Person | Interviews | Vorträge | Veröffentlichungen | Kontakt

Luftverkehr als Staatsfeind Nummer 1

Von den angekündigten vierteiligen Bissigen Bemerkungen zur aktuellen Politik hier nun, speziell zum Thema Luftverkehr, Teil 2 (erschien am 1.8. auch als Born-Ansage bei airliners).

BBB Teil 2

In den Bissigen Bemerkungen vom 23. Mai hatte ich noch gewarnt: Die Flugbranche muss sich lauter zu Wort melden. Zu offensichtlich war der völlig undifferenzierte Verteufelungswahn von Flugreisen durch polemische Klimaaktivisten geworden. Damit war es nur noch eine Frage der Zeit, bis die Politik ähnlich undifferenziert auf diesen Zug aufspringen würde, um sich wählermäßig zu positionieren.

Seit kurzem ist bei mir auch der letzte Respekt vor „Fridays for Future“ in Frage gestellt worden. Wer am Flughafen Stuttgart protestiert mit „Attacke, Attacke – Fliegen ist kacke“, hat jegliche Seriosität verloren. Hier geht es nur noch um dagegen sein. Demoscham statt Flugscham.

Um es deutlich vorweg zu sagen, den Klimawandel heute noch zu leugnen ist dumm oder ignorant. Genauso wenig kann auch bestritten werden, dass die Fliegerei mit ca. drei Prozent am CO2-Ausstoß beteiligt ist. Weltweit wohlgemerkt. Wir reden also von einem Klima-Teilproblem und nicht vom Teufel persönlich. Aber der „grüne Teil“ dieser Republik hat sich darauf eingeschossen, dass es schon beim Fliegen um Alles oder Nichts geht. Die Emotionen sind im Höhenflug, deshalb kann nur schwer mit Fakten dagegen angekämpft werden. Dabei sind die erhobenen Forderungen zum großen Teil weltfremd und der Bürger bekommt Sand in die Augen gestreut, dass es jedem Sandmännchen zur Ehre gereichen wird.

Jetzt will das sogenannte Klimakabinett der Bundesregierung die CO2-Bepreisung beschließen. Die hyperaktive, zumindest quantitativ, Umweltministerin Schulze meldete sich streberhaft noch vor der Sitzung auf Twitter („Mini-Trump“?) „es kann nicht sein, dass auf bestimmten Strecken Fliegen weniger kostet als Bahnfahren“. Es brauche mehr Klimaschutz-Anreize beim Fliegen. Ein europaweites Vorgehen sei der beste Weg, aber darauf könne Deutschland nicht warten. „Ich bin deshalb dafür, dass wir die Luftverkehrsabgabe in einem ersten Schritt erhöhen.“

Frankreich führt ab dem kommenden Jahr eine Ökosteuer auf Flugtickets ein. Die Abgabe soll zwischen 1,50 Euro und 18 Euro pro Ticket betragen. Sofort Medienbegeisterung bei uns: „Eine Idee auch für Deutschland?“ Herzlich gerne, wenn dafür die Luftverkehrsabgabe entfällt. Sie bringt in 2019 mehr als eine Milliarde Euro in den Staatshaushalt ein, allerdings nicht zweckgebunden, sondern verschwindet im Topf. Steuerung? Denkste.

Deutschland hat mit die höchste Abgabenlast weltweit. Noch eine neue Steuer obendrauf ist nicht zu akzeptieren. Da hat Bundeswirtschaftsminister Altmaier recht, dass es unterm Strich nicht zu weiteren Belastungen kommen darf. Das könne man nur vermeiden, indem man „die Umlage für erneuerbare Energien senkt oder die Stromsteuer oder beides“. Wenn man in diesen Topf noch die Mineralölsteuer wirft und die Luftverkehrsabgabe und dann aus dem Gesamtpaket eine Steuer festsetzt, die den Namen CO2-Steuer trägt und dem Begriff Steuer im Sinne von „steuern“ gerecht wird, wäre das eine tolle Lösung. Aber im Ernst, wer traut diesen großen Wurf der nur noch verwaltenden Regierung zu?

 

Innerdeutsche Flüge verteuern oder ganz verbieten, auf die Bahn wechseln

Der innerdeutsche Flug zwischen Köln und Berlin ist wohl die Paradestrecke, wo es zu einem relativ kurzen Flug auch eine relativ einfache alternative Bahn oder Straße gibt. Aber ausgerechnet hier sind Minister, Staatsekretäre, Beamte und Angestellte von Januar bis Juli 1.740 mal hin und hergeflogen. Und noch schlimmer, das Ganze mit steigender Tendenz zum Vorjahr. Alle Ministerien zusammengerechnet, sofern sie bereit waren Zahlen zu nennen, haben in 2018 knapp 230.000 dienstliche Inlandsflüge. Alle Begründungen, warum sich die „Staatsdiener“ so verhalten, sind identisch mit denen des „gemeinen“ Volkes. Aber: „Quod licet lovi, non licet bovi“, was dem Jupiter erlaubt ist, ist dem Ochsen nicht erlaubt.

Engpass und damit echter Klimaschädling: Europäische Flugsicherung

Seit Jahren wird es beklagt, dass der Flickenteppich Flugsicherung in Europa zu Mehrbelastungen in sehr beträchtlicher Höhe führt. Dazu kommt ein steter Personalmangel, der auch auf absehbare Zeit nicht behoben werden wird. Schon 2009 habe ich von Bundeskanzlerin Merkel bei einer Feierstunde den Begriff „Single European Sky“ gehört und dass sich ihre Regierung darum kümmern werde. Zehn Jahre sind verloren, dabei sind Europäische Lösungen überlebenswichtig. Da fehlt bei „Fridays for Future“ der multinationale Ansatz. Aber wer will schon so ins Detail gehen, wenn er öffentliche Beachtung auch für weniger bekommen kann.

Verstaatlichung von Fluggesellschaften

Das ist natürlich der heißeste Vorschlag. Was soll sich dadurch zum Besseren ändern? Ryanair soll auch einbezogen werden, mit dem Verbot, Sonderpreise anzubieten. Wenn Sie mit dem Lachen fertig sind, dann lesen Sie die nächsten Sätze. Mein Vorschlag für die Besetzung zum Beispiel des Lufthansa-Aufsichtsrates wäre, den Aufsichtsrat des BER hier einzusetzen. Der hat seine wirtschaftliche Kompetenz in den letzten Jahren eindrucksvoll unter Beweis gestellt und wer versteht mehr von Null-Emissionen als dieses Fachgremium.

 

Ihr Feedback, Ihre Anregungen, Ihre Meinung ist gern gesehen. (hier klicken)

Vertrauen

Lufthansa stand beim letzten Investorengespräch besonders unter Druck. Zwar sind nicht alle Kennzahlen schlecht, aber eine wiederholte Gewinnwarnung sagt dem Markt auch, dass vieles noch weit entfernt von einer befriedigen Lösung steht.

Dabei hat die Luftfahrt zunehmend ein Problem mit einer Währung, die in keiner Bilanz steht: Vertrauen. Bei Branchenproblemen steht der Marktführer, in diesem Fall Lufthansa, immer besonders im Fokus beziehungsweise man erwartet von ihm besonders, dass er sich dagegenstemmt. Dumm nur, wenn hausgemachte Probleme das Geschäft zusätzlich erschweren.

Es ist leider ein bisschen viel, was das generelle Vertrauen in die Fliegerei belastet. Nach den Abstürzen der zwei 737-Max-Flugzeuge, wird jetzt nicht nur über (ohnehin schlimme) Softwareprobleme gesprochen, es scheint vielmehr, dass die Messlatte, wann ist ein neues Flugzeug „fertig“ und kann dem Markt zur Verfügung gestellt werden, nach unten versetzt wurde.

Dazu noch ein bisschen mehr Arbeitsverlagerung an Subunternehmen, eventuell sogar etwas Mauschelei hier und dort. Im Ergebnis bedeutet das stärkeren Druck als bisher gewohnt auf alle Beteiligten im Unternehmen, die dann irgendwann glauben, sich dem nicht mehr entziehen zu können. So ähnlich wird sich wohl der Dieselskandal entwickelt haben, aber bei Boeing dachten wir, dass die Luftfahrt-DNA solche Denkweisen generell ausschließt.

Vertrauensbeweis oder Marketing?

Sind die zuletzt abgegebenen Vertrauensbeweise gegenüber Boeing im Allgemeinen und 737 Max im Besonderen (siehe O`Leary, aber auch Spohr) nur clevere Marketingaussagen, um den künftigen Kaufpreis zu drücken oder notwendige Bekundungen, um dem Markt Vertrauen zu signalisieren? Für Letzteres ist es noch zu früh, solange nicht ausgeschlossen ist, dass Boeing noch die eine oder andere Unzuverlässigkeit eingestehen muss.

Und das alles vor dem Hintergrund einer in dieser Härte noch nie dagewesenen Debatte, wie stark die Luftfahrt das Klima belastet, Stichwort „Flugscham“. Selten ist in irgendeiner Branche das Image von Traum in Albtraum so schnell gekippt wie hier. Und auch hier geht es wieder um Vertrauen und darum wie glaubhaft die Bemühungen der Branche zum Besseren sind.

Lufthansa hat jetzt acht klimapolitische Kernbotschaften auf ihrer Homepage veröffentlicht. Es wird gemunkelt, dass Lufthansa auf die Frage, warum nur auf der Homepage veröffentlicht wird und nicht prominenter in den Medien, geantwortet hat: „wen es interessiert, weiß auch wo, man es finden kann“. Da bin ich allerdings zwingend der Meinung, dass man um hier Vertrauen zu gewinnen, extrem offensiv vorgehen muss und nicht abwarten kann, bis man „gefunden wird“.

Eurowings-Chef mit sehr eigener Wahrnehmung

Um Vertrauen kämpfen muss Lufthansa auch für ihre Tochter Eurowings. Der an dieser Stelle schon letztes Jahr kritisierte bedingungslose Wachstumskurs, auch zu Lasten der Kundenzufriedenheit (Motto: „Augen zu und durch“), rächt sich jetzt in katastrophalen Ergebniszahlen.

Lufthansa musste jetzt auf „Schubumkehr“ schalten und kassierte die Expansionspläne der Eurowings wieder ein. Natürlich soll auch auf die Kostenbremse getreten werden. Wie schon bei früherer Gelegenheit hat auch hier der Eurowings-Chef ihm eigene Umschreibungen parat. Zur gestrichenen Gratis-Verpflegung meint er: „Die Zukaufangebote machen Kunden zufriedener“. Hoffentlich wissen das auch die Kunden, dass sie jetzt zufriedener sind.

Merke: Je chaotischer das wirtschaftliche und politische Umfeld, desto wichtiger wird Vertrauen. Ein Marktführer wie Lufthansa ist hier besonders gefordert. Vertrauen schaffen und erhalten bekommt man nicht durch gelegentliche Marketingaussagen, man muss es täglich beweisen, das kann im Einzelfall auch Kosten verursachen. So wird Vertrauen zur Überlebenswährung, auch wenn es nicht in der klassischen Bilanz steht.

Viele Unternehmen legen heute zusätzlich ihre eigene Umweltbilanz vor. Wie wäre es mit einer Vertrauensbilanz?

 

Ihr Feedback, Ihre Anregungen, Ihre Meinung ist gern gesehen. (hier klicken)

Der Kranich will seine verlorene Tochter zurück

Die Brüder Grimm waren grausam: Im Märchen Hänsel und Gretel schicken die in finanzielle Not geratenen Eltern ihre lieben Kinder weg, geben noch etwas Wegzehrung mit und ab geht es in den dunklen Wald. Dort fallen sie einer bösen Hexe in die Hände.

Thomas Cook kann mit den Brüder Grimm durchaus mithalten. Sie haben in den letzten Jahren ziemlich über ihre Verhältnisse gelebt und schicken jetzt, um ihr eigenes Leben zu retten, ihre Kinder fort. Aber anders als im Märchen, werden die Kinder nicht in den dunklen Wald geschickt, sondern im Dschungel  der  „kleinere Airlines fressenden Monster“ öffentlich zum Verkauf angeboten.

Eines dieser Kinder heißt Condor und hat ohnehin ein wechselvolles Schicksal hinter sich. Es wurde vor 20 Jahren schon mal von einer gewissen Lufthansa ausgerechnet an die jetzigen Eltern Thomas Cook verkauft. Diese versuchten vor ca. 17 Jahren überhaupt nicht zimperlich ihr ihre Identität zu nehmen und einen anderen Namen zu verpassen. Da hat allerdings das Amt (sprich Öffentlichkeit) nicht mitgespielt.

Für den Fortgang dieser Geschichte stellt sich nun die Frage „wer wird die böse Hexe sein, in deren Hände Condor fällt“. Und da sieht es jetzt gar nicht gut aus. Die böse Hexe, hat den kurzen Namen „EU“, sitzt in Brüssel in ihrem Pfefferkuchenhäuschen und hat seltsame Vorstellungen über Adoptionen von elternlosen Kindern. Dabei spielt das Kindesschicksal zumeist eine untergeordnete Rolle.

Zurück zur Realität. Condor hat sich in letzter Zeit schon abstrampeln müssen, um sich über Wasser zu halten. Die vielen Subcharter im Auftrag der Condor, verniedlichend Partner Airlines genannt, wie Air Tanker, Avion Express, Blue Air, Smartlynx haben bei vielen Kunden nicht zu Identität und Vertrauen in den Namen Condor beigetragen.

Aktuell scheint so, als sei die Lösung Condor komplett zu Lufthansa, die einfachste und zukunftsfreundlichste für Condor zu sein. Ist es aber wirklich so?

Ich habe ja selbst 18 ½ Jahre bei Condor gearbeitet, als Condor noch 100% Tochter der Lufthansa war. Diese Muttergesellschaft gab uns Gelassenheit und Zuversicht, zur größten Chartergesellschaft (später nannte man es Ferienfluggesellschaft) Europas zu werden. Der „gelbe“ Mitarbeiterausweis, den auch wir hatten, machte uns stolz. Die exzellente Weiterbildung innerhalb des Konzerns machte uns alle (einschließlich mich) permanent besser.

Aber diese starke Identität Condor-Lufthansa wird es nicht wieder geben. Sorry.

Eine eigenständige Weiterführung der Condor innerhalb des Lufthansa Konzerns ist nicht vorstellbar. Teile der Condor werden sich irgendwo innerhalb des LH-Gefüges wiederfinden. Damit wird auch das Thema Arbeitsplätze, zumindest die Verwaltungsjobs, nicht sonderlich optimistisch zu sehen sein.

Aber es kann auch ganz anders kommen. Natürlich, Zukunft ist immer ungewiss. So  könnte Condor wieder britische Eltern bekommen und wäre mit den jetzigen Geschwistern wieder zusammen.

Aber das wird die zweite Hexe in dieser Geschichte, die Brexit-Hexe, wahrscheinlich verhindern. .

 

Ihr Feedback, Ihre Anregungen, Ihre Meinung ist gern gesehen. (hier klicken)

Wenn die „Beste Airline Frankfurts“ im Ranking fehlt

Wie strahlte Carsten Spohr Ende 2017 als die „super unabhängige Prüfungsgesellschaft Skytrax“ mit der „Five-Star-Plakette“ für Lufthansa um die Ecke kam. Die Kriterien von Skytrax sind etwas undurchschaubar, aber wer ist schon vor der Lust auf eine Auszeichnung gefeit. Interessant war bei der Preisverleihung, dass der Skytrax CEO die neue Bussiness Class der Lufthansa lobte. Dass es diese zu diesem Zeitpunkt noch nicht gab… geschenkt. Wenn jemand zur Auszeichnung dran sein soll, ist jede Begründung recht. Kein Wunder, dass der Ruf von Skytrax etwas gelitten hat und immer wieder spekuliert wurde („natürlich zu Unrecht“), ob man sich so etwas kaufen kann.

Jetzt kommt mit großem Trara Tripadvisor um die Ecke und präsentiert ihre „Travellers´Choice Gewinner“ auch für Airlines. Sieht super demokratisch aus (Schwarmergebnis), aber wie tauglich das System ist, aus einer Vielzahl von subjektiven Bewertungen eine objektive zu machen, darf bezweifelt werden. Tripadvisor fügt den Bewertungen fast immer noch ein Zitat „eines Users“ bei. Das schreckt dann doch etwas und macht die Sache nicht durchschaubarer als bei Skytrax.

Aber wie dem auch sei. Die Travellers´Choice Gewinner sind Platz 1 Singapore Airlines und Platz 2 Qatar Airways. Auch Eva Air, All Nippon Airlines und Emirates finden sich in den Top-10-Listen von Tripadvisor und übrigens auch bei Skytrax. Soweit, so nachvollziehbar. Nur wo ist eigentlich der aktuelle Skytrax-Platz-7 im Travellers´Choice Ranking? Wo ist Lufthansa ? Nirgends zu sehen, eindeutig unter ferner liefen.

Ein gutes Hilfsmittel, um die eigene Plattform im Ranking gegen andere Preisverleiher nach oben zu bringen, ist einfach sehr viele Preisträger auszuzeichnen. So hat Tripadvidor insgesamt 57 Fluglinien mit 91 Auszeichnungen gewürdigt – einfach indem man die Kategorien und Regionen immer mehr unterteilt. Klar, dass diese 57 Fluglinien (wie z.B, Aegan, Air Astana, Cayman Airlines, Hawaiin) jetzt per Pressemeldung das hohe Lied des Verleihers singen.

Zu wenig Kategorien für Lufthansa

Nur leider gibt es bei Tripadvisor keine Kategorie „Beste Airline Frankfurts“, sonst hätten wir eventuell doch noch eine bekannte deutsche Skytrax-5-Sterne-Airline im Besten-Ranking auf Tripadvisor gefunden.

Das mit den vielen Adwards macht auch Skytrax bis zur Ermüdung bei den Preisverleihungen. Gerade gab es mal wieder Auszeichnungen für Flughäfen. Da auch der Flughafen München im Ranking zurückfiel (aber noch Platz 7) und Fraport nicht unter den Top Ten ist, fiel das Echo der Branche diesmal extrem leise aus. Wir erinnern uns: Bei der Übergabe der Five-Star-Plakette an Lufthansa, gratulierte der Flughafen München schon fast während der Verleihung sehr plakativ.

Aber was ist von diesen Rankings schon zu halten? 2017 schaffte es ein Restaurant namens „The Shed of Dulwich“, auf Tripadvisor zum besten Restaurant Londons aufzusteigen. Super peinlich: „The Shed of Dulwich“ war in Wirklichkeit eine Gartenlaube. Kein Scherz. Ein Experte namens Oobah Butler, der schon öfters „Restaurantbewertungen“ geschrieben hatte, überlistete das System. Fake Internetseite, Bilder von Fake-Gerichten und jede Menge „Super-Bewertungen“, so wurde das Restaurant zur Nr. 1 in London. Die Geschichte ist von so einem hohen Unterhaltungswert, dass man sie echt gelesen haben sollte [https://www.derstandard.de/story/2000069779500/tripadvisor-mit-fake-blamiert-gartenhuette-wird-top-restaurant].

Es gilt, was für jede Statistik gilt, man kann sie beliebig interpretieren. Und wenn ich Oobah Butler engagiere, bin ich vielleicht auch mal irgendwo mit meiner Kolumne auf Platz 1, selbst wenn ich gar keine schreibe (oder vielleicht auch deshalb).

———————————————————————————————

„Mal wieder“ in eigener Sache

In letzter Zeit habe ich die „Bissigen Bemerkungen“ aus privaten Gründen etwas vernachlässigt. Dabei stapeln sich bei mir auf dem Schreibtisch die Themen, die es mehr als wert sind gebissen zu werden (ITB/Malaysia, der aktuelle Hype Overtourismus, aktuelle Situation Türkei und vor allem mein neues Lieblingsthema: Das Roboter-Hotel das die Hälfte seiner Roboter entlassen hat. Nach unserem Tourismusbeauftragten der Bundesregierung wollte ich auch mal nachforschen). .

Ab jetzt wird wieder etwas „mehr Gas“ gegeben, es ist genug zu tun.

Ihr Feedback, Ihre Anregungen, Ihre Meinung ist gern gesehen. (hier klicken)

Merkel in Not – wo war der „nationale Champion“?

Stell‘ dir vor, du musst zum G20-Gipfel und dein Flieger geht nicht. Peinlich, peinlich. Der normale Arbeitnehmer kennt das, wenn er zu einer wichtigen Besprechung im Büro zu spät kommt und sich entschuldigt, mein Auto sprang nicht an, meine Straßenbahn hatte Verspätung, mein Zug fiel aus, Eurowings ist nicht geflogen oder so ähnlich, und der Chef/Chefin sagt: „Das war das letzte Mal.“

Aber das passierte der Kanzlerin des Luftfahrtstandortes Deutschland. Alle waren pünktlich, nur der als „oberpünktlich“ verschriene Streber Deutschland fehlte, und das vor den Augen der ganzen Welt.

Mit Steinmeier im Biergarten

Es kann bei jedem Flug etwas Unvorhergesehenes passieren. Aber die Pannenliste unserer Flugbereitschaft ist inzwischen ellenlang. Mal rauchte es in der Kabine, mal nagten hungrige Mäuse an Kabeln. Triebwerke ließen sich nicht starten und über Hunderte von Kilometern musste ein Ersatzgerät rangeschafft werden und und und. Legendär, als Steinmeier zusammen mit Journalisten in einem Biergarten in Vilnius wartete, bis er weiterfliegen konnte.

Unsere Langstreckenflugzeuge der Flugbereitschaft heißen Konrad Adenauer und Theodor Heuss. Wie kann man das Ansehen dieser für Deutschland verdienten Politiker so lächerlich machen? Das wird nur noch vom Willy-Brandt-Flughafen BER übertroffen.

Bei zwei Dingen sollte man mal genauer hinsehen. „Ein einziges“ Teil soll die gesamte Stromversorgung lahmgelegt haben? Wer das glaubt, glaubt auch an den Weihnachtsmann.

Frankfurt statt Köln

Oder ist billig-billig auch die Ursache für die vielen Pannen bei der Flugbereitschaft? Auch wenn es einige nicht hören wollen, billig-billig heißt mit Gewalt sparen, beißt sich irgendwann mit zuverlässig.

Wie auch immer, eine Umkehr war unausweichlich, weiterfliegen wäre lebensgefährlich gewesen. Aber wenn man den Kommentaren in entsprechenden Foren Glauben schenkt, soll der absolut lebensgefährliche Teil des Fluges an diesem Abend die Landung des Fliegers In Köln gewesen sein. Noch voll mit Sprit, weil vorher das Ablassventil nicht funktionierte, konnte das Flugzeug wegen Bauarbeiten nur auf einer deutlich kürzeren Bahn landen. „Heldentat“, wie Frau Merkel danach „fachmännisch“ bemerkte, oder unter allen Umständen gewollte Rückkehr zum „Heimatflughafen“? Das führte dazu, dass die Fluggäste (inkl. Kanzlerin) auf Geheiß der Feuerwehr erst nach 70 Minuten (wegen überhitzter Bremsen) das Flugzeug verlassen durften. Wäre ein Ausweichen zum Beispiel nach Frankfurt angesichts der wenigen Minuten Mehrflugzeit nicht die klügere Lösung gewesen?

Kanaren-Umlauf statt staatliche Verantwortung

Aber die größte Peinlichkeit – und dafür gibt es für mich keine Entschuldigung – ist, dass Deutschland, jetzt sage ich es ganz prosaisch, nicht in der Lage war, einen Ersatz für die Bundeskanzlerin bereitzustellen. Das in Berlin an diesem Abend stationierte Ersatzflugzeug konnte nicht eingesetzt werden, weil durch die Zwischenlandung in Köln die Crew aus der zulässigen Einsatzzeit gefallen wäre. Wie bitte, geht es noch? Wir reden hier von einer Flugbereitschaft der Bundeswehr und da gibt es Einsatzprobleme, als sei es ein Kanaren-Umlauf bei einem Ferienflieger? Ein Überziehen der Einsatzzeit wäre bestimmt weniger gefährlich gewesen, als die vorsätzliche Landung in Köln mit dem überladenen Flugzeug.

Wir leisten uns ein Parlament mit über 700 Abgeordneten, das auf die Größe der Bevölkerung bezogen größte Parlament der Welt, planen aber vorsätzlich bei der Anzahl Crews der Flugbereitschaft der Bundeswehr auf Kante?

Jetzt auch ein Subunternehmer beim Flug der Kanzlerin

Wir lassen es zu, dass in größter Not eine spanische Fluggesellschaft unsere Kanzlerin nach Argentinien fliegen muss, weil wir selbst dazu nicht in der Lage sind? Da stelle ich doch bewusst die sehr provokative Frage: Wo war zu diesem Zeitpunkt unser „nationaler Champion“ Lufthansa?

Konnte er nicht, wollte er nicht, durfte er nicht?

Da hätte alles aus dem Weg geräumt werden müssen, damit die Bundeskanzlerin noch pünktlich mit dem „nationalen Champion“ zum G20 Gipfel hätte kommen können. Da lasse ich keine Ausrede gelten (von wegen Nachtflugverbot oder ähnliches). Das wäre „Made in Germany“ als Wirtschaftsleistung gewesen.

Aber die Zeiten des „Siegerfliegers“ sind wohl vorbei.

Ihr Feedback, Ihre Anregungen, Ihre Meinung ist gern gesehen. (hier klicken)

Ein bisschen Monopol geht immer

Eines war nach der Insolvenz von Air Berlin politisch klar, der „nationale Champion“ Lufthansa soll so viel bekommen wie er will. Zumindest wenn man die Äußerungen von den damaligem Verkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) und Ex-SPD-Wirtschaftsministerin Brigitte Zypries richtig verstand.

Der nationale Champion nahm die verbale Vorlage gerne auf und verhielt sich von da an auch wie ein solcher. So viele Flugzeuge wie möglich – gern. So viele Slots wie möglich – auch gern. Betriebsübergang und Übernahme des zu den Flugzeugen gehörenden Personals? Nein Danke, nicht mit uns! Alles kein Problem für die damalige Wirtschaftsministerin Frau Zypries, die dabei dezent den Wortteil „sozial“ im Namen ihrer Partei vergaß.

Kurze Zeit setzte der Kranich auf die Algorithmus-Ausrede

Danach zeigte Lufthansa was ein nationaler Champion für sein Leben gern macht: ausnutzen einer Monopolsituation. Ratz fatz stiegen die Preise durchschnittlich um 25 bis 30 Prozent, teilweise sogar deutlich höher. Für kurze Zeit versuchte man dann dem staunenden Publikum und den verärgerten Fluggästen zu erklären, dass dafür nur die dem Buchungssystem zugrunde liegenden Algorithmen verantwortlich seien und keinesfalls Konzernchef Carsten Spohr oder seine Verkaufsmitarbeiter.

Spohr ist eben der Rhetorik-Meister. Laut „Hohenheimer-Index“ ist er von den Chefs der 30 Dax-Konzerne, derjenige, der auf der Hauptversammlung des Unternehmens bei seiner Rede in Punkto Verständlichkeit in diesem Jahr am meisten zulegte. Wie gut, dass nicht Geografie bewertet wurde, denn im neuesten Imagefilm der Lufthansa wurde den Betrachtern gerade Kiew statt Moskau angedreht.

Kartellamt sieht keinen Grund für ein Marktmissbrauchsverfahren

Jene, die nicht so naiv waren, den Algorithmus-Rhetorik-Unsinn zu glauben, riefen ganz laut nach dem Bundeskartellamt – die Behörde sollte diesen Monopolmissbrauch mal unter die Lupe nehmen. Erste Reaktion des Präsidenten des Kartellamtes, Andreas Mundt: Es gäbe den „Hinweis auf den Missbrauch einer monopolähnlichen Marktmacht“.

Nun legte das Bundeskartellamt das Ergebnis seiner Überprüfung vor. Wie immer sehr akribisch ausgearbeitet.

Also, über 50.000 Tickets auf 13 innerdeutschen Strecken wurden überprüft und das Ergebnis war (Trommelwirbel): Lufthansa hatte ihre Preise kurz nach dem Air-Berlin-Exodus um durchschnittlich 25 bis 30 Prozent erhöht, in Einzelfällen sogar um 50 Prozent. Gut, das wussten wir alle schon im vergangenen Jahr … Die spannende Frage war jetzt vielmehr, wie hoch wird das Bußgeld gegen Lufthansa ausfallen.

Nun der Kotau der Kartellbehörde vor Lufthansa: Trotz alldem wird kein Marktmissbrauchsverfahren gegen Lufthansa eingeleitet. Gibt ja unter anderem Konkurrenz von Easyjet. Eben jenes Argument hatte Mundt zu Jahresbeginn noch als zu lasch zurückgewiesen.

Hoffentlich kommt da noch eine detaillierte Begründung für die Rolle rückwärts des Präsidenten. Denn – wie sagt man doch so schön: „Wenn Du schon Mist entscheidest, habe wenigstens eine gute Begründung dafür.“ Und was Spohr in Sachen Verständlichkeit kann, meint kann Mundt schon lange zu können:

Auszüge aus der ersten kurzen Pressemitteilung:

  • „Die Preise sind aufgrund des starken Rückgangs des Platzangebots gestiegen. Dies wäre auch bei einer intakten Konkurrenzsituation geschehen.“
  • „Easyjet ist inzwischen in den Markt eingestiegen, danach sind die Preise wieder umgehend gefallen.“
  • „Zwei Drittel der Passagiere, die durch die Insolvenz von Air Berlin auf den Monopolanbieter Lufthansa angewiesen waren, haben wieder eine Ausweichalternative.“

Mit dieser famosen Beschreibung, warum Lufthansa als alleiniger Anbieter die Preise erhöht hat und jetzt nach Eintritt eines Wettbewerbers (Easyjet) die Preise wieder senkt, alles eindeutige Beschreibung eines Monopolmissbrauches, kommt das Kartellamt zum Schluss: „alles ok, keine Einleitung eines Kartellverfahrens“. Damit würde jeder BWL-Student bei der Klausur haushoch durchrasseln.

Aber Mundts Behörde schreibt so wahrscheinlich Kartellgeschichte und wird für diesen hochdosierten unlogischen Quatsch als Begründung vielleicht auch demnächst für seine (Un-) Verständlichkeit ausgezeichnet.

Ihr Feedback, Ihre Anregungen, Ihre Meinung ist gern gesehen. (hier klicken)

Direct4you in den Sturzflug

Es war einmal eine wunderbare Airline. Kunden, Mitarbeiter, fast eine ganze Nation waren stolz darauf. Ok, man war einst Staatsbetrieb. Dementsprechend „gut ausgestattet“ mit Personal, Einrichtungen, Hierarchien, Doppel-Abläufen usw. stürzte man sich in den Wettbewerb und merkte nicht (oder besser gesagt, man wollte nicht merken) wie sich der Wettbewerb veränderte. Hinzu kam, dass der vorherige Vorstandsvorsitzende in den damals „klassischen“ Fehler verfiel, sich stärker zu „internationalisieren“ und einige „Fußkranke“ des Marktes aufkaufte. Aber aus „Lahmen“ wird leider kein Leistungssportler, wenn man nur das Dach Lufthansa drüberstellt. Ausnahmen, siehe Swiss, bestätigen die Regel.
Dabei sollte man aber nicht nur den Vorstandsvorsitzenden hinterfragen, sondern auch jene, die dort „Aufsicht“ führten und noch führen. Die zu hinterfragende Liste ist nicht kurz.
Leider hat man sich auch nicht ausreichend gewehrt, als unsere Regierung eine Belastung nach der anderen den Airlines aufbürdete. Vielleicht weil man glaubte es würde die Konkurrenz stärker belasten?

Auf die Bremse tritt man zumeist erst dann, wenn man sieht, dass die Uhr auf „Fünf vor Zwölf“ steht. Wenn man Pech hat, dann geht diese Uhr auch noch nach.

Aber der neue Vorstandsvorsitzende „will“ nun. Prima. Aber wie in vergleichbaren Fällen (entsprechende Namen kennt jeder) kommt die Ebene darunter, vor allem dann wenn es dort wenig „Kreative“ aber viele „Nachmacher“ gibt, auf absurde Ideen.

Kranke Idee Nr. 1: Wir „machen uns noch billiger“ als unsere billigste Konkurrenz.
„Direct4you“ als neuer Billigableger. Ja tickt Ihr noch richtig? Direkt4you, das ist billigste unterste Online-Schublade. Das sind jene pop-ups, die man findet, wenn man im Internet nach billigen Schuhen o.ä. sucht. Das sind jene Firmen, bei denen man die AGBs dreimal liest bevor man bucht. Das ist so schlimm wie der Schlecker-Claim „FOR YOU. VOR Ort“, nur auf Airline gemacht. Dabei hat man doch schon einen Preiswert-Ableger mit Germanwings. Ein Namen, der perfekt zu Lufthansa passt. Diese Airline etwas kapazitätsmäßig „aufgeblasen“ und für den Wettbewerb „schärfer positioniert“? Aber das wäre Arbeit und Mühe. „Direct4You“, selbst wenn es nur ein Arbeitstitel sein sollte, das ist die „falsche Denke“.

Kranke Idee Nr. 2: Wir verärgern unsere besten Kunden.
Die kurzfristige Umgestaltung der Miles & More-Regelung trifft die Lufthansa-Edelkunden. Waren das nicht jene, die im Fokus des LH-Marketings standen? Und wenn es stimmen sollte, was man in der financial times lesen konnte, dass es eine LH-interne Email geben soll mit dem Inhalt: „Die Kommunikation an die Kunden erfolgt ab dem 20. Dezember, nicht zu früh, damit die Kunden nicht vorab noch viele Tickets mit den günstigeren Meilenwerten buchen“ dann kennt man die wahren Gedanken über die Kunden. Gab es nicht schon einmal das Gerücht, bei LH würde hinter manchem Kundennamen „RAL“ stehen, für besonders nervige Kunden. Ausgeschrieben soll das eine Bezeichnung sein, die mit „Riesen…“ beginnt, dann kommt ein „A“ und es endet mit „..loch“ (siehe BBBs vom 28.11.2011).

Kranke Idee Nr. 3: Wir verärgern unseren stationären Vertrieb.
Genau jetzt, in der kritischen Umbauphase verärgere ich auch den stationären Vertrieb und kippe die Service Charge. Das gibt zwar mächtig Ärger, aber die Reisebüros werden kurz schreien und dann sich wieder beruhigen. Wie immer. Mit Letzterem, hat LH vielleicht sogar recht.

Kranke Idee Nr. 4: Jetzt demotivieren wir nachhaltig unser Personal
Unbestritten muss auch an dieser Stelle etwas getan werden. Aber der BILD-Artikel „die Hälfte des Personals wird gefeuert“ und „die verbliebene Hälfte wird in eine neue Gesellschaft ausgegliedert“ ist entweder ein gedanklicher GAU der Personalabteilung oder ein Kommunikationsgau, wahrscheinlich beides.

Schreck Nr. 5: Der Brief vom Passagevorstand Carsten Spohr an die Mitarbeiter
Abgesehen davon, dass ausgerechnet im Brief des Vertriebsvorstands das Wort Kunde nur einmal, und da nur en passant vorkommt. Der Schocker war ein anderer Satz: „Wenn möglich wollen wir kein Flugzeug älter als 25 Jahre einsetzen“. Oh weh. Über diese Marketingvorlage wird man sich bei Air Berlin, TUIfly u.a. angesichts derer junger Flotte so richtig gefreut haben.

Fazit:
Wie schrieb Carsten Spohr am Ende seines Briefes an die Mitarbeiter: „Das alles hat nur Erfolg, wenn es Ihnen gelingt unsere täglich 170.00 Gäste zu überzeugen, dass ihre Entscheidung für Lufthansa richtig war, ist und bleibt“.

Eine echte Herausforderung für diese Mitarbeiter:

Aber jedem, der einmal Lufthanseat war, blutet das Herz, wie hier eine Marke in den Sturzflug getrieben wird. Aber die Liste vergleichbarer Markenvergehen lässt sich locker fortsetzen.

—————————–

Lufthansa und „direct4you“ war schon das Thema der Woche. Deshalb mussten zwei andere Geschichten verschoben werden.

Ramsauer interpretiert den ihm u.a. anvertrauten Flugverkehr so, dass kein Minister soviel fliegt wie er. Was er von einzelnen Zielen lernen kann, bleibt
(s)ein Geheimnis. Aber vielleicht kann er überall dazulernen.

Und dieser Anblick darf nicht unerwähnt bleiben. Vollsperrung der Autobahn zwischen Hannover und Wolfsburg. Warum? Weil Frau Merkel mit dem chinesischen Staatspräsidenten im Bus von Hannover nach Wolfsburg gefahren ist. Die Bilder der Harmonie und des gegenseitigen Verstehens zwischen Merkel und dem chinesischen Staatspräsidenten („Merkozy light“) auf der Messe Hannover und die Fahrt mit dem Bus und ca. 20 Limousinen als Geleitschutz auf einer gesperrten Autobahn???? Alles normal? Wenn mir jetzt noch jemand kommt, liebe Leserinnen und Leser, Sie wissen schon was ich meine, und mir über Menschenrechte und Tourismus Vorhalte macht, dann drehe ich total durch. Versprochen.

Ihr Feedback, Ihre Anregungen, Ihre Meinung ist gern gesehen. (hier klicken)

Zweimal außergewöhnlich: Germanwings im Sado-Maso-Fieber und Condor im Retro Look

Der Ausflug in das Sado-Maso-Milieu ist für Germanwings gründlich daneben gegangen. Anlass der Peinlichkeit ist ein Clip, den das Kölner Unternehmen auf seinem Youtube-Kanal hochgeladen hatte. Da bettelt ein Geschäftsmann auf Knien vor einer Domina „um Hiebe“, weil er Business-Class bei einer anderen Airline gebucht hat (könnte dem Text nach z.B. bei der Germanwings-Muttergesellschaft Lufthansa gewesen sein!!! Auch nett, sich über Buchungen bei der Muttergesellschaft lustig zu machen). Aber die (optisch eher magersüchtige) Domina betreibt Arbeitsverweigerung, denn „wer falsch bucht, ist schon gestraft genug“. Abgesehen davon, dass die „Dame“ hier irrt, denn oft sind jene gestraft, die „zu billig buchen“, ging der Spot im Social Web für Germanwings mächtig in die falsche Richtung.

„Wie blöd ist das denn“ oder „Mega peinlich und zum Fremdschämen“ und so ähnlich weiter lauteten die Kommentare der Facebook Fans. Und das will etwas heißen, denn den Facebook-Fans ist von Haus aus wenig peinlich. Eher im Gegenteil.

Und jetzt weiß auch Germanwings, was man von einer Domina erwarten muss: Kräftige Hiebe als Strafe! Lange hat dies Germanwings nicht ausgehalten. Wenige Tage später wurde der Spot (mit fadenscheiniger Begründung) wieder aus dem Netz genommen.
Merke: Wer zur Domina geht, sollte sich vorher überlegen, ob er die „Hiebe“ auch aushalten kann.

Anderes Thema, anderer Stil.
Trotz Kostendruck, wirtschaftlichem Gegenwind und Trouble bei der Muttergesellschaft Thomas Cook, hat sich Condor etwas geleistet, das die Bissigen Bemerkungen nie für möglich gehalten hätten. Der Condor Airbus A 320, D-AICA, wurde sonderlackiert im Retro-Outfit der 1960er Jahre (Typ Vickers Viking). Sieht echt klasse aus (mit der alten „Condor-Büroklammer“ am Heck).
Bei der Taufe dieses Flugzeuges auf den Namen „Hans“ (ganz in der Tradition der früheren Condor Jumbo-Jets „Fritz“ und „Max“) gab es auch die Premiere für einen großformatigen Bildband „Condor – Ferienflieger mit Tradition“ von Karl-Peter Ritter (A 320 Flugkapitän bei Condor). In diesem Buch wird in lobenswertem Stil nicht nur die Geschichte der Condor dargestellt, sondern das ganze auch prima in die jeweilige Zeit gesetzt. Aber fast noch faszinierender sind die außergewöhnlichen 400 teilweise doppelseitigen Flugzeug-Fotos aus fünf Jahrzehnten. Man muss kein Condorianer sein, um diese Bilder zu lieben. Sie sind eine Freude für jeden Flugzeug-Fan. Das Buch ist erschienen im ursa minor Verlag (www.ursa-minor-Verlag.de) zum Preis von 49,95 Euro.

Ihr Feedback, Ihre Anregungen, Ihre Meinung ist gern gesehen. (hier klicken)

Man mag es kaum glauben…….

Laut Financial Times Deutschland werden bei Lufthansa bestimmte Kunden auf der Passagierliste gekennzeichnet. So bedeute ein Pluszeichen neben dem Namen, dass der Kunde besonders umsatzstark sei. So weit so gut. Aber ein Kunde will auch das Kürzel „RAL“ neben dem Namen entdeckt haben. Angeblich sei das ein Kennzeichen für „besonders nervige“ Kunden. Ausgeschrieben würde das Wort mit „Riesen..“ beginnen, dazwischen etwas mit „A..“ und mit „..loch“ enden. Aber das ist sicherlich nur eine Zeitungsente, oder doch nicht?

Vor dem Einsteigen in ein Flugzeug sollte man auch sicherheitshalber fragen, ob das Flugzeug vorher im chinesischen Xiamen zur Überholung war. Ein A340 der Air France wurde in Boston gegroundet, weil drei Dutzend (für nicht Mathematiker = 36) Schrauben an einem Teil der Außenverkleidung an der rechten Tragfläche fehlten. Immerhin hat es der Airbus trotzdem bis nach Amerika geschafft. Ein Glück, dass unsere „amerikanischen Freunde“ nicht nur bei der Kontrolle der einreisenden Menschen so rigide sind, sondern auch bei den „einreisenden“ Flugzeugen.

Von Ryanair-Boss O`Leary kennen wir den Spruch „Die Fluggäste mögen doch schon im Flughafen auf die Toilette gehen“, damit seine Airline Toiletten an Bord einsparen könne. Jetzt wurde O`Leary auf fast tragische Weise bestätigt. Ein 81-jähriger Passagier mit Blasendruck versuchte auf einem Flug nach Vietnam den Notausgang zu öffnen. In seiner „großen Not“ und offensichtlich „unter Druck“ verwechselte er die Türen zum Notausgang und zur Toilette. Gerade noch mal gut gegangen und auch ohne, dass der Fluggast „den Depardieu“ machen musste.

Aber nicht nur ältere Mitflieger sollten Sie im Auge behalten, sondern auch Flug-Neulinge. Ein 22-jähriger Student (was der wohl studiert?) wollte nach dem Start in Ho-Chi-Minh-Stadt den Notausgang öffnen um „die Aussicht besser genießen zu können“.

Und Sie sollten in Frankfurt keinen Flug nach 22 Uhr buchen, denn ab 23 Uhr gehen am Frankfurter Flughafen neuerdings die Lichter aus. Zumindest was Start und Landung betrifft. Und wenn es dann aus welchen Gründen auch immer etwas knapp wird mit dem Abfliegen vor 23 Uhr, dann heißt es „nichts wie weg“, notfalls auch ohne Koffer. So erging es 256 Passagieren der Condor auf dem Weg in die Dom.Rep. Also liebe Fluggäste, wenn Sie schon so spät fliegen, dann etwas mehr ins Handgepäck packen.

Dabei ist das grundsätzliche Schicksal der Condor ungewisser als die Zukunft des Nachtflugverbotes in Frankfurt. Die gute alte Condor hatte schon immer etwas Pech, entweder mit eventuellen Partnern (siehe BBB vom 14.7.2008 „Condor: die Braut, die keiner traut“) oder mit ihrer Muttergesellschaft Thomas Cook. Schon vor zwei Jahren suchten die Bissigen Bemerkungen verzweifelt „jemand“ der sich künftig um Thomas Cook kümmern würde (siehe BBB vom 7.9.2009 „Eltern gesucht“).
Und so wird neuerdings zum xten mal jemand gesucht, der die inzwischen 56-jährige Condor in eine sichere Zukunft führen könnte. Und da die Fantasie der Presse irgendwie auch begrenzt ist, fällt dann sofort der Name Hans Rudolf Wöhrl (so zuletzt in der Börsen-Zeitung). Würde gerade noch fehlen in Zusammenarbeit mit Achim Hunold.

Ihr Feedback, Ihre Anregungen, Ihre Meinung ist gern gesehen. (hier klicken)

Service Champions 2011

Diese Woche gab es gleich zwei Themen die sich zum „Beißen“ empfohlen haben.
Zuerst natürlich „Deutschlands größtes Service-Ranking 2011“, sozusagen ein Thema zur Kernkompetenz der Bissigen Bemerkungen.
Aber zum Super-Biss verleitet der neue Slogan für die Schlecker Drogerie-Märkte und die kommunikative Reaktion des Unternehmens auf die öffentliche Kritik. Dies ist zwar kein touristisches Thema, aber die Perfektion von Schlecker, wie man Schlimmes immer noch Schlimmer machen kann (frei nach dem Motto: Nichts im Leben ist unnütz, notfalls kann es immer noch als schlechtes Beispiel dienen), passt so schön als Gegenbeispiel zum Thema Champions im Umgang mit Kunden.

Kommen wir zuerst zu den Champions.
Hinter einer breit angelegten Kundenbefragung (durchgeführt von der Goethe-Universität Frankfurt) zum „erlebten Kundenservice“ stehen insgesamt fast 1 Million Kundenurteile zu über 1.000 Unternehmen und 100 Branchen (zitiert nach DIE WELT).

Der bissige Blick geht natürlich sofort zu den touristischen Unternehmen. Aber hier gibt es erfreulicherweise wenig zu beißen, denn die Touristik ist topp platziert.
Unter den ersten Fünfzehn (von 1.000) finden wir drei Hotelketten (Kempinski auf Platz 1, Steigenberger Platz 9 und Travel Charme Hotel Platz 11), zwei Kreuzfahrtunternehmen (Celebrity Cruises Platz 4, AIDA-Cruises Platz 14) und einen Reiseveranstalter (TUI Platz 3). Sechsmal Touristik auf den ersten fünfzehn Plätzen, das ist sensationell. Gratulation. Zum Vergleich, der bestplatzierte Autohersteller (Audi) findet sich erst auf Platz 24. Das zeigt, dass die Touristik-Branche in ihrer Hinwendung zum Kunden weit besser ist, als sie in den Medien zumeist gescholten wird.

Unter den ersten Hundert (wohlgemerkt von 1.000 platzierten Unternehmen) findet man noch aus der Touristik (als zweitbesten Veranstalter) Bucher-Reisen auf Platz 43 (Mutter Thomas Cook steht erst auf Platz 119). Außerdem noch unter den besten Hundert: Lufthansa, TUI Cruises, Robinson Club, Phoenix-Reisen, Alltours, Singapore Airlines, NH-Hotels, Lindner Hotels, Carnival Cruise Lines, Air Berlin und United Airlines. Erstaunlicherweise auch die Platzierung der Nord-Ostsse-Bahn auf Platz 87, trotz Dauerstreik der Bediensteten!!! Wenn man jetzt noch zwei gut platzierte Erlebnisparks und zwei Zoologische Gärten zur Touristik hinzuzählt, dann ist die Branche mit 22 Nennungen unter den ersten Hundert, die erfolgreichste Branche.

Wie man es nicht machen sollte, zeigt gerade die australische Fluggesellschaft Qantas. Sie hat im Kampf mit den Gewerkschaften einen drastischen oder besser gesagt absolut unmöglichen Beschluss gefasst: Sie stellte am Samstag ohne jede Vorwarnung für ihre Kunden und mit sofortiger Wirkung den gesamten Flugbetrieb ein. 108 Flugzeuge strandeten in 22 Ländern, mehr als 1300 Passagiere, die innerhalb von 24 Stunden bei Qantas einchecken wollten, blieben auf der Strecke. Service Champion wird diese Airline nie!

Was beim Ranking der Champions noch auffallend ist:
 Die Krankenkasse der Bahn ist deutlich besser platziert als die Bahn selbst (offensichtlich ist der Service für die kranken Mitarbeiter besser als für die Kunden)
 Der 1. FC Kaiserslautern ist besser platziert als Bayern München und Borussia Dortmund (Merke: Verlieren kann mit besserem Service verbunden sein als Gewinnen)
 Der bestplatzierte Lebensmittel-Discounter LIDL liegt auf Platz 966!! (wir können nur billig, sonst nichts).

Vergeblich sucht man in dieser Liste den Drogeriemarkt Schlecker, was nicht weiter verwunderlich ist. Schlecker glänzte vor kurzem mit seinem neuen Slogan „For You. Vor Ort“ in einer sprachlichen Schlichtheit, die wohl kaum noch unterboten werden kann. Was bei der Vielzahl nichts sagender Slogans in diesem Land auch eine Leistung bedeutet. Auf die öffentliche Kritik reagierte der Schlecker Unternehmenssprecher Florian Baum mit dem „bemerkenswerten“ Satz: „Das Motto sollte die durchschnittlichen Schlecker-Kunden, die niederen bis mittleren Bildungsniveaus zuzuordnen sind, ansprechen“. Das ist eine glatte Note Eins im Wettbewerb: Wie beleidige ich meine Kunden!

Aber dem tollen Unternehmenssprecher Herrn Baum gelang sogar noch eine Steigerung. Auf den folgenden öffentlichen Proteststurm reagierte er mit: „Und selbstverständlich freuen wir uns, wenn sich 95 Prozent der Deutschen von unserem neuen Motto FOR YOU. VOR ORT. angesprochen fühlen“. Sauber. Nach seiner Logik sind also 95% der Deutschen dem niedrigen und mittlerem Bildungsniveau a la Schlecker zuzuordnen.
Dazu gab es einen herrlichen Kommentar in WELT online:
„Wenn man weder vor seinen Mitarbeitern, noch vor seinen Kunden Respekt hat, sollte man einfach den Laden zumachen. Schlecker ist die FDP im Einzelhandel. Nur noch peinlich.“

Schöner hätten das auch die BBBs nicht formulieren können.

Ihr Feedback, Ihre Anregungen, Ihre Meinung ist gern gesehen. (hier klicken)