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Muss Fliegen wirklich noch billiger werden?

„Es gibt kaum etwas auf dieser Welt, das nicht irgend jemand ein wenig schlechter machen kann und etwas billiger verkaufen könnte, und die Menschen, die sich nur am Preis orientieren, werden die gerechte Beute solcher Menschen.“

Dieses Zitat hat mir die Verbreitung der Angebotspalette von Billigfluggesellschaften wie Wizz Air, Wow Air, Norwegian, Ryanair, Eurowings und anderen wieder in Erinnerung gebracht. Es stammt von John Ruskin, einem englischen Sozialphilosophen, wohlgemerkt aus dem 19. Jahrhundert. Wettbewerb nur über den Preis hat also eine lange Tradition mit nur geringem Lerneffekt.

Gut, Fliegen soll kein Luxusgut sein und nicht nur Wenigen offen stehen. Aber von dieser Situation sind wir doch meilenweit (seit Jahren) entfernt. Immer billiger werden zu wollen, dient nicht mehr dazu neue Kundenschichten zu erschließen, sondern nur dem Verdrängungswettbewerb. Wohin das führt, können wir bei anderen Branchen beobachten. Die permanenten Preissenkungsaktionen der Discounter Aldi, Lidl u.a. erweitern schon lange nicht mehr den Gesamtmarktanteil der Discounter gegenüber den traditionellen Anbietern, sondern dienen nur noch der Marktanteils-Umschichtung untereinander.

Der CEO einer bekannten Touristikgesellschaft berichtet mir mal stolz, wieviel „traffic“ neuerdings auf der Website seiner airline sei. Und was haben die Kunden dort gemacht? Sie haben sich nicht über die Airline informiert, sondern nur geschaut, ob es hier oder anderswo ein Euro billiger sei. Ein unverändert wertvolles Gut wird in der Vermarktung auf einen Euro Preisunterschied degeneriert.

Ich könnte mich jedesmal aufs Neue amüsieren, wenn sich ein bei der Buchung besonders schlauer User über den Sitzabstand auf einem Langstreckenflug beklagt und ebenso „vermeintlich eloquent“ bemerkt, dass die Legehennen-Verordnung doch wesentlich strenger sei.
Ebenso finde ich es „lustig“ wenn RTL-Benkö und andere angebliche Urlaubsretter Bilder von „unmöglichen“ Hotels kommentieren, aber nur am Rande den kleinen dreistelligen Preis erwähnen, den in Folge des Preissenkungswahn heute viele Urlauber auch für einen Urlaub in der Karibik für ganz normal halten.

Der Preis als einziges Marketing-Instrument ist zum Eldorado für viele zweitklassige Manager geworden. Um einen Euro billiger anzubieten als die Konkurrenz (egal ob man sich das leisten kann oder nicht) muss man keine Betriebswirtschaft studiert haben. Zumal mit der Preissenkung ein Wegfall von Leistungen für den Kunden einhergeht. Oder der Kunden muss zunehmend Leistungen selbst erbringen (z.B beim Check in). Oder die Preissenkung gehen zu Lasten der Beschäftigten (Gehaltseinbußen, Arbeitsverdichtung) oder zu Lasten dritter Marktteilnehmer.

Ein früherer Geschäftsführer von TUIfly begründete die weitere Abschaffung einer bislang etablierten Leistung mit den Worten „wir passen uns damit dem Wettbewerb an“. Müssen sich die Kunden da auch noch bedanken?

Dummerweise ist dies alles zu einem allgemeinen Wahn geworden. In „Fragmente“, den philosophisch-aphoristischen Schriften von Novalis heißt es so schön: „Gemeinschaftlicher Wahnsinn hört auf, Wahnsinn zu sein, und wird Magie, Wahnsinn nach Regeln und mit vollem Bewusstsein.“ Na dann „Guten Flug“.

Etwas Nettes soll aber doch noch zum Schluss kommen. Nicht am Valentinstag, sondern zu den Erstflügen der Eurowings mit Air Berlin Fluggerät, postete der Social Media Bereich der Air Berlin: „In einer offenen Beziehung mit Eurowings“. Das finde ich kreativ (und offensichtlich auch inhaltlich richtig).

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Kerosinsteuer für Entwicklungshilfe ist wie eine Kondom-Steuer für die Aids-Forschung

Am Rande eines Treffens der europäischen Finanzminister hat man sich grundsätzlich auf die Einführung einer Kerosinsteuer auf Flüge in Europa geeinigt.
Mit den Einnahmen soll ein Impfschutzprogramm für Afrika aufgelegt werden (spiegel online 13.2.2005 und Welt.de 18.2.).

Die Begründungen für Steuererhöhungen werden immer dreister. Statt einzugestehen „wir kommen mit dem Haushaltsausgleich nicht klar und besteuern künftig alles was wir erwischen können, um die Haushaltslöcher zu stopfen“, werden immer fadenscheinigere Begründungen für neue Steuern oder Steuererhöhungen angeführt. „Tanken für die Rente“, „Rauchen gegen den Terror“, „Studiengebühren für mehr Bildung“, möglichst plakativ soll die Begründung sein, in der Hoffnung die Bürger damit täuschen zu können.

Schon die Begründung für die Erhöhung der Tabaksteuer war ziemlich absurd. Lieber an Raucherlunge sterben als von Terroristen ermordet werden? Und was passiert, nachdem weniger geraucht wird und Milliarden Euros in Eichels Kasse fehlen? Verschlechtert sich jetzt dadurch die Sicherheitslage? Hat der Visa-Skandal eventuell etwas mit der Raucher-Verweigerung der Deutschen zu tun?

Ähnlich abartig ist jetzt die Begründung für die Einführung der Kerosinsteuer. Hätte ein Hinweis auf Klimaschutz, zumindest ein theoretisch nachvollziehbarer Ansatz sein können, so ist den Finanzministern wahrscheinlich aus Zeitmangel nur die Begründung Entwicklungshilfe eingefallen. Wobei unser aller Bundes-Eichel sicherheitshalber noch zusätzlich „Umwelt-, Energie- und Entwicklungspolitische Ziele“ nannte (ein Grund davon wird schon passen). Gleichzeitig wurde noch von einer „Flugticket-Abgabe“ gefaselt, denn der Minister will die Billigfluggesellschaften treffen, bei deren niedrigen Preisen „sei einiges aus den Fugen geraten“. Aber wenn „Billig“ besteuert werden soll, was ist dann mit den „Geiz ist Geil“ und „Ich bin doch nicht blöd“ Firmen? Gibt es demnächst eine Sondersteuer auf Last Minute-Angebote und Frühbucher-Rabatt?

Einzig der griechische Finanzminister Alogoskoufis befürchtet nach der Einführung der Kerosinsteuer negative Auswirkungen auf den Tourismus (Welt.de vom 18.2.9). In der Tat genau darum geht es. Zwischen Steuer und Nutzen aus der Steuer sollte ein Minimum an Beziehung bestehen. Flüge mit einer Steuer zu belasten um die (notwendige!!) Erhöhung der Entwicklungshilfe zu finanzieren ist unter diesem Gesichtspunkt kontraproduktiv. Dann könnte man auch eine Steuer auf Kondome einführen um die Aids-Forschung zu fördern!

Liebe BBB-Leser machen Sie sich noch auf einiges gefasst. Demnächst soll die Feuerschutzsteuer erhöht werden um der notleidenden pyrotechnischen Industrie zu helfen. Die Fischereisteuer soll erhöht werden um BSE-Geschädigte zu unterstützen. Die Hundesteuer wird erhöht für den Schutz gegen die Geflügelpest. Die Alkoholsteuer soll nochmals erhöht werden um die nächste Abgeordneten-Diätenerhöhung zu finanzieren. Die Vergnügungssteuer wird verdoppelt um Rückführungsprogramme in die Ukraine zu finanzieren.
Im Vergleich dazu ist die geplante Ausweitung der Zweitwohnungssteuer für ein Clochard-Hilfsprogramm schon fast sachbezogen.

In dieser Situation machen sich die BBBs für eine neue Steuer besonders stark: eine „Umweltverschmutzungsabgabe“ auf Reden von Finanzministern.

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