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Reisebüros und das Stockholm-Syndrom

Viele Reisebüros sind zur Zeit ziemlich sauer auf die Großveranstalter (siehe u.a. Unterschriftenliste „Nicht mit uns“ wegen TUI). Da geht es neben generell zu späten Provisionsvereinbarungen, Mehrarbeit wegen Differenzierungsstrategien der Veranstalter, auch um Verlagerung von unentgeltlichen Arbeiten auf die Büros (z.B. Ausdrucken, teils auch „Zusammenbasteln“, von Reiseunterlagen), um nur einige der Probleme zu benennen. Gleichzeitig sind die Veranstalter aber die wichtigsten „Partner“ der Reisebüros. Über diesen „Konflikt“ tauschen sich die Reisebüros aktuell sehr intensiv in den entsprechenden Communities aus.

Die Bissigen Bemerkungen, immer hilfreich zur Stelle wenn es um Konflikte geht, raten deshalb den Reisebüros sich mal mit dem sog. „Stockholm-Syndrom“ zu beschäftigen. Unter dem Stockholm-Syndrom versteht man ein psychologisches Phänomen, dass Opfer (unter bestimmten Voraussetzungen) ein positives emotionales Verhältnis zu „ihren Peinigern“ entwickeln. Ausgangspunkt für diese psychologische Beobachtung, war in den 70er-Jahren die fünftägige Geiselnahme von vier Bankangestellten durch Bankräuber in einem Stockholmer Bankgebäude. Im Verlaufe dieser Zeit entwickelten die Geiseln ein besonderes Verhältnis zu ihren Peinigern. Auch nach Beendigung der Geiselnahme blieben diese positiven Beziehungen teilweise bestehen. Ohne an dieser Stelle im Detail darauf einzugehen, ist die Essenz dieses Phänomens, dass „eine Situation erträglicher wird, wenn die Opfer sich einreden, dass das was gerade geschieht, auch ihr Wille wäre“.

Wenn die Reisebüros sich diesen emotionalen Paradigmenwechsel eingestehen würden, könnten sie mit den zusätzlichen vergütungsfreien Belastungen durch die Veranstalter wesentlich entspannter umgehen. Besonders hilfreich dabei könnte, nach Meinung der Bissigen Bemerkungen, ein Schild im backoffice sein, mit dem Text:
„Zum Glück leide ich unter dem Stockholm-Syndrom“.

Also: Mehrarbeit kommt, ein Blick auf das Schild und schon huscht ein glückliches Lächeln über das Gesicht (fast wie beim Lesen der montäglichen BBBs).

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