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Merkel in Not – wo war der „nationale Champion“?

Stell‘ dir vor, du musst zum G20-Gipfel und dein Flieger geht nicht. Peinlich, peinlich. Der normale Arbeitnehmer kennt das, wenn er zu einer wichtigen Besprechung im Büro zu spät kommt und sich entschuldigt, mein Auto sprang nicht an, meine Straßenbahn hatte Verspätung, mein Zug fiel aus, Eurowings ist nicht geflogen oder so ähnlich, und der Chef/Chefin sagt: „Das war das letzte Mal.“

Aber das passierte der Kanzlerin des Luftfahrtstandortes Deutschland. Alle waren pünktlich, nur der als „oberpünktlich“ verschriene Streber Deutschland fehlte, und das vor den Augen der ganzen Welt.

Mit Steinmeier im Biergarten

Es kann bei jedem Flug etwas Unvorhergesehenes passieren. Aber die Pannenliste unserer Flugbereitschaft ist inzwischen ellenlang. Mal rauchte es in der Kabine, mal nagten hungrige Mäuse an Kabeln. Triebwerke ließen sich nicht starten und über Hunderte von Kilometern musste ein Ersatzgerät rangeschafft werden und und und. Legendär, als Steinmeier zusammen mit Journalisten in einem Biergarten in Vilnius wartete, bis er weiterfliegen konnte.

Unsere Langstreckenflugzeuge der Flugbereitschaft heißen Konrad Adenauer und Theodor Heuss. Wie kann man das Ansehen dieser für Deutschland verdienten Politiker so lächerlich machen? Das wird nur noch vom Willy-Brandt-Flughafen BER übertroffen.

Bei zwei Dingen sollte man mal genauer hinsehen. „Ein einziges“ Teil soll die gesamte Stromversorgung lahmgelegt haben? Wer das glaubt, glaubt auch an den Weihnachtsmann.

Frankfurt statt Köln

Oder ist billig-billig auch die Ursache für die vielen Pannen bei der Flugbereitschaft? Auch wenn es einige nicht hören wollen, billig-billig heißt mit Gewalt sparen, beißt sich irgendwann mit zuverlässig.

Wie auch immer, eine Umkehr war unausweichlich, weiterfliegen wäre lebensgefährlich gewesen. Aber wenn man den Kommentaren in entsprechenden Foren Glauben schenkt, soll der absolut lebensgefährliche Teil des Fluges an diesem Abend die Landung des Fliegers In Köln gewesen sein. Noch voll mit Sprit, weil vorher das Ablassventil nicht funktionierte, konnte das Flugzeug wegen Bauarbeiten nur auf einer deutlich kürzeren Bahn landen. „Heldentat“, wie Frau Merkel danach „fachmännisch“ bemerkte, oder unter allen Umständen gewollte Rückkehr zum „Heimatflughafen“? Das führte dazu, dass die Fluggäste (inkl. Kanzlerin) auf Geheiß der Feuerwehr erst nach 70 Minuten (wegen überhitzter Bremsen) das Flugzeug verlassen durften. Wäre ein Ausweichen zum Beispiel nach Frankfurt angesichts der wenigen Minuten Mehrflugzeit nicht die klügere Lösung gewesen?

Kanaren-Umlauf statt staatliche Verantwortung

Aber die größte Peinlichkeit – und dafür gibt es für mich keine Entschuldigung – ist, dass Deutschland, jetzt sage ich es ganz prosaisch, nicht in der Lage war, einen Ersatz für die Bundeskanzlerin bereitzustellen. Das in Berlin an diesem Abend stationierte Ersatzflugzeug konnte nicht eingesetzt werden, weil durch die Zwischenlandung in Köln die Crew aus der zulässigen Einsatzzeit gefallen wäre. Wie bitte, geht es noch? Wir reden hier von einer Flugbereitschaft der Bundeswehr und da gibt es Einsatzprobleme, als sei es ein Kanaren-Umlauf bei einem Ferienflieger? Ein Überziehen der Einsatzzeit wäre bestimmt weniger gefährlich gewesen, als die vorsätzliche Landung in Köln mit dem überladenen Flugzeug.

Wir leisten uns ein Parlament mit über 700 Abgeordneten, das auf die Größe der Bevölkerung bezogen größte Parlament der Welt, planen aber vorsätzlich bei der Anzahl Crews der Flugbereitschaft der Bundeswehr auf Kante?

Jetzt auch ein Subunternehmer beim Flug der Kanzlerin

Wir lassen es zu, dass in größter Not eine spanische Fluggesellschaft unsere Kanzlerin nach Argentinien fliegen muss, weil wir selbst dazu nicht in der Lage sind? Da stelle ich doch bewusst die sehr provokative Frage: Wo war zu diesem Zeitpunkt unser „nationaler Champion“ Lufthansa?

Konnte er nicht, wollte er nicht, durfte er nicht?

Da hätte alles aus dem Weg geräumt werden müssen, damit die Bundeskanzlerin noch pünktlich mit dem „nationalen Champion“ zum G20 Gipfel hätte kommen können. Da lasse ich keine Ausrede gelten (von wegen Nachtflugverbot oder ähnliches). Das wäre „Made in Germany“ als Wirtschaftsleistung gewesen.

Aber die Zeiten des „Siegerfliegers“ sind wohl vorbei.

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„Lufthansa wird airberliniger“ und andere Überraschungen

Manchmal gibt es Wochen, da weiß man mangels echtem Knaller wirklich nicht, worüber die Bissigen Bemerkungen berichten sollen (siehe BBB vom 9.2.09 „Albträume in einer Vollmondnacht“). Dann gibt es glücklicherweise wieder Wochen wie diese, da könnte man vor Freude gleich mehrfach zubeißen.

Eine kleine Auswahl gefällig?
1. Fusion von British Airways und Iberia: „Wenn zu einer Behinderung noch eine zweite dazu kommt, wird man nicht gesünder“ oder noch besser „Zwei Flügellahme wollen Jumbo werden“.
2. Angeblich kippt die Steuerermäßigung für Hotels: Das wäre fast Höchststrafe für einen Branchen-Doppelfehler. Zum einen hat sie extrem übertrieben ein nur zur Hälfte gehaltenes Wahlversprechen bejubelt (versprochen waren Steuerermäßigungen für Hotels „und“ Gastronomie). Zum anderen hat sie lauthals einen eigenen Wortbruch verkündet, nämlich die Steuerermäßigung nicht als „dringend notwendige Preisermäßigung“ weitergeben zu wollen, sondern „dringend notwendig für sich zu behalten“ (wofür auch immer).
3. Die Bundesregierung will mal wieder Streber sein und als erstes Land eine neue EU-Richtlinie umsetzen: Steuer auf das Essen im Flugzeug. Bei dem mageren derzeitigen Angebot an Bord kann da nicht viel Steuer anfallen.
4. TUI bietet Schönheits-OPs auf Reisen an und hat erfreulicherweise damit bei sich selbst angefangen: Malus verbessert, mehr Kapazitäten versprochen, Preise gesenkt, mehr „Extrawürste“ eingeführt und das ganze auch noch emotionaler verpackt. Wenn jetzt die Buchungstechnik noch stimmen sollte, wäre das alles eine „schlechte Nachricht“ für einige Reisebüros: Sie bräuchten ein neues Feindbild.

Aber der wirkliche Hammer der Woche war die Überschrift „Lufthansa wird airberliniger“ in Spiegel online. Da wird die Lufthansa-Presseabteilung beim Lesen ziemlich geschluckt haben, das war schon ein kleiner Kommunikationsgau. Aber auch inhaltlich kann dieser Ansatz, zumindest wenn er auch so gemeint sein sollte, nicht aufgehen. Alte BWL-Weisheit: „Wenn man die Konkurrenz kopieren will, macht dies nur Sinn, wenn die Kopie besser wird als das Original“. Wenn man das nicht kann, dann sollte man sich auf seine Stärken besinnen und diese intensivieren.
Kommentar eines Militär erfahrenen BBB-Lesers: „Nie auf das Schlachtfeld begeben, das der Gegner gewählt hat“. Und ein anderer BBB-Freund, mehr Fußball erfahren und offensichtlich auch sonst noch bewandert, gab den Hinweis: „Vermeide Auswärtsspiele (außer in der Liebe)“.

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