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„Lufthansa wird airberliniger“ und andere Überraschungen

Manchmal gibt es Wochen, da weiß man mangels echtem Knaller wirklich nicht, worüber die Bissigen Bemerkungen berichten sollen (siehe BBB vom 9.2.09 „Albträume in einer Vollmondnacht“). Dann gibt es glücklicherweise wieder Wochen wie diese, da könnte man vor Freude gleich mehrfach zubeißen.

Eine kleine Auswahl gefällig?
1. Fusion von British Airways und Iberia: „Wenn zu einer Behinderung noch eine zweite dazu kommt, wird man nicht gesünder“ oder noch besser „Zwei Flügellahme wollen Jumbo werden“.
2. Angeblich kippt die Steuerermäßigung für Hotels: Das wäre fast Höchststrafe für einen Branchen-Doppelfehler. Zum einen hat sie extrem übertrieben ein nur zur Hälfte gehaltenes Wahlversprechen bejubelt (versprochen waren Steuerermäßigungen für Hotels „und“ Gastronomie). Zum anderen hat sie lauthals einen eigenen Wortbruch verkündet, nämlich die Steuerermäßigung nicht als „dringend notwendige Preisermäßigung“ weitergeben zu wollen, sondern „dringend notwendig für sich zu behalten“ (wofür auch immer).
3. Die Bundesregierung will mal wieder Streber sein und als erstes Land eine neue EU-Richtlinie umsetzen: Steuer auf das Essen im Flugzeug. Bei dem mageren derzeitigen Angebot an Bord kann da nicht viel Steuer anfallen.
4. TUI bietet Schönheits-OPs auf Reisen an und hat erfreulicherweise damit bei sich selbst angefangen: Malus verbessert, mehr Kapazitäten versprochen, Preise gesenkt, mehr „Extrawürste“ eingeführt und das ganze auch noch emotionaler verpackt. Wenn jetzt die Buchungstechnik noch stimmen sollte, wäre das alles eine „schlechte Nachricht“ für einige Reisebüros: Sie bräuchten ein neues Feindbild.

Aber der wirkliche Hammer der Woche war die Überschrift „Lufthansa wird airberliniger“ in Spiegel online. Da wird die Lufthansa-Presseabteilung beim Lesen ziemlich geschluckt haben, das war schon ein kleiner Kommunikationsgau. Aber auch inhaltlich kann dieser Ansatz, zumindest wenn er auch so gemeint sein sollte, nicht aufgehen. Alte BWL-Weisheit: „Wenn man die Konkurrenz kopieren will, macht dies nur Sinn, wenn die Kopie besser wird als das Original“. Wenn man das nicht kann, dann sollte man sich auf seine Stärken besinnen und diese intensivieren.
Kommentar eines Militär erfahrenen BBB-Lesers: „Nie auf das Schlachtfeld begeben, das der Gegner gewählt hat“. Und ein anderer BBB-Freund, mehr Fußball erfahren und offensichtlich auch sonst noch bewandert, gab den Hinweis: „Vermeide Auswärtsspiele (außer in der Liebe)“.

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Wird Sonja Christ Tourismusbeauftragte der Bundesregierung?

Was, Sie kennen Sonja Christ nicht? Das ist aber schade. Frau Christ ist eine sehr attraktive und sympathische junge Dame. Was Sie für den Job „Tourismusbeauftragte der Bundesregierung“ qualifizieren könnte? Dann bringen wir mal 1 + 1 zusammen:

1. Sonja Christ ist die aktuelle deutsche Weinkönigin und sie stammt aus Rheinland-Pfalz. Diese Tatsache ist immerhin so bedeutend, dass sie gerade aktuell auf der offiziellen Homepage der Landesregierung Rheinland-Pfalz veröffentlicht wurde.

2. Neuer Bundeswirtschaftsminister wird Rainer Brüderle (nicht stöhnen, ist halt so beschlossen worden). Und der Bundeswirtschaftsminister bestimmt den oder die Tourismusbeauftragte/n der Bundesregierung.

Jetzt zählen wir zusammen:
Brüderle hat einen irren Faible für Weinköniginnen. Als er noch Wirtschaftsminister von Rheinland-Pfalz war, hatte er mehr als deutlich gemacht, wofür er in erster Linie Wirtschaftsminister sei: für Weinbau und die Weinköniginnen. Aus dieser Zeit hält er noch immer einen Weltrekord (siehe Guinness Buch der Rekorde): Im Februar 1996 lies er sich mit 1.368 amtierenden und ehemaligen Weinköniginnen fotografieren. Er mietete dafür extra die Rheingoldhalle in Mainz an. Angeblich hat er jede der Weinköniginnen geküsst. Kostenpunkt für den Steuerzahler schlappe 80.000 Euro.
Ok, es gibt Schlimmeres. Zum Beispiel seine Rede im Rahmen der Ordensverleihung wider den tierischen Ernst im Jahr 2007. Legendär seine Bitte zu seiner Rede, nachdem er mit viel Mühe, langweilig und stets falscher Betonung alles aus dem Manuskript abgelesen hatte und niemand im Saal mehr zuhörte, „Hat etwas Beifall verdient, war nämlich gut“.

Aber wenn du denkst es geht nicht mehr, kommt von irgendwo ein Lichtlein her. Neuer Staatssekretär im Bundeswirtschaftsministerium, mit Zuständigkeit u.a. für Tourismus, soll Ernst Burgbacher (FDP) werden. Und der hat Ahnung. Da können sich die Touristiker wenigstens mal freuen.

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Insbesondere der „Aufstand“ der Reisebürovertreter auf der RTK-Tagung in Dresden hat wohl Wirkung gezeigt. TUI bessert die Malus-Regelung nach. Prima, geht doch, so kann sie (für dieses Jahr) bleiben, jetzt ist sie ausgewogen. Man muss es der TUI nur richtig erklären. Oder müssen öfters mal „Nicht-Verkäufer“ zu einem Reisebüro-Tag kommen?
Bei dieser Gelegenheit Kompliment für den neuen Airtours-Auftritt. „Neben der eigentlichen Information für generelle Reiselust sorgen“, eine stete generelle Forderung der Bissigen Bemerkungen an die Branche. Hier erfüllt. Danke.

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Vormarsch der Flatrates fast nicht mehr zu bremsen

All-You-Can-Eat war wohl die erste Flatrate und wurde später zu All-Inclusive. Wie ernst letzteres zu nehmen ist, variiert von Anbieter zu Anbieter nicht unbeträchtlich. Dann wirbelten die Mobiltelefon-Anbieter mit verschiedenen Flatrates den Markt auf, Allerdings hatten fast alle irgendwo im „Kleingedruckten“ eine Einschränkung, die ein zu intensives Nutzen der Flatrate einschränkten. In jüngerer Zeit machten zwei andere Flatrates von sich reden. Zum einen die berüchtigte Flatrate All-You-Can-Drink, bei Jugendlichen bekannter unter der Bezeichnung Koma-Saufen. Ein Preis und rein mit Alkohol was geht. Die Beschränkung setzt hier allerdings nicht der Anbieter (was in diesem Falle sinnvoll wäre), sondern der eigene Körper. Vor zwei Wochen wurde die Flatrate im Bordell zur Schlagzeile in den Gazetten. Das All-You-Can-…. (sie wissen schon) führte zu lauten Protesten der Politik. Die Einschränkungen sind hier wohl ähnlich wie beim All-You-Can-Drink zu sehen.
Und jetzt, man glaubt es kaum, gibt es die erste All-You.Can-Fly-Aktion. Einmal zahlen und man darf in einem Monat so oft fliegen wie man will (kann). Anbieter ist Jet Blue, ein amerikanischer Billigflieger, an dem u.a. Lufthansa beteiligt ist. Schau mal an, unsere Lufthansa, nach Schönwettergarantie jetzt auch noch All-You-Can-Fly. Da geht ja richtig die Post ab.

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Nachtrag 1: Vielen Dank für die vielen persönlichen Emails zu den Bissigen Bemerkungen von letzter Woche. Wenn ich alle angebotenen Läufe annehmen würde, wäre die Begrenzung nur All-You-Can-Run.

Nachtrag 2: Ein anderer Leser meinte, ob immer nur „Beißen“ nicht langweilig würde, man könnte doch auch mal etwas loben. Antwort: a) Beißen ist mir überhaupt nicht langweilig und b) Loben könnte man tatsächlich das überraschende TUI-Angebot „100 Reisen für Schnellbucher nach Jamaika zum Preis von 958 Euro“, angelehnt an den 100m-Weltrekord von Usain Bolt in 9,58 Sekunden. Tja, unsere „Großen“ werden plötzlich kreativ.
TUI hat ja auch die kultige „Olivias Safari Tour“ mit Drag Queen Olivia Jones über die schärfsten Ecken von St. Pauli im Programm. Übliche Begrüßung der Touristen durch Olivia Jones „So, Ihr Mäuse und Hasen, jetzt lade ich Euch mal zu einem Schnäpschen ein, damit Ihr untenrum lockerer werdet“. Von Zeit zu Zeit muss man auch seine Vorurteile neu justieren.

Nachtrag 3: Eigentlich wollten wir hier einen bestimmten Namen nicht mehr erwähnen (tun wir auch nicht), aber die Kritik des Arcandor-Insolvenzverwalters an der Leistung des früheren Arcandor-Vorstandes (Sie kennen den Namen) ist so außergewöhnlich vernichtend, dass sie quasi als Warnung für andere hier präsentiert werden soll. Zitat: „Wir haben mit der Lupe nach Substanz in diesem Unternehmen gesucht, aber wir haben nichts Nennenswertes gefunden. In diesem Hause gibt es wirklich nichts, was nicht anderen Leuten gehört. Es ist dem Vorstand erstaunlich lange gelungen, den Staub aus den Ecken zu kehren und auch den noch zu Liquidität zu machen.“. Wenn es aber um die persönliche Eitelkeit ging, war kein Staubkehren angesagt. Nochmals Zitat des Insolvenzverwalters: „Der dienstliche Aufwand des Vorstandsvorsitzenden war sehr hoch, Jedenfalls sehr hoch für ein Unternehmen in der wirtschaftlichen Verfassung wie Arcandor.“.
In einem solchen Fall, da möchten die BBB soviel beißen, das geht nur mit einer Flatrate zum Beißen (All-You-Can-Bite).

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Nackt hilft?

Werden die wirtschaftlichen Zeiten härter, muss man zu außergewöhnlichen Mitteln greifen. Das dachte sich auch die Fluggesellschaft Air New Zealand und präsentiert ihre Flugbegleiter nackt. Halt, halt, nicht gleich zum Buchen eilen. Vorerst gibt es das ganze nur im Film.

Wobei nicht nur der Film, sondern auch die damit verbundene Marketing-Botschaft ein Volltreffer ist. „Nothing to hide“ – „nichts zu verbergen“, soll signalisieren, dass es bei Air New Zealand keine versteckten Gebühren gibt. Um zu zeigen, dass sie wirklich nichts zu verbergen haben, legten Rob Fye, CEO von Air New Zealand, und neun Mitarbeiter ihre Kleider ab. Allerdings sollte man die Bezeichnung „Nackt“ etwas präzisieren. Sie sind zwar nackt, aber in Body-paint-Uniformen (wer es genau wissen will, kann sich über YouTube informieren).
Da können sich einige Billig-Airlines, die gerade wieder Abmahnungen wegen allerlei Gebühren-Tricks kassiert haben, ein Beispiel nehmen (gerne in jeder Hinsicht).

Und da die ganze Geschichte ein Riesen-Marketingerfolg war, nutze die Airline den Rückenwind und drehte gleich noch ein ähnliches Video. Hier tauscht das Bordpersonal wiederum ihre Kleider gegen Body-Paint-Uniformen, um auf die sicherheitsrelevanten Verhaltensweisen aufmerksam zu machen. Dieses Video gibt es glücklicherweise nicht nur bei YouTube, sondern auch an Bord der Airline zu sehen.

Es ist durchaus denkbar, dass man zum Thema Nacktsein künftig eine, sagen wir mal modifizierte Einstellung brauchen könnte. Krise und Nacktsein haben ja beide mit „wenig haben“ zu tun. Im englischen Newcastle war in einer Marketingagentur die Stimmung wegen Wirtschaftskrise allgemein und dadurch erfolgten ersten Entlassungen im Besonderen ziemlich mies. Da hatte der von der Firma engagierte Arbeitspsychologe die Idee einen „Nackten Freitag“ einzuführen, bei dem die Belegschaft freiwillig mehr oder weniger hüllenlos arbeitet, um so Moral (?) und Teamgeist (!) zu stärken. Im Prinzip eine Steigerung des in einigen Firmen bereits praktizierten „Casual Friday“.
Dem folgte in der Tat fast die gesamte Belegschaft und damit „seien Barrieren beseitig“ worden. Leider wurde nicht mitgeteilt, ob sich auch die Wirtschaftskrise von diesem Experiment beeindrucken ließ.

Kleine Empfehlung für arbeitende Leser/-innen der BBB. Bevor Sie dieses Experiment zur Nachahmung vorschlagen, versuchen Sie doch zuerst durch „dezentes“ Umsehen mal abzuklären, wie erfolgreich eine solche Aktion im eigenen Büro sein könnte. Inwieweit bestimmte Personen motivierend oder genau entgegengesetzt auf Sie wirken könnten. Sicherheitshalber sollten Sie aber auch darüber nachdenken, wem Sie Ihre Erkenntnisse mitteilen möchten.

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Nachtrag zu letzter Woche:
Die Geschichte „United Breaks Guitar“ ist von vielen BBB-Freunden direkt an die jeweilige Firmen-Beschwerdeabteilung zwecks Lernerfolg weitergeleitet worden. Das war auch so beabsichtigt. Bleibt nachzutragen, dass die Band „sons of maxwell“ in bayrischen Reisebüros ziemlich bekannt sein müsste. In den Jahren 1999, 2002 und 2005 hatte TUI diese damals noch weniger bekannte Band im Rahmen von Katalogpräsentationen engagiert. Inwiefern sich daraus besondere Auswirkungen auf das Beschwerdemanagement der TUI ergeben haben, ist im Moment leider nicht überliefert.

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Luftfahrt ist schon eine andere Welt

Und das hat sich in den letzten Tagen zum Thema Luftfahrt angesammelt:

1. Fluggast repariert Flugzeug
Auf Menorca musste die englische Fluggesellschaft Thomas Cook ihre Fluggäste wegen Technikprobleme auf eine mindestens achtstündige Verspätung einstimmen. Solange würde es dauern, bis ein Mechaniker von Großbritannien eingeflogen sei. Da meldete sich ein Passagier, im Hauptberuf Mechaniker bei der Fluggesellschaft Thomsonfly, und löste das Problem. Das Pikante daran: Thomsonfly ist die Fluggesellschaft des Thomas Cook-Konkurrenten TUI.
In Deutschland hätte garantiert das Kartellamt diese Hilfe verboten.

2. So beschweren sich Könner
Aus dem Fenster ihres United-Airlines-Flugzeuges mussten Mitglieder der kanadischen Band „Sons of Maxwell“ ohnmächtig mit ansehen, wie Gepäckmitarbeiter so rabiat mit den Instrumenten der Band umgingen, dass eine der teuren Gitarren nicht mehr zu gebrauchen war. Briefe, Anrufe auf der Hotline und Emails an die Fluggesellschaft blieben ohne Resonanz. Da produzierte die Band den Song „United Breaks Guitars“ und stellte ihn bei YouTube ein (klasse Video, unbedingt ansehen und an ihre Beschwerdeabteilung zur Warnung weitersenden). Allein am Montag vor einer Woche, wurde das Video mehr als 100.000mal angeklickt. Jetzt reagierte die Fluggesellschaft sofort und bot Wiedergutmachung an.
Wenn das Schule macht, dann gute Nacht Unternehmen. Spätestens dann müsst ihr euer Beschwerdemanagement auf Zack bringen.

3. Diesmal ist O`Leary nur zweiter Sieger
Die chinesische Fluglinie „Spring Airlines“ aus Shanghai will ihre Flugzeuge demnächst mit Stehplätzen ausrüsten. Die Fluggäste sollen auf Barhocker-ähnlichen Stühlen angeschnallt werden. Nur wenige Tage später meldete sich Ryanair-Boss O`Leary, er sei deswegen im Gespräch mit Boeing. Anregung der BBBs: Denkt mal über Transport in Containern nach. Tausende davon stehen zur Zeit in den Seehäfen dieser Welt umher und wären bestimmt sehr preiswert zu erwerben. Das Einchecken wäre dann auch viel effizienter: Die Passagiere legen sich einfach hinter ihrem Koffer auf das Gepäckband.

4. Schweinegrippe
Die drittgrößte mexikanische Fluggesellschaft Aviacsa wurde gegroundet. Können Fluggesellschaften auch Schweinegrippe bekommen?

5. Eine Airline nur für Tiere
Einleitender Text einer Meldung in der WAZ: „Bei „Pet Airways“ müssen alle Zweibeiner draußen bleiben. Ausnahmen gelten nur für Pilot und Tierbetreuer“.
Klar, bei den Piloten gibt es genug „verrückte Hunde“. Hört man zumindest.

6. Perfektes Marketing
Keine Ahnung ob diese Meldung stimmt. Wenn ja, wäre es Marketing vom Feinsten.
Angebliche Durchsage eines Lufthansa-Piloten auf dem Weg von München nach Berlin: „Liebe Fluggäste, wie Sie sehen ist unser Flug nach Berlin heute Abend nicht besonders voll. Wir bitten Sie, einen Fensterplatz einzunehmen, damit die Konkurrenz denkt, wir wären ausgebucht“.

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Analysten und andere Falschspieler

Die Bissigen Bemerkungen leisten sich den Luxus Sympathie und Antipathie ohne Zurückhaltung zu zeigen. Vor allem letzteres. Das kann nicht nur den einen oder anderen Manager betreffen (siehe BBB vom 7.6.2009), das können auch Unternehmen sein, die immer an der Grenze des Erlaubten arbeiten (allerdings zu oft auf der anderen Seite) wie Ryanair (siehe u. a. BBB vom 26.4.09, 2.3.09, 18.1.09). Künftig wollen sich die BBBs hin und wieder auch einzelnen Berufsgruppen (Pauschalierungsgefahr gerne in Kauf nehmend) zuwenden. Begonnen werden soll heute mit dem Buchstaben A wie Analyst.

Analysten werden immer mehr zu Totengräber der Wirtschaft. Wobei dies eigentlich eine Beleidigung für den ehrenwerten Stand der Totengräber ist, denn diese bringen ihre Kunden ja vorher nicht persönlich um. Besser ist eigentlich der Vergleich mit Spielerberatern unserer Bundesligafußballer. Hier geht es auch darum, irgendjemand jemanden anzudrehen, primär zum wirtschaftlichen Vorteil des Spielerberaters. Wobei hier wiederum die Vereine klagen, dass die Spielerberater immer mehr zu Totengräber des Fußballs würden. Irgendwie scheint sich der Kreis zu schließen.

Beide, Analysten und Spielerberater, hassen eines ganz besonders, das ist „Status quo“. Davon können beide nicht leben. Kaufen und Verkaufen, das ist ihr Leben, ohne Verkauf gibt es keinen Kauf bzw. umgekehrt. Also muss das Geschäft angekurbelt werden und Objektivität ist hierbei hinderlich. Bei beiden Berufsgruppen. Oder glaubt der geneigte Leser, dass ein Fußball-Spielerberater sich in besonderer Weise dem idealen Verhältnis Spieler/Verein verpflichtet fühlt? Wenn ja, dann bitte nicht weiterlesen, sondern weiterträumen.

Mag sich der unabhängige Leser auch immer ein bisschen besonders freuen, wenn es gegen Bayern München (um im Fußball zu bleiben) oder gegen TUI (in der Touristik) geht, so soll im Folgenden doch der neueste „Geniestreich“ der Analysten der Deutschen Bank gebrandmarkt werden. Mit einer Zielvorgabe von 1,90 Euro für die TUI wurde ja nicht nur TUI geschädigt. Durch den folgenden Kurssturz war es auch ein direkter Griff in den Geldbeutel vieler (ohnehin gebeutelter) TUI-Aktionäre.
Naive Landsleute würden vermuten, bevor eine so gravierende Bewertung die Bank verlässt, rechnet einer nochmals nach. Denkste (oder doch? Das wäre ja noch schlimmer). Jedenfalls musste sich der Deutsche Bank-Analyst direkt danach (als der Schaden bereits eingetreten war) korrigieren. Sein „Rechenfehler“ war ungefähr der Art, wie wenn früher ein Buchhalter Soll und Haben verwechselt hätte. Jetzt könnte die Geschichte hier mit allgemeiner Schadenfreude zu Ende gehen. Aber warum nicht? Weil Analysten eben Analysten sind. Flugs wurden nachträglich die Berechnungsparameter gegenüber der ersten Berechnung geändert (ohne jede glaubhafte Begründung), damit die Korrektur des Fehlers optisch minder schwer ausfiel.
Fazit: Zur Rechenschwäche kommt dann auch noch Charakterschwäche hinzu.

Das erinnert fatal an die Kursfestsetzung von 0,00 Euro für die Air Berlin-Aktie durch die Dresdner Bank im Juli 2008 (siehe u.a. Spiegel online vom 25.7.08). Allein die Festsetzung auf „0“ war eine unglaubliche provokante Frechheit. Und es wurde nie glaubhaft widerlegt, dass exakt dieses Bankhaus eine Menge Geld an dieser „Empfehlung“ verdient hätte.

Erinnern Sie sich noch an den Scherz zu Beginn der Bankenkrise, „man möge
doch nächste Weihnachten einen armen Investment-Banker zum Weihnachtsessen“ einladen. Hiermit verwirkt! Die würden mir noch im Ofen meinen Weihnachtstruthahn zu einem gewöhnlichen Hasenbraten abwerten.

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Eindrücke von der TUI-Hauptversammlung

„Eindrücke von der TUI-Hauptversammlung“
NDR-TV, Nachrichten, 13.5.2009

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Ist am Mittwoch wieder Murmeltiertag bei der TUI-Hauptversammlung?

Vor einem Jahr, bei der letzten TUI-Hauptversammlung, war ganz großes Kino. Und Überlänge gab es noch kostenlos dazu. Also liebe Kleinaktionäre, falls Sie letztes Jahr dieses Ereignis verpasst hatten, schreiben Sie es sich für diesen Mittwoch dick in den Kalender und vor allem nehmen Sie sich zu diesem Datum auch für den späten Abend nichts mehr vor. Es könnte länger dauern.
Frederiksen wird wahrscheinlich nicht selbst auftreten, sondern seinen Vorzeige-Wikinger Olav Troim schicken. Und der wird wieder schrecklich „donnern“. Verständlich, dass da viele Kleinaktionäre kräftig applaudieren, vor allem wenn sie gefrustet über den Aktienkurs sind. Aber unabhängig vom kräftigen Händeklatschen sollten Sie die Rede des blonden Hünen als das nehmen was sie ist: Eine skandinavische Märchenstunde. Angelehnt an Hans Christian Andersen könnte man eher an „Den Jungen mit den Schwefelhölzern“ denken. Denn gezündelt wird kräftig.

Sehen wir es realistisch. Die Erfolge dieser Heuschrecken wie Frederiksen, Wysser-Pratte u.a. stammen ausnahmslos aus (sehr) früheren Zeiten. Überall wo sie zuletzt eingestiegen sind, gab es außer Krawall nichts Positives zu berichten. Und ganz aktuell haben diese Leute offensichtlich auch kein besseres Rezept gegen die Auswirkungen der Finanzkrise. Im Gegenteil sie leiden fast überproportional darunter. Und so selbstlos wie Olav Troim letztes Jahr tat (man war fast zu Tränen gerührt), sind er und sein Boss gewiss nicht. Der Kommentar eines Sitznachbars „Die Wikinger vermischten immer Raub und Handel“ (siehe hierzu mehr in der Egilssaga) war mehr als treffend.

Deshalb sollte auch der im letzten Jahr so aktive Aktionärsverein (Vereinigung der Aktien besitzenden Mitarbeiter) in diesem Jahr etwas weniger sentimental die (berechtigten!) Interessen der Belegschaft in den Vordergrund stellen, sondern angesichts des im Saal versammelten „Kapitals“ darauf hinweisen, dass die Interessen von Frederiksen mit der zumindest numerischen Mehrheit der Kapitaleigner im Saal alles andere als deckungsgleich sind.

Unabhängig von alldem wozu sich einiges sagen lässt, ist die angedachte (aber noch nicht gemachte) Entwicklung der TUI zurück zu den touristischen Wurzeln, nicht nur meine persönliche Lieblingsvariante, sondern wahrscheinlich die letzte tragfähige.

Gerne verzichten könnte man, das wird leider nur ein frommer Wunsch bleiben, auf die „Gottesstrafe für Aktionärsbesitz’“ in Person solcher „räuberischer Aktionäre“ (Zitat: Süddeutsche) wie Caterina Steeg, Klaus E.H. Zapf u.a. Wer aber dieses Jahr seine masochistischen Fantasien noch nicht ausgelebt hat, sollte auf jeden Fall bis Ende der Hauptversammlung bleiben. Und wie gesagt, sicherheitshalber sich nichts für den nächsten Vormittag vornehmen, es kann wieder länger dauern.

Wenn es gar zu schlimm wird, denken sie an diese Geschichte. Sagt eine Reisebüroinhaberin „Heute war wieder kein Schwein bei uns im Büro zum Buchen“. Antwort: Na klar, wir haben ja auch Schweinegrippe.
Sie können darüber nicht lachen? Dann bleiben Sie am Mittwoch bis 23.00 Uhr, dann lachen Sie garantiert nur noch über einen solchen Schwachsinn.

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Michael Frenzel räumt seinen Schreibtisch auf

So muss man es machen, wenn Kurzarbeit vor der Tür steht. Noch schnell den Schreibtisch aufräumen. Reederei Hapag-Lloyd schnell weg an jene in Hamburg, die unbedingt wollten. Zu mindestens am Anfang, jetzt weniger.
TUIfly schnell weg (wenn nicht ganz, dann zumindest ein Stückchen) an jemanden der sich gerne neue Probleme in die Firma holt, aber auch neue Gesellschafter (hoffentlich ohne Probleme, siehe weiter unten).

Aber Vorsicht, eventuell ist das Aufräumarbeit mit eingebautem Bumerang-Effekt?

Die Reederei wird wieder, wenn man genügend Zeit hat. Wahrscheinlich ist man damit auch Frederiksen los, der hat im Moment ohnehin größere Sorgen. By the way, gibt es eigentlich Guy Wyser-Pratte noch? (siehe BBB vom 8.10.2007 Wyser-Pratte: Böser Wolf oder braves Rotkäppchen?). Erstaunlicherweise hat so eine Finanzkrise auch etwas Gutes im Gefolge. Prima Heuschreckenvernichtungsmittel.

Und die Fliegerei? Das Germania-Modell überlebt seinen Schöpfer unter dem Dach der Air Berlin um viele Jahre. Germania-Flugzeuge bei dba, bei Air Berlin und bei Tuifly. Und alle fliegen jetzt (u.a.) für Air Berlin. Und wenn du eine Flugbegleiterin siehst musst du nicht unbedingt ihrer Uniform glauben, auf dem Firmenausweis steht eventuell ein anderer Arbeitgeber. Verrückte Fliegerwelt und deshalb so interessant, aber nur für Profis.
Apropos Gesellschafter bei Air Berlin. Erinnern Sie sich noch an die BBBs vom 23.9.2007 („Kuck´ mal wer da ein Cookie werden will“). Jetzt wird wohl aus einem ehemals angedachten „Drittel-Cookie“ ein „Fünftel-Hannoveraner“. Und bei der UBS in der Schweiz gammeln noch die Anteile von Blawatnik so vor sich hin. Irgendwann muss da mal Ordnung rein, da verliert man ja fast den Überblick.

Das Billigflug-Abenteuer ist damit für TUI wohl erledigt. War ohnehin eine Falschmeldung was einige Bosse von HLX in die Welt gesetzt hatten. „Damit käme Traffic auf die Webseite der TUI“. Quantitativ ja, aber das waren keine potenziellen TUI-Kunden. Sozusagen verirrte Verkehrsteilnehmer.
Wenn TUIfly die Versprechen hält, die ihre neue Werbung verspricht, das würde passen. Schon hört man erste Hoffnungen aus den Reihen des Personals. Können wir nicht wieder „Hapag Lloyd-Flug“ heißen, das waren doch unsere schönsten Zeiten. Wie sagt der Volksmund: „Kalten Kaffee und alte Liebe soll man nicht aufwärmen“. Fügen wir hinzu: „und alte Firmennamen noch weniger“.

Aber kaum zu glauben, die Überraschungs-Meldung der Woche war diese. Der designierte Chef des Frankfurter Flughafens soll doch tatsächlich in einem Interview gesagt haben: „bei den Sicherheitskontrollen am Flughafen soll künftig mehr gelächelt werden“. Er habe die Aktion „Mit Sicherheit ein Lächeln“ gestartet.
Kann man sich denn auf gar nichts mehr verlassen. Arme BBBs, so langsam geht der Stoff aus. Wie hieß es in den BBBs vom 5.12.2005 „Warum müssen die Sicherheitskontrollen an den Flughäfen so nervig sein?“ und im Text war zu lesen: „Warum müssen die Kontrollen so kundenunfreundlich sein. Kann man mit Unfreundlichkeit Terroristen abschrecken? Bestimmt nicht. Man kann damit nur harmlose Reisende ärgern.“ Ende des Zitats.

Was in letzter Zeit so alles an BBB-Geschreibsel in Erfüllung geht, ist ja nicht zu glauben. Minus-Preis, Gebühr für Flugzeugtoilette, die Namensarien bei Condor und Geschichtchen über TUI-Fluggesellschaften um einiges zu nennen.
Konsequenz: Jetzt sage ich einen riesigen Lottogewinn für mich persönlich voraus. Wenn eine der nächsten BBBs von den Bahamas kommt, dann wissen Sie Bescheid.

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Frohe Weihnachten

Die Bissigen Bemerkungen wünschen ihren Leserinnen und Lesern ein frohes Weihnachtsfest.
Laut Einzelhandelsverband läuft das Weihnachtsgeschäft dieses Jahr sehr gut. Merke (Achtung: nicht Merkel, sondern Merke): Je mehr Sie Geld ausgeben, desto mehr vertreiben Sie die Krisengespenster. Also ist jedes Weihnachtsgeschenk, egal ob Sie „Schenken“ oder „Geschenke erhalten“, ein Beitrag für Deutschlands Zukunft (Letzteres könnte jetzt auch Merkel gewesen sein).

Besonders hilfreich wäre es, wenn Sie Touristik-Aktien verschenken würden. Das wäre gut für das Ansehen der Branche und sind Sie mal ehrlich, so preiswert haben Sie noch nie zu Weihnachten geschenkt. Die BBBs werden es beobachten. Falls der Aktienkurs von Air Berlin, TUI oder der Thomas Cook-Mutter Arcandor in den nächsten Tagen steigen sollte, dann muss das nicht unbedingt Etihat, Mordaschow oder Oppenheimer gewesen sein, dann waren Sie das, meine lieben BBB-Leser, auf der Jagd nach einem Weihnachtsschnäppchen. Und wenn Sie noch jemanden suchen, der Ihnen vortrefflich Märchen zu Weihnachten erzählen soll, dann denken Sie doch an Thomas Middelhoff. Nachdem er in den letzten Jahren einen größeren Kreis bei BTW, FVW und DRV mit seinen Visionen beglückte, kann man ihn jetzt auch für den privaten Kreis buchen. Seine Märchen bleiben zwar Märchen, auch wenn es nicht jeder gleich merkt, aber an Weihnachten erfreut das so richtig unser Herz. Und so ein bisschen Vision für 2009 könnte uns glücklicher stimmen.

In diesem Sinne nochmals ein frohes Fest und viele Geschenke
Ihr
Karl Born

Die nächsten BBBs erscheinen planmäßig am 29.12. Da holen wir Sie wieder aus Ihrer Festtagsstimmung zurück ins wahre Leben.

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