Person | Interviews | Vorträge | Veröffentlichungen | Kontakt

Die Lokomotivführer von Fraport

Erinnern Sie sich noch an den großen Streik der Lokomotivführer in 2007/2008. Eine Bedienstetengruppe an exponierter Stelle missbrauchte ihre Machtposition, benutzte „ihre“ Passagiere quasi als Geiseln, um sich einseitig (im Vergleich zur überaus großen Zahl der anderen Beschäftigten) erhebliche Vorteile zu verschaffen. Zusätzlich nervig war damals das andauernde „rein in die Kartoffeln/raus aus den Kartoffeln“. Mal wurde Streik angedroht, dann wieder unterbrochen zum Verhandeln, dann wieder gestreikt, dann wieder gedroht oder auch nicht. Kurzum eine Art neverending Streikstory, die alle Kunden zusätzlich die Zornesadern anschwellen ließen. Freunde schaffte man sich dabei nicht.
Die knapp 200 Vorfeld-Beschäftigten am Frankfurter Flughafen treiben es noch „doller“. Die Gruppe ist wesentlich kleiner (als damals die Lokomotivführer-Gruppe), dafür sind ihre Forderungen umso unglaublich größer. Und jetzt auch noch der Hickhack um Streik oder Nicht-Streik und dann wieder Streik. „Follow me“ steht normalerweise auf Ihren Fahrzeugen. Follow me? Nein, danke!

Zwei „Aufreger“ von letzter Woche sind noch nachzutragen, beides zu Themen die von den Bissigen Bemerkungen „gehasst werden wie die Pest“ (verwenden wir ruhig diesen Ausdruck).
Erst jetzt wurde bekannt, dass die Bonn-Berlin-Pendler im sog. Beamten-Shuttle nur 6 Euro Luftverkehrsabgabe zahlen, statt der normalerweise gültigen 7,50 Euro wie sie alle Fluggäste in Deutschland zahlen müssen. Das ist eine Unverschämtheit. Abgesehen davon, dass der ganze Zwei-Standorte (Bonn/Berlin) Quatsch so unnötig ist wie ein Kropf und nur unvertretbar die ohnehin klamme Staatskasse belastet, nimmt der Staat (nennen wir besser Namen: Ramsauer in Kooperation mit Schäuble) sich hier die unglaubliche Frechheit heraus, alle Kunden einer Branche zu belasten, aber sich selbst einen Preis-Nachlass zu geben. Spätestens jetzt ist auch das Märchen von der ökologischen Steuerungsfunktion dieser Abgabe ad absurdum geführt.

Zweiter Aufreger:
Ebenso durch Zufall wurde bekannt, dass bestimmte Politiker, wie z.B. die Parteichefin der Grünen, Claudia Roth, an den Warteschlangen beim Security-check vorbeigehen dürfen, ohne Handgepäck-Kontrolle und Abtasten (wer möchte letzteres in diesem Fall auch freiwillig machen). Zur Klärung: Es gibt einen „geheimen Erlass“ (geheimer Erlass? In was für einem Staat leben wir inzwischen?) des Bundesinnenministeriums, dass „Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens der Bundesrepublik Deutschland“ auf Wunsch von der Luftsicherheitskontrolle freizustellen sind. Die Bissigen Bemerkungen haben mehrfach klar gemacht, wie teilweise schwachsinnig die Art der Luftsicherheitskontrolle ist. Das stört aber die Verantwortlichen nicht, denn sie lassen sich ja davon freistellen.
Obwohl, nach scharfem Nachdenken, kommen die Bissigen Bemerkungen zu einer überraschenden Erkenntnis. Macht diesen „Persönlichkeiten“ in der Tat die Ausreise so leicht wie möglich, aber erschwert verdammt nochmal die Einreise (oder noch besser, macht sie unmöglich). Ach wäre das schön!
————-

In den BBBs von letzter Woche („Realsatire besser als jede Büttenrede“) war auch von der Vorsitzenden des Bundestagsausschusses für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, Frau Dagmar Wöhrl und von dem Unternehmer Hans Rudolf Wöhrl die Rede. Zu dieser Kolumne erreichte uns eine längere Email von Herrn Wöhrl. Fairerweise möchten wir daraus zwei Passagen wiedergeben (ohne eigene Kommentierung):

zum einen: „Vielleicht ist das für Sie (gemeint sind die BBBs) auch nicht weiter wichtig, denn schließlich habe ich den Pfad der Tugend verlassen und beim Kauf der INTERSKY nicht nur einen stolzen Betrag für die Anteile bezahlt, sondern mich auch zu einer nennenswerten Kapitalaufstockung bereit erklärt. Außerdem möchten wir dieses Unternehmen sogar ausbauen und im Bestand halten.“

zum anderen: „Was unsere Familienkasse anbetrifft so sei nur erwähnt, dass ich meiner Frau vor der Reise ein kleines Bündel 1,– $ Noten mitgegeben habe, weil ich weiß, wie wichtig es ist Kleingeld auf solchen Reisen zu haben. Es gibt sie also im Hause Wöhrl, aber wahrscheinlich hat meine Frau zuvor so viele „Einer“ ausgegeben, dass zu diesem Zeitpunkt keine mehr übrig waren.“

Ihr Feedback, Ihre Anregungen, Ihre Meinung ist gern gesehen. (hier klicken)

Realsatire besser als jede Büttenrede

Dieses Jahr wurde den Büttenrednern ganz schön die Show gestohlen, denn das „wahre Leben“ zeigte sich zuletzt von einer teilweise solch grotesken Seite, dass sich das kein Redner ausdenken konnte. Auch die Bissigen Bemerkungen stoßen an ihre Grenzen, wenn die „Wirklichkeit“ sich so verrückt darstellt, dass man verdammt viel Fantasie braucht um das karikaturistisch noch zu übertreffen.
Insbesondere in den letzten Tagen stolperte man über so viele Verrücktheiten, dass das Faschingsprogramm im TV im Vergleich dazu ausgesprochen langweilig war.

Im Folgenden wollen wir nur auf die „größten Kracher“ zurückkommen, z.B. wie „unanständig arm“ Herr Middelhoff ist, wie die CSU „Vorzeige“-Abgeordnete Wöhrl in Burma mit einem 100 Dollar-Schein bei Einkaufen „herumwedelte“, wie TUI ihren Aktionären statt einer Dividende nur alte Kekse schenkte, wie ein Bundespräsident Pech mit seinem letzten „Verteidiger“ Peter Hintze hatte und wie Angela Merkel genauso überraschend zum Gauck-Fan wurde wie Otto Rehagel zum Trainer von Hertha BSC Berlin.

1. Die BBBs haben schon oft zum Ausdruck gebracht was sie von dem Ex-Arcandor Manager Middelhoff halten, nämlich rein gar nichts. Man musste sich in der Vergangenheit nur ärgern wenn seinem permanentem „Ausstoß von heißer Luft“ auf verschiedenen Branchentagungen eine unberechtigt große Plattform geboten wurde (siehe u.a. BBBs vom 28.9.2008 „Wenn von einem Vordenker der Lack abblättert). Wie sehr er als Aufseher von Thomas Cook mit seinen Spesen „hauste“, wird inzwischen auch vom Arcandor-Insolvenzverwalter mit einer Rückforderung thematisiert. Jetzt klagte Middelhoff vor Gericht um die Freigabe seiner Festgeldanlage in Höhe von 23 Mio. Euro (!!!), welche das Bankhaus Sal. Oppenheim aus gutem Grund verweigert. Er versuchte glaubhaft zu machen, dass er ohne das Geld evtl. in eine „existenzielle Notlage“ geraten könnte und verwies darauf, dass er und seine Familie mehr als 70.000 Euro zum Leben bräuchten und diese Ausgaben „nicht in zumutbarer Weise reduzierbar“ seien. Damit es kein Missverständnis gibt, 70.000 Euro pro Monat wohlgemerkt. Das muss doch ein Schlag mitten in das Gesicht jedes redlichen Thomas Cook– oder Karstadt-Mitarbeiters sein. Zum Glück wurde der Antrag abgelehnt, das Gericht war der Meinung „er möge sich gefälligst an der Wirklichkeit orientieren“.

2. Zugegeben auf einer vollkommen anderen finanziellen Ebene, aber ebenso weltfremd, spielte sich der Fauxpas von Dagmar Wöhrl (CSU-Vorsitzende des Bundestags-Entwicklungsausschusses) ab. Während einer „Dienstreise“ mit Minister Niebel in das unsäglich arme Burma erfreute sie sich bei der Besichtigung eines Dorfes nicht nur „an der dörflichen Idylle“, sondern wollte auch einer armen Frau am Straßenrand eine bestickte Tasche für 2 Dollar abkaufen und mit einem 100 Dollarschein bezahlen. Unschuldig fragte sie danach ob man „wechseln könne“. Konnte man natürlich nicht. Ihr Ehemann, der Multiunternehmer Hans Rudolf Wöhrl, hatte schon mal für einen Euro gleich eine ganze Fluggesellschaft (dba) gekauft und musste sich damals von seinem Anwalt bei der Vertragsunterzeichnung exakt diesen einen Euro leihen. Kleingeld gibt es wohl nicht im Hause Wöhrl.
Im Moment ist Hans Rudolf Wöhrl wieder auf Einkaufstour und demnächst bestimmt dann auch wieder auf Verkaufstour, wenngleich sein früherer Stammabnehmer Air Berlin wohl nicht mehr zur Verfügung stehen dürfte. Die Wirtschaftswoche war letzte Woche in einem Bericht über Wöhrl so freundlich die Bissigen Bemerkungen zu zitieren, die Wöhrl vor einiger Zeit den Titel „GröFaz – größter Fluggesellschaften Verkäufer aller Zeiten“ verliehen hatten.

3. Von vergleichsweise unglaublicher Sparsamkeit präsentierte sich letzte Woche die TUI auf ihrer Hauptversammlung. Zwar gab es wiederum keine Dividende, dafür wurden die Aktionäre großzügig mit Keksen beschenkt. Dummerweise war darauf zu lesen „Merry Christmas TUIfly“. Das fanden die Aktionäre wenig spaßig zur Entsorgung alter Kekse eingesetzt zu werden.

4. Es ist nur schwerlich möglich an der „Affäre“ Wulff vorbeizugehen. In den BBBs vom 16.1.2012 (Reisen zum Weltuntergang) hieß es hinsichtlich des Weltuntergangs zwar schon „Halten Sie Abstand von Christian Wulff und Philipp Rösler. Bei denen wird der Weltuntergang garantiert noch früher stattfinden“, was zumindest bei Wulff schon in Erfüllung gegangen ist. Ausgerechnet sein letzter verbliebener öffentlicher Verteidiger, Peter Hintze, lieferte mit einem „hilfreich“ gedachten Hinweis auf eine Aktennotiz von Wulff, die „entscheidende Hilfe“ für die Staatsanwaltschaft für die Einleitung eines Verfahrens. Verrückter geht es kaum noch.

5. Und dass Angela Merkel mal wieder einen ihrer berühmten unerwarteten Haken, mit dem „Vorschlag Gauck“ schlagen würde, hätte nicht nur vor einem Monat niemand zu prognostizieren gewagt, offensichtlich wusste sie es selbst am Sonntagnachmittag noch nicht. Am Sonntagmorgen glaubte ich noch, dass die Verpflichtung von Otto Rehagel durch Hertha in Berlin die größte Abwegigkeit sei, aber da habe ich wohl Frau Merkel unterschätzt. Na ja, Wulff war schon so etwas wie ein politisches Fukushima. Warum den gleichen Trick nicht zweimal machen?
Bei dieser Haken-Technik könnte mancher Feldhase noch etwas dazulernen.

Es gab noch einiges Zitierenswertes aus dieser absurden Woche. Mehr dann in der nächsten Ausgabe der BBBs.

Ihr Feedback, Ihre Anregungen, Ihre Meinung ist gern gesehen. (hier klicken)

Albträume in einer Vollmond-Nacht

Liebe Leserinnen und Leser der BBB, haben Sie eigentlich eine Vorstellung wie jeden Sonntagabend die Bissigen Bemerkungen entstehen? Da werden um 20.00 Uhr die gesammelten Notizen der vergangenen Woche auf dem Schreibtisch ausgebreitet, parallel dazu die ARD-Nachrichten geschaut und danach im Internet gegoogelt ob es noch etwas Aktuelles gibt. Dann wird geschrieben, mehr oder weniger bissig, je nach Stimmung und Nachrichtenlage. Manchmal geschieht auch stundenlang überhaupt nichts, weil es nichts Bissiges gibt. So wie heute, beim 392. BBB – Sonntag.

Da liegt zwar einiges auf dem Tisch.
– – Condor-Vorstand Debus soll zu Air Berlin gehen (die haben ja erst 5 Vorstände)
– – Dagmar Wöhrl, Staatsekretärin und Ex-Miss-Bundestag wird als Nachfolgerin des amtsmüden Michel Glos gehandelt
– – Lars Windhorst schon wieder pleite
– – ITB-Meldung: Es ist nicht richtig, dass Lufthansa der ITB den Rücken kehre, sie habe nur keinen Messestand mehr. Dafür kehren Gabun, Tadschikistan und Turkmenistan zurück. Zusätzliche deutsche Destinationen drängen auf die ITB
– – Ein Sun-Express – Pilot wird nach Streit mit Passagier verprügelt
– – TUI senkt die Preise mit der Aktion „Da schlag ich zu“. Die Zukunft von TUIfly bleibt unklar.
– -Wowereit vermietet im Alleingang den kompletten Flughafen Tempelhof für die nächsten 10 Jahre, dummerweise nur für jeweils 2 Monate im Jahr. Es soll sich um eine „angesagte“ Modemesse handeln, die komischerweise „Bread & Butter“ heißt.
– – Das Land Rheinland-Pfalz übernimmt die Hahn-Anteile von Fraport für 1 Euro.
– – Stewardessen von Ryanair werden in einem Pin-Up-Kalender abgebildet. Mehrere Frauenorganisationen protestieren. Männliche Gäste protestieren auch mit der Begründung „wir haben noch nie eine von diesen abgebildeten angeblichen Ryanair – Stewardessen an Bord gesehen“.

Aber für so eine richtig bissige Bemerkung reicht keine dieser Meldungen. Wissen Sie wie ermüdend es ist, stundenlang auf ein weißes Blatt Papier zu starren ohne eine konkrete Idee zu haben? Und draußen ist auch noch Vollmond.

Irgendwann muss ich am Schreibtisch eingeschlafen sein:

– – Plötzlich wollte Condor-Debus für 1 Euro TUIfly übernehmen und Dagmar Wöhrl wurde 6. Geschäftsführer(in) bei Air Berlin
– – Michel Glos und Ernst Hinsken tauschten die Jobs und kein Mensch hatte den Unterschied bemerkt
– – Lebedew wollte jetzt bei Air Berlin (statt bei Öger) einsteigen, aber Hunold bestand auf Vorlage einer Schufa-Auskunft.
– – Messe-Chef Buck verkündete voller Stolz die Teilnahme von Molwanien auf der ITB und mit Vordertupfing und Hintertupfing seien Vorverträge abgeschlossen worden
– – Ich sah die TUI-Werbung „Da schlag ich zu“ und dahinter eine Prügelei zwischen TUIfly Piloten und TUI Managern. Welt.online zog daraufhin die Meldung über den verprügelten SunExpreß – Piloten als Falschmeldung zurück.
– – Das Land Rheinland-Pfalz freute sich über die kostengünstige Übernahme des Fraport-Anteils für nur 1 Euro und Hans Rudolf Wöhrl ärgerte sich tierisch, dass er diesmal zu spät kam.
– – Wowereit präsentierte ein Buch über „Moderne Auslastungssteuerung“ und änderte den Namen der Modemesse in „Champagner & Kaviar“. Danach klärte ihn jemand auf, dass auf dieser „angesagten“ Messe nur Alltagskleidung gezeigt wird. Daraufhin gab Wowereit eine Regierungserklärung ab, die nur aus einem Satz bestand: „L`etat cèst moi“. Die linken Abgeordneten glaubten es sei ein Zitat aus der französischen Revolution, dachten an die Guillotine und applaudierten vorsichtshalber heftig.
– – Aber die schlimmste Stelle im Traum war, als DRV-Präsident Läpple den Pin-up-Kalender des DRV präsentierte und nur (männliche) Bosse der großen Veranstalter abgebildet waren (mit Feigenblatt an den entsprechenden Stellen natürlich).

Irgendwann bin ich wieder aufgewacht, der Vollmond war verschwunden und im Unterbewusstsein musste ich diesen Albtraum wohl niedergeschrieben haben. Egal, jetzt mal 3 Stunden schlafen und dann gut frühstücken.

Ach ja, und ein Satz ist mir noch in Erinnerung. Den muss ich wohl auch in irgendeiner Notiz gelesen haben. Auf einem Symposium für Tempelhof, nichts ahnend, dass Wowi bereits Fakten geschaffen hatte, betonte eine Schweizer Referentin schlauerweise: „Die Planung beschäftigt sich mit der Zukunft“.
Um allein das zu wissen, war der Abend dann doch nicht umsonst.

Und noch eine letzte (echte) Meldung: Australische Wissenschaftler haben eine bahnbrechende Diagnose für Demenz bei Personen unter 65 gefunden. Die Betroffenen seien daran zu erkennen, dass Sie eindeutig ironisch und sarkastisch vorgebrachte Äußerungen nicht als solche erkennen. Sollten Sie also obige Bissige Bemerkungen für ernst nehmen, sollten Sie schleunigst einen Arzt aufsuchen.

Ihr Feedback, Ihre Anregungen, Ihre Meinung ist gern gesehen. (hier klicken)