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Muss Fliegen wirklich noch billiger werden?

„Es gibt kaum etwas auf dieser Welt, das nicht irgend jemand ein wenig schlechter machen kann und etwas billiger verkaufen könnte, und die Menschen, die sich nur am Preis orientieren, werden die gerechte Beute solcher Menschen.“

Dieses Zitat hat mir die Verbreitung der Angebotspalette von Billigfluggesellschaften wie Wizz Air, Wow Air, Norwegian, Ryanair, Eurowings und anderen wieder in Erinnerung gebracht. Es stammt von John Ruskin, einem englischen Sozialphilosophen, wohlgemerkt aus dem 19. Jahrhundert. Wettbewerb nur über den Preis hat also eine lange Tradition mit nur geringem Lerneffekt.

Gut, Fliegen soll kein Luxusgut sein und nicht nur Wenigen offen stehen. Aber von dieser Situation sind wir doch meilenweit (seit Jahren) entfernt. Immer billiger werden zu wollen, dient nicht mehr dazu neue Kundenschichten zu erschließen, sondern nur dem Verdrängungswettbewerb. Wohin das führt, können wir bei anderen Branchen beobachten. Die permanenten Preissenkungsaktionen der Discounter Aldi, Lidl u.a. erweitern schon lange nicht mehr den Gesamtmarktanteil der Discounter gegenüber den traditionellen Anbietern, sondern dienen nur noch der Marktanteils-Umschichtung untereinander.

Der CEO einer bekannten Touristikgesellschaft berichtet mir mal stolz, wieviel „traffic“ neuerdings auf der Website seiner airline sei. Und was haben die Kunden dort gemacht? Sie haben sich nicht über die Airline informiert, sondern nur geschaut, ob es hier oder anderswo ein Euro billiger sei. Ein unverändert wertvolles Gut wird in der Vermarktung auf einen Euro Preisunterschied degeneriert.

Ich könnte mich jedesmal aufs Neue amüsieren, wenn sich ein bei der Buchung besonders schlauer User über den Sitzabstand auf einem Langstreckenflug beklagt und ebenso „vermeintlich eloquent“ bemerkt, dass die Legehennen-Verordnung doch wesentlich strenger sei.
Ebenso finde ich es „lustig“ wenn RTL-Benkö und andere angebliche Urlaubsretter Bilder von „unmöglichen“ Hotels kommentieren, aber nur am Rande den kleinen dreistelligen Preis erwähnen, den in Folge des Preissenkungswahn heute viele Urlauber auch für einen Urlaub in der Karibik für ganz normal halten.

Der Preis als einziges Marketing-Instrument ist zum Eldorado für viele zweitklassige Manager geworden. Um einen Euro billiger anzubieten als die Konkurrenz (egal ob man sich das leisten kann oder nicht) muss man keine Betriebswirtschaft studiert haben. Zumal mit der Preissenkung ein Wegfall von Leistungen für den Kunden einhergeht. Oder der Kunden muss zunehmend Leistungen selbst erbringen (z.B beim Check in). Oder die Preissenkung gehen zu Lasten der Beschäftigten (Gehaltseinbußen, Arbeitsverdichtung) oder zu Lasten dritter Marktteilnehmer.

Ein früherer Geschäftsführer von TUIfly begründete die weitere Abschaffung einer bislang etablierten Leistung mit den Worten „wir passen uns damit dem Wettbewerb an“. Müssen sich die Kunden da auch noch bedanken?

Dummerweise ist dies alles zu einem allgemeinen Wahn geworden. In „Fragmente“, den philosophisch-aphoristischen Schriften von Novalis heißt es so schön: „Gemeinschaftlicher Wahnsinn hört auf, Wahnsinn zu sein, und wird Magie, Wahnsinn nach Regeln und mit vollem Bewusstsein.“ Na dann „Guten Flug“.

Etwas Nettes soll aber doch noch zum Schluss kommen. Nicht am Valentinstag, sondern zu den Erstflügen der Eurowings mit Air Berlin Fluggerät, postete der Social Media Bereich der Air Berlin: „In einer offenen Beziehung mit Eurowings“. Das finde ich kreativ (und offensichtlich auch inhaltlich richtig).

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Haben wir keine anderen Sorgen?

Vor kurzem wurde ich gebeten, auch mal wieder etwas Leichteres (Kuriositäten) in den BBBs zu bringen. Außerdem gab es schon lange nichts mehr über die Hotelbranche hier zu lesen. Da schauen wir uns mal einen aktuellen Erlass des Finanzministeriums (17.1.2017) zum Thema Umsatzsteuerbefreiung bei stundenweiser Überlassung von Hotelzimmern an, was in einem Hotellerieblog zur Überschrift „Sex im Hotel steuerfrei“ führte. Sex und kuriose Steuergeschenke, das „sells“ doch immer. Auch bei den BBBs.

In einer „Blitzreaktion“ hat das Bundesfinanzministerium mit o.g. Erlass vom 17.1.2017 auf ein BFH-Urteil vom 24.9.2015 reagiert. Achtung liebe BBB-Leser, die Daten beinhalten keinen Schreibfehler. (Ich habe dieses Wochenende den Zeichentrickfilm „Zoomania“ gesehen, da arbeiteten die Faultiere auf der Kfz-Zulassungsstelle. Ob da Disney ein Fehler unterlaufen ist?)

Natürlich ist die „absolute“ Feststellung in der Überschrift im o.g. Blog „Sex im Hotel steuerfrei“ falsch. In einem Mehrwertsteuerrecht, das Unterschiede von Maultier, Maulesel und reinrassigen Esel kennt und bei letzteren noch unterscheidet in geschlachtet oder lebend, das Katzenfutter und Hundekekse steuerlich begünstigt, aber Babynahrung voll besteuert, dafür die Eltern Gänseleber und Froschschenkel steuerlich ermäßigt verspeisen dürfen, aber für das Mineralwasser 19% zahlen müssen, ist keine Feststellung absolut, sondern kompliziert in der Auslegung.

Also zur Sache. Bei Überlassung von Zimmern in einem „Stundenhotel“ (im Erlass des Ministeriums ist „Stundenhotel“ auch in Anführungszeichen gesetzt) wird unterstellt, dass der Schwerpunkt der Leistung („wenn es die äußeren Umstände so ergeben“) in der Einräumung der Möglichkeit liege, sexuelle Dienstleistungen zu erbringen oder zu konsumieren. Deshalb wird nicht der ermäßigte Hotel-Mehrwertsteuersatz von 7% berechnet, sondern ist „daher steuerfrei“.
Aber der Gast muss anmieten. Wird das Zimmer von einer Prostituierten angemietet, wird sogar der volle Steuersatz von 19% fällig (weil gewerbsmäßig). Sehr fein auch die Formulierung des Ministeriums, dass es auf die „Möglichkeit“ ankommt. Also, Sex muss nicht sein. Nur Quatschen (soll ja angeblich oft vorkommen), wäre also auch steuerfrei. So bleibt dem Gast neben den heute üblichen Fragen „hatten Sie etwas aus der Minibar“, „haben Sie die Sauna benutzt“, „ist Ihre Reise privat oder dienstlich“, wenigstens die Frage erspart „Hatten Sie Sex?“.

Leider wirkt sich dieses Steuergeschenk nicht auf die „normale“ Hotellerie aus. Wobei ich darauf warte, bis das erste klassische Hotel aus steuerlichen Gründen offiziell den Zusatz „auch Stundenhotel“ führen wird.

Wenn das die wahren Probleme unseres Finanzministeriums sind, dann „Gute Nacht“ was unsere echten Sorgen betrifft.

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Unglaublich unschuldig (Unister, DRV)

Aktuell läuft gerade im Unister-Prozess in Leipzig ein unwürdiges Schauspiel von „unglaublich unschuldig“. Es war schon mehr als unfassbar, dass die Leipziger Justiz seit Jahren, trotz heftiger Vorwürfe gegen Unister wegen unsauberer Geschäftspraktiken (in der Anlageschrift jetzt u.a. als Betrug und Steuerhinterziehung bezeichnet), nicht richtig aktiv wurde. Und so konnten die „handelnden“ Personen über Jahre hinweg ungehindert weiter „handeln“. Vor Gericht präsentieren sich jetzt die drei Angeklagten als „reine unwissende Unschuldslämmer“. Schuld an den Verfehlungen und der einzige der nur Bescheid wusste, sei einzig und allein Unister Ex-Chef Thomas Wagner gewesen, der aber bekanntermaßen leider bei einem Flugzeugabsturz ums Leben kam.

Den Vogel schießt dabei Ex-Finanzchef Daniel Kirchhof ab. Obwohl er zwölf Jahre ein Büro mit Thomas Wagner teilte, habe er nichts mitbekommen. Er habe auch nie eine Steuererklärung für Unister verfasst oder eingereicht. Der Mann muss bei Betreten des Büros wohl vorübergehend immer blind und taub geworden sein. Der Vorwurf, man habe durch „Runterbuchen“ Flugkunden um mindestens 7,6 Millionen Euro betrogen konterte er, dass man nur eine „nachträgliche Optimierung des Einkaufspreises“ vorgenommen hätte. Die Benachrichtigung der Kunden über dieses Vorgehen, sei auch nicht notwendig gewesen, meinte sein Anwalt Hohnstädter, den wir vom Pegida-Ableger Legida her kennen. Ähnlich äußerten sich auch die anderen Unschuldslämmer, z.B. Thomas Gudel, immerhin lange Zeit Leiter des Rechnungswesens. Man kann ja auch nicht alles wissen, was man so das Jahr über bucht.
Fortsetzung demnächst in einer Soap, ausgestrahlt im MDR-TV.

Keine Ahnung wie ich jetzt von Unister zum Deutschen Reiseverband (DRV) komme. Hier geht es natürlich nicht um kriminelle Handlungen, aber auch um „unglaublich unschuldig sein“. Es sind sich zwar alle einig, dass es hinsichtlich Änderungen an dem in Brüssel vermurksten und in Berlin verschlafenen Machwerk Pauschalreiserichtlinie „fünf vor Zwölf“ sei, aber hoffentlich geht die Uhr nicht nach.

Jetzt hat der Bundestagsabgeordnete Klaus Brähmig, Mitglied im Tourismusausschuss, dem Deutschen Reiseverband gravierende Versäumnisse zum Zeitpunkt der Einbringung des Entwurfs ins EU-Parlament vorgeworfen. Die Bissigen Bemerkungen haben zwar nicht den heftigen Streit vergessen, den sie vor fast 5 Jahren mit ihm hatten, aber diesmal liegt Brähmig genau richtig (kann man dann auch mal sagen).

Als Antwort auf Brähmig schreibt der DRV jetzt, man habe u.a. 40 persönliche Gespräche mit Abgeordneten des europäischen Parlaments geführt, 14 persönliche Gespräche mit Beamten der Bundesregierung und Ratspräsidentschaft, 26 persönliche Gespräche mit Abgeordneten des Bundestags usw. usw.
Sorry, da habt ihr leider offensichtlich mit den Falschen gesprochen, nicht mit den echten Entscheidern. Ein guter Lobbyist würde nie die Anzahl seiner Gespräche aufzählen, sondern nur das Ergebnis seiner Arbeit. Für 100x aufs Tor geschossen, aber der Ball nie im Tor, gibt es nun mal keine Punkte. Da kann die plötzliche Hyper-Aktivität (bei gleichzeitigem Abwatschen der Aktivitäten anderer Verbände) auch nichts mehr bewirken. Der Papst des Reiserechts, Prof. Ernst Führich, hat hierzu einen Klassiker zitiert: „Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben“. Meine Oma hätte gesagt, „vorne gut gerührt, brennt hinten nicht an“. Der DRV hat wohl vorne im falschen Topf gerührt.

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Werden Fakten überbewertet?

Zu Beginn eines neuen Jahres dürfen sich die BBBs auch mal fragen, wie wichtig müssen/können/dürfen eigentlich Fakten für eine Kolumne sein. Nachdem über Jahrzehnte das Wort Fakten (Focus/Markwort: Fakten, Fakten, Fakten) eine Art Totschlagargument gegen alternatives Denken war, ist man neuerdings der Meinung „Fakten sind doch nicht alles“.

Schon seit Jahren gibt es bei meinen Vorträgen ein von mir sehr geliebtes Chart: „Der Gedanke, dass es nur eine Wirklichkeit gäbe, ist die gefährlichste aller Selbsttäuschungen“ (nach dem österreichischen Philosoph und Soziologe Paul Watzlawick, 1921 – 2007). Jetzt sind „postfaktisch“, „alternative Fakten“, „interpretierte Fakten“, „nichtssagende Fakten“ und „verschwiegene Fakten“ (endlich) in der Wirklichkeit angekommen.

postfaktisch
Definition: „Postfaktisch ist ein Denken und Handeln, bei dem die Fakten nicht im Mittelpunkt stehen. Die Wahrheit einer Aussage tritt hinter den Effekt der Aussage auf das eigene Klientel zurück.“ Nehmen wir hier das Beispiel des neuen Verbandes unabhängiger selbstständiger Reisebüros, VUSR, und seiner Petition zum Reisevertragsrecht. 50.000 Unterschriften sind für eine Petition notwendig, damit sie auch im Petitionsausschuss behandelt werden muss. Der Verband hat 49.300 Unterschriften gesammelt. Fakt ist: Ziel verfehlt, knapp vorbei ist auch vorbei. Postfaktisch: das eigene Klientel ist begeistert, weil etwas geschafft wurde, was kaum jemand für möglich hielt (mich eingeschlossen). Und wenn am Mittwoch der Ausschuss die Petition trotz fehlendem Quorum annimmt, hat das Postfaktische gesiegt.

alternative Fakten
Dieser Begriff ist am Wochenende durch die Trump-Administration bekannt geworden. Fakt sind die Bilder, wieviel Menschen 2009 zur Vereidigung von Obama kamen im Unterschied zu Trump 2017. Alternative (zusätzliche) Fakten wären jedoch, Obama kam damals als Erlöser nach George Bush. Wieviel der 1,5 Mio Enthusiasten von damals sind inzwischen enttäuscht, weil aus dem Friedensnobelpreisträger ein Präsident mit „häufigem Drohnenbefehl“ geworden ist und dem es nicht möglich war „Gewalt gegen Schwarze“ einzudämmen (von Verhindern nicht zu reden). 1,5 Mio Teilnehmer hätte auch Obama dieses Jahr nicht geschafft.
Zu „alternative Fakten“ ist mir zufällig ein Interview aus 2010 von Christine Haderthauer (CSU) mit Michel Friedmann in die Hände gefallen, indem sie ihn ärgerlich unterbricht: „Ihre Frage passt nicht zu meiner Antwort“. Unbestritten, ein alternativer Fakt.

interpretierte Fakten
Ich bin mir nicht sicher, ob allgemein bekannt ist, dass die veröffentlichten Zahlen der Meinungsumfragen zu Wahlen nicht immer identisch mit den erhobenen Zahlen sind. Gestützt auf die angebliche Erfahrung, dass der potenzielle Wähler, wenn er im Wahllokal steht, eher auf „Sicherheit“ setzt als bei einer Umfrage, rechnen einige prominente Institute die erhobenen Ergebnisse auf wahrscheinlich zu erwartende Ergebnisse um. Dadurch sind die meisten Umfrageergebnisse zu konservativ (im Sinne von traditionell) gerechnet. Siehe Vorhersage zum Ergebnis AfD in Mecklenburg-Vorpommern, zum Brexit in Großbritannien und zur US-Präsidentenwahl.

nichtssagende Fakten
Das ärgert mich besonders, wenn Selbstverständlichkeiten im Brustton großen Wissens von sich gegeben werden. Brandenburgs Ministerpräsident Woidke antwortete im Juli 2016 zur Frage Eröffnung des Berliner Flughafens BER: „Jeder Tag der vergeht, bringt uns der Eröffnung näher“. Unglaublich wie hier durch „Nichts Substanzielles sagen“ das eigentliche Problem umschifft wird. Wobei diese auf den ersten Blick faktenmäßig richtige Aussage voraussetzt, dass der BER irgendwann tatsächlich mal eröffnet werden sollte. Postfaktisch, bin ich mir da nicht so sicher.

verschwiegene Fakten
Das ist insbesondere dann ein Problem, wenn Medien (Print und Social) und Politik nur noch im Mainstream schwimmen und alle anderen Fakten links und rechts davon ignorieren. So schlagen im Moment alle auf Trump drein, obwohl der sich im Moment noch im Status „Maulheld“ befindet. Und direkt vor unserer europäischen Haustür schafft Erdogan täglich „Fakten“ auf seinem Weg in eine lupenreine Diktatur und seine Gefängnisse sind übervoll mit Verhafteten ohne Aussicht auf einen rechtsstaatlichen Prozess. Da sollte man doch die Bemerkungen von Merkel, Steinmeier und Gabriel über Trump vergleichen mit ihren lauen Bemerkungen zu Erdogan. Anmahnung durch die Presse? Fehlanzeige.

Na dann, auf ein faktenreiches 2017. Oder auch nicht.

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Freitag der Dreizehnte: Das Comeback der Bissigen Bemerkungen

Hallo, da sind wir wieder. Eigentlich war Mitte November nur eine zweiwöchige „schöpferische“ Pause geplant, leider sind daraus neun Wochen geworden. Und ehrlich gesagt, ließ die Regelmäßigkeit seit August ohnehin schon zu wünschen übrig. Gute Vorsätze 2017? U. a. wieder „regelmäßige“ Bissige Bemerkungen!

Aus der Vielzahl von Themen, die in der Zwischenzeit „ungebissen“ geblieben sind, haben wir uns zwei ausgesucht.
1. „Wir sind fertig mit dem Ding, wenn wir mit dem Ding fertig sind“.
2. In Leipzig beginnt ein Prozess, der seit Jahren überfällig ist.
Zu guter Letzt kann ich mir nicht verkneifen darauf hinzuweisen, wen ich im Dschungelcamp vermisse.

„Wir sind fertig mit dem Ding, wenn wir mit dem Ding fertig sind“
Dieser sehr inhaltsschwere Beitrag stammt von Brandenburgs-Ministerpräsident Woidke und reiht sich nahtlos an den legendären Spruch von Hartmut Mehdorn „Der BER wird immer fertiger und fertiger“ ein.

Bei dem Herumgeeiere wann der Flughafen fertig wird, wissen wir jetzt nur eines: Die offizielle nächste Verschiebung des Eröffnungstermins ist schon wieder verschoben worden. Irre, nicht wahr. Wie fragten die BBBs schon am 2. März 2015? Haben Sie am 23.11.2017 schon etwas vor? Dann sind 2000 Tage seit der letzten „Nichteröffnung“ vergangen. Es würde mich nicht wundern, wenn der neue Berliner Senat an diesem Tag ein Fest veranstalten würde: „Flughafen-Eröffnungen kann jeder feiern, Flughafen-Nichteröffnungen aber nur wir in Berlin.“ Utopie? Warten wir es ab. Jeder Tag der Nichteröffnung kostet „nur“ 1,3 Mio Euro, da würden die Kosten für eine Party unwesentlich sein.

„Nicht alle werden die Eröffnung des BER noch erleben“, stellte die Süddeutsche Zeitung am 29.12.16 fest. Das ist nicht sehr bösartig, denn der neue BER-Baufortschrittsbericht meldet: Baufortschritt gegenüber letzter Meldung 0,0%. Immerhin kein Minuszeichen davor.

Aber vielleicht gibt es auch ein ganz anderes Problem. Zitieren wir noch einmal Hartmut Mehdorn, der sagte im März 2015: „Der BER ist unterwegs. Er bewegt sich“. Hat schon mal einer nachgesehen, ob der BER überhaupt noch da ist?

In Leipzig beginnt ein Prozess, der seit Jahren überfällig ist
Endlich beginnt in dieser Woche der Prozess gegen drei ehemalige Unister-Manager (alles reine Unschuldslämmer) vor dem Landgericht Leipzig. Schon 2012 hatten DIE Welt („Abzock Imperium Unister“), computerbild (die Tricks des Abzock Imperiums) u.a. vor den Machenschaften von Unister gewarnt. Keine Ahnung wer da in der Vergangenheit gebremst hatte.

Auch die BBBs hatten schon im September 2013 gelästert, als das Branchenfachblatt fvw über einen DRV Präsidenten Thomas Wagner nachdachte: „Da muss wohl Stromausfall in der Redaktion gewesen sein und man hatte nicht gesehen, welcher Name da versehentlich geschrieben war“.

Und das habe ich auch noch in einer BBB vom März 2015 gefunden: „Der DRV freut sich, dass Unister als Mitglied des DRV aufgenommen werden konnte“. Und weiter hieß es in der Pressemeldung: „Zugleich unterstreicht dies den Anspruch des Verbandes, die gesamte Reisebranche mit all ihren Segmenten zu vertreten“. Ist Unister eigentlich noch Mitglied im DRV?

48 Seiten Anklageschrift sollen zu Prozessbeginn verlesen werden, das kann nur eine Kurzfassung der Vorwürfe sein. Einer der Anwälte des Angeklagten Daniel Kirchhof (ex Finanzchef) ist, lt. DIE WELT, übrigens Arndt Hochstädter, der zuletzt einer der Organisatoren des Leipziger Pegida-Ablegers Legida war. Was sich immer Leute zusammenfinden.
Lt. FAZ will die Staatsanwaltschaft auch Reiner Calmund (ex Clown für fluege.de) als Zeuge laden. Ich lache mich kaputt. Der wird wie immer endlos labern und sich entschuldigen mit „ich habe meinen Jungs“ vertraut. Manfred Krug und die Telekom-Aktie lassen grüßen.

Zuletzt, das kann ich mir heute, zu Beginn des neuen Dschungelcamps nicht verkneifen: Warum ist Vural Öger eigentlich nicht im Dschungelcamp dabei? Seine neuere Vita würde doch dazu passen.

In der Zwischenzeit war ich auch an anderer Stelle fleißig und werde es auch künftig sein. Auf dem Luftverkehrs-Nachrichtenportal airliners.de erscheint alle 14 Tage donnerstags (in der Regel um die Mittagszeit) die Kolumne „Die Born-Ansage“. Sie finden diese unter www.airliners.de/thema/die-born-ansage. Dort kann man auch die bisher erschienenen 50 Kolumnen sehr einfach nachlesen. Da ist bestimmt vieles dabei was auch Ihr Interesse finden wird.

Der BBB-Newsletter wird übrigens künftig immer dienstags und nicht montags wie bisher erscheinen.

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Leute, macht mal halblang mit der Aufregung wegen Donald Trump

Das für undenkbar gehaltene ist eingetreten, der nächste US-Präsident heißt Donald Trump. Und unglaublich viele heulen auf und beschwören den Weltuntergang. Als ein B-Schauspieler wie Ronald Reagan Präsident wurde, lachten auch viele, sehr viele. Und rückwärts betrachtet gilt er als ein guter US-Präsident. Als in meiner früheren Heimat Hessen, die Grünen in das Parlament und später in das Kabinett einzogen, malte man den Exodus der heimischen Wirtschaft in den schwärzesten Farben an den politischen Horizont. Es wird eben nicht alles so heiß gegessen, wie es gekocht wird.

Ich gebe gerne zu, wenn es um sexistische und rassistische Sprüche geht, liegt meine Toleranzgrenze bei 0,0. Insofern konnte ich mich im Wahlkampf zu keinem Zeitpunkt für Donald Trump begeistern. Andererseits, ist mir Hillarys Nähe zur Banken- und Rüstungspolitik und ihre Einstellung zu kriegerischen Auseinandersetzungen ebenfalls suspekt. Von verschiedenen Geschichten aus ihrer Zeit als Anwältin ganz zu schweigen. Insofern war die US-Wahl eine Entscheidung für das kleinere Übel. Mit dieser Formulierung „Entscheidung für das kleinere Übel“ sollten wir uns in Deutschland schon mal vertraut machen, wenn wir nächstes Jahr zwischen Merkel und Gabriel wählen „dürfen“.

Aber zurück zu Trump. Mit kleinem zeitlichen Abstand ist mir eine Zahl besonders haften geblieben: über 50 Millionen Amerikaner haben Trump gewählt. Eine gewaltige Zahl (zum Vergleich, bei der letzten Bundestagswahl haben in Deutschland insgesamt nur 44 Mio. Menschen gewählt). Vollkommen falsch ist die gestern querbeet zu lesende Lästerung über die Trump-Wähler (lästern über das Wahlvolk ist grundsätzlich unentschuldbar). Sind 50 Millionen Trump-Wähler sexistisch und rassistisch? Warum haben so viele weibliche Wähler und so viele Wähler mit Migrationshintergrund „trotzdem“ Trump gewählt? Weil etwas anderes sie stärker belastet hat (kennen wir bei mehreren Verletzungen, neben der schwersten spüren wir die anderen weniger). Es war die schlechte, als hoffnungslos empfundene wirtschaftliche Situation, das Gefühl von den Regierenden vergessen worden zu sein. Es geht uns besser denn je (Merkel und Obama), ist leider nicht hilfreich, wenn die Kluft zwischen Arm und Reich immer weiter auseinanderfällt. Rechts in 80 Grad heißem Wasser und links in Eiswasser stehen, macht die eigentlich angenehme Durchschnittstemperatur wertlos. Und bei den Erfolgszahlen einer Arbeitslosenstatistik, aus der immer mehr statistisch herausgerechnet wird, und der eine Beschäftigungsstatistik gegenübersteht, in der auch der kleinste Job mit einer unsittlichen Bezahlung eingerechnet wird, frage ich mich, wieviel Sand uns noch in die Augen gestreut werden soll (auch hier eine Parallele USA und Deutschland).

Gestern musste ich auch an den legendären Fußballtrainer Trapattoni denken. „Was erlauben Merkel, Steinmeier und EU-Schulz“? Merkel, Steinmeier und Schulz geben Trump, wegen seiner Wahlkampfsprüche, öffentlich Ratschläge wie er Demokratie umzusetzen hat. Legen wir doch mal die Reden von Merkel, Steinmeier und Schulz daneben, was sie über Erdogan sagen, über jemanden den man nicht an seinen Sprüchen, sondern sogar an seinen Taten messen kann (Rücksicht auf Asylpolitik und Tourismus können nicht länger als Entschuldigung herhalten). EU-Werte an Trump vermitteln? Geht`s noch? Man kann nur hoffen, dass er es nicht ernst nimmt und sich an Besserem orientiert.

Man sollte lieber mal nachdenken und das US-Wahlverhalten als Blaupause für die BTW 2017 sehen. Liegt der amerikanische mittlere Westen nicht auch in Teilen Ostdeutschland und in einigen Regionen Westdeutschlands, insbesondere in NRW?

Die Absicht „rechts zu bekämpfen“ wird nicht durch schärfere Asylgesetze erreicht werden, egal ob diese Änderungen teilweise berechtigt sind oder nicht. Das „rechte Segment“ als Nazi und Rechtspopulisten zu beschimpfen, bewirkt genauso wenig. Die sich abgehängt fühlenden, holt man nur durch eine bessere Politik genau für dieses Klientel zurück. Da wären Investitionen in „Menschen und Infrastruktur“ notwendig, auch wenn diese sich im ersten Moment wirtschaftlich nicht rechnen. Das müsste sich in erster Linie unser Kabinetts-Gollum Schäuble („mein Schatz, mein Schatz, die schwarze Null“) zu Herzen nehmen. Unserer nächsten Generation keine Schulden zu hinterlassen ist doch wertlos, wenn sie Jahre (Jahrzehnte) brauchen werden, um die marode Infrastruktur zu reparieren. Und was wir zur Zeit an Bildungschancen verpassen/zerstören (irgendwo zwischen dumm, fahrlässig und vorsätzlich), wird sogar Generationen dauern um es zu beheben.

Also, jetzt haben wir uns genügend aufgeregt, die einen gestern und ich heute. Was mich betrifft, wäre ich so gerne optimistisch für 2017, allein, sorry, mir fehlt im Moment der Glaube.

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Gesucht wird ein „touristisches Wallonien“

Da hat der DRV eine prima Referentenliste für seine Jahrestagung zusammengestellt. Es fehlt allerdings noch eine Kosmetikberaterin, die die so gepriesenen Änderungen an den EU-Pauschalreiserichtlinien schön schminkt. Der richtige Zeitpunkt wäre nach der Rede von Staatssekretär Gerd Billen (Bundesjustizministerium). Dieser sympathische Staatssekretär weiß genau, dass die angesprochenen Änderungen nur ein klein wenig an der Oberfläche kratzen und nur etwas Kosmetik bedeuten. Warum dann dafür nicht gleich einen Profi hinzuziehen?

An EU-Beschlüssen lässt sich national nur wenig bis hin zu gar nichts ändern. Siehe hierzu auch die Verhandlungen zu CETA (und TTIP). Menschenskind, war das Arbeit für Sandmann Sigmar Gabriel, bis er überall etwas Sand in die Augen gestreut hatte, damit alle besser schlafen können. Und dann kommt Wallonien, lässt sich auf keine Kosmetikänderungen ein, sondern sagt ganz einfach NEIN. Wow! Auf einmal wird EU und Kanada aufgehalten. Asterix wie in seinen besten Zeiten.

Unabhängig wie diese fast zu schöne EU-Geschichte ausgehen wird. Wie hoch evtl. der Preis für die Zustimmung von Wallonien sein wird oder welche Pseudo-Öffnungsklausel jetzt noch eingebaut wird. Es funktioniert offensichtlich nur „alles oder nichts“.

Was daraus ist die Erkenntnis für unsere EU-Pauschalreiserichtlinie? Den „Lauf der Europäischen Union“ hält man entweder schon vor der Gesetzgebung auf, hat die Bundesregierung vorsätzlich nicht gemacht, oder man lernt mit „krummen Gurken“ zu leben. Oder aber, man sucht noch irgendeinen klitzekleinen juristischen Haken, um die ganze Sache in Brüssel platzen zu lassen. Das soll heißen, alle Energien auf ein touristisches (juristisches) Wallonien dransetzen.

Wenn man bei Merkels-Rede auf dem BTW-Gipfel im September genau zugehört hat, konnte man schon da folgendes daraus entnehmen.
Merkels –nicht gespielte- Überraschung, dass es 10.000 Reisebüros in Deutschland geben soll („war neu für mich“, wie seinerseits das Internet). Aber dann kam dieser Satz, „wir müssen abwägen (Handbewegung wie Frau Justitia), die Interessen ihrer Branche gegenüber dem Verbraucherschutz“. Und weiter „wir wollen uns nicht mit der gesamten Reisebranche anlegen, aber wir dürfen uns auch nicht mit den Kunden anlegen“. Aber das ist nicht die gefragte Alternative. Dieser Satz würde besser auf die Automobil- oder Bankenbranche zutreffen. In unserer Branche wurde hinter den Kulissen ein ganz anderes Spiel gespielt. Dass heute irgendein Verbraucherschützer, Name habe ich mir schon gar nicht gemerkt, nochmal auf das Verbraucherthema aufspringt, geschenkt.

Wenn wir schon beim BTW sind. Frau Merkel hatte in ihrer Rede auch das Thema Gewerbesteuerzurechnung erwähnt. Das aber ganz kurz: „Wir warten mal das Oberste Finanzgericht ab“. Auch hier der falsche Ansatz. Das bringt nur Zeit, aber nicht näher an die Lösung. Hilfreich ist nur eine Klarstellung durch den Gesetzgeber.

Viel Arbeit, aber bitte nicht durch die Kosmetikindustrie erledigen.

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TUIfly: Massen-Krankmeldungen sind eine skandalös falsche Antwort. Ein Appell an die Vernunft.

Der seit Jahren dauernde schleichende Abstieg der einst stolzen Hapag-Lloyd Flug über HLX, hapagfly, TUIfly bis heute ist sicherlich mehr das Resultat schlechter Managementleistung als schlechter Arbeitsleistung. Aktuell war die Art und Weise der geplanten Zusammenarbeit für TUIfly mit Etihad Airways in einer neuen Holding kommunikativ sehr unterproportional.

Dass die TUIfly Kollegen verunsichert und verärgert sind, ist nachvollziehbar. Aber kurzfristige massive Krankmeldungen sind skandalös falsch. Es ist weder als „gleiches mit Gleichem zu vergelten“, noch ist es inhaltlich hilfreich, sondern im Gegenteil.

1. Dass diese plötzliche Massenerkrankung nicht von einer überraschenden Epidemie verursacht wurde, liegt auf der Hand. Sonst müsste ja das Gesundheitsamt einschreiten. Also liegt wohl eine massenhafte psychische Erkrankung vor, die „gegen das Management eingesetzt werden soll“. In den Medien wird ein Pilot zitiert mit, „das Management soll sich überlegen, ob es verantworten kann, dass Piloten, die Angst um Ihre Zukunft haben, ihre Fluggäste fliegen“. Heute wird in der Hannoverschen Zeitung eine sogar namentlich genannte Flugbegleiterin mit dem Satz zitiert: „Ich würde mich nicht in ein Flugzeug setzen, in dem das Personal so verunsichert ist“.
Geht´s noch? Diese Äußerungen können doch nicht zu Ende gedacht sein. Wenn das Mehrheitsmeinung bei Piloten und Flugbegleiter sein sollte (was angesichts der hohen Flugausfallquote anzunehmen ist), wäre das eine noch nie dagewesen Erklärung, dass Fliegen mit TUIfly zur Zeit unsicher ist. Demzufolge müsste sofort das Luftfahrtbundesamt (LBA) einschreiten und den Flugbetrieb von TUIfly stilllegen. Ein kleiner Blick über die persönliche Betroffenheit hinaus ist hier dringend geboten. Oder soll langfristig ein Einschreiten des LBAs sogar provoziert werden? Dann wirklich gute Nacht TUIfly.

2. Streik ist natürlich ein vollkommen legales Mittel im Arbeitskampf. Ich bin sogar der Meinung, dass in Deutschland eher zu wenig als zu viel gestreikt wird. Aber wann gestreikt werden darf ist gesetzlich geregelt. Dieser Streik durch Krankmeldung ist illegal. Ob abgesprochen oder nicht ist unwesentlich, es genügt schon das konkludente Verhalten („stillschweigende Abstimmung durch gleiches Verhalten“).

3.Aber es bringt auch inhaltlich nichts. Warnstreiks sind immer kurz, sie sollen ja nur warnen. Aber diese Fundamentalaktion gefährdet im Ergebnis die Firma als solche. „Weil mir jemand etwas Böses tut, verletze ich mich selbst noch stärker um darauf aufmerksam zu machen“ hat schon fast borderline Charakter. Wofür streike ich dann überhaupt? Es gilt Druck zu machen, dass man allerspätestens jetzt vom Management stärker in die Gestaltung der Zukunft einbezogen wird. Das würde aber Beendigung der Krankmeldungen voraussetzen, sonst gibt es nichts mehr zu gestalten. Die Mitarbeiter von TUI Deutschland haben es mit ihrem „schwarzen Auftritt“ zum Thema Ausgliederung doch vorgemacht, dass man auch so etwas bewirken kann. Immerhin befasst sich der Aufsichtsrat nochmal mit dem Thema und es soll auch ein Kompromissvorschlag auf dem Tisch liegen.

4. Noch ein Wort zum Lease-Vertrag mit Air Berlin. Die TUI-Altvorderen hatten hier einen Vertrag geschlossen, der in den letzten Jahren wesentlich zum Auskommen für TUIfly gesorgt. Gleichzeitig war er zunehmend eine Belastung und hat wesentlich zur schlechten wirtschaftlichen Situation bei Air Berlin beigetragen. Oft habe ich in Gesprächen in Hannover diese klammheimliche Freude gegen Air Berlin gespürt, auch bei TUIfly. Logisch, dass Etihad als großer AB-Eigentümer dringend eine Lösung suchte, bevor dieser Vertrag das Ende für AB bedeutet (wenn ich bei AB in Verantwortung gewesen wäre, hätte ich schon früher diese Karte gezogen). Letzteres wäre auch eine Katastrophe für TUIfly, weil es dafür im weltweiten Markt keinen Ersatz gegeben hätte. Das jetzige Konstrukt erscheint mir angesichts dieser Problematik für beide Seiten zumindest ein Weg für einen Kompromiss zu sein. Dafür muss man argumentativ kämpfen und nicht blockieren. Bemerkenswert wie Air Berlin mit Hilfe von Etihad-Partnerairlines versucht die Fehlleistungen von TUIfly zu mindern. So schlecht scheint der Etihad-Verbund nicht zu funktionieren.

5. Mit der jetzigen Vorgehensweise ist TUIfly allein im Kampf um eine berechenbare Zukunft. Zur Lösung solch gravierender Probleme braucht man aber Verbündete. Die Mitarbeiter in den Operations-Zentralen, am Flughafen, in den Reisebüros arbeiten sich krumm, um den Schaden der durch zumindest Teile des fliegenden Personals verursacht wird zu mindern. Vor allem aber die Fluggäste werden nachhaltig verärgert, dieser Imageschaden wird auf längere Zukunft verheerend sein. Es ist unglaublich, wie hier ein Kollateralschaden hingenommen wird, der auch nur das geringste Pflichtbewusstsein vermissen lässt. Egal kann das nur jemand sein, der darauf hinaus ist, dass es „kein weiter“ geben soll.

Es ist mehr als höchste Zeit, dass die Weitsichtigen aus dem Lager des fliegenden Personals die Kurzsichtigen überzeugen. Hardliner sind dabei eine ganze Firma zu zerstören, das ist wohl einmalig in Deutschland. Aber da hat niemand etwas davon, auch nicht die Familien des fliegenden Personals.

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BTW-Gipfel, die Kanzlerin und die 750. Folge der Bissigen Bemerkungen

Als Highlight des BTW-Gipfels wurde die Rede der Bundeskanzlerin angekündigt. Ich hatte von dieser Rede nichts erwartet und diese (Nicht-) Erwartung wurde auch voll erfüllt. So kann man auch mit einer Rede von Angela Merkel zufrieden sein.

Schon am Vorabend des Kongresses hatte die Bundeskanzlerin die deutschen Touristen zu Reisen in arabische Länder aufgefordert, „um sich mit den Zusammenhängen Europa und arabischer Raum zu beschäftigen und immer wieder neue Erkenntnisse zu gewinnen“. Des könne auch zur gegenseitigen Verständigung hierzulande beitragen.

Frau Merkel, da sind Sie mal wieder ein paar Jahre zurück. Schon vor ca. 10 Jahren boomten Reisen in arabische Länder, weil der deutsche Tourist, gefördert durch die Angebote der Reiseveranstalter, neben den Bademöglichkeiten auch die Vielfalt der kulturellen Angebote schätzte. Wenn aktuell dramatisch weniger Touristen dahin reisen (insbesondere in den Nahen Osten), liegt das nicht an mangelndem Interesse an diesen Zielen, sondern einzig und allein an der unsicheren Sicherheitslage. Wenn Frau Merkel in ihrer Rede dann noch aufforderte vor Reisen in arabische Länder die Sicherheitshinweise des Auswärtigen Amtes zu lesen, hat sie genau diese Bedenken auch noch verstärkt. Hätte sie beispielsweise Reisen nach Spanien angesprochen, wäre dieser Hinweis garantiert nicht gekommen.

Noch gravierender ist der Irrtum der Bundeskanzlerin, wenn sie meint, diese Reisen würden zur gegenseitigen Verständigung „hierzulande“ beitragen. Wirklich über Jahrzehnte hinweg haben Reiseveranstalter und auch Medien den deutschen Urlauber zum einen „erzogen wie er sich im Ausland zu benehmen hat“ und zum anderen ihn auch „zum kulturellen Austausch ermuntert“ und das mit großem Erfolg. Wobei Austausch mit den Einheimischen immer sehr „kleinteilig“ zu sehen ist. Das Gespräch mit dem „organisiert“ angebotenen Nomaden oder dem Imam in der nächstgelegenen Moschee ersetzt noch nicht einen gesamthaften Überblick.

Aber einen gewissen Rückschlag in diesen bislang erfolgreichen Bemühungen erleben wir allerdings ausgerechnet in unserem Land. Hat der Tourist verstanden, dass man sich im Ausland mit den dortigen Gepflogenheiten vertraut machen soll und diese auch zu respektieren hat, wird jetzt umgekehrt, ziemlich undifferenziert, die „umgekehrte Bedeutung der Gastfreundschaft“ gepredigt, wie stark wir jetzt hier bei uns auf die Gepflogenheiten unserer Gäste Rücksicht nehmen sollen. Auf diesen Konflikt hatten wir in den Bissigen Bemerkungen schon letztes Jahr hingewiesen.

Also Frau Merkel: Ich bin auch sehr für Reisen in arabische Länder, aber als Selbstzweck. Soll heißen, um dort Land und Leute zur Erweiterung des eigenen Horizontes kennenzulernen und nicht als Schnellkurs für besseres Verständnis des Islams hier in der Bundesrepublik.

Übrigens Frau Bundeskanzlerin, wann sind Sie zuletzt privat oder dienstlich in arabische Länder gereist? Ihren Urlaub verbringen Sie sehr konservativ ausschließlich in der Schweiz, in Südtirol oder in Italien. Aber ich kann mich auch kaum daran erinnern, wie oft und wann zuletzt, Sie politisch in ein arabisches Land gereist sind (Türkei nicht eingerechnet). Irgendwie habe ich den Eindruck, dass Sie solche Reisen gerne delegieren.

Auf Merkels Überraschung, dass es 10.000 Reisebüros in Deutschland gibt, ihren Irrtum das Thema EU-Pauschalreiserichtlinie sei ein Konflikt zwischen Branche und Verbraucher und ihre Aufforderung an den „Entwicklungshelfer Tourismus“ komme ich aus Platzgründen in den nächsten Bissigen Bemerkungen zurück. Immerhin, das sei positiv vermerkt, hatte sie alle Branchenthemen auf ihrer Agenda.
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Diese Bissigen Bemerkungen sind Folge 750. Ich war selbst überrascht, als ich diese Zahl festgestellt hatte und habe gleich vor Schreck eine längere Sommerpause eingelegt. Aber jetzt geht es wieder los. Auch hierzu in der nächsten Ausgabe mehr.
Bei dieser Gelegenheit darf ich nochmals auf meine andere Kolumne im Branchenportal „airliners.de“ hinweisen. Sie finden diese 14tägig, immer donnerstags, unter http://www.airliners.de/thema/die-born-ansage.

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Rennschnecke DRV

Sie haben es getan. Der Deutsche ReiseVerband (DRV) hat seine Jahrestagung in der Türkei abgesagt. Die BBBs haben schon vor fünf Wochen diese Absage gefordert (siehe BBB vom 25.7. „Der Deutsche Reiseverband sollte seine Jahrestagung in der Türkei absagen – und zwar sofort“), jetzt endlich hat sich der Verband dazu durchgerungen. Und er hat sich unerklärlicherweise schwer damit getan. Noch vor einer Woche antwortet der DRV auf eine Anfrage des Branchenblattes touristik aktuell mit Sätzen, deren Heißluftpotenzial auch einem Minister de Maiziere oder Minister Steinmeier zur Ehre gereicht hätte: „Wir bitten noch um etwas Geduld“, „Man beobachte alle Entwicklungen sorgfältig, einschließlich der möglichen Auswirkungen und gegebenenfalls der erforderlichen Maßnahmen“ bis hin zur absoluten sprachlichen Krönung „Angesichts der Komplexität der Entscheidung und der vielfältigen Aspekte….“. Bla, bla, bla – die Chance ein Zeichen zu setzen hat der DRV vertan. Seine Mitglieder haben ihm die Gefolgschaft verweigert. Nachdem sich nur ca. 1/3 der üblichen Teilnehmer angemeldet hatten, war selbst diese Zahl seit Wochen stark rückläufig. Der DRV lief Gefahr in Kusadasi quantitativ nur noch eine erweiterte Vorstandssitzung abzuhalten. Reaktion statt Aktion.

Spätestens als Mitte August die Meldung „Türkei lockert Verbot von Sex mit Kindern“ durch die Medien tickerte (immerhin eine Entscheidung des türkischen Verfassungsgerichtes, also höchstrichterlich) wartete ich stündlich auf eine Reaktion des DRV. Schon 2011 hatte der DRV einen Verhaltenskodex zum Kinderschutz unterschrieben, der vom BTW 2005, im Beisein von Königin Silvia, nochmal medienwirksam bekräftigt wurde. Gerade weil von türkischer Seite der (eigentlich unzweifelhafte) Gehalt dieser Entscheidung sofort in Frage gestellt wurde, hätte man zumindest eine Stellungnahme des DRV in der aktuellen Einschätzung der Entwicklung der Türkei erwartet. Stattdessen ist der DRV abgetaucht.

Auch ansonsten gibt es kein Kommentar des Reiseverbandes zur problematischen Entwicklung in der Türkei.

Der „Cirque du Soleil“ hatte schon vorher seinen für nächsten Monat geplanten mehrwöchigen Auftritt in der Türkei abgesagt. Da hätte man doch locker unter der Überschrift „Zirkus in der Türkei abgesagt“ mitsegeln können.

Parallel dazu waren Reaktionen aus der deutschen Wirtschaft eindeutiger. Die „Deutsche Messe AG“ beispielsweise sagte ihren türkischen Messeableger „Cebit Bilsim Eurasia“, mit über 1.000 internationalen Firmen eine der wichtigsten Messen in Eurasien, die Anfang Oktober in Istanbul stattfinden sollte, ab. Sie soll zu einem späteren Zeitpunkt nachgeholt werden.

Nun soll die DRV-Jahrestagung zum gleichen Zeitpunkt in Berlin stattfinden. Da Vorstandswahlen anstehen, kann nur eine ausreichende Beteiligung an einer solchen Tagung eine Legitimation des zu wählenden Vorstandes garantieren.

Auch die so drängende Frage „Neue EU-Pauschalreiserichtlinie“ wird dann wahrscheinlich der zentrale Punkt der Diskussion sein. Auch hier hat sich der Verband nicht mit Ruhm bekleckert. Ein großes Aufschreien jetzt, nachdem der Entwurf vorliegt, wird erfahrungsgemäß nicht mehr viel bewirken. Es ist eine Binsenweisheit, dass erfolgreiche Lobbyarbeit zu einem Zeitpunkt wirken muss, bevor ein erster Entwurf vorgelegt wird. Sicherlich hat der DRV mit genügend Menschen in der Politik gesprochen, leider nicht mit den richtigen „Entscheidern“. Nachdem bekannt wurde, dass im Unterschied zu Deutschland, ändere Länder wie z.B. Niederlande und Österreich, die fragwürdige Brüsseler Novelle ablehnten, muss man sich noch mehr ärgern. Ich frage mich, wer hat Deutschland zur Zustimmung beeinflusst?

Diese unsinnige Gesetzesänderung trifft in erster Linie die deutschen Reisebüros. Entgegen aller Unkenrufe haben sie sich in den letzten Jahrzehnten immer wieder erneuert und dadurch überlebt. Was das Internet bislang noch nicht geschafft hat, besorgt jetzt die Bundesregierung. Ein Drama. Als Verbandsverantwortliche eines Verbandes, in deren Ägide diese Entscheidung fällt, würde ich mich da richtig schlecht fühlen.

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