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Der Kranich will seine verlorene Tochter zurück

Die Brüder Grimm waren grausam: Im Märchen Hänsel und Gretel schicken die in finanzielle Not geratenen Eltern ihre lieben Kinder weg, geben noch etwas Wegzehrung mit und ab geht es in den dunklen Wald. Dort fallen sie einer bösen Hexe in die Hände.

Thomas Cook kann mit den Brüder Grimm durchaus mithalten. Sie haben in den letzten Jahren ziemlich über ihre Verhältnisse gelebt und schicken jetzt, um ihr eigenes Leben zu retten, ihre Kinder fort. Aber anders als im Märchen, werden die Kinder nicht in den dunklen Wald geschickt, sondern im Dschungel  der  „kleinere Airlines fressenden Monster“ öffentlich zum Verkauf angeboten.

Eines dieser Kinder heißt Condor und hat ohnehin ein wechselvolles Schicksal hinter sich. Es wurde vor 20 Jahren schon mal von einer gewissen Lufthansa ausgerechnet an die jetzigen Eltern Thomas Cook verkauft. Diese versuchten vor ca. 17 Jahren überhaupt nicht zimperlich ihr ihre Identität zu nehmen und einen anderen Namen zu verpassen. Da hat allerdings das Amt (sprich Öffentlichkeit) nicht mitgespielt.

Für den Fortgang dieser Geschichte stellt sich nun die Frage „wer wird die böse Hexe sein, in deren Hände Condor fällt“. Und da sieht es jetzt gar nicht gut aus. Die böse Hexe, hat den kurzen Namen „EU“, sitzt in Brüssel in ihrem Pfefferkuchenhäuschen und hat seltsame Vorstellungen über Adoptionen von elternlosen Kindern. Dabei spielt das Kindesschicksal zumeist eine untergeordnete Rolle.

Zurück zur Realität. Condor hat sich in letzter Zeit schon abstrampeln müssen, um sich über Wasser zu halten. Die vielen Subcharter im Auftrag der Condor, verniedlichend Partner Airlines genannt, wie Air Tanker, Avion Express, Blue Air, Smartlynx haben bei vielen Kunden nicht zu Identität und Vertrauen in den Namen Condor beigetragen.

Aktuell scheint so, als sei die Lösung Condor komplett zu Lufthansa, die einfachste und zukunftsfreundlichste für Condor zu sein. Ist es aber wirklich so?

Ich habe ja selbst 18 ½ Jahre bei Condor gearbeitet, als Condor noch 100% Tochter der Lufthansa war. Diese Muttergesellschaft gab uns Gelassenheit und Zuversicht, zur größten Chartergesellschaft (später nannte man es Ferienfluggesellschaft) Europas zu werden. Der „gelbe“ Mitarbeiterausweis, den auch wir hatten, machte uns stolz. Die exzellente Weiterbildung innerhalb des Konzerns machte uns alle (einschließlich mich) permanent besser.

Aber diese starke Identität Condor-Lufthansa wird es nicht wieder geben. Sorry.

Eine eigenständige Weiterführung der Condor innerhalb des Lufthansa Konzerns ist nicht vorstellbar. Teile der Condor werden sich irgendwo innerhalb des LH-Gefüges wiederfinden. Damit wird auch das Thema Arbeitsplätze, zumindest die Verwaltungsjobs, nicht sonderlich optimistisch zu sehen sein.

Aber es kann auch ganz anders kommen. Natürlich, Zukunft ist immer ungewiss. So  könnte Condor wieder britische Eltern bekommen und wäre mit den jetzigen Geschwistern wieder zusammen.

Aber das wird die zweite Hexe in dieser Geschichte, die Brexit-Hexe, wahrscheinlich verhindern. .

 

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Rasantes Tempo Richtung billig und absurd

Economy Light auf der Fernstrecke, also Flugtarif ohne Gepäck, so das neue Angebot einer deutschen Feriengesellschaft. Was ein Verkaufsclou sein soll, ist in Wahrheit ein weiterer Schritt abwärts als Billig-Airline. „Preis Light“ ist auch immer ein Beweis für „Marketing Light“, denn außer Preis hat man kein Argument. Ebenso schwach ist das Argument „wir müssen uns der Konkurrenz anpassen“. Auch das ist „Marketing light“.

Dabei ist nichts so leicht zu kopieren wie ein „billiger“ Preis und nichts bindet Kunden weniger an ein Unternehmen als der Preis. Die interessierten Kunden fühlen sich nur an den Preis gebunden, nicht an das anbietende Unternehmen, dies ist eine alte Weisheit.

Der Preis ist heiß

Menschenskind, fällt Euch wirklich nichts anderes mehr ein als Preis, Preis, Preis? Sich mal gegen den Mainstream bewegen und etwas Zusätzliches kreieren?

So ein Preis Light ist irgendwo zwischen Superbillig und Minuspreis positioniert. Und letzten Endes dient er ausschließlich dazu, in den Suchmaschinen vorne platziert zu werden. Leider sind diese Rankings in den Suchmaschinen qualitativ wenig bis überhaupt nicht vergleichbar.

Zugegeben, vergleichbare Angebote hat diese Fluggesellschaft bereits im Angebot, aber bislang nur auf der Kurz- und Mittelstrecke. Neu sind in der benannten „Flugzone 3 – 5“ unter anderem typische Fernstrecken-Urlauberziele enthalten. Fernstreckenurlaub ohne Gepäck? Geht natürlich, für manche Zeitgenossen gilt „Wäschewechsel im Urlaub ohnehin als überschätzt“.

Handgepäck-Probleme machen fliegen nicht leichter

Ein Fluggast fällt mir gerade ein, für den der „Ohne-Gepäck-Langstreckentarif“ maßgeschneidert ist: Der BILD-Reporter, der für die laufende Reportage „Eine Woche nackt auf der Nacktinsel“ auf die Philippinen flog.

Andere werden dadurch die Handgepäck-Problematik verschärfen, wenn jetzt alle die Handgepäck-Möglichkeiten genau ausreizen und erfahrungsgemäß auch überreizen. Laut Tarif darf der Light-Reisende nur ein Handgepäckstück und einen persönlichen Gegenstand (beides zusammen maximal sechs Kilogramm) mitnehmen. Sorry, selten so gelacht über diese angeblich einengende Vorgabe.

Habe gerade vor wenigen Tagen mal wieder meine eigene Erfahrung vor allem mit Rucksackreisenden an Bord gemacht. Eine Umdrehung im Gang oder beim Gepäckverstauen und man bekommt „vom Rucksack eine geklatscht“, die jedem Boxer Ehre machen würde. Dazu dann noch dieser Blick: „Du Idiot hast Geld für Deinen aufgegebenen Koffer bezahlt, aber ich bin schlau und nehme alles mit an Bord“.

Zwiebelprinzip kann nicht Teil der Lösung sein

Natürlich kann man auch Kleidung übereinander tragen. Am isländischen Airport Keflavik wurde Anfang des Jahres ein Mann „erwischt“, der acht Hosen und zehn T-Shirts übereinander trug. Das war dann auch British Airways zu viel.

Es wird heute schon Werbung für spezielle Gepäckkleidung gemacht, die extrem viele Taschen hat. Man kann darin bis zu 10 Kilogramm verstauen. Man sieht dann zwar aus wie ein Michelin-Männchen, kann aber an Bord das Kleidungsstück in eine Tasche verwandeln. Und dann ab mit der auch nicht kleinen Tasche in das Hatrack, in das der Sitznachbar gerade vorher seinen „ausgereizten“ Rucksack verstaut hat. Dumm für evtuell einen anderen Passagier, der seine Jacke vorher dort abgelegt hatte. Sie wird nach dem Flug einen leichten Ziehharmonika-Look zeigen.

Auch der Durchfluss an der Sicherheitsschleuse vorm Abflug dürfte, sollte der neue Tarif einschlagen, wesentlicher problematischer werden und entsprechender länger dauern.

Logisch, dass so ein Billigtarif natürlich auch den in der letzten Zeit beklagten Overtourismus zu bestimmten Zielgebieten fördern wird. Nur weiter so!

Bei diesem rasanten Tempo Richtung noch billiger und gleichzeitig noch absurder, stellt sich schnell die Frage, was kommt danach (kann überhaupt noch eine Steigerung möglich sein)? Ein Sondertarif „Super-Light“, wenn man selbst nicht mitreist? Der Passagier, dieser „lästige Typ“, erschwert die ganze Fliegerei doch ohnehin.

 

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Zweimal außergewöhnlich: Germanwings im Sado-Maso-Fieber und Condor im Retro Look

Der Ausflug in das Sado-Maso-Milieu ist für Germanwings gründlich daneben gegangen. Anlass der Peinlichkeit ist ein Clip, den das Kölner Unternehmen auf seinem Youtube-Kanal hochgeladen hatte. Da bettelt ein Geschäftsmann auf Knien vor einer Domina „um Hiebe“, weil er Business-Class bei einer anderen Airline gebucht hat (könnte dem Text nach z.B. bei der Germanwings-Muttergesellschaft Lufthansa gewesen sein!!! Auch nett, sich über Buchungen bei der Muttergesellschaft lustig zu machen). Aber die (optisch eher magersüchtige) Domina betreibt Arbeitsverweigerung, denn „wer falsch bucht, ist schon gestraft genug“. Abgesehen davon, dass die „Dame“ hier irrt, denn oft sind jene gestraft, die „zu billig buchen“, ging der Spot im Social Web für Germanwings mächtig in die falsche Richtung.

„Wie blöd ist das denn“ oder „Mega peinlich und zum Fremdschämen“ und so ähnlich weiter lauteten die Kommentare der Facebook Fans. Und das will etwas heißen, denn den Facebook-Fans ist von Haus aus wenig peinlich. Eher im Gegenteil.

Und jetzt weiß auch Germanwings, was man von einer Domina erwarten muss: Kräftige Hiebe als Strafe! Lange hat dies Germanwings nicht ausgehalten. Wenige Tage später wurde der Spot (mit fadenscheiniger Begründung) wieder aus dem Netz genommen.
Merke: Wer zur Domina geht, sollte sich vorher überlegen, ob er die „Hiebe“ auch aushalten kann.

Anderes Thema, anderer Stil.
Trotz Kostendruck, wirtschaftlichem Gegenwind und Trouble bei der Muttergesellschaft Thomas Cook, hat sich Condor etwas geleistet, das die Bissigen Bemerkungen nie für möglich gehalten hätten. Der Condor Airbus A 320, D-AICA, wurde sonderlackiert im Retro-Outfit der 1960er Jahre (Typ Vickers Viking). Sieht echt klasse aus (mit der alten „Condor-Büroklammer“ am Heck).
Bei der Taufe dieses Flugzeuges auf den Namen „Hans“ (ganz in der Tradition der früheren Condor Jumbo-Jets „Fritz“ und „Max“) gab es auch die Premiere für einen großformatigen Bildband „Condor – Ferienflieger mit Tradition“ von Karl-Peter Ritter (A 320 Flugkapitän bei Condor). In diesem Buch wird in lobenswertem Stil nicht nur die Geschichte der Condor dargestellt, sondern das ganze auch prima in die jeweilige Zeit gesetzt. Aber fast noch faszinierender sind die außergewöhnlichen 400 teilweise doppelseitigen Flugzeug-Fotos aus fünf Jahrzehnten. Man muss kein Condorianer sein, um diese Bilder zu lieben. Sie sind eine Freude für jeden Flugzeug-Fan. Das Buch ist erschienen im ursa minor Verlag (www.ursa-minor-Verlag.de) zum Preis von 49,95 Euro.

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Man mag es kaum glauben…….

Laut Financial Times Deutschland werden bei Lufthansa bestimmte Kunden auf der Passagierliste gekennzeichnet. So bedeute ein Pluszeichen neben dem Namen, dass der Kunde besonders umsatzstark sei. So weit so gut. Aber ein Kunde will auch das Kürzel „RAL“ neben dem Namen entdeckt haben. Angeblich sei das ein Kennzeichen für „besonders nervige“ Kunden. Ausgeschrieben würde das Wort mit „Riesen..“ beginnen, dazwischen etwas mit „A..“ und mit „..loch“ enden. Aber das ist sicherlich nur eine Zeitungsente, oder doch nicht?

Vor dem Einsteigen in ein Flugzeug sollte man auch sicherheitshalber fragen, ob das Flugzeug vorher im chinesischen Xiamen zur Überholung war. Ein A340 der Air France wurde in Boston gegroundet, weil drei Dutzend (für nicht Mathematiker = 36) Schrauben an einem Teil der Außenverkleidung an der rechten Tragfläche fehlten. Immerhin hat es der Airbus trotzdem bis nach Amerika geschafft. Ein Glück, dass unsere „amerikanischen Freunde“ nicht nur bei der Kontrolle der einreisenden Menschen so rigide sind, sondern auch bei den „einreisenden“ Flugzeugen.

Von Ryanair-Boss O`Leary kennen wir den Spruch „Die Fluggäste mögen doch schon im Flughafen auf die Toilette gehen“, damit seine Airline Toiletten an Bord einsparen könne. Jetzt wurde O`Leary auf fast tragische Weise bestätigt. Ein 81-jähriger Passagier mit Blasendruck versuchte auf einem Flug nach Vietnam den Notausgang zu öffnen. In seiner „großen Not“ und offensichtlich „unter Druck“ verwechselte er die Türen zum Notausgang und zur Toilette. Gerade noch mal gut gegangen und auch ohne, dass der Fluggast „den Depardieu“ machen musste.

Aber nicht nur ältere Mitflieger sollten Sie im Auge behalten, sondern auch Flug-Neulinge. Ein 22-jähriger Student (was der wohl studiert?) wollte nach dem Start in Ho-Chi-Minh-Stadt den Notausgang öffnen um „die Aussicht besser genießen zu können“.

Und Sie sollten in Frankfurt keinen Flug nach 22 Uhr buchen, denn ab 23 Uhr gehen am Frankfurter Flughafen neuerdings die Lichter aus. Zumindest was Start und Landung betrifft. Und wenn es dann aus welchen Gründen auch immer etwas knapp wird mit dem Abfliegen vor 23 Uhr, dann heißt es „nichts wie weg“, notfalls auch ohne Koffer. So erging es 256 Passagieren der Condor auf dem Weg in die Dom.Rep. Also liebe Fluggäste, wenn Sie schon so spät fliegen, dann etwas mehr ins Handgepäck packen.

Dabei ist das grundsätzliche Schicksal der Condor ungewisser als die Zukunft des Nachtflugverbotes in Frankfurt. Die gute alte Condor hatte schon immer etwas Pech, entweder mit eventuellen Partnern (siehe BBB vom 14.7.2008 „Condor: die Braut, die keiner traut“) oder mit ihrer Muttergesellschaft Thomas Cook. Schon vor zwei Jahren suchten die Bissigen Bemerkungen verzweifelt „jemand“ der sich künftig um Thomas Cook kümmern würde (siehe BBB vom 7.9.2009 „Eltern gesucht“).
Und so wird neuerdings zum xten mal jemand gesucht, der die inzwischen 56-jährige Condor in eine sichere Zukunft führen könnte. Und da die Fantasie der Presse irgendwie auch begrenzt ist, fällt dann sofort der Name Hans Rudolf Wöhrl (so zuletzt in der Börsen-Zeitung). Würde gerade noch fehlen in Zusammenarbeit mit Achim Hunold.

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Tschüss LTU – Eine Legende ist gestorben

Eigentlich hätte diese BBB schon letzte Woche geschrieben werden müssen, denn gestorben ist die LTU schon zum 1. April. Aber das hätten einige Leser wohl als Aprilscherz abgetan. Es ist jedoch Realität: Die LTU ist nicht mehr. Die tolle Geschichte der LTU, früher mehr als zuletzt, sollte nicht unerwähnt an den BBBs vorbeigehen, dafür war ihre Bedeutung in der deutschen Touristik allgemein und in der Ferienfliegerei speziell zu groß.

Der Tod der LTU kam nicht „plötzlich und unerwartet“, um den Tenor mancher Todesanzeigen zu zitieren. Eher müsste man schreiben „Tod nach längerem Leiden“. Wobei man den Beginn der Leidenszeit genau auf das Jahr 1989 datieren kann: Da stieg die Westdeutsche Landesbank als Gesellschafter ein und die Anzahl der Firmen auf der „Todesliste“ nach Einstieg der WestLB, ist bekanntlich länger als der Namen „Westdeutsche Landesbank“ Buchstaben hat. Insofern ist die LTU in „bester prominenter“ Gesellschaft. Kleiner Trost, aber nur kleiner Trost, die West LB ist inzwischen auch nur noch ein Zombie und das Ende sehr nahe.

Aber gehen wir doch der Reihe nach. Die LTU wurde im Oktober 1955 gegründet, nur zwei Monate vor ihrem über Jahrzehnten größten Konkurrenten Condor. Der Erstflug fand am 2.März 1956 statt (der Erstflug der Condor übrigens am 29.März 1956). Diese beiden Fluggesellschaften setzten in den folgenden Jahren Maßstäbe nicht nur für die deutsche, sondern sogar für die europaweite Fliegerei im Charterverkehr (wie man früher die Ferienflieger nannte). Der Tristar der LTU wurde weltweit fast zu einem Synonym für Flugurlaub. Kleine persönliche Geschichte am Rande. Als ich Verkaufsleiter bei Condor wurde, machte ich natürlich auch (getarnt mit Familie) einen dienstlichen „Erfahrungsflug“ mit LTU. Kurz vor der Landung sackte das Flugzeug wie man umgangssprachlich sagt, in ein „Luftloch. Einige Passagiere wurden leicht verletzt, einige andere hatten einen kleinen Schock. Meine damals sechsjährige Tochter, schon Flug erfahren durch einige Condor-Flüge und ebenso politisch leicht vorbelastet, schrie nach der Landung ihren Schock heraus mit dem Satz: „ich fliege nie mehr mit der blöden CDU“. Was in der Flughafen-Ankunftshalle zu einem riesigen erleichternden Lachen führte.

Aber das künftige Problem für die LTU kam nicht aus der schwarzen, sondern aus der roten Ecke, in Form der WestLB. Die Liste künftiger Beteiligter liest sich ohnehin nicht mit großer Begeisterung. REWE war nie an der Airline, sondern nur an den Veranstaltertöchtern interessiert. Die Schweizer SwissAir-Gruppe saugte nach Übernahme der Airline-Anteile die LTU sogar richtig aus. Von da an hing das Überleben permanent nur noch am sog. „seidenen Faden“. Übrigens war auch das Bankhaus Sal Oppenheim mal an LTU beteiligt, „bestens bekannt“ im Zusammenhang mit Karstadt und Thomas Middelhoff. Auch der „Luftfahrtexperte“ Wöhrl war eine Zeitlang bestimmender Gesellschafter bei LTU. Dass sein Engagement nicht von Dauer sein sollte, sondern nur der Vorbereitung eines späteren Wiederverkaufs diente, war Außenstehenden klar.

Dass Air Berlin nach Kauf der LTU nicht sofort die komplette Fusion AB und LT vornahm, kann nur „sentimental“ begründet werden, die betriebswirtschaftliche Literatur empfiehlt hier eher eine „gewisse Brutalität“. Wenn wir es gut meinen mit der LTU, müsste man heute auch nicht unbedingt vom Tod der LTU reden. Sehen wir die Angelegenheit aus der Sicht des Hinduismus, könnte man sagen, gestorben ist nur der Name, die Firma LTU lebt in der Air Berlin weiter. Und je nachdem wie viel „gutes Karma“ die LTU in ihrem früheren Leben erworben hat, entsprechend groß oder klein wird ihre künftige Bedeutung innerhalb der Air Berlin sein. Aus Gründen der Pietät wird dieser Satz nicht weiter kommentiert.

Damit bleibt als letzte Fluggesellschaft aus den „goldenen Gründerjahren“ der Charterfliegerei nur noch „die Condor“ übrig. Die Gesellschafterentwicklung bei ihr war in den letzten Jahren auch nicht immer die wahre Freude (siehe u.a. BBB vom 14.7.2008 „Condor: Die Braut, die keiner traut“). Aber sie hat per heute eine realistische Chance auch noch ihren 60. Geburtstag zu feiern, für die LTU war mit 55 Schluss.
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Das Reiseradio (www.Reiseradio.org) tummelt sich diese Woche intensiv durchs Thema Reisenangebote im Internet. Die akustischen Bissigen Bemerkungen bemängeln, dass ein Jahr nach der Aschewolke, die politische Situation genauso unwissend ist, wie vor einem Jahr. Hoffentlich wissen das die isländischen Vulkane nicht. Auch der restliche Inhalt ist unerfreulich: Da ist von altersschwachen B 737-Flugzeugen die Rede, von Killerkarpfen, von angreifenden Ratten in der New Yorker U-Bahn und von Menschen die ihren Urlaub in Slums verbringen wollen.

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Geheimabkommen zwischen Lufthansa und Bundesregierung (?)

Sorry, dass wir noch einmal auf die Luftverkehrsabgabe eingehen müssen. Aber durch detektivische Kleinarbeit sind wir wahrscheinlich einem neuen Skandal auf die Spur gekommen.

Die Luftverkehrsabgabe „sei wie ein Eisblock aus dem Himmel geflogen“, sagte Lufthansa Vorstandsvorsitzender Mayrhuber der dpa. Die Bissigen Bemerkungen hatten schon die Befürchtung dieser Eisblock könnte LH-Chef Mayrhuber und Fraport-Chef Schulte an einer empfindlichen Stelle direkt getroffen haben, so unverständlich war deren relativ schnelles Einschwenken auf die absurde Abgabe.

Erst nachdem die Bissigen Bemerkungen gelesen haben, warum die vier großen Energiekonzerne nach dem Aufschrei plötzlich wieder ganz fröhlich in die Gegend schauten, fanden wir die Spur.
Zur Erinnerung: Die vier Großkonzerne werden durch die Laufzeitverlängerung der AKWs einen Zusatzgewinn von mehr als 100 Mrd. Euro einstreichen, wovon nach Abzug aller Belastungen mindestens (betont mindestens) zusätzliche 50 Mrd. Euro netto in deren Kasse verbleiben werden. Gleichzeitig werden die kommunalen Versorger durch die Laufzeitverlängerung eine Zusatzbelastung von 4,5 Mrd. Euro verkraften müssen. Ja kein Wunder, dass da Freude aufkommt.

Über einen Journalisten ist den Bissigen Bemerkungen ein internes Branchenpapier „rein zufällig“ in den Briefkasten geflattert. Und was lesen wir da überraschenderweise? Die Luftverkehrsabgabe nach jetziger Ausprägung belastet LH mit ca. 1,4% vom Umsatz, während Air Berlin mit ca. 4,25 vom Umsatz belastet wird. Da lacht der Kranich doch aus vollem Hals. Leider konnten wir in der Kürze der Zeit nicht die entsprechenden Zahlen der deutschen Flughäfen eruieren. Wir bieten aber eine Wette an, dass das Verhältnis zwischen Fraport und den anderen deutschen Flughäfen ähnlich aussehen dürfte.
Wie pflegt der Berliner Volksmund in solchen Fällen zu formulieren: „Nachtigall, ick hör dir trapsen“. Überhören kann man so etwas ja auch schlecht.

Lufthansa hat sich dabei besonders „effektiv“ verhalten. Still, heimlich und leise hat Lufthansa am Samstag letzter Woche bei der IATA die Gebühr in die Reservierungssysteme einstellen lassen. Systembedingt erschien diese Steuer automatisch dann für alle anderen BSP-Mitgliedern auch bei deren Flügen, z.B. auch bei Air Berlin und Condor. Da haben die Lufthanseaten bestimmt vor Aufregung die ganze Nacht über nicht geschlafen, weil sie sich über die dummen Gesichter der anderen Airlinemanager freuten, als diese morgens ihren PC einschalteten.

Bei der Regierung könnte auch eine leichte Flugallergie eine besondere Rolle spielen. Alle die sich schon anfangs des Monats über die Meldung „Westerwelle am Boden“ freuten, mussten dann enttäuscht feststellen, dass dies nur temporär gemeint war. Sein Regierungsflieger war auf Malta defekt, stundenlange Verspätung die Folge. Mitte Juli musste schon das Flugzeug von Merkel in Russland vor dem Weiterflug nach China ausgetauscht werden. Zur fast gleichen Zeit stand Guttenbergs Challenger in der Ukraine mit qualmendem Fahrwerk. Und letztes Jahr musste Merkel auf dem Weg zum EU-Gipfel in Hannover wegen Triebwerkschadens zwischenlanden. Unsere Oberen können nicht mit Flugzeugen umgehen. Oder besser formuliert, können „auch“ mit Flugzeugen nicht umgehen.

Übrigens eine Milliarde will die Regierung durch die Luftverkehrsabgabe erzielen. Die Hypo Real Estate bekam letzte Woche mal wieder 40 Mrd. Euro in eine bestimmte Körperöffnung geblasen. Insgesamt ist der Staat, dummerweise damit auch der Steuerzahler, jetzt mit 140 Mrd. Euro im Risiko. Da muss die Luftfahrtbranche lange fliegen, bis soviel Kohle im Kasten ist. Aber ist eine Steuer erst mal eingeführt, lässt sie sich auch sehr leicht erhöhen. Natürlich sehr differenziert gestaffelt. Sie wissen schon wie das gemeint ist!
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Damit mussten andere Themen nochmals zurückstehen. Entschuldigung.

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In den akustischen Bissigen Bemerkungen des Reiseradios (www.Reiseradio.org) geht es diesmal noch mehr als sonst zur Sache. Thema: Die „Ballermänner“ sollen verschwinden. Die Bissigen Bemerkungen sind der letzte Verteidiger dieser zwar etwas ausgefallenen aber ansonsten doch harmlosen Urlaubertypen. Also werden im Gegenzug die Inselregierung, die Golfer, die mallorquinischen Hoteliers und wer sich sonst noch in den Weg stellt, beleidigt.
Lustigerweise geht es im nicht bissigen Teil um das „sinnliche“ Mallorca. Der omnipräsente Lafer kommt zu Wort. Darf er auch, solange er nicht über die Ballermänner lästert. Und ein Winzer aus Trier hat seine Weinstöcke verpachtet. Tolle Geschäftsidee. Kann man das auch mit der Playa de Palma machen?

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Wenn Unvermögen zur Routine wird …

Man weiß schon fast nicht mehr, worüber man sich am meisten aufregen soll.
So schnell häufen sich unverständliche Meldungen über fehlerhafte Regierungsarbeit, dass man irgendwann fast resigniert. So betrachtet, steckt wahrscheinlich doch Methode dahinter.

Beispiel Luftverkehrssteuer!
Die Erhebung einer neuen Steuer durch eine Regierung, die vorher Steuersenkung versprochen hat, ist ein eklatanter Wortbruch (siehe BBB vom 19.7.2010 „Luftverkehrsabgabe – ein weiterer Wortbruch der Regierung“).
Sie beschädigt die wirtschaftliche Entwicklung, die in den Bla-Bla-Reden hoch gepriesen wird (siehe BBB vom 14. 6.2010 „Wenn der schärfste Gegner einer Branche „Bundesregierung“ heißt“).
Sie ist auch kein echter Sparbeschluss, denn die Regierung spart nicht, sondern im Gegenteil, sie erhebt eine neue zusätzliche Steuer. .
Diese Steuer ist auch keine „ökologische Steuer“, wie zuerst beschönigend bezeichnet, denn sie gibt keinerlei Anreize sich ökologisch zu verhalten um Steuer zu sparen.
Einige Staatsrechtler haben auf Ansatzpunkte aufmerksam gemacht, dass das geplante Gesetz einer juristischen Überprüfung nicht standhalten wird, weil…
– es gegen die Steuergerechtigkeit verstößt, kürzere Flüge proportional höher zu belasten, als längere Flüge. Abgesehen davon, gibt es nach der veröffentlichten Tabelle Ziele bei den 8-Euro-Flügen, die länger sind als manche Ziele bei den 25-Euro-Zielen (siehe Kanarische Inseln).
– eine Privilegierung des Frachtverkehrs gegen eine systemgerechte Steuer verstößt. Außerdem ist die Ausnahme von Frachtflügen nach EU-Recht eine verbotene Beihilfe.

Aber das kümmert die Regierung alles nicht. Im Gegenteil! Bei der Durchführung des Gesetzesvorhabens übertrifft das dilettantische Vorgehen die bisher gezeigte Ignoranz juristischer Fakten. Das Kabinett beschließt doch tatsächlich, dass die Erhebung der Steuer auf Flügen nach Buchungsdatum 1.9.2010 beginnen soll (für Flüge nach dem 1.1.2011), obwohl zu diesem Datum kein rechtsgültiges Gesetz beschlossen ist. Damit bringt sie die Fluggesellschaften in ein nicht auflösbares Dilemma. Entweder die Fluggesellschaften erheben die Steuer ab 1.9., wie es Lufthansa plant, dann fehlt die gesetzliche Grundlage. Dieses Vorgehen wird wohl einer Klage nicht standhalten. Oder die Airlines stellen die Erhebung der Steuer zurück, wie es Air Berlin und Condor angekündigt haben, dann erscheint zumindest fraglich ob die Steuer nachträglich kassiert werden kann. Der DRV kann nach eigenem Rundschreiben, hierzu keine gesicherte Empfehlung geben.

Überraschenderweise verhalten sich die Airlines, gemessen an diesem Unsinn, noch erstaunlich zurückhaltend. Eigentlich müsste Lufthansa-Chef Mayrhuber schon längst im Finanzministerium den Schreibtisch von Schäuble umgeworfen haben (und sicherheitshalber auch noch den Schreibtisch von Ramsauer und Brüderle dazu).
Aber die Rettung in dieser Sache könnte ausgerechnet von Ryanair kommen. Verwirrender Gedanke, aber realistisch. Ryanair hat nach bewährter Methode „angedroht“ sich aus ihren „Spezial-Flughäfen“ in Deutschland zurückzuziehen. Die Landesregierung von Rheinland-Pfalz, schon einmal erfolgreich wegen des Flughafens Hahn von Ryanair erpresst, hat schon reagiert und will gegen die Flugsteuer klagen. Die Erfolgsaussicht dieser Klage dürfte ziemlich hoch sein.
Aber es kann doch nicht sein, dass die Gerichte ununterbrochen die Arbeit der Regierung korrigieren müssen.

Ach ja, wie erwartet, ist die Brennelementesteuer nicht im Kabinettsbeschluss enthalten (siehe BBB vom 23.8.2010 „Der Unterschied zwischen Energiebranche und Reisebranche“).

Viele BBB-Leser und Leserinnen haben in dieser Woche geschrieben, dass sie eine scharfe Stellungnahme der BBBs zur „Empörung der Regierenden“ über Thilo Sarrazin erwarten. Das heben wir uns für die nächste Ausgabe der BBBs auf.
Dabei haben wir noch soviel auf der Warteliste: Umbau Ballermann, wird TUI russisch oder rein touristisch oder sogar beides, und noch einiges mehr.

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Natürlich geht es neben vielen anderen Themen in den akustischen Bissigen Bemerkungen auch um die Luftverkehrssteuer.
Bei diesem Thema gibt es soviel zu beißen, dass die schriftlichen BBBs nicht reichen. Man muss seinem Ärger auch mal verbal freien Lauf lassen.

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Der Unterschied zwischen Energiebranche und Reisebranche

Es war einmal eine Regierung, die wollte auf einer Klausurtagung sparen. Irgendeine böse Fee, flüsterte den Regierenden ins Ohr: „Am einfachsten geht sparen, indem man seinen Bürgern in die Tasche greift“. Entgegen jeder ökonomischen Vernunft (wegen der zusätzlichen Kostenbelastungen für den Standort Deutschland – der ansonsten doch immer so hoch und heilig gepriesen wird), beschlossen die Regierenden daraufhin zwei neue Steuerarten einzuführen: eine Luftverkehrsabgabe und eine Brennelementesteuer. Da wunderten sich aber die Manager dieser Branchen, denn keiner hatte mit einem solchen Unsinn gerechnet.

Die Manager der Luftfahrtindustrie klagten gleich laut. Dummerweise aber jeder für sich alleine. Zwar waren alle gegen die neue Abgabe, aber leider nur halbherzig in der Argumentation. Denn relativ schnell, clever gedacht, wurde ersatzweise etwas St. Florians – Gedanke in die Argumentation eingebaut. So rieben sich Air Berlin und Lufthansa aneinander mit dem Thema: wie sollte, wenn schon überhaupt, die Belastung für Kurz- und Fernstrecke sein. Condor rieb sich mit LH-Cargo mit dem Thema: Wenn schon, dann doch auch Belastung für die Fracht. Und besonders clever überraschte der Flughafen Frankfurt die restlichen deutschen Flughäfen mit der Argumentation wie relativ wenig umweltschädlich doch eigentlich Langstreckenflüge seien. Die danach angedachte eventuelle Zusammenlegung zweier Verbände (von Flughäfen und Fluggesellschaften) dürfte von der Verschärfung der Schlagkraft her allerdings überschaubar bleiben. Zuletzt wurde noch eine Unterschriftenaktion gestartet. Ein „bewährtes klassisches Kampfmittel“ mit in der Regel guten Erfolgen bei Mobilisierung von Eltern gegen Schulstress. Der erwünschte überregionale „virale Effekt“ dieser Aktion ist leider noch nicht erkennbar eingetreten.

Aber wie man professionell, besser gesagt brutal, mit einer „nicht folgsamen“ Regierung umzugehen hat, zeigten die Manager der Energiebranche. Sich gegenseitig austricksen? Doch nicht wir! Da zeigte sich sehr schnell die jahrelange Erfahrung aus vielen „Preisgestaltungsrunden“. Da wurde der Regierung zuerst mal in einem unverschämten Ton gedroht, evtl. Teile des Betriebes gleich einzustellen. (Wäre ja interessant geworden mal „Streik von oben“ zu erleben.) Aber nicht genug, in ganzseitigen Anzeigen in allen relevanten Tageszeitungen wurde der Regierung danach mächtig der Marsch geblasen. Sprachlich und inhaltlich zwar nicht immer ganz verständlich, aber dafür umso deutlicher im scharfen drohenden Ton. Und die Energie-Manager legten sicherheitshalber noch eine Schwarte drauf. Da unterschrieben nicht nur die vier Energiebosse, sie sammelten gleich noch die Unterschriften all´ jener ein, die für Lärm machen in unserer Republik bekannt sind. Nicht zuletzt solche „begabten“ Manager wie Herr Josef Ackermann (vergessen die kleine süße Geburtstagsfeier, die letztes Jahr Frau Merkel für ihn im Kanzleramt ausrichtete) oder Herr Oliver Bierhoff (der schon in den Verhandlungen mit dem DFB bewies, wie man richtig frech werden kann) oder Herr Wolfgang Clement (bewährter Atom-Scharfsschütze gegen Ypsilanti im Hessenwahlkampf) oder Herr Otto Schily (als Mini-Kohl verweigert er beharrlich die gesetzlich vorgeschriebene Offenlegung seiner Abgeordneten-Nebeneinkünfte) unterstützten die Energiebosse. Flugs waren 40 „sehr wichtige“ Unterschriften beisammen. Ein bunter Haufen, den nur eines verbindet, nicht zimperlich zu sein, wenn es um die Durchsetzung eigener Interessen geht. Bemerkenswerterweise haben 40 Männer unterschrieben, es ist keine einzige Frau dabei. In der Wirtschaft so richtig Druck machen ist offensichtlich noch immer Männersache.

Und jetzt die große Quizfrage für die Leser der Bissigen Bemerkungen. Welche Branche wird sich gegen die Regierung durchsetzen?
Schreiben Sie bitte nur, wenn Sie auf die Reisebranche tippen, dann muss ich nicht so viele Emails lesen.
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Im Reiseradio (www.reiseradio.org) erfahren Sie diese Woche sehr viel über das Thema Flusskreuzfahrten. TUI Deutschland Chef Dr. Böttcher erklärt warum TUI sich jetzt auch hier ganz besonders engagiert und der Chef der Arosa Flotte, Lars Clasen schildert, warum er glaubt, dass immer noch genügend Luft für seine Flotte sein wird. Außerdem wird auch noch getauft und gefeiert, aber hören Sie selbst.
In den akustischen Bissigen Bemerkung geht es um das neue deutsche Aufregerthema „Google Street View“ und wie wichtig das neue Angebot für die Tourismusindustrie werden könnte (für einige –windigen- Anbieter allerdings auch mit eher negativem Ausblick).

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Politiker in die Touristik? Das gäbe ein Chaos!

Wären Politiker Veranstalter-Chefs, dann ginge es beim Veranstalter wohl so zu:
Aufregung in der TUI-Hauptverwaltung. Bei der Programmpräsentation fehlen überraschend 44 Produkte. Und es kommt noch schöner, diese 44 Produkte
tauchen zeitgleich in den Katalogen der Konkurrenz auf. Ist doch kein Problem, sagt der Polit-Veranstalter-Boss, dann wiederholen wir einfach die Präsentation. Große Spannung bei den Journalisten und tatsächlich überraschender Weise finden sich 15 Produkte in den Katalogen der TUI wieder, aber Thomas Cook verliert nur 9 Produkte. Wo mögen die anderen 6 Produkte gewesen sein? 2 Produkte hatten vorübergehend bei Alltours Asyl gesucht und 4 andere Produkte konnten sich überhaupt nicht entscheiden und haben erst mal abgewartet. Da wird der Polit-Veranstalter-Chef etwas böse (aber nur etwas) und sagt über die anderen 29 verschwundenen Produkten „eine Chance habt ihr noch, überlegt Euch wo ihr hingehört, sonst ist es bald aus, mit unseren Katalogen“.
Dummerweise kamen zeitgleich Thomas Cook und Alltours auf den verwegenen Gedanken ihre Produkte mal schnell zusammenzulegen um die TUI richtig vorzuführen. Das sprach sich schnell herum (obwohl Alltours nie im Leben daran dachte, etwas Gemeinsames mit Thomas Cook zu machen und schon gar nicht unter deren Führung). Da bekamen die abtrünnigen TUI Produkte aber ziemlich kalte Füße und sprangen schnell in die TUI-Kataloge zurück. Und der TUI-Chef war auch gar nicht mehr böse und meinte nur „so etwas darf aber nicht wieder vorkommen“. Das bejahten die TUI Produkte artig und überlegten zugleich, wie und wann sie wieder ausbüchsen könnten.

Wären Politiker Airline-Chefs, dann ginge es wohl so zu:
Aufregung in der Condor-Hauptverwaltung. Der neue Polit-Airline-Boss hat als Umsatzerhöhungsmaßnahme beschlossen, die Preise durchgehend um 20 bis 50 Euro zu erhöhen. Und damit das schön aussieht, nennt er diesen Zuschlag Öko-Zuschlag. Seine Kollegen protestieren heftig, denn da die anderen Airlines das nicht machen, würden die Kunden zu diesen abwandern und am Ende wäre noch weniger Geld in der Kasse. Schließlich kenne man Beispiele von holländischen Airlines wo diese Nummer total in die Hose ging. Ja wenn das so ist, sagte der Polit-Airline-Boss, dann lasse ich das Öko-Label einfach weg, aber den Zuschlag verlange ich trotzdem. Jetzt mache ich es abhängig vom Flugtarif und als soziale Komponente müssen jene, die den höchsten Preis zahlen, keinen Zuschlag berappen! Das wäre doch mehr als gerecht. (zur Erläuterung für Nicht-Airliner: Die Höhe der geplanten Luftverkehrsabgabe soll sich danach richten ob man First, Business oder Eco fliegt. Millionäre die mit ihrem eigenen Flugzeug fliegen, sollen keine Luftverkehrsabgabe zahlen. Ist doch sozial ausgewogen, oder?)

Wären Politiker Chefs von Hotelketten, dann ginge es wohl so zu:
Aufregung in der Steigenberger-Hauptverwaltung. Der neue Polit-Hotel-Boss ändert täglich seine Meinung, wie und wieso und warum und wie hoch man die Mehrwertsteuer auf die Preise berechnen soll. Zuerst beschloss er in einer Nacht- und Nebel-Aktion, den Mehrwertsteuersatz zu halbieren, schließlich mache das die Konkurrenz im Ausland ebenso. Als endlich alle im Unternehmen kapiert hatten, welche Chancen darin liegen würden und entsprechende Investitionen starteten, konnte sich der Polit-Hotel-Boss plötzlich nicht mehr erinnern, warum und ob überhaupt er diese Anweisung gegeben hatte. Seine Claqueure im Planungsstab des Unternehmens schrieen noch lauter „die Mehrwertsteuer muss wieder hoch“. Die Manager der einzelnen Hotels waren fassungslos und fragten und „woher bekommen wir nun das Geld, das wir in Investitionen gesteckt haben“. Da lacht der Polit-Hotel-Boss nur kurz und sagt „selbst schuld, warum habt ihr mir auch vertraut“.

Und wo ist die Moral von der Geschichte? Die gibt es zwar nicht, aber die BBBs haben da so eine Idee.

Da haben doch zwei „Starpolitiker“, namens Peter Trapp, innerpolitischer Sprecher der Berliner CDU, und Markus Ferber, Chef der CSU-Europagruppe, doch tatsächlich gefordert, einen IQ-Test für Zuwanderer einzuführen. Die Bissigen Bemerkungen werden jetzt eine Initiative starten „Ja zum IQ-Test für Zuwanderer, wenn es den gleichen Test auch als IQ-Test für Abgeordnete gibt“. Letzteres natürlich nicht nur für neue Abgeordnete, sondern auch für die aktuellen Abgeordneten. Klasse Doppel-Effekt: Die größten Pfeifen wären weg und das Parlament nur noch halb so groß.

Ach ist das schön.
Dass ich das für möglich halte, muss wohl mit der Hitze zusammen hängen.
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Im Reiseradio (unter www.reiseradio.org ) äußert sich diese Woche u.a. Griechenlands Vizeminister Georgios Nikitiadis selbstkritisch über die Zukunft des Griechenland-Tourismus. Des Weiteren geht es auch um die richtige Reiseapotheke. Zwischen beiden Themen besteht aber kein Zusammenhang.
In den akustischen Bissigen Bemerkungen wird abgelästert über den Werbespot der russischen Fluggesellschaft Avianova und warum dieser eher sexistische Werbespot von der Branche so oft geklickt wurde. Neben den üblichen Aufregern gibt es noch tiefsinnige Betrachtungen zur Nachricht „Krokodil frisst Hai“ und darf man Hai überhaupt essen. Merke, nicht jeder Hai steht unter Naturschutz (siehe Finanzhai).
Kleiner Hinweis für jene, die gefragt hatten, ob man auch zuerst die BBBs und dann die anderen Beiträge hören könne. Antwort: Das ist jedem selbst überlassen.

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Vulkanasche – die Schweinegrippe der Luftfahrt

Erinnern Sie sich noch an die Schweinegrippe im letzten Jahr? Auch da gab es ursprünglich ein echtes Problem, weit weg von uns in Mexiko. Danach jagten uns Pharmaindustrie und sensationsgeile Presse einen Schauer nach dem anderen über den Rücken. Die Politik ließ sich davon einlullen und bestellte für mehrere Millionen Euro Impfstoffe. Kaum waren diese eingelagert und die Industrie hatte ihren Riesen-Reibach gemacht, war die Schweinegrippe so plötzlich verschwunden wie aufgetaucht. Nur so zur Erinnerung.

Im Folgenden finden Sie die sechs wichtigsten Fragen zur neuen hausgemachten Katastrophe, der Luftraumsperrung, und ebenso zehn hammerharte BBB-Antworten darauf.

1. Wie viel Asche war wirklich in der Wolke und ab wann wird es gefährlich?
Die britische Luftfahrtbehörde CAA hat Folgendes offiziell verkündet: Wir haben uns mit den Herstellern von Triebwerken beraten und Messwerte von verschiedenen Institutionen ausgewertet und legen ab sofort einen Grenzwert von „2.000 Mikrogramm Vulkanasche in einem Kubikmeter Luft fest“. Na endlich. Selbst wenn diese Festelegung zu großzügig sein sollte (wie schon wieder gehetzt wird), gemessen haben die Briten bei Testflügen (!) nie mehr als 400 Mikrogramm pro Kubikmeter. Und als unser deutsches Forschungsflugzeug endlich aus dem Schuppen kam, konnte es nur einen Höchstwert von 60 Mikrogramm feststellen. Das war wohl auch der Grund warum die vorherigen Katastrophenpropheten plötzlich so leise waren.
(Der im Beitrag von fvw.de genannte Grenzwert von 2 Mikrogramm ist falsch. Schreib- oder Übertragungsfehler? Bei uns auf Erden sind schon normal 50 Mikrogramm Feinstaub vorhanden, der in der Silvesternacht in den Städten bis zum 6.000 fachen ansteigt. Interessiert aber niemand, nur weiterknallen.)

2. Muss Sicherheit nicht über alles gehen?
Der arrogante Vorwurf von Minister Ramsauer in Richtung Fluggesellschaften war eine bodenlose Frechheit. Lufthansa ist in den letzten Jahrzehnten fast zum Synonym für Sicherheit in der Luftfahrt geworden. Air Berlin steht in Punkto Sicherheit bei allen weltweiten Statistiken auf einem der vordersten Plätzen (noch keinen Unfall in der gesamten Firmengeschichte) und auch die anderen deutschen Ferienflieger wie beispielsweise TUIfly, Condor und Germanwings stehen weltweit, außer bei Herrn Ramsauer, nicht im Verdacht bei der Flugsicherheit auch nur das geringste Risiko einzugehen.
Wer zu sehr Superlative bemüht hat zumeist nur wenig sachliche Argumente. Die penetrant vorgetragene „größtmögliche Sicherheit“ erinnerte sehr stark an die „brutalmöglichste Aufklärung“ eines gewissen Ministerpräsidenten.

Aber der Sprecher der CSU-Gruppe im EU-Parlament, Markus Ferber, hat sogar noch gesteigert: „Lieber ein unzufriedener Passagier, der lebendig ist, als einer der beim Flug von Frankfurt nach Mallorca abstürzt“. Dieser Satz ist an Naivität und geistiger Armut kaum zu toppen. Würde man dies ernst nehmen, dann müsste man nicht nur den Flugverkehr generell verbieten, sondern sofort feststellen:
Jeder Tote auf unseren Autobahnen ist ein Toter zuviel, „sperrt die Autobahnen“.
Jeder tote Raucher ist ein Toter zuviel, „sofortiges Verbot des Tabakwarenverkaufs“ (aber zynischerweise hat der Staat durch die Tabaksteuer sogar an jedem Toten mitverdient)
Jeder tote Alkoholiker ist ein Toter zuviel, „sofortiges Verbot des Verkaufs von Alkoholika“ (aber zynischerweise hat der Staat durch die Alkoholsteuer sogar an jedem Toten mitverdient)
Und wenn man konsequent weiterdenkt ist auch jeder tote Soldat im Afghanistan -Krieg ein Toter zuviel (auf Klammersatz wird hier bewusst verzichtet).

3. Hätte der Krisenstab nicht beim Verkehrsministerium eingerichtet werden müssen?
Aber selbstverständlich. So etwas kann man nicht an Beteiligte übertragen, die die Konsequenz der Entscheidung nicht verantworten müssen. Als der erste Meteorologe im Fernsehen seine Theorie ausbreitete, dachte ich schon, ich hätte aus Versehen mich in einen Heidi-Film mit dem Alm-Öhi eingezappt. Und der Meteorologe bei Beckmanns fühlte sich gemüßigt in Zweifel zu ziehen, ob wir die Waren, die wir per Luftfracht beziehen, auch „wirklich brauchen dürften“. Aber Politik von solcher Tragweite zu machen kann nicht Sache von Meteorologen und Angestellten der Luftsicherheitsbehörde sein.

4. Wurden alle Touristen gleich behandelt?
Nein, die Pauschalreisenden waren besser dran und kamen schneller zurück. Wiederum wurde bestätigt, Krisen machen mehr Werbung für die Pauschalreise, als es die Veranstalter das ganze Jahr über machen.
Und auch hier nochmals ein Kompliment an die Mitarbeiter der Branche, die das ganze Wochenende und auch noch danach für ihre Kunden kämpften, als andere nur Sprechblasen produzierten.

5. Darf die Branche Staatshilfen beantragen?
Zum Abschluss der Krise hat Ramsauer mit seiner Entscheidung, dass die Inspektions- und Wartungsintervalle der Flugzeuge verkürzt werden sollen, den Airlines erst mal Mehrkosten aufgebrummt. Diese Entscheidung ist nun der Sache überhaupt nicht angemessen, sondern eher ein Fall von „Bestrafung der Unschuldigen, Belohnung der Schuldigen“.
Und gegen eine Staatshilfe ist er natürlich auch. Er meinte, Fluggesellschaften wüssten, dass sie vom Wetter abhängig seien. Aber getreu dem Verursacher-Prinzip haben die Airlines schon einen Anspruch. Denn der Verursacher war ja nicht das Wetter, sondern das Verkehrsministerium. Ich erinnere mich, dass in den 70er-Jahren die Condor Klage gegen die Bundesrepublik Deutschland erhob, wegen der Mehrkosten des Fluglotsenstreiks. Das ging vor das Oberverwaltungsgericht in Köln. Dann erfolgte ein Vergleich und die Condor bekam Geld. Den genauen Betrag habe ich vergessen.

6. Was kann der gestresste Tourist zum Frustabbau tun?
Die BBBs empfehlen wieder zu verreisen. Beispielsweise mit Wolters-Reisen zum Vulkanwochenende nach Island (6.-9. Mai), direkt zum Eyjafjallajökull. Dann vor Ort den Vulkan beschimpfen mit: „Du böser Vulkan, das machst du nicht noch mal mit uns“.
Oder mit Ameropa nach Berlin fahren (ab 89,00 Euro) und Ramsauer beschimpfen: „Du dummer Ramsauer tritt zurück und ab nach Bayern“.
Das Ergebnis wird zwar in beiden Fällen das gleiche sein (keinerlei Reaktion), aber es verschafft innerlich etwas Luft.
Letztlich sollten wir aber jede Nacht beten: „Lieber Gott verschone diese Republik vor weiteren Katastrophen, unsere Oberen sind unfähig damit umzugehen“.

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Zuletzt wie (fast immer) der Hinweis auf das Reiseradio (www.reiseradio.org), das in der aktuellen Ausgabe zu dem Thema Luftraumsperrung sehr viele interessante Interviews und Hintergrundberichte bringt. Die BBBs im Reiseradio beschäftigen sich u.a. mit den Flugabbrüchen von Merkel und Gutenberg. Und natürlich steht auch Ramsauer, der neue Lieblingsfeind der BBBs (nachdem Middelhoff abhanden gekommen ist), mit weiteren Betrachtungen im Mittelpunkt. Es lohnt sich reinzuschalten.

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