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Freiheit gewonnen, Arbeitsplatz verloren?

Herzlichen Glückwunsch an das ägyptische Volk. Dass es so schnell gehen würde, war kaum zu glauben. Eine unblutige Revolution in nur 18 Tagen, das toppt selbst den Umsturz in der DDR.
Fast peinlich aber die aktuellen Interviews von Merkel und Westerwelle. Wie schnell da „die Seite gewechselt“ wurde, unglaublich. Und Frau Merkel hat sich auf der Sicherheitskonferenz in München noch selbst gefeiert, als jemanden „der persönliche Erfahrung mit friedlicher Revolution hat“. Wie bitte? Die Revolution in der DDR ist wohl so ziemlich ohne sie gelaufen. Oder haben wir da etwas geschichtlich Relevantes verpasst?

Aber viel wichtiger ist jetzt, dass die Reiseveranstalter (und Fluggesellschaften) Druck machen, damit sehr schnell wieder Urlauber nach Ägypten kommen. Das wäre ja mehr als bitter: Freiheit gewonnen aber Arbeitsplatz wegen fehlender Urlauber verloren. Rund 400.000 im Tourismus am Roten Meer Beschäftigte wurden in unbezahlten Urlaub geschickt. Je länger diese Zwangspause dauert, desto schwieriger wird es den „Tourismus wieder neu zu starten“. Im Unterschied zu Naturkatastrophen ist die perfekte Infrastruktur unverändert vorhanden und die Sonne scheint so kräftig, als wäre auch sie besonders stolz auf das Geschehene.
Also Auswärtiges Amt und Veranstalter, jetzt Tempo machen und die unsinnige politische Entscheidung korrigieren.

Natürlich und verständlich freuen sich im Moment alle anderen Reisedestinationen über die überraschend zufallenden Ex-Ägypten-Touristen. Es sei ihnen auch gegönnt. Gleichzeitig ist aber grundsätzlich für die Destinationen beängstigend (wenn auch nicht sehr überraschend), wie hoch in den Augen der Touristen die Austauschbarkeit der Ferienziele ist. Kanaren statt Ägypten, das war zu erwarten. Aber Mexiko statt Ägypten oder Paris statt Ägypten? Eine zumindest nicht alltägliche Entscheidung.
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In eigener Sache:
Der Umsturz in Ägypten wird später in den Geschichtsbüchern wahrscheinlich als Facebook-Revolution stehen. Ungeachtet aller bisherigen Lästereien über Facebook bleibt festzuhalten, ohne Facebook bzw. Internet generell wäre Kairo 2011 nicht möglich gewesen.
Themensprung: Wie bereits angekündigt können die Bissigen Bemerkungen am 1. März ihren 10. Geburtstag feiern. Auf der Suche, was sich die BBBs zu diesem Tag als Geschenk wünschen könnten (ganz schön selbstbewusst!), kommt jetzt die Verbindung zu Facebook. Auf der „Fanseite Borns Bissige Bemerkungen“ gibt es per heute 881 Fans („gefällt mir“). Liebe Leserinnen und Leser der Bissigen Bemerkungen, ob es wohl zu schaffen ist, diese Zahl bis zum 1. März auf über 1.000 zu steigern? Das wäre ein tolles Geschenk und auch genügend Motivation über die vor zwei Jahren angepeilte Endzahl von 500x Bissige Bemerkungen hinaus (die heutige Ausgabe = 495) weiterzumachen.

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Prosit Neujahr – alles wird besser

Sorry, aber das war natürlich nur ein kleiner BBB-Scherz in der Überschrift. Nichts wird besser. Es sei denn es wird draußen wärmer. Dann hat die Bahn keine Probleme und die Flughäfen auch nicht. Es ist aber auch wirklich ärgerlich, wie überraschend es jedes Jahr Winter wird und vor allem wie wörtlich der Winter sein Versprechen „Winter“ nimmt.

Über das Zugfahren hat sich die Medienwelt schon ausreichend ausgelassen. Wobei bei den vielen „klugen Ratschlägen“ manchmal vergessen wird, dass die Bahn pro Tag 27.000 Fahrten abspult. Rein zahlenmäßig müsste der Winter bei den Flughäfen leichter zu bewerkstelligen sein. Wie pflegte Radio Eriwan zu sagen: „Im Prinzip ja, aber…..“ Die Flughäfen oder besser gesagt die entsprechenden Abfertiger für die Enteisung (wie z.B. GlobeGround Berlin) haben natürlich vorgesorgt. Sagen sie zumindest. Sie haben die Lager vergrößert und vor allem tolle Verträge für ausreichende Nachlieferungen geschlossen. Aber die liebe Globalisierung hat dafür gesorgt, dass bei den Lieferanten für Enteisungsmittel kein Wettbewerb mehr herrscht. Und die Schlaumeier dort (wie z.B. Clariant) haben natürlich auch schon etwas von „just in time-Lieferung“ gehört und wenden es auch an. Und wenn dann einmal ein einziger Bestandteil dieses Enteisungsmittels fehlt, dann wird es verdammt eng. Und jetzt fehlt Glykol!
Ja, das gute alte Glykol, das die Österreicher mal vor Jahren in ihren Wein geschüttet haben damit sich die Aromastoffe besser entfalten? Genau. Übrigens ist der Skandal damals aufgeflogen weil ein Winzer auffällig große Mengen von Frostschutzmittel in seiner Steuererklärung geltend machte. In den Glykol-Skandal war auch der Berliner Wirtschaftssenator Pieroth verwickelt, der im Neben- (Hauptberuf?) Chef einer großen Weinfirma war, die ebenfalls große Mengen Glykol in ihren Wein schütteten. Von „zuviel Glykol“ wie bei dem damaligen Wirtschaftssenator träumt nun die Berliner GlobeGround.

Ok, was ist zu tun? Glykol muss her. Und wo gibt es genügend? In den USA! Liebe Fluggäste, die Ihr zur Zeit gerade in den USA seid. Bitte auf dem Rückflug soviel Glykol mitbringen wie ihr tragen könnt und in Eure Koffer passen. Das kann man dann bei uns zu einem ordentlichen Preis an die Enteiser-Fuzzies verkaufen.

Der Scherz mit „alles wird besser“, betrifft natürlich auch das große Wahlversprechen „mehr Netto vom Brutto“. Ab sofort wird vieles richtig teurer. Die sog. Flugabgabe (von 8 – 45 Euro), die Krankenkassenbeiträge, die Tabaksteuer, die Spritpreise an den Tankstellen, die Strompreise und als Konsequenz weiterer Aufgabenverlagerungen an die Kommunen auch viele kommunale Abgaben. Und warum? Nur weil bei der Weitergabe des Merkelschen Versprechens „Wir wollen intelligent sparen“ an die Mitarbeiter der Bundesverwaltung ein klitzekleiner Schreibfehler passierte. Statt „wir wollen intelligent sparen“, stand da geschrieben „wir wollen Intelligenz sparen“. Noch nie zuvor wurde mit so großer Begeisterung eine Aufforderung befolgt.
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In eigener Sache.
Dann loben wir uns mal selbst, denn in 2010 sind die Rekorde nur so gepurzelt.
429.000mal wurden die BBBs gelesen (keine Klicks, sondern auf der Seite gewesen, entweder bei den 3.841 Newsletter-Abos oder direkt auf der Homepage!). Danke an die lieben Leserinnen und Leser.
Und was steht 2011 an? Am 1.3.2011 werden die BBBs 10 Jahre alt. Nicht zu fassen, aber es stimmt: 10 Jahre BBBs. Dann denkt schon mal über ein nettes Geschenk nach.

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Im Reiseradio (www.reiseradio.org) geht es diese Woche in den Norden. Island, Finnisch Lappland und die teuerste Kreuzfahrt der Welt, sind die Ziele. Und dann noch etwas Traumschiffschelte. In den akustischen Bissigen Bemerkungen wird dann über das Traumschiff auf andere Art abgelästert. Außerdem geht es wie so oft um unser Lieblingsthema Sicherheit beim Flug.

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