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In 2020 wird alles besser. Wirklich?

2019 war für Tourismus und Fliegerei wahrlich kein Glanzjahr. Insofern könnte man annehmen, dass es nur besser werden könne. Da bin ich mir nicht so sicher. Schlechtleistung scheint zum System geworden zu sein und eine Trendwende ist nicht erkennbar.

178 Jahre nach der ersten Pauschalreise durch Thomas Cook, fahren die aktuellen Manager das Unternehmen gegen die Wand. Nicht nur, dass ein ehemals glorreiches Unternehmen sein unrühmliches Ende gefunden hat, es stürzt sowohl seine Kunden als auch die gesamte Branche in eine tiefe Krise.

Vor 103 Jahren wurde die Firma Boeing gegründet. Eine stolze Flugzeugfabrik, der Erstflug der B 747 im Februar 1969 (im gleichen Jahr wie die erste Mondlandung) zählt zu den Sternstunden der Fliegereigeschichte. Das Boeing-Arbeitspferd B 737 ist über mehrere Generationen hinweg gefertigt der weltweit meistgebaute Flugzeugtyp und wurde inzwischen über 10.000 mal verkauft. Aber mit der neuesten Version 737max gelingt es Boeing nicht, ein zuverlässiges Flugzeug zu fertigen. Nachdem alle Parkmöglichkeiten der gefertigten aber nicht einsatzfähigen Flugzeuge erschöpft sind, mehr als 400 Exemplare stehen inzwischen sinnlos auf irgendwelchen Parkplätzen rum, wird die weitere Fertigung jetzt endlich eingestellt. Aber die 737max ist nicht nur ein Boeing-Problem. Weltweit geraten dadurch Kunden und Zulieferer ohne eigenes Verschulden in tiefe wirtschaftliche Probleme.

Beiden Skandalen ist eines gemeinsam und das ist für mich die erschreckende Bilanz aus 2019, das bislang fast blinde Vertrauen der Kunden „in Sicherheit“, ein wesentlicher Erfolgsgarant für beide Industrien, ist zumindest fahrlässig, wenn nicht sogar mehr als fahrlässig, zerstört worden.

Laut Information des Konkursverwalters stand Thomas Cook zuletzt mit 10,8 Mrd. Euro im Minus. Auch ein sehr unfähiges Management schafft diese Anhäufung nicht in kurzer Zeit. Irgendwann muss es auch dort deutlich geworden sein, als immer noch Gelder buchender Kunden eingesammelt wurden, das dieses Konstrukt schief geht. Irgendwann muss auch der Politik und den Verbänden (in Deutschland) klar geworden sein, dass die Deckelung der Haftungs-Versicherungssumme in Höhe von 110 Mio. Euro nicht ausreichend sein wird. Fast alle haben aber zugesehen und gewartet bis es zum Crash kam.

Bei Boeing kommen laufend neue Einzelheiten ans Licht, wie die Firmenphilosophie nicht sachgerecht auf Mängelanzeigen aus dem Betrieb reagierte. Auch hier negierte man kritische Meldungen und bot Lösungen an, die im Verhältnis zum Problem eigentlich als außerordentliche Chuzpe bezeichnet werden muss. Auch hier haben Politik und FAA viel zu lange weggesehen (oder nicht begriffen), wie von Seiten des Managements getrickst wurde. Wird schon gutgehen. Ging aber nicht. So langsam wagen sich einige Whistleblower ans Licht der Öffentlichkeit und machen auch auf Probleme bei anderen Boeing-Typen aufmerksam.

Aber Vertrauen in Sicherheit wieder zu gewinnen, ist keine Sache, die sich mit dem Abriss des Kalenderblattes 31. Dezember 2019, automatisch einstellt.

Zumal verwunderlich ist, wie nonchalant die Verantwortlichen noch immer mit dem Thema Sicherungsschein für die Pauschalreise umgehen. Ihn zu beerdigen wäre ehrlicher, als ihn weiter auszugeben, in der schon einmal getrogenen Meinung, er wäre in „jedem Fall sicher“. Das gleiche gilt für die unverändert fehlende Absicherung für voraus gezahlte Flugtickets. Das sehr gelassene Lobby-Motto lautet: wenn es wieder mal schiefgeht, halten wir das schon aus. Offensichtlich halten Branche und Politik „Vertrauen“ nicht für eine harte Währung. „Gesagt“ und „Getan“ – selten war der Unterschied größer.

Ähnlich könnte man auf das Thema Schlechtleistung in der deutschen Fliegerei eingehen. Wobei der Fokus hier auf dem Gesamtpaket Flug liegen sollte. Ewig lange Schlangen an der Sicherheitskontrolle, zwei Stunden Wartezeit ist nicht mehr die Ausnahme, sie „versauen“ das Erlebnis Flug, bevor es angefangen hat. Aber dies wird inzwischen als „normal“ angesehen und es gibt keine ernsthaften Bemühungen, außer „staatstragenden Sonntagsworten“, dass sich dies in 2020 ändern sollte. In DUS darf die schon lange negativ beleumundete Sicherheitsfirma Kötter so einfach aus einem laufenden Vertrag aussteigen, weil sie keinen „Bock mehr“ auf eine ordentliche Leistungserfüllung hat.

Wenn es insgesamt nicht besser (seriöser) wird, könnte man leicht abgewandelt Christian Lindner (FDP) zitieren: Lieber nicht reisen, als schlecht reisen.

1989 war „Reisefreiheit“ das Wort des Jahres. Reisefreiheit heute kann man so definieren: „Jeder darf so schlecht reisen, wie ihm der ‚billige Preis‘ noch Spaß macht“, aber leider leiden auch jene darunter, die einen anderen Anspruch inklusive entsprechender Zahlungsbereitschaft haben.

Noch eine letzte „bissige Bemerkung“ zum Jahreswechsel. Gerüchteweise wird im Hintergrund nach einem neuen Bundes-Verkehrsminister gesucht. Ein Merkmal, angesichts der Vorgänger Scheuer, Dobrindt, Ramsauer, sollte angeblich absolutes Desinteresse für das Thema Flug sein. So jemand wird sich doch in Bayern finden lassen.

 

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Vertrauen

Lufthansa stand beim letzten Investorengespräch besonders unter Druck. Zwar sind nicht alle Kennzahlen schlecht, aber eine wiederholte Gewinnwarnung sagt dem Markt auch, dass vieles noch weit entfernt von einer befriedigen Lösung steht.

Dabei hat die Luftfahrt zunehmend ein Problem mit einer Währung, die in keiner Bilanz steht: Vertrauen. Bei Branchenproblemen steht der Marktführer, in diesem Fall Lufthansa, immer besonders im Fokus beziehungsweise man erwartet von ihm besonders, dass er sich dagegenstemmt. Dumm nur, wenn hausgemachte Probleme das Geschäft zusätzlich erschweren.

Es ist leider ein bisschen viel, was das generelle Vertrauen in die Fliegerei belastet. Nach den Abstürzen der zwei 737-Max-Flugzeuge, wird jetzt nicht nur über (ohnehin schlimme) Softwareprobleme gesprochen, es scheint vielmehr, dass die Messlatte, wann ist ein neues Flugzeug „fertig“ und kann dem Markt zur Verfügung gestellt werden, nach unten versetzt wurde.

Dazu noch ein bisschen mehr Arbeitsverlagerung an Subunternehmen, eventuell sogar etwas Mauschelei hier und dort. Im Ergebnis bedeutet das stärkeren Druck als bisher gewohnt auf alle Beteiligten im Unternehmen, die dann irgendwann glauben, sich dem nicht mehr entziehen zu können. So ähnlich wird sich wohl der Dieselskandal entwickelt haben, aber bei Boeing dachten wir, dass die Luftfahrt-DNA solche Denkweisen generell ausschließt.

Vertrauensbeweis oder Marketing?

Sind die zuletzt abgegebenen Vertrauensbeweise gegenüber Boeing im Allgemeinen und 737 Max im Besonderen (siehe O`Leary, aber auch Spohr) nur clevere Marketingaussagen, um den künftigen Kaufpreis zu drücken oder notwendige Bekundungen, um dem Markt Vertrauen zu signalisieren? Für Letzteres ist es noch zu früh, solange nicht ausgeschlossen ist, dass Boeing noch die eine oder andere Unzuverlässigkeit eingestehen muss.

Und das alles vor dem Hintergrund einer in dieser Härte noch nie dagewesenen Debatte, wie stark die Luftfahrt das Klima belastet, Stichwort „Flugscham“. Selten ist in irgendeiner Branche das Image von Traum in Albtraum so schnell gekippt wie hier. Und auch hier geht es wieder um Vertrauen und darum wie glaubhaft die Bemühungen der Branche zum Besseren sind.

Lufthansa hat jetzt acht klimapolitische Kernbotschaften auf ihrer Homepage veröffentlicht. Es wird gemunkelt, dass Lufthansa auf die Frage, warum nur auf der Homepage veröffentlicht wird und nicht prominenter in den Medien, geantwortet hat: „wen es interessiert, weiß auch wo, man es finden kann“. Da bin ich allerdings zwingend der Meinung, dass man um hier Vertrauen zu gewinnen, extrem offensiv vorgehen muss und nicht abwarten kann, bis man „gefunden wird“.

Eurowings-Chef mit sehr eigener Wahrnehmung

Um Vertrauen kämpfen muss Lufthansa auch für ihre Tochter Eurowings. Der an dieser Stelle schon letztes Jahr kritisierte bedingungslose Wachstumskurs, auch zu Lasten der Kundenzufriedenheit (Motto: „Augen zu und durch“), rächt sich jetzt in katastrophalen Ergebniszahlen.

Lufthansa musste jetzt auf „Schubumkehr“ schalten und kassierte die Expansionspläne der Eurowings wieder ein. Natürlich soll auch auf die Kostenbremse getreten werden. Wie schon bei früherer Gelegenheit hat auch hier der Eurowings-Chef ihm eigene Umschreibungen parat. Zur gestrichenen Gratis-Verpflegung meint er: „Die Zukaufangebote machen Kunden zufriedener“. Hoffentlich wissen das auch die Kunden, dass sie jetzt zufriedener sind.

Merke: Je chaotischer das wirtschaftliche und politische Umfeld, desto wichtiger wird Vertrauen. Ein Marktführer wie Lufthansa ist hier besonders gefordert. Vertrauen schaffen und erhalten bekommt man nicht durch gelegentliche Marketingaussagen, man muss es täglich beweisen, das kann im Einzelfall auch Kosten verursachen. So wird Vertrauen zur Überlebenswährung, auch wenn es nicht in der klassischen Bilanz steht.

Viele Unternehmen legen heute zusätzlich ihre eigene Umweltbilanz vor. Wie wäre es mit einer Vertrauensbilanz?

 

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Der Dreamliner von Boeing hat Probleme

Der Jungfernflug der Boeing 787 (Dreamliner genannt) muss verschoben werden. Grund u.a. „Rumpfteile aus Italien trafen nur provisorisch montiert ein, da auf dem Weltmarkt ein Engpass bei Bolzen und Nieten herrscht“ (Welt Online vom 25.6.).

Logisch. Die ganzen Nieten findet man auf den Chefetagen der Wirtschaft (laut Berichten in allen Zeitungen).

So ungerecht verteilt ist manches auf dieser Welt. Stoßseufzer mancher Mitarbeiter: „In Seattle wird mein Chef dringend gebraucht, da sind die Nieten knapp“.

Laut Branchenspott heißt die Boeing „7eight7“ inzwischen Boeing „7late7“.

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