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Erhöhung der Luftverkehrssteuer: Bundesregierung behält das meiste für sich

Highlights verschiedener Meldungen der letzten Tage:

  • „Gegenteil von Klimaschutz“: Luftverkehrssteuer fließt in Regionalflughäfen
  • Gelder aus der Erhöhung der Luftverkehrssteuer fließen zurück für Innovationen in den Luftverkehr: Haushaltsausschuss beschließt 100 Millionen Förderung für PTL-Kerosin
  • Und die neueste „Sau, die durchs Dorf getrieben wird“: Verbotspläne für Privatjets

Man mag schon gar nicht mehr in die Tagespresse schauen. Der Unsinn, der hier teilweise als Argumentation gegen das Fliegen verzapft wird, treibt den eigenen Blutdruck in lebensgefährliche Höhen. Aber man sollte auch das „Kleingedruckte“ am Ende dieser Beiträge lesen.

Geld fließt nicht zur Stärkung Regional-Luftverkehr

Da scheibt n-tv, das Geld aus der neuerdings erhöhten Luftverkehrssteuer „fließt nicht etwa in den Klimaschutz, sondern schnurstracks zurück in den Luftverkehr“. Nur zur Erinnerung: Um mehr als 750 Millionen Euro wird die Luftverkehrssteuer erhöht und wieviel davon fließt den Regionalflughäfen zu?

In 2020 sollen es 20 Millionen Euro werden. Aber nicht, damit der Luftverkehr dort „anschwillt“. Das Geld dient vielmehr als teilweise Erstattung der Mehrkosten (Gebühren), weil die Deutsche Flugsicherung die An- und Abflugkontrolle künftig übernehmen soll.

Aber das hindert den Geschäftsführer der „Allianz pro Schiene“, die in ihrem eigenen Geschäftsfeld nichts gebacken bekommt, nicht daran, irreführend von „neuen Subventionen für die Regionalflughäfen“ zu sprechen.

Bahn bekommt kein zusätzliches Geld

Von den 750 Millionen Euro Mehreinnahmen aus der Luftverkehrssteuer sollen circa 500 Millionen Euro die Mehrwertsteuerreduzierung bei der Bahn ausgleichen. Ob es allen Bahnfreaks klar ist, dass dieses Geld der Bahn nicht zusätzlich zur Verfügung steht, sondern quasi unmittelbar zurückfließt, um ein Mehrwertsteuerloch im Bundeshaushalt zu schließen? Nur mal so zum Nachdenken.

Man könnte jetzt nochmal bösartigerweise in Erinnerung bringen, dass die Bahn eben nicht mit 100 Prozent Ökostrom fährt, wie auch die Elektroautos auf unseren Straßen mit einem Strommix fahren, in dem immer noch ein erheblicher Anteil von Kohlekraftwerken stammt.

Viel zu wenig Geld für Entwicklung synthetischer Kraftstoffe

Und welch große Freude, der Haushaltsauschuss des Bundestages hat erstmals Mittel für die Förderung und Entwicklung von synthetischen Kraftstoffen im PTL-Verfahren (Power to Liquid) bereitgestellt. Die Förderung sieht zunächst 100 Millionen Euro für die Jahre 2020 und 2021 vor.

Ganz langsam zum Mitdenken: Von 750 Millionen Euro Mehreinnahmen aus der Luftverkehrsteuer, aus jetzt insgesamt circa 1,8 Milliarden Euro Luftverkehrsteuer in den nächsten Jahren, fließen nur 100 Millionen Euro zurück in die wichtigste Aufgabe, um zum klimaneutralen Fliegen zu kommen?

Der nächste Satz mag etwas populistisch klingen, aber er muss sein um die Relationen klar zu stellen. Zum gleichen Zeitpunkt hat Bundeskanzlerin Merkel bei ihrem Besuch der indische Regierung 1 Mrd. Euro (schreibt sich so: 1.000.000.000 Euro) für den Ausbau „umweltfreundlicher Verkehrsmittel“ (gemeint sind Elektrobusse) zugesagt.

Und jetzt kommt das ganz große Superthema: Verbotspläne für Privatjets.

Da sieht der Aktivist doch „die Reichen“ mit ihrem Jet zum Champagner trinken nach Paris fliegen. Aber wie sieht die Wirklichkeit aus? Linienfluggesellschaften und Bahn zogen sich in den letzten Jahren immer mehr aus der Fläche zurück.

Und genau in der „Fläche“ sitzen Tausend erfolgreiche Firmen mit ihrem weltweiten Business. Sie sind das Rückgrat unserer erfolgreichen Industriegesellschaft. Kanzlerin und Minister lassen sich gerne dort bei ihrem Besuch fotografieren. Aber diese Firmen könnten ohne die kleinen Flughäfen (die 70 Prozent aller Flugbewegungen in Deutschland abwickeln) und die kleinen Businessjets weltweit nicht überleben. Weil eben hier sehr schnell Mitarbeiter und auch Ersatzteile zum Kunden gebracht werden müssen. Dabei wären genau diese kleinen Flugzeuge die idealen Protagonisten, um Vorreiter für emissionsfreies Fliegen zu werden.

Die Diskussion gegen diesen Teil der Fliegerei erinnert mich stark an die faktenfreie Polemik damals gegen den Flughafen Tempelhof in 2008. Da argumentierten die Flughafen-Gegner (der damalige Regierende Wowereit vorneweg) „keine Geschenke für Reiche“ (sprich „Privatjet-Fliegende“). Und so wurde der Flughafen nicht nur geschlossen, sondern „zur Sicherheit“ auch noch entwidmet, obwohl kein Feldhamster sich in seiner Ruhe gestört fühlte und keine Anwohner gegen den Fluglärm protestierten.

Zur Sicherheit wurde dann noch nachgeschoben, die Eröffnung des künftigen Großflughafens „Airport Berlin Brandenburg International“ dürfe nicht gefährdet werden. Über letzteres darf mehr als zehn Jahre später herzlich gelacht werden.

 

Die nächste BBB, noch rechtzeitig vor der DRV-Jahrestagung, wird sich mit der Pleite von Thomas Cook und der Frage „kann es mit der Pauschalreise weitergehen?“ beschäftigen.

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Flucht nach vorn in den Weltraumbahnhof

Altbewährter Politikertrick, wenn es mit dem Tagesgeschäft nicht so richtig vorangeht, dann entweder größere Flug-Auslandsreise machen oder spektakuläres Zukunftsprojekt ankündigen. Das weiß auch unser Wirtschaftsminister Altmaier oder zumindest seine Berater.

Mit Flug-Auslandsreisen hat Altmaier nicht so gute Erfahrungen. Entweder rückt Merkel ihre Flieger nicht raus, weil sie gerade selbst eine Reise plant oder eine A340 fällt aus, weil Mäuse auf Bali ziemliches Unheil anrichteten. Altmaier machte auch schon gute Miene zum bösen Spiel, als er mit großer Delegation in einer gecharterter Boeing 737-400 nach Ankara flog. Diese Bescheidenheit machte zwar bei seiner Delegation einen guten Eindruck, aber bei Altmaiers Statur, ist Holzklasse nicht das was er sich regelmäßig wünscht.

Also ist „Variante Zwei“ angesagt und da kam auf dem „Weltraumkongress des BDI“, den gab es tatsächlich, die Forderung an die Bundesregierung sich in der Raumfahrt stärker zu engagieren. Das war die Steilvorlage für Peter Altmaier und plötzlich ist er großer Fan eines deutschen Weltraumbahnhofs. Wie bitte?

Keine Frage, bei Zukunftstechnologien sind deutsche Forscher und deutsche Firmen auch in der Raumfahrt sehr weit vorne dabei, verfügen über echte weltweite Kernkompetenz, solange es um die Entwicklung neuer Technik geht.

Deutscher Weltraumbahnhof in Rostock-Laage

Aber bei Umsetzung in kommerzielle Projekte sieht es auf Seiten der Politik nicht so gut aus. Nehmen wir das Wort Weltraumbahnhof mal auseinander, muss man ehrlich sagen ist diese Regierung weder flug- noch bahnaffin. BER und Stuttgart 21 lassen grüßen. Und diese Projekte wurden noch in der „guten alten Zeit“ geplant. Aber heute einen Weltraumbahnhof planen. Da genügt eine Fledermaus und das war`s dann.

Rostock-Laage ist zumindest nach erstem Bekunden der Favorit. Die Landesregierung ist begeistert. Der Landkreis ist an Planungen für Ansiedlungen für Unternehmen aus der Luft- und Raumfahrt beteiligt. Die Flughafenchefin kennt zwei konkrete Projekte, will aber nichts sagen. Nur der größte der jetzigen Gesellschafter, die Hansestadt Rostock, würde gerne was sagen, weiß aber noch von nichts. Die ersten „kleinen“ Irritationen gibt es schon.

Schauen wir mal realistisch. Von den zur Zeit aktiven Politiker/-innen wird niemand den Start der ersten Rakete erleben. Weder in ihrer aktiven noch in ihrer inaktiven Zeit danach. Philipp Amthor von der CDU könnte es als Polit-Rentner vielleicht noch schaffen.

Egal, Altmaier ist vorerst fein raus und hat beim BDI und in der Öffentlichkeit gepunktet. Und Altmaier in einer Mondrakete, wie in einer Fotomontage von BILD, muss man sich ohnehin nicht unbedingt vorstellen.

Was wir aber echt gut können ist „Flug besteuern“. Würde mich nicht wundern, wenn es im Finanzministerium nicht schon eine Arbeitsgruppe „Luftverkehrssteuer für Raumfahrzeuge“ geben würde. Oder über eine richtige Bahnhofsteuer nachgedacht würde, wie früher die Bahnsteigkarte.

Deutschland fliegt per Anhalter durch die Galaxis

Von mir nicht erwartet, zeigte der BDI-Präsident Professor Dieter Kempf bei der Eröffnung des Kongresses besonderen Humor mit einem Handtuch „Keine Panik“. Er spielte damit nicht auf Udo Lindenberg an, sondern auf den Weltraumklassiker von Douglas Adams „Per Anhalter durch die Galaxis“.

Er hat es nicht gesagt, aber ich interpretiere es mal so. Als „Anhalter im Weltraumgeschehen“ dabei zu sein, aber eben nur per Anhalter bei den Amerikanern, Russen oder Franzosen, ist bislang noch unsere Paraderolle und wird es noch lange sein.

Übrigens super Idee, auf dem eintägigen Kongress (an einem Freitag!), morgens ein spezielles Programm für „Kids und Yolos“ (siehe Jugendwort des Jahres 2012) anzubieten. Die „Junge Space-Pioniere bei Kaffee und Croissants“ (so im Programm stehend) konnten sich bei echten Zukunftsfirmen der Raumfahrt schlau machen bzw. gab es einen „Kids-Talk mit Astronaut Matthias Maurer“.

So kann man die FFF-Generation locker überspringen.

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Luftverkehr als Staatsfeind Nummer 1

Von den angekündigten vierteiligen Bissigen Bemerkungen zur aktuellen Politik hier nun, speziell zum Thema Luftverkehr, Teil 2 (erschien am 1.8. auch als Born-Ansage bei airliners).

BBB Teil 2

In den Bissigen Bemerkungen vom 23. Mai hatte ich noch gewarnt: Die Flugbranche muss sich lauter zu Wort melden. Zu offensichtlich war der völlig undifferenzierte Verteufelungswahn von Flugreisen durch polemische Klimaaktivisten geworden. Damit war es nur noch eine Frage der Zeit, bis die Politik ähnlich undifferenziert auf diesen Zug aufspringen würde, um sich wählermäßig zu positionieren.

Seit kurzem ist bei mir auch der letzte Respekt vor „Fridays for Future“ in Frage gestellt worden. Wer am Flughafen Stuttgart protestiert mit „Attacke, Attacke – Fliegen ist kacke“, hat jegliche Seriosität verloren. Hier geht es nur noch um dagegen sein. Demoscham statt Flugscham.

Um es deutlich vorweg zu sagen, den Klimawandel heute noch zu leugnen ist dumm oder ignorant. Genauso wenig kann auch bestritten werden, dass die Fliegerei mit ca. drei Prozent am CO2-Ausstoß beteiligt ist. Weltweit wohlgemerkt. Wir reden also von einem Klima-Teilproblem und nicht vom Teufel persönlich. Aber der „grüne Teil“ dieser Republik hat sich darauf eingeschossen, dass es schon beim Fliegen um Alles oder Nichts geht. Die Emotionen sind im Höhenflug, deshalb kann nur schwer mit Fakten dagegen angekämpft werden. Dabei sind die erhobenen Forderungen zum großen Teil weltfremd und der Bürger bekommt Sand in die Augen gestreut, dass es jedem Sandmännchen zur Ehre gereichen wird.

Jetzt will das sogenannte Klimakabinett der Bundesregierung die CO2-Bepreisung beschließen. Die hyperaktive, zumindest quantitativ, Umweltministerin Schulze meldete sich streberhaft noch vor der Sitzung auf Twitter („Mini-Trump“?) „es kann nicht sein, dass auf bestimmten Strecken Fliegen weniger kostet als Bahnfahren“. Es brauche mehr Klimaschutz-Anreize beim Fliegen. Ein europaweites Vorgehen sei der beste Weg, aber darauf könne Deutschland nicht warten. „Ich bin deshalb dafür, dass wir die Luftverkehrsabgabe in einem ersten Schritt erhöhen.“

Frankreich führt ab dem kommenden Jahr eine Ökosteuer auf Flugtickets ein. Die Abgabe soll zwischen 1,50 Euro und 18 Euro pro Ticket betragen. Sofort Medienbegeisterung bei uns: „Eine Idee auch für Deutschland?“ Herzlich gerne, wenn dafür die Luftverkehrsabgabe entfällt. Sie bringt in 2019 mehr als eine Milliarde Euro in den Staatshaushalt ein, allerdings nicht zweckgebunden, sondern verschwindet im Topf. Steuerung? Denkste.

Deutschland hat mit die höchste Abgabenlast weltweit. Noch eine neue Steuer obendrauf ist nicht zu akzeptieren. Da hat Bundeswirtschaftsminister Altmaier recht, dass es unterm Strich nicht zu weiteren Belastungen kommen darf. Das könne man nur vermeiden, indem man „die Umlage für erneuerbare Energien senkt oder die Stromsteuer oder beides“. Wenn man in diesen Topf noch die Mineralölsteuer wirft und die Luftverkehrsabgabe und dann aus dem Gesamtpaket eine Steuer festsetzt, die den Namen CO2-Steuer trägt und dem Begriff Steuer im Sinne von „steuern“ gerecht wird, wäre das eine tolle Lösung. Aber im Ernst, wer traut diesen großen Wurf der nur noch verwaltenden Regierung zu?

 

Innerdeutsche Flüge verteuern oder ganz verbieten, auf die Bahn wechseln

Der innerdeutsche Flug zwischen Köln und Berlin ist wohl die Paradestrecke, wo es zu einem relativ kurzen Flug auch eine relativ einfache alternative Bahn oder Straße gibt. Aber ausgerechnet hier sind Minister, Staatsekretäre, Beamte und Angestellte von Januar bis Juli 1.740 mal hin und hergeflogen. Und noch schlimmer, das Ganze mit steigender Tendenz zum Vorjahr. Alle Ministerien zusammengerechnet, sofern sie bereit waren Zahlen zu nennen, haben in 2018 knapp 230.000 dienstliche Inlandsflüge. Alle Begründungen, warum sich die „Staatsdiener“ so verhalten, sind identisch mit denen des „gemeinen“ Volkes. Aber: „Quod licet lovi, non licet bovi“, was dem Jupiter erlaubt ist, ist dem Ochsen nicht erlaubt.

Engpass und damit echter Klimaschädling: Europäische Flugsicherung

Seit Jahren wird es beklagt, dass der Flickenteppich Flugsicherung in Europa zu Mehrbelastungen in sehr beträchtlicher Höhe führt. Dazu kommt ein steter Personalmangel, der auch auf absehbare Zeit nicht behoben werden wird. Schon 2009 habe ich von Bundeskanzlerin Merkel bei einer Feierstunde den Begriff „Single European Sky“ gehört und dass sich ihre Regierung darum kümmern werde. Zehn Jahre sind verloren, dabei sind Europäische Lösungen überlebenswichtig. Da fehlt bei „Fridays for Future“ der multinationale Ansatz. Aber wer will schon so ins Detail gehen, wenn er öffentliche Beachtung auch für weniger bekommen kann.

Verstaatlichung von Fluggesellschaften

Das ist natürlich der heißeste Vorschlag. Was soll sich dadurch zum Besseren ändern? Ryanair soll auch einbezogen werden, mit dem Verbot, Sonderpreise anzubieten. Wenn Sie mit dem Lachen fertig sind, dann lesen Sie die nächsten Sätze. Mein Vorschlag für die Besetzung zum Beispiel des Lufthansa-Aufsichtsrates wäre, den Aufsichtsrat des BER hier einzusetzen. Der hat seine wirtschaftliche Kompetenz in den letzten Jahren eindrucksvoll unter Beweis gestellt und wer versteht mehr von Null-Emissionen als dieses Fachgremium.

 

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Täuschen und Tricksen

Als das Fluggastrechteportal „Fairplane“ vollkommen „selbstlos“ quasi über Nacht beim Berliner Landgericht erwirkte, dass das eigentlich schon abgeschlossene (und Vueling zugeteilte) Niki-Insolvenzverfahren, jetzt nach Österreich verlegt und neu ausgeschrieben werden müsse, herrschte großes Unverständnis.

Aber als dann im Januar 2018 in einem beispiellosen Übernahme Coup Niki Lauda, im Unterschied zur ersten Entscheidung, den Zuschlag bekam, feierte man in der Alpenrepublik die gefundene „nationale österreichische“ Lösung. Wie schön das klingt, wenn man fest daran glaubt, dass der Schein mit dem Inhalt identisch sei.

Der „lange gemeinsame Weg“ war recht kurz

Es dauerte gerade mal zwei Monate, dann ließ Lauda die Maske fallen und der Gewinner war (Überraschung?) O’Leary. „Ryanair steigt bei Lauda Motion ein und hat ein Vorkaufsrecht auf mehr“ – da schäumten Markteilnehmer und -beobachter gleichermaßen. Vieles, was in den zwei Monaten zuvor von Lauda und seinem Management versprochen wurde, war nur noch Makulatur. Ebenso ist es nun um den „langen gemeinsamen Weg“ geschehen.

Jetzt wurde bekanntgegeben, dass Ryanair schon im Dezember 2018 Lauda Motion komplett übernommen hat. Das kann dann auch nicht mehr darüber hinwegtäuschen, was in der Realität ohnehin zu sehen ist: Ryanair hat das Sagen.

Damit landet das angeblich „letzte Filetstück“ von Air Berlin ausgerechnet im Rachen der Iren. Eine Riesenenttäuschung – auch für die Mitarbeiter.

Karsten Mühlenfeld plädiert für Offenhaltung von Tegel

Noch so eine seltsam anmutende Story: Der ehemalige BER-Chef und Ex-Verwalter von Deutschlands längster Dauerbaustelle, Karsten Mühlenfeld, hat sich nun für die Offenhaltung von Tegel ausgesprochen. Hat er uns nicht jahrelang erzählt, warum das aus rechtlichen Gründen überhaupt nicht geht? Jeder der anderer Meinung war, hat von ihm auch gleich eine abbekommen.

Die Lösung ist ganz einfach. Mühlenfeld ist seit August letzten Jahres in Diensten von … Na, raten Sie mal? Genau: in Diensten von Ryanair. Und Ryanair fordert schon viel länger den Weiterbetrieb von Tegel. Zufälle gibt es.

Entscheidung über BER-Fertigstellung erst nach der Brandenburg-Wahl

Jetzt wollen wir doch mal unter der Überschrift „Täuschen und Tricksen“ einen Blick in die Zukunft werfen: „Wird er oder wird er nicht“, als Steigerung von Shakespeares „Sein oder nicht sein – das ist hier die Frage“. Noch bevor man dem aktuellen BER Chef Lütke Daldrup eine Frage stellt, antwortet er schon, wie sicher der Eröffnungstermin im Oktober 2020 sei.

Als ich im November 2017 in den Bissigen Bemerkungen schrieb, „freuen Sie sich auf den 19. August 2020, 3000 Tage Nichteröffnung BER (seit 2012)“, ließ ich schon durchblicken, dass dies nicht das letzte Jubiläum sein könnte.

Jetzt war Lütke Daltrup gefordert, vor dem Landtag in Brandenburg, sein Wissen preis zu geben. Der Satz, der mich aufhorchen ließ, lautete: „Die Abnahme des BER-Hauptterminals wird erst nach der Wahl des Landtags Brandenburg stattfinden. Die Wahl ist für den 1. September 2019 angesetzt.“

Er hätte auch sagen können: „Liebe Abgeordnete, ich werde Euch im Wahlkampf nicht mit schlechten Nachrichten zum BER stören.“ Wie nett von ihm.

Spätestens jetzt ist mir endgültig klar: BER Eröffnung 2020 wird die Luftnummer des Jahres. Aber wie die anderen Beispiele zeigen, gehören Luftnummern ja zur DNA der Branche.

 

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Der Abstieg eines Flughafens zum Autoparkplatz

Ist das nicht eine Tragikomödie erster Klasse? Da gibt es einen Flughafen, der aussieht wie ein Flughafen, aber noch keiner ist, weil nicht geflogen werden darf. Da gibt es Autos, die aussehen wie Autos, aber nicht fahren dürfen, weil sie wegen ausstehendem Abgastest nicht zugelassen werden.

Da aber am Flughafen BER wenigstens der Parkplatz (gerüchteweise) funktioniert, kommen an dieser Stelle BER und VW zusammen. Noch ist zwar kein Kontrakt unterschrieben, aber aus Airport-Kreisen ist zu hören, dass wohl schon bald 10.000 Plätze (wahrscheinlich deutlich mehr) von den Wolfsburgern beparkt werden.

Was wird der BER wohl in Rechnung stellen?

Welch ein Abstieg für einen mal angekündigten Weltflughafen und ebenso peinlich für den Weltmarktführer VW. Immerhin werden sich beide, BER und VW, demnächst im Guinness-Buch der Rekorde für den größten Autoparkplatz finden. Ein zweifelhafter Titel, so als wenn der DFB sich des Rekordes „frühestes Ausscheiden bei einer Fußball-WM“ rühmen würde.

Allgemein ist bekannt, dass Parken am Flughafen nicht billig ist. Was wird der BER wohl in Rechnung stellen? Einen Tarif laut Aushang für jedes abgestellte Fahrzeug oder einen Massenrabatt? Und: Ist die Verwaltung am BER überhaupt kaufmännisch schon in der Lage so eine große Rechnung auszustellen? Oder zahlt der BER am Ende sogar Geld dafür, dass sich auf dem Flughafen endlich etwas bewegt – auch wenn es nur PKWs sind, die auf den Parkplatz rollen?

Wo wir gerade bei den Fragen sind: Was wird wohl zuerst passieren – die Eröffnung des BER oder die Zulassung der Autos? Dem BER traut man glatt zu, dass er im Vertrag mit VW keine Ausstiegsklausel eingebaut hat und die achte (!) angepeilte Eröffnung 2020 an folgender Ausrede scheitern wird: „Es stehen noch Autos rum, das gefährdet die Sicherheit am Airport.“

Parallelen zu „Hans im Glück“

Da Flughafengesellschaft und Gesellschafter uns schon seit Jahren Märchen erzählen, müssen sie jetzt auch mal verkraften, mit einem Märchen satirisch konfrontiert zu werden.

Im Märchen „Hans im Glück“ der Gebrüder Grimm erhält Hans für viele Jahre Arbeit einen kopfgroßen Klumpen Gold. Im weiteren Verlauf der Geschichte tauscht er diesen gegen ein Pferd – das Pferd gegen eine Kuh – die Kuh gegen ein Schwein – das Schwein gegen eine Gans – und die Gans gegen einen vermeintlichen Schleifstein. Der fällt ihm dann in einen Brunnen und Hans ist froh, dass er diese Last los ist.

Schauen wir uns dagegen die Geschichte vom „BER im Glück“ an, in einer etwas verkürzten Version. Den medialen Goldklumpen erhielt der BER am 20. März 2012, als sich Air Berlin für das mächtige Zelebrieren seines Eintritts in die Oneworld-Allianz den (noch nicht eröffneten) BER als Kulisse aussuchte.

Die Teilnehmer dieser Feierlichkeiten waren die Ersten, die überhaupt Flugzeuge vor dem neuen Flugterminal sehen konnten: Eine A330-200 in Oneworld-Beklebung und eine Boeing 737-800 im Air-Berlin-Kleid. Schmankerl für Nostalgiker: Chef von Air Berlin war damals ein gewisser Hartmut Mehdorn und Flughafen-Chef Rainer Schwarz.

Bereits wenige Tage später, im Juni 2012, war es mit dem Goldklumpen schon vorbei: Flughafeneröffnung abgesagt.

Flugzeuge sind beim BER zweitrangig

In den Folgejahren passierte außer neuer Terminverschiebungen nicht viel – der mediale Goldklumpen war schon längst durch immer billigere Ausreden getauscht. Es dauerte viele Jahre, bis mal wieder ein Flugzeug einen Hauch von Flughafen entfachte. Zwei putzige kleine Pandabären (Meng Meng und Jiao Qing – zum Glück heißen sie nicht Mehdorn und Schwarz) waren bei ihrer Ankunft allerdings mehr Attraktion, als ihr Flugzeug, in dem sie am BER – immer hin für einen Tag kurz Flughafen – landeten.

Kurze Zeit später, der nächste Tiefpunkt im Leben des gescheiterten BER. Air Berlin stellte die nicht mehr benötigten Flugzeuge dort ab. Traurige Bilder, wie man sie sonst aus der amerikanischen Wüste kannte, jetzt auch im Programm des BER. Aus dem ehemals anvisierten Flughafen war jetzt endgültig ein Stehhafen geworden. Im echten Märchen, wäre das jetzt die Stelle mit dem Tausch in die Gans.

Tschüss für das Flughafen-Image

Und 2018 folgt für den BER der letzte Tausch in den „Schleifstein“. Abgestellte Flugzeuge werden gegen abgestellte Autos getauscht. Die Anmutung eines Flughafens ist endgültig dahin.

Wie könnte unsere Geschichte vom „BER im Glück“ enden? Nach Autos folgen die Fahrräder. Die tausende kreuz und quer abgestellte Mietfahrräder in Berlin sind heute schon ein Übel und ein numerisches Ende ist nicht abzusehen. Irgendwann wird man auch diesen Blechhaufen mal entsorgen müssen – und raten Sie mal, wo? Spätestens jetzt fällt märchenmäßig der Schleifstein ins Wasser und der BER dem Abriss anheim.

Übertragen wir das Ende von „Hans im Glück“ mit nur ganz wenigen Wort-Änderungen in „BER im Glück“, irgendwann in den 20er-Jahren:

„So glücklich wie ich“, rief Engelbert Lütke Daldrup aus, „gibt es keinen Menschen unter der Sonne.“ Mit leichtem Herzen und frei von aller Last ging er nun fort, bis er daheim bei seinen Lieben angekommen war.

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