der Türkei abgesagt und nach Italien verlegt hat. Passt toll zusammen, nicht wahr?

Ich komme nochmal auf das „analoge“ Urlaubserlebnis zurück. Urlaub soll in erster Linie Freude, Spaß und glücklich machen. Entscheidend ist für die Mehrzahl der potenziellen Urlauber, dass sie im Urlaub glücklich sind. Marketingexperten empfehlen generell den Kunden dringend einzureden, dass sie mit dem Produkt XY glücklich sein werden. Warum nicht mal eine Marktforschung zur ITB anfordern, „wie glücklich Urlauber sind“.

Eine ITB-Überschrift: „Noch nie waren Urlauber im Urlaub so glücklich wie zur Zeit“, würde der Branche mehr bringen als „noch nie war die Branche so digital wie heute“.

Also hoffen wir auf Besserung für die ITB 2019.

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Was tun, wenn Touristen Einheimische vertreiben?

„Was tun, wenn Touristen Einheimische vertreiben?“
Deutschlandfunk Kultur, Homepage, 7.3.2018

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Overtourism

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Fair reisen

„Fair reisen“
Tagesspiegel, 6.3.2018

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Aschenputtel bleibt Aschenputtel

Vor drei Wochen bezeichneten die Bissigen Bemerkungen die Tourismusbranche als das Aschenputtel unter den Wirtschaftsbranchen. Inzwischen liegt der Koalitionsvertrag CDU/CSU/SPD vor, die schlimmsten Befürchtungen wurden wahr. In gerade mal 9 von 8.376 Zeilen wurde das Thema Tourismus gestreift („behandelt“ wäre übertrieben formuliert). Das entspricht 0,1% (also ein Zehntel eines Prozentes) des gesamten geistigen Ergusses im Koalitionsvertrag. Das ist die totale Missachtung einer Branche, die für die Schaffung von Arbeitsplätzen steht, wie kaum eine andere. Da wurde im Märchen selbst Aschenputtel von der bösen Stiefmutter mehr Beachtung geschenkt.

Dabei hatte gerade noch im Juni 2017 der BTW in seiner Studie „Wirtschaftsfaktor Tourismus“ auf fast 3 Mio. Arbeitsplätze(6,8% von allen) und auf eine Wertschöpfung von 100 Mrd. Euro hingewiesen. Jetzt könnte man sagen, Quantität ist nicht alles, auf den Inhalt kommt es an. Aber diese neun Zeilen sind auch unpräzise formuliert. Mit dem ersten Satz: „Der Tourismus ist ein wichtiger Wirtschaftsfaktor, auch in ländlichen Bereichen.“ wurde schon eine der 9 Zeilen mit einer Feststellung statt Zukunftsvorgaben verschenkt. Wobei die Kürze der nächsten 8 Zeilen beweist, „Tourismus mag wichtig sein, aber nicht für die Regierung“.

Jetzt müsste man annehmen, ob dieser politischen Geringschätzung wäre ein Aufschrei der Entrüstung durch die entsprechenden Branchenverbände erfolgt. Weit gefehlt. Der DTV in der Person von Reinhard Meyer spricht von einem „guten Verhandlungsergebnis für den Tourismus“. Wie bitte?

Und der BTW-Vorsitzende Michael Frenzel spricht von einem „Schritt in die richtige Richtung“. Ich weiß nicht, im letzten Koalitionspapier war der Tourismus immerhin doppelt so stark erwähnt. Immerhin hat er in seiner Stellungnahme eingeschränkt, da würde er voraussetzen, dass die angekündigte „Tourismusstrategie“ tatsächlich einen „ganzheitlichen wirtschaftspolitischen Ansatz“ beinhalten würde“.

Allein der DRV äußert sich kritisch: „Dürre Aussagen über den Tourismus lassen den wirtschaftspolitischen Sachverstand vermissen, Problemlösungen fehlen“. Darüber hinaus habe ich aber keinen krachenden Aufstand feststellen können.

So hat diese Branche auch nicht Besseres verdient. Wo bleibt die Aufschreikampagne #SchlaginsGesichtderTourismusbranche“ oder so ähnlich.

Bei der Recherche zum Thema Politik und Tourismusbranche bin ich auf eine Pressemeldung des DRV zu einer Zusammenkunft von DRV und TUI Group mit den tourismuspolitischen Sprecherinnen und Sprecher der vier im Bundestag vertretenen Parteien getroffen am 30.5.2017. Gut gemeint wahrscheinlich, auch vom Datum her, aber nicht gut gemacht. DRV und TUI Group sind nicht die gewünschte „eine Stimme“ der Branche und der Einfluss der  tourismuspolitischen  Sprecher auf die Wirtschaftspolitik der Regierung hält sich sehr in Grenzen (ich habe schon mehrfach darauf hingewiesen).

Schon die Überschrift der Pressemeldung „Wachsende Bedeutung des Tourismus“, ist unglücklich. Der Tourismus ist wirtschaftspolitisch schon immer sehr bedeutend gewesen und kein Newcomer.“ Unverändert gravierende Bedeutung des Tourismus“ wäre besser gewesen. Auch die weiteren Statements in diesem Papier, leider habe ich es schon oft erwähnen müssen, haben keine politische Schubkraft. Da wurde postuliert:

–In den wichtigen Sachfragen viel Übereinstimmung

–In einer Sache waren sich alle einige: Der Tourismus sollte in der Politik ein Stellenwert zukommen, der angesichts der volkswirtschaftlichen Bedeutung angemessen ist.

–Es soll wieder einen eigenen Tourismusausschuss geben, der in seiner Bedeutung gestärkt werden sollte.

–Staatssekretär nur für Tourismus

Was soll man dazu sagen: Der zweite Teil der Überschrift in der Pressemeldung hieß: „Experten aus dem Bundestag wollen Tourismuspolitik aufwerten“. Dies ist spätestens durch die minimalistische Behandlung im Koalitionsvertrag „als nicht geschafft“ widerlegt. Auf den Tourismusausschuss, der in seiner Bedeutung gestärkt werden soll, möchte ich hinsichtlich der Besetzung der Vorsitzenden Position nicht eingehen.

Was könnte noch einmal politischen Rückenwind für den Tourismus bringen? Ein 100%-Staatssekretär für Tourismus (und keine Halbtagsstelle), sonst kann man die im Koalitionspapier angesprochene nationale Tourismusstrategie vergessen.

Eine Köstlichkeit in der Koalitionsvereinbarung möchte ich noch zum Besten geben. Im Abschnitt Luftverkehr steht: „Alle Beteiligten sind aufgefordert an einer zügigen Fertigstellung des neuen Hauptstadtflughafens BER mitzuwirken“. Welcher Märchentitel würde hier gut passen?

Des Kaisers neue Kleider (nur heiße Luft, die sind ja nackt) oder

Rumpelstilzchen („ach wie gut, dass niemand weiß“, dass ich zu einem Drittel für die Misere verantwortlich bin).

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Hilfe, ich will mein Lufthansa-Gelb wieder haben!

Was erlauben Spohr? Nachdem er schon den ganzen Lufthansakonzern durcheinander gewirbelt hat, holte er jetzt zum finalen Schlag aus. Er veränderte das Lufthansa-Logo. „Das sei für ihn, das „i-Tüpfelchen“ beim Umbau der Airline“, wird Spohr zitiert. Diesen Satz hat ihm bestimmt ein Marketing-Fuzzie aufgeschrieben. Was hat das eine mit dem anderen zu tun?

Ich bin immer skeptisch, wenn große Firmen ohne erkennbare Not ihr Logo, ihren Slogan u.ä. ändern. Marketingfirmen, die an einer solchen Sache klotzig Geld verdienen, ködern die jeweiligen Vorstandsvorsitzende in der Regel mit dem Satz: „Das neue Logo oder der neue Slogan werden auf Jahrzehnte mit ihrem Namen verbunden bleiben.“ Wow, ein Denkmal schon zu Lebzeiten.

Jetzt werde ich mal etwas sentimental. Dieses gelb-blaue Logo und Lufthansa gehören zusammen wie Romeo und Julia, wie Angie und Raute. Das Lufthansa Logo ist weltweit so bekannt wie der Mercedes Stern. Und dieses Gelb ist nicht irgendein Gelb, es ist das Lufthansa-Gelb. Bei Millionen Passagieren und Hundertausenden von aktuellen und ehemaligen Mitarbeitern (mich persönlich eingeschlossen) hat sich dieses Logo als Zwilling zum Namen Lufthansa im Gehirn eingeprägt. Wenn man nicht gerade am Großstadt-Flughafen ankam, konnte man schon von weitem als erstes das Logo am Flugzeugheck sehen, bevor man das Flugzeug selbst sah. Das Gefühl, das Flugzeug ist schon da und bringt mich nach Hause ist schon Millionen Mal beschrieben worden.

Ich muss ehrlich gestehen, letzte Woche hatte ich im Kopf eine grässliche Assoziation zu dieser Geschichte. Da wurde berichtet, dass die Billigfluggesellschaft Spirit Airlines in Baltimore einer 21-jährigen Passagierin verboten hatte ihren Zwerghamster Pepples (attestiertes Emotional Support Animal) mit an Bord zu nehmen, nachdem man ihr allerdings vorher das telefonisch genehmigt hatte. Da die junge Dame spontan keine Lösung für das neu aufgetretene Problem wusste, soll man ihr empfohlen haben, den Zwerghamster doch die Toilette runterzuspülen, was sie auch tat (wie bitte?). Ich fürchte, wenn ich künftig das neue LH-Logo sehe, werde ich immer an Pebbles denken, Lufthansa hat das Logo-Gelb die Toilette runtergespült.

Heute schrieb mir ein BBB-Leser die „Markenvielfalt im Auftritt der Lufthansa“ gehe noch wesentlich weiter über die Logoveränderung hinaus. Er hatte auf der LH-Webseite einen Flug gebucht, Flugnummer EW, dann abgeflogen mit Flugzeug-Schriftzug Air Berlin, operated bei TUI. Und das ist kein Einzelfall. Aber das sind nur „kleine Widrigkeiten im LH-Tagesablauf“. Marketingmäßig ist man schon ganz oben mit dem Leitmotiv der neuen Markenkampagne:  „#SayYesToTheWorld“. Inhaltsleerer geht es nicht mehr. Aber Marketingexperten finden das gut, „je leerer der Slogan, desto mehr kann man ihn permanent mit Inhalt füllen“. Muss nicht unbedingt zusammen passen.

Ich hatte schon früher bei einer anderen Firma (Namen schenke ich mir jetzt) gesagt: Wenn der CEO seiner Unternehmenswerbung mehr glaubt als der täglichen Wirklichkeit, dann wird es schwierig.

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Nachtrag: Einige Leser haben mich nach einem Kommentar zum Koalitionsvertrag gefragt. Das ist für Montag/Dienstag geplant unter der Überschrift, die „Aschenputtel-Branche kommt im Koalitionsvertrag fast nicht vor“. Aber die Branchenoberen finden das offensichtlich nicht so schlimm. Muss man nicht verstehen.

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