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Lohnen sich Frühbucherrabatte?

“Lohnen sich Frühbucherrabatte?”
Geo-Saison, 17.2.2010
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Frühbucherfrist bis Ende Juli?

Alle sprechen von einem tollen Last Minute-Sommer, zumindest quantitativ. (Nur so nebenbei, das wurde von den Bissigen Bemerkungen schon anfangs des Jahres genau so vorhergesagt. Dafür gab es dann auf der ITB leider mehrfach heftige Kritik. Was soll´s, das haben wir weggesteckt.). Aber oh Schreck, da kommt die Nachricht auf den Schreibtisch „Frühbucherfrist bis 31. Juli verlängert“. Ja, sind da jetzt einige total verrückt geworden? Zum Glück kam einige Zeilen später Entwarnung. Es handelte sich um die Einladung zur DRV-Jahrestagung im Dezember in Ägypten. Da ist frühbuchen bis zum 31.7. durchaus angesagt (gemeint ist mehr der zeitliche Vorlauf, weniger ein eventueller Mangel an verfügbaren Plätzen).

Themen wird es dann genügend geben, wenn man die Buchungsentwicklung dieses Sommers Revue passieren lässt. Auf der Tagung sollte man aber weniger theoretisch über Krisen, Krisenentstehung und wie stark haben wir alle unter der Krise gelitten palavern. Vielmehr sollten konkrete (nicht allgemeine!) Erkenntnisse dargestellt und die daraus notwendigen Folgerungen erarbeitet werden.

Zum Beispiel: Welche Konsequenzen muss man aus der kurzfristig extremen Ausweitung des Urlauberwunsches nach Al Inklusive ziehen? Und das nicht nur für die künftige Produktgestaltung und Preisbildung, sondern auch für die Infrastrukturentwicklung der wichtigsten Zielgebiete. Und wenn man weiterdenkt:
Wie schnell und wie stark wird dieser Trend für den Deutschland-Tourismus durchschlagen?

Anderes Beispiel: Wie kann die Branche auf die Entwicklung im Last Minute-Bereich reagieren? Dabei aber nicht nur an den nächsten Sommer denken, sondern an den nächsten Winter! Lassen wir mal den aktuellen Buchungsstand für den kommenden Winter beiseite, wer denkt jetzt schon an Winterurlaub. Wichtiger ist etwas anderes: Schon in zwei Monaten ist Bundestagswahl. Und unmittelbar danach, werden die dann Regierenden die Liste ihrer Grausamkeiten vorlegen. Erinnern Sie sich, liebe Leserinnen und Leser, an die Erhöhung der Mehrwertsteuer nach der letzten Bundestagswahl, als aus dem Wahlkampfversprechen der CDU von plus 2% und dem Wahlkampfversprechen der SPD von keiner Erhöhung, der „saubere mathematische Durchschnitt von 3% gebildet“ wurde? Stellen wir uns mal darauf ein, dass uns im 4. Quartal 2009 ähnliche Überraschungen präsentiert werden. Als Folge wird es die gleiche Verunsicherung der Bevölkerung hinsichtlich ihres Einkommens geben, wie anfangs dieses Jahres. Und wer noch an eine generelle Mehrwertsteuersenkung für das Gastgewerbe glaubt, wie gerade eben von den französischen Nachbarn vorgemacht, der glaubt auch die Erde sei eine Scheibe und Männer würden Frauen verstehen.
Die Konsequenzen für das Buchungsverhalten der potenziellen Touristen liegen auf der Hand. Da sollte man schon heute über eine entsprechende Kommunikations-Strategie nachdenken und nicht so schwer „in die Gänge kommen“ wie in diesem Sommer.

Die Geschichte von Luxor (Gloria und Untergang) sollte aber nicht zum Menetekel für die Branche werden. Also rechtzeitig „pro-aktiv“, so heißt das neue Zauberwort, gegensteuern. Die Preissenkungen sind ja schon ein Anfang, aber das alleine wird nicht reichen.

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Die Mediengesellschaft

Da streiten Frau Magret Suckale (Personalvorstand Deutsche Bahn), Manfred Schell (Lokführergewerkschaft GDL) und Norbert Hansen (Gewerkschaft Transnet) wochenlang über fehlende Voraussetzungen sich am Verhandlungstisch zu treffen. Und dann sitzen diese „drei Herrschaften“ am Sonntagabend friedlich in Anne Wills ARD-Sonntagsabendshow nebeneinander und man hatte das Gefühl, noch ein paar Minuten länger und ernsthafte Verhandlungen wären in Gang gekommen.
Und mancher Bahnfahrer wird da gedacht haben: „ich glaube ich spinne, was ich da sehe!“.

Ein Erfolg für Anne Will? Oder Ausdruck unserer Mediengesellschaft?
Haben wir den Beginn eines neuen Zeitabschnitts im TV erlebt?
Nach den Partnerproblemen im Mittagsfernsehen bei Vera und Co., den Problemen unserer TV- und Kinopromis in Brisant und Co., den ewiggleichen Diskussionen unserer Politstars in Christiansen und Co., trägt jetzt die Wirtschaft ihre Probleme bei Anne Will öffentlichkeitswirksam aus?
Sitzt demnächst Michael Frenzel seinem Kontrahenten Wyser-Pratte gegenüber? Verkündet Middelhoff einem verblüfften Gesprächspartner, dass er ihn gerade Minuten vorher gekauft hat? Wäre es nicht „toll“ gewesen, wenn REWE-Vorstand Norbert Fiebig Anne Will erklärt hätte, warum Rembert Euling Nachfolger von Kastner wird und Dierk Berlinghoff hätte ihm vor laufender Kamera „die Brocken hingeworfen“?
Oder Willi Verhuven hätte gerade sein zweites „x“ im Frühbucher Super-Exxtra erklärt, während Karlheinz Kögel seine potenzielle Kundschaft aufgefordert hätte gelassen zu bleiben, denn der nächste Last Minute-Sommer käme mit drei „a“ als Super Laaast Minute?

Vielleicht werden künftig auch Vorstandsverlängerungen und vorzeitige Vorstandskündigungen (einschließlich Vertragsbestandteile) vor laufender Kamera diskutiert. Und am Montagmorgen kann man seinen Kollegen begrüßen mit der feststellenden Frage „haste gestern Abend bei Anne Will gesehen, wir haben einen neuen Chef?“.

Herrliche Aussichten, da hat man doch jetzt auch praktisch etwas von seinem sonntagabendlichen Fernsehgenuss.

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Liebe Frühbucher, ihr müsst jetzt ganz tapfer sein

Frühbucher: Wer früh bucht, der spart!
Veranstalter: Dieses Jahr wird es weniger Last Minute geben!
L´tur: Das beste Last Minute Angebot aller Zeiten (lt. Bild am Sonntag vom 26.6.2005).

Am 1.7. will Touristik Report bekannt geben, wer zum Touristik Manager des Jahres gewählt wurde (die BBBs werden nächste Woche kommentieren). Wenn die Touristik-Werbeanzeigen-Überschrift des Jahres gewählt werden sollte, steht nach Meinung der BBBs der Gewinner schon fest. Der Sieger kann nur L´tur heißen mit einer Überschrift von BILD-Format: „Liebe Frühbucher, ihr müsst jetzt ganz tapfer sein.“ Eine Headline mit Klasse: Klare verständliche Ansprache für jene, die noch buchen wollen und feine Ironie für jene „Smarties“, die sich mit Ihrer Frühbuchung für besonders trendy hielten.

Dabei kann man nicht sagen, dass die Reiseveranstalter mit ihrer Prognose „dieses Jahr gibt es weniger Last Minute“ geschwindelt hätten (so etwas würden Reiseveranstalter nie machen!?). Ohne Zweifel wurden die eigenen Kapazitäten reduziert, aber die Reiseveranstalter sind zu ihrem Leidwesen nur ein Teil der touristischen Welt. Und die neuerdings nicht mehr berücksichtigten Hotels (von den Kapazitätserweiterungen in den Zielgebieten ganz abgesehen) sind ja nicht abgebrannt (wäre auch schade um die schönen Hotels), sondern suchen sich neue Vertriebswege. Ergo, bleibt genügend „Futter“ für die Last Minute-Anbieter.

Man kann auch nicht sagen, dass die Frühbucher-Abschläge nur Peanuts wären (im Gegenteil, die Schmerzgrenze ist wohl schon erreicht, wenn nicht gar überschritten). Aber auch mit immer höheren Frühbucher-Abschlägen macht man aus einem Last Minute-Fetischisten keinen Frühbucher-Fan. Allerdings kann man manchen zeitlichen Normalbucher in den Frühbucher-Bereich ziehen. Wer sich sicher ist, dass er buchen will, kann das auch einige Zeit früher machen und den Frühbucher-Rabatt „mitnehmen“ (siehe auch Diskussion über den Mitnahmeeffekt der Eigenheimzulage). Nicht zuletzt hat manche Erhöhung des Frühbucher-Rabattes ohnehin den Zweck, den Frühbucher der Konkurrenz wegzunehmen.

Bleibt zuletzt der Engpass der Flugplätze. Das kann in der Tat dazu beitragen, dass manche Zielgebiete „knapp“ werden (siehe zuletzt Kanarische Inseln). Kein Problem für den echten Last Minute-Fuzzie. Für ihn sind Zielgebiete sowieso austauschbar. Mallorca, Tunesien, Türkei, was solls; Hauptsache Sonne, preiswert und vor allem verfügbar. Und dies alles gibt es noch genügend im Angebot (siehe Anzeige).

Liebe Frühbucher, seid nicht so traurig. Tapfer müssen wir alle sein, ob gerade jetzt nach dem Fußballspiel gegen Brasilien oder nach der nächsten Bundestagswahl. Ihr, meine lieben Frühbucher, habt uns eines voraus, Ihr seid beim Tapfersein wenigstens schon geübt!

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