Person | Interviews | Vorträge | Veröffentlichungen | Kontakt

Unglaublich unschuldig (Unister, DRV)

Aktuell läuft gerade im Unister-Prozess in Leipzig ein unwürdiges Schauspiel von „unglaublich unschuldig“. Es war schon mehr als unfassbar, dass die Leipziger Justiz seit Jahren, trotz heftiger Vorwürfe gegen Unister wegen unsauberer Geschäftspraktiken (in der Anlageschrift jetzt u.a. als Betrug und Steuerhinterziehung bezeichnet), nicht richtig aktiv wurde. Und so konnten die „handelnden“ Personen über Jahre hinweg ungehindert weiter „handeln“. Vor Gericht präsentieren sich jetzt die drei Angeklagten als „reine unwissende Unschuldslämmer“. Schuld an den Verfehlungen und der einzige der nur Bescheid wusste, sei einzig und allein Unister Ex-Chef Thomas Wagner gewesen, der aber bekanntermaßen leider bei einem Flugzeugabsturz ums Leben kam.

Den Vogel schießt dabei Ex-Finanzchef Daniel Kirchhof ab. Obwohl er zwölf Jahre ein Büro mit Thomas Wagner teilte, habe er nichts mitbekommen. Er habe auch nie eine Steuererklärung für Unister verfasst oder eingereicht. Der Mann muss bei Betreten des Büros wohl vorübergehend immer blind und taub geworden sein. Der Vorwurf, man habe durch „Runterbuchen“ Flugkunden um mindestens 7,6 Millionen Euro betrogen konterte er, dass man nur eine „nachträgliche Optimierung des Einkaufspreises“ vorgenommen hätte. Die Benachrichtigung der Kunden über dieses Vorgehen, sei auch nicht notwendig gewesen, meinte sein Anwalt Hohnstädter, den wir vom Pegida-Ableger Legida her kennen. Ähnlich äußerten sich auch die anderen Unschuldslämmer, z.B. Thomas Gudel, immerhin lange Zeit Leiter des Rechnungswesens. Man kann ja auch nicht alles wissen, was man so das Jahr über bucht.
Fortsetzung demnächst in einer Soap, ausgestrahlt im MDR-TV.

Keine Ahnung wie ich jetzt von Unister zum Deutschen Reiseverband (DRV) komme. Hier geht es natürlich nicht um kriminelle Handlungen, aber auch um „unglaublich unschuldig sein“. Es sind sich zwar alle einig, dass es hinsichtlich Änderungen an dem in Brüssel vermurksten und in Berlin verschlafenen Machwerk Pauschalreiserichtlinie „fünf vor Zwölf“ sei, aber hoffentlich geht die Uhr nicht nach.

Jetzt hat der Bundestagsabgeordnete Klaus Brähmig, Mitglied im Tourismusausschuss, dem Deutschen Reiseverband gravierende Versäumnisse zum Zeitpunkt der Einbringung des Entwurfs ins EU-Parlament vorgeworfen. Die Bissigen Bemerkungen haben zwar nicht den heftigen Streit vergessen, den sie vor fast 5 Jahren mit ihm hatten, aber diesmal liegt Brähmig genau richtig (kann man dann auch mal sagen).

Als Antwort auf Brähmig schreibt der DRV jetzt, man habe u.a. 40 persönliche Gespräche mit Abgeordneten des europäischen Parlaments geführt, 14 persönliche Gespräche mit Beamten der Bundesregierung und Ratspräsidentschaft, 26 persönliche Gespräche mit Abgeordneten des Bundestags usw. usw.
Sorry, da habt ihr leider offensichtlich mit den Falschen gesprochen, nicht mit den echten Entscheidern. Ein guter Lobbyist würde nie die Anzahl seiner Gespräche aufzählen, sondern nur das Ergebnis seiner Arbeit. Für 100x aufs Tor geschossen, aber der Ball nie im Tor, gibt es nun mal keine Punkte. Da kann die plötzliche Hyper-Aktivität (bei gleichzeitigem Abwatschen der Aktivitäten anderer Verbände) auch nichts mehr bewirken. Der Papst des Reiserechts, Prof. Ernst Führich, hat hierzu einen Klassiker zitiert: „Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben“. Meine Oma hätte gesagt, „vorne gut gerührt, brennt hinten nicht an“. Der DRV hat wohl vorne im falschen Topf gerührt.

Ihr Feedback, Ihre Anregungen, Ihre Meinung ist gern gesehen. (hier klicken)

Freitag der Dreizehnte: Das Comeback der Bissigen Bemerkungen

Hallo, da sind wir wieder. Eigentlich war Mitte November nur eine zweiwöchige „schöpferische“ Pause geplant, leider sind daraus neun Wochen geworden. Und ehrlich gesagt, ließ die Regelmäßigkeit seit August ohnehin schon zu wünschen übrig. Gute Vorsätze 2017? U. a. wieder „regelmäßige“ Bissige Bemerkungen!

Aus der Vielzahl von Themen, die in der Zwischenzeit „ungebissen“ geblieben sind, haben wir uns zwei ausgesucht.
1. „Wir sind fertig mit dem Ding, wenn wir mit dem Ding fertig sind“.
2. In Leipzig beginnt ein Prozess, der seit Jahren überfällig ist.
Zu guter Letzt kann ich mir nicht verkneifen darauf hinzuweisen, wen ich im Dschungelcamp vermisse.

„Wir sind fertig mit dem Ding, wenn wir mit dem Ding fertig sind“
Dieser sehr inhaltsschwere Beitrag stammt von Brandenburgs-Ministerpräsident Woidke und reiht sich nahtlos an den legendären Spruch von Hartmut Mehdorn „Der BER wird immer fertiger und fertiger“ ein.

Bei dem Herumgeeiere wann der Flughafen fertig wird, wissen wir jetzt nur eines: Die offizielle nächste Verschiebung des Eröffnungstermins ist schon wieder verschoben worden. Irre, nicht wahr. Wie fragten die BBBs schon am 2. März 2015? Haben Sie am 23.11.2017 schon etwas vor? Dann sind 2000 Tage seit der letzten „Nichteröffnung“ vergangen. Es würde mich nicht wundern, wenn der neue Berliner Senat an diesem Tag ein Fest veranstalten würde: „Flughafen-Eröffnungen kann jeder feiern, Flughafen-Nichteröffnungen aber nur wir in Berlin.“ Utopie? Warten wir es ab. Jeder Tag der Nichteröffnung kostet „nur“ 1,3 Mio Euro, da würden die Kosten für eine Party unwesentlich sein.

„Nicht alle werden die Eröffnung des BER noch erleben“, stellte die Süddeutsche Zeitung am 29.12.16 fest. Das ist nicht sehr bösartig, denn der neue BER-Baufortschrittsbericht meldet: Baufortschritt gegenüber letzter Meldung 0,0%. Immerhin kein Minuszeichen davor.

Aber vielleicht gibt es auch ein ganz anderes Problem. Zitieren wir noch einmal Hartmut Mehdorn, der sagte im März 2015: „Der BER ist unterwegs. Er bewegt sich“. Hat schon mal einer nachgesehen, ob der BER überhaupt noch da ist?

In Leipzig beginnt ein Prozess, der seit Jahren überfällig ist
Endlich beginnt in dieser Woche der Prozess gegen drei ehemalige Unister-Manager (alles reine Unschuldslämmer) vor dem Landgericht Leipzig. Schon 2012 hatten DIE Welt („Abzock Imperium Unister“), computerbild (die Tricks des Abzock Imperiums) u.a. vor den Machenschaften von Unister gewarnt. Keine Ahnung wer da in der Vergangenheit gebremst hatte.

Auch die BBBs hatten schon im September 2013 gelästert, als das Branchenfachblatt fvw über einen DRV Präsidenten Thomas Wagner nachdachte: „Da muss wohl Stromausfall in der Redaktion gewesen sein und man hatte nicht gesehen, welcher Name da versehentlich geschrieben war“.

Und das habe ich auch noch in einer BBB vom März 2015 gefunden: „Der DRV freut sich, dass Unister als Mitglied des DRV aufgenommen werden konnte“. Und weiter hieß es in der Pressemeldung: „Zugleich unterstreicht dies den Anspruch des Verbandes, die gesamte Reisebranche mit all ihren Segmenten zu vertreten“. Ist Unister eigentlich noch Mitglied im DRV?

48 Seiten Anklageschrift sollen zu Prozessbeginn verlesen werden, das kann nur eine Kurzfassung der Vorwürfe sein. Einer der Anwälte des Angeklagten Daniel Kirchhof (ex Finanzchef) ist, lt. DIE WELT, übrigens Arndt Hochstädter, der zuletzt einer der Organisatoren des Leipziger Pegida-Ablegers Legida war. Was sich immer Leute zusammenfinden.
Lt. FAZ will die Staatsanwaltschaft auch Reiner Calmund (ex Clown für fluege.de) als Zeuge laden. Ich lache mich kaputt. Der wird wie immer endlos labern und sich entschuldigen mit „ich habe meinen Jungs“ vertraut. Manfred Krug und die Telekom-Aktie lassen grüßen.

Zuletzt, das kann ich mir heute, zu Beginn des neuen Dschungelcamps nicht verkneifen: Warum ist Vural Öger eigentlich nicht im Dschungelcamp dabei? Seine neuere Vita würde doch dazu passen.

In der Zwischenzeit war ich auch an anderer Stelle fleißig und werde es auch künftig sein. Auf dem Luftverkehrs-Nachrichtenportal airliners.de erscheint alle 14 Tage donnerstags (in der Regel um die Mittagszeit) die Kolumne „Die Born-Ansage“. Sie finden diese unter www.airliners.de/thema/die-born-ansage. Dort kann man auch die bisher erschienenen 50 Kolumnen sehr einfach nachlesen. Da ist bestimmt vieles dabei was auch Ihr Interesse finden wird.

Der BBB-Newsletter wird übrigens künftig immer dienstags und nicht montags wie bisher erscheinen.

Ihr Feedback, Ihre Anregungen, Ihre Meinung ist gern gesehen. (hier klicken)

Was erlauben „fluege.de“? (frei nach Trapattoni)

Vor kurzem bin ich durch Weiterleitung auf die Webseite von fluege.de gekommen.

Da finde ich doch zwei Berichte über Air Berlin, zum einen „Air Berlin, weiter flügellahm – droht die Pleite“ und zum anderen „Ist Air Berlin ein Fall für die Intensivstation“. Ausgerechnet fluege.de haut eine andere Firma in die Pfanne, während das eigene Weiterleben nun wirklich nur an einem seidenen Faden hängt, wenn man die Vielzahl der Punkte sieht, die Unister und und/oder Tochtergesellschaften wie fluege.de vorgeworfen wird: Geldgutscheine auf deren fristgerechte Auszahlung Kunden oft vergeblich warten, Flugtickets an denen mehr als nur Provision verdient wird, Stornoversicherungen die angeblich ohne Versicherungssteuer im Netz verkauft werden.

Es ist nur noch schwer zu verstehen, warum es seit Monaten nicht zur Anklage gegen Unister bzw Unister-Tochtergesellschaften gekommen ist. „Böse Zungen“ meinen es läge am Standort Leipzig. Auf jeden Fall liegt es zum großen Teil auch daran, dass unklar ist, welche Tatbestände in einer Anklage zusammengeführt werden können. Jetzt will die Staatsanwaltschaft die Anklagen wegen Steuerhinterziehung, unerlaubtem Betreiben von Versicherungsgeschäften sowie Computerbetrug zusammenführen, was wiederum zu zeitlichen Verzögerungen führen wird. Dabei ist noch offen, ob eventuell noch andere Punkte dazukommen (siehe z.B. wegen „Runterbuchens“).

Zumindest unklar, vorsichtig ausgedrückt (um einer Unister-Anzeige vorzubeugen), ist auch die wirtschaftliche Situation. Entsprechende Meldungen, die nicht minder dramatisch waren, als jene zitierten von Air Berlin, lassen jedenfalls nichts Gutes hoffen. Deshalb lässt der Einstieg externer Geldgeber auch weiterhin auf sich warten.

Bei so einer eigenen Vita, andere Unternehmen auf der eigenen Webseite in die Pfanne zu hauen, „ist schon ein starkes Stück“. Aber wie heißt es so schön, wenn man mit dem Finger auf andere zeigt, zeigen auch mindestens drei auf einen selbst zurück. Wobei, siehe oben, drei sogar stark untertrieben sind.

Wer immer sich kritisch über Unister äußert, kann sehr schnell ein Anwaltsschreiben bekommen. Da legt die Firma ein Tempo vor, das manche Kunde bei Bearbeitung von Reklamationen vermissen. Vor kurzem war man mal wieder über den MDR sauer. Damit sich angebliche Falschaussagen nicht wiederholen, beschloss man bei Unister eigene Recherchen über die Urlaubs-Trends 2016 zu veröffentlichen. Dort kann man nun lesen, am „Mittelmeer locken Bulgarien und Zypern“ (Zitat lt. Handelsblatt).

Damit haben wir nun zumindest eine positive Erkenntnis über Unister: die sind nicht (immer) bösartig, die wissen es (oft) nicht besser.

Ihr Feedback, Ihre Anregungen, Ihre Meinung ist gern gesehen. (hier klicken)

Umfragen sind BBBs Liebling

Über Umfrageergebnisse haben sich die BBBs schon öfters ausgelassen. Zumeist sind es irgendwelche Online-Plattformen, die durch nichtssagende Umfragen versuchen in die Medien zu kommen. Damit landen diese dann auch auf dem BBB-Schreibtisch.

„Keyfacts Onlineforschung“ (noch nie gehört), in Leipzig zuhause (wollen wir lieber nicht nachforschen wo genau), will bei einer „repräsentativen Erhebung (?)“ festgestellt haben, dass das größte Übel auf Reisen die eigene Urlaubsbegleitung sei. „56% aller Deutschen“ (die BBBs lieben solche Formulierungen, sie haben so etwas Staatstragendes) ärgern sich demnach am meisten über ihre Reisepartner.
Liebe Reisebüros, da macht Ihr Euch solche Mühe bei der Beratung über das richtige Reiseziel, das passende Hotel und sucht günstige Reisepreise heraus, aber das Wesentliche checkt Ihr nicht. Künftig muss auch Reisepartner-Beratung zu Eurem Job zählen.

Leider können die BBBs nicht aus ihrer Haut. Keyfacts Onlineforschung, in Leipzig zuhause (?), da riskieren wir doch einen Blick auf deren Homepage und sehen mal nach, für wen die noch so arbeiten. Und siehe da, in der Pressemeldung über „Diebstahl in Hotelzimmern“ finden wir gleich zwei Kunden von Keyfacts: travel24.com und ab-in-den-Urlaub.de. Dachten wir es uns doch gleich, Hauptsache in die Presse kommen, egal wie.

Sind wir jetzt schon über diese Pressemeldung gestolpert, riskieren wir auch gleich einen Blick hinein. Neben der Aufzählung was alles gestohlen wird, fallen zwei „Feststellungen“ ins Auge. Zum einen stellt Keyfacts fest, „je höher der Bildungsgrad, desto mehr wird geklaut“, mehr als die Hälfte der geständigen Hoteldiebe gaben an, sie hätten Hochschulreife. Zum anderen wird festgestellt: „Je höher das Einkommen, desto geringer ist die Diebstahlquote in den Hotels.
Ergo (das ist jetzt die BBB-Feststellung), es sind die verarmten Akademiker, die so ihren Lebensunterhalt etwas anheben wollen.

Was haben wir noch gefunden. Travelzoo (Internet-Reiseportal natürlich) hat gefragt, was Urlauber machen würde, um „umsonst in den Urlaub fliegen zu können“. Fast die Hälfte würde sich dann gerne um Senioren kümmern. Demoskopisch gesehen, heißt das wohl „um sich selbst kümmern“. Und 20% würden sich dafür um Aufräumen und Putzen des Flugzeugs kümmern.
An dieser Stelle: Kleiner Lachkrampf der BBBs.

Und diese Erkenntnis muss auch noch sein. Das Finnish Institute for Occupational Health hat festgestellt, dass zu viele Überstunden dumm machen. Die Studie kam zu dem Schluss, dass vor allem Menschen mit höherer Bildung (da haben wir sie wieder) dafür prädestiniert sein, mehr Überstunden zu machen. Also seien es die intelligenten Menschen, die sich durch ihren Job dümmer machten.
BBBs: Ist doch logisch, die haben auch mehr Potenzial um dümmer zu werden.

Aber auch ein renommiertes Institut muss nicht vor „Plattheit“ gefeit sein, siehe die GfK (Deutsche Gesellschaft für Konsumforschung). Sie berichtet u.a. unter der Überschrift „der Luxusreise-Markt wächst“, dass die „besonders hohen Zuwächse bei Haushalten mit höherem Einkommen verzeichnet werden“. Danke GfK, auf diese Weisheit wären wir ohne Euch nicht gekommen.

Ihr Feedback, Ihre Anregungen, Ihre Meinung ist gern gesehen. (hier klicken)

DRV und Unister

Unister Travel ist ab sofort Mitglied im Deutschen ReiseVerband (DRV). Die Wirklichkeit überholt mal wieder die Satire.

Im September 2013 hatten die BBBs noch kräftig gelästert (siehe BBB vom 8.9.2013 „Reiner Calmund for (DRV-)President?“). Es ging um einen Beitrag im Branchenblatt FVW unter dem Titel „„Junge Innovatoren und Querdenker für den Verband“. Dort wurde u.a. vorgeschlagen doch mal über Thomas Wagner von Unister als Kandidat für den DRV-Vorstand nachzudenken. Das musste jedem Branchenkenner fast die Sprache verschlagen, denn gerade Wagner stand mit seinem Unternehmen Unister für zweifelhafte Geschäftsmethoden (siehe DIE WELT: „Abzock-Imperium Unister“, „Der Drahtzieher: Thomas Wagner“ usw.). Die Liste von Vorwürfen verschiedener Verbraucherzentralen gegen Unister ist unendlich lang. Auch die Staatsanwaltschaft war aktiv.
Die BBBs fanden diesen Vorschlag so absurd, dass sie lästerten, warum man nicht gleich das Testimonial der Unister-Tochter fluege.de (die immer besonders in der Kritik stand), Reiner Calmund, „for (DRV-President)“ zu nominieren.

Und dann stand noch ein besonders interessanter Absatz in den damaligen BBBs, September 2013 wohlgemerkt: „Als Entschuldigung für die FVW könnte man nur gelten lassen, wenn zum Zeitpunkt des Schreibens Stromausfall in der Redaktion war und Dirk Rogl nicht gesehen hat, welchen Namen er hier (versehentlich) geschrieben hat.“
Das ist für Brancheninsider jetzt insofern hochinteressant, denn der frühere FVW-Redakteur Dirk Rogl ist inzwischen Presseverantwortlicher von Unister Travel (!) und liefert jetzt sein Meisterstück ab: „Unister Travel in den DRV“. Chapeau Herr Rogl und Herr Raoul (CEO), das ist für Unister Travel ein toller Schritt vorwärts.

Die heutige BBB-Kritik richtet sich nämlich ausnahmslos gegen den DRV. Noch vor zwei Jahren meinte der DRV, mit Blick auf die viel kritisierten Geschäftsmethoden von Unister, mitteilen zu müssen, dass Unister „nicht“ Mitglied im DRV sei. In dieser Meldung wurden damals wichtige DRV-Leitlinien aufgezählt, u.a. „jedes Mitglied muss für Qualität und Verantwortungsbewusstsein als Dienstleister gegenüber Kunden und Leistungspartner stehen“, die demzufolge Unister wohl nicht erfüllte.

Und jetzt, reichlich lapidar, „freut sich der DRV“, dass Unister Travel Mitglied im DRV wird. Oh, dann muss sich inzwischen wesentliches gegenüber 2013 geändert haben. Gibt es jetzt einen anderen Maßstab für die Aufnahme neuer Mitglieder? Spätestens nach diesem Satz in der Pressemeldung könnte man es meinen: „Zugleich unterstreicht dies den Anspruch des Verbandes, die Interessen der gesamten Reisebranche mit all ihren Segmenten zu vertreten“. „Mit all ihren Segmenten“, heißt das „ab sofort nehmen wir jeden auf“? Ist das der Grund, warum der Verband in letzter Zeit beim Thema Qualifizierung in der Branche so leise auftritt? Sorry, so lapidar kann man Öffentlichkeitsarbeit nicht machen.

Insbesondere aus dem Kreis der Reisebüros kamen auch prompt wütende Proteste. Von Austritten aus dem Verband war da die Rede. Gerüchteweise sollen sogar einige Reisebüros, die heute nicht Mitglied im Verband sind, damit gedroht haben, in den Verband einzutreten, nur um aus Protest wegen Unister dann spektakulär austreten zu können.

Ihr Feedback, Ihre Anregungen, Ihre Meinung ist gern gesehen. (hier klicken)

Passagier repariert Boeing 737 vor dem Start

Früher hat sich unsereiner keine Gedanken darüber gemacht, wer noch auf dem gleichem Flug mitflog. Vor einiger Zeit konnte man lesen, dass man bei einer Airline (KLM?) seine Interessen eingeben könne, um dadurch einen „Gleichgesinnten“ als Sitznachbar zu finden.
Seit dieser Zeit überlege ich mir in meinen Tagträumen wen ich gerne als Nachbar/-in hätte (habe meine 10 Lieblingsnachbarinnen schon im Kopf) und wen auf keinen Fall (z.B. Fans bestimmter Fußballvereine, politische Tiefflieger, Reiner Calmund – nicht nur wegen Platzenge, sondern auch wegen seiner Nähe zu Unister). Im Prinzip mag ich auch keine Mitreisende mit übergroßen Rucksäcken, mit denen man permanent angerempelt wird und die beim Verstauen im Gepäckfach brutal meine dort sorgsam abgelegte Jacke „zerquetschen“, dass die Jacke danach noch älter aussieht als ich selbst. Auch Gérard Depardieu und andere Betrunkene mit Blasenschwäche möchte ich nicht neben mir haben und noch weniger irgendwelche Typen, die während des Fluges nach einem Fallschirm verlangen.

In letzter Zeit habe ich gelernt, dass man seine Mitflieger positiv nach anderen Kriterien auswählen sollte. In Almeria konnte der Urlaubsflieger wegen eines Defektes nicht abheben. Der Flug sollte deshalb auf den nächsten Tag verschoben werden. Zufällig war ein isländischer Mechaniker an Bord, der auch noch Ahnung von B737 hatte. Der fand sofort den Fehler und reparierte innerhalb von 30 Minuten das Starter-Ventil. Also, ab sofort möchte ich einen Mechaniker (natürlich vom passenden Flugzeugtyp) neben mir sitzen haben.

Letzte Woche war zu lesen, dass die Co-Pilotin eines Fluges von Hurghada nach Hannover an Bord mit Lebensmittelvergiftung zusammenbrach. Wieder zufällig war ein Pilot (auf eigener Urlaubsreise) an Bord, der zusammen mit dem Flugkapitän das Flugzeug sicher nach Hause flog. Also künftig, sollte auf dem anderen Sitz neben mir ein Pilot/-in sitzen.

Sicherlich wird diese neue Sitzordnung bei einigen mir Nahestehenden sehr unfreundlich zur Kenntnis genommen werden. Was soll`s, safety first.

Lebensmittelvergiftung und andere schlimme Erkrankung während eines Fluges? Könnte auch mich treffen. Na klar, ein Arzt muss an Bord sein. Sollte günstig zu mir sitzen, damit er meinen Gesichtsausdruck und notfalls auch Blutdruck und das ganze andere kontrollieren kann.

Worauf ich sehr allergisch reagieren würde? Wenn die Fluggesellschaft einen Pfarrer in meiner Nähe platzieren würde. Den möchte ich während und direkt nach dem Flug wirklich nicht brauchen müssen.

Ihr Feedback, Ihre Anregungen, Ihre Meinung ist gern gesehen. (hier klicken)

Das Osterhasengeschäft wird immer unkalkulierbarer

Das Osterhasenleben hat sich auch verkompliziert. Der Berliner Osterhase meldet z.B. große Auslastungsprobleme. Da hat der Flughafen BER 1,1 Mrd. „neue Eier“ angefordert, die schnellstens geliefert werden sollten. Das schafft auch ein Osterhase mit jahrelanger Erfahrung nicht allein. Also hat er jede Menge Subunternehmer angeheuert, in der Regel noch sehr junge Hasen, wegen Mindestlohn und so. Und was passiert. Nichts. Lieferung fällt aus, meint im Moment der Aufsichtsrat. Na ja, die Halbwertzeit solcher Äußerungen kennen wir ja. Aber im Moment ist nichts zu tun, so stehen die Hilfshasen ganz schön dumm rum. Zumal gleichzeitig sich in Berlin offensichtlich auch die Anlieferung arabischer Eier (aus Abu Dhabi) für Air Berlin verzögert. Das wäre sicherlich eine kleinere Stückzahl als beim BER gewesen, aber ein paar Milliönchen Eier sind da auch schnell zusammen.

Ganz anders sieht es beim Osterhasen-Kollegen weiter westlich aus. Der holt sich echt blutige Hinterläufe, weil er andauernd zwischen Düsseldorf (Vodafone) und Hannover (TUI) hin und her flitzen muss. In Hannover fällt außerdem die sonst übliche normale österliche Anlieferung von neuen Telekom-Verträgen fast aus. Sie ahnen schon warum.

In Köln musste ein eigentlich fertig gestelltes Osternest noch schnell vor dem Fest umbesetzt werden: Fiebig raus und Hartmann rein.

Ganz schlecht sieht es in Leipzig aus. Die Stadt hatte der touristische Osterhase überhaupt nicht mehr in der Anlieferungsliste, weil er dachte bis Ostern 2014 sei das „Nest“ schon vom Staatsanwalt leergeräumt worden. So kann man sich täuschen. Na ja, der dicke Calmund wird trotzdem kein gefülltes Ei abbekommen.

In Bayern ist der Osterhase schon im nachösterlichen Betrieb, nachdem er sehr rechtzeitig eine sehr große Doppellieferung ägyptischer Eier an die entsprechenden Adressen gebracht hatte. Aus Langeweile hat er dann am Samstag „den“ Bayern noch drei Eier ins Nest gelegt. Aber besser jetzt in der Fastenzeit, als später während der Champions League-Zeit.

Letzte Meldung: Der Osterhase gibt bekannt, dass an Lufthansa dieses Jahr keine mit Alkohol gefüllten Eier angeliefert werden. Die aktuelle Muppet-Kampagne der Lufthansa lässt darauf schließen, dass in der Marketingabteilung noch zu viele Alkoholeier vom letzten Jahr übrig waren, die offensichtlich in den letzten Tagen schnell vertilgt wurden. Aber was sind schon Miss Piggys Glotz-Augen gegen einen zärtlichen Hasenblick. Deshalb sympathisierte der Osterhase sehr mit dem Pilotenstreik, weil dadurch der Erstflug von Piggy verschoben werden musste. Jungs, Ihr habt noch ein paar Ostereier gut (für die Pilotinnen gilt das natürlich auch). .

Ihr Feedback, Ihre Anregungen, Ihre Meinung ist gern gesehen. (hier klicken)

Man kann sich keine Pause gönnen

Da machen die Bissigen Bemerkungen mal eine Woche Pause und schon fällt „Stoff“ für viele BBBs an. Dies ist nur ein kleiner Ausschnitt davon, was sich auf dem Schreitisch zuletzt gestapelt hat:
1.Tourismus im Bundestag wird weiblicher
2.Mehdorn gegen Mehdorn
3.Gerhard Schröder übernimmt Vorsitz im Aufsichtsrat Flughafen Düsseldorf
4.Pofalla und Bahn (zwar nicht neu, aber die Reklamationen häufen sich, weil die BBBs noch nichts dazu geschrieben haben)
5.Generalstaatsanwalt erhebt Anklage gegen Top-Manager von Unister
6.Ryanair stellt Marketing-Experte ein um das Image aufzupolieren
7.BdL legt nationales Konzept für den Luftverkehr vor
8.Öger und Vaclav Fischer steigen wieder in deutsches Veranstaltergeschäft ein
Alles schaffen wir nicht, aber los geht´s:

1.Tourismus im Bundestag wird weiblicher
Tourismusgurus wie Ron Imelauer predigen das schon seit mehr als 10 Jahren. Die „Entscheider“ für die touristischen Reisen sind die Frauen. Jetzt ist diese Weisheit auch im Bundestag angekommen. Neue Vorsitzende des Bundestagsausschuss für Tourismus ist Heike Brehmer (CDU). Sie löst den bisherigen Vorsitzenden Klaus Brähmig ab (die BBBs werden es verkraften). Ihre praktische touristische Erfahrung tendiert zwar stark gegen Null, aber sie hat Erfahrung in der Ausschussarbeit und ….jetzt wird es wichtig…. sie kommt vom Harz. Adieu Bayern, Adieu Sächsische Schweiz, jetzt ist der Harz mal dran. Wer mehr über Heike Brehmer erfahren will, dem sei das neue Reiseradio (www.Reiseradio.org) empfohlen. Jürgen Drensek führt ein erstes Interview mit Brehmer.

Leider ist immer noch niemand als Beauftragte/r der Bundesregierung für Tourismus ernannt. Für Wirtschaftsminister Gabriel ist Tourismus eben nicht eilbedürftig. Gerüchteweise hat Iris Gleike aus Thüringen, Staatssekretärin im Wirtschaftsministerium und Ostbeauftragte die besten Chancen so „nebenbei auch noch Tourismus zu machen“. Alles klar? Frauen aus dem Osten geben künftig den Ton vor.

Und es bleibt weiter weiblich. Für die CDU/CSU spricht über Tourismus künftig Daniela Ludwig aus Rosenheim. Ihre praktische touristische Erfahrung tendiert ebenfalls gegen Null, sie war bisher auch nicht im Tourismusausschuss. Aber als bayrisches Kind ist man per Definition tourismusaffin.
Für die SPD spricht über Tourismus Frau Gabriele Hiller-Ohm aus Lübeck. Ihre praktische touristische Erfahrung hält sich ebenfalls in Grenzen, aber sie hat langjährige Erfahrung aus dem Tourismusausschuss.

Nur in den Oppositionsfraktionen Grüne und Linke sprechen künftig Männer über Tourismus. Das wirkliche Leben ist jetzt auch im Tourismus angekommen. Frauen geben den Ton vor, den Männern bleibt die Opposition.

2.Mehdorn gegen Mehdorn
Der Prozess Schadenersatzforderung Air Berlin gegen BER beherrschte diese Woche fast einhellig mit der Formulierung „Mehdorn gegen Mehdorn“ die Schlagzeilen. In der BBB-eigenen Bescheidenheit möchten wir auf die Bissigen Bemerkungen vom 10. März letzten Jahres hinweisen. Dort formulierten wir vorausschauend: „Das schafft nur Hartmut Mehdorn – sich selbst zu verklagen“.
Weiter hieß es dort:
„Montagmorgen, 11. März 2013, 7.00 Uhr, Büro des Flughafenchefs Berlin-Brandenburg. Hartmut Mehdorn betritt sein neues Büro. Seine Sekretärin überreicht ihm die wichtigsten seit Wochen gestapelten Unterlagen. Mehdorn fragt: Was liegt da obenauf?. Antwort der Sekretärin: Da hat uns so ein Typ von Air Berlin vor einiger Zeit auf Schadenersatz verklagt, in zweistelliger Millionenhöhe.
Was wird wohl „BER-Chef“ Mehdorn antworten:
a) Verbinden Sie mich mit diesem Mehdorn von Air Berlin oder
b) Machen Sie zwei Löcher in die Klage und heften Sie das Pamphlet ab oder
c) Überweisen Sie sofort das Geld, Air Berlin braucht das nötiger als wir.“

Wie wir inzwischen wissen, hatte sich Mehdorn für c) entschieden, wurde aber vom Aufsichtsrat des BER zurückgepfiffen.

Und die BBBs hatten damals weiter darauf hingewiesen, dass Mehdorn einen 3-Jahresvertrag erhalten hat und deshalb vorhergesagt: „Jetzt ist jetzt klar, mit welchem Eröffnungstermin die BER-Verantwortlichen wirklich rechnen: 2016“. Also, alles im Plan!

Aber einen aktuellen Mehdorn Satz zu diesem Prozess muss hier erwähnt werden. Zitat Mehdorn: „Man trifft sich immer zweimal, diesmal treffe ich mich selbst zweimal“.

3.Gerhard Schröder übernimmt Vorsitz im Aufsichtsrat Flughafen Düsseldorf
Dieser Satz stimmt genauso wie der Satz „Gerd Müller wird neuer Bundes-Entwicklungsminister“. Beide Behauptungen stimmen, nur liebe Leserinnen und Leser, Ihre Assoziationen sind wahrscheinlich falsch.

Alle anderen Punkte verschieben wir auf nächste Woche.

Ihr Feedback, Ihre Anregungen, Ihre Meinung ist gern gesehen. (hier klicken)

Reiner Calmund for (DRV-) President?

Da hat sich die FVW aber ins Knie geschossen. Thomas Wagner als Kandidat für den DRV-Vorstand zu nennen. Geht’s noch? Der Absatz, in dem sein Namen genannt wird, beginnt mit „junge Innovatoren und Querdenker für den Verband“. Schon vor einem Jahr (4.7.2012) schrieb DIE WELT über „Die Machenschaften des Abzock-Imperiums Unister“ und im Beitrag hieß es u.a „Schein von Seriosität?“ und „Der Drahtzieher: Thomas Wagner“ (siehe auch BBB vom 17.12.2012 „Ab-in-den-Knast.de“). Wenn das Geschäftsmodell von Thomas Wagner „innovativ und quergedacht“ ist, dann ist dieser Vorschlag eine Beleidigung für die ebenfalls genannten (seriösen) Mitbewerber auf der Kandidatenliste (und für den Verband).

Die interne Liste der fvw soll nach eigenen Angaben noch viel länger gewesen sein. Da kann man sich schon denken, welcher Name da noch stand: Reiner Calmund for (DRV-) President.

Als Entschuldigung für die FVW könnte man nur gelten lassen, wenn zum Zeitpunkt des Schreibens Stromausfall in der Redaktion war und Dirk Rogl nicht gesehen hat, welchen Namen er hier (versehentlich) geschrieben hat.
————————————————————
Nachlese zu den BBBs vom 19.8.2013 „Die andere Sicht“.
Die FAZ und die FVW (kann man ja auch mal loben) haben es auf den Punkt gebracht. Die Reisewarnung des Auswärtigen Amtes, die rechtlich keine Reisewarnung war, war der Bundestagswahl geschuldet. Man wollte einerseits auf Nummer sicher gehen, dass dort keinem Touristen etwas passiert („wäre wahlkampfmäßig ganz schlecht“), aber andererseits hat der ehemalige „Held vom Tahir-Platz“, Guido Westerwelle, auch die Hotellerie am Roten Meer nicht noch weiter in Schwierigkeiten bringen wollen (was er aber tat). Deshalb die Entscheidung für halb schwanger. Das bestätigt was die BBBs schon am 7.2.2011 schrieben: „Westerwelle kann auch nicht Reisewarnung“.

Ganz bedenklich in diesem Zusammenhang, dass das Auswärtige Amt angeblich die Branche unter Druck gesetzt haben sollte, wenn „Ihr nicht freiwillig neue Anreisen einstellt, dann gibt es eine richtige Reisewarnung“. Aber immerhin ist es schön, schon jetzt schon zu wissen, dass nach der Bundestagswahl die Lage am Roten Meer aus AA-Sicht wieder friedlich sein wird und dem Tourismus nichts mehr im Wege stehen wird. Nur schade, dass die örtlichen Bediensteten bis dahin vor dem Nichts stehen werden (vom Vertrauensverlust in die deutschen Veranstalter nicht zu reden).

Das erinnert fatal an den April 2010, als die Politik wegen der Vulkanasche (wie man weiß völlig unnötig) die Luftfahrt lahmlegte (siehe BBB vom 26.4..2010 „Vulkanasche – die Schweinegrippe der Luftfahrt“). Wie lautete das Argument eines prominenten CSU-Menschen: „Lieber ein unzufriedener Passagier, der lebendig ist, als einer der beim Flug von Frankfurt nach Mallorca abstürzt“. Abgesehen davon, dass man sich das technisch nur schwer vorstellen kann, müsste das in Konsequenz doch heißen:
Jeder tote Alkoholiker ist ein Toter zu viel, „sofortiges Verbot des Verkaufs von Alkoholika“ (aber zynischer weise verdient der Staat durch die Alkoholsteuer sogar an jedem Toten mit).

Ihr Feedback, Ihre Anregungen, Ihre Meinung ist gern gesehen. (hier klicken)

Reiner Calmund und seine Beziehung zu Unister und TUI

Die Dauerpräsenz von Reiner Calmund auf allen TV-Kanälen kann einem richtig „auf den Keks“ gehen. Wenn er den Mund aufmacht, läuft die Heißluftmaschine auf vollen Touren. Insbesondere bei seinem Werbeauftritt für „Fluege.de“, einer Firma aus dem Unternehmensgeflecht von Unister, kann einem übel werden. Kann man sich ernsthaft vorstellen, dass es jemand gibt, der zu diesem Anbieter wegen Calmund wechselt? Allein der Gedanke, auf einem Flug dann neben ihm zu sitzen, muss doch sofort Platzangst auslösen. Aber Calmund und Unister, das passt ja („Gleich und Gleich gesellt sich gern“). „Besonders die Portale des Leipziger Unternehmens Unister haben sich mit unseriösen Methoden einen Namen gemacht“, schrieb z.B. schon am 2.7.12 die Westdeutsche Allgemeine. Inzwischen hat sich die Staatsanwaltschaft für die Unister-Gruppe interessiert und einige Vorstandsmitglieder haben danach auch die Luft in der Untersuchungshaft geschnuppert (siehe auch BBBs vom 17.12.2012 „ab-in-den-Knast.de“). Nur so nebenbei, für Calmunds Abschied bei Bayer Leverkusen interessierte sich damals auch die Staatsanwaltschaft (offiziell „ohne Ergebnis“). Das soll gerüchteweise Bayer Leverkusen damals sehr recht gewesen sein.

Interessanterweise tritt auch das Unister-Portal „ab-in-den urlaub.de“ immer wieder mit Umfragen an die Öffentlichkeit, deren Wissenschaftlichkeit man zumindest bezweifeln darf. Auch die Interpretation dieser „Ergebnisse“ dient wohl in erster Linie dazu „Hauptsache man steht in den Medien, egal wie“. Besonders die letzte Umfrage „von der Beschwerdebereitschaft von Urlaubern schon vor dem Urlaub“ fällt unter diese Kategorie. Ausgerechnet dieses Portal untersucht die Beschwerdebereitschaft schon vor dem Urlaub, wo man „auf deren Facebook-Seite Schauermärchen geprellter Kunden nachlesen kann“ (Zitat WAZ).

Etwas überraschend kommen die BBBs damit auf den TUI-Blog, aber den Grund lesen Sie einige Zeilen weiter unten.
Einen Blog auf der eigenen Firmenhomepage zu haben, ist absolut „in“. Insofern liegt TUI Deutschland damit auch richtig im Trend. Besonders interessant ist der erste Blog von TUI Deutschland Chef Christian Clemens über seine praktischen Erfahrungen an der Arbeitsfront. Wobei die Bissigen Bemerkungen dies weniger unter dem Gesichtspunkt Kundenorientierung sehen wollen (man sollte seinen Kunden, die man liebt, eigentlich nicht den „Service von Amateuren“ zumuten), sondern mehr unter der Rubrik Mitarbeitermotivation. Es kann kein Fehler sein, wenn ein Chef die Arbeitssituation vor Ort kennt. Interessant wäre allerdings auch die umgekehrte Aktion, Mitarbeiter werden für einen Tag Chef. Aus der Literatur kennen wir die Frage an Mitarbeiter „Was würden Sie tun, wenn Sie für einen Tag Chef wären und nur eine einzige Entscheidung hinsichtlich Qualität bzw. Serviceorientierung fällen dürfen“. Da wäre die Antwort mancher Reiseleiter/in bzw. von Mitarbeitern im Servicecenter sicherlich interessant.
Einziger Schwachpunkt des TUI Blogs bisher ist die Mitwirkung von…. Ja von wem? Ausgerechnet wieder von Reiner Calmund. Hallo? Wie kann man auf die Idee kommen, das Testimonial einer Firma, die einen so zweifelhaften Ruf hat und der man zudem vor kurzem die Zusammenarbeit gekündigt hat, auf seiner eigenen Homepage schreiben zu lassen. Inhalt? Siehe oben, Stichwort Heißluft, nichts Spezifisches. Wenn das getoppt werden soll, dann erleben wir demnächst Sylvie van der Vaart mit „mein TUI Urlaub mit meinem neuen Lover“ und anschließend von Jenny Elvers-Elbertzhagen „mein TUI Urlaub ohne meinen alten Lover“.
Ich wüsste schon, wer hier einen „geilen Reise Blog“ schreiben könnte. Aber dazu müsste man sich bei TUI trauen.

Ihr Feedback, Ihre Anregungen, Ihre Meinung ist gern gesehen. (hier klicken)