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Darf ein Bundespräsident sich über gestrandete Urlauber lustig machen?

Das Ansehen eines Bundespräsidenten soll eigentlich nicht beschädigt werden, was ist aber wenn er es selbst beschädigt? Wochenlang hat Bundespräsident Köhler zu wichtigen aktuellen Fragen, die das ganze Volk beschäftigt, geschwiegen. Kabarettisten unkten schon „wo ist Horst?“.

Jetzt hat Köhler sich kräftig zu Wort gemeldet. Leider. Zu seiner Entschuldigung könnte man anführen, dass er z.Z. keine/n Pressesprecher/in hat, die auf ihn „aufpassen könnten“. Ein Glück, „die Neue“ kommt zum 1.6.2010.

Seinen Versprecher(?) zum Afghanistan-Krieg hat die Presse diese Woche weidlich kommentiert. Daneben blieb eine andere Rede von Köhler, vor dem Weltverkehrsforum in Leipzig, weniger beachtet. Aber die Bissigen Bemerkungen, an allem interessiert was mit Mobilität zusammenhängt, haben die Rede entdeckt (siehe www.bundespraesident.de). Leider!.

Ist es die besondere, von Kabarettisten oft verspottete, Naivität des Bundespräsidenten oder lebt er in einer anderen Welt als sein Volk.
Beispiele gefällig?
1. Als einer der wesentlichen Punkte dieses Weltverkehrsforums sollte das Thema „Zusammenbruch des Luftverkehrs wegen der Aschewolke“ auf der Tagesordnung stehen. Was fällt unserem Bundespräsidenten dazu ein? Er berichtet von Bürgern die „in Wahrheit erleichtert waren, dass die anstrengende Urlaubsfernreise ausfiel“. Darf man an dieser Stelle anmerken, dass dies, Entschuldigung für den Ausdruck, eine Verarschung all jener war, die unter großer Belastung versucht haben an ihr Ziel oder wieder nach Hause zu kommen? Gleiches gilt für die tolle Arbeitsleistung der Beschäftigten in Luftverkehr und Touristik. Natürlich keine mahnenden Worte des Präsidenten an die wahren Verursacher des Chaos, Verkehrsministerium, Flugsicherung und Wetterdienst.

2. Der Bundespräsident sah sich auch veranlasst, vor den Delegierten aus 52 Ländern, sich kritisch mit einer einzelnen Werbung auseinandersetzen zu müssen, die er an Berliner Bussen gelesen hatte. Dort hatte eine Fluggesellschaft mit folgendem Werbespruch auf sich aufmerksam gemacht: „Norwegen rückt näher, Oslo ab 29 Euro“. Ob Köhlers folgender Satz ernst gemeint war? Wörtliches Zitat: „Norwegen ist aber keinen Zentimeter näher gerückt. Oslo ist noch immer 1.000 Kilometer von Berlin entfernt“. Liebe Leserinnen und Leser der BBB, es ist zu befürchten, dass er dies als ernsthafte Erkenntnis auch genau so wörtlich gemeint hat. Nur just for Info für das Bundespräsidialamt: Wien liegt zwar nur 700 Km von Berlin entfernt, aber immerhin. Natürlich musste der Bundespräsident 2008 zum EM-Endspiel dort sein. Hat zwar nichts genutzt, dafür durfte es auch mehr als 29 Euro kosten. Shanghai ist übrigens 8.400 km entfernt. Macht ebenfalls nichts, der deutsche Pavillon und 1,4 Mrd. Chinesen haben auf diesen Tag seines Besuches gewartet. Diese Woche wird die Kanzlerin etliche 100 Km unnötig ins Trainingslager unserer Fußball-Nationalmannschaft fliegen, als ob Jogi Löw nicht schön genügend Probleme hätte.

3. Aber auf eines der dringendsten verkehrspolitischen Fragen Europas, den „Single European Sky (Neuordnung des Luftraums über Europa ohne nationalen Grenzen), ging Köhler mit keinem Satz ein. Dabei hatte vor zwei Jahren auf der gleichen Konferenz die Bundeskanzlerin in ihrem Statement noch genau dies als eine der zentralen Aufgaben bezeichnet. Lufthansa-Chef Mayrhuber hatte vor Jahren mal vorgerechnet, dass der z.Z. deshalb unnötig verflogene Treibstoff reichen würde, um täglich mehrfach nach New York zu fliegen! Aber da hätte man ja an die politische Nase fassen müssen.

Wenn im Moment in Berlin nach Einsparungen gesucht wird, die BBB hätten da mal einen Vorschlag……

Natürlich, das Bundesverkehrsministerium unseres speziellen Freundes Ramsauer, war auf der Tagung mit mehreren eigenen Infoständen vertreten. Auf einem war ein Modell des Forschungsflugzeuges „Falcon“ des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt ausgestellt. Genau richtig erinnert, es ist jenes Flugzeug, das im kritischen Moment so lange brauchte um in die Luft zu kommen, um dann festzustellen, „keine Asche da“,

Dabei sind internationale Konferenzen, die über Umweltbelastungen diskutieren, per se schon ein Witz, denn in aller Regel stehen die durch An- und Abreise entstandenen Belastungen in keiner Relation zum Kongressergebnis. Vergeblich haben die Bissigen Bemerkungen im Internet nach einem Abschluss-Komitee gesucht, dafür aber einen interessanten Pressekommentar gefunden: Das im Vorfeld des Kongresses so hoch gelobte Tagungspapier „Transport Outlook“ ist nicht von einer unabhängigen Forschungseinrichtung erstellt worden (wie allgemein kolportiert), sondern von einer Kommission in der u.a. auch Staatssekretäre ihren Sitz hatten, also ein zuerst politisches Papier. Aber noch schöner war eine andere Bemerkung in diesem Kommentar: „Im Grunde ist die Studie sogar ein Eingeständnis, dass die Verkehrsminister der wichtigsten Länder weder eine Vision, schon gar keine Strategie und erst recht keinen Willen haben, den Weltluftverkehr zukunftsfähig zu machen“. Schöner hätten es die BBB auch nicht formulieren können, höchstens kürzer, mit einem Wort: Ramsauer.

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Diese Woche im Reiseradio (www.reiseradio.org) u.a. einen Bericht über den neuen Center Park Mosell im Elsaß, der exakt in die Schneise gebaut wurde, die zu Weihnachten 1999 der Orkan Lothar „geschaffen hatte“. In den Bissigen Bemerkungen geht es um das immer aktuelle Thema Last Minute.

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Verdammt noch mal, überhaupt nichts dazugelernt.

Schon wieder wurde der Luftraum geschlossen, wenn auch „nur“ über Süddeutschland. Und wieder nur auf vage Angaben des Wetterdienstes für die Flugsicherung („da ist eine Wolke“). Wieder hat sich die Politik vor der Entscheidung gedrückt. Wieder ging vor der Entscheidung kein Forschungsflugzeug in die Luft. Ach so, war ja Sonntag, da haben die „Forschungsflieger“ frei. Montagnachmittag ist auch noch ein Tag.
Und in den einschlägigen Chats wie z.B. Focus online, schreiben die Leute auch noch „die werden schon wissen was sie machen“. In welchem obrigkeitsgläubigen Staat leben wir eigentlich. Mein etwas süffisanter Kommentar dazu wurde dann von focus online nicht akzeptiert, passte wohl nicht in den Tenor der Berichterstattung.

Eigentlich sollten die heutigen BBBs sich mit dem Thema Griechenland beschäftigen.
Na, ja. Auch dazu passt die Ãœberschrift.
Da werden locker 100 Mrd. Euro von der EU für Griechenland bereitgestellt und gleichzeitig sollen IWF-Sparkommissare (evtl. zusätzlich noch welche von der EU) nach Griechenland geschickt werden. Das Abwicklungsprogramm, das im Moment vorgeschlagen wird, der Glaube mit riesigen Geldtransfers alles regeln zu können, die Auswirkungen auf die heimische Produktion, die ungleiche Lastenverteilung zu Ungunsten der unteren Bevölkerungsschichten, bei gleichzeitigem Profit der Geld gebenden Banken, das habe ich doch schon irgendwann und irgendwo einmal gelesen. ?? Jetzt weiß ich wieder, warum es mir nicht sofort eingefallen ist. Damals hieß es nicht IWF sondern Treuhand.
Prima, dann wird in 10 Jahren der Nachfolger von EU-Kommissionspräsident Barroso eine Griechin sein. Herzlich willkommen Angeliki Merklopoulos.
Wer meint dieser Vergleich hinkt, ok, aber so ganz abwegig ist er nicht.

Setzen wir noch einen drauf. Es ist ja nicht ausgeschlossen, dass die griechische Tourismusindustrie dieses Jahr nicht gerade ihre erfolgreichste Saison haben wird. Dabei wäre die griechische Tourismussaison so einfach zu retten gewesen. Wenn die Regierung der Bundesrepublik von den gegebenen 22 Mrd. Euro einen kleinen Teil zurückgehalten hätte mit der Begründung: Jeder deutsche Griechenlandurlauber bekommt die Kosten seines Urlaubs in Griechenland von der Regierung ersetzt. Der daraus folgende Boom wäre die unmittelbarste Hilfe für die griechische Tourismusindustrie (und zudem indirekt für weitere Teile der griechischen Wirtschaft) gewesen.
Sie meinen dieser Gedanke wäre absurd? Aber noch absurder ist es 22 Mrd. Euro zu geben ohne parallel dazu mit aller Kraft eine Regulierung der entsprechenden Finanzmärkte zu beschließen. Die werden nämlich jetzt die großen Gewinner sein, zu Lasten von uns allen.
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Heute im Reiseradio: Supertrend SPA und Interviews mit Prof. Karasek und Konsul Rahe (Arosa-Hotels). Und in den Bissigen Bemerkungen hören Sie allerlei Nettes über unsere griechischen Freunde.

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