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Werbung die Preise gewinnt, bringt meistens keine neuen Kunden

Peinlich, peinlich, ist die passende Bezeichnung für den aktuellen Werbefilm (https://www.youtube.com/user/tmniedersachsen) für Niedersachsen als Urlaubsland. Sogar das niedersächsische Wirtschaftsministerium distanziert sich (nachträglich?) und legt Wert auf die Feststellung, dass der Film kein Imagefilm für Niedersachsen sei. Nein, imagebildend ist dieser 3-Minuten-Spot keinesfalls, zumindest nicht im positiven Sinne. Die „Tourismusmarketing Niedersachen Gesellschaft“ hat nun den Schwarzen Peter und will diesen 80.000 Euro teuren Film (erscheint mir etwas zu niedrig angegeben?) nur für die sozialen Netzwerke geschaffen haben (man wollte etwas mit dem Klischee von Niedersachsen spielen!).

Jetzt spielen Klischees im Tourismus schon eine große Rolle. Aber das gezeigte Klischee, ist das Klischee eines Klischees, und selbst in dieser Rolle eine Beleidigung für Niedersachsen. U.a. ein Eismann mit singenden Fischen auf den Schultern? Dabei weiß man doch spätestens seit dem Duo Klaus&Klaus, „dass die Fische im Wasser sind und selten am Strand“ (um mal ein positives Klischeebild zu bemühen). Kinder als Heideschafe verkleidet? Braucht Niedersachsen nicht, es hat die herrlichen Originale in der Lüneburger Heide.
Sind im Film die auf Urlauber wartenden Küsten-Ureinwohner noch sympathisch dargestellt, würden spätestens die grässlichen „potenziellen Niedersachsen-Touristen“ jeden Filmbetrachter endgültig vom Besuch von Niedersachsen abschrecken. Das ist nun mal touristisches Basiswissen, wie wichtig andere Mit-Urlauber für den eigenen Urlaub sind. Diese Touristen möchte kein Mensch im Urlaub treffen.

Was bringen nun die Verantwortlichen zu ihrer Verteidigung vor?
1. Hauptsache man spricht drüber. Das ist ansatzweise richtig, aber nur wenn danach eine positive Handlung (sprich Buchung) erfolgt. Kann man sich hier beim besten Willen nicht vorstellen.
2. Der Film hat von der Jury des Filmpreises „Das goldene Stadttor“, in der Kategorie „Film-National“, den ersten Preis bekommen. Spätestens diese Information spricht endgültig gegen den Spot: „Werbung die Preise gewinnt, bringt meistens keine neuen Kunden“. Eine Film-Jury prüft nur ist es außergewöhnlich, nicht ob es auch sinnvoll ist. Aber der Job von Tourismus Niedersachsen ist nicht Filmpreise zu gewinnen, sondern neue Kunden. Übrigens, die Filmagentur heißt „Day for Night“, besser wäre „Good Night“.

Zumindest zwei positive Meldungen zum Schluss:
1. Wenigstens Hannover ist im Spot noch positiv. Die BBBs müssen nicht ihren Erscheinungsort aus Peinlichkeit verleugnen.
2. Es gibt bestimmt 15 Bundesländer, die sich über diesen Niedersachsen-Spot sehr freuen.

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Gerade gelesen: Bombenalarm am Flughafen Schönefeld wegen einer „herrenlosen Damenhandtasche“ auf der Damentoilette? Political Correctness? Ja oder Nein?

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