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Müssen wir jetzt auch noch Mallorca retten?

Seit Wochen lautet die meistgestellte Frage: Wen müssen wir (?) alles retten? Griechenland? Ok, das haben wir verinnerlicht (wenn auch ohne Dank der zu Rettenden). Irland? Da dachten wir gerade, die hätten sich schon gerettet, da stuft die Ratingagentur Moody´s Irland herab auf Ramschstatus. Portugal? Klar, das war eigentlich ein heißer Kandidat nach Griechenland. Doch dann hatte sich überraschenderweise (?) Italien vorgedrängt, das auch gerettet werden will/muss. Aber überhaupt nicht auf der Rechnung hatten wir Mallorca!!
Was, Mallorca ist pleite?

Ja, richtig, Mallorca ist pleite? Und das ist keine billige germanische Hetze, sondern eine höchst politische Erklärung der Inselverantwortlichen. Angeblich fehlt Geld, damit das Regionalparlament die Gehälter von Abgeordneten, Beamten und Angestellten zahlen kann. Nur noch das Juli-Gehalt sei gesichert. Wie „schlimm“ die Situation ist, möge man daran erkennen, dass die ursprüngliche Entscheidung für alle 59 Abgeordnete Ipads anzuschaffen, nicht umgesetzt werden kann. Dabei dachte man die ganze Zeit, die wichtigste Anschaffung auf Mallorca seien neue Geldschränke um die Einnahmen aus dem Tourismus besser stapeln zu können. Auf die Ipads kann man wohl verzichten, wobei der Verzicht auf die Mehrzahl der 59 Abgeordneten wirtschaftlich (vielleicht auch politisch) wahrscheinlich sinnvoller sein könnte. Man mag es nicht glauben. Generationen von Deutschen haben doch ihr Geld nach Mallorca gebracht und das höchst freiwillig. Und jetzt soll alles „alle“ sein.

Jedenfalls jammert auch der neue Tourismusminister der Balearen, Carlos Delgado, dass er kein Geld für Tourismuswerbung habe. Auf die entsprechende Frage, antwortete er jedenfalls, er habe „keinen Cent“ für Tourismuswerbung. Er wolle aber trotzdem erfolgreich sein, man müsse nun „umstrukturieren“. Ein interessantes Experiment, wie strukturiert man „Nichts“ um?

Aber etwas können fast alle Politiker und Tourismusverantwortliche sind da sogar weltweit führend. Wenn schon nichts da ist, können die immer noch mit etwas glänzen: Mit dem Ablassen von heißer Luft. Auf die Frage, was Mallorca machen könne um die Tourismussaison mehr in die Wintermonate auszuweiten, blieb dem Minister nur die Idee des Nachahmens. „Seit Bilbao das Guggenheim-Museum hat, reisen die Leute dort hin. Dasselbe ist in Valencia geschehen, seit es dort den Kulturpark Ciudad de las Ciencas y de las artes gibt“, so der Minister. Eigene Ideen, um Mallorca im Wettbewerb abzuheben, sollten anders aussehen. Den Vogel abgeschossen hat der Minister allerdings mit der Wahnsinnsidee „Warum sollen wir nicht eine Formel-1-Rennstrecke haben?“. Kein Geld im Beutel, aber Formel 1-Rennstrecke bauen wollen. Und dann noch Bernie Ecclestone überreden (ohne Geld) auch ein Formel 1-Rennen nach Mallorca zu bringen?
Bernie ist ja auch nicht mehr der Jüngste, hoffentlich erstickt er nicht an dem Lachkrampf den er beim Treffen mit den mallorquinischen Kreativen bekommen könnte. Und ganz nebenbei liebe Mallorquiner, schon mal auf den Rennkalender geschaut. Formel 1 im Winter? Das gibt es schon gar nicht. Kleine Empfehlung: Erst Nachdenken und dann laut Sprechen.

Ja liebe deutsche Touristen, sofern ihr geplant hattet, aus humanitären Gründen den Urlaub in Griechenland zu verbringen, denkt noch mal darüber nach, ob es nicht doch auch wieder Mallorca sein könnte.

Zuletzt noch die erfreuliche Nachricht in dieser Sache: Was für eine starkes Zielgebiet ist doch Mallorca, dass alle politischen Tourismus-Dilettanten es nicht geschafft haben, Mallorca kaputtzumachen, obwohl sie sich Jahr für Jahr in wechselnder Besetzung „aufs Neue Mühe geben“.
Ein Mallorca ohne Politiker, das wäre ein Traum!
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Im Reiseradio (www.reiseradio.org) wird diese Woche Dr. Peter Fankhauser interviewt, allerdings nicht zum Thomas Cook-Ergebnis, sondern über die „Super-IT“ der Cookies. Und TC-Manager Michael Tenzer spricht auch zu einem Überraschungsthema: ärztlich begleitete Pauschalreisen. Neue Kernkompetenz oder was?
In den akustischen Bissigen Bemerkungen geht es um: Was ist eine Gewinnwarnung, wie glaubwürdig sind Analysten und wie viel neue Hotelmarken braucht der gemeine Tourist.

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Undankbare Verkehrspolitiker?

Deutsche Verkehrspolitiker und ihr Verhältnis zu deutschen Luftverkehrsgesellschaften: Ein Drama in 3 Akten.

1. Akt des Dramas, Anfang Oktober 2010, Beschluss über Luftverkehrssteuer für Deutschland
„Die Ticketabgabe bringt für die hiesigen Flughäfen und unsere deutschen Airlines Nachteile im Wettbewerb. Anders kann man das nicht sehen“.
Zitat Dirk Fischer, CDU, Vorsitzender des Verkehrsausschusses im Deutschen Bundestag. Unabhängig von dieser Erkenntnis, stimmt Fischer im Bundestag der neuen Steuer zu.
„Niemand von uns hat sich die Ticketabgabe gewünscht. Ein nationaler Alleingang verzerrt immer den Wettbewerb. Das ist unstrittig.“
Zitat Patrick Döring, FDP-Fraktionsvize und verkehrspolitischer Sprecher der FDP. Unabhängig von dieser Erkenntnis stimmt Döring im Bundestag der neuen Steuer zu.

2. Akt des Dramas, 8.-11.Oktober 2010, Einladung obiger Herren zu einem Seminar des Bundesverbandes der Deutschen Fluggesellschaften nach Mallorca
Klarer Fall, hier muss die Luftverkehrslobby nacharbeiten. Die obigen Herren (plus ein SPD-Abgeordneter und eine FDP-EU-Abgeordnete) werden zu einem Seminar auf Mallorca eingeladen. Der Bundesverband bietet prominente Redner aus der Luftfahrtbranche auf, um den Abgeordneten die Luftfahrtproblematik näher zu bringen.

3. Akt des Dramas, Ende Oktober 2010, die Abgeordneten Fischer und Döring fordern eine weltweite Kerosinsteuer.
Wenige Tage nach Rückkehr vom Malle-Ausflug fordern die prominenten Verkehrsexperten Fischer und Döring die Einführung einer weltweiten Kerosinsteuer. Nach deutscher Ticketabgabe, der Einführung von Emissionszertifikate für Fluggesellschaften (in zwei Jahren) nun eine „weitere Idee“ um den Luftverkehr zu belasten. Da stellt sich doch die Frage nach dem Grund, wenn jemand unmittelbar nach einer Einladung seinem Gastgeber so in „die Weichteile tritt“.
Versuch einer Erklärung:
1. Das Programm auf Mallorca war schlecht. Ist eigentlich unvorstellbar, das Hotel zählt zur Luxusklasse und das Programm für die Politiker soll vom offiziellen Programm her nicht „zeitlich überbelastend“ gewesen sein.
2. Verkehrspolitiker sind grundsätzlich undankbar. Gut vorstellbar, würde in die allgemeine Einschätzung von Politikern passen
3. Leider hat das Magazin Stern von der Einladung der Politiker nach Mallorca Wind bekommen und darüber einen Bericht geschrieben. Die Politiker wollten mit der neuen Forderung ihre Unabhängigkeit beweisen, weil Ihnen die Einladung im Nachhinein peinlich war. Auch unwahrscheinlich, Politikern ist (fast) nie etwas peinlich.
4. Das Seminar hat voll gewirkt, darf aber keiner wissen. Die Verkehrspolitiker fordern die Kerosinsteuer weltweit, wohl wissend, dass es nie eine weltweite Einigung geben wird und haben damit die Grundlage gelegt, dass es auf keinen Fall einen europäischen Alleingang geben wird. Soviel Vorausdenken um die Ecke ist zwar bei den beiden Herren unwahrscheinlich, aber vielleicht hat jemand für die beiden vorgedacht. Somit eine denkbare Variante.

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Im Reiseradio (www.reiseradio.org) geht es diesmal um den Sommer 2011 in Gesprächen mit Dr. Peter Fankhauser und Michael Tenzer für Thomas Cook, sowie Sören Hartmann für REWE. Wenn nächstes Wochenende noch TUI vorgestellt hat, kann man ein erstes Resümee für den Markt ziehen. In den akustischen Bissigen Bemerkungen wird mal wieder über Flug-Sicherheit, der Unsicherheit bei Fracht, über das Gerichtsurteil wegen Rail&Fly und einiges mehr gelästert. Wem Lesen allein nicht genügt, kann zusätzlich seinen Ohren noch etwas gönnen.

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Wie beliebt ist Mallorca noch bei den deutschen Urlaubern?

„Wie beliebt ist Mallorca noch bei den deutschen Urlaubern?“
Mallorca Inselradio 95,8, 10.3.2010

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Mallorca: Wie man aus einer kleinen Katastrophe eine große touristische Katastrophe macht

Das am Donnerstag auf Mallorca verübte Attentat soll keinesfalls verniedlich werden. Bei zwei Toten und mehreren Verletzten, wäre das auch vollkommen unangebracht.
Aus Sicht des Tourismus, der finanziellen Haupteinnahmequelle der Insel, wäre es aber ohne größere Auswirkungen geblieben. Wenn, ja wenn die mallorquinischen Behörden nicht auf den aberwitzigen Gedanken gekommen wären, den Flughafen von Mallorca (auf zuerst unbestimmte Zeit) zu schließen. Hatten bis dahin die Medien relativ wenig Notiz von dem Attentat genommen, war es von nun an das Medienereignis in einer (von Ullas Dienstwagen ausgenommen) ohnehin nachrichtenarmen Zeit. „Chaos auf Deutschlands liebster Insel“, das ist doch eine Klasse-Überschrift, die etwas hermacht. Von da an lief die Masche bestimmter Medien: Kreieren eines Negativ-Szenarios. Was bedeutet dieses Attentat für Mallorca, für die Fluggesellschaften, für die Reiseveranstalter? „Die Welt“ knüpfte auf ihrer Titelseite sogar eine Gedankenkette Djerba, Bali und Mallorca. Die Verbindung zwischen diesen drei Tatorten ist so dünn, wie einen Unfall auf der Formel 1-Strecke mit einem auf der Autobahn zu verbinden. Am gleichen Tag starben sechs Touristen bei einem Busunfall in der Nähe von Barcelona. Allerdings holländische Touristen, keine deutschen. Das war der Welt in der gleichen Ausgabe nur eine Randnotiz wert. Wenn das sechs deutsche Touristen gewesen wären. Armes Spanien, touristisch gesehen.

Also musste man sich anderweitig helfen. Schnell „Urlauber Dein Recht“ aus der Schublade geholt. Was ist bei Umbuchung? Ab wieviel Wartezeit am Flughafen gibt es Geld zurück? Vor Ort startete die verzweifelte Suche nach Augenzeugen, die egal wie weit entfernt, das Attentat miterlebt hatten. Nachfrage bei den Reiseanbietern wie viele Stornierungen eingegangen seien. Riesen Enttäuschung, dass keine eingegangen sind. Anfragen bei Tourismusexperten (Tenor der Frage: „die Reiseveranstalter lügen doch“). Erneute Enttäuschung über die Antwort. Suche nach Betroffenen, die sich über die schlechte Behandlung durch Fluggesellschaften oder Reiseveranstalter beklagen. Wieder große Gelassenheit bei den Touristen. Aber einer findet sich schließlich doch, der das erwünschte Statement abgibt. Er beklagt sich, über eine „unmögliche“ Behandlung durch seine Fluggesellschaft, die ihn quasi abgeladen hat und nun müsse er schauen, wie er nach Düsseldorf-Weeze komme. Der Profi ahnt da bereits um welche Fluggesellschaft es sich handelt. Da erscheint auch im Hintergrund der Schriftzug Ryanair. Bei zwei Katastrophen auf einmal hat man immer Pech.

Glücklicherweise bemerkten die mallorquinischen Behörden relativ schnell, was sie mit der Flughafenschließung angerichtet hatten und hoben diese nach zwei Stunden wieder auf. Fazit: Mallorca hat ein derart gutes Image, dass es keinen langfristigen Schaden nehmen dürfte, es sei denn die Behörden schlagen nochmals zu.

(siehe hierzu auch Interview in focus online)

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