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Sorry, für BBB-Pause

Normalerweise werden immer am Sonntagabend die neuen BBBs „kreiert“. Leider nicht an diesem Sonntag, denn da bin ich bei der Verleihung des 1. Müller-Award (Touristik-Müller) mit dem Vortrag „Sie sind heute so freundlich, geht es Ihnen nicht gut?“ aktiv. Und am Montagabend gibt es beim Travel Industry Club in Frankfurt „Borns Bissige Bemerkungen LIVE“!
Zweimal live auf der Bühne, das ist eine willkommene Abwechslung.
Aber nächste Woche gibt es wieder die BBBs in gewohnter Form. Versprochen

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Alternativlos

„Borns Bissige Bemerkungen LIVE“ lautete der Titel der Jahresauftaktveranstaltung des Travel Industry Clubs am 11.1.2011. Dabei wurden die BBBs ihrem Ruf als „Wikileads der Touristik“ gerecht, indem zu einigen Bissigen Bemerkungen aus dem Jahr 2010 die „mehr oder weniger passenden“ Bilder nachgeliefert wurden. So z.B. zum Thema der BBBs vom 25.10.2010 (Engländer können keine Elfmeter schießen und können keine Buchhaltung) ein Bild von Peter Long als Wayne Rooney der Touristik. Ebenso wurden Bilder nachgereicht zu der Sternstunde der BBBs vom 31.5.2010 als am Montagmorgen die „Einsparung“ von Bundespräsident Köhler gefordert wurde und wenige Stunden später Köhler überraschend seinen Rücktritt erklärte.

Auch nach dem Vortrag in Frankfurt fanden sich die BBBs schnell wieder bestätigt. Nicht zuletzt wegen o.g. „Elfmeterproblematik“ wurde fast zwingend eine Vertragsverlängerung für TUI-Chef Michael Frenzel über das 65. Lebensjahr hinaus vorhergesagt. Dies wohlgemerkt ohne Insiderinformationen zu besitzen. Nur neun Tage später meldete das Manager Magazin, dass sich die wichtigsten Großaktionäre der TUI für eine Vertragsverlängerung von Dr. Frenzel ausgesprochen hätten.

In diesem Zusammenhang zitierten die BBBs das neueste Lieblingswort „alternativlos“ von Bundeskanzlerin Merkel, spotteten aber gleichzeitig darüber wie unsinnig der Gebrauch dieses Wortes sei, auch wenn es aus dem Mund der „Bundesmutti“ kommt. Welch eine Überraschung (?) nur 11 Tage nach dem Vortrag in Frankfurt wurde „alternativlos“ zum Unwort des Jahres erklärt. Zu Recht.

Außerdem stand in Frankfurt natürlich der neue Lieblingsfeind der BBBs (nach dem „schmerzlichen Verlust“ von Thomas Middelhoff) Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer im Mittelpunkt. Hier vor allem mit seiner großartigen Art immer wieder vollmundig alle für alles verantwortlich zu machen, aber selbst nichts Konkretes vorzulegen. In diesem Zusammenhang wurde dann die Frage aus den BBBs vom 10.1. beantwortet: Was haben die Sängerin Annett Lousian und Peter Ramsauer gemeinsam? Nun, wenn sie den erfolgreichsten Song von Louisan kennen ist die Antwort ziemlich einfach: „ich tu doch nichts, ich will doch nur spielen“.
Und unter dieser persönlichen Zielsetzung von Peter „ich tu doch nichts“ Ramsauer leiden die deutschen Fluggesellschaften gewaltig.
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Das Reiseradio (www.reiseradio.org) „kommt“ diese Woche mit Berichten über Kinderwünsche im Urlaub daher, z.B. in den 1-2-fly Clubs, Neckermann Family Clubs und bei RUF-Jugendreisen.
In den akustischen Bissigen Bemerkungen geht es alternativlos um das Wort alternativlos. Was uns in der Touristik alles alternativlos daherkommen will und über den alternativlos falschen Gebrauch des Wortes alternativlos.

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Wenn der Eigentümer plötzlich und überraschend merkt, dass ihm seine eigene Firma nicht gefällt.

Es sei „im höchsten Maße erstaunlich, was da für Material herumfährt“, sagte Verkehrs-Staatssekretär Klaus-Dieter Scheurle (CSU) am Mittwoch (6.1.2011) in Berlin mit Blick auf die Züge des Staatskonzerns.
Nur zur Information: Staatssekretär Scheurle sitzt im Aufsichtsrat der Deutschen Bahn. Woher nun die plötzliche Erkenntnis?

Was übrigens die S-Bahn betrifft, kann man auf Bahn-Flächen bei Spandau und auf dem Werksgelände bei Bombardier 60 nagelneue Züge der Baureihe Talent 2 bestaunen, die dort mehr oder weniger sinnlos herumstehen. Hier kommt das Eisenbahn-Bundesamt (EBA), das die Fahrzeuge abnehmen soll, nicht zum Abschluss. Das muss die geplagten Berliner S-Bahn-Nutzer, angesichts des aktuellen Fahrzeugmangels, doch zum Wahnsinn treiben.

Auch unser Verkehrsminister Ramsauer sieht sich angesichts der aktuellen Bahnprobleme nicht persönlich im Obligo. „Auf der Schiene regierten jahrelang Sparpolitik und Renditedruck. Reserven wurden abgebaut, Personal eingespart.“ Verkehrsminister Ramsauer forderte das Unternehmen daher zu mehr Investitionen auf. „Die Bahn muss jetzt mit einer Qualitäts- und Investitionsoffensive reagieren.“
Da ist man sich nicht sicher, ob man wacht oder träumt. Ausgerechnet jene, die von Hause aus eigentlich Aufsicht über die Bahn führen müssten, geben sich vollkommen überrascht. Wobei es sein mag, dass sie tatsächlich „unwissend“ sind, aber das entschuldigt die Herren keineswegs. Sich so populistisch auf die Stimmung der geplagten Bahnfahrer einzuschwenken ist schon eine Frechheit.

In der ZDF-Sendung „Berlin direkt“ verteilte Ramsauer wie so oft „großzügig“ Aufgaben an andere, nur er selbst war mal wieder für nichts verantwortlich. Deshalb stellen die BBBs heute die Quizfrage:
Was haben die Sängerin Annett Louisan und unser Verkehrsminister Peter Ramsauer gemeinsam?
Die Antwort erfahren Sie am 11.1. während der „Bissigen Bemerkungen LIVE“ im Rahmen des „networkings“ des Travel Industry Clubs in Frankfurt (für alle an diesem Abend „Verhinderten“ gibt es die Lösung nächste Woche).

Angesichts des Begriffs „networking“ eine leichte Korrektur zu den nur schwer erkennbaren persönlichen Aktivitäten von Peter Ramsauer. Neben seinem Engagement für saubere Bahnhofstoiletten zeigte er sich neuerdings auch als Kämpfer für die Deutsche Sprache. Von seinem Ministerium hat er sich 111 Anglizismen zusammenstellen lassen. Statt deren müssen nun seine Mitarbeiter die „passenden“ deutschen Begriffe verwenden. So gibt es ab sofort im BMV keinen Laptop mehr, sondern „Klapprechner“ und aus dem Flippchart wurde der „Tafelschreibblock“. Ob das nun gerade die richtigen Beispiele für „saubere“ deutsche Sprache sind, darf bezweifelt werden.

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Beim Reiseradio (www.reiseradio.org) geht es diese Woche vor allem um Irland. Bei den akustischen Bissigen Bemerkungen steht das für Reisebüros nicht schmeichelhafte Ergebnis einer Befragung durch das „Deutsche Institut für Servicequalität“ im Mittelpunkt. Und außerdem wird die Tourismusaffinität der ägyptischen Haie bewundert, die passen zur Hauptreisezeit von den ägyptischen Stränden verschwunden waren und erst danach wieder auftauchten.

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Die ITB der Breitmaulfrösche und eine verpatzte Award Feier

Wie unterschiedlich reagieren Banker und Touristiker wenn sie „glauben“ das Ende der Krise sei gekommen? Die Banker zocken wieder und die Touristiker feiern wieder.
Ach war das (endlich) wieder schön dieses Jahr auf der ITB. Alle liefen herum und grinsten freudig, dass man meinten konnte, man wäre auf dem Jahresausflug der Breitmaulfrösche. Die Anzahl der Partys war deutlich erhöht, die Stimmung unvergleichlich besser als im letzten Jahr und jedes kleine Pluszeichen wurde als Indikation „verehrt“, dass es dem Patient wieder besser ginge. Wobei man ja weiß, wie Touristiker solche Pluszeichen „erstellen“. Da wird der Tageseingang oder Wocheneingang von Minizielen gegenüber Vorjahr oder Vorwoche oder auch mal Kreuz oder Quer verglichen. Irgendwie gibt es immer etwas Positives zu erkennen und mit Prozent-Rechnen kann man schließlich alles so erklären, wie man es gerade mal brauchen kann. Hauptsache die Presse greift es auf und das tat sie dieses Jahr zur Genüge.

Insofern war es in diesem Jahr nicht so einfach etwas zum Beißen zu finden. Und der berichtenswerteste Flop fand streng genommen sogar vor Beginn der ITB statt: Die „Award Night“ des Travel Industry Clubs. Eigentlich waren und sind die BBBs überzeugt, dass die Idee des Travel Industry Clubs eine gute und unterstützenswerte Ist. Aber bekanntlich ist „gut gemeint“ nicht immer identisch mit „gut gemacht“. Oder noch schlimmer, langsam muss man nachhaltig daran zweifeln, ob Touristik-Manager das richtige Publikum für eine solche Veranstaltung sind. Für Networking sind die Touristiker sehr gut geeignet, sogar ausgesprochen prädestiniert dafür. Für eine Preisverleihung aber fehlt überwiegend das Interesse und bei einigen muss man auch Defizite an richtigem Benehmen anmelden.

Hinsichtlich der eigentlichen Preisverleihung kann man höflich anmerken, dass noch viel Verbesserungspotenzial vorhanden ist. Im Mittelpunkt einer solchen Veranstaltung sollten die zu Ehrenden stehen und nicht die Sponsoren (das war noch schlimmer als Werbeunterbrechungen beim Privatfernsehen). Man könnte noch etliche andere Wegfall-Punkte nennen um die Veranstaltung abzukürzen. Merke: Touristiker sind offensichtlich nicht in der Lage sich länger als eine Stunde ruhig zu verhalten!
Besonders peinlich und unverzeihlich war, einem Auszuzeichnenden das falsche Unternehmen zuzuordnen (Mario Kubsch „von Traveltainment“).

Aber wirklich schlechtes Benehmen muss man wiederum dem anwesenden Manager-Publikum attestieren. Die Ankündigung „jetzt kommt ein dreiminütiges Musikstück“ wurde von fast der Hälfte des Publikums zum Anlass genommen, unwiederbringlich den Saal zu verlassen. Das war eigentlich eine Ohrfeige für den Veranstalter. Der danach von außen immer stärker anschwellende Lärmpegel erinnerte stark an die Veranstaltung vor zwei Jahren, als der damalige Keynote-Speaker Schirrmacher (FAZ) deswegen seine Rede abkürzte (siehe BBB „Peinlich, peinlich, peinlich“ vom 22.9.2008). Einen ähnlich schlechten Eindruck dürfte in diesem Jahr die Referentin des Abends, die Fraktionsvorsitzende der Grünen-Bundestagsfraktion Renate Künast, mitgenommen haben. Während sie tapfer in der ersten Reihe ausharrte, leerten sich hinter ihr die Reihen und der Lärm von draußen war bis in die erste Reihe zu hören.

Die Verleihung des wertvollsten Preises, des „Lifetime Awards“ zur späten Stunde war dann sowohl hinsichtlich der beabsichtigten Bedeutung des Preises wie auch des zu Ehrenden nicht mehr angemessen. Ein Glück, dass Laudator Robert Salzl seine ganze persönliche Klasse in eine hervorragende Rede einbrachte und man damit wenigstens zum Schluss sehen konnte, wie man „so etwas“ auf hohem Niveau machen kann.

Nachtrag: Wirklich überraschend und ausgesprochen sensationell war aber die SMS, die der Travel Industry Club am nächsten Morgen an die Teilnehmer des Abends verschickte. Darin entschuldigte er sich für die Überlänge des Abends (und für ein bisschen mehr). Damit konnte der Veranstalter das „Ergebnis“ zwar nicht mehr auf Sieg, aber zumindest noch auf „Unentschieden“ verbessern. Dafür gebührt ein großes Kompliment.

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