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Bundesregierung wirbt für Urlaub in der Türkei (FAZ, 16.8.2018)

Immer wenn man denkt, irrer geht es nicht mehr, überrascht uns unsere Bundesregierung aufs Neue. Jetzt setzt die Regierung noch einen drauf und wirbt in der Person des Tourismusbeauftragten der Bundesregierung (man achte auf die offizielle Bezeichnung), Thomas Bareiß, für mehr Urlaub in der Türkei. Ein Kniefall mehr unserer Regierung vor Erdogan.

„Es gibt für mich keinen Grund, nicht in die Türkei zu reisen und dort Urlaub zu machen“, sagte Bareiß. Er selbst habe gerade dort erst seine Ferien verbracht. Da fragt man sich doch, ob es zu seinen Aufgaben gehört, für ein bestimmtes Reiseziel Werbung zu machen? Und gibt es diese Werbung durch den Tourismusbeauftragten künftig immer für jene Länder, in denen er seinen privaten Urlaub verbringen wird?

Oder ist diese Türkeiwerbung doch eine politische Werbung? Dann möchte man aber schon wissen

  • ob sein Urlaub regulär zum vollen Preis privat gebucht war oder
  • er von irgendeiner türkischen Stelle oder
  • von einem im Türkei-Tourismus engagierten Unternehmen eingeladen war.

Werbung soll ja bekanntlich immer als solche gekennzeichnet werden.

Und man fragt sich natürlich auch, warum es gerade jetzt so wichtig sei, in der Türkei Urlaub zu machen. „Tourismus baue persönliche Brücken zwischen Ländern“, diese touristische Binsenweisheit hat Herr Bareiß auch schon erkannt. Aber das muss dann doch für alle touristischen Ziele gelten.

Oder hat, wie zu vermuten, die Werbung des Regierungsvertreters etwas mit dem Verfall der türkischen Lira zu tun. Das ist, um es deutlich zu sagen, kein unvermeidbares Naturereignis, sondern allein der aktuellen wirtschaftspolitischen Geisterfahrt des türkischen Präsidenten geschuldet.

Und für den Tourismus hat Erdogan dadurch, zumindest kurzfristig, einiges bewirkt. Urlaub in der Türkei ist in den sog. Nebenkosten so preiswert wie noch nie.

Der kritische Betrachter möge jedoch auch das Gegenteil sehen. Dass die Türkei generell so preiswert ist, geht zu Lasten des Verdienstes der im Hotelgewerbe Beschäftigten. Unter dem Lira-Verfall leiden generell die Menschen vor Ort am meisten, das würden auch 10% mehr deutsche Touristen nicht ausgleichen. Abgesehen davon, in welche Taschen dieser Mehrumsatz landen wird. Bei den Hotelangestellten?

Eigentlich wollte ich ohnehin mal eine BBB über „unseren Tourismusbeauftragten“ schreiben, unabhängig von seinem Türkei-Marketing. Er war einer der letzten Staatssekretäre, die ernannt wurden. Ok, das ist bei unserer Regierung üblich, Tourismus als Resterampe.

Aber, man fragt sich, welches touristische Projekt, hat er bisher „konkret“ innerhalb der Bundesregierung angestoßen? Es ist im Prinzip ja schön, dass Herr Bareiß erstmal zuhören wollte, wobei sein Prinzip schnell klar war, zuerst zu den topshots, wenn dann noch Zeit ist, vielleicht auch zu den andern. Der BTW hat ihm freundlicherweise, mit der Veranstaltung des BTW Mini-Gipfels, eine hochrangige Schulungsveranstaltung zukommen lassen.

Als Beispiel für anstehende konkrete Aufgaben sei „die gewerbesteuerrechtliche Hinzurechnung von Hotelleistungen“ genannt. Die Lösung hier liegt eindeutig und allein bei der Bundesregierung und nicht bei anstehenden Gerichtsentscheidungen. Aber wenn die Branche das selbst nicht so herausarbeitet und durch den Begriff „Urlaubssteuer“ sogar noch verniedlicht?

Hoffentlich arbeitet er sich auch rechtzeitig in das Thema EU-Pauschalreiserichtlinie ein. Bei diesem Thema hat sich die Bundesregierung und eigentlich auch Teile der „traditionellen“ Branche nicht mit Ruhm bekleckert. Für das anstehende Review wäre der Tourismusbeauftragte die ideale Adresse, dass notwendige Änderungen in den EU-Ablauf (und zwar rechtzeitig) eingebracht werden.

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Wird Sonja Christ Tourismusbeauftragte der Bundesregierung?

Was, Sie kennen Sonja Christ nicht? Das ist aber schade. Frau Christ ist eine sehr attraktive und sympathische junge Dame. Was Sie für den Job „Tourismusbeauftragte der Bundesregierung“ qualifizieren könnte? Dann bringen wir mal 1 + 1 zusammen:

1. Sonja Christ ist die aktuelle deutsche Weinkönigin und sie stammt aus Rheinland-Pfalz. Diese Tatsache ist immerhin so bedeutend, dass sie gerade aktuell auf der offiziellen Homepage der Landesregierung Rheinland-Pfalz veröffentlicht wurde.

2. Neuer Bundeswirtschaftsminister wird Rainer Brüderle (nicht stöhnen, ist halt so beschlossen worden). Und der Bundeswirtschaftsminister bestimmt den oder die Tourismusbeauftragte/n der Bundesregierung.

Jetzt zählen wir zusammen:
Brüderle hat einen irren Faible für Weinköniginnen. Als er noch Wirtschaftsminister von Rheinland-Pfalz war, hatte er mehr als deutlich gemacht, wofür er in erster Linie Wirtschaftsminister sei: für Weinbau und die Weinköniginnen. Aus dieser Zeit hält er noch immer einen Weltrekord (siehe Guinness Buch der Rekorde): Im Februar 1996 lies er sich mit 1.368 amtierenden und ehemaligen Weinköniginnen fotografieren. Er mietete dafür extra die Rheingoldhalle in Mainz an. Angeblich hat er jede der Weinköniginnen geküsst. Kostenpunkt für den Steuerzahler schlappe 80.000 Euro.
Ok, es gibt Schlimmeres. Zum Beispiel seine Rede im Rahmen der Ordensverleihung wider den tierischen Ernst im Jahr 2007. Legendär seine Bitte zu seiner Rede, nachdem er mit viel Mühe, langweilig und stets falscher Betonung alles aus dem Manuskript abgelesen hatte und niemand im Saal mehr zuhörte, „Hat etwas Beifall verdient, war nämlich gut“.

Aber wenn du denkst es geht nicht mehr, kommt von irgendwo ein Lichtlein her. Neuer Staatssekretär im Bundeswirtschaftsministerium, mit Zuständigkeit u.a. für Tourismus, soll Ernst Burgbacher (FDP) werden. Und der hat Ahnung. Da können sich die Touristiker wenigstens mal freuen.

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Insbesondere der „Aufstand“ der Reisebürovertreter auf der RTK-Tagung in Dresden hat wohl Wirkung gezeigt. TUI bessert die Malus-Regelung nach. Prima, geht doch, so kann sie (für dieses Jahr) bleiben, jetzt ist sie ausgewogen. Man muss es der TUI nur richtig erklären. Oder müssen öfters mal „Nicht-Verkäufer“ zu einem Reisebüro-Tag kommen?
Bei dieser Gelegenheit Kompliment für den neuen Airtours-Auftritt. „Neben der eigentlichen Information für generelle Reiselust sorgen“, eine stete generelle Forderung der Bissigen Bemerkungen an die Branche. Hier erfüllt. Danke.

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