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Der Spucktüten-Spar-Hammer

Das ist wieder so eine typische Eurowings-Ausrede. Man spart an einem lächerlichen Punkt, begründet das aber mit einer Mega-Ausrede, die „fast immer“ zieht: Umweltschutz.

Jetzt macht mal halblang.

Wie muss man sich eine Management-Sitzung bei Eurowings vorstellen? Da schlägt der Controller als Reaktion auf den Spohrschen-Ergebnisdruck die xte Sparmaßnahme vor: Abschaffung der Spucktüten in den Eurowings-Flugzeugen.

Erstaunlich, dass nicht alle vor Lachen zusammengebrochen sind ob dieses gigantischen Sparvolumens. Einwand eines Sitzungsteilnehmers: „Aber wenn doch mal jemand?“

Neue Entscheidung, schaffen wir nicht alle Tüten ab, für den Notfall genügt eine pro Sitzreihe. Sharing Economy ist das Schlagwort, drei teilen sich eine Tüte.

Die Erfahrung sagt, inkonsequente Entscheidungen sind immer die schlechtesten. Sie haben aber einen Vorteil, das unliebsame Thema ist vom Tisch.

Wie sag ich’s der Presse?

Fast. Dann meldet sich jemand aus der Unternehmenskommunikation: „Wie erkläre ich diese Sparmaßnahme draußen der Presse. Die schreibt doch gleich, jetzt spart Eurowings auch noch an den K…tüten.“

Da legt jemand einen Zeitungsartikel mit der Überschrift „Airlines müssen umweltbewusster werden“ auf den Tisch. Spätestens jetzt hat das Top-Management die Lösung: „Wir sparen nicht, wir werden nur umweltbewusster.“ Genau dafür hat man Topmanager. Sofort läuft die Presseabteilung zur Hochform auf: „Sehr gut, wir machen ’no sickness bags for future!'“

Jemand aus dem High-Potential-Programm, der ausnahmsweise mal als Gast an einer Managementsitzung teilnehmen durfte, schlug vor, die Spucktüte immer dem Mittelsitz zuzuordnen und diesen ab sofort mit einem kleinen Preisaufschlag anzubieten. Dieser Vorschlag, obwohl er der Denkweise eines Billigfliegers perfekt entsprach, wurde nicht weiterverfolgt, weil die Idee nicht aus dem Management kam.

Offensichtlich hatten bei diesem schicksalhaften Meeting Kabinen- und Marketingvertreter Urlaub oder waren zur Konzernabstimmung bei der „Hansa“.

An der Praxis vorbeigedacht

Wäre Marketing in der Sitzung gewesen, hätte es bestimmt gewusst: „Hier geht es immer nur um Kostensparen. Wenn wir die Tüten mit einem Werbeaufdruck versehen, bringt das mehr Geld in die Kasse, als wir Kosten durch diese fragwürdige Entscheidung sparen.“

Wäre die Kabine anwesend gewesen, hätte sie auf die praktischen Probleme aufmerksam gemacht. Es ist richtig, dass in den Tüten auch Kaugummis und anderer Müll entsorgt wird. Wo kommen die Kaugummis jetzt hin? Unter den Sitz?

Und eine Tüte pro Reihe, das wird konkret bedeuten, der erste, der in die Reihe kommt, krallt sich gleich die Tüte, egal ob sie seinem Sitz zugeordnet ist oder nicht. Da haben wir in der Kabine schon Streit zu schlichten, bevor wir überhaupt losfliegen. Weit an der Praxis vorbeigedacht.

Die Sitzung wurde daraufhin beendet, weil „Bild“ von der Sache erfahren hatte und dringend um sofortigen Rückruf bat. Das war dann der Test, ob die Ausrede mit der Umwelt vermittelbar war. War sie nicht. Headline „Bild“ online am 27. August 2019 um 21:49 Uhr: „Jetzt streicht Eurowings sogar die Kotztüten“.

Habe mir gleich einen Merkzettel für den nächsten Eurowings-Flug geschrieben: „Unbedingt Spucktüte mitnehmen.“ Habe keine mehr, um sie ins Auto zu legen.

 

 

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Rasantes Tempo Richtung billig und absurd

Economy Light auf der Fernstrecke, also Flugtarif ohne Gepäck, so das neue Angebot einer deutschen Feriengesellschaft. Was ein Verkaufsclou sein soll, ist in Wahrheit ein weiterer Schritt abwärts als Billig-Airline. „Preis Light“ ist auch immer ein Beweis für „Marketing Light“, denn außer Preis hat man kein Argument. Ebenso schwach ist das Argument „wir müssen uns der Konkurrenz anpassen“. Auch das ist „Marketing light“.

Dabei ist nichts so leicht zu kopieren wie ein „billiger“ Preis und nichts bindet Kunden weniger an ein Unternehmen als der Preis. Die interessierten Kunden fühlen sich nur an den Preis gebunden, nicht an das anbietende Unternehmen, dies ist eine alte Weisheit.

Der Preis ist heiß

Menschenskind, fällt Euch wirklich nichts anderes mehr ein als Preis, Preis, Preis? Sich mal gegen den Mainstream bewegen und etwas Zusätzliches kreieren?

So ein Preis Light ist irgendwo zwischen Superbillig und Minuspreis positioniert. Und letzten Endes dient er ausschließlich dazu, in den Suchmaschinen vorne platziert zu werden. Leider sind diese Rankings in den Suchmaschinen qualitativ wenig bis überhaupt nicht vergleichbar.

Zugegeben, vergleichbare Angebote hat diese Fluggesellschaft bereits im Angebot, aber bislang nur auf der Kurz- und Mittelstrecke. Neu sind in der benannten „Flugzone 3 – 5“ unter anderem typische Fernstrecken-Urlauberziele enthalten. Fernstreckenurlaub ohne Gepäck? Geht natürlich, für manche Zeitgenossen gilt „Wäschewechsel im Urlaub ohnehin als überschätzt“.

Handgepäck-Probleme machen fliegen nicht leichter

Ein Fluggast fällt mir gerade ein, für den der „Ohne-Gepäck-Langstreckentarif“ maßgeschneidert ist: Der BILD-Reporter, der für die laufende Reportage „Eine Woche nackt auf der Nacktinsel“ auf die Philippinen flog.

Andere werden dadurch die Handgepäck-Problematik verschärfen, wenn jetzt alle die Handgepäck-Möglichkeiten genau ausreizen und erfahrungsgemäß auch überreizen. Laut Tarif darf der Light-Reisende nur ein Handgepäckstück und einen persönlichen Gegenstand (beides zusammen maximal sechs Kilogramm) mitnehmen. Sorry, selten so gelacht über diese angeblich einengende Vorgabe.

Habe gerade vor wenigen Tagen mal wieder meine eigene Erfahrung vor allem mit Rucksackreisenden an Bord gemacht. Eine Umdrehung im Gang oder beim Gepäckverstauen und man bekommt „vom Rucksack eine geklatscht“, die jedem Boxer Ehre machen würde. Dazu dann noch dieser Blick: „Du Idiot hast Geld für Deinen aufgegebenen Koffer bezahlt, aber ich bin schlau und nehme alles mit an Bord“.

Zwiebelprinzip kann nicht Teil der Lösung sein

Natürlich kann man auch Kleidung übereinander tragen. Am isländischen Airport Keflavik wurde Anfang des Jahres ein Mann „erwischt“, der acht Hosen und zehn T-Shirts übereinander trug. Das war dann auch British Airways zu viel.

Es wird heute schon Werbung für spezielle Gepäckkleidung gemacht, die extrem viele Taschen hat. Man kann darin bis zu 10 Kilogramm verstauen. Man sieht dann zwar aus wie ein Michelin-Männchen, kann aber an Bord das Kleidungsstück in eine Tasche verwandeln. Und dann ab mit der auch nicht kleinen Tasche in das Hatrack, in das der Sitznachbar gerade vorher seinen „ausgereizten“ Rucksack verstaut hat. Dumm für evtuell einen anderen Passagier, der seine Jacke vorher dort abgelegt hatte. Sie wird nach dem Flug einen leichten Ziehharmonika-Look zeigen.

Auch der Durchfluss an der Sicherheitsschleuse vorm Abflug dürfte, sollte der neue Tarif einschlagen, wesentlicher problematischer werden und entsprechender länger dauern.

Logisch, dass so ein Billigtarif natürlich auch den in der letzten Zeit beklagten Overtourismus zu bestimmten Zielgebieten fördern wird. Nur weiter so!

Bei diesem rasanten Tempo Richtung noch billiger und gleichzeitig noch absurder, stellt sich schnell die Frage, was kommt danach (kann überhaupt noch eine Steigerung möglich sein)? Ein Sondertarif „Super-Light“, wenn man selbst nicht mitreist? Der Passagier, dieser „lästige Typ“, erschwert die ganze Fliegerei doch ohnehin.

 

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Ich bin dann mal weg…

Mit seiner Abschiedserklärung, mitten in einer Pressekonferenz, fast nach Art von Hape Kerkeling, ohne vorherige Info an seine Mitarbeiter, hatte sich Hunold schon für einen etwas „ungewöhnlichen“, vielleicht sogar unnötig „unschönen“ Abgang entschieden.
Wie auch immer, es wird heftig darüber diskutiert, was der größere Schocker am Donnerstagmorgen war, der plötzliche (und zumindest zu diesem Zeitpunkt unerwartete) Rücktritt von Achim Hunold oder die Nachfolge durch den Ex-Bahnchef Hartmut Mehdorn. Beide hatten zuletzt nicht den besten Ruf in der Presse. So urteilte Spiegel online (treffend?) „Rambo I geht, Rambo II kommt“. Sicherlich nicht ahnend, dass beide Manager das nicht als Beleidigung, sondern eher als Kompliment auffassen würden. So entgegnete der ebenfalls höchst umstrittene Ex-EnBW-Chef (und Ex-Hannover 96 Präsident) Utz Claasen mal auf diesen Vorwurf „Lieber Rambo als Bambi“.

Zutreffender war da eher die weitere Formulierung bei Spiegel online „der Visionär geht, der Sanierer kommt“. So wie der „Vordenker“ zumeist noch einen „Nachdenker“ braucht, folgt dem Visionär in der Regel der Sanierer (Helmut Schmidt lässt grüßen).
Und bei Hunold kam, wie es kommen musste. Zuerst gleichermaßen von allen hochgelobt und jetzt gleichermaßen von allen niedergeschrieben. Wobei ich da an einen „Klassiker“ eines guten Hunold-Freundes denken muss: „Über Achim wird viel gesagt….., aber es stimmt auch viel“. Nur BILD stimmte nochmals eine Lobeshymne an. Wobei diese in Teilen eher peinlich (bis sehr peinlich) war. Dann doch lieber Rambo sein….

Aber eine Hunold Erkenntnis in diesem Interview sollte erwähnt werden. Auf die Frage, was er (Hunold) hätte rückblickend anders machen sollen, antwortete er: „Ich hätte noch stärker gegen die unsägliche wettbewerbsverzerrende Luftverkehrssteuer ankämpfen müssen“. Die BBBs haben nie verstanden wie schwach die Airlines hier reagiert haben (siehe BBB vom 6.9.2010 „Wenn Unvermögen zur Routine wird“, ebenso u.a. BBBs vom 14.6.2010, 19.7.2010 und 13.9.2010).
Aber, auch wenn es Hunold nicht gerne hört, die meisten Experten sind sich einig, dass der Kauf der LTU einer der entscheidenden Knackpunkt auf dem Weg zu schlechten Ergebnissen war. Es ist fast ein Treppenwitz in der Lebensgeschichte von Hunold, dass der wahrscheinlich emotionale Höhepunkt seines Wirtschaftslebens (siehe BBB vom 2.4.2007 „Achim Hunold: I had a dream“), der Kauf jener Firma die ihn Jahre vorher gefeuert hatte, gleichzeitig der Wendepunkt auf der Erfolgsleiter war. Der Kauf der LTU war zu teuer und fraß zuviel Energie und personelle Ressourcen, so die allgemeine Fachmeinung.

In den eben angeführten BBBs vom 2.4.2007 lästerten die BBBs auch über den LTU-Verkäufer Wöhrl, dessen unglaubliche Qualität darin besteht, „vermeintlich sanierte“ Gesellschaften zu einem hohen Preis zu verkaufen. Die BBBs „verliehen“ ihm damals den Titel: „GröFaz“: Größter Fluggesellschaften-Verkäufer aller Zeiten!
Ausgerechnet dieser Wöhrl, den man deshalb vielleicht nicht zu Unrecht als einer der „Sargnägel“ von Hunold bezeichnen könnte, entblödet sich jetzt nicht in der Abendzeitung Nürnberg zu verkünden: „Ich habe noch keinen Anruf bekommen, aber ich traue mir zu, Air Berlin innerhalb eines Jahres zu sanieren“.
Spätestens an dieser Stelle beginnt man Hartmut Mehdorn zu lieben.

Das hat Hunold wahrscheinlich unterschätzt, wie heftig die Presse und die öffentliche Meinung in vielen Foren über seinen Nachfolger Mehdorn herziehen würde. Wobei die meisten sog. Gags in der Umwandlung von Bahnsprüchen in Air Berlin-Sprüchen bestand, die nicht unbedingt auf einer IQ-Skala zu heftigen Ausschlägen nach oben geführt haben.
Man sollte es einfach leidenschaftslos feststellen, zur Umsetzung des angedachten Sparprogramms (und vielleicht noch etwas mehr) braucht es einen Sanierer der bedingungslos und mit Schärfe an die Sache herangeht. Dafür ist Mehdorn zweifellos der richtige Mann. Und die ihm (mit Recht) angekreideten Fehler, er hätte viel zu viel Energie und (Geld) in den Börsengang der Bahn gesteckt und den Datenskandal verharmlost, werden ihm bei Air Berlin nicht im Wege stehen. Air Berlin ist schon an der Börse und die Mitarbeiter von Air Berlin sind es gewohnt, dass ihr Chef alles wissen will. Und zwar alles.

Aber in den fast 100 Presseberichten die ich über den oben beschriebenen Wechsel gelesen habe, ist ein großer Verlierer nirgends erwähnt worden. Es ist eine kleine sizilianische Firma, namens Averna. Sie wird in den nächsten Monaten einen deutlichen Umsatzeinbruch erleben. Die Kenner der Materie wissen warum.

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Es ist immer schwierig, eine Kolumne zu schreiben, wenn langjährige Weggefährten betroffen sind. Aber ganz kneifen, ist auch nicht BBB Art. Aber beides, Bissige Bemerkungen hier und akustische Bissige Bemerkungen im Reiseradio, wäre dann doch zu viel gewesen. Deshalb gibt es diese Woche nur das ganze normale Reiseradio ohne bissige Bemerkungen. Zumal diese Woche auch das Thema Entlassungen bei TUI noch angestanden hätte und das ist auch kein einfaches (vielleicht nächste Woche mal).

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Westerwelle kann auch nicht „Reisewarnung“

Diese Ansprache von Westerwelle hat niemand geholfen. Wirklich nicht. Natürlich waren die Bilder aus Kairo, Alexandria und Suez dramatisch. Natürlich wollte jeder, der konnte, raus aus diesen Städten. Und kein vernünftiger Mensch käme da auf den Gedanken hinzufliegen.

Aber 500 km südlicher am Roten Meer sah die Welt schon ganz anders aus. Nicht nur für die Touristen, sondern auch für die dort arbeitenden Ägypter. Westerwelles staatsmännisch getragene Ansprache war aus mehreren Gründen daneben. „Die Reiseveranstalter sollen keine neuen Kunden mehr an das Rote Meer fliegen, aus Sicherheitsgründen, und weil die Versorgung eventuell gefährdet sei“. Aber eine knallharte Reisewarnung, die bedeutet hätte, dass die Veranstalter evakuieren müssten, sprach er nicht aus. Also, hin darf man nicht, aber dort bleiben darf man. Logik verstanden? Ich leider nicht.

Aber es gibt noch eine andere Seite. BILD-Kommentator Dirk Hoeren hat es so schön unsinnig beschrieben. „Auf dem Weg in die Freiheit ohne Fundamentalismus brauchen die Ägypter jetzt unsere Unterstützung. Aber nicht Cocktail schwenkende Touristen, die fragen wann das nächste Büfett geöffnet wird“. Rate doch mal lieber BILD-Schreiber von was die Zehntausenden dort leben? Richtig, vom Tourismus! Und, rate mal weiter, warum dort niemand an Fundamentalismus denkt? Weil im Unterschied zu den Menschen in den Großstädten, die für den Tourismus Arbeitenden wenigstens ein Minimum (zugegeben nicht viel) an Einkommen haben. Und wenn Westerwelle jetzt den weiteren Zustrom an Touristen stoppen lässt, dann macht er genau das Gegenteil von dem, was er an anderer Stelle sagt: „Wir unterstützen Ägypten“. Na klar, „am besten“ machen wir das, wenn wir auch den Letzten dort noch Arbeit und Einkommen nehmen.

Nett auch, wie TV und schreibende Journalisten versuchten den heimkommenden Urlaubern und auch jenen vor Ort möglichst aufregende oder unglückliche Kommentare zu entlocken. Objektivität sieht anders aus. Man muss es einfach zur Kenntnis nehmen, dass die Hauptstädte und die Touristenzentren in vielen Tourismusdestinationen getrennte Welten sind. Natürlich muss man das nicht gutheißen, aber der Tourismus ist für diese Länder eine der wichtigsten Einnahmequellen. Deshalb hatte das Auswärtige Amt in der Vergangenheit neben der überragenden Sicherheitsfrage auch immer die Bedeutung des Tourismus in die Entscheidung einbezogen.

Spätestens jetzt werden die üblichen Tourismuskritiker laut aufgejault haben, für die ausgerechnet die Touristen die deutsche Moral hochhalten sollen. Die deutsche Politik scheint jedenfalls vollkommen überrascht worden zu sein. „Ägypten ist nicht demokratisch? Das haben wir nicht gewusst.“. „In Ägypten herrscht Unterdrückung? Ach was, hätten wir von dem netten Herrn Mubarak nicht erwartet“. „In Ägypten ist Korruption allgegenwärtig und ohne Bakschisch läuft gar nichts?“ Ach was.
Haben Sie die Bilder gesehen wie Westerwelle bei seinem Antrittsbesuch in Kairo neben „Herrn Mubarak“ vor Stolz fast geplatzt ist? Wie unsere Kanzlerin vor 1 ½ Jahren Herrn Mubarak als „großen Freund“ in Berlin begrüßte? Ägypten steht in der Liste der korrupten Ländern auf Platz 111 von 176 Ländern (je weiter hinten man steht, desto korrupter ist ein Land) und das schon seit Jahren. (Just for info, in dieser Tabelle ist Deutschland gerade auf Platz 16 abgerutscht. Gemessen an der vorgegebenen „deutschen Korrektheit“ auch kein Ruhmesblatt).

Wollen wir hoffen, dass die Ägypter ihre Revolution friedlich „hinbekommen“. Dem sympathischen Volk mit dieser unglaublichen Tradition ist es von Herzen zu gönnen. Um den künftigen Tourismus nach Ägypten mache ich mir die wenigsten Gedanken. Sobald die Lage sich beruhigt hat (und die Politik nicht weiter hindert) werden die Touristen sehr schnell in bisheriger Größenordnung wieder kommen. Dafür ist Ägypten einfach zu interessant und schön.

Wenn wir schon beim Thema Sicherheit sind, kann man sich eine Bemerkung zum „Auftritt“ unseres Innenministers de Maizière nicht verkneifen. In großer staatsmännischer Pose „Ich wende mich an das Deutsche Volk“ (das hatte schon Westerwelle-Niveau) verkündete er, dass „die Sicherheitsstufe“ jetzt zurückgefahren werden könnte, wenngleich „kein Anlass zur Entwarnung bestehe“. Ja, was nun? Vor dem Reichstag bleibt übrigens die Sicherheitsstufe auf alter Höhe, „einige sind eben gleicher als andere“.
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Im Reiseradio (www.reiseradio.org) gibt es ein Statement vom Hauptgeschäftsführer des DRV, Hans-Gustav Koch, mit seiner Meinung zur Reisewarnung des Auswärtigen Amtes. Außerdem wird über den Veranstalter Windrose berichtet, dessen Kunden durchschnittlich 4.600 Euro pro Reise ausgeben (also keine typischen Gäste für das Rote Meer). Das Thema Ägypten steht natürlich im Mittelpunkt der akustischen Bissigen Bemerkungen und wem man besser kein Mikrofon vor die Nase halten sollte.

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Wer möchte einen eigenen Flughafen haben?

Nicht jede Nachricht, die man so während des Sommerlochs liest, darf man ernst nehmen. Früher war es das Ungeheuer von Loch Ness, das regelmäßig in den Sommermonaten die Zeitungsspalten füllte. Dann entdeckten die parlamentarischen Hinterbänkler die Chance im Sommerloch mit manchem Quatsch in die Medien zu kommen, wie beispielsweise „die Deutschen sollen weniger ins Ausland reisen“ oder sogar „überhaupt weniger Urlaub“ machen. Wer jetzt die Supermeldung über die Eröffnung eines „internationalen Flughafens in der Nähe von Magdeburg“ in die gleiche Schublade gesteckt haben sollte, hätte zwar einerseits intelligentes kritisches Denken bewiesen, aber andererseits gewaltig unterschätzt für welchen Unsinn Politiker bereit sind Geld auszugeben.

Magdeburg-Cochstedt so nennt sich der Flughafen, der sich (Zitat) „national und international etablieren will“. Die Pressemeldung der Betreibergesellschaft Airport Development A/S beweist auch die entsprechende Fachkunde. So sollen „ab Oktober von Cochstedt aus mehrmals wöchentlich Flugziele in Richtung Süden abheben und zunächst sollen drei Urlaubsorte angeflogen werden“. ???
Na, ja, die Urlaubssaison ist zwar schon so gut wie zu Ende, aber vielleicht hat man in der Gegend von Cochstedt eine ganz eigene zeitliche Präferenz in Urlaub zu gehen.
Fragt man bescheiden nach, wohin die Flüge gehen sollen, erhält man die lustige Antwort, die „genauen Flugziele würden in Kürze bekannt gegeben“. Ist auch nicht so schlimm. Es sind ja noch ein paar Tage Zeit bis dahin und ein gewisser Überraschungseffekt kann marketingmäßig nicht schaden. Vorschlag der BBBs: Keine Ziele bekannt geben, sondern die Passagiere erst nach Abheben des Flugzeuges damit überraschen.

2011 sollen dann „mehrere europäische und internationale Ziele“ hinzukommen. Leider konnten die BBBs in der Kürze der Zeit den konkreten Unterschied zwischen europäischen und internationalen Zielen nicht herausfinden.

Eines könnte man aber sofort feststellen, wie viel Geld die bisherigen Bemühungen gekostet haben, einen Flughafen zu eröffnen, den urlaubsmäßig garantiert niemand braucht. Eine Pleite gab es schon in 2000, angeblich sollen bis dahin 60 Mio. Euro versenkt worden sein. Im Zweifel waren es eher deutlich mehr.

Das erinnert an einen anderen in der Nähe liegenden „Weltflughafen“: Leipzig-Altenburg. Wie hatte der Landrat des Landkreises Altenburg-Land in 2009 so putzig formuliert: „Ich wünsche mir für meinen Flughafen Altenburg viele internationale Investoren. Ich denke, dass ein Airport Made in Germany, der eine mittelfristig gute Geldanlage sein wird, international auf Interesse stoßen wird“. Und da wurden auch schnell 650.000 Euro Marketingzuschuss locker gemacht, damit Ryanair von dort aus ein wenig umherfliegen kann. Mit diesem Geld könnten alle Passagiere per Taxi zu einem richtigen Flughafen anreisen.
Und die Problematik eines „Großflughafens“ wurde vor kurzem deutlich, als einer der seltenen Anflüge umgeleitet werden musste, weil kein Fluglotse im Tower war. Schuld: „Unklare Dienstplanung“. Bei diesem Riesenbetrieb kann man schon mal die Übersicht verlieren.

Dabei müsste man nur bei den seit Jahren kämpfenden kleineren Flughäfen in
Deutschland (z.B. Memmingen) mal anrufen, um sich ein klein wenig Fachkenntnisse über die Beschäftigungsproblematik dieser Mini-Flughäfen zu beschaffen.
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Die Bissigen Bemerkungen haben zwar eine erfreulich große Leserschar, jedenfalls mehr Leser als o.g. Flughafen Passagiere, aber noch viel Potenzial im Vergleich mit den ganz großen Blogs dieser Republik. So wurden die BBBs der vorletzten Woche („offener Brief an die BILD-Zeitung“) zwar schon zu Wochenbeginn gut nachgefragt, aber als ein Leser freundlicherweise diese Bissigen Bemerkungen in den BILD-Blog einstellte, ging es richtig rund. Innerhalb von zwei Tagen wurden 160.000 Klicks registriert, über 10.000 Leser waren tatsächlich auf den Seiten der Bissigen Bemerkungen und schauten sich insgesamt 35.000 Seiten „Bissiges“ an. Für eine solche Marketinghilfe sei hier Danke gesagt.

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Wie immer sei noch auf das Reiseradio (www.reiseradio.org) verwiesen. Nach den Interviews letzter Woche zur Flusskreuzfahrt geht es diesmal zur Hochsee mit allerlei Nachrichten rund um die AIDA.

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