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Rückspiegel

Gibt es für geschriebene Bissige Bemerkungen auch Fortsetzungen? Klar, aber meistens ist keine Zeit um darüber zu berichten. Die letzte Woche war „ziemlich ruhig“, Zeit um in den Rückspiegel zu schauen.

Verkehrsminister Ramsauer, unermüdlicher Kämpfer für deutsche Bahnhofstoiletten (siehe BBB vom 11.10.2010 Der Gipfel, der eine Grube war) kann sich vor Folgeaufträgen kaum noch retten. Jetzt hat sich auch der Stadtrat von Lichtenfels in einer gemeinsamen Aktion von CSU und SPD an den Minister gewandt. Er möge sich doch bitte um die „zum Himmel stinkende Toilettensituation“ am örtlichen Bahnhof kümmern. Echt schlimm wenn man langsam aber sicher zum Toilettenbeauftragten der Regierung degradiert wird.

Die Bayer AG hat ihre Mitarbeiter per Email aufgefordert bei künftigen Dienstreisen die Stadt Köln möglichst zu meiden und dafür lieber in Düsseldorf zu übernachten. Ausgerechnet Düsseldorf, das ist fast eine Höchststrafe für das Kölner Ego. Grund: Der „Kulturzuschlag“ der Stadt Köln auf die Kölner Hotelbetten (siehe BBB vom 4.10.2010 Deutsche Kultur auf der Hotelrechnung).
Wenn das Schule macht, wird die Kölner Gier ziemlich brutal bestraft und Nachahmer von diesem Unsinn hoffentlich abgehalten.

Die Supermacher des Flughafens Magdeburg-Cochstedt (siehe BBB vom 30.8.2010 Wer möchte einen eigenen Flughafen haben?), haben zwar die versprochenen Flugketten ab Oktober noch nicht realisieren können (Pardon, der Oktober ist ja noch nicht vorbei), aber ihrer Kreativität freien Lauf gelassen. Der Flughafen soll künftig „Airport Magdeburg-Berlin International“ heißen! Dafür kann es nur einen Flugpartner geben: Ryanair, der Experte für stadtnahe Flughäfen.

Ryanair wiederum könnte Probleme am Flughafen Leipzig-Altenburg bekommen. Diesen Flughafen halten die irischen Billigflieger dank entsprechender staatlicher Unterstützung mühsam am Leben. Während der dortige Landrat zuletzt seinen „Airport Made in Germany, der eine mittelfristig gute Geldanlage sein wird“ anpries (siehe BBB vom 14.12.2009 „Weihnachtlicher Wunschzettel“) , hat der Verkehrsminister von Thüringen durch eine Studie feststellen lassen, dass selbst bei einer Verdreifachung der Fluggastzahlen der „Weltairport“ nicht aus den roten Zahlen käme. Eine für Fachleute sicherlich nicht überraschende Erkenntnis.
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Im Reiseradio (www.reiseradio.org) steht diese Woche Marokko im Mittelpunkt. In den akustischen Bissigen Bemerkungen geht es diesmal quer durch die Reisebranche, damit viele etwas „abbekommen“.

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Wenn der schärfste Gegner einer Branche „Bundesregierung“ heißt…..

Damit hatte die Luftverkehrsbranche nicht gerechnet, dass sie quasi als einzige Branche von den Sparbeschlüssen getroffen wird (die Kernenergieunternehmen werden ja nicht echt belastet, sie müssen nur von evtl. künftigen Gewinnen etwas abgeben). Nicht die Unberechenbarkeit des Marktes ist das größte Problem der Airlines und es ist nicht die harte Konkurrenz. Selbst die Schwankungen auf dem Treibstoffmarkt bekommen die Airlines einigermaßen in den Griff. Der Hauptgegner der deutschen Airlines heißt: Bundesregierung.

Zuerst wurde die Branche durch einen unfähigen (oder unwissenden) Verkehrsminister zu tagelangem Nichtstun verdammt und erlitt dadurch Verluste in dreistelliger Millionenhöhe (schlimmer als die Situation nach dem Attentat vom 11.September 2001). Jetzt schlug die Regierung kalt mit einer Luftverkehrsabgabe zu. Statt ehrlich zu sagen, wir „haben einen Dummen gesucht, dem man noch Geld aus der Tasche ziehen kann und da ist unsere Wahl auf die Flugpassagiere gefallen“ (denn die Fluggesellschaften werden diese Kostenerhöhung weitergeben an Ihre Kunden, zumindest an jene die noch von Deutschland aus fliegen), umgibt sie die böse Tat mit dem Deckmäntelchen „ökologisch“. Was ist daran ökologisch? Hier wird keine bestehende Abgabe nach ökologischen Gesichtspunkten umgebaut, sondern es gibt nur einen „oben drauf“. Die Einführung dieser neuen Abgabe wurde schließlich im Rahmen des „Spar“-Paketes beschlossen. Wobei auch der Begriff „Sparen“ hier Hohn ist, denn die Regierung spart ja nicht, sie versucht nur dreist ihre Einnahmen zu erhöhen.

„Ein schwarzer Tag für den Luftverkehrsstandort Deutschland“ lautete der Kommentar der Lufthansa und Germanwings sprach „von einem Förderprogramm für ausländische Airlines und Flughäfen“. Dass es sich bei der vorgebrachten Kritik nicht um typisches Gejammer von Branchenvertreter handelt, zeigt das Beispiel Amsterdam. Die Regierung der Niederlande war mit einer ähnlichen Abgabe ziemlich auf die Nase gefallen. Statt wie erhofft Mehreinnahmen von 300 Mio. Euro zu generieren, verursachte die folgende Abwanderung von Fluggästen (lustigerweise nach Deutschland) einen wirtschaftlichen Verlust von 1,3 Mrd. Euro, was zu einer baldigen Aufhebung der Gebühr führte.

Wie stolz war Air Berlin, dass zur Feier des 30. Geburtstages dieser Airline, die Kanzlerin ihr „die Ehre ihres Besuches gab“. Vielleicht hätte Air Berlin besser Herrn Westerwelle einladen sollen. Frei nach dem Motto: „Von Hoteliers lernen, heißt Siegen lernen“.

Kein Problem mit dieser Mehrbelastung hatte fast erwartungsgemäß (Nicht-) Verkehrsminister Ramsauer. Sein Kommentar „diese Mehrkosten für die Flugpassagiere sind sowohl für Urlaubs- als auch für Geschäftsreisen vertretbar“. Besser wäre gewesen „diese Kosten fallen für mich persönlich ja nicht an“.
Wenig überraschend war, dass von Wirtschaftsminister Brüderle hierzu nichts zu hören war. Vielleicht sollte ihm endlich mal jemand sagen, dass er für die wirtschaftliche Entwicklung des Standortes Deutschland verantwortlich ist.
Etwas überraschender dagegen die Reaktion von Alltours-Chef Verhuven. Er meinte: „Die durch die Abgabe entstehenden Mehrkosten seien bei einem zweiwöchigen Urlaub zu vernachlässigen“. Wenn dem so wäre, dass dieser Betrag keine Rolle spielen würde, fragt man sich, warum er nicht schon die ganze Zeit seine Preise genau um diesen Betrag erhöht hat. Tatsächlich ist die Anzahl der Zwei-Wochen-Reisen in den letzten Jahren stark gesunken. Warum wohl? Weil die Kunden mit jedem Euro rechnen müssen.

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Im Reiseradio (www.reiseradio.org) sind diese Woche etliche Interviews rund um die Internationale Luftfahrtshow in Berlin zu hören. Der Vorsitzende des Bundesverbandes deutscher Fluggesellschaften, Ralf Teckentrup, äußert sich „zum Strafzoll der Bundesregierung für Fluggäste, die mit deutschen Fluggesellschaften ab deutschen Flughäfen fliegen“. In den akustischen Bissigen Bemerkungen geht es diesmal um die Fußballweltmeisterschaft in Südafrika und warum es normal ist, dass sowenig deutsche Touristen hingeflogen sind.

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