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Mehr Qualität bei den Tourismusanbietern gefordert

Thomas Cook-Deutschlandchef Peter Fankhauser hat bei seiner Programmvorstellung angeprangert, dass in der Touristik jeder mitspielen darf ohne Qualitätsnachweis. Wenn er damit eine grundsätzliche Qualitätsdebatte lostreten wollte, kann man nur sagen: Gut gebrüllt Löwe, leider ein paar Jahre zu spät.
Die Großveranstalter haben in den letzten Jahren fast tatenlos zugesehen, wie Preisvergleichssysteme immer mehr den Verkauf bestimmten. Wenn man bösartig sein wollte (was die BBBs ja nie sind) könnte man auch sagen, einige Branchenparasiten ohne eigenen Content, bestimmten immer mehr die Spielregeln. Einige der Traditionalisten passten sich derart an, dass sie eigentlich elementare Teile aus dem Paket herausnahmen, um im Preisranking nach vorne zu kommen. Das waren die eigentlichen Vorläufer der X-Angebote.

Wenn man Branchenführer ist (und damit meine ich zumindest alle drei Großveranstalter), dann muss man auch die Branche führen. Das wurde in den letzten Jahren vernachlässigt. Nur der kurzfristige Blick auf das eigene Ergebnis zählte. Branchenführer zu sein ist ja nicht nur ein Ausdruck von Größe. Sonst würde es „Branchengrößter“ heißen. Aber „Branchenführer“ zu sein, bedeutet die Branche auch strategisch zu führen und Missentwicklungen möglichst gleich im Keime zu ersticken. So tummelten sich aber links und rechts neben den Etablierten immer mehr Hinz und Kunz, deren einzige Leistung darin bestand, technisch fixer zu sein als die Großen und lachten sich über deren tatenloses Zuschauen fast tot. Aber nur im Preiskampf kann man gegen die Newcomer nicht bestehen. Eigentlich hat man da sogar die geringsten Chancen. Und gerade die Thomas Cook-Hauptmarke Neckermann befeuerte über viele Jahre das Thema Preis in besonderem Maße.
So versäumten jene, die Zugriff auf die meisten Hotels und fast komplett Zugriff auf das Flugprogramm haben, hier die Tür zuzumachen, zumindest nur noch einen kleinen Spalt offen zu lassen.

In Folge der X-Veranstalter sind dann zusätzlich fast unanständige Stornierungsregeln ins Spiel gekommen. Dieser Zeitpunkt wäre die letzte Chance gewesen noch dagegen zu halten. Vertan! Die Bissigen Bemerkungen haben sich ihren Frust über die X-Veranstalter in den BBBs vom 6.12.2010 „Als der liebe Gott auf die Reisebürobranche sauer war – (k)eine Weihnachtsgeschichte“ von der Seele geschrieben.

Schön, dass jetzt auch andere wach werden (obwohl selbst Täter).
Lieber später als nie? Leider nein, jetzt heißt es: „Wer zu spät reagiert, den bestraft das (touristische) Leben“.

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Nachlese:
In den BBBs der letzten Woche behaupteten wir im „Service Champion 2011“ würde der beste Autohersteller (Audi) erst auf Platz 24 liegen. Dies ist leider falsch. Wir hatten übersehen, dass auf Platz 5 Seat (nach drei Tourismusanbietern) und auf Platz 13 Mazda liegt. Das ändert allerdings nichts an der grundsätzlichen Feststellung, dass die Touristik in diesem Vergleich als beste Branche abgeschnitten hat. Umso unverständlicher, dass es ihr nicht gelingt diese „Kraft auf die Straße“ bzw. „als Empfehlung an die Kunden“ zu bringen. Dann wäre die aktuelle Diskussion, siehe oben, hinfällig.

Zum Thema Schlecker (siehe ebenfalls BBBs von letzter Woche) erhielten wir eine Zuschrift, die uns richtig schmunzeln ließ. Ein BBB-Leser zitierte aus seinem Brief an Schlecker. Dort hieß es u.a. „Alle Schlecker-Filialen in meiner unmittelbaren Umgebung haben in den letzten Monaten dichtgemacht. Dies spricht für den hohen Bildungsstand meiner Wohnregion.“

Und noch eine Nachlese zu den BBBs vom 24.10.2011 „Die Grenzen von Crowdsourcing“. Dort hatten wir darauf aufmerksam gemacht, dass die fleißigsten Schreiber in Facebook nicht gleichzeitig die besten Kunden sein müssen. Hierzu gibt es jetzt einen interessanten Beitrag In Harvard Business manager vom 31.10.2011 (also gerade eine Woche später) mit dem Titel „Die Grenzen von Online-Feedback“. Hier wird genau auf das gleiche Problem aufmerksam gemacht. Die BBBs haben in der Zwischenzeit auch von Firmen gehört, die erschrocken waren, als sie ihre Power-Facebook-Freunde persönlich kennen lernten. Diese waren mit ihren echten Power-Kunden in keiner Weise identisch.

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Aufregung wegen Calmund und fluege.de

Die Reisebürobranche ärgert sich über die Werbung von Calli Calmund für das Billigportal fluege.de. Geschenkt!
Erstens wird der Wert von Testimonials in der Werbung stark überschätzt. Das gilt insbesondere, wenn dieselbe Person für zu viele Produkte Werbung macht, wie z.B. Günther Jauch oder früher Verona Pooth und Franz Beckenbauer. Da erzielen selbst Meister Propper, die lila Kuh oder Herr Kaiser von der Versicherung bessere Werte in der relevanten Zielgruppe. Ähnlich negative Eindrücke entstehen, wenn das Testimonial und das beworbene Produkt nicht zusammenpassen. Beide Punkte treffen z.B. auf Karl Lagerfeld zu. Lt. mafo.de ist nur für 6 von 503 Befragten der Auftritt von Karl Lagerfeld für Sky glaubhaft.

Womit wir direkt zu Reiner „Calli“ Calmund kommen. Sein Auftritt als „der Freeclimber“ für Katjes ist wohl selbst mit Ironie nicht schön zu reden. Ebenso sein Auftritt für fluege.de. Wer nur deshalb zu fluege.de wechselt, dem ist wahrscheinlich auch sonst nicht zu helfen. Ich würde auf keinen Fall zu einem Anbieter wechseln, für den Calmund Flug-Werbung macht. Allein der Gedanke, auf einem Flug dann eventuell neben ihm sitzen zu müssen, löst bei mir sofort Platzangst aus. Aber, die heftige Diskussion über diese Werbung hat bei Callmund offensichtlich Wirkung gezeigt. Wie ist sonst der offene Brief auf seiner Homepage an „einige user und Reisebürovertreter“ zu verstehen (Tagebuch Eintrag 23.4.). Auch hier ist seine Ausdrucksweise so rührend einfach, dass selbst der typische RTL-Zuschauer seine Freude haben kann. Und nur in diesem Marktsegment wird er auch punkten können.

Liebe Reisebürovertreter (um sich in der Sprache von Calmund auszudrücken), die halbe Aufregung reicht auch. Irgendwann wird auch Calmund von der Bildfläche verschwunden sein. Spätestens dann, wenn mal die Hintergründe seines Abschiedes von Bayer Leverkusen in die Öffentlichkeit gezerrt werden sollten.
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Im Reiseradio (www.reiseradio.org) geht es um ein höchst interessantes Interview mit dem Journalisten Klaus Bötig, der von einer griechischen Staatsanwältin wegen eines leicht satirischen Artikels über griechische Mentalität „abgeurteilt“ werden soll. Außerdem wird passend zu Ostern über den Veranstalter Biblische Reisen berichtet.
In den akustischen Bissigen Bemerkungen steht entsprechend zu oben die „griechische Ehre“ zur Diskussion und das allseits beliebte Thema Flugzeitenänderung.

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